Ein krankes System macht Menschen krank

Interessanter Artikel in der ZEIT: http://www.zeit.de/2016/30/gesundheit-medizin-patienten-zuwendung/komplettansicht

Wenn je etwas zum Guten sich wandelt im System, dann ist das, weil persönliche Betroffenheit von mächtigen Menschen passiert. So war es bei der Psychiatrie-Reform, und hier ist wieder so ein Fall.

Nun könnte eine denken, die ZEIT wäre progressiv, oder dieser Artikel ein Fortschritt, oder da gäbe es ein wahres Leben im Falschen. Not so.

Ich zitiere einen Absatz, der die Blindheit gegen die Problematik gut verdeutlicht:

In früheren Zeiten, erklärt Gray, standen die Ärzte ihren Patienten als Heiler und väterlicher Freund zur Seite. Dann sei das Zeitalter des Arztes als Wissenschaftler angebrochen. „Jetzt muss die nächste Phase folgen“, fordert Muir Gray, „der Arzt als Coach.“ Ein Begleiter, der zuhört, gründlich informiert und nach Lösungen sucht – am besten gemeinsam mit dem Patienten.

Das ist sehr viel mehr als nur falsch, in vielerlei Hinsicht. Diese Geschichte ist eine reine Propaganda, sie schreibt Geschichte um, und konstruiert etwas, was so nie war.

Alle Lügen, die heute die Menschen leiden lassen und ihnen zugleich die Sicht auf das, was passiert, verstellen, sind hier konzentriert enthalten.

  1. Die Heilkunst hat sich rund um den wichtigsten Vorgang auf der Welt herum entwickelt – die Geburt. Und sie war eine reine Frauen-Sache. Weise Frauen haben als Hebammen die Kinder entbunden. Männer hatten da nichts zu suchen.
  2. Durch millionenfachen Massenmord und systematische Verfolgung der Frauen als Hexen sind erst die Männer in diese Domäne hinein gekommen.
  3. Männer sind nicht die Urheber der Heilkunst, Ärzte sind keine Heiler, Zuhören ist keine männliche Eigenschaft, Gemeinsamkeit ist nie Ziel in einer Hierarchie.
  4. Die Wissenschaft hat sich aus der alchemistischen Suche nach philosophischer Wahrheit durch Experimente entwickelt. Wissenschaft war mal eins, alle heutigen Wissenschaften sind Ableger dieser einen Suche nach dem EINEN.
  5. Selbstverständlich waren Wissenschaftler immer illegal, denn sie wollten etwas tun, was durch die Kirche verboten war: Erkenntnis gewinnen, die es angeblich nicht geben konnte und durfte. Sie hatten ein Ziel, was nur gegen die Gesellschaft erreichbar war, nämlich die Integration von Körper, Geist, Seele und Welt im Rahmen von magisch-mystischen Experimenten. Darin lag und liegt das Heil, nicht in abgetrennten und toten Stoffen.
  6. Ärzte haben noch nie als Freund agiert, und sie waren auch keine Heiler. Sondern der Ärzte-Beruf stammt aus dem Militär, wo es darum ging, die Soldaten zu flicken. Weil ein Feldzug massenhaft Opfer forderte, und viele eben erst durch Wundfieber starben, war da aus der Sicht der Körper-Besitzer – der Herren – ein Potential für Verbesserungen. Auf dem Schlachtfeld wurden krasse Schäden angerichtet, und die Idee war, den Tod abzuwenden durch Ausbrennen von Wunden, Amputation und dergleichen.
  7. ‚Evidenzbasierte Medizin‘, das klingt gut, ist aber komplett falsch und irreführend. Was eigentlich Evidenz sein soll, weiß schon praktisch keine. Es klingt danach, dass etwas gesichert wäre durch Wissenschaft, und genau das meint es aber nicht. Sondern – es scheint klar, was Sache ist, durch die einzige stastistische Prozedur, die mehr als nur ein paar Menschen hinkriegen, das sogenannte Eye-Balling, also kurz drauf schauen. Evidenz, das ist das Offensichtliche. Was alle einsehen, weil: Sieht man ja, wie es ist. Das ist natürlich stets falsch. Nichts, rein gar nichts, können wir einfach sehen. Sondern: Alle Wahrnehmung ist gelernt, ist eine reine Konstruktion. Bis heute geht es um Macht und Geld, es haben sich niemals die Herrschenden für Beweise oder Wahrheit interessiert — höchstens mal privat, wenn es niemand mitkriegt — oder wären ihr gar gefolgt, sondern im Gegenteil ist diese Wissenschaftlichkeit nur der Nachfolger der Gottesstellvertreterschaft mit anderem Namen. Hoc est Corpus Christi, Hokuspokus, ein fauler Zauber, um Menschen zu blenden, in etwa so wahr wie die offensichtliche Tatsache, das die Sonne sich um die Erde dreht, die Erde eine Scheibe ist und die Sterne am Firmament kleben.
  8. Weswegen ich diesen Beitrag schreibe – es ist zum Kotzen, wie verdreht die Dinge dargestellt werden: Der Arzt als Wissenschaftler. NEIN. Ärzte experimentieren mit Patienten, wenn sie dürfen – so wie es Dr. Josef Mengele tat: Wann erfrieren Menschen, wie viel und welche Folter überleben sie wie lange, das wäre Arzt als Wissenschaftler.
  9. Wissenschaft ist systematisches Experiment. Aus ethischen Gründen ist das mit Patienten (denen, die ohnehin bereits leiden) verboten. Eine solche Phase gab es nie, nicht wirklich, jedenfalls nicht so, wie es hier an die Wand gemalt ist. Die Menschenversuche finden statt, nämlich in den versklavten Ländern Afrikas. In China. Und massenhaft.
  10. Wissenschaft liefert keine Beweise, weil: Beweis unmöglich. Falsifizierung ist das Prinzip. Ausprobieren, scheitern, dadurch begreifen, dass es so nicht geht. Falsche Annahmen beseitigen, bis etwas übrig bleibt, was meistens ganz gut klappt. Das ist Wissenschaft. Wer es nicht glaubt, lese mal Kant und Popper. Und Mary Daly, für eine Darstellung der tatsächlichen Arbeitsweisen des Gehirns.
  11. Der letzte Satz – ‚Ein Begleiter, der zuhört, gründlich informiert und nach Lösungen sucht – am besten gemeinsam mit dem Patienten.‚ – ist so dumm und voller Logik-Fehler, dass es zum monatelang laut Schreien ist. Ich weiß kaum, wo ich damit anfangen soll, das zu dekonstruieren, weil es dermaßen BULLSHIT ist. Andererseits eine echte Perle – alles Verkehrte in einem Satz, und vordergründig so gut und vernünftig.
  12. Vielleicht mit ‚am Besten‘ beginnen: Am Besten, also idealerweise. So würde MANN es tun, wenn die Zeit dafür wäre – es geht aber auch anders. Weil, praktische Arbeit, da kann nicht immer alles so gemacht werden, wie es eigentlich gemacht werden sollte. Muss man ja pragmatisch sein, ökonomisch usw. usf.
  13. Begleiten ohne Patienten, wie geht das? Nach Aktenlage, was bearbeitet wird, sind Papiere anderer Leute. ‚Wir begleiten diesen Menschen‘, das ist ein Euphemismus für: Wir verwalten diesen Menschen bürokratisch.
  14. Zuhören ohne Patienten, wie geht das? Dazu kann ich nach 18 Monaten unbezahlter Arbeit in der LVR-Klinik Köln folgendes sagen: Es ist FAKT, dass Ärzte praktisch keine Zeit MIT Patienten verbringen. Dazu haben sie zu viel zu tun. Sondern, sie hören sich gegenseitig zu und vor allem: Sich selbst reden. Je höher in der Hierarchie, umso geringer der Kontakt zu Patienten, das ist sehr gut wissenschaftlich belegt. Weil ich als Psychologe gearbeitet habe, und weil Psychologen in der Psychiatrie nicht vorgesehen sind, hatte ich die Freiheit, mit Patienten zu reden, wie es mir beliebte und angemessen schien. Ich bin mit den Menschen also spazieren gegangen, raus aus dem Haus, was Kranke macht. Und habe sie reden lassen, mich dafür interessiert, sparsam nachgefragt. Immer wieder wurde mir bestätigt, was ich vermutet hatte – das das normalerweise nie passiert. Nie hört jemand wirklich zu. Für das Team war ich dann auch DIE Quelle, wenn es darum ging, schwierige Patienten zu konstruieren. Die Routine ist, dass nach einem starren Schema gearbeitet wird, in der Regel eskalativ: Wenn es nicht hilft, ist die Dosis zu gering, dann wird mehr Gewalt angewendet.
  15. So funktioniert Psychiatrie: Ziel ist es, Ruhe und Ordnung und vor allem Unterwerfung herzustellen, wobei Patienten idealerweise nicht innerhalb des Hauses versterben. Bzw. wenn das passiert, sollte es nicht öffentlich werden. Weil, sieht nicht gut aus. Pharmaka töten, direkt und indirekt, jedes Jahr sterben hunderte allein in Deutschland. Und das System fordert Opfer, die alle als ‚individuelle Einzelfälle‘ gelten.
  16. Lösungen suchen ohne Patienten, wie geht das? In einer psychiatrischen Visite – wo der Patient gesehen wird – sitzen bisweilen 12 bis 16 Personen verschiedener Fachgruppen, die den oder die ‚Irre‘ mustern. Alle reden, die Redebeiträge gestaffelt nach Position in der Hierarchie, je mehr eine weiß, umso weniger darf sie reden, und die unwissenste Person – die Chefärztin – gibt dann die Entscheidung über den einzuschlagenden Weg bekannt. Erst wenn alles beredet ist, die Arbeitsaufteilung geklärt, dann MUSS der leidende Mensch sich kaputt gucken lassen von dieser Horde. Blicke, die krank machen und letztlich töten.
  17. Wenn die Entscheidung vom Chef oder der Chefin komplett falsch ist, widerspricht niemand. Ich habe es getan, und wurde zurecht gewiesen. Daraufhin habe ich gnadenlos auch noch die Dummheit dieser Person bloß gestellt, auf das fachlich völlig Unzutreffende ihrer Replik mir gegenüber sowie die absehbar destruktiven Folgen der Chef-Entscheidung für die Patientin und ihre drei Kinder hingewiesen. Folge war eine geschockte Belegschaft, und Spätfolge war, dass ich in diesem Hause keine Anstellung bekam. Der Patientin hat es freilich nicht genutzt, wie auch. Eine Korrektur von Fehlern ist nicht vorgesehen. 
  18. Also: Prinzipiell wird alles entschieden ohne die Patienten zu fragen, was sie brauchen und wollen, auch wenn so getan wird, gelegentlich.
  19. Wehrt sich eine Patientin oder ein Patient, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, das die ‚Krankheit‚ schlimmer ist als gedacht. Womit die Parallele zur Hexenverfolgung klar sein dürfte – verstockte Sünderinnen bedürfen zur seelischen Reinigung einer noch grausameren Folter, und das ist stets zu ihrem eigenen Besten. Wobei psychische Krankheiten und Sünden halt ausgedachte Konzepte sind, die sich nirgends messen lassen in der Biologie.
  20. Arzt als Coach. Ein komplett abwegiges Bild. Ein Coach, das kommt aus dem Sport. Wenn gute Sportler alt werden, werden sie Trainer oder Coach. Sie wissen und können und haben etwas praktiziert, und dann geben sie dieses Wissen begleitend weiter. Ärzte sind Menschen, die keine Ahnung haben. Liegt an der Ausbildung, die sie zu Göttern in Weiß qualifiziert. Fachlich wenig dahinter, und je weniger körperlich das Leiden, umso ahnungsloser sind sie. Reine Hybris.
  21. Ein guter Arzt kennt seine Medizin. Frag mal den Psychiater, welche Mittel sie bereits selbst genommen und erforscht hat, wenn du mir nicht glaubst. Ich habe viele Ärzte kennen gelernt, auch persönlich, und mit Medizinstudenten gewohnt, also wehe es widerspricht mir jemand, der das ohne Erfahrung glaubt, tun zu können. Da werde ich sicher sehr ätzend.
  22. Ärzte sind selbst die Berufsgruppe mit den meisten Suiziden, auch Drogenprobleme sind extrem häufig dank der Griffnähesie würden sich aber niemals in den Kliniken behandeln lassen, wo sie arbeiten.
  23. Weil ich Psychologe bin, erzählen mir Leute automatisch ihre Probleme. Über mir leuchtet das unsichtbare Schild, da steht drauf: Erzähl es mir. Immer passiert das. Ich habe in Not auch Psychiaterinnen aufgesucht, und begutachtet wurde ich auch mal, auf Anordnung eines Gerichtes. Immer war das so, dass nach kurzem Abhaken meiner Anliegen – in der Regel Verschreibung von Gift bzw. beim Gutachter die Feststellung meiner psychischen Gesundheit – diese kaputten Menschen und ihre Probleme Thema waren. Und immer ist da was: Depression, Spielsucht, Alkoholismus, Familienprobleme, sexuelle Probleme. Alle sind sie leidend und krank, und verzweifelt. Gesunde habe ich nie getroffen.
  24. Wie kann ein Mensch, der sich selbst nicht helfen kann, gegenüber anderen als Experte auftreten? Wie kann ein Mensch behaupten, sie wisse etwas, wo nichts klar ist? Wieso sieht anscheinend niemand, das des Kaisers neue Kleider gar nicht da sind, dass dieser Pfau nackt ist? Wie kann das sein, das diese Menschen Autorität ausüben, die praktisch unangefochten bleibt? Die Antwort: Soziale Konditionierung. 
  25. Was die Wirkung von Habitus und Autorität generell erklärt, sind zwei Dinge: Soziale Konditionierung – es wurde gelernt, was zu sehen und zu hören und zu denken ist, und zwar in der Familie und der Schule und der Uni und auf der Straße. Danach wird der Mensch versiegelt und immunisiert gegen die Lebenserfahrung, so gut es geht. So funktioniert diese Gesellschaft von egomanen Robotern. Und die Wirkung von allem basiert auf der bloßen Behauptung, der Suggestion, ist also ein magischer Transfer von Zuständen durch Sprache und Leiblichkeit entlang der Linien der Macht.

 

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