Reptilien haben uns versklavt (was Verschwörungstheoretiker so erzählen – Part III)

David Icke beschreibt, wie die Menschheit von außerirdischen Reptilien (die ihre Gestalt wandeln) heimlich versklavt worden ist. Sie haben eine Basis im Mond, bestrahlen uns mit einer Art von Verdummungsapparat – und natürlich sind alle kinderbluttrinkende Satanisten. Sie leben von unserer Energie. Und er hat das erkannt, hat die Matrix durchschaut (vielleicht hat er aber auch nur „V – sie sind unter uns“ gesehen).

Also eine Mischung aus Horror, B-Movie, Politthriller, SciFi und alltäglicher Kapitalismus-Lebenserfahrung. George Orwell mit Antisemitismus gemischt, inhaltlich. Und als Aufklärung verkauft – ein Geheimnis, eine unterdrückte Wahrheit etc. Ziemlich irre.

Leute kaufen das, sie besuchen die Veranstaltungen. Icke genießt seinen Status als Guru bzw. Messias und verdient gut mit seinen Büchern. Es gibt also einen Markt für diese Art von Welterklärung.

Im Grunde werden die Unterhaltungsbedürfnisse der Menschen bedient. Dass Icke schon mal im TV erklärt hat, dass er Jesus sei – geschenkt. Auch das angekündigte Weltende, was nicht kam – Anfänger-Fehler, alles verziehen. Eine Schar von Gläubigen findet sich offenbar für jeden Inhalt. Und medial besonders wirksam sind halt Sex, Blut, Gewalt, Geheimnisse. Außerdem das Element des Schockierenden – das kann doch nicht wahr sein. Darüber wird dann berichtet.

Ein Versuch einer generalisierbaren Definition von Elementen einer solchen sektiererischen Welterklärung folgt:

Unterhaltsamkeit (es muss interessant zum Weitererzählen sein, auch zum Darüber berichten)

Einfachheit (letztlich sind ganz wenige die Macher)

Entschuldung aller Mittäter (wir sind nur Opfer der Außerirdischen; was wir tun ist legitimer Widerstand)

Ein Angebot der geistigen Segregation (sich aus dem Mainstream lösen und ganz anders denken) in Kombination mit Selbstwert-Erhöhung (gehöre zur wissenden Elite und zu den Verteidigern der Menschheit)

Die sozialen Funktionen (je kleiner eine Gruppe von Menschen mit geteiltem Weltbild, umso höher der Einsatz der Beteiligten und umso stärker die Solidarität unter ihnen – nicht sicher, ab welcher Größe von Gruppen das stimmt bzw. wann eine solche selbst-stabilisierende Gruppe erreicht ist)

https://en.wikipedia.org/wiki/David_Icke

Soweit erst mal. Fehlen noch Mark Dice und Alex Jones, dann reicht mir diese Mini-Serie, glaub ich. Die Liste der Verschwörungstheorien ist lang. Letztlich geht es mir auch nicht um die jeweiligen Inhalte (die sind Unsinn), sondern um ihre Funktion als Kult und solche Aspekte – das finde ich daran spannend. Natürlich sind diese Themen politisch relevant wegen Alt-Right und Trump. Ansonsten wäre dieses irrationale Zeugs nicht der Rede wert.

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Operation Mindfuck

Über Wilson, Leary, Crowley Lilly, Chomsky … da könnte ich viel schreiben, klar. Könnte man machen, aber. Wie stets beim Schreiben: Wozu es nochmal tun, wenn alles bereits dargelegt wurde.

Radikaler agnostischer Konstruktivismus, falls eine Nußschale reicht: Die Welt ist eine Konstruktion, auch die Wertsysteme (Gott) und dergleichen. Wesentliches Werkzeug sind die Begrifflichkeiten (Worte) usw. Und Schopenhauer dazu: Welt als Wille und Vorstellung. Sonderlich viel mehr Philosophie braucht es an sich nicht. Abgesehen von Fragen politischer Organisation (Macht) und Willensbildung etc. – wenn du sowas spannend findest. Und dann natürlich vor allem eines: Praxis. Bei mir war das so, als ich jünger war. Und natürlich ganz wesentlich: Invent your own religion. Natürlich ist mir eine gewisse Nähe zur diskordischen Bewegung keineswegs unangenehm.

Discordianism recognizes chaos, discord, and dissent as valid and desirable qualities, in contrast with most religions, which idealize harmony and order.

Sieht so gar nicht nach ernsthafter philosophischer Literatur aus 😉

Die „Illuminatus!“-Bücher habe ich mit 23 gelesen, natürlich begeistert. Dieses Phänomen der Verschwörungstheoretiker ist heute ja viel diskutiert, und die Idee der Realitätstunnel und Filterblasen etc. Wilson hat darüber sehr gut geschrieben. Fachlich spannend, insbesondere auch „Cosmic Trigger“.

Why ‘Welcome To The Dark Ages’ is the ushering in of the Horkosian era of Discordianism – a talk by Daisy Eris Campbell

Falls du Horkos nicht kennst … das ist eine Gottheit, die böse Leute jagt und zur Strecke bringt, die nämlich etwas geschworen haben – und dann nicht tun.

You should also know that if somebody intends to provoke me, I am accustomed to come back again the very same day“ – Horkus

Hesiod’s Theogony identifies Horkos as the son of Eris („strife“) and brother of various tribulations: Ponos („Hardship“), Lethe („Forgetfulness“), Limos („Starvation“), Algae(„Pains“), Hysminai („Battles“), Makhai („Wars“), Phonoi („Murders“), Androktasiai(Manslaughters“), Neikea („Quarrels“), Pseudea („Lies“), Logoi („Stories“), Amphillogiai(„Disputes“), Dysnomia („Anarchy“), and Ate („Ruin“).[4]

Bin auf Facebook drüber gestolpert, dass es in 2017 ein Festival23 gibt.
Und ein Theaterstück, basierend auf „Cosmic Trigger“.

https://cosmictriggerplay.com/

VICE-Artikel: https://www.vice.com/en_uk/article/qbn483/the-discordian-revival-chaos-festival

Daher ein wenig Werbung für die Discordia. Und Operation Mindfuck.

 

 

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Die Zerstörung des Himmels (was Verschwörungstheoretiker so erzählen – Part II)

Viel ist zu Chemtrails nicht zu sagen. Leute gucken sich den Himmel an, sehen Kondensstreifen und spinnen sich etwas zusammen.

Allerdings geht das nur, wenn im Kopf bereits eine gewisse Bereitschaft dazu vorhanden ist, sich eine Welt ganz grundlegend als riesige Verschwörung vorzustellen.

Niemand guckt an den Himmel, sieht Flugzeugstreifen und denkt „ein Angriff mit Nano-Partikeln“ – ohne den entsprechenden Kontext.

Sowas muß man sich erst mal ausdenken, und von „zweifelsfrei“ im Zusammenhang mit Wahrnehmung zu sprechen ist sicher auch generell sehr … sagen wir mal, naiv. Aber genau darum geht es – eine einfache Erklärung, die spektakulär anders ausfällt als die der Allgemeinheit. Eine aufregende Eigenwelt, in der man ein besonderes Wissen besitzt und einen besonderen Kampf kämpft – gegen den Rest der Welt. Man könnte auch sagen: Wahn.

Nicht anders als die Theorien der Flat Earth, Hohlwelt, Mondlandungsfake und ähnliches. Oder die UFO-Gläubigen. Und wie Klimawandelleugnung, Holocaustleugnung.

Ein Mensch muss schon bereit sein, die gesamte gesellschaftliche Umgebung als von einer gemeinsamen Täuschungsabsicht kontrolliert und durchdrungen sich vorzustellen. Sprich: Paranoide Persönlichkeitsstruktur. Feige, hinterhältige Manipulatoren überall.

Mit solchen Dingen wie Wissenschaft hält man sich da besser nicht auf – oder es wird das, was Wissenschaft macht, in sein komplettes Gegenteil pervertiert. Also statt viele Studien auf ihre gemeinsame Aussage hin abzuklopfen (wissenschaftliches Vorgehen, Meta-Studien) werden einzelne Ideen oder lediglich Ausdrücke aus irgendeinem Papier von irgendwem irgendwo als „Beweis“ zitiert. Wie könnte man das nennen – Anti-Wissenschaftlichkeit? Pseudowissenschaftlichkeit, sagen viele. Aber das ist nur ein Teil davon – so tun als ob. Der schlimmere Teil ist der, Wissenschaft und Glauben in eins zu setzen. Krass. Da werden subjektive Annahmen und Anekdoten mit Ergebnissen von weltweiten Studien mal eben gleich gemacht. Klimawandel? Da glaube ich nicht daran. Aber zugleich: Chemtrails dienen angeblich der Steuerung des Wetters und stammen aus der geheimen Forschung zur Bekämpfung des Klimawandels. Ähm, ja. Also, der Verschwörungstheoretiker hat seine ganz eigenen Beweise, eben die alternativen Fakten. Davon dann möglichst viele.

Kontext ist immer irgendein Szenario eines Kampfes zwischen Gut und Böse, natürlich die entscheidende Endphase (also maximale Aufmerksamkeitshascherei und maximale Anhänger-Mobilisierung, und natürlich die Legitimation aller Mittel). Milleniarismus, sagen manche dazu. Letzte Zeiten. Die kommende Apocalypse, die letzte Schlaft, etc.

Mit einer Persönlichkeit, die sich offen gegenüber alternativen Fakten (komplettem Bullshit) zeigt, sammelt man allerdings schnell eine Menge solcher Müll-Ideen an. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der oder die nur einen einzelnen Strang von Verschwörungstheorien folgte – wenn, dann ist immer eine ganze Reihe davon vorhanden. Meistens in Kombination mit missionarischem Eifer. Immer auch mit einer Art von verquerer Religiosität gekoppelt -einem Glauben, der sich letztlich kaum artikulieren kann. Etwas starkem und unbegründbarem, was den Antrieb für die oberflächlich betrachtet lächerlichen Aktivitäten bildet. Vermutlich sind das sowohl Bindungsmotive als auch narzistische Bedürfnisse, die da rein spielen (was weiß denn ich). Selbstwerterhöhung und Gruppenbildung. Was halt Menschen so antreibt.

Woran ich schier verzweifle – die Frage, wieso diese Leute sich ausgerechnet an diese Idioten-Narrative binden. Es gibt Dinge, die mir bedeutsamer erscheinen. Beispielsweise die Tatsache, dass es Hunger in der Welt gibt, obwohl technisch die Menschheit diese furchtbare Plage locker besiegen kann. Oder dass überall Autos rum fahren und die Luft mit Stickoxiden vernebeln – was keine Phantasie ist. Die Autofahrer fahren auch viele Menschen tot. Und sehr viele Menschen töten sich selbst. Auch solche Scheußlichkeiten wie Krieg und Folter, da könnte man sich dagegen engagieren. Aber nein – es werden vollkommen bescheuerte Kämpfe gegen imaginäre Katastrophen ausgefochten. Soziale Fragen, Gerechtigkeit, Entwicklung? Alles nicht interessant, nur das eigene zählt (und da zeigt sich dann der zutiefst rechte Character dieser Narrative, eben im völkischen Denken).

Und das, was daran wirklich tragisch ist – diese alternativen Fakten sind über den Schleichweg der Esoterik-Welle in die aufklärerisch orientierten Szenen eingewandert, der rechte bis rechtsextreme Bullshit hat sich als neue Spiritualität ausgegeben.

Inklusive der rechtsoffenen Konzepte, die dabei mit transportiert wurden – etwa der prinzipiellen Ungleichwertigkeit von Menschen etc. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, auch die verbreitete (und komplett falsche) Konzeption von Karma als Prädestination und Sündenkonto mit der Schlußfolgerung, dass Solidarität Unsinn ist, weil ja jeder bekommt, was ihm zusteht und weil Kooperation mit Schwachen ein Nachteil im opportunistischen Kampf aller gegen alle ist (eine maximal rechte sozialdarwinistische Position) – diese Idioten-Narrative kommen alle aus der netten Hippie-Zeit des New Age. Da fing das an mit den alternativen Fakten. Und die linksalternativen Leute haben diese Trends befördert, vermeintlich verbunden mit der Idee von einem emanzipatorischen Wert.

Für die Chemtrails läßt sich ungefähr das Jahr 1996 als Ursprungsjahr der Verschwörungstheorie angeben – das ist also rein relativ neues und frisches Phänomen. Quellen: A brief history of „Chemtrails“. Und The origins of the chemtrail conspiracy.

Das finde ich spannend. Eine Verschwörungstheorie, die im Internetzeitalter selbst konstruiert wurde.

Also ein Fall, wo das Internet nicht eine abwegigen Idee aus alten Zeiten irgendwie wieder puscht oder dafür neu mobilisiert (so wie beispielsweise fundamentalistische Ausprägungen von traditionellen Glaubensrichtungen), sondern wo das Internet als Basis der Generierung und Verbreitung eines Memes dient. Das ist mit anderen Theorien des lunatic fringe anders.

UFO – das gibt es seit 1947. Und I want to believe ist glaube ich die beste jemals dazu abgegebene Erklärung. Das bringt es auf den Punkt. Noch so gründliche Widerlegung ändert nichts an den Überzeugungen von Gläubigen (oder weniger freundlich ausgedrückt – sektiererischen Fanatikern). Nebenbei: „UFO“ hat sich ja weiter entwickelt zu „Reptiloiden aus dem Weltraum beherrschen bereits heimlich unseren Planeten“ und dergleichen.

Mondlandung ist fake – das gibt es seit 1976. We Never Went to the Moon: America’s Thirty Billion Dollar Swindle, was self-published in 1976 by Bill Kaysing.

Die Klassiker – Flachwelttheorie (Mitte 19. Jahrhundert, Samuel Rowbotham), Hohlwelttheorie (im 17. Jarhundert eine wissenschaftliche Theorie, danach verworfen und nur noch von Verschwörungstheoretikern weiter gesponnen) bzw. genauer Innenweltkosmos (1870 von dem Amerikaner Cyrus Reed Teed (1839–1908) aufgestellt).

Antisemitismus – 1800. Illuminaten – 1776. Diese beiden Stränge sind natürlich wesentlich anders gestrickt als die bisher angesprochenen Verschwörungsnarrative.

Es geht nicht in erster Linie um eine paranoide Verarbeitung der Moderne und der Technik (heimlich, gefährlich, Regierung und Konzerne vs. der einfache Mann, wir werden belogen) – sondern um die Frage „Wer ist schuld an allem Übel?“ – bezogen auf politische und gesellschaftliche Umbrüche.

Der Nationalsozialismus hat mörderisch klar gemacht, wie Antisemitismus als Staatsziel sich auswirkt. Wobei Hitler in „Mein Kampf“ sehr deutlich den Antisemitismus als ein strategisches Mittel der Politik und Propaganda beschreibt, weniger als etwas irgendwie Faktisches (zumindest sind Fakten egal, es geht darum, alle diversen politischen Gegner propagandistisch unter einen Hut zu bringen, die Erklärung gegenüber den Massen möglichst einfach zu gestalten).

Noch mal zurück zu dem Aspekt vom Müll-Magnetismus im Zusammenhang mit Idioten-Narrativen. Wie gesagt, es finden sich selten reine Vertreter einer einzelnen Verschwörungsüberzeugung – wenn, dann sind praktisch immer viele solche Stränge vorhanden. Mich interessiert dann immer, welche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gehen damit einher. Denn Rassismus, Sexismus, LGBT*-feindliche Einstellungen, Behindertenfeindlichkeit etc. mit den Idioten-Narrativen eng gekoppelt scheinen (meine Annahme, bisher habe ich dazu erst wenig gelesen).

Letztlich ist meine Vermutung – egal mit welchem Strang von alternativen Fakten man startet, letztlich sind das alles Einstiegspunkte in einen Sumpf voller giftiger Nebel. Man landet in einem rechtsextremen Weltbild. In der Alt-Right, würde man heute wohl sagen. Wobei ich mich frage, liegt das daran, dass diese Gruppierung ein Kulminationspunkt menschlicher Dummheit ist, oder daran, dass diese Leute sehr stark den lunatic fringe besetzt bzw. an ihre Tröge gelockt haben?

Weil ich es wissenschaftlich mag, werde ich demnächst mal Barkun lesen (habe das jedenfalls vor).

Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun spricht von „conspiracy beliefs“ („Verschwörungsüberzeugungen“) bzw. einer „conspiracist worldview“ („konspirationistischen Weltsicht“), die durch die Annahme gekennzeichnet sei, eine Organisation agiere böswillig und im Verborgenen. Typisch für dieses Denken sei der Ausschluss von Zufällen – alles Geschehen werde auf die absichtsvollen Handlungen der Verschwörer zurückgeführt –, der Zweifel an allem Offensichtlichen – nichts sei, wie es scheine, es gelte immer, eine geheime Wahrheit zu entdecken – und die Annahme, alles sei miteinander verbunden – nur die Aufdeckung „geheimer Muster“ liefere eine Erklärung für die Geschehnisse.

Quelle: Wikipedia

Barkung stellt auch auf das paranoide Element ab: Alles ist böse Absicht verborgener Mächte. Im Kern die verweltlichte Form von Teufelsglaube (eine böse Kraft arbeitet gegen uns). Kein Wunder, das diese Idioten-Narrative für fundamentalistische „Christen“ attraktiv sind, denke ich mir gerade.

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Behold a Pale Horse (was erzählen eigentlich die Verschwörungstheoretiker, und wieso)

[EDIT] War ursprünglich ein FB-Post, nur wurde der Text dann zu lang. Nicht wirklich koherent werden mehrere Stränge von Nachdenken weiter entwickelt.

Kurzlink: http://wp.me/p8aGl5-Be

Als ein 386er noch ein Argument war: Habe eine „Bibel der Verschwörungstheoretiker“ (William Cooper, Behold a Pale Horse) mal angesehen – ein wilder Ritt durch die Alt-Right-Geschichtsinterpretationen, ziemlich verrücktes Zeugs.

Hier kann man Cooper im Video sehen.

Ein Prototyp. Cooper hat die Truther quasi erfunden. Ganser tritt ganz ähnlich auf.

Massig Details und Andeutungen, und immer wieder Geheimnisse in Geheimnissen etc. Und alles ist immer „absolut wahr“. Dieser Habitus erscheint ganz wesentlich zu sein. Gut zu sehen auch in diesem Video. Ziel dieser Form der Mitteilung scheint zu sein, den Leser durch scheinbare „Fakten“ zu erschlagen. Nicht Inhalte werden vermittelt, sondern es wird ein Sammelsurium alternativer Fakten herunter gebetet. Offenbar weiß der Autor sehr viel, und man muß ihm glauben, allein schon, weil das Volumen der angebrachten „Beweise“ völlig unüberprüfbar wäre.

So lesen sich auch andere angeblich aufklärende Publikationen der Rechten – es wird vermutet und gemunkelt und konstruiert, und dahinter stecken natürlich die Juden. Antisemitismus, letztlich ist das immer die verbindende Gemeinsamkeit extrem rechter Ideologien.

Dabei auf diese Stelle gestoßen, wo Cooper die Bevölkerungsexplosion bespricht und nebenbei anmerkt, er habe das privat nachgerechnet auf seinem 386er-PC. Köstlich.

Paranoide Weltkonstruktion ist natürlich immer ein Eigenbau – wenn alles, was die anderen sagen, gezielt unwahre Aussagen sind, dann kann ja eine eigene Welterklärung nur auf dem aufbauen, was man selbst herausgefunden hat oder für gegeben hält. Letztlich würde so eine Welterklärung für andere unverständlich ausfallen ohne geteilte Erzählstränge, vermute ich.

Und wie immer, die Anhänger solcher Weltmodelle tauschen sich dann aus und identifizieren gemeinsame Themen. Darunter UFOs, Chemtrails, FEMA, FED, Bilderberger etc.

Charlottesville (unite the right) war so eine Art Klassentreffen für Rechtsextremisten.

Fields mit seinen Kumpels (der in der Mitte)
Rechtsterrorist Fields rast mit seinem Auto in die Menschenmenge

Wenig verwunderlich, dass sich diese Leute aufführen, wie sie es tun – auf der Basis dieser „Ideologie„. Hate Groups gibt es natürlich ziemlich viele. White supremacy ist ein wesentliches verbindendes Element dieser teilweise ideologisch disparaten Gruppierungen.

Praktisch relevant wären gesellschaftlich wirkungsvolle Gegenmaßnahmen gegen solche gefährlichen Spinner wie die „Militia Movements“. Und das sie gefährlich sind, ist nicht erst seit dem Oklahoma City Bombing bekannt. In ihreren eigenen Fantasy-Büchern schwärmen sie von ihren Schußwaffen und träumen davon, die anderen halt endlich über den Haufen zu schießen. Und ein Cooper erreicht irgendwann einen aus seiner Fan-Base, der wirklich aus diesem Murks einen Impuls zu einer terroristischen Tat entwickelt. Wie Timothy McVeigh, beispielsweise.

[Quelle] A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America By Michael Barkun
Als Psychologe interessiert mich natürlich auch, welche Wege gibt es, um aus einem solchen Wahnsystem auszusteigen. Also ein therapeutischer Ansatz. Da wäre die Frage, wozu dient das Verhalten auf individueller psychologischer Ebene, welche sozialen Konsequenzen hat es, wie sind die aufrecht erhaltenden Bedingungen?

So habe ich gearbeitet – ich nehme mir das Weltbild der Person, mit der ich arbeite, versetze mich da hinein, und schaue dann dort – wo ist die „neue Tür“, wie kann dieses System modifiziert werden, damit jemand nicht gezwungen ist, den bisher ausschließlich verfolgten Mustern weiter zu folgen.

Im Fall von Wahn natürlich in erster Linie, wie kann eine Art von Realitätsprüfung angeboten werden, ein Austesten der zusammen gesponnenen Hypothesen, logischerweise mit der Möglichkeit, einschränkende Glaubenssätze möglicherweise zu hinterfragen und deren ungünstige Wirkungen auf das eigene Sozialverhalten zu verändern.

Oft dient natürlich ein Wahnsystem dazu, fehlende Befriedigung von psycho-physiologischen Grundbedürfnissen über einen Umweg doch zu erreichen.

Wer nicht versteht, was die Welt ist und wie sie funktioniert, ist in einer demütigen und schwachen Position. Sich eine Illusion der Kontrolle und des Wissens zuzulegen, hebt das Gefühl der Selbstwirksamkeit – ein sinnvoller Rahmen wird gesetzt, typischerweise „wir gegen die“. Und schon können Handlungen in Hinblick auf das Ziel als mehr oder weniger sinnvoll bewertet werden. Viele Verrücktheiten können ganz gut nachvollziehbar gemacht werden, wenn man nur das Bedürfnis nach einer grundlegenden Orientierung annimmt und die persönliche Ideologie danach abklopft, wie sie biographisch zusammen gebaut worden ist.

Nun könnten wir vermuten, alle diese Versuche einer „starken Ideologie“ wären lediglich Ausdruck einer starken Verunsicherung, und die wiederum eine direkte Folge der Dekonstruktion von ritualisierten gesellschaftlichen Wahrheiten. Das scheint mir in der Tat der beste Ansatz zu sein, um die frustrierten und wütenden (ängstlichen) weißen Männer zu verstehen, die letztlich den Kern der rechtsextremen Bewegungen bilden.

Anekdotisch ein kleiner Schwenk, mir ist da mal folgendes passiert. In einer Kneipe, ein Idiot fängt an mit rassistischen Sprüchen, und ich werde wütend auf den. Statt das wir vor der Tür uns geschlagen haben, gab es dann ein Gespräch mit viel Alkohol bis morgens um fünf. Am Ende war der „Nazi“ ein trauriger Typ, der auf schwarze Frauen steht, aber ökonomisch so mies dasteht, dass es für ihn wenig Hoffnung auf irgendeine Beziehung gibt.

Von dem ganzen ideologischen Überbau war nichts mehr übrig, nur das psychosoziale Elend ist letztlich konstatierbar gewesen. Gewalt als stummer Schrei nach Liebe. Der Rassenkrieger, ein ungeficktes Arschloch. Wäre das so, dann könnte jeder da rein rutschen und auch so sein, und natürlich käme auch jeder da wieder raus durch funktionierendere soziale Beziehungen. Entsprechende Zusammenhänge wurden ja bereits für andere Extremistengruppen ausgemacht, insbesondere die „Gotteskrieger“ (eine Variante des gleichen Phänomens).

Wie viel ist dran an solchen psychologisierenden Erklärungsversuchen? Wissenschaftlich betrachtet ist das eine kniffelige Angelegenheit – es gibt viel mehr Faktoren, als prüfbar wären. Eigentlich immer so in der Soziologie. Ob etwas davon stimmt, ließe sich in praktischer therapeutischer Arbeit mit solchen Leuten prüfen. Wäre den Versuch wert, vielleicht. Wird aber meines Wissens nach nicht gemacht.

Deshalb sehe ich auch eher die Möglichkeit, psychologische Hypothesen als eine mögliche Konstruktion des „Wieso?“ neben anderen zu verwenden. Hinweise finden sich, dass die Gegner der aktuell dominierenden Weltmodelle solche Leute sind, denen es gerade entweder nicht gut geht oder die sich in Gefahr sehen, sich zu verschlechtern. Umgekehrt natürlich ist nur ein verschwindend kleiner Teil der Leute, denen es relativ gesehen weniger gut geht, kritisch gegen die Umstände. Mieser sozioökonomischer Status oder ungünstige ökonomische Perspektiven bedingen noch nicht eine bestimmte Sicht auf die Welt – da ist immer ein Element von Haltung bzw. Bewußtsein, eine Entscheidung, was man denn glauben mag. Die natürlich subjektiv und an das eigene Fühlen zurück gebunden ist.

Woraus wird das Weltmodell gebaut, das erklärt ja auch viel. Bauteile werden benutzt, die verfügbar sind, also das elterliche Modell wird kopiert und variiert, danach modifiziert durch eigene Bildung und durch das, was wir gemeinhin Lebenserfahrung nennen – es passieren Dinge, und wir sortieren die für uns und bauen sie irgendwie in unsere sinnstiftende Erzählung ein.

Bau dir ein Bild/so wie es dir paßt/sonst ist an der Spitze/für dich kein Platz – Fehlfarben, Monarchie und Alltag

Die Bauteile sind womöglich archaisch. Jedenfalls gibt es eine Reihe von Metaphern und Archetypen, die immer wieder und unweigerlich verwendet werden, vermutlich, weil sie unserer Struktur eingebaut sind. Wie viel davon als Folge der Evolution in uns auf der Ebene von grundlegenden Mechanismen bereits fest eingebaut ist, darüber läßt sich trefflich streiten. Damit das nicht zu schwammig bleibt – als Beispiel der starke Führer. Vermutlich sind es evolutionäre Anlagen, die Männerhorden dazu bringen, einen starken Führer zu suchen.

Wer brüllt am Lautesten, das würde solche Phänomene wie den aktuellen US-Präsidenten vielleicht bereits erklären. Weil die soziale Durchsetzungsfähigkeit eher prüfbar ist als die sonstigen Fähigkeiten einer Person (und womöglich auch, weil eine hierarchische Gruppe nicht mit einem Beta-Männchen an der Spitze funktionieren kann), würde sich stets ein lauter und aggressiver Affe gegen eine leisen und klugen durchsetzen – wenn, ja wenn es nicht die „Verschwörungen“ (Absprachen, den Anführer gemeinsam zu stürzen) bereits im Tierreich geben würde (was beobachtet worden ist).

Soweit erstmal die Analyse und das Erklären. Letztlich egal. Was mich interessiert sind immer die originellen Beiträge – also die individuelle Leistung darin, sich etwas Kommendes vorzustellen, die kreativen Anteile.

Ich sammele solche spinnerten Versuche, aus der Normalität möglichst weit auszuwandern, unter anderem weil ich ein Buch schreibe, das eine möglichst große Bandbreite von abgedrehten Utopien in eine Art von Fantasy- bzw. SciFi-Zukunft hinein weiter phantasiert. Keine Ahnung, ob die bisherigen Fragmente tatsächlich so ein Buch werden irgendwann in meiner Lebenszeit. Möglich auch, es wird mir gehen wie anderen Autoren, die nie über den Teil der Materialsammlung hinaus gekommen sind.

Einem guten Teil meiner inneren Beweger ist es egal, ob Produkte entstehen aus meiner Beschäftigung mit der Welt, ob ich mich irgendwie in Teilspekten verdinglichen kann und Warenförmigkeit erreiche. Wäre ein Spaß, aber auch eine Quälerei, und letztlich bin ich faul und auch irgendwie von der Idee eingenommen, es gäbe ohnehin nichts Neues unter der Sonne.

Ganz anders Cooper. Wie alle Prediger tritt er auf mit der spektakulären neuen Wahrheit (wie anders sollte man sich eine Anhängerschaft gewinnen, als die ollen Kamellen zu etwas großartigem und nie dagewesenen aufzublasen, sich im Habitus des Enthüllers der wahren Prophezeiung zu gebärden.

Böse neue Weltordnung, totale Kontrolle durch Elektronik und Chemie, Staatsreligion, dystopischer Zusammenbruch der Zivilisation (außer in Wohlstandsinseln der Reichen). Soweit wenig neu oder originell.

UFOs und der verschwiegene Erstkontakt (sie sind bereits unter uns).

Nixon wollte uns die Wahrheit über die UFOs sagen (sehr kurios, gerade der Typ ist nun wirklich nicht für seine Gradlinigkeit und Wahrheitsliebe bekannt gewesen).

Natürlich wußte der Papst Bescheid. Merke: keine gute Verschwörungstheorie kommt um den Vatikan drum herum. Ebenso Templer und Jesuiten. Und die Offenbarung des Johannes.

Das ist ein offenbar frei erfundenes Zitat. Es wird einem Kapitel vorangestellt, wo es darum geht, das der Planet bereits von Außerirdischen kontaktiert wurde und von ihnen infiltriert wird. Dumm nur, dass dieser Papst 1935 nicht gelebt hat. Pope John XXII war Papst vom 7. August 1316 bis zu seinem Tod im Jahre 1334.

Die NSA macht in Wirklichkeit auch die Auswertung außerirdischer Kommunikation – das ist mal eine Enthüllung.

Letztlich ist es aber nicht die Art, irgendwelche Bauteile zu verwursten, sondern das Zusammenspinnen von wirrem Zeugs mit dem Versprechen, dahinter läge irgendwo die Wahrheit.

Beispiel für eine solche Passage:

Ob Jesus ein Außerirdischer ist oder nicht? Vielleicht ist ja alles nur ein kosmischer Scherz. Nachdem Cooper eine Fülle von zu seiner Zeit kursierenden verschwurbelten Ideen zusammen geschmissen hat, gibt er zu, dass er damit selbst nicht wirklich was anfangen kann.

Die Besiedlung des Mars ist bereits erfolgt, aber natürlich streng geheim. Auch das irgendwie ein wenig abwegig, aber wieso nicht. Auch der Mond ist bewohnt, nur sagt uns das keiner.

Ok, soweit ein paar Samples aus dem Buch. Es dürfte klar sein, dass es sich um vollkommen irres Zeugs handelt.

Zurück zum Ausgangspunkt – eine verrückte Welterklärung macht etwas mit den betroffenen Individuen. Und sie erfüllen Zwecke für die Person.

Wer von sich glaubt, er oder sie wisse wirklich Bescheid, wird natürlich im Selbstwert angehoben. Diese Funktion der narzisstischen Aufwertung – „ich bin wichtig, wissend, bedeutend“ – ist vermutlich der Kick bei den Alt-Reality-Leuten. Bzw. es fällt etwas weg – nämlich das nagende Gefühl der eigenen Bedeutungslosigkeit. Um sowas stabil zu halten, sind sicher ein paar Anhänger gut – und es lassen sich immer welche finden, die so einen Welterklärer auf einen Schild heben. Egal, wie schräg irgendwas daher kommt.

Ein schönes, weil minimales Beispiel: Dr. Axel Stoll über Arier, Reichsflugscheiben und die Haare von Frauen

Stoll ist amüsant, vor allem seine Redeweise ist herrlich. „Muss man wissen!“.

Ökonomisch betrachtet leben viele dieser „Missionare“ davon, ihren selbstgebrauten Zaubertrank „Welterklärung“ unter das Volk zu bringen. Wer beispielsweise den Kopp-Verlag darauf hin untersucht, welche Alt-Reality-Themen sich anbieten und welche sich offenbar gut verkaufen, kann ganz gut nachvollziehen, welche Leute sich auf die Befriedigung entsprechender Enthüllungsbedürfnisse spezialisiert haben. Und die Seriosität der Angebote prüfen 😉

Wundermittel gegen Haarausfall, Krebs – und die „Wahrheit“ über die Politik, die UFOs etc.

 

Wer Lust hat, sich mit Quellen auseinander zu setzen: Originaltext William Cooper – Behold a Pale Horse

Was mich angeregt hat, mich damit zu beschäftigen: Verschwörungstheorien sind alt wie die Menschheit

Weiterführend: Why I read the most controversial books. Es geht neben Behold a Pale Horse um die Turner Diaries und White Man’s Bible, also um drei Basisbücher der White Suppremacy-Leute mit der gemeinsamen Message: The white race, facing extinction, needs to fight back.

Noch ein Satz zur Relevanz: Die Verschwörungstheorien sind nicht mehr randständige Phänomene. Bis vor wenigen Tagen war Steve Bannon als Chefstratege im Weißen Haus unterwegs. Und der ist ein Protagonist der Alt-Right, die eben aus vielen solchen schrägen Theorien ihre Legitimation schöpft.

Und wie würde diese Fraktion in meinem Buch (was ich vielleicht ja doch mal schreibe) beschaffen sein? Nun, natürlich hätten sie ihre Stadt gebaut, die Citadel. Diese als prototypisch angedachte rechtsextremistische Utopia-Stadt wurde ja bereits entworfen (rund um eine Waffen-Fabrik, logischerweise). Wer es nicht kennt, hier der Link.

Eine dystopische Welt, die in kleine Fraktionen zerfallen ist (ähnlich wie Metro 2033 oder sowas) würde natürlich möglich machen, verschiedene Utopien einfach mal als „läuft irgendwo“ hin zu setzen und dann zu gucken, wie würde es da wohl abgehen. Hier eine Siedlung, dort eine andere, und sowas wie ein Krieg der Stadtstaaten wie irgendwann in Griechenland oder Italien oder sonstwo, bevor es größere Nationalstaaten gab. So hatte ich mir das Grundgerüst der Story vorgestellt. Dazu ein paar SciFi-Geschichten, und ein wenig seltsame Psi-Phänomene (wie in Stalker). Und natürlich Zombies und Mutanten, einfach weil ich Fantasy mag. Weil es aber hier gerade nicht Thema ist, ein andermal mehr dazu.

Noch ein Aspekt, den ich spannend finde – und bei Gelegenheit mal ausarbeiten mag: Wie fundamentalistische Gruppen im christlich besetzen Deutungsraum unterwegs sind, und wie das mit den wirren rechten Spinnereien und der Esoterik eine Verbindung bildet. Barkun (A culture of conspiracy) dürfte ein Startpunkt auch dafür sein.

A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America By Michael Barkun

Along with the Internet playing a key role in introducing individuals to beliefs once consigned to the outermost fringe of American political and religious life, Barkun points to the convergence of two phenomena that influences contemporary American conspiracism:

  1. The rise of „improvisational millennialism“ — a belief in an imminent destruction of the world and the creation of a new world as a result of the triumph of good over evil, which is independent from any single religious or secular tradition (e.g., Christian premillennial dispensationalism, etc.) and indiscriminately syncretizes ideas from different traditions (e.g., Western esotericismEastern religionsNew Age movement, fringe scienceradical politics, etc.).
  2. The popularity of „stigmatized knowledge“ — claims to the truth that the claimants regard as verified (e.g., climate change deniallocation hypotheses of Atlantisastrologyalchemyfolk medicinealien abductionextraterrestrial hypothesis for UFOssuppressed cancer cures, etc.), despite the marginalization of those claims by the authoritative institutions that conventionally distinguish between knowledge and error (e.g., academiascientific community, etc.).

Unbedingt müßten auch solche Gruppierungen in einer ausgedachten Spielwelt präsent sein – als Kulte und Geheimgesellschaften. Einfach, weil es so unterhaltsam ist.

Militia Immaculatæ

Ok. Genug nutzloses Zeugs geschrieben für heute 🙂

Final ein Video, was zeigt, wie aus Trash Kult gemacht werden kann. Wieder Cooper, diesmal über den satanischen Plan, wie Gott zu werden.

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[PUBG] PlayerUnknown’s Battlegrounds

Über PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) habe ich ja schon mal was geschrieben, hier der Link zum ersten PUBG-Artikel.

Seit ich First Person Shooter (FPS) spiele, habe ich immer gedacht, was daran stört, ist die sehr schlechte Taktik der Computergegner. Künstliche Intelligenz (KI) ist halt schwierig, gerade weil das wesentlichste fehlt – stabil flexible Pläne. Menschen können das gut – sie haben ein Ziel (überleben) und unheimlich viele kreative Wege, das zu erreichen, egal welche Hindernisse auftreten.

Dagegen KI ist in der Regel nicht mehr als eine Sammlung von simplen Wenn-Dann-Entscheidungsregeln (Heuristiken), oder auch nur ein Bewegungsmuster. In vielen Spielen sind die Gegner komplett in ihrem Verhalten fest gelegt (gescriptet) und du kannst bzw. mußt sie also auswendig lernen. Langweilig. Wenn eine Herausforderung da ist, dann jedenfalls nur, weil die Gegner enorm viel mehr Ressourcen am Start haben – aber weder strategisch noch taktisch.

Multiplayer hat alles verändert. Seit Starcraft sind Netzwerkspiele möglich, und seit die Technik die Geschwindigkeit dafür her gibt, sind auch Shooter als Multiplayer am Start.

Bekannt vor allem Counterstrike, wo genau das halt zu sehen war, was wir uns gewünscht haben – heiße Action, null langweilige Vorhersehbarkeit und viel Abwechselung.

PUBG spielt auf einer verlassenen Insel, so eine russische Militär-Basis. Der blaue Kreis wird sich als nächstes im Spiel verengen auf den inneren weißen Kreis – und wer außerhalb der Zone ist, bekommt ständig HP abgezogen.

PUBG ist größer von der Map her, und durch den Spielmechanismus – nach und nach sich immer weiter verengende Zonen, wo gekämpft wird, bis einer übrig bleibt – ist dafür gesorgt, das Camper (Spieler, die nur an einem Ort bleiben und lauern) kein Problem sind.

Im Grunde war eine solche „Alle-Gegen-Alle“-Arena das letzte Mal bei Unreal Tournament für mich interessant – das war in der Wohngemeinschaft ein schöner Zeitvertreib.

Unreal Tournament. Bunt und fetzig. Die Unreal-Engine war 1999 eine echte Offenbarung für die Zocker-Gemeinde.

Danach habe ich lange und gezwungenermaßen die Hände von solchen Zocks gelassen – weil der PC einfach gnadenlos veraltet war. Entsprechend wenig habe ich von der realen Entwicklung des Genres mit bekommen – zwar drüber in der ct gelesen, aber selbst nichts angefaßt davon. ARMA zum Beispiel, bisher nie gespielt, obwohl es mich sehr reizt.

Operation Flashpoint war eine Zäsur – das hat alles vorherige in den Schatten gestellt.

Operation Flashpoint war mein letztes Spiel, wo es einen Versuch von Realismus im Zusammenhang mit FPS gab. Auch die anderen fetten Multiplayer-Shooter sind mir alle zwischendurch zwar bekannt gemacht worden, aber ich habe nicht mit gespielt. Hatte freilich viel anderes zu tun. Nun steige ich mal wieder ein wenig in virtuelle Welten und genieße das sehr.

PUBG camping. Keine gute Idee – vor allem nicht, wenn du nur eine Shotgun dabei hast 😉

Wobei Genießen vielleicht bei PUBG der falsche Ausdruck ist – das Spiel ist für mich extrem schwer, praktisch immer ist der erste Kontakt mit Mitspielern (spätestens aber der zweite) für mich tödlich.

Allem Ärger aus dem Weg zu gehen kann einen sogar in die Top-10 bringen. Nur: Irgendwann kriegen sie dich. Jedenfalls in diesem Game.

Ganz anders als die meisten Videospiele schaukelt dir PUBG nicht die Eier und stattet dich für Mausklicks peu a peu mit göttlicher Pseudo-Macht aus, ohne dass du dafür groß was tun mußt. Um auch nur einen Fuß auf den Boden zu kriegen in dem Spiel brauche ich eine ganze Weile sehr viel Geduld. Nicht gerade das klassische Narzissten-Futter.

Eher ziemlich maso. Man kriegt dauernd einen vor den Latz geknallt. Aber halt auch dauernd hoch spannend – ständige Lebensgefahr, ständige Bewegung und dauernd an sich überfordernd (was wohl daran liegt, dass ich sehr ungeübt in der Steuerung bin). Und der Nervenkitzel ist schon mehr als ein Kitzel – das Spiel ist schweißtreibend.

Wieso finden Menschen Nervenkitzel gut? Hormonausschüttung. Woher? Amygdala. Die macht Action erst spannend. Da gehen die Botenstoffe ab. Schweiß – das ist Adrenalin. Und dann gibt es Dopamin als Belohnung, wenn mal was geklappt hat.

Lage der Amygdala (Mandelkern; eine Doppelstruktur) im ZNS

Eine Zukunft, in der Menschen ihre Nervenkitzel mehr virtuell als physisch suchen, wird es vielleicht erwägenswert finden, den Videospielen einen gebührenden Ehrenplatz einzuräumen, statt sie für Zeitverschwendung und Unsinn oder gar schädlich zu halten. Videospiele sind Kultur, vermutlich mehr als nur ein bisschen. Sowieso das Spielen eine sehr unterschätzte Art, sich mit Dingen auseinander zu setzen.

Grimmmz erwischt den Typen, den ich nicht mal gesehen hätte, sofort. Er weiß einfach genau, was und wer wo sich bewegen wird, wie der Stand des Spiels gerade genau ist. Voll drin in dem Game, der Mensch.

Aber natürlich sind Spiele auch eine Anderwelt zum sich drin austoben, wo Sachen laufen können, die in der wirklichen Welt unerwünscht sind – wie zum Beispiel ein Kampf aller gegen alle bis auf den Tod. Bevor mir wer sagt – aber das ist doch schrecklich. Nee, es sind nur Pixel. Auch Schach ist Krieg, und auch da ist die Idee, wir haben einen Krieg, aber keine Schmerzen, weil er nur ein Spiel auf einem Brett ist. Bei den FPS ist halt das Brett dreidimensional und wenig abstrakt. Bloß – das täuscht gewaltig. Es sind enorme kognitive Anstrengungen nötig, um das Spielgeschehen in seinen relevanten Aspekten teilnehmend nachzuvollziehen und mental zu modellieren.

Wer PUBG spielt, wie es gespielt gehört: MrGrimmmz.

Wenn ich sehe, wie leicht da alles aussieht, wenn Brian PUBG spielt, gehe ich auf dem Zahnfleisch. Praktisch ein Gott auf dem Schlachtfeld. Weit bessere Spieler als ich sind da auch nur noch eines – Kanonenfutter. Und wieso? Weil er zu jedem Zeitpunkt weiß, was er da tut und wie es geht, und einen Überblick über das Gesamtgeschehen sich bildet aus den relevanten Aspekten. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht, vor allem nicht unter dem Level von Stress, den das Spiel automatisch erzeugt.

 

 

 

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G20 – Hamburg 2017

G20 – der Staat haut rein. Die Polizei hat die „Welcome to Hell“-Demo geplant in eine Falle gesetzt und den schwarzen Block auseinander genommen. Viele Menschen sind durch die Polizei verletzt worden.

Video, wie die Demo aufgemischt wird – beste Übersicht über das Geschehen:

Die Staatsgewalt hat eine brutal harte Linie gegen bis dahin friedlichen Protest gefahren. Dann hat sie die Zerstörungen im Schanzenviertel laufen lassen. Und schließlich ganz einen auf dicke Hose gemacht, mit SEK und allem Schnickschnack.

Quelle: Postillion

Mehr wie ein Manöver, eine Krisen-Übung als wie der verantwortungsvolle Umgang mit einer von Menschen bewohnten Stadt und mit von Menschen mit Leben gefüllter politischer Protestkultur.

Demokratie geht anders. Insbesondere auch der Umgang mit den Linken.

Durch das ritualisierte Verhauen der rebellischen Jugend wird niemand auch nur ein winziges bisschen weniger frustriert und abgefuckt sein – eher bestärkt dieses Vorgehen die Weltsicht von Menschen, die in der Polizei lediglich Kampfroboter sehen.

Wie man es auch dreht und wendet –  Hartmut Dudde als polizeilicher Einsatzleiter des G20-Gipfels in Hamburg hat auf ganzer Linie versagt.

Zweite Perspektive:

Dudde dazu: „Wir hatten ja die Hoffnung, dass wenn wir die an die Flutschutzmauer … also, dass die (…) das abgrenzt. Das die Mauer nicht hoch genug war, dass man da flüchten konnte, so sind sie uns weg gekommen – das war nicht geplant“.

Dritte Perspektive:

Danach gab es dann Krawall im Schanzenviertel.

Und natürlich ist Aufmerksamkeit, wo Gewalt ist. Die vielen friedlichen Bilder werden von den Medien sehr viel weniger transportiert, dabei sind sie die Masse dessen, was Protest ausmacht.

Zusammenschnitt aus Facebook: Diverse Protestgeschehnisse

Ein Bild finde ich drückt verdichtet sehr viel davon aus, was in Hamburg passiert ist. Da steht eine junge Frau auf einem Polizei-Fahrzeug, und sie wird von mehreren Beamten mit Pfefferspray beschossen.

Ich finde, das hat Meme-Qualitäten.

Festspiele der Demokratie. Einigkeit und Recht und Freiheit. Gleichheit und wie Geschwister leben. Oper für Staatsgäste, Polizeigewalt für die Opposition, gerade so wie 68 oder sonst wann in diesem Spektakel.
 
Menschenrechte. Nicht theoretisch, sondern alles für alle sofort. Ganz praktisch. Das ist die Idee der Revolution.
 
Was ist mit Gerechtigkeit? Und wer regiert die Welt zu wessen Gunsten? Wie gehen wir mit diesem Planeten und seiner Biosphäre um? Wieso Krieg und Gewalt, wieso Hunger?
 
Die alte Ordnung sagt: Muss so sein. Und siehst du das nicht ein, gibt es halt auf die Fresse. Sogenannter konservativer Standpunkt.
Nicht die Festung Hamburg, sondern die mittlerweile historische Gefangenensammelstelle von Paris namens Bastille.
 
Revolutionäre sagen: Uns egal, wir hauen das zu Klump und machen es so, wie es uns dann besser erscheint.
 
Angesichts der krassen Überlegenheit des staatlichen Gewaltapparates gegenüber den verrückten Individualisten, den sektiererischen Kleingruppen und losen Zusammenhängen und auch gegen größeren Scenes gibt es keine Chance, tatsächlich irgendwie die Ordnung auszuhebeln.
 
Was bleibt, sind Inszenierungen von Ablehnung. Unmut bekunden. Eine Haltung einnehmen. Und ein Stück Raum, für eine kurze ZeitUnd es gibt die langen Linien. Wesentliches ist nie aufhaltbar – sondern passiert immer trotzdem. Die Welt bleibt nicht stehen.

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Beyond the lunatic fringe

Bekanntermaßen leben wir in konstruktivistischen Zeiten – wer es wissen will, dem ist bekannt, dass der Mensch ein Wesen ist, was sich Mythen zusammen baut, sich darin gemütlich einspinnt, eben so, wie eine Winkelspinne sich mit Netzen umgibt. Und genau wie die Winkelspinne ihre kleine Ecke über alles liebt und dem Rest des Terrariums keinerlei Interesse zukommen läßt, so sind auch Menschen eher nicht die großen Wanderer im mythologischen Weltenraum. Mythos, das ist allumfassende und endgültige Welterklärung, eine ersponnene Geschichte, die alle Wahrnehmungen letztlich zusammen fügt und trägt. Nationen, Religionen, Traditionen, Institutionen, die Beziehungsdyade – alle diese transpersonalen Systeme sind letztlich auf diese Weise gebaut – sie existieren als ein Netz von Verknüpfungen körperlich in der Person, die sie trägt (letztlich als kognitiv-emotionale Muster auf neuronaler Ebene). Möglich geworden sind diese Systeme evolutionär durch Sprache, und auf ihnen baut die gesamte Zivilisationsgeschichte auf. Buchempfehlung: Yuval Noah Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit. Das Netzwerk im Kopf korrespondiert mit den Netzwerken in anderen Köpfen und dem Netzwerk, was wir heute als Internet kennen und betreiben (von dem haben die Pioniere immer gedacht, dass es eine Art globales bzw. planetares Gehirn werden würde). Konstruktion von Weltanschauung(en) ist für mich als Psychologen eine spannende Sache, und ich habe eine Schwäche für die Untersuchung von abseitigen Phänomenen. Das ist Teils schlicht meiner Neugier geschuldet – normal ist stets langweilig, genau genommen ist ja die Definition von normal genau das: Verursacht keinerlei Aufregung. Was normal ist, entspricht dem Bild, was allgemein geteilt wird. Da die Welt etwas gemachtes ist – nicht die Wirklichkeit, sondern unser davon komplett unabhängiges System der Anschauung der Wirklichkeit – sind normale Weltbilder natürlich Ergebnis einer dauernden Propagierung von offizieller Wahrheit. Die Hegemonie der dominanten kulturellen Interpretation von Wirklichkeit, inklusive der darin enthaltenen Verhaltensnormen. Ohne diesen Mechanismus zerfällt jedes größere System sofort in seine Einzelteile. Daher hat dieser Mechanismus enorme politische und soziale Bedeutung und auch Brisanz. Wie immer habe ich weit ausgeholt, eigentlich wollte ich kurz und knapp etwas dazu schreiben, womit ich mich eben beschäftigt habe: Nämlich dem lunatic fringe, der völlig verrückten Außengrenzen des Ideen-Raumes. Ähnlich, wie die Neuro-Anatomie sehr viel gelernt hat von Fällen, wo Menschen schwere Schädelverletzungen hatten und große Teile des Gehirns kaputt waren – wenn das so ist, fallen manche Sub-Systeme des zentralen Nervensystems (ZNS) aus, woran sich erkennen ließ, dass es in der Tat funktionelle Einheiten im ZNS gibt und so ungefähre Ideen davon, welche und wo – kann ein konstruktivistisch denkender Wissenschaftler sehr viel lernen über die Psychologie der Mythenkonstruktion durch das Studium von Leuten, die sich ausgesprochen un- oder anti-normale Weltanschauungen gebastelt haben. Jedenfalls ist das mein Ansatz, und ich finde den sowohl unterhaltsam als auch fruchtbar. Das Internet macht vieles erforschbar, was zuvor soziologischen, politologischen und psychologischen Studien nicht zugänglich war. Menschen geben von sich aus sehr viel über sich und ihre Ideen, Gefühle, Ansichten, Vorlieben, Abneigungen und generell ihr Verhalten öffentlich preis. Neoliberalismus erfordert ständige Selbstvermarktung (die wirtschaftspolitische Dimension). Die bindungssuchenden Primaten, die wir biologisch zugleich nach wie vor sind, konkurieren zugleich um Streicheleinheiten in From von Aufmerksamkeit und Anerkennung. Beides zusammen bildet – neben vielen anderen Faktoren – die Grundlage für die Entstehung eines enormen Datensatzes – jede Stunde erweitert sich durch individuelle und institutionelle Beiträge das Internet mit wahnsinnig vielen Informationsmolekülen, neuen Fäden und Geschichten. Der multimediale Hypertext wächst andauernd, und ist natürlich zugleich Material für verschiedenste Versuche der Erforschung. Data mining war mal eine Metapher für diese Versuche, automatisiert Zusammenhänge in diesem Datenwust zu finden. Keine Ahnung, wie die aktuellen buzzwords lauten, das ist mir egal – die Idee, mit sehr sehr sehr großen Stichproben (idealerweise einer Komplett-Erfassung in Echtzeit) zu arbeiten, hat mir früher (~1996) schon als ein absolut geniales Instrument der Wahrheitssuche (im Sinne einer Konstruktion eines Modelles, was auf alle Daten maximal gut paßt) eingeleuchtet und mich enorm begeistert. Wer das nicht kennt – psychologische Forschung hat in der Vergangenheit sehr oft mit scheußlich kleinen Stichproben gearbeitet, und als Statistiker hat es mir vor den daraus extrahierten Gesetzmäßigkeiten (die dann auf die Menschheit verallgemeinert werden) immer gegruselt. Vieles davon hat empirisch praktisch keine Basis, was Kolleg*innen nicht gerne hören. Beispiel: Das Yerkes-Dodson-Gesetz. Es besagt: Umgekehrt U-förmiger Zusammenhang von Aktivierung und Lerneffizienz. Zu wenig oder zu viel Erregung sind dem Lernen abträglich, eine mittlere Aktivierung ist optimal. Klingt wie eine Binsenweisheit, und vermutlich ist es das auch. Nur – das wurde wissenschaftlich, also systematisch und experimentell – untersucht und belegt. Wer wie ich ein wenig weiter schaut, sich die Original-Arbeit ansieht, erlebt allerdings eine ernüchternde Überraschung. Untersucht wurden Wachteln, die auf die Unterscheidung von Farben konditioniert wurden. Und daraus wurde dann ein Gesetz abgeleitet, was für irgendwie alles gelten soll. In vielen anderen Bereichen sind es auch tierexperimentelle Studien, die auf Menschen verallgemeinert wurden. Oder eben die Studien, wo ein N (Stichprobenumfang) so klein gewählt wurde, dass Statistik an und unter ihre minimalen Anforderungen gerät. Auch der umgekehrte Fall – sehr große Stichproben – führt zu lustigen Pseudo-Ergebnissen – wenn N sehr groß ist, werden sehr kleine Mittelwertsunterschiede hoch signifikant. Ok. Weil das nur Erinnerungen sind an alte Gedanken, gleich wieder raus aus der Abschweifung. Vielleicht zur Erklärung, wieso dieser Text nicht mal minimal stringent daher kommt – es war ein heißer Tag, und nachts elend schwül. Deswegen habe ich mich mit Kaffee und Kippen am PC unterhalten mit eher sinnfreiem Zeugs, und irgendwann mal drauf los geschrieben. Liest sowieso keine Sau – wozu sich also die Mühe einer Didaktik machen. Jedenfalls habe ich mich Zeit meines Lebens immer für Außenseiter interessiert, die eigene und andere Weltanschauungskonstruktionen mit sich herum tragen. So einer bin ich ja auch immer gewesen, und habe das entsprechend ausgebaut. Durch den Anderen erkenne ich mich selbst im Außen, durch mich selbst erkenne ich den Anderen im Inneren. Beides korrespondiert und steht in einem Resonanz-Verhältnis. Um kurz einen Abriss zu geben, was mich interessiert hat: Als junger Mensch fand ich Politik, Sexualität und Drogen spannend. Dann logischerweise Magie, Astrologie, Esoterik, Hippies, Psychedelik und solche Geschichten, und entsprechend auch freie Geister aller Art … darunter fiel für mich jeder, der sich von der Idee der geteilten Weltsicht und von gedanklichen Konformismus hinreichend verabschiedet hatte, um sowas wie eigene Positionen zu formulieren oder auszudrücken. Nach mehreren gesellschaftspolitischen Experimenten – die wunderbar lebendig und utopistisch waren und ökonomisch sowie bio-psycho-sozial jeweils krachend gescheitert sind – kam ich auf die Idee, den Gründen für dieses Scheitern auf den Grund gehen zu wollen. Daher eine radikale wissenschaftliche Wende gemacht, alles auf den Prüfstand gestellt, Psychologie studiert. Promoviert über Mediennutzungsforschung von Heranwachsenden, bzw. daran gescheitert, diese Arbeit auch fertig zu stellen. Wollte ein Professor werden – heute bin ich einer, nur eben nicht offiziell, mehr so mad professor. Was mir aber auch besser gefällt, bis auf die Komponente fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Wäre schon schön, ich könnte was beitragen in den Diskursen der sogenannten wichtigen Menschen (derer mit Macht und Geld). Und hätte weniger prekäre Verhältnisse. Aber scheiß drauf, so ist meine Unabhängigkeit von diesen Systemen bzw. ein Nicht-Eingebunden-Sein in den Apparat immerhin dafür gut, dass ich nicht korrumpiert bin durch eine Interaktion mit den System-Leuten. Allerdings auch abgeschnitten davon, was die sehr schlauen Leute so zusammen basteln – früher habe ich nächtelang mit Leuten diskutiert und mich ausgetauscht, heute lese ich deren Ergebnisse (den veröffentlichten Teil) und denke mir den Rest dazu. Sehe aber auch – viele der high IQs sind in totaler Sinnlosigkeit eingebunden, geben einem System ihre Energie und ihre Kreativität, was daraus wieder neue sinnlose Plastik-Müll-Geschichten macht. Reproduktion von destruktiver Scheiße, darin hat mein Interesse nie bestanden. Daher auch irgendwie erfreulich, dass mir das erspart geblieben ist. Jedenfalls – nachdem eine Karriere als Psychologe trotz scheußlich gutem Diplom gefloppt war, habe ich mich als Psychotherapeut weiter gebildet. Und mit Menschen gearbeitet, die für psychisch krank erklärt und mit Drogen voll gepumpt werden. Interessiert haben mich da vor allem die F20 (paranoid-halluzinatorische Schizophrenie) und natürlich die bipolare Störung (Depression, Manisch-Depressive Störung). Beide Kategorien überlappen – es steckt viel Leid darin, wie die Gesellschaft mit solchen als krank gelabelten Menschen umgeht, weswegen die glücklichen Verrückten sehr selten sind. Wenig überraschend ist es mir gelungen, auch in diesem Karriere-Pfad an meiner antagonistischen Haltung zu fachlich nicht gerechtfertigter Autorität zu scheitern – ich würde sagen, alles andere wäre wirklich eine erstaunliche Sache gewesen. Bisher war das immer so – weil der Herr Wild sein Maul nicht halten kann, wenn er was für extrem daneben hält, fliegt er überall raus. L’eclat, c’est moi. Damit habe ich mich ein Stück weit arrangiert, vermutlich vor allem deswegen, weil ich dieses Muster nicht überwinden kann. Versucht habe ich es mehrfach, vor allem um anderen sozial zu gefallen und nützlich zu sein – und weil ein Teil von mir sich so sehr wünscht, endlich mal irgendwo dazu zu gehören. Liebe und Anerkennung zu erfahren, Familie zu sein – solche Sachen. Heute weiß ich natürlich, soziale Beziehungen sind eine aufwändige Sache – da ist sehr viel zu tun und zu lassen, damit das gut funktioniert mit anderen Menschen. Wäre das mein Ding, ich hätte nie die Zeit gehabt, mich zu dem zu entwickeln, was ich heute bin. Wie der schöne Spruch es stark verkürzt formuliert: Glück – das ist dumm sein und Arbeit haben. Was ich mache, macht nicht glücklich – weder mich noch andere, und darum geht es mir auch nicht. Klar, ich mag gerne glücklich und zufrieden sein (bin das auch oft) – nur stellt sich das eher über Umwege ein, als das ich dafür irgendwas täte. Sondern ich folge sehr klar meinem Willen (konzipiert als einer Art von innerem Antrieb, einem folgerichtigen nächsten Schritt, oder auch der einzigen Wahrheit, die ich jemals erleben werde). Nebenbei bemerkt, Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung. Völlig unterschätzt, großartige Bücher. Alles andere als einfach zu lesen, weil eigenwillig geschrieben. Aber sehr gehaltvoll, und inhaltlich unglaublich modern. Man merkt ihm die Beschäftigung mit den Veden an. Und erneut ein Ende der Abschweifung. Hier wieder der rote Faden – die sehr lehrreiche Beschäftigung mit den Mechanismen der Weltanschauungskonstruktion am Beispiel von völligst verrückten Menschen. Damit hatte ich mich zuvor beschäftigt. Wer meinen Blog kennte, wüßte um meinen Ärger mit den Verschwörungstheoretikern aller Art, die mich bisweilen an meinen Fähigkeiten zweifeln und verzweifeln ließen. Es gibt ja eine schwer überschaubare Anzahl von Bausteinen, woraus sich alternative Weltmodelle basteln lassen. Wie eine Studie zu Verschwörungstheorie (VT) zeigt, die ich kürzlich las und gut fand, sind die Websites, die solche Weltanschauungen vermarkten, alle miteinander verbunden und bilden – wie im eingangs beschriebenen Bild von der Winkelspinne – ein dichtes klebriges Netz miteinander. Egal, mit welchem Teil davon man beginnt, es werden häppchenweise immer neue und tiefere „Wahrheiten“ angeboten. Also die Frage, wie würde wohl eine der Spinnen bzw. ein solcher Spinner aussehen, die/den man findet, wenn man den Fäden nach geht? So kam ich auf Herrn Stoll und seine Tiraden über Arier vom Aldebaran. Wer den nicht kennt – der Mann ist bereits verstorben, war zu Lebzeiten nach der DDR als Staubsauger-Vertreter unterwegs und selbst dem Kopp-Verlag zu irre. Dagegen sind Ken Jebsen und Jürgen Elsässer vergleichsweise fast schon langweilig. Wobei langweilig = normal hier auch gefährlicher im Sinne von Anschlußfähigkeit bedeutet. Was für mich aus der Entfernung betrachtet irgendwie lustig ist – sich in überwertige Ideen völlig hinein steigern – ist zugleich im realen Leben enorm gefährlich, denn wir haben durch verschiedene unerfreuliche Ereignisse des 20. Jahrhunderts gelernt, dass es durchaus nicht reicht, wenn die Welt einen Irren als irre erkennt, um dessen Einfluss auf eine große Gruppe von Menschen ausreichend einzuhegen, damit kein größerer Schaden entsteht. Ohne ins Detail zu gehen – wie viele erkennbar nicht geistig gesunde Personen heute in der Welt über Macht und Einfluß verfügen und was das mit der Menschheit anstellen kann, dürfte vielen bereits bekannt sein. You can’t grab science by the pussy – but you can bunga bunga the biosphere. Um das mal kurz und klar auszudrücken. Also, Herr Stoll. Kein besonderer Fall, an und für sich. Der grundlegende Mechanismus ist trivial. Jemand, der ein trostloses Leben führt, phantasiert sich eine Welt, in der er wichtig ist und etwas weiß. Genau das mache ich auch, und eigentlich macht das jeder Mensch. Nennt sich Ego. Solange es in vernünftigen Grenzen bleibt, ist das eine ganz und gar gesunde Sache und darüber hinaus überlebensnotwendig. Pathologisch sind die extremen Fälle. Nämlich die, wo außer Ego nichts mehr da ist, und dann aus dem Bedürfnis nach Kontakt mit etwas anderem ein Angriff erfolgt. Solche Leute detonieren sich selbst und töten Menschen, beispielsweise. Was ja auch nur eine andere Art ist, auszudrücken I was here. Allerdings eine, die alle anderen total abfuckt. Scheußlich. Frage daher, wieso reicht es denen nicht, einen tag irgendwo hin zu sprühen oder sowas. Wie groß muss dieser innere Antrieb sein, um so etwas fieses und brutales zu tun – und vor allem, woraus besteht dieser Antrieb und welche kognitiv-emotionalen Komponenten führen zu diesen speziellen Ausprägungen von antisozialem Verhalten? Ein Brevik kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern: Da ist viel Zeit und Arbeit investiert worden. Die islamistischen Attentäter, die kommen schon eher aus dem Nichts, weil sie halt eher unintellektuell an die Kombination aus Selbstwert-Demonstration und Selbstauslöschung ran gehen, in der sie die Lösung ihrer Problematik finden. Das sind Leute, die – wie jedes menschliche Wesen in der Moderne – die eigene Nichtigkeit spüren und mangels Bildung und Erkenntnis recht leicht auf ein preiswertes Täuschungsmanöver aus dem letzten Jahrtausend rein fallen (Versprechungen von Belohnungen im Jenseits). Sprengstoff umgeschnallt, fertig ist der Selbstmord-Depp. Der Herr Stoll dagegen liest sich eifrig die diversen Bücher durch, die es über Verschwörungstheorien gibt, und wird so zur Wandelnden Bibliothek des Schwachsinns. Und das reicht dann, um sich zu stabilisieren und eine Art von Gemeinde zu haben, also soziale Anerkennung und auch kleine finanzielle Zuwendungen. Dazu ein passender Habitus (Hitler-Imitation kommt immer gut, weil recht bekannt) – und fertig ist die Laube. Darin ist Herr Stoll ein Muster für den Einzelunternehmer in Sachen Selbstvermarktung – freilich einer, der halt mit Nazi-Flugscheiben und dergleichen ein eher randständiges Publikum bedient. Wieder eine Abschweifung: Um 1920 herum gab es zahlreiche sogenannte Inflations-Propheten (bzw. Heilige). Das waren Irre, die unterschiedliche Ende-Der-Welt-Theorien mit einer Art von messianischem Auftreten verbanden. Etwa so wie in Life of Brian. Vermutlich gibt es solche Leute immer, wenn eine Krise da ist – macht ja Sinn, dass dann der Suchraum für mögliche gesellschaftliche Veränderungen vergrößert wird, wenn es so aussieht, als ginge es so nicht mehr weiter. Heute – durch die Vernetzung bzw. das Internet – sind natürlich die Reichweiten der Irren stark vergrößert. Wer früher garantiert keine Jünger gefunden hat (weil zu abgedreht), kann heute unter Millionen sicher irgend wen finden, der/die genau diese Art von Abgedrehtheit auch gut findet. Wenn das einige tun, entsteht eine Subkultur – und damit ein Soziotop, indem sich irres Zeugs zu einer stabilen und geschlossenen Weltanschauung mausern kann. An solchen Subkulturen kann ich nun wieder studieren, wie sich solche Formationen bilden und verändern, und auch, wie sie auf die umgebenden Systeme und letztlich die Mehrheitsgesellschaft ausstrahlen. Weil – kleine Gruppen mit extremen Ansichten und Handlungen bewegen ganze Gesellschaften, indem sie Bezugspunkte verschieben. Dazu braucht es nicht viel und nicht viele. Die viel zitierten 68er waren nicht wirklich viele, und der Kern der aktuellen rechtsesoterischen Szene ist auch nicht sonderlich groß. Dennoch beeinflussen solche Ideenverbreiter viele Menschen. Im Sinne von Aufklärung ist es daher ganz gut und sinnvoll, mal das Vollbild dieser Verschwörungsschwurbelei vor Augen zu haben. Hier siehst du, wie er vor Publikum die Nazi-Rampensau gibt. Und genau dafür ist Herrn Stoll zu danken – er hat das perfekt verkörpert. Nun ist es allerdings nicht so, dass wirre Thesen von solchen Menschen einfach so angenommen werden – im Gegenteil. Es ist sicher so, dass die Aufbauarbeit, die geleistet wird, an einem Punkt beginnt, der sehr persönlichkeitsnah und lebensgeschichtlich bedeutsam ist. Bei Stoll der Vater. Dessen Arier-Nachweis, beispielsweise. Bekannt ist, dass Stoll Frauen und Kinder nicht leiden konnte, und vermutlich auch sonst niemanden. Logischerweise will er aber sich selbst irgendwie mögen und psychisch stützen, also volle Identifizierung mit dem Vater. Und mit irgendwas – es muss aber stark und möglichst entfernt von denen sein, die er verabscheut (die ihm weh getan haben). Der Nazi-Link war da, also wieso nicht ein Weltraum voller Nazis? Und selbst auch ein Außerirdischer sein – nicht von dieser Welt. Das findet sich immer wieder bei verrückten Menschen, dass sie sagen, ich bin nicht von diesem Planeten. Mache ich auch so, es ist mir eine tröstliche Vorstellung, hier nicht dazu zu gehören und nur scheinbar da zu sein. Eine logische Folge von emotionaler Abgrenzung, wenn sie separatistisch wird. Das ist, denke ich, die Hauptfunktion von abseitigen Glaubenssystemen – eine Eingemeindung des Selbst in etwas anderes, gegengesetztes, eigenes. Im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie gibt es Forschung zum Phänomen der inneren Kündigung – ein Prozess, wo der Mitarbeiter die Identifikation mit dem Unternehmen aufgibt, nur noch Dienst nach Vorschrift macht, komplett demotiviert ist und tendenziell ausschließlich eigene Ziele verfolgt. Dort wird es als mit dem Gefühl des Getäuscht- bzw. Betrogen-worden-seins, also mehr als nur mangelnder Anerkennung, assoziiert. Gut verständlich, und der grundlegende Mechanismus folgt der Individuation, also wenn sich Ego aus dem Familensystem emanzipiert und sich ein eigenständiges Selbst bildet. Das Selbst würde in einem günstigen Verlauf auch Schemata für die Beziehungen zwischen Ego und Gruppe beinhalten, die diese Spannung von Nicht-Identität und Nicht-Getrenntheit (Abhängigkeit) als ein dynamisches Ungleichgewicht lebbar machen. Es ist ja völlig normal, dass es zwischen den Bedürfnissen nach Autonomie und nach Bindung zu Konflikten kommt und das Nähe-Distanz-Verhältnis immer wieder neu justiert wird – passend zu den Anforderungen und Möglichkeiten. Bei der inneren Kündigung passiert genau das nicht mehr – der Mitarbeiter ist faktisch weg und nur noch scheinbar dabei. Nicht zufällig habe ich dieses Beispiel gewählt. Sondern, es schließt sich ein Kreis – abseitige Nazi-Flugscheiben, Hohlwelt etc. – und ein anderer öffnet sich – namentlich die Reichsbürger. Bekanntermaßen ist das die deutsche Entsprechung eines Phänomens, was aus USA kommt (dort früher schon beschrieben wurde) und dort in verschiedensten Ausprägungen existiert – Menschen akzeptieren nicht mehr die Eingebundenheit in einen Staat und dessen Legitimität, und schaffen eigene Staaten-Ideen. Dann legen sie sich bürokratisch oder auch gewaltsam mit dem faktisch weiter vorhandenen Staatssystem an, schreiben kilometerlange Schreiben an Behörden und ähnliches (sogenannter paper terrorism). Die angemaßte Eigenstaatlichkeit endet in der Regel mit der Niederlage der Person(en), die sie behaupten – und die oft letztlich nieder geschossen und eingesperrt wurden und werden. Das war wohl schon immer so, siehe die Geschichte um Massada (Römer gegen jüdische Sekte). Wenn du das vergleichst mit Waco oder den Vorgängen um den Eigenstaat Ur (Adrian Ursache), dann sind Größenunterschiede da, aber sonst viele Parallelen erkennbar. Reichsbürger, wer das nicht kennt – die behaupten, es gibt die BRD nicht, sie sei nur eine Firma, tatsächlich existiere das deutsche Reich weiter. Gut erkennbar sind sie daran, dass sie eine para-logische Argumentation betreiben – scheinbar klingen Dinge logisch und es wird etwas wie eine argumentative Strategie und ein Diskurs verfolgt, tatsächlich aber wird mit beliebigen Versatzstücken geworfen. So, wie Affen ihren Platz in der Hierarchie des Affenfelsens verteidigen, indem sie mit Kot werfen. Spannend an den Reichsbürgern ist für mich – sie wollen das System nicht, und sind zugleich im Denken komplett davon eingenommen. Ein Staat muß sein – aus dieser Prämisse kommen rechts-orientierte Menschen nicht heraus. Also – wenn du zugleich den Staat, der aktuell da ist, total ablehnst – wieso nicht einen eigenen Staat begründen? Eine Variante, die natürlich gefährlich ist, weil damit Gewalt als Mittel einher geht. Herr Ursache sagt denn auch (und handelt so) – wer in meinen Staat hinein geht ohne Erlaubnis, der wird sterben. Sprich, wie staatliche Logik ja immer läuft – am Ende der Beweiskette kommt die Gewalt als letztes begründendes Mittel. Nun ist es ja, so, dass diese Strategie schon von sehr viel gewichtigeren und – was Gewalt und Eigengesetzlichkeit angeht – sehr viel fähigeren Leuten versucht wurde – namentlich von Rocker-Gruppen. Wenn deren Club-Heime – die ja genau das sind, was die Eigenstaaten gerne wären, nämlich in gewisser Weise exterritoriale Gebiete mit eigenen Gesetzen – von Verboten oder Razzien betroffen sind, kommt der Staat halt mit Spezial-Einheiten und macht beliebigen Widerstand platt. Politisch haben es andere Gruppen – die Black Panthers, oder Move in Philadelphia – auch schon versucht, eine Sezession durch zu ziehen. Und die Erfahrung wurde gemacht, dass ein Staat auch im inneren auf Armee und Bombardierung zurück greift, um solche Gruppen auszuschalten. Ähnliches gilt für die Gruppen, die sich als Form bewaffneten Widerstandes im Untergrund verstanden haben, wie raf oder ETA, IRA, etc. Und natürlich wird es der aktuellen islamistischen Version von Eigenstaatlichkeit, die wir als „islamischer Staat“ kennen, auch so gehen. Wer noch einen sehr viel größeren Denkschritt machen mag – die UdSSR als eine im Welt-Kapitalismus unpassende und irgendwie extrem abweichende Erscheinung – auch da wurde durch den kalten Krieg letztlich die Abweichung beseitigt. Um nicht mißverstanden zu werden – diese großen und kleinen Konstruktionen von mytischem Sinnzusammenhang und wirtschaftlich-politischen funktionalen Systemen sind nicht alle irgendwie das Gleiche, so ist es nicht gemeinst. Sondern – sie folgen gleichen Systemgesetzen, weil sie den Baustein Individuum teilen, und weil halt Menschen auf eine bestimmte Weise funktionieren, die wir beschreiben können. Ein US-Präsident oder sonst ein Herrscher, das ist ebenfalls ein solcher Mensch, und genau wie Herr Stoll hat auch der Herr Trump eine Art, sich ein Weltmodell zu bauen und daraus den Sinn und den nächsten logischen Schritt abzuleiten. Worin sich diese Herren wesentlich unterscheiden und wo sie sich gleichen? Die ihnen funktional zur Verfügung stehende Macht. Jeder Mensch ist gefährlich. Übrigens sind als verrückt gelabelte Leute statistisch harmloser als sogenannte normale Leute – aber das nur nebenbei, und es könnte sich aus der Tatsache her ableiten, dass sie in unseren sozialen Systemen wenig funktionale Macht haben (arm und marginalisiert sind). Hm. An dem Punkt komme ich nicht drum herum – alle Reiche der Welt, egal wie groß oder klein, wurden irgendwann durch neue Machtkonstellationen aufgerollt und abgelöst. In der neuen Phase – dem neuen Regime – war dann die alte Welt und alles in dieser unverrückbar für sicher und feststehend geglaubte nur noch abwegiges Zeugs ohne Wert. Der alte Glaube (egal welchen Inhalts) hat im neuen Regime keinen Wert oder Sinn mehr. Regelhaft sammelt sich um alte und überholte Glaubenssysteme ein Widerstand gegen neue staatliche und gesellschaftliche Normen. Der Widerstand, das Festhalten an alten Werten, wird dann vom Regime bekämpft und verfolgt, weil er ein Hindernis auf dem Weg in die neue Zeit darstellt. Jedes neue sozio-ökonomische System hat in der Phase seiner Begründung ein sogenanntes Gründungsverbrechen – namentlich die Zerstörung der Lebensgrundlagen der alten Systeme und ihrer Angehörigen, so dass Überlebende gezwungen sind, sich zu assimilieren. Wer moralisierend daher kommt und meint, solche Dinge wie gewaltsame Veränderungen dürfe es nicht geben, der/die verkennt, wie Geschichte läuft. Ideen wie Demokratie, Aufklärung und Menschenrechte beispielsweise sind nicht das Ergebnis einer Einsicht auf Seiten der Adligen und Könige gewesen. Auch der Nationalsozialismus war nicht Ergebnis einer Einigung der Deutschen darauf, dass sie nun alle einen Führerstaat wollen – sondern wurde gewaltsam durchgesetzt. UdSSR, wurde bereits erwähnt. USA, Israel, das römische Reich, China … es lohnt, sich mal genauer anzusehen, wie sich solche sozioökonomischen Einheiten etablieren und entwickeln. Gleiches gilt für die Entstehung der Weltreligionen. Ich will das nicht zu sehr ausführen, weil stets die Befürworter einer solchen Einheit die eigene Gruppe gegen den Vorwurf verteidigen werden, sich von den anderen bezüglich der eingesetzten Mittel nicht zu unterscheiden. Lieber verweise ich auf das Ingroup-Outgroup-Paradigma und sozialpsychologische Grundlagenforschung. Eigene Gruppe, das sind definitionsgemäß die Guten, die sich nur gegen die anderen (die Bösen) verteidigen. Und falls es nirgends Gute gibt, bin ich halt der einzige Gute (und tue mein eigenes Böses aus mir heraus, indem ich mich zum Opfer der Anderen stilisiere). So funktioniert das ZNS, und natürlich sind das (formal betrachtet) Denkfehler und systemisch betrachtet Mechanismen, die uns als individuelle Wesen stabilisieren (was eine überlebenswichtige Funktion ist, denn wo es mißlingt, folgt Suizid oder dergleichen). So weit, so gut. Vermutlich habe ich nun alle Bögen gespannt und nach Ansicht mancher möglicher Kritiker auch überspannt. Also eine sanfte Landung anstreben, bevor sich jemand weh tut mit umher fliegenden Pfeilen. Wir Menschen, wir sind halt so, und wir können nicht anders sein. Was uns Frieden und Kooperation ermöglicht, ist nicht das Auffinden von Wahrheit, sondern unsere enormen Fähigkeiten, sich völlig widersprechende Dinge gleichzeitig zu glauben und kontextsensitiv anzuwenden in einer From, die sozial passend ist. Der Schlüssel dazu, sich passend zu verhalten, sind unsere Spiegel-Neurone – die uns ermöglichen, den emotionalen Zustand der anderen in uns zu modellieren, also Gefühle nach zu fühlen und daraus Vorhersagen zu generieren. In dem Moment, wo wir eine liebevolle Haltung einnehmen, können wir mit jedem anderen Wesen in eine un-kriegerische Situation gehen, was nicht gerade extrem hungrig ist (erst das Fressen, dann die Moral – daher ist hippiemäßiges Vibrieren kein Schutz vor hungrigen Bären). Auf individueller Ebene ist daher Frieden immer möglich. Was Gruppenprozesse mit großen Zahlen von involvierten menschen angeht, wird dieser Mechanismus vermutlich systematisch überfordert – und genau da bestehen die Herausforderungen hinsichtlich einer globalen Friedensordnung.

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Kleinste gemeinsame Nenner

Ich habe in letzter Zeit einige Versuche von Gemeinschaftsbildung begleitet bzw. bin da dabei gewesen. Und stellte fest – nicht mein Verein, die verbindende Klammer von geteilten Anliegen hält nicht zusammen, was an Gegeneinander ebenfalls vorhanden ist. Theoretisch sollte „ein Mensch sein“ bereits ausreichen. Praktisch sind Menschen alle verseucht durch menschenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen. Wir machen uns viel zu oft gegenseitig kaputt. Ist das nun schade, traurig, änderbar, ein zu akzeptierendes Ding? Ich weiß es nicht.

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Privatsphäre – und der Faschismus der Zukunft

In diesem Text geht es um die totale Überwachung – etwas, was bereits vom Potential her hier ist und sich machen läßt, weswegen ich glaube, so wird es kommen: Es gibt keine Privatsphäre mehr. Nur unausgewertete Daten. Wann ich wo bin und was ich tue – es läßt sich rekonstruieren. Nicht von jedem Menschen, aber prinzipiell. Nicht lückenlos, aber das ist eine Frage der Zeit und der technischen Entwicklung. Logischerweise wird die Zukunft die totale Überwachung in Echtzeit bringen. Das wird uns dann als Schutz verkauft oder durch erweiterte Möglichkeiten und Bequemlichkeit schmackhaft gemacht oder auch gesetzlich vorgeschrieben, und sozialer Gruppendruck erledigt den Rest. Bereits jetzt bin ich dauernd überwacht. Sitze ich am PC, dann ist, was ich tue, sekundengenau aufgezeichnet. Über die Hardware hat niemand mehr Kontrolle – ob es werkseitig eingebaute Backdoors gibt, die Zugriff auf den PC ermöglichen und beispielsweise Verschlüsselung aushebeln – man weiß es nicht und vor allem kann man es nicht mehr wissen. Aber auch ohne einen PC im Haus hängt ja alles, was mit der Außenwelt zu tun hat, an Computern. Beispiel Energie: Mein Stromverbrauch variiert, je nachdem, was ich in der Wohnung tue – Musik hören, ein Bad nehmen (Warmwasser), Aufladung des Mobiltelefons, Haare föhnen etc. Der Dienstleister, der mir den Strom abrechnet, kann meine Verbrauchsmuster aufzeichnen und auswerten. Werde ich nie wissen. Auch nicht, wer sich das noch anschaut. Wurde aber bereits durch Polizei gemacht, um beispielsweise heraus zu finden, ob Leute illegale Ganja-Plantagen betreiben. Bin ich daheim oder nicht – es ist durch das Mobiltelefon feststellbar, wo ich bin. Da greift der soziale Gruppendruck – es ist privat und auf Arbeit unakzeptabel geworden, wenn du nicht erreichbar bist. Nur ein Festnetz-Telefon zu haben oder gar überhaupt kein Telefon – das geht nicht mehr durch. Also kommt man nicht drum herum. Natürlich zeichnet das Telefon alles auf – Gespräch und Hintergrundgeräusche, Ort, Zeit, Verbindungsdaten. Und darauf haben die Sicherheitsorgane vollen Zugriff. Wie auch auf Transaktionen: Was mein Konto macht, das wird für alle Transaktionen aufgezeichnet, und diese Daten sind durch Geheimdienste, aber auch durch das Jobcenter einsehbar. Ich kaufe etwas mit EC-Karte – da ist feststellbar, wann und wo. Bargeld wollen sie ja abschaffen. Aber auch mit Bargeld bin ich trotzdem auf den Video-Überwachungssystemen. Noch können die Video-Überwachungen nicht viel, aber bald werden sie nicht nur jeden Menschen identifizieren, sondern können durch Gesicht und Bewegungsweise auch auslesen, wie es mir geht. Und es wird Austausch darüber geben, welche Kamera wen wann wo gesehen hat. Denkbar ist auch, das zu verknüpfen. Ist jemand außerhalb seiner Homezone unterwegs – dann fällt das auf. Was macht der Mensch an dem Ort – da gehört er doch nicht hin. Denkbar wäre auch, Leute auf Bereiche zu beschränken, also eine elektronische Fußfessel, nur unhintergehbar. Es ist aber nicht nur die Kontrolle des Körpers im Raum, sondern auch der Äußerungen: Die Applikationen, die ständig lauschen (weil sie Sprachsteuerung haben), nehmen dauernd zu. Natürlich nehmen die alles auf, und wie es ausgewertet wird, kann ich nie wissen. Noch ist das freiwillig, nur – auch das eine Frage der Zeit, bis es eben keine anderen Geräte mehr gibt. Spannend die Geräte, wo – wie neulich bei IP-over-Powerline-Adaptern – ein Mikrophon eingebaut ist, von dem man als Käufer nichts weiß; praktisch eine Wanze. Diese Funktion sei werkseitig deaktiviert, hieß es dann. Ob sie über das Internet heimlich aktiviert werden kann, dazu war nichts zu erfahren. Vermutlich wird es zum Standard werden, dass immer überall Geräte mithören, bei jedem Gespräch. Und es wird auffällig sein, wenn jemand oder mehrere Menschen irgendwo ohne Telefone (oder wie der Kommunikator dann heißen wird) unterwegs sind – sicherlich wird das kommen, dass alle getrackt werden, und es eine Art Triangulation gibt, sprich es werden mehrere Datenquellen verknüpft, um jeden Menschen immer eindeutig zu identifizieren. Ein unidentifizierter Mensch, das wird illegal sein (und automatisch zu Maßnahmen führen, um Sicherheit zu gewährleisten). Durch Drohnen ist es möglich, die Lücken in der Kamera-Überwachung zu schließen – bei Tag und bei Nacht. Fernmobilität (Autos, LKWs) wird sicher getrackt, was fährt wo und wann und wie schnell – ein Auto ist ein Computer, das ist ja bereits heute so. Welche Daten ausgetauscht werden, ist durch den Nutzer nicht zu kontrollieren. Und generell unüberwachte Mobilität – allein im Wald spazieren gehen – ist dann nicht mehr drin. Das war die Art, wie in der DDR die Dissidenten sich getroffen haben abseits der Stasi-Überwachung. Zufällig im Wald getroffen. Stasi ist ein gutes Stichwort für den nächsten Aspekt – wer über wen welche anderen informiert. Falls es Leuten gelänge, sich dem zu entziehen, würde durch ihre Kontakte – so wie Facebook es bereits macht – dennoch der Nicht-mitmachende Mensch identifiziert und komplett ausgeforscht werden können – soziales Netz, etc. Bei Leuten, von denen es Sicherheitsorgane besonders interessiert, werden natürlich wie eh und je menschliche Informanten angedockt werden, die bezahlt für Aufklärung und Verhaltenssteuerung der Zielperson sorgen. Und zwar parallel zu den indirekten Aufklärungsmethoden, die bereits angesprochen wurden. Wer ist in diesem Überwachungssystem Zielperson? Daran wird in Russland und China gearbeitet, und anderswo sicher auch: Der Bürger-Score. Also ein Punktwert, den du als Person hat, und der deine Systemtreue und Systemrelevanz abbildet. Was gut, richtig und wertvoll ist (und was nicht), das kann natürlich programmiert werden. Es könnten aber auch statistisch aus den Daten – also von unten nach oben – solche Kriterien gebildet werden – daran arbeiten Amazon und Konsorten. Wer wird ein profitabler Kunde, wer ein guter Mitarbeiter? Die negative Seite – wer wird ein Verbrechen begehen – auch daran wird gearbeitet, Stichwort predictive profiling. Einer Technokratie der Zukunft werden die Mittel zur Verfügung stehen, die Gesellschaft total zu steuern. Inklusive natürlich der Macht über Leben und Tod. Es wäre ein Leichtes, einen Mechanismus einzubauen, der deine Körperwerte analysiert – da ist dann klar, wann du dich freust oder wütend bist, wann du schläfst oder wach bist, wie gesund du bist … lauter so Sachen. Ein eingebauter Killswitch würde es ermöglichen, dich per Internet abzuschalten – dann stirbst du, oder wirst ohnmächtig (und sie können dich einsammeln). Allein diese Drohung würde alle gefügig machen. Es würde dann die Einladung zu einer Maßnahme nicht mehr durch äußere Sanktionen (Strafe), sondern durch innere Sanktionen (Belohnung, Schmerz) begleitet. Das Netz wäre dann natürlich der Gott der Welt, an den zu glauben alle gezwungen wären. Apostasie ist der Tod. Und es wäre sicher möglich, dieses System zum besten und einzig möglichen System zu stilisieren. Ganz unvernünftig, da nicht mit zu machen. Das ist der Faschismus der Zukunft.

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Deutsche Bank, Trump, Kushner – und Russland

Der Wahlkampf von Deutsche-Bank-Kunde Trump wurde möglicherweise via Russland finanziert. Es wird über die Rolle von Putin spekuliert. Mitten drin Jared Kushner, der sich mit Vertretern einer großen russischen Bank trifft, die eng in den Staatsapparat integriert ist und im Zusammenhang mit geheimdienstlichen Aktivitäten genannt wird. Putin sitzt dort im Aufsichtsrat. Die Bank steht unter US-Sanktionen. Kushner wollte angeblich gerne geheime Kommunikationskanäle mit Russland über die russische Botschaft installieren, um vor Nachforschungen des FBI geschützt zu sein.

Kushner met with the CEO of Russia’s state-owned Vnesheconombank in December 2016. The meeting came on the heels of Kushner’s meeting with Russia’s ambassador to the US, Sergey Kislyak, at Trump Tower, in which he reportedly floated the possibility of setting up a secure line of communication between the Trump transition team and Russia.

Kushner suggested using Russian diplomatic facilities in the US to communicate, which would essentially conceal the Trump team’s interactions with Russian officials from US government scrutiny, The Washington Post reported on Friday.

Kislyak reportedly orchestrated the meeting between Kushner and Vnesheconombank CEO Sergey N. Gorkov, The New York Times reported earlier this year. Gorkov was appointed by Russian President Vladimir Putin in January 2016 as part of a restructuring of the bank’s management team, Bloomberg reported last year.

Between 2012 and 2014, Vnesheconombank was used as cover for Russian spy Evgeny Buryakov as he attempted to recruit New York City residents as intelligence sources for Moscow, according to the Department of Justice. Before that, Buryakov used Vnesheconombank as a cover to spy and recruit assets in South Africa.

Quelle: http://www.businessinsider.de/kushner-meeting-russian-bank-gorkov-vnesheconombank-2017-5?r=US&IR=T

Hier ein Video von CNN zu dieser Geschichte.

Quelle: http://ht3.cdn.turner.com/money/big/news/2017/03/28/kushner-russian-banker-meeting-nyt-rosenberg.cnnmoney_1024x576.mp4

Die Deutsche Bank – wo Trump Kunde ist – mischt auch irgendwie mit. Trump hat um die 300 Millionen US-Dollar Schulden bei der Deutschen Bank. Sie hat gute Kontakte nach Russland, es gibt da diese Geschichte über Geldwäsche für russische Oligarchen mittels des Erwerbs von Immobilien (!) in den USA.

In January 2017, shortly after Trump took office, Deutsche Bank agreed to pay $630 million to settle allegations that its Moscow, New York and London branches helped wealthy Russians in a $10 billion money laundering scheme.

Last month, Democrats asked the bank whether accounts held by Trump and his family had any ties to Russia.

Quelle: http://money.cnn.com/2017/06/09/news/companies/deutsche-bank-trump-democrats/index.html

The lawmakers want the German bank, which has made loans to Trump’s businesses, to release any internal reviews it may have conducted into loans to Trump and his family members and tied to allegations Deutsche helped wealthy Russians launder billions of dollars.

(…) While other financial firms have been reluctant to work with Trump, Deutsche has been a steadfast financial backer of the former real estate mogul’s business interests.

Quelle: http://money.cnn.com/2017/05/24/news/economy/deutsche-trump-russia/index.html?iid=EL

Weltpolitik und Verschwörungsgerede. Mich hat es immer genervt und ich habe das vehement abgelehnt. Und zwar deswegen, weil diese sogenannten Erklärungen meist beliebig zusammen geworfene Fakten irgendwie verwursten und daraus eine Story machen, die dann grob vereinfacht und ein Verstehen eher unmöglich macht, als es zu befördern.

Schwierig, wenn diese Geschichten Gegenstand der Betrachtung sind. Es ist offensichtlich, dass die Trump-Administration ihre Machtposition nutzt für ihre privatwirtschaftlichen Interessen, und es sie offenbar nicht die Bohne interessiert, dass sie sich höchstwahrscheinlich jenseits der Legalität bewegen.

For years, Donald Trump has used a powerful tool when dealing with bankers: his personal guarantee.

Now that guarantee — employed to extract better terms on hundreds of millions of dollars of loans to the Trump Organization — is at the center of a delicate loan-restructuring discussion at Deutsche Bank AG, which is under investigation on several fronts by the U.S. Department of Justice.

The bank is trying to restructure some of Trump’s roughly $300 million debt as part of an attempt to reduce any conflict of interest between the loan and his presidency, according to a person familiar with the matter. Normally, the removal of a personal pledge might lead to more-stringent terms. But there is little normal about this interaction. Trump’s attorney general will inherit an investigation of Deutsche Bank related to stock trades for rich clients in Russia — where Trump says he plans to improve relations — and may have to deal with a possible multibillion-dollar penalty to the bank related to mortgage-bond investigations.

Quelle: https://www.bloomberg.com/news/articles/2016-12-22/deutsche-bank-s-reworking-a-big-trump-loan-as-inauguration-nears

Der Guardian hat einen Artikel dazu, der die Auseinandersetzungen der Deutschen Bank mit Trump beschreibt – und wo klar wird, dass sich der oberste Bully der Welt auch gegenüber seinen Finanziers übelst aufführt.

Quelle: https://www.theguardian.com/business/2017/feb/16/how-donald-trump-became-deutsche-bank-biggest-headache

Nichts davon ist auch nur irgendwie im Rahmen normaler und legaler geschäftlicher Interaktionen – praktisch alles schreit geradezu nach irgend einer Form von Ermittlung und nach einer gerichtlichen Überprüfung.

Die Abgeordneten der Demokraten beschrieben die Beziehungen zwischen Trump und der Deutschen Bank als „unkonventionell“. Sie hoben hervor, dass das Institut eine der wenigen Banken war, die ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Immobilienmogul fortgesetzt hatten, nachdem in den 90er Jahren mehrere seiner Casinos pleite gegangen waren.

Quelle: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-1151455.html

Wozu die Stories gut passen, die Trump in Verbindung mit der Mafia bringen (es wird kolportiert, dass dessen Immobilien-Geschäfte nicht zufällig für ihn günstig liefen und er seinen Reichtum möglicherweise äußerst zwielichtigen Verbindungen verdankt). Träfe das zu, wäre Trump schlicht ein Gangster. Vielleicht schlauer, hier einen Konjunktiv zu verwenden, um nicht irgendwann schlimme Anwaltspost zu haben. Nützt natürlich nicht dagegen, Betonfüße verpasst zu bekommen.

Beginning three years earlier, he’d hired mobbed-up firms to erect Trump Tower and his Trump Plaza apartment building in Manhattan, including buying ostensibly overpriced concrete from a company controlled by mafia chieftains Anthony “Fat Tony” Salerno and Paul Castellano. That story eventually came out in a federal investigation, which also concluded that in a construction industry saturated with mob influence, the Trump Plaza apartment building most likely benefited from connections to racketeering.

Quelle: http://www.politico.com/magazine/story/2016/05/donald-trump-2016-mob-organized-crime-213910

Trump glaubt an Loyalität – Gefallen tun und erwidern, und wer das nicht tut, an dem wird er sich rächen. Auch das ist sehr eine Mobster-Einstellung.

Vom Prinzip her denke ich, was 2Pac über die Welt gesagt hat – the world is run by gangs – macht durchaus Sinn. Im Kleinen wie im Großen sind es Banden, die Territorien und Geschäfte kontrollieren. Eine rationale Weltsicht besteht in der Analyse von Systemen und Interaktionen, die aus den Daten eine Theorie gewinnt – im Gegensatz zu einer irrationalen Weltsicht, die ausgehend von einer Ideologie die Fakten passend einbaut und gegenteilige Informationen ausblendet, weil es darin eben nur um ein passendes Bild geht, nicht um eine Annäherung an tatsächliche Vorgänge.

Das Gute an der Ära Trump ist, dass die Art, wie die US-Regierung agiert, so krass und schräg und heftig ist, dass auch die Menschen, die so gerne an einen Rest von Anstand und ein wenigstens grundsätzlich nicht vollkommen verrottetes System würden glauben wollen, dies nun als Illusion erkennen müssen. Wie die USA mit dem Trumpismus klar kommen, wird wesentlich prägen, was von der Idee der repräsentativen Demokratie noch übrig bleibt. Im Trumps Team waren von Anfang an Leute, die das System zerstören wollten – und wie es scheint, haben sie durchaus dazu beigetragen, Politik und die Frage nach der Gestaltung der öffentlichen Ordnung generell wieder spannend und interessant zu machen. Kommt da ein neuer Faschismus, geht diese Geschichte durch, die Trump versucht – oder gibt es tatsächlich funktionierende Checks and Balances?

Der Trumpismus hat aus den USA eine Nation gemacht, die mehr wie Breaking Bad rüber kommt, als das sie irgendwie ein Vorbild für Demokratie in der Welt sein könnte. Entsprechend sank das Vertrauen der deutschen Bevölkerung zu den USA auf einem ähnlich niedrigen Stand wie das Vertrauen in Russland unter Putin. Während gleichzeitig aufgrund des zugegebenermaßen hohen Unterhaltungswertes dieser political crime series auf einmal Weltpolitik wieder spannend geworden ist. Und selbst Wissenschaftler*innen, die im leben nicht gedacht hätten, dass sie sich mal politisch betätigen würden, gehen demonstrieren, weil die postfaktische Weltsicht des Präsidenten ihnen (uns) schlaflose Nächte bereitet.

 

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