Operation Mindfuck

Über Wilson, Leary, Crowley Lilly, Chomsky … da könnte ich viel schreiben, klar. Könnte man machen, aber. Wie stets beim Schreiben: Wozu es nochmal tun, wenn alles bereits dargelegt wurde.

Radikaler agnostischer Konstruktivismus, falls eine Nußschale reicht: Die Welt ist eine Konstruktion, auch die Wertsysteme (Gott) und dergleichen. Wesentliches Werkzeug sind die Begrifflichkeiten (Worte) usw. Und Schopenhauer dazu: Welt als Wille und Vorstellung. Sonderlich viel mehr Philosophie braucht es an sich nicht. Abgesehen von Fragen politischer Organisation (Macht) und Willensbildung etc. – wenn du sowas spannend findest. Und dann natürlich vor allem eines: Praxis. Bei mir war das so, als ich jünger war. Und natürlich ganz wesentlich: Invent your own religion. Natürlich ist mir eine gewisse Nähe zur diskordischen Bewegung keineswegs unangenehm.

Discordianism recognizes chaos, discord, and dissent as valid and desirable qualities, in contrast with most religions, which idealize harmony and order.

Sieht so gar nicht nach ernsthafter philosophischer Literatur aus 😉

Die „Illuminatus!“-Bücher habe ich mit 23 gelesen, natürlich begeistert. Dieses Phänomen der Verschwörungstheoretiker ist heute ja viel diskutiert, und die Idee der Realitätstunnel und Filterblasen etc. Wilson hat darüber sehr gut geschrieben. Fachlich spannend, insbesondere auch „Cosmic Trigger“.

Why ‘Welcome To The Dark Ages’ is the ushering in of the Horkosian era of Discordianism – a talk by Daisy Eris Campbell

Falls du Horkos nicht kennst … das ist eine Gottheit, die böse Leute jagt und zur Strecke bringt, die nämlich etwas geschworen haben – und dann nicht tun.

You should also know that if somebody intends to provoke me, I am accustomed to come back again the very same day“ – Horkus

Hesiod’s Theogony identifies Horkos as the son of Eris („strife“) and brother of various tribulations: Ponos („Hardship“), Lethe („Forgetfulness“), Limos („Starvation“), Algae(„Pains“), Hysminai („Battles“), Makhai („Wars“), Phonoi („Murders“), Androktasiai(Manslaughters“), Neikea („Quarrels“), Pseudea („Lies“), Logoi („Stories“), Amphillogiai(„Disputes“), Dysnomia („Anarchy“), and Ate („Ruin“).[4]

Bin auf Facebook drüber gestolpert, dass es in 2017 ein Festival23 gibt.
Und ein Theaterstück, basierend auf „Cosmic Trigger“.

https://cosmictriggerplay.com/

VICE-Artikel: https://www.vice.com/en_uk/article/qbn483/the-discordian-revival-chaos-festival

Daher ein wenig Werbung für die Discordia. Und Operation Mindfuck.

 

 

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Wolfenstein II – Nazis und die Gewaltfrage

Wolfenstein II: The New Colossus. Ein wenig rein geschaut mit der Frage: Will ich das spielen?

Am Wegesrand reden zwei Nazis über Gewalt („niemals in Ordnung“, „kein Verständnis“, „auch Menschen“) – und ihren nächsten Job (bei den Todesschwadronen).

Philosophie in Computerspielen.

Wolfenstein II: The New Colossus

Wie gewohnt völlig übertriebenes Gewalt-Epos, und wieder räumt ein Held die Nazis alle ab, zwei schwere Sturmgewehre im Anschlag. Aber unterhaltsam durch die schräge Story und die mit Alien-Technologie vermischten Nazi-Gegner. Mir persönlich sagen diese Tunnel-Spiele (letztlich nur ein Weg durch das Spiel, alles linear) und auch die Idee vom übermächtigen Helden (wie in Wolfenstein oder auch in Splinter Cell) nicht mehr zu. Egal, wie krass die Gegner irgendwann sind – es ist immer gleich, lerne sie auswendig.

Open World Multiplayer haben zwar nicht die geführte Story und die großen Effekte – nur, die sind auch letztlich nur Jump Scares wie in der Geisterbahn, nicht wirklich Action. Oder eben ein Railroad Shooter.

Anders, wenn man sich freier bewegen kann und richtige andere Spieler statt Scripts als Gegner (oder Verbündete) dabei sind. In PUBG gibt es nie eine gescriptete Wiederholung (aber natürlich lernbare Verhaltensmuster echter Menschen).

Eine Mischung aus beidem wird sicher öfter zu sehen sein, vielleicht wie GTA oder so. Missionen, aber eben auch eine in sich stimmige, vom Spieler unabhängige Welt als drum herum.

Stalker war darin wegweisend – eine Welt mit lauter sich autonom bewegenden Einheiten, die immer auch mal wieder sich untereinander in die Haare geraten – bevor Multiplayer sowas auch als Interaktion von Spielern ermöglichte. Wieso nicht die Spielleiter-Funktion(en) bei Multiplayer den Spielern geben? Arma 3 hat mit dem Zeus-Mode genau das getan – du steuerst eine Kampagne oder ein Szenario, um der Spielergruppe eine interessante Partie zu bieten. Also ähnlich wie früher die Rollenspiel-Runden.

 

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Die Zerstörung des Himmels (was Verschwörungstheoretiker so erzählen – Part II)

Viel ist zu Chemtrails nicht zu sagen. Leute gucken sich den Himmel an, sehen Kondensstreifen und spinnen sich etwas zusammen.

Allerdings geht das nur, wenn im Kopf bereits eine gewisse Bereitschaft dazu vorhanden ist, sich eine Welt ganz grundlegend als riesige Verschwörung vorzustellen.

Niemand guckt an den Himmel, sieht Flugzeugstreifen und denkt „ein Angriff mit Nano-Partikeln“ – ohne den entsprechenden Kontext.

Sowas muß man sich erst mal ausdenken, und von „zweifelsfrei“ im Zusammenhang mit Wahrnehmung zu sprechen ist sicher auch generell sehr … sagen wir mal, naiv. Aber genau darum geht es – eine einfache Erklärung, die spektakulär anders ausfällt als die der Allgemeinheit. Eine aufregende Eigenwelt, in der man ein besonderes Wissen besitzt und einen besonderen Kampf kämpft – gegen den Rest der Welt. Man könnte auch sagen: Wahn.

Nicht anders als die Theorien der Flat Earth, Hohlwelt, Mondlandungsfake und ähnliches. Oder die UFO-Gläubigen. Und wie Klimawandelleugnung, Holocaustleugnung.

Ein Mensch muss schon bereit sein, die gesamte gesellschaftliche Umgebung als von einer gemeinsamen Täuschungsabsicht kontrolliert und durchdrungen sich vorzustellen. Sprich: Paranoide Persönlichkeitsstruktur. Feige, hinterhältige Manipulatoren überall.

Mit solchen Dingen wie Wissenschaft hält man sich da besser nicht auf – oder es wird das, was Wissenschaft macht, in sein komplettes Gegenteil pervertiert. Also statt viele Studien auf ihre gemeinsame Aussage hin abzuklopfen (wissenschaftliches Vorgehen, Meta-Studien) werden einzelne Ideen oder lediglich Ausdrücke aus irgendeinem Papier von irgendwem irgendwo als „Beweis“ zitiert. Wie könnte man das nennen – Anti-Wissenschaftlichkeit? Pseudowissenschaftlichkeit, sagen viele. Aber das ist nur ein Teil davon – so tun als ob. Der schlimmere Teil ist der, Wissenschaft und Glauben in eins zu setzen. Krass. Da werden subjektive Annahmen und Anekdoten mit Ergebnissen von weltweiten Studien mal eben gleich gemacht. Klimawandel? Da glaube ich nicht daran. Aber zugleich: Chemtrails dienen angeblich der Steuerung des Wetters und stammen aus der geheimen Forschung zur Bekämpfung des Klimawandels. Ähm, ja. Also, der Verschwörungstheoretiker hat seine ganz eigenen Beweise, eben die alternativen Fakten. Davon dann möglichst viele.

Kontext ist immer irgendein Szenario eines Kampfes zwischen Gut und Böse, natürlich die entscheidende Endphase (also maximale Aufmerksamkeitshascherei und maximale Anhänger-Mobilisierung, und natürlich die Legitimation aller Mittel). Milleniarismus, sagen manche dazu. Letzte Zeiten. Die kommende Apocalypse, die letzte Schlaft, etc.

Mit einer Persönlichkeit, die sich offen gegenüber alternativen Fakten (komplettem Bullshit) zeigt, sammelt man allerdings schnell eine Menge solcher Müll-Ideen an. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der oder die nur einen einzelnen Strang von Verschwörungstheorien folgte – wenn, dann ist immer eine ganze Reihe davon vorhanden. Meistens in Kombination mit missionarischem Eifer. Immer auch mit einer Art von verquerer Religiosität gekoppelt -einem Glauben, der sich letztlich kaum artikulieren kann. Etwas starkem und unbegründbarem, was den Antrieb für die oberflächlich betrachtet lächerlichen Aktivitäten bildet. Vermutlich sind das sowohl Bindungsmotive als auch narzistische Bedürfnisse, die da rein spielen (was weiß denn ich). Selbstwerterhöhung und Gruppenbildung. Was halt Menschen so antreibt.

Woran ich schier verzweifle – die Frage, wieso diese Leute sich ausgerechnet an diese Idioten-Narrative binden. Es gibt Dinge, die mir bedeutsamer erscheinen. Beispielsweise die Tatsache, dass es Hunger in der Welt gibt, obwohl technisch die Menschheit diese furchtbare Plage locker besiegen kann. Oder dass überall Autos rum fahren und die Luft mit Stickoxiden vernebeln – was keine Phantasie ist. Die Autofahrer fahren auch viele Menschen tot. Und sehr viele Menschen töten sich selbst. Auch solche Scheußlichkeiten wie Krieg und Folter, da könnte man sich dagegen engagieren. Aber nein – es werden vollkommen bescheuerte Kämpfe gegen imaginäre Katastrophen ausgefochten. Soziale Fragen, Gerechtigkeit, Entwicklung? Alles nicht interessant, nur das eigene zählt (und da zeigt sich dann der zutiefst rechte Character dieser Narrative, eben im völkischen Denken).

Und das, was daran wirklich tragisch ist – diese alternativen Fakten sind über den Schleichweg der Esoterik-Welle in die aufklärerisch orientierten Szenen eingewandert, der rechte bis rechtsextreme Bullshit hat sich als neue Spiritualität ausgegeben.

Inklusive der rechtsoffenen Konzepte, die dabei mit transportiert wurden – etwa der prinzipiellen Ungleichwertigkeit von Menschen etc. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, auch die verbreitete (und komplett falsche) Konzeption von Karma als Prädestination und Sündenkonto mit der Schlußfolgerung, dass Solidarität Unsinn ist, weil ja jeder bekommt, was ihm zusteht und weil Kooperation mit Schwachen ein Nachteil im opportunistischen Kampf aller gegen alle ist (eine maximal rechte sozialdarwinistische Position) – diese Idioten-Narrative kommen alle aus der netten Hippie-Zeit des New Age. Da fing das an mit den alternativen Fakten. Und die linksalternativen Leute haben diese Trends befördert, vermeintlich verbunden mit der Idee von einem emanzipatorischen Wert.

Für die Chemtrails läßt sich ungefähr das Jahr 1996 als Ursprungsjahr der Verschwörungstheorie angeben – das ist also rein relativ neues und frisches Phänomen. Quellen: A brief history of „Chemtrails“. Und The origins of the chemtrail conspiracy.

Das finde ich spannend. Eine Verschwörungstheorie, die im Internetzeitalter selbst konstruiert wurde.

Also ein Fall, wo das Internet nicht eine abwegigen Idee aus alten Zeiten irgendwie wieder puscht oder dafür neu mobilisiert (so wie beispielsweise fundamentalistische Ausprägungen von traditionellen Glaubensrichtungen), sondern wo das Internet als Basis der Generierung und Verbreitung eines Memes dient. Das ist mit anderen Theorien des lunatic fringe anders.

UFO – das gibt es seit 1947. Und I want to believe ist glaube ich die beste jemals dazu abgegebene Erklärung. Das bringt es auf den Punkt. Noch so gründliche Widerlegung ändert nichts an den Überzeugungen von Gläubigen (oder weniger freundlich ausgedrückt – sektiererischen Fanatikern). Nebenbei: „UFO“ hat sich ja weiter entwickelt zu „Reptiloiden aus dem Weltraum beherrschen bereits heimlich unseren Planeten“ und dergleichen.

Mondlandung ist fake – das gibt es seit 1976. We Never Went to the Moon: America’s Thirty Billion Dollar Swindle, was self-published in 1976 by Bill Kaysing.

Die Klassiker – Flachwelttheorie (Mitte 19. Jahrhundert, Samuel Rowbotham), Hohlwelttheorie (im 17. Jarhundert eine wissenschaftliche Theorie, danach verworfen und nur noch von Verschwörungstheoretikern weiter gesponnen) bzw. genauer Innenweltkosmos (1870 von dem Amerikaner Cyrus Reed Teed (1839–1908) aufgestellt).

Antisemitismus – 1800. Illuminaten – 1776. Diese beiden Stränge sind natürlich wesentlich anders gestrickt als die bisher angesprochenen Verschwörungsnarrative.

Es geht nicht in erster Linie um eine paranoide Verarbeitung der Moderne und der Technik (heimlich, gefährlich, Regierung und Konzerne vs. der einfache Mann, wir werden belogen) – sondern um die Frage „Wer ist schuld an allem Übel?“ – bezogen auf politische und gesellschaftliche Umbrüche.

Der Nationalsozialismus hat mörderisch klar gemacht, wie Antisemitismus als Staatsziel sich auswirkt. Wobei Hitler in „Mein Kampf“ sehr deutlich den Antisemitismus als ein strategisches Mittel der Politik und Propaganda beschreibt, weniger als etwas irgendwie Faktisches (zumindest sind Fakten egal, es geht darum, alle diversen politischen Gegner propagandistisch unter einen Hut zu bringen, die Erklärung gegenüber den Massen möglichst einfach zu gestalten).

Noch mal zurück zu dem Aspekt vom Müll-Magnetismus im Zusammenhang mit Idioten-Narrativen. Wie gesagt, es finden sich selten reine Vertreter einer einzelnen Verschwörungsüberzeugung – wenn, dann sind praktisch immer viele solche Stränge vorhanden. Mich interessiert dann immer, welche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gehen damit einher. Denn Rassismus, Sexismus, LGBT*-feindliche Einstellungen, Behindertenfeindlichkeit etc. mit den Idioten-Narrativen eng gekoppelt scheinen (meine Annahme, bisher habe ich dazu erst wenig gelesen).

Letztlich ist meine Vermutung – egal mit welchem Strang von alternativen Fakten man startet, letztlich sind das alles Einstiegspunkte in einen Sumpf voller giftiger Nebel. Man landet in einem rechtsextremen Weltbild. In der Alt-Right, würde man heute wohl sagen. Wobei ich mich frage, liegt das daran, dass diese Gruppierung ein Kulminationspunkt menschlicher Dummheit ist, oder daran, dass diese Leute sehr stark den lunatic fringe besetzt bzw. an ihre Tröge gelockt haben?

Weil ich es wissenschaftlich mag, werde ich demnächst mal Barkun lesen (habe das jedenfalls vor).

Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun spricht von „conspiracy beliefs“ („Verschwörungsüberzeugungen“) bzw. einer „conspiracist worldview“ („konspirationistischen Weltsicht“), die durch die Annahme gekennzeichnet sei, eine Organisation agiere böswillig und im Verborgenen. Typisch für dieses Denken sei der Ausschluss von Zufällen – alles Geschehen werde auf die absichtsvollen Handlungen der Verschwörer zurückgeführt –, der Zweifel an allem Offensichtlichen – nichts sei, wie es scheine, es gelte immer, eine geheime Wahrheit zu entdecken – und die Annahme, alles sei miteinander verbunden – nur die Aufdeckung „geheimer Muster“ liefere eine Erklärung für die Geschehnisse.

Quelle: Wikipedia

Barkung stellt auch auf das paranoide Element ab: Alles ist böse Absicht verborgener Mächte. Im Kern die verweltlichte Form von Teufelsglaube (eine böse Kraft arbeitet gegen uns). Kein Wunder, das diese Idioten-Narrative für fundamentalistische „Christen“ attraktiv sind, denke ich mir gerade.

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Fragen meiner Jugend

Als ich anfing, über die Welt nach zu denken.

Was passiert da? Wie ist das zu erklären, wie funktioniert es? Wieso ist das so? Muß das so sein? Welche Alternativen gibt es, da wo Dinge nicht so gut sind?

Der Umgang der Menschen untereinander und mit den anderen Dingen und Wesen um sie herum – da ist sehr viel sehr brutal und widerwärtig. Weltkriege, Sklaverei, Genozide, Armut, Obdachlosigkeit, Gewaltherrschaft, Folter, die Ausbeutung der Ressourcen gegen jede ökologische Vernunft. Der Umgang mit Nutztieren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der gemeinsame Nenner dieser Themen: Politik und Wirtschaft. Und was den Akteur „Mensch“ angeht: Psychologie.

Eine mögliche Lösung schienen die alternativen politischen Theorien zu bieten – Sozialismus, Anarchismus. Ganz offensichtlich politische Ideologien, die sich aus einem mit dem Christentum geteilten Strang von Werten – Gewaltlosigkeit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – heraus entwickelt haben.

Könnten wir nicht alle respektvoll und egalitär miteinander umgehen?

Tun wir aber nicht. Treffen sich zwei Menschen, sortieren sie sich nach hierarchischen Kriterien. Zum Beispiel verhalten sie sich unterschiedlich zueinander, wenn sie sich als ungleich einstufen – sich als Mann und Frau, arm oder reich oder als weiß und schwarz klassifizieren etc. Welche Unterschiede von welchen Kriterien eine Rolle spielen, hängt dabei an einem sozialen System einer geteilten Weltanschauung.

Beispielsweise trifft eine geniale Bauersfrau einen dummen adligen Mann, es ist aber Mittelalter – dann hat die Frau verschissen. Heute wäre die Frau möglicherweise eine Mathematik-Professorin und der Mann ein Trinker am Kiosk. Der Unterschied von Geschlecht war im Mittelalter sehr sozial relevant, der von Intelligenz nicht – und vielleicht ist es heute anders und auch besser. Was natürlich daran liegt, dass ich Intelligenz für wichtiger und wesentlicher halte als biologisches Geschlecht.

Die Organisation von Menschen in Gruppen, das ist ein Thema, was mich immer wieder fasziniert hat. Wie macht man das, und wann kriegt man welche Resultate?

Leider sind die Ergebnisse ernüchternd: Was so einfach zu sein schien – es anders machen – erweist sich beim Ausprobieren als dermaßen schwierig, dass es für Leute, die trotzig an dieser Mission festhalten, praktisch nur eine Geschichte von gescheiterten Versuchen geben kann. Ist auch möglich, dass ich mich nur besonders bescheuert angestellt habe, na klar. Allerdings sehe ich um mich herum auch wenig, was dafür spricht, dass diese Ansätze tatsächlich funktionieren. Und die Leute, die ich für meine Helden halte, sind oft recht miserabel geendet.

Darunter Künstler, Philosophen, Heilige, Spinner, Wissenschaftler, Liebende. Was die spirituelle Seite angeht, mag ich nicht urteilen. Viele haben aber offenbar ihr Leben lang gesucht und gekämpft und sich eben einer einfachen Lösung der inneren Widersprüche entzogen, sondern bewußt es sich schwer gemacht. Vielleicht, weil sie nicht anders konnten. Wer weiß das schon so genau – den Unterschied von können und Wollen hat ja auch noch nie wer wirklich dingfest machen können.

Ich bilde mir nicht ein, ich wäre wichtig. Auch wenn ich mir das wie vermutlich jeder mal sehr gewünscht habe. In einem kleinen Rahmen jemanden etwas bedeuten, das ist schon fein. Aber selbst wenn nicht – bereits die eigene emotionale Beziehung zu irgendwem oder zu irgendwas reicht aus, sich selbst zu erhalten.

Auf meinem Blog schreibe ich über Themen, die mich beschäftigen – nicht für andere, sondern weil es mir selbst etwas bedeutet, diese Aspekte meines Denkens zu verschriftlichen. Und seit mein Zettelberg mir über den Kopf gewachsen ist, finde ich es sehr erstrebenswert, lieber mehr digialen Formen der Speicherung von Fragmenten meinen Hirnschmalz anzuvertrauen.

Tatsächlich habe ich mir gedacht, wie wäre es, wenn ich parallel zur Entrümpelung meiner Papierhalde eine Reihe von kurzen Beiträgen jeweils zu den Themen mache. Vielleicht mal dies und das einscanne. So habe ich ein wenig eine Essenz gebildet, falls das klappt.

Man soll sein Herz nicht an Dinge hängen. Wenn das mal so einfach wäre. Meine Beobachtung dazu – ich habe mit Dingen eine längere Beziehung als mit Menschen, und mehr Freude an Dingen als an Menschen. Vermutlich, weil Dinge eine Erweiterung meiner Möglichkeiten sind – Machtmotiv; etwas tun können.

Während Menschen regelhaft zwei Aspekte mit bringen, die ich nicht so geil finde.

  1. Sie machen nicht, was ich will, und sie behindern mich in meinem Willen
  2. Sie machen was, was ich nicht will, und behindern mich damit in meinem Wohlfühlen

Was natürlich dafür spricht, dass ich ein Problem mit sozialer Interaktion habe. Und ein komischer Egoist bin, der nicht gelernt hat, sich einzufügen. Die logische Konsequenz – sich irgendwohin zurück ziehen – geht nicht.

Denn zugleich habe ich ein sehr starkes Verlangen danach, mich mit Menschen auszutauschen, was mich immer wieder dahin zieht, wo was los ist. Das habe ich über mich gelernt, als ich in den Bergen in Südfrankreich war. Ab und zu auf den Markt und unter Leute kommen, schon sehr wichtig.

Was mir sehr fehlt – Leute, die ähnliche Sachen wie ich bearbeiten. Kann sein, ich bin da einen eigenen Weg so lange gegangen, dass es in der – bildlich gesprochen – Gegend, wo ich nun bin, niemanden sonst gibt, der da auch wandert. Das stimmt aber nur sehr partiell. Natürlich sind es eher Schichten. Tiefer drin bewegen mich die genau gleichen Dinge wie alle anderen Menschen, was die grundsätzlichen Fragen angeht. „Wie kann ich weiter machen?“ – die zentrale Frage des individuellen Lebewesens. „Wer hat mich lieb, wer schützt und tröstet mich?“: Weil wir kollektive Wesen sind, die Bindungsbedürfnisse haben. Und: „Was ist zu tun?“ – weil ein Apparat da ist, der etwas machen mag und dafür Orientierung benötigt. Ganz grundsätzliche menschliche Angelegenheiten, aus denen sich – falls man irgendwo ankoppelt – alles andere eigentlich auch „von selbst“ ergeben könnte.

 

 

 

 

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Sehnsucht nach dem sinnstiftenden Mythos

Menschen können vermutlich nicht anders, als ihrem Bedürfnis nach einem großen sinnstiftenden Rahmen ihrer Existenz irgend eine Form zu geben. Ohne den Glauben an *irgendwas* geht es offenbar nicht. Man nehme folgende Zutaten:

  1. ein epischer Kampf von zwei Seiten, in dem du zur Gruppe der Guten gehörst
  2. eine Handvoll Leute, die das genau so sehen

und fertig ist die Laube.

Eine Form von eingebauter Gruppendynamik organisiert dann den Rest – es gibt eine Hierarchie, und jemanden, der die Inhalte weiter entwickelt, den Kult ausbaut.

Wird eine solche Gruppe größer, sprengt sie sich automatisch selbst in Splittergruppen auf.

Lustigerweise ist diese Geschichte bis heute nicht gelöst – in allen größeren Organisationen gibt es diese ausgeprägte Sinn-Leere, das „Unpersönliche“ – die wird dann wieder aufgefangen durch die Bildung von Kleingruppen mit hoher gefühlter Sinnhaftigkeit, die dann allerdings gegeneinander arbeiten.

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Beyond the lunatic fringe

Bekanntermaßen leben wir in konstruktivistischen Zeiten – wer es wissen will, dem ist bekannt, dass der Mensch ein Wesen ist, was sich Mythen zusammen baut, sich darin gemütlich einspinnt, eben so, wie eine Winkelspinne sich mit Netzen umgibt. Und genau wie die Winkelspinne ihre kleine Ecke über alles liebt und dem Rest des Terrariums keinerlei Interesse zukommen läßt, so sind auch Menschen eher nicht die großen Wanderer im mythologischen Weltenraum. Mythos, das ist allumfassende und endgültige Welterklärung, eine ersponnene Geschichte, die alle Wahrnehmungen letztlich zusammen fügt und trägt. Nationen, Religionen, Traditionen, Institutionen, die Beziehungsdyade – alle diese transpersonalen Systeme sind letztlich auf diese Weise gebaut – sie existieren als ein Netz von Verknüpfungen körperlich in der Person, die sie trägt (letztlich als kognitiv-emotionale Muster auf neuronaler Ebene). Möglich geworden sind diese Systeme evolutionär durch Sprache, und auf ihnen baut die gesamte Zivilisationsgeschichte auf. Buchempfehlung: Yuval Noah Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit. Das Netzwerk im Kopf korrespondiert mit den Netzwerken in anderen Köpfen und dem Netzwerk, was wir heute als Internet kennen und betreiben (von dem haben die Pioniere immer gedacht, dass es eine Art globales bzw. planetares Gehirn werden würde). Konstruktion von Weltanschauung(en) ist für mich als Psychologen eine spannende Sache, und ich habe eine Schwäche für die Untersuchung von abseitigen Phänomenen. Das ist Teils schlicht meiner Neugier geschuldet – normal ist stets langweilig, genau genommen ist ja die Definition von normal genau das: Verursacht keinerlei Aufregung. Was normal ist, entspricht dem Bild, was allgemein geteilt wird. Da die Welt etwas gemachtes ist – nicht die Wirklichkeit, sondern unser davon komplett unabhängiges System der Anschauung der Wirklichkeit – sind normale Weltbilder natürlich Ergebnis einer dauernden Propagierung von offizieller Wahrheit. Die Hegemonie der dominanten kulturellen Interpretation von Wirklichkeit, inklusive der darin enthaltenen Verhaltensnormen. Ohne diesen Mechanismus zerfällt jedes größere System sofort in seine Einzelteile. Daher hat dieser Mechanismus enorme politische und soziale Bedeutung und auch Brisanz. Wie immer habe ich weit ausgeholt, eigentlich wollte ich kurz und knapp etwas dazu schreiben, womit ich mich eben beschäftigt habe: Nämlich dem lunatic fringe, der völlig verrückten Außengrenzen des Ideen-Raumes. Ähnlich, wie die Neuro-Anatomie sehr viel gelernt hat von Fällen, wo Menschen schwere Schädelverletzungen hatten und große Teile des Gehirns kaputt waren – wenn das so ist, fallen manche Sub-Systeme des zentralen Nervensystems (ZNS) aus, woran sich erkennen ließ, dass es in der Tat funktionelle Einheiten im ZNS gibt und so ungefähre Ideen davon, welche und wo – kann ein konstruktivistisch denkender Wissenschaftler sehr viel lernen über die Psychologie der Mythenkonstruktion durch das Studium von Leuten, die sich ausgesprochen un- oder anti-normale Weltanschauungen gebastelt haben. Jedenfalls ist das mein Ansatz, und ich finde den sowohl unterhaltsam als auch fruchtbar. Das Internet macht vieles erforschbar, was zuvor soziologischen, politologischen und psychologischen Studien nicht zugänglich war. Menschen geben von sich aus sehr viel über sich und ihre Ideen, Gefühle, Ansichten, Vorlieben, Abneigungen und generell ihr Verhalten öffentlich preis. Neoliberalismus erfordert ständige Selbstvermarktung (die wirtschaftspolitische Dimension). Die bindungssuchenden Primaten, die wir biologisch zugleich nach wie vor sind, konkurieren zugleich um Streicheleinheiten in From von Aufmerksamkeit und Anerkennung. Beides zusammen bildet – neben vielen anderen Faktoren – die Grundlage für die Entstehung eines enormen Datensatzes – jede Stunde erweitert sich durch individuelle und institutionelle Beiträge das Internet mit wahnsinnig vielen Informationsmolekülen, neuen Fäden und Geschichten. Der multimediale Hypertext wächst andauernd, und ist natürlich zugleich Material für verschiedenste Versuche der Erforschung. Data mining war mal eine Metapher für diese Versuche, automatisiert Zusammenhänge in diesem Datenwust zu finden. Keine Ahnung, wie die aktuellen buzzwords lauten, das ist mir egal – die Idee, mit sehr sehr sehr großen Stichproben (idealerweise einer Komplett-Erfassung in Echtzeit) zu arbeiten, hat mir früher (~1996) schon als ein absolut geniales Instrument der Wahrheitssuche (im Sinne einer Konstruktion eines Modelles, was auf alle Daten maximal gut paßt) eingeleuchtet und mich enorm begeistert. Wer das nicht kennt – psychologische Forschung hat in der Vergangenheit sehr oft mit scheußlich kleinen Stichproben gearbeitet, und als Statistiker hat es mir vor den daraus extrahierten Gesetzmäßigkeiten (die dann auf die Menschheit verallgemeinert werden) immer gegruselt. Vieles davon hat empirisch praktisch keine Basis, was Kolleg*innen nicht gerne hören. Beispiel: Das Yerkes-Dodson-Gesetz. Es besagt: Umgekehrt U-förmiger Zusammenhang von Aktivierung und Lerneffizienz. Zu wenig oder zu viel Erregung sind dem Lernen abträglich, eine mittlere Aktivierung ist optimal. Klingt wie eine Binsenweisheit, und vermutlich ist es das auch. Nur – das wurde wissenschaftlich, also systematisch und experimentell – untersucht und belegt. Wer wie ich ein wenig weiter schaut, sich die Original-Arbeit ansieht, erlebt allerdings eine ernüchternde Überraschung. Untersucht wurden Wachteln, die auf die Unterscheidung von Farben konditioniert wurden. Und daraus wurde dann ein Gesetz abgeleitet, was für irgendwie alles gelten soll. In vielen anderen Bereichen sind es auch tierexperimentelle Studien, die auf Menschen verallgemeinert wurden. Oder eben die Studien, wo ein N (Stichprobenumfang) so klein gewählt wurde, dass Statistik an und unter ihre minimalen Anforderungen gerät. Auch der umgekehrte Fall – sehr große Stichproben – führt zu lustigen Pseudo-Ergebnissen – wenn N sehr groß ist, werden sehr kleine Mittelwertsunterschiede hoch signifikant. Ok. Weil das nur Erinnerungen sind an alte Gedanken, gleich wieder raus aus der Abschweifung. Vielleicht zur Erklärung, wieso dieser Text nicht mal minimal stringent daher kommt – es war ein heißer Tag, und nachts elend schwül. Deswegen habe ich mich mit Kaffee und Kippen am PC unterhalten mit eher sinnfreiem Zeugs, und irgendwann mal drauf los geschrieben. Liest sowieso keine Sau – wozu sich also die Mühe einer Didaktik machen. Jedenfalls habe ich mich Zeit meines Lebens immer für Außenseiter interessiert, die eigene und andere Weltanschauungskonstruktionen mit sich herum tragen. So einer bin ich ja auch immer gewesen, und habe das entsprechend ausgebaut. Durch den Anderen erkenne ich mich selbst im Außen, durch mich selbst erkenne ich den Anderen im Inneren. Beides korrespondiert und steht in einem Resonanz-Verhältnis. Um kurz einen Abriss zu geben, was mich interessiert hat: Als junger Mensch fand ich Politik, Sexualität und Drogen spannend. Dann logischerweise Magie, Astrologie, Esoterik, Hippies, Psychedelik und solche Geschichten, und entsprechend auch freie Geister aller Art … darunter fiel für mich jeder, der sich von der Idee der geteilten Weltsicht und von gedanklichen Konformismus hinreichend verabschiedet hatte, um sowas wie eigene Positionen zu formulieren oder auszudrücken. Nach mehreren gesellschaftspolitischen Experimenten – die wunderbar lebendig und utopistisch waren und ökonomisch sowie bio-psycho-sozial jeweils krachend gescheitert sind – kam ich auf die Idee, den Gründen für dieses Scheitern auf den Grund gehen zu wollen. Daher eine radikale wissenschaftliche Wende gemacht, alles auf den Prüfstand gestellt, Psychologie studiert. Promoviert über Mediennutzungsforschung von Heranwachsenden, bzw. daran gescheitert, diese Arbeit auch fertig zu stellen. Wollte ein Professor werden – heute bin ich einer, nur eben nicht offiziell, mehr so mad professor. Was mir aber auch besser gefällt, bis auf die Komponente fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Wäre schon schön, ich könnte was beitragen in den Diskursen der sogenannten wichtigen Menschen (derer mit Macht und Geld). Und hätte weniger prekäre Verhältnisse. Aber scheiß drauf, so ist meine Unabhängigkeit von diesen Systemen bzw. ein Nicht-Eingebunden-Sein in den Apparat immerhin dafür gut, dass ich nicht korrumpiert bin durch eine Interaktion mit den System-Leuten. Allerdings auch abgeschnitten davon, was die sehr schlauen Leute so zusammen basteln – früher habe ich nächtelang mit Leuten diskutiert und mich ausgetauscht, heute lese ich deren Ergebnisse (den veröffentlichten Teil) und denke mir den Rest dazu. Sehe aber auch – viele der high IQs sind in totaler Sinnlosigkeit eingebunden, geben einem System ihre Energie und ihre Kreativität, was daraus wieder neue sinnlose Plastik-Müll-Geschichten macht. Reproduktion von destruktiver Scheiße, darin hat mein Interesse nie bestanden. Daher auch irgendwie erfreulich, dass mir das erspart geblieben ist. Jedenfalls – nachdem eine Karriere als Psychologe trotz scheußlich gutem Diplom gefloppt war, habe ich mich als Psychotherapeut weiter gebildet. Und mit Menschen gearbeitet, die für psychisch krank erklärt und mit Drogen voll gepumpt werden. Interessiert haben mich da vor allem die F20 (paranoid-halluzinatorische Schizophrenie) und natürlich die bipolare Störung (Depression, Manisch-Depressive Störung). Beide Kategorien überlappen – es steckt viel Leid darin, wie die Gesellschaft mit solchen als krank gelabelten Menschen umgeht, weswegen die glücklichen Verrückten sehr selten sind. Wenig überraschend ist es mir gelungen, auch in diesem Karriere-Pfad an meiner antagonistischen Haltung zu fachlich nicht gerechtfertigter Autorität zu scheitern – ich würde sagen, alles andere wäre wirklich eine erstaunliche Sache gewesen. Bisher war das immer so – weil der Herr Wild sein Maul nicht halten kann, wenn er was für extrem daneben hält, fliegt er überall raus. L’eclat, c’est moi. Damit habe ich mich ein Stück weit arrangiert, vermutlich vor allem deswegen, weil ich dieses Muster nicht überwinden kann. Versucht habe ich es mehrfach, vor allem um anderen sozial zu gefallen und nützlich zu sein – und weil ein Teil von mir sich so sehr wünscht, endlich mal irgendwo dazu zu gehören. Liebe und Anerkennung zu erfahren, Familie zu sein – solche Sachen. Heute weiß ich natürlich, soziale Beziehungen sind eine aufwändige Sache – da ist sehr viel zu tun und zu lassen, damit das gut funktioniert mit anderen Menschen. Wäre das mein Ding, ich hätte nie die Zeit gehabt, mich zu dem zu entwickeln, was ich heute bin. Wie der schöne Spruch es stark verkürzt formuliert: Glück – das ist dumm sein und Arbeit haben. Was ich mache, macht nicht glücklich – weder mich noch andere, und darum geht es mir auch nicht. Klar, ich mag gerne glücklich und zufrieden sein (bin das auch oft) – nur stellt sich das eher über Umwege ein, als das ich dafür irgendwas täte. Sondern ich folge sehr klar meinem Willen (konzipiert als einer Art von innerem Antrieb, einem folgerichtigen nächsten Schritt, oder auch der einzigen Wahrheit, die ich jemals erleben werde). Nebenbei bemerkt, Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung. Völlig unterschätzt, großartige Bücher. Alles andere als einfach zu lesen, weil eigenwillig geschrieben. Aber sehr gehaltvoll, und inhaltlich unglaublich modern. Man merkt ihm die Beschäftigung mit den Veden an. Und erneut ein Ende der Abschweifung. Hier wieder der rote Faden – die sehr lehrreiche Beschäftigung mit den Mechanismen der Weltanschauungskonstruktion am Beispiel von völligst verrückten Menschen. Damit hatte ich mich zuvor beschäftigt. Wer meinen Blog kennte, wüßte um meinen Ärger mit den Verschwörungstheoretikern aller Art, die mich bisweilen an meinen Fähigkeiten zweifeln und verzweifeln ließen. Es gibt ja eine schwer überschaubare Anzahl von Bausteinen, woraus sich alternative Weltmodelle basteln lassen. Wie eine Studie zu Verschwörungstheorie (VT) zeigt, die ich kürzlich las und gut fand, sind die Websites, die solche Weltanschauungen vermarkten, alle miteinander verbunden und bilden – wie im eingangs beschriebenen Bild von der Winkelspinne – ein dichtes klebriges Netz miteinander. Egal, mit welchem Teil davon man beginnt, es werden häppchenweise immer neue und tiefere „Wahrheiten“ angeboten. Also die Frage, wie würde wohl eine der Spinnen bzw. ein solcher Spinner aussehen, die/den man findet, wenn man den Fäden nach geht? So kam ich auf Herrn Stoll und seine Tiraden über Arier vom Aldebaran. Wer den nicht kennt – der Mann ist bereits verstorben, war zu Lebzeiten nach der DDR als Staubsauger-Vertreter unterwegs und selbst dem Kopp-Verlag zu irre. Dagegen sind Ken Jebsen und Jürgen Elsässer vergleichsweise fast schon langweilig. Wobei langweilig = normal hier auch gefährlicher im Sinne von Anschlußfähigkeit bedeutet. Was für mich aus der Entfernung betrachtet irgendwie lustig ist – sich in überwertige Ideen völlig hinein steigern – ist zugleich im realen Leben enorm gefährlich, denn wir haben durch verschiedene unerfreuliche Ereignisse des 20. Jahrhunderts gelernt, dass es durchaus nicht reicht, wenn die Welt einen Irren als irre erkennt, um dessen Einfluss auf eine große Gruppe von Menschen ausreichend einzuhegen, damit kein größerer Schaden entsteht. Ohne ins Detail zu gehen – wie viele erkennbar nicht geistig gesunde Personen heute in der Welt über Macht und Einfluß verfügen und was das mit der Menschheit anstellen kann, dürfte vielen bereits bekannt sein. You can’t grab science by the pussy – but you can bunga bunga the biosphere. Um das mal kurz und klar auszudrücken. Also, Herr Stoll. Kein besonderer Fall, an und für sich. Der grundlegende Mechanismus ist trivial. Jemand, der ein trostloses Leben führt, phantasiert sich eine Welt, in der er wichtig ist und etwas weiß. Genau das mache ich auch, und eigentlich macht das jeder Mensch. Nennt sich Ego. Solange es in vernünftigen Grenzen bleibt, ist das eine ganz und gar gesunde Sache und darüber hinaus überlebensnotwendig. Pathologisch sind die extremen Fälle. Nämlich die, wo außer Ego nichts mehr da ist, und dann aus dem Bedürfnis nach Kontakt mit etwas anderem ein Angriff erfolgt. Solche Leute detonieren sich selbst und töten Menschen, beispielsweise. Was ja auch nur eine andere Art ist, auszudrücken I was here. Allerdings eine, die alle anderen total abfuckt. Scheußlich. Frage daher, wieso reicht es denen nicht, einen tag irgendwo hin zu sprühen oder sowas. Wie groß muss dieser innere Antrieb sein, um so etwas fieses und brutales zu tun – und vor allem, woraus besteht dieser Antrieb und welche kognitiv-emotionalen Komponenten führen zu diesen speziellen Ausprägungen von antisozialem Verhalten? Ein Brevik kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern: Da ist viel Zeit und Arbeit investiert worden. Die islamistischen Attentäter, die kommen schon eher aus dem Nichts, weil sie halt eher unintellektuell an die Kombination aus Selbstwert-Demonstration und Selbstauslöschung ran gehen, in der sie die Lösung ihrer Problematik finden. Das sind Leute, die – wie jedes menschliche Wesen in der Moderne – die eigene Nichtigkeit spüren und mangels Bildung und Erkenntnis recht leicht auf ein preiswertes Täuschungsmanöver aus dem letzten Jahrtausend rein fallen (Versprechungen von Belohnungen im Jenseits). Sprengstoff umgeschnallt, fertig ist der Selbstmord-Depp. Der Herr Stoll dagegen liest sich eifrig die diversen Bücher durch, die es über Verschwörungstheorien gibt, und wird so zur Wandelnden Bibliothek des Schwachsinns. Und das reicht dann, um sich zu stabilisieren und eine Art von Gemeinde zu haben, also soziale Anerkennung und auch kleine finanzielle Zuwendungen. Dazu ein passender Habitus (Hitler-Imitation kommt immer gut, weil recht bekannt) – und fertig ist die Laube. Darin ist Herr Stoll ein Muster für den Einzelunternehmer in Sachen Selbstvermarktung – freilich einer, der halt mit Nazi-Flugscheiben und dergleichen ein eher randständiges Publikum bedient. Wieder eine Abschweifung: Um 1920 herum gab es zahlreiche sogenannte Inflations-Propheten (bzw. Heilige). Das waren Irre, die unterschiedliche Ende-Der-Welt-Theorien mit einer Art von messianischem Auftreten verbanden. Etwa so wie in Life of Brian. Vermutlich gibt es solche Leute immer, wenn eine Krise da ist – macht ja Sinn, dass dann der Suchraum für mögliche gesellschaftliche Veränderungen vergrößert wird, wenn es so aussieht, als ginge es so nicht mehr weiter. Heute – durch die Vernetzung bzw. das Internet – sind natürlich die Reichweiten der Irren stark vergrößert. Wer früher garantiert keine Jünger gefunden hat (weil zu abgedreht), kann heute unter Millionen sicher irgend wen finden, der/die genau diese Art von Abgedrehtheit auch gut findet. Wenn das einige tun, entsteht eine Subkultur – und damit ein Soziotop, indem sich irres Zeugs zu einer stabilen und geschlossenen Weltanschauung mausern kann. An solchen Subkulturen kann ich nun wieder studieren, wie sich solche Formationen bilden und verändern, und auch, wie sie auf die umgebenden Systeme und letztlich die Mehrheitsgesellschaft ausstrahlen. Weil – kleine Gruppen mit extremen Ansichten und Handlungen bewegen ganze Gesellschaften, indem sie Bezugspunkte verschieben. Dazu braucht es nicht viel und nicht viele. Die viel zitierten 68er waren nicht wirklich viele, und der Kern der aktuellen rechtsesoterischen Szene ist auch nicht sonderlich groß. Dennoch beeinflussen solche Ideenverbreiter viele Menschen. Im Sinne von Aufklärung ist es daher ganz gut und sinnvoll, mal das Vollbild dieser Verschwörungsschwurbelei vor Augen zu haben. Hier siehst du, wie er vor Publikum die Nazi-Rampensau gibt. Und genau dafür ist Herrn Stoll zu danken – er hat das perfekt verkörpert. Nun ist es allerdings nicht so, dass wirre Thesen von solchen Menschen einfach so angenommen werden – im Gegenteil. Es ist sicher so, dass die Aufbauarbeit, die geleistet wird, an einem Punkt beginnt, der sehr persönlichkeitsnah und lebensgeschichtlich bedeutsam ist. Bei Stoll der Vater. Dessen Arier-Nachweis, beispielsweise. Bekannt ist, dass Stoll Frauen und Kinder nicht leiden konnte, und vermutlich auch sonst niemanden. Logischerweise will er aber sich selbst irgendwie mögen und psychisch stützen, also volle Identifizierung mit dem Vater. Und mit irgendwas – es muss aber stark und möglichst entfernt von denen sein, die er verabscheut (die ihm weh getan haben). Der Nazi-Link war da, also wieso nicht ein Weltraum voller Nazis? Und selbst auch ein Außerirdischer sein – nicht von dieser Welt. Das findet sich immer wieder bei verrückten Menschen, dass sie sagen, ich bin nicht von diesem Planeten. Mache ich auch so, es ist mir eine tröstliche Vorstellung, hier nicht dazu zu gehören und nur scheinbar da zu sein. Eine logische Folge von emotionaler Abgrenzung, wenn sie separatistisch wird. Das ist, denke ich, die Hauptfunktion von abseitigen Glaubenssystemen – eine Eingemeindung des Selbst in etwas anderes, gegengesetztes, eigenes. Im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie gibt es Forschung zum Phänomen der inneren Kündigung – ein Prozess, wo der Mitarbeiter die Identifikation mit dem Unternehmen aufgibt, nur noch Dienst nach Vorschrift macht, komplett demotiviert ist und tendenziell ausschließlich eigene Ziele verfolgt. Dort wird es als mit dem Gefühl des Getäuscht- bzw. Betrogen-worden-seins, also mehr als nur mangelnder Anerkennung, assoziiert. Gut verständlich, und der grundlegende Mechanismus folgt der Individuation, also wenn sich Ego aus dem Familensystem emanzipiert und sich ein eigenständiges Selbst bildet. Das Selbst würde in einem günstigen Verlauf auch Schemata für die Beziehungen zwischen Ego und Gruppe beinhalten, die diese Spannung von Nicht-Identität und Nicht-Getrenntheit (Abhängigkeit) als ein dynamisches Ungleichgewicht lebbar machen. Es ist ja völlig normal, dass es zwischen den Bedürfnissen nach Autonomie und nach Bindung zu Konflikten kommt und das Nähe-Distanz-Verhältnis immer wieder neu justiert wird – passend zu den Anforderungen und Möglichkeiten. Bei der inneren Kündigung passiert genau das nicht mehr – der Mitarbeiter ist faktisch weg und nur noch scheinbar dabei. Nicht zufällig habe ich dieses Beispiel gewählt. Sondern, es schließt sich ein Kreis – abseitige Nazi-Flugscheiben, Hohlwelt etc. – und ein anderer öffnet sich – namentlich die Reichsbürger. Bekanntermaßen ist das die deutsche Entsprechung eines Phänomens, was aus USA kommt (dort früher schon beschrieben wurde) und dort in verschiedensten Ausprägungen existiert – Menschen akzeptieren nicht mehr die Eingebundenheit in einen Staat und dessen Legitimität, und schaffen eigene Staaten-Ideen. Dann legen sie sich bürokratisch oder auch gewaltsam mit dem faktisch weiter vorhandenen Staatssystem an, schreiben kilometerlange Schreiben an Behörden und ähnliches (sogenannter paper terrorism). Die angemaßte Eigenstaatlichkeit endet in der Regel mit der Niederlage der Person(en), die sie behaupten – und die oft letztlich nieder geschossen und eingesperrt wurden und werden. Das war wohl schon immer so, siehe die Geschichte um Massada (Römer gegen jüdische Sekte). Wenn du das vergleichst mit Waco oder den Vorgängen um den Eigenstaat Ur (Adrian Ursache), dann sind Größenunterschiede da, aber sonst viele Parallelen erkennbar. Reichsbürger, wer das nicht kennt – die behaupten, es gibt die BRD nicht, sie sei nur eine Firma, tatsächlich existiere das deutsche Reich weiter. Gut erkennbar sind sie daran, dass sie eine para-logische Argumentation betreiben – scheinbar klingen Dinge logisch und es wird etwas wie eine argumentative Strategie und ein Diskurs verfolgt, tatsächlich aber wird mit beliebigen Versatzstücken geworfen. So, wie Affen ihren Platz in der Hierarchie des Affenfelsens verteidigen, indem sie mit Kot werfen. Spannend an den Reichsbürgern ist für mich – sie wollen das System nicht, und sind zugleich im Denken komplett davon eingenommen. Ein Staat muß sein – aus dieser Prämisse kommen rechts-orientierte Menschen nicht heraus. Also – wenn du zugleich den Staat, der aktuell da ist, total ablehnst – wieso nicht einen eigenen Staat begründen? Eine Variante, die natürlich gefährlich ist, weil damit Gewalt als Mittel einher geht. Herr Ursache sagt denn auch (und handelt so) – wer in meinen Staat hinein geht ohne Erlaubnis, der wird sterben. Sprich, wie staatliche Logik ja immer läuft – am Ende der Beweiskette kommt die Gewalt als letztes begründendes Mittel. Nun ist es ja, so, dass diese Strategie schon von sehr viel gewichtigeren und – was Gewalt und Eigengesetzlichkeit angeht – sehr viel fähigeren Leuten versucht wurde – namentlich von Rocker-Gruppen. Wenn deren Club-Heime – die ja genau das sind, was die Eigenstaaten gerne wären, nämlich in gewisser Weise exterritoriale Gebiete mit eigenen Gesetzen – von Verboten oder Razzien betroffen sind, kommt der Staat halt mit Spezial-Einheiten und macht beliebigen Widerstand platt. Politisch haben es andere Gruppen – die Black Panthers, oder Move in Philadelphia – auch schon versucht, eine Sezession durch zu ziehen. Und die Erfahrung wurde gemacht, dass ein Staat auch im inneren auf Armee und Bombardierung zurück greift, um solche Gruppen auszuschalten. Ähnliches gilt für die Gruppen, die sich als Form bewaffneten Widerstandes im Untergrund verstanden haben, wie raf oder ETA, IRA, etc. Und natürlich wird es der aktuellen islamistischen Version von Eigenstaatlichkeit, die wir als „islamischer Staat“ kennen, auch so gehen. Wer noch einen sehr viel größeren Denkschritt machen mag – die UdSSR als eine im Welt-Kapitalismus unpassende und irgendwie extrem abweichende Erscheinung – auch da wurde durch den kalten Krieg letztlich die Abweichung beseitigt. Um nicht mißverstanden zu werden – diese großen und kleinen Konstruktionen von mytischem Sinnzusammenhang und wirtschaftlich-politischen funktionalen Systemen sind nicht alle irgendwie das Gleiche, so ist es nicht gemeinst. Sondern – sie folgen gleichen Systemgesetzen, weil sie den Baustein Individuum teilen, und weil halt Menschen auf eine bestimmte Weise funktionieren, die wir beschreiben können. Ein US-Präsident oder sonst ein Herrscher, das ist ebenfalls ein solcher Mensch, und genau wie Herr Stoll hat auch der Herr Trump eine Art, sich ein Weltmodell zu bauen und daraus den Sinn und den nächsten logischen Schritt abzuleiten. Worin sich diese Herren wesentlich unterscheiden und wo sie sich gleichen? Die ihnen funktional zur Verfügung stehende Macht. Jeder Mensch ist gefährlich. Übrigens sind als verrückt gelabelte Leute statistisch harmloser als sogenannte normale Leute – aber das nur nebenbei, und es könnte sich aus der Tatsache her ableiten, dass sie in unseren sozialen Systemen wenig funktionale Macht haben (arm und marginalisiert sind). Hm. An dem Punkt komme ich nicht drum herum – alle Reiche der Welt, egal wie groß oder klein, wurden irgendwann durch neue Machtkonstellationen aufgerollt und abgelöst. In der neuen Phase – dem neuen Regime – war dann die alte Welt und alles in dieser unverrückbar für sicher und feststehend geglaubte nur noch abwegiges Zeugs ohne Wert. Der alte Glaube (egal welchen Inhalts) hat im neuen Regime keinen Wert oder Sinn mehr. Regelhaft sammelt sich um alte und überholte Glaubenssysteme ein Widerstand gegen neue staatliche und gesellschaftliche Normen. Der Widerstand, das Festhalten an alten Werten, wird dann vom Regime bekämpft und verfolgt, weil er ein Hindernis auf dem Weg in die neue Zeit darstellt. Jedes neue sozio-ökonomische System hat in der Phase seiner Begründung ein sogenanntes Gründungsverbrechen – namentlich die Zerstörung der Lebensgrundlagen der alten Systeme und ihrer Angehörigen, so dass Überlebende gezwungen sind, sich zu assimilieren. Wer moralisierend daher kommt und meint, solche Dinge wie gewaltsame Veränderungen dürfe es nicht geben, der/die verkennt, wie Geschichte läuft. Ideen wie Demokratie, Aufklärung und Menschenrechte beispielsweise sind nicht das Ergebnis einer Einsicht auf Seiten der Adligen und Könige gewesen. Auch der Nationalsozialismus war nicht Ergebnis einer Einigung der Deutschen darauf, dass sie nun alle einen Führerstaat wollen – sondern wurde gewaltsam durchgesetzt. UdSSR, wurde bereits erwähnt. USA, Israel, das römische Reich, China … es lohnt, sich mal genauer anzusehen, wie sich solche sozioökonomischen Einheiten etablieren und entwickeln. Gleiches gilt für die Entstehung der Weltreligionen. Ich will das nicht zu sehr ausführen, weil stets die Befürworter einer solchen Einheit die eigene Gruppe gegen den Vorwurf verteidigen werden, sich von den anderen bezüglich der eingesetzten Mittel nicht zu unterscheiden. Lieber verweise ich auf das Ingroup-Outgroup-Paradigma und sozialpsychologische Grundlagenforschung. Eigene Gruppe, das sind definitionsgemäß die Guten, die sich nur gegen die anderen (die Bösen) verteidigen. Und falls es nirgends Gute gibt, bin ich halt der einzige Gute (und tue mein eigenes Böses aus mir heraus, indem ich mich zum Opfer der Anderen stilisiere). So funktioniert das ZNS, und natürlich sind das (formal betrachtet) Denkfehler und systemisch betrachtet Mechanismen, die uns als individuelle Wesen stabilisieren (was eine überlebenswichtige Funktion ist, denn wo es mißlingt, folgt Suizid oder dergleichen). So weit, so gut. Vermutlich habe ich nun alle Bögen gespannt und nach Ansicht mancher möglicher Kritiker auch überspannt. Also eine sanfte Landung anstreben, bevor sich jemand weh tut mit umher fliegenden Pfeilen. Wir Menschen, wir sind halt so, und wir können nicht anders sein. Was uns Frieden und Kooperation ermöglicht, ist nicht das Auffinden von Wahrheit, sondern unsere enormen Fähigkeiten, sich völlig widersprechende Dinge gleichzeitig zu glauben und kontextsensitiv anzuwenden in einer From, die sozial passend ist. Der Schlüssel dazu, sich passend zu verhalten, sind unsere Spiegel-Neurone – die uns ermöglichen, den emotionalen Zustand der anderen in uns zu modellieren, also Gefühle nach zu fühlen und daraus Vorhersagen zu generieren. In dem Moment, wo wir eine liebevolle Haltung einnehmen, können wir mit jedem anderen Wesen in eine un-kriegerische Situation gehen, was nicht gerade extrem hungrig ist (erst das Fressen, dann die Moral – daher ist hippiemäßiges Vibrieren kein Schutz vor hungrigen Bären). Auf individueller Ebene ist daher Frieden immer möglich. Was Gruppenprozesse mit großen Zahlen von involvierten menschen angeht, wird dieser Mechanismus vermutlich systematisch überfordert – und genau da bestehen die Herausforderungen hinsichtlich einer globalen Friedensordnung.

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Unmögliches Heimweh

Eine scheußlich starke Sehnsucht nach einem Ort, der nicht wirklich ein Ort ist, sondern jenseits von Raum und Zeit liegt, vermutlich eher ein Seelenzustand, eine tröstende Auflösung der Widersprüche, der Ruhepunkt. Ich glaube, ich habe das mal erlebt, kann mich aber nicht erinnern, wann und wo. Vielleicht war es eben noch da, nur jetzt scheint es weit weg zu sein. Sehnsuchtsorte, bedeutsame Erlebnisse, die zeitlich in meiner Existenz lange zurück liegen, wo es Sonne und Wind gab und viel freien Spielraum … solches flackert auf im Bewußtsein – und verabschiedet sich sofort wieder. Mir ist klar – ich kann da nicht hin, wo ich gerne wäre, und wenn doch, wäre das bessere dort immer noch nur hier und ich nur ich. Transzendenz ist eine Phantasie, und Seelenschmerz wohl auch. Das Bedürfnis, aus dem, was mir missfällt, hinaus zu treten, kommt mir dagegen sehr real vor.

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Fragen, Antworten, Synchronizität

Wie stets kommt eines zum anderen. Mit der Auflösung meiner Verbindungen mit dem korrupten System öffnet sich der Raum für neue Bewegungen. Ich brauche nicht mehr so zu tun, als wären meine Fähigkeiten innerhalb dieser Systeme sinnvoll verwendbar. Also stellt sich mir die Frage – wohin mit der freien Energie? Wenn ich darauf verzichte, den Feldzug gegen die Wackness weiter zu führen – was ursprünglich mein Plan war, und es juckt mich schon, angemessene Maßnahmen durchzuführen – dann könnte ich anderen Impulsen Raum geben. Vermutlich gesünder für mich. Passend zu der Frage stellten sich heute Ideen ein, was mögliche Wege wären. Drei längere Gespräche mit Leuten geführt, die auf ihre Art Ähnliches getan haben und tun, und daraus viel für mich gezogen. Resonanz. Im Grunde gibt es viele gute Wege, an Mut mangelt es mir nicht, aktuell aber an Entschlossenheit – alleine mag ich mich nicht mehr ins Getümmel stürzen, sondern ich suche nach Verbündeten. Das wurde allerdings als ein wahrscheinlicher Irrweg markiert, so wie zuvor der irrwitzige Versuch, innerhalb des Systems zu arbeiten; auch da war ich an sich gewarnt – und ich habe das Gefühl, dass es irgendwie schlau wäre, meine Muster nicht zu wiederholen. Bloß – weder komme ich da raus, noch kann ich darin bleiben, und nichts tun ist auch keine wirklich gute Option. Also variiere ich lediglich kleine Dinge. Und halte die Sinne wach und offen, um mir eine neue Gelegenheit zu schnappen. Das Scheitern gehört absolut dazu, und wenn schon sonst nichts anderes – darin bin ich mittlerweile ganz gut geworden. Vielleicht gelingt ja auch mal eine gemeinsame Arbeit, das wäre gerade durchaus hilfreich.

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Kleinste gemeinsame Nenner

Ich habe in letzter Zeit einige Versuche von Gemeinschaftsbildung begleitet bzw. bin da dabei gewesen. Und stellte fest – nicht mein Verein, die verbindende Klammer von geteilten Anliegen hält nicht zusammen, was an Gegeneinander ebenfalls vorhanden ist. Theoretisch sollte „ein Mensch sein“ bereits ausreichen. Praktisch sind Menschen alle verseucht durch menschenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen. Wir machen uns viel zu oft gegenseitig kaputt. Ist das nun schade, traurig, änderbar, ein zu akzeptierendes Ding? Ich weiß es nicht.

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Privatsphäre – und der Faschismus der Zukunft

In diesem Text geht es um die totale Überwachung – etwas, was bereits vom Potential her hier ist und sich machen läßt, weswegen ich glaube, so wird es kommen: Es gibt keine Privatsphäre mehr. Nur unausgewertete Daten. Wann ich wo bin und was ich tue – es läßt sich rekonstruieren. Nicht von jedem Menschen, aber prinzipiell. Nicht lückenlos, aber das ist eine Frage der Zeit und der technischen Entwicklung. Logischerweise wird die Zukunft die totale Überwachung in Echtzeit bringen. Das wird uns dann als Schutz verkauft oder durch erweiterte Möglichkeiten und Bequemlichkeit schmackhaft gemacht oder auch gesetzlich vorgeschrieben, und sozialer Gruppendruck erledigt den Rest. Bereits jetzt bin ich dauernd überwacht. Sitze ich am PC, dann ist, was ich tue, sekundengenau aufgezeichnet. Über die Hardware hat niemand mehr Kontrolle – ob es werkseitig eingebaute Backdoors gibt, die Zugriff auf den PC ermöglichen und beispielsweise Verschlüsselung aushebeln – man weiß es nicht und vor allem kann man es nicht mehr wissen. Aber auch ohne einen PC im Haus hängt ja alles, was mit der Außenwelt zu tun hat, an Computern. Beispiel Energie: Mein Stromverbrauch variiert, je nachdem, was ich in der Wohnung tue – Musik hören, ein Bad nehmen (Warmwasser), Aufladung des Mobiltelefons, Haare föhnen etc. Der Dienstleister, der mir den Strom abrechnet, kann meine Verbrauchsmuster aufzeichnen und auswerten. Werde ich nie wissen. Auch nicht, wer sich das noch anschaut. Wurde aber bereits durch Polizei gemacht, um beispielsweise heraus zu finden, ob Leute illegale Ganja-Plantagen betreiben. Bin ich daheim oder nicht – es ist durch das Mobiltelefon feststellbar, wo ich bin. Da greift der soziale Gruppendruck – es ist privat und auf Arbeit unakzeptabel geworden, wenn du nicht erreichbar bist. Nur ein Festnetz-Telefon zu haben oder gar überhaupt kein Telefon – das geht nicht mehr durch. Also kommt man nicht drum herum. Natürlich zeichnet das Telefon alles auf – Gespräch und Hintergrundgeräusche, Ort, Zeit, Verbindungsdaten. Und darauf haben die Sicherheitsorgane vollen Zugriff. Wie auch auf Transaktionen: Was mein Konto macht, das wird für alle Transaktionen aufgezeichnet, und diese Daten sind durch Geheimdienste, aber auch durch das Jobcenter einsehbar. Ich kaufe etwas mit EC-Karte – da ist feststellbar, wann und wo. Bargeld wollen sie ja abschaffen. Aber auch mit Bargeld bin ich trotzdem auf den Video-Überwachungssystemen. Noch können die Video-Überwachungen nicht viel, aber bald werden sie nicht nur jeden Menschen identifizieren, sondern können durch Gesicht und Bewegungsweise auch auslesen, wie es mir geht. Und es wird Austausch darüber geben, welche Kamera wen wann wo gesehen hat. Denkbar ist auch, das zu verknüpfen. Ist jemand außerhalb seiner Homezone unterwegs – dann fällt das auf. Was macht der Mensch an dem Ort – da gehört er doch nicht hin. Denkbar wäre auch, Leute auf Bereiche zu beschränken, also eine elektronische Fußfessel, nur unhintergehbar. Es ist aber nicht nur die Kontrolle des Körpers im Raum, sondern auch der Äußerungen: Die Applikationen, die ständig lauschen (weil sie Sprachsteuerung haben), nehmen dauernd zu. Natürlich nehmen die alles auf, und wie es ausgewertet wird, kann ich nie wissen. Noch ist das freiwillig, nur – auch das eine Frage der Zeit, bis es eben keine anderen Geräte mehr gibt. Spannend die Geräte, wo – wie neulich bei IP-over-Powerline-Adaptern – ein Mikrophon eingebaut ist, von dem man als Käufer nichts weiß; praktisch eine Wanze. Diese Funktion sei werkseitig deaktiviert, hieß es dann. Ob sie über das Internet heimlich aktiviert werden kann, dazu war nichts zu erfahren. Vermutlich wird es zum Standard werden, dass immer überall Geräte mithören, bei jedem Gespräch. Und es wird auffällig sein, wenn jemand oder mehrere Menschen irgendwo ohne Telefone (oder wie der Kommunikator dann heißen wird) unterwegs sind – sicherlich wird das kommen, dass alle getrackt werden, und es eine Art Triangulation gibt, sprich es werden mehrere Datenquellen verknüpft, um jeden Menschen immer eindeutig zu identifizieren. Ein unidentifizierter Mensch, das wird illegal sein (und automatisch zu Maßnahmen führen, um Sicherheit zu gewährleisten). Durch Drohnen ist es möglich, die Lücken in der Kamera-Überwachung zu schließen – bei Tag und bei Nacht. Fernmobilität (Autos, LKWs) wird sicher getrackt, was fährt wo und wann und wie schnell – ein Auto ist ein Computer, das ist ja bereits heute so. Welche Daten ausgetauscht werden, ist durch den Nutzer nicht zu kontrollieren. Und generell unüberwachte Mobilität – allein im Wald spazieren gehen – ist dann nicht mehr drin. Das war die Art, wie in der DDR die Dissidenten sich getroffen haben abseits der Stasi-Überwachung. Zufällig im Wald getroffen. Stasi ist ein gutes Stichwort für den nächsten Aspekt – wer über wen welche anderen informiert. Falls es Leuten gelänge, sich dem zu entziehen, würde durch ihre Kontakte – so wie Facebook es bereits macht – dennoch der Nicht-mitmachende Mensch identifiziert und komplett ausgeforscht werden können – soziales Netz, etc. Bei Leuten, von denen es Sicherheitsorgane besonders interessiert, werden natürlich wie eh und je menschliche Informanten angedockt werden, die bezahlt für Aufklärung und Verhaltenssteuerung der Zielperson sorgen. Und zwar parallel zu den indirekten Aufklärungsmethoden, die bereits angesprochen wurden. Wer ist in diesem Überwachungssystem Zielperson? Daran wird in Russland und China gearbeitet, und anderswo sicher auch: Der Bürger-Score. Also ein Punktwert, den du als Person hat, und der deine Systemtreue und Systemrelevanz abbildet. Was gut, richtig und wertvoll ist (und was nicht), das kann natürlich programmiert werden. Es könnten aber auch statistisch aus den Daten – also von unten nach oben – solche Kriterien gebildet werden – daran arbeiten Amazon und Konsorten. Wer wird ein profitabler Kunde, wer ein guter Mitarbeiter? Die negative Seite – wer wird ein Verbrechen begehen – auch daran wird gearbeitet, Stichwort predictive profiling. Einer Technokratie der Zukunft werden die Mittel zur Verfügung stehen, die Gesellschaft total zu steuern. Inklusive natürlich der Macht über Leben und Tod. Es wäre ein Leichtes, einen Mechanismus einzubauen, der deine Körperwerte analysiert – da ist dann klar, wann du dich freust oder wütend bist, wann du schläfst oder wach bist, wie gesund du bist … lauter so Sachen. Ein eingebauter Killswitch würde es ermöglichen, dich per Internet abzuschalten – dann stirbst du, oder wirst ohnmächtig (und sie können dich einsammeln). Allein diese Drohung würde alle gefügig machen. Es würde dann die Einladung zu einer Maßnahme nicht mehr durch äußere Sanktionen (Strafe), sondern durch innere Sanktionen (Belohnung, Schmerz) begleitet. Das Netz wäre dann natürlich der Gott der Welt, an den zu glauben alle gezwungen wären. Apostasie ist der Tod. Und es wäre sicher möglich, dieses System zum besten und einzig möglichen System zu stilisieren. Ganz unvernünftig, da nicht mit zu machen. Das ist der Faschismus der Zukunft.

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