Therapeutische Praxis

Ich habe als Psychotherapeut gearbeitet, mich 7 Jahre lang damit beschäftigt. Eine Approbation habe ich nicht erreicht, weil ich selbst zu verrückt für den Job bin. Wenn mir was arg quer liegt – und das ist in den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie in sehr vielen Bereichen und praktisch überall so – dann rebelliere ich rum und will das verändern und stürze mich in sinnlose Gefechte, habe schrecklich recht bzw. bilde mir das ein, kriege aber kein Recht zugesprochen und stehe danach aufgrund von spektakulär dummen Aktionen meinerseits übelst im Abseits. Sozial geschickt geht irgendwie anders.

Auch verzettele ich mich super gerne, habe tausende Sachen vor und mache dann doch nix. So ein chaotischer Typ, halt.

Außerdem: Mein Gefühlsleben macht diese Art von Arbeit in dieser Form nicht mehr mit. Das habe ich für mich gelernt. Das Gesundheitssystem ist halt eher kein Ponyhof (sondern eine Fabrik mit Stückzahlen). Wie auch immer, ich will mich kurz fassen. Vor gar nicht allzu langer Zeit dachte ich, ich mache eine Praxis auf. Hatte die Homepage gemacht und den Raum schon, und dann kam eine Lawine von unerfreulichen Ereignissen mit der Folge, dass es nun ganz anders ist.

Jedenfalls hatte ich einen schönen Text geschrieben für die Seite, und um den aufzuheben (die Domain habe ich vom Netz genommen), tue ich ihn hier hin. Wird nicht die letzte Vision sein von etwas, was ich mir ausmale und was dann nicht wirklich sich realisieren läßt.

Das Scheitern gehört absolut dazu. So wie sich verlaufen (neue Ecken kennen lernen). Jedenfalls, wenn man sehr gerne eigene Wege geht.

Text für eine geplante Praxis-Niederlassung. Hab das aber nie gemacht, tatsächlich. Was ich hatte: Die Domain praxis-martin-wild.de Die ist aber nun abgeschaltet, weil ich das nicht machen mag, kann, darf.

Manchmal sind wir gefangen in unseren Verhaltensmustern. Dann leiden wir, weil es nicht so ist, wie es sein sollte. Und sind vielleicht ratlos, wie es denn anders oder besser gehen könnte.

Wir finden es schwer, jemandem zu vertrauen oder um Hilfe zu bitten. Andere haben uns verletzt, und das soll nicht wieder passieren – also fahren wir mit dickem Panzer durch das Leben oder verstecken uns, gehen den schwierigen Dingen aus dem Weg, verlieren uns in Grübeln und Angst, isolieren uns von den anderen. Je länger das geht, um so depressiver werden wir. Oder es passiert einfach zu viel und wir sind überfordert. Kann auch sein, es werden Wege gewählt, die – einmal beschritten – kaum wieder zu verlassen sind – Süchte und ’schräge‘, zwanghafte Angewohnheiten beispielsweise. Manche sind auch einfach in irgendeiner Hinsicht ‚anders‘, nehmen die Welt anders wahr, unterscheiden sich in ihrem Aussehen, Empfinden und Denken von ihrer Umgebung – und werden – möglicherweise bereits früh im Leben, mit lang anhaltenden negativen Folgen – ausgegrenzt. Wenn wir in solchen belastenden Lebenssituationen sind, ist guter Rat teuer. Und schlechten Rat gibt es überall, jeder gibt seinen Senf dazu, auch wenn sie keine Ahnung haben – so daß einem Menschen richtig zuwider werden können.

Was ich da skizzenhaft beschrieben habe, sind einige Aspekte von dem Phänomen, dass man psychisch und körperlich in Not gerät, krank wird, sich kaputt fühlt.  Es gibt etliche andere, und gemeinsam haben sie, dass es einem ganz und gar nicht gut geht.

Im Rahmen ärztlich-psychotherapeutischer oder auch psychiatrischer Expertise werden jeweils bestimmte Gruppen von Merkmalen gemeinsam als ‚Störung‘ bzw. ‚psychische Krankheit‘ definiert. DieWeltgesundheitsorganisation WHO beschreibt in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) im Kapitel V (‚fünf‘) die psychischen Beeinträchtigungen und ihre Diagnose-Kriterien. Es gibt viele Namen und Beschreibungen von Aspekten, und vieles kommt kombiniert vor. Und es gibt – das ist die gute Nachricht – geeignete Behandlungsmöglichkeiten, die Belastungen und Leiden nachweislich bedeutsam verringern.

Wer psychisch krank ist, kann zu einem Arzt oder approbierten Psychotherapeuten gehen und sich helfen lassen. Darauf haben Sie ein verbrieftes Recht, und das bezahlt Ihre Krankenkasse.

Allerdings ist es schwer, einen guten Therapeuten zu finden, und es gibt lange Wartezeiten. Oft dauert es drei Monate oder länger, und manche Menschen – die eine Schizophrenie, eine bipolare Störung oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung aufweisen, oder die viele komorbide Erkrankungen aufweisen (‚komorbid‘ bedeutet, es sind mehre Krankheiten gleichzeitig vorhanden, was eigentlich eher die Regel als die Ausnahme ist) – kriegen praktisch nirgends jemanden, der sich auf diese als ’schwierig‘ oder ‚bedrohlich‘ oder ‚unangenehm‘ empfundenen Themen einläßt.

Mit ‚gut‘ in ‚ein guter Therapeut‘ ist gemeint, jemand der sich auskennt und fachlich auf dem aktuellen Stand ist. Ob eine Zusammenarbeit fruchtet, hängt vor allem von der Qualität der Beziehung ab. Die angewendeten Methoden und Techniken – die sich schulspezifisch unterscheiden, denn ein Verhaltenstherapeut macht nicht das Gleiche wie ein Psychoanalytiker, ein Psychiater oder ein Heilpraktiker etc. – spielen letztlich keine so große Rolle für den Erfolg einer Therapie. Was nicht etwa meine Meinung ist, sondern Ergebnis der Psychotherapie-Forschung.

Ich bin Diplom-Psychologe und habe eine verhaltenstherapeutische Ausrichtung und Ausbildung (derzeit noch ohne Abschluß der Approbation).

Verhaltenstherapie geht von einer einfachen und gründlich belegten wissenschaftlichen Annahme aus, nämlich: Es ist grundsätzlich – abgesehen von Veranlagung und Temperament – alles gelernt, was wir tun und wie wir es tun. Und es kann alles Gelernte auch verändert werden. Nicht durch Zauberei und Hokuspokus oder Voodoo, sondern durch systematische Selbstbeobachtung, Verhaltensexperimente und konkrete Verhaltensveränderungen, die eingeübt werden. Die bringen den Erfolg, nicht irgendwelche ‚tiefen Einsichten‘, das potentiell ewig dauernde Rumbuddeln in der eigenen Biographie oder besondere Tricks und Kunststücke. Unser Verhalten strukturiert die Welt, in der wir leben, und wir können im Rahmen unserer Möglichkeiten dieses Verhalten so verändern, dass wir gut zurecht kommen. Das ist Verhaltenstherapie.

Meine Praxis bietet derzeit keine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen und auch kein Kostenerstattungsverfahren an. Und ich nenne mich nicht „Psychotherapeut“, sondern Berater. Ich übe keine Heilkunde im Sinne der Gesetze aus, denn dafür bräuchte ich eine Approbation oder einen Heilpraktiker-Schein. Ich mache aktuell lediglich Beratung und Coaching.

Ich vereinbare ein frei verhandelbares Berater-Honorar.  Wohlgemerkt, es gibt keine Regel, wonach irgendeine sinnvolle Technik der Verhaltensmodifikation nicht auch außerhalb eines therapeutischen Rahmens nutzbringend angewendet werden könnte. Wer mich bucht, bucht einen Therapeuten, Berater oder Coach oder Diplompsychologen, je nach Bedarf und Belieben.

Das hat mehrere Auswirkungen, gute und weniger günstige:

1) Niemand hat Nachteile durch Kontakte zu mir – wie beispielsweise den, nicht verbeamtet werden zu können – zu befürchten, die durch die stigmatisierende Bezeichnung ‚psychisch krank‘ entstehen könnten. Denn es kommt nichts in irgendwelche Akten und Datenbanken, was später irgendwer gegen Sie verwenden könnte.

2) Es muss alles selbst bezahlt werden (was blöd ist für kranke Menschen mit wenig Geld – aber so ist der Kapitalismus nun mal, das habe nicht ich mir ausgedacht). Wer kein Selbstzahler sein kann, kann und muss den Weg über kassenzugelassene Psychotherapeuten gehen.

3) Es gibt den Raum, um ganz individuell und bedarfsbezogen zu arbeiten. Sich ‚krank und kaputt fühlen‘ ist nur EIN möglicher Anlass unter vielen. Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder einfach der Wunsch, sich selbst in irgend einer Hinsicht zielorientiert zu verbessern oder Dinge für sich zu klären, sind genau so wichtig und richtig und möglich. Das kann ein niedergelassener, approbierter psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeut nicht tun, denn die Krankenkassen sind nur für Krankheiten zuständig. Ich mache auch Coaching und Beratung, ganz wie es für meine Klienten paßt und gewünscht ist.

4) „Psychologischer Psychotherapeut“ ist eine geschützte Bezeichnung. Dafür muss jemand studiert und eine Ausbildung gemacht sowie die staatliche Approbationsprüfung bestanden haben sowie sich einen Kassensitz gekauft haben, um eine ‚erstattungsfähige Praxis‘ (die mit der Krankenkasse abrechnen darf) zu betreiben.

Ich bin seit 2001 Diplompsychologe (mit einem sehr guten Diplom sowie einer nach 2 Jahren abgebrochenen Promotion). Seit 2010 bin ich – mit einer längeren Auszeit zwischendurch – in der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. Zugleich arbeite ich – als Teil der Ausbildung – bereits seit langem therapeutisch und werde supervidiert. Ein Jahr habe ich in einer Psychiatrie (LVR-Klinik Köln (Merheim) sowie ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Tagesklinik (LVR Tagesklinik Adamsstraße) gearbeitet, schwerpunktmäßig mit von Depression, Manie bzw. paranoid-halluzinatorischer Schizophrenie betroffenen Menschen. Ich finde gerade die Arbeit mit Menschen, die aus dem Raster fallen, mit denen praktisch kaum ein Verhaltenstherapeut arbeiten mag, wirklich spannend und sehe auch, dass da sehr viel erreicht werden könnte, wenn nicht die Spitzen der Gesellschaft sich aus ökonomischen Gründen gegen eine wirklich bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit psychosozialen Hilfsleistungen entschieden hätten.

Abartigerweise werden PsychotherapeutInnen in Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten während der 18 Monate Klinikzeit mit exakt 0€ vergütet, wogegen ich mit der Unterstützung der zuständigen Gewerkschaft ver.di und mehreren ebenfalls politisch engagierten KollegInnen – leider vergeblich – prozessiert habe. Diese Schweinerei ist für mich nach wie vor Grund, das ‚Gesundheitssystem‘, den LVR und die dort aktuell mächtigen Leute aus tiefstem Herzen zu verabscheuen: I hope you all drop dead soon.

Den Titel „Psychologischer Psychotherapeut“ darf ich derzeit noch nicht führen, das wird wohl 2018 der Fall sein. Was ich tue in meiner Arbeit ist natürlich genau das, was „richtige“ Therapeuten tun. Weil ich mich nicht strafbar machen mag, vermeide ich es, hier in einen Konflikt zu gehen mit dem System. Folglich mache ich in meiner Praxis fachlich das, was erforderlich ist und hilft – Beratung, Coaching, Verhaltenstherapie – darf es aber nicht Psychotherapie nennen. Sprich – auch wenn ich den Titel noch nicht führen darf, ist was ich tue, fachlich und durch Lebenserfahrung gut fundiert.

5) Als jemand, der beileibe nicht alles gut findet, was das Establishment betreibt, bin ich erfrischend anders als die meisten Therapeuten. Ich bin ein Freak, und das ist gut so. Die Haltung macht viel aus. Selbst mal Krisen gehabt zu haben und dazu zu stehen, sich nicht auf irgendwelche Gurus zu beziehen, den Schwachsinn von psychiatrischen „Transmittermangel“-Hypothesen klar als solchen zu benennen (und sich trotzdem ganz gut damit auszukennen, welche Medikamente wo helfen können) – wenn ich selbst jemanden suchen würde, dann so jemanden wie mich. Ich bin durchaus missionarisch unterwegs, und beziehe eine klare Position für das Leben und die Menschen, insbesondere für die Schwachen und Kranken. Ich bin parteiisch.

6) Weil ich als freiberuflicher Berater arbeite, ist es für mich möglich, Treffen auch außerhalb meiner Praxis dort abzuhalten, wo meine Klienten es wünschen. Ich kann mit Paaren oder Familien arbeiten, mit Firmen, politischen Organisationen oder Vereinen. Solche Freiheiten könnten sich niedergelassene KassenSitz-Psychotherapeuten im Rahmen von beantragten Therapien nicht erlauben.

7) Einen Pferdefuß gibt es noch: Mir zu vertrauen ist vielleicht schwieriger, weil es keine gesetzliche Schweigepflicht und keine Abstinenz-Regeln für Berater gibt.

Es ist ja so, das Gesetz schützt theoretisch die Patienten: Kein Psychotherapeut darf private Kontakte zu Patienten haben, während bzw. bis 2 Jahre nach einer Therapie – was theoretisch den Mißbrauch einer asymmetrischen Macht- und Wissenskonstellation für private Zwecke der Therapeuten verhindern soll.

Entstanden ist diese Regel, weil entsprechende sexuelle und psychische Grenzverletzungen und krasser Mißbrauch durch angebliche „Therapeuten“ – in der Zeit, als Therapie noch automatisch Psychoanalyse war und es sonst nichts gab – häufig vorgekommen sind.

Von Psychoanalyse halte ich überhaupt nichts: Diese angebliche „Fach-Richtung“ ist weitgehend zutiefst unwissenschaftlich und unseriös und hat sehr viele Menschen erheblich geschädigt mit ihrem dummen Zeugs, was sich bis heute fortsetzt. Es gibt gute Analytiker nur trotz und nicht wegen der gelehrten Inhalte.

Auch heute passiert Mißbrauch durch Ärzte, Therapeuten, Priester, Vertrauensleute etc. unter dem Deckmantel von ’sich um Schwache kümmern‘, solche üblen Geschichten haben mir Patientinnen auch schon oft berichtet. Immer, wenn Menschen mit wenig Risiko für sich selbst Schweinereien machen können, machen das auch sehr viele.

Allerdings wird niemand dafür je zur Rechenschaft gezogen. Googeln Sie das, wenn Sie es nicht glauben.

Die angebliche „Sicherheit“ beim Fachmann ist also lediglich fiktiv. Während ich darauf angewiesen bin, dass meine Arbeit wirklich Resultate bringt und ich weiter empfohlen werde. Was ein guter Grund ist, wieso ich diskret und verschwiegen arbeite und Grenzen wahre. Kann auch sein, ich habe Prinzipien. Ich bin Steinbock, nur falls Sie zufällig Astrologie mögen. Praktisch gesehen ist es irrelevant, was ich dazu schreibe. Sie können selbst feststellen, wie Ihr Gefühl zu mir ist und ob das taugt, was ich tue.

Dipl.-Psych. Martin Wild

Praxis: Meine Praxis in Köln-Mülheim – auf der Buchheimer Straße, nahe dem Wiener Platz – befindet sich im Aufbau. Derzeit steht sie bedauerlicherweise noch nicht für Publikumsverkehr zur Verfügung.

Kontakt: Wenn Sie Fragen haben oder ein Gespräch mit mir vereinbaren wollen, rufen Sie mich an

oder schreiben Sie eine Mail an meine Praxis-Adresse

Telefon: ​+49 221 69069601

Elektronische Mail: martinwild@praxis-martin-wild.de

Postadresse

Ferdinandstr. 15-17
51063 Köln

Es ist auch möglich, mich privat anzuschreiben, wenn es nicht um Arbeit gehen soll: martinwild@web.de

Sie werden mich sicher googeln, um herauszufinden, wie ich ticke. Würde ich auch so machen. Stört mich nicht die Bohne. Während viele KollegInnen sich der irrigen Annahme verschrieben haben, dass Therapeut zu sein bedeutet, sich persönlich möglichst unsichtbar und distanziert zu gerieren, sehe ich das komplett anders. Nur ein Mensch, zu dem ich Vertrauen haben kann, ist auch jemand, dem ich vielleicht tatsächlich vertraue, wenn ich ihn ausreichend geprüft habe. Wer sich dem nicht stellt, ist für mich lediglich ein Hanswurst.

Damit es unkompliziert möglich ist, dass Sie sich ein eigenes Bild von mir machen, gebe ich eine Linkliste mit auf den Weg:

Mein Blog x2b3.de enthält meine bio-psycho-sozial-philosophisch-politische Weltanschauung in wenig geordneter Form. Da erfahren Sie, dass ich ein Menschenrechts-Aktivist bin.

Ich finde die UN-Deklaration der universellen Menschenrechte eine sehr gute Formulierung davon, worum es der Menschheit insgesamt und jedem einzelnen Menschen gehen sollte. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde seinerzeit mit viel Bedacht entworfen, und auch das ist ausgesprochen gut. Ob es den Herausforderungen der Jetzt-Zeit gerecht wird und was politisch, juristisch und gesellschaftlich daraus gemacht wird, mag eine andere Sache sein und nicht jede und jeder wird finden, dass dieses System geeignet ist, ein Leben in Gesundheit und Würde für alle zu ermöglichen. Das lasse ich mal so stehen.

Auf Facebook bin ich unter https://www.facebook.com/martin.wild.58 zu finden. Die albernen Privatheitseinstellungen benutze ich nicht – alles, was ich schreibe, kann von jedem des Lesens und der Sprache mächtigen (regelhaft Deutsch und Englisch, beides für mich flüssig les- und schreibbar, und das setze ich auch voraus) mitverfolgt werden. Wenn ich Geheimnisse haben sollte, dann schreibe ich diese logischerweise nicht ins Netz oder spreche darüber am Telefon, wo sicher ist, dass die Geheimdienste und die Staatspolizei das mitschneiden und auswerten – so viel Vernunft sollten Menschen in der Zeit nach Snowden und Manning besitzen. Wir alle werden ausspioniert, überwacht und manipuliert, das ist ganz normal und davor gibt es auch keinen wirksamen Schutz.

Es stört mich nicht, wenn Sie mich auf Facebook anschreiben oder sich vernetzen. Möglicherweise werden Sie denken, der Typ ist ja nicht ganz dicht, das geht doch so nicht. Dann ist das ein gutes Indiz dafür, dass Sie sich an jemand anderes wenden sollten.

***

Soweit dieser Text. Finde, ich habe mir durchaus konkrete Gedanken gemacht, für eine Weile habe ich wirklich gedacht, genau das ist es doch! Irgendwie wird es mal so ähnlich werden, vielleicht mehr ein Café als eine Praxis, relativ informelle Geschichten. Was ich nicht mehr so mag, ist diese Hierarchie und Abrechnungssysteme. Blablabla.

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Fragen meiner Jugend

Als ich anfing, über die Welt nach zu denken.

Was passiert da? Wie ist das zu erklären, wie funktioniert es? Wieso ist das so? Muß das so sein? Welche Alternativen gibt es, da wo Dinge nicht so gut sind?

Der Umgang der Menschen untereinander und mit den anderen Dingen und Wesen um sie herum – da ist sehr viel sehr brutal und widerwärtig. Weltkriege, Sklaverei, Genozide, Armut, Obdachlosigkeit, Gewaltherrschaft, Folter, die Ausbeutung der Ressourcen gegen jede ökologische Vernunft. Der Umgang mit Nutztieren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der gemeinsame Nenner dieser Themen: Politik und Wirtschaft. Und was den Akteur „Mensch“ angeht: Psychologie.

Eine mögliche Lösung schienen die alternativen politischen Theorien zu bieten – Sozialismus, Anarchismus. Ganz offensichtlich politische Ideologien, die sich aus einem mit dem Christentum geteilten Strang von Werten – Gewaltlosigkeit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – heraus entwickelt haben.

Könnten wir nicht alle respektvoll und egalitär miteinander umgehen?

Tun wir aber nicht. Treffen sich zwei Menschen, sortieren sie sich nach hierarchischen Kriterien. Zum Beispiel verhalten sie sich unterschiedlich zueinander, wenn sie sich als ungleich einstufen – sich als Mann und Frau, arm oder reich oder als weiß und schwarz klassifizieren etc. Welche Unterschiede von welchen Kriterien eine Rolle spielen, hängt dabei an einem sozialen System einer geteilten Weltanschauung.

Beispielsweise trifft eine geniale Bauersfrau einen dummen adligen Mann, es ist aber Mittelalter – dann hat die Frau verschissen. Heute wäre die Frau möglicherweise eine Mathematik-Professorin und der Mann ein Trinker am Kiosk. Der Unterschied von Geschlecht war im Mittelalter sehr sozial relevant, der von Intelligenz nicht – und vielleicht ist es heute anders und auch besser. Was natürlich daran liegt, dass ich Intelligenz für wichtiger und wesentlicher halte als biologisches Geschlecht.

Die Organisation von Menschen in Gruppen, das ist ein Thema, was mich immer wieder fasziniert hat. Wie macht man das, und wann kriegt man welche Resultate?

Leider sind die Ergebnisse ernüchternd: Was so einfach zu sein schien – es anders machen – erweist sich beim Ausprobieren als dermaßen schwierig, dass es für Leute, die trotzig an dieser Mission festhalten, praktisch nur eine Geschichte von gescheiterten Versuchen geben kann. Ist auch möglich, dass ich mich nur besonders bescheuert angestellt habe, na klar. Allerdings sehe ich um mich herum auch wenig, was dafür spricht, dass diese Ansätze tatsächlich funktionieren. Und die Leute, die ich für meine Helden halte, sind oft recht miserabel geendet.

Darunter Künstler, Philosophen, Heilige, Spinner, Wissenschaftler, Liebende. Was die spirituelle Seite angeht, mag ich nicht urteilen. Viele haben aber offenbar ihr Leben lang gesucht und gekämpft und sich eben einer einfachen Lösung der inneren Widersprüche entzogen, sondern bewußt es sich schwer gemacht. Vielleicht, weil sie nicht anders konnten. Wer weiß das schon so genau – den Unterschied von können und Wollen hat ja auch noch nie wer wirklich dingfest machen können.

Ich bilde mir nicht ein, ich wäre wichtig. Auch wenn ich mir das wie vermutlich jeder mal sehr gewünscht habe. In einem kleinen Rahmen jemanden etwas bedeuten, das ist schon fein. Aber selbst wenn nicht – bereits die eigene emotionale Beziehung zu irgendwem oder zu irgendwas reicht aus, sich selbst zu erhalten.

Auf meinem Blog schreibe ich über Themen, die mich beschäftigen – nicht für andere, sondern weil es mir selbst etwas bedeutet, diese Aspekte meines Denkens zu verschriftlichen. Und seit mein Zettelberg mir über den Kopf gewachsen ist, finde ich es sehr erstrebenswert, lieber mehr digialen Formen der Speicherung von Fragmenten meinen Hirnschmalz anzuvertrauen.

Tatsächlich habe ich mir gedacht, wie wäre es, wenn ich parallel zur Entrümpelung meiner Papierhalde eine Reihe von kurzen Beiträgen jeweils zu den Themen mache. Vielleicht mal dies und das einscanne. So habe ich ein wenig eine Essenz gebildet, falls das klappt.

Man soll sein Herz nicht an Dinge hängen. Wenn das mal so einfach wäre. Meine Beobachtung dazu – ich habe mit Dingen eine längere Beziehung als mit Menschen, und mehr Freude an Dingen als an Menschen. Vermutlich, weil Dinge eine Erweiterung meiner Möglichkeiten sind – Machtmotiv; etwas tun können.

Während Menschen regelhaft zwei Aspekte mit bringen, die ich nicht so geil finde.

  1. Sie machen nicht, was ich will, und sie behindern mich in meinem Willen
  2. Sie machen was, was ich nicht will, und behindern mich damit in meinem Wohlfühlen

Was natürlich dafür spricht, dass ich ein Problem mit sozialer Interaktion habe. Und ein komischer Egoist bin, der nicht gelernt hat, sich einzufügen. Die logische Konsequenz – sich irgendwohin zurück ziehen – geht nicht.

Denn zugleich habe ich ein sehr starkes Verlangen danach, mich mit Menschen auszutauschen, was mich immer wieder dahin zieht, wo was los ist. Das habe ich über mich gelernt, als ich in den Bergen in Südfrankreich war. Ab und zu auf den Markt und unter Leute kommen, schon sehr wichtig.

Was mir sehr fehlt – Leute, die ähnliche Sachen wie ich bearbeiten. Kann sein, ich bin da einen eigenen Weg so lange gegangen, dass es in der – bildlich gesprochen – Gegend, wo ich nun bin, niemanden sonst gibt, der da auch wandert. Das stimmt aber nur sehr partiell. Natürlich sind es eher Schichten. Tiefer drin bewegen mich die genau gleichen Dinge wie alle anderen Menschen, was die grundsätzlichen Fragen angeht. „Wie kann ich weiter machen?“ – die zentrale Frage des individuellen Lebewesens. „Wer hat mich lieb, wer schützt und tröstet mich?“: Weil wir kollektive Wesen sind, die Bindungsbedürfnisse haben. Und: „Was ist zu tun?“ – weil ein Apparat da ist, der etwas machen mag und dafür Orientierung benötigt. Ganz grundsätzliche menschliche Angelegenheiten, aus denen sich – falls man irgendwo ankoppelt – alles andere eigentlich auch „von selbst“ ergeben könnte.

 

 

 

 

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Unmögliches Heimweh

Eine scheußlich starke Sehnsucht nach einem Ort, der nicht wirklich ein Ort ist, sondern jenseits von Raum und Zeit liegt, vermutlich eher ein Seelenzustand, eine tröstende Auflösung der Widersprüche, der Ruhepunkt. Ich glaube, ich habe das mal erlebt, kann mich aber nicht erinnern, wann und wo. Vielleicht war es eben noch da, nur jetzt scheint es weit weg zu sein. Sehnsuchtsorte, bedeutsame Erlebnisse, die zeitlich in meiner Existenz lange zurück liegen, wo es Sonne und Wind gab und viel freien Spielraum … solches flackert auf im Bewußtsein – und verabschiedet sich sofort wieder. Mir ist klar – ich kann da nicht hin, wo ich gerne wäre, und wenn doch, wäre das bessere dort immer noch nur hier und ich nur ich. Transzendenz ist eine Phantasie, und Seelenschmerz wohl auch. Das Bedürfnis, aus dem, was mir missfällt, hinaus zu treten, kommt mir dagegen sehr real vor.

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Mein Leben ist nicht einfach – oder: Shit happens

Unendlich dankbar dafür, dass das Jobcenter sich endlich bewegt hat. Ich war zuvor etwa acht Mal vorstellig geworden bzw. habe vergeblich versucht, zu den für mich zuständigen Leuten vorzudringen. Beim letzten Besuch hat es dann endlich geklappt, dass sie mein Ersuchen um Hilfe nun wieder bearbeiten. Auch wenn es nur eine kleine Atempause ist: Zwei Monate sind nun vorläufig bewilligt. Vorläufig, denn die Sachbearbeiterin, die für mich zuständig ist, ist im Urlaub. Wenn sie zurück ist, werden meine finanziellen Verhältnisse erneut geprüft. Während ich faktisch oft gehungert und knappe 25 Kg verloren habe – was man schwer übersehen kann, wenn ich vor dir sitze – sind die Jobcenter-Leute weiter daran, anhand von Papieren zu prüfen, ob ich nicht vielleicht doch heimlich reich geworden bin als Selbstständiger. Wirklich wahr. Was sie sehen und hören, was ein Mensch ihnen sagt und wie der aussieht, das zählt für sie nicht – nur was geschrieben ist, gilt als existent. Für mich ist das eine krass absurde und irreale Situation, jedes Mal wieder. Absolut unmenschlich und entwürdigend. Drei Monate lang habe ich keine Unterstützung bekommen, weil mein WBA (Weiterbewilligungsantrag) aufgrund eines(!) fehlenden Papiers schlicht nicht bearbeitet wurdeLag daran, dass ich arbeite und zugleich Unterstützung bekomme, weil die Arbeit nur wenig Geld einbringt (eher gar keins). Ich muss aber eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen, und das sind so Angelegenheiten, von denen ich wirklich nichts verstehe. Geld und Finanzen und der Umgang damit – das ist definitiv nicht meine große Stärke. Eher bin ich total unfähig, ich verstehe regelmäßig nicht, was diese Papiere mir sagen wollen und was ich wo wie eintragen muss. Finde auch dauernd nicht die richtigen Unterlagen. Echt scheußlich. Und weil ich in allen möglichen Schwierigkeiten gleichzeitig gesteckt habe, war ich auch psychisch ziemlich angeschlagen. Eher nicht in einem Zustand, wo du effektiv Angelegenheiten gut regeln und geduldig und freundlich auftreten kannst. Drei Monate ohne Unterstützung – das war sehr schwierig, weil ich als sogenannter Aufstocker (Arbeit für kleines Geld und parallel Harz 4) praktisch nichts verdient habe in meiner Arbeit und weil zudem die Auszahlung meiner Honorare quartalsweise erfolgte, so dass ich – ohne selbst Geld zu haben – für alle meine Ausgaben in Vorleistung treten musste.Irgendwas muss ich essen, irgendwie muss ich halbwegs respektabel auf der Arbeit aussehen, und irgendwie muss ich auch hin- und zurück kommen. Mobilität ohne Geld – da war es gut, dass ich alles mit dem Rad machen konnte. Bloß halt auch sehr lebensgefährlich, in Köln in der Stadt mit dem Rad unterwegs zu sein. Hatte mehrere Unfälle, zwei Mal eine üble Gehirnerschütterung – Auto auf Fahrradweg, Autotüre . Und recht oft bin ich sehr knapp dem Tod von der Schippe gesprungen – so wie in „Taxi drängt mich in den Gegenverkehr ab“ und ähnliches. Das ist kein Vergnügen, in einer Autostadt ein Radfahrer zu sein. Ohne Geld kann man Rechnungen nicht bezahlen, dann kommen Mahnungen und alles wird noch mal sehr viel teurer – wodurch es immer unmöglicher wird, an der Geld-Front wieder eine ruhige Situation herzustellen. Man wird sehr schnell ruiniert und obdachlos in unserem angeblich so sozialen Land. Mein Stromversorger hat mir gekündigt, ich hätte beinahe meine Krankenversicherung verloren, und wenn nicht meine Eltern mir geholfen hätten, auch meine Wohnung und vermutlich meine Freiheit. Denn ich hatte Ärger und viel Papierkrieg, und immer wurde gegen mich entschieden und ich wurde und werde mit Zahlungsanforderungen zugebombt, dass es aus ist.

Anzeigen wegen Körperverletzung (die ich gestellt hatte bei zwei körperlichen Auseinandersetzungen) – eingestellt

Anzeigen, die ich gestellt habe gegen Leute, die mich geschlagen haben, wurden eingestellt. Brille kaputt, das ist zwei mal so gewesen, jeweils ins Gesicht geschlagen worden. Keinerlei Gerechtigkeit, kein Ausgleich dafür – offenbar ist das nicht wirklich illegal, mir eine rein zu hauen. Da fühle ich mich so richtig gut in unserem Rechtsstaat. Nebenbei bemerkt – einmal war es ein Wachpolizist, der mir, als ich mit Handschellen gefesselt auf der Wache war, ins Gesicht geschlagen hat. Acht andere Polizisten drum herum, und sie haben sich geweigert, eine Anzeige wegen Körperverletzung aufzunehmen. Ganz großes Kino. So gewinnt der Staat seine Bürger sicher für ein gutes Verhältnis zu den Ordnungskräften. Nicht. Schon die Sado-Maso-Nummer mit den Handschellen war dermaßen übel – Handschellen super schmerzhaft eng, und wegen nichts – ich hatte lediglich verbal protestiert gegen eine völlig überzogene Maßnahme. Ordnungswidrig geparkt. Und dann krasser Stress mit Polizei. Wieso? Ich hatte angeboten, den Wagen korrekt zu parken. Aber der Polizist meinte, ich röche nach Alkohol und er wolle einen Test machen. Dem habe ich nicht zugestimmt, und schon ging es total brutal zur Sache, als wäre ich ein Terrorist oder so was. Heftig. Habe ich nicht für möglich gehalten, nicht in Deutschland in 2017. Fühlte sich eher an wie irgendeine beliebige diktatorische Bananenrepublik, wie ein ganz schlechter Film oder wie Faschismus. Jedenfalls nicht wie korrekte Polizeiarbeit. Aber wie gesagt – eingestellt. Nix passiert, alles super. Anzeigen gegen mich – ich bin tatverdächtig und muss zahlen, damit eingestellt wird. Und wieso? Da, wo ich geschädigt wurde, gab es keine Zeugen für mich. Es hätte welche geben können, aber ich war jeweils nicht in der Lage, es zu organisieren, dass diese Leute tatsächlich aussagen bzw. ich deren Kontaktdaten überhaupt habe. Allein ist sowas sehr schwierig, zumal wenn du vollkommen geschockt und verletzt bist und gar nicht recht kapierst, was abgegangen ist. Solche Sachen machen auch was mit deiner Psyche, es dauert, bis du wieder balanciert bist und klar denken kannst. Da, wo Leute mich angezeigt haben, war es stets eine Gruppe, die gemeinsam gegen mich vorgegangen sind. Angeblich hätte ich sie genötigt. Und wenn es mehrere Zeugen gibt, ist etwas natürlich eher auch – juristisch gedacht – wirklich wahr. Ich kann – offenbar dank meiner psychischen Superkräfte – eine ganze Gruppe von Leuten zu etwas zwingen. Sehr plausibel. Schön wäre es, bloß: Ich besitze gar keine Superkräfte. Nicht mal so viel Körperkraft, dass ich sie hätte verhauen können. Und ich habe auch niemanden beleidigt oder gar physisch angegriffen. Nur eine Meinung habe ich vertreten, und das deutlich. Hm. Egal, vorbei, wieder was gelernt. Wenn ich mich mit Leuten verbal anlege, ist das schon zu viel. Praktisch ein Maulkorb. Fresse halten – oder du kriegst eine rein. Meinungsfreiheit? Nur, wenn du die Meinung der Masse teilst. Dann allerdings brauchst du auch gar nicht irgendwas zu sagen.

Ausbildungsvertrag für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie) wurde mir gekündigt

So ähnlich ist es mit meiner Arbeit gelaufen. Das lief nicht gut, ich habe mich sehr kritisch geäußert dazu, dass im Rahmen von Verhaltenstherapie-Ausbildung völlig unwissenschaftliche Methoden und Techniken verpflichtend auf dem Lehrplan stehen. “Hypno-Therapie” nennt sich das. Keine wissenschaftliche Evidenz. Man könnte auch sagen: Pure Esoterik. Ich habe dagegen protestiert. Ergebnis – sie haben mir die Ausbildung gekündigt, in die bereits tausende Euros geflossen sind und wo sie an meiner Arbeit sehr gut parasitär verdient haben. Begründung: Ich bin unzumutbar. Auch das ist ganz großes Kino. So geht Kritikfähigkeit. Nicht. Von wegen Psychotherapeuten verstehen Menschen – ich hatte derbe soziale Schwierigkeiten, und alles, was sie tun, ist mir die Arbeit noch zusätzlich schwer machen. Dann wage ich auch noch, das Maul aufzumachen gegen postfaktischen Bullshit. Nee – das geht nun wirklich zu weit. Also haben sie mich raus geworfen. Weil ich ein verrückter, unzumutbarer Hooligan bin. Hm. Gibt mir zu denken. Offenbar bin ich wirklich nicht kompatibel mit irgendwas. und über die Scheiße, die mich umgibt, rege ich mich zu viel auf. Das ist auf Dauer ungesund. Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Auf einen Berg ziehen und dort alleine in einer Hütte oder Höhle leben. Wäre mir sehr recht.

Übler Fahrrad-Unfall

Anfang Juni 2017 – vor 10 Tagen – hatte ich dann einen üblen Fahrradunfall, bei dem ich fünf Zähne verloren habe. An einer Stelle am Rhein, wo es einen Hügel runter geht, ein kleiner Fahrfehler. So schnell kann es gehen. Bin da schon tausend mal runter gefahren. Diesmal ging es schief. Beinahe umgefallen, das wieder in den Griff bekommen, aber dann mit Wucht mit dem Metallzaun kollidiert – und mit dem Oberkiefer gebremst. Autsch. Krankenhaus. Zahnsplitter raus operiert aus Orten, wo sowas nicht hin gehört, sehr blutige und unschöne Geschichte. Am nächsten Tag war dann mein geliebtes Nihola weg. Nur ein paar meiner Sachen lagen da zertreten rum, vom Rad – was wegen Bruch des Lenksystems und des linken vorderen Rades an sich nicht mehr zu bewegen war – keine Spur. Sehr wahrscheinlich haben es kräftige Leute über den Zaun gehoben und in den Rhein versenkt.
Traurige Reste, wo tags zuvor noch mein Rad stand.
Meine Vermutung geht dahin, dass es die Gruppe von ukrainisch-stämmigen Nazis war, denen ich (mit anderen zusammen) in der Nacht vorher auf der Buchheimer Straße begegnet war. Die wollten uns zusammen schlagen, wir sind aber dank der Fahrräder schnell abgehauen. Am nächsten Tag waren diese Leute als Gruppe am Rheinufer unterwegs am nachmittag – da trafen sie mich wieder, es waren aber zu viele Leute da und sie sind nur durch gezogen, ohne was zu machen außer bedrohlich gucken. Nun denke ich, kann gut sein, sie waren nachts noch mal da, und mein kaputtes Rad stand halt genau am Unfallort, zwar ab- aber nicht an den Zaun angeschlossen. Wollte ich natürlich machen, blöderweise ging nicht, es weil das Schloß zu kurz war. So war es leider für diese Gruppe – oder andere Täter, genau sagen kann man es ja nicht – leicht gewesen, sich an dem Rad zu vergreifen. Wäre aus meiner Sicht eine plausible Erklärung, dass es diese Leute waren. Weil – es braucht schon sehr viel Kraft, ein Lastenrad weg zu tragen oder hoch zu heben. Die Dinger sind ordentlich schwer – das schaffen zum Beispiel sinnlos destruktive Jugendliche eher nicht. Aber ist nur ein Verdacht, es war ja niemand da und keine Zeugen. Könnte also jeder gewesen sein. Manche meinen, es sei bestimmt gestohlen worden. Dafür hätte es aber einen Transporter gebraucht, und der hätte auch nicht ans Ufer gekonnt, also wäre es nötig gewesen, das Rad ein Stück weit zu tragen. Wer hätte das gekonnt und gemacht, zumal es auch eine Reparatur in einer dafür vorbereiteten Werkstatt noch gebraucht hätte, bevor ein Dieb damit etwas hätte verdienen können. Deswegen glaube ich das eher nicht. Einer meinte, er hätte das Rad am nächsten Tag in der Wallstraße vor dem Computer-Laden gesehen (allerdings von recht weit weg, könnte auch eine Fehlwahrnehmung gewesen sein). Gesucht habe ich danach natürlich, nur nichts gesehen und auch sonst hat keiner was davon mit gekriegt. Aber egal, was fott es es fott.
Keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich bin zwar verletzlich, aber zugleich unzerstörbar. Das ist einfach meine Haltung dazu – und irgendwie geht es schon weiter. Aufgaben kommt nicht in Frage. Eher werde ich härter und konsequenter durch solche Erfahrungen. Ein Mann geht seinen Weg. Was ihn nicht umbringt, macht ihn stark.
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Liberalisierung (Privatisierung) von Wasser

Ein lebenswichtiges Grundgut zum privaten Eigentum zu wandeln – das ist schon mit Land, Pflanzen, Tieren, uns Menschen, mit Häusern und Wohnungen etc. passiert. Das Ergebnis immer: Hast du nichts, kriegst du nichts. Es gibt Landlose und Wohnungslose, Hungernde, es gibt die grausame Realität der Tierfabriken, die abgeholzten Wälder.

Nun also Wasser. So sterben die Armen schneller aus – nur drei Tage, dann sind sie tot.

Zynisch, aber so sieht es aus. Wer meint, das sei so nicht – heute verhungern sehr sehr viele Menschen, während die Discounter Nahrung wegwerfen und Leute strafrechtlich belangen, die sich was aus dem Müll fischen.

Natürlich kommt dieser Aspekt – wenn Wasser privat ist, kann der Preis des Wassers leicht das überschreiten, was sich Menschen leisten können, die wenig oder kein Geld haben – in der Diskussion nicht vor, wenn mensch sich die Überlegungen des Umweltbundesamtes ansieht. Auch die Frage – was passiert in den Gegenden, wo es sich nicht mehr lohnt, die Versorgung anzubieten, wird nicht gestellt.

2000, Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1/dokumente/1888.pdf

Bei der Eisenbahn haben wir es gesehen, bei der Telekommunikation auch: Es gibt automatisch abgehängte Gebiete.

Da gibt es dann in Zukunft halt kein Trinkwasser mehr? Wer privates Grundwasser anbohrt, ist ein Dieb? So wie früher, als das Wild im Wald auf einmal nicht mehr allen, sondern dem Fürsten gehörte – wodurch ein neuer Typ von Kriminellem geschaffen war – der Wilderer.

Hier ein Beitrag vom Deutschlandfunk zur Liberalisierung des Wassers. Mehr dazu, wenn ich mehr recherchiert habe (falls ich dazu komme).

Im Grundsatz – wo kommt das private Eigentum eigentlich überhaupt her? Es gab in der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte wenig, was als Eigentum angesehen wurde. Das, was du an dir getragen hat, vielleicht eine Kiste voll. Vielleicht ein Pferd. Aber nicht 30% von New Jersey.

Dann kam ein Prozess, der sich durch die Geschichte zieht, und den Rosa Luxemburg beschreibt als ursprüngliche Akkumulation – das Allgemeingut (die Allmende) wurde zunehmend zum Privateigentum. Immer durch Gewalt und mit Macht gegen Widerstand durchgesetzt. Das kann bei Marx nachgelesen werden.

Historisch betrachtet trifft genau zu, was Proudhon gesagt hat: Eigentum ist Diebstahl.

Es findet sich ebenso in der Bibel: In den Häusern der Reichen liegt das geraubte Gut der Armen – das sagt der Prophet Jesaja.

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Antifaschistische Klassiker

„Die Klassiker lebten in den finstersten und blutigsten Zeiten. Sie waren die heitersten und zuversichtlichsten Menschen.“ Bertolt Brecht, „Me-Ti/Buch der Wendungen“, 1939.

Fortschrittliche Kulturschaffende und Intellektuelle wendeten sich in den Krisenzeiten von 1929 gegen nationalistische Hetze und Verhältnisse, die dem Menschen nicht würdig sind. Sie gaben den Erniedrigten eine Stimme, der Wut über die herrschende Ungerechtigkeit eine aufgeklärte und weltoffene Richtung, entlarvten mit wachem Blick den zunehmenden und von Justiz und Beamtentum tolerierten Nazi-Terror und wirkten für eine anteilnehmende und solidarische Gesellschaft.

Ihr Schaffen war aufrichtender Bezugspunkt und Ermutigung zu widerständigem und solidarischem Handeln gegen den aufkommenden Faschismus. Die Nazis mussten diese Kulturschaffenden und die Wahrheiten, die sie aussprachen, bekämpfen. Denn sie stellten der feigen sozialdarwinistischen Hetze, der dumpfen antiintellektuellen Romantisierung des „Ariertums“ und des soldatischen Gehorsams eine wissenschaftliche Weltanschauung, die Befürwortung des Lebens und die Überzeugung der gleichen Rechte aller Menschen entgegen.

Wenige Monate nach der Machtübertragung an die Faschisten, am 10. Mai 1933, brannten an den meisten deutschen Hochschulen die Bücher von jüdischen, bürgerlich humanistischen, pazifistischen und marxistischen Autorinnen und Autoren. Am 17. Mai auch an der Universität Köln. Nicht auf Befehl der NSDAP, sondern auf Initiative der Studierendenschaften unter Regie der völkisch-militaristisch gesinnten Burschenschaften und unter dem Wohlwollen breiter Teile der Professorenschaft.

Verbrannt und verboten wurden Werke von Heinrich Heine, Erich Kästner, Nelly Sachs, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Karl Marx und vielen anderen. Ihre Verfasser wurden verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder gingen ins Exil, wo etliche den Widerstand gegen den Faschismus als Geflüchtete fortsetzten.

Der Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis hat über 60 Millionen Tote gefordert, sechs Millionen Menschen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.

Und doch konnten die Nazis das „andere Deutschland“ nicht zum Schweigen bringen, haben Menschen widerstanden und konnte deshalb die Alternative einer menschenwürdigen Gesellschaftsentwicklung nicht vernichtet werden.

Das größenwahnsinnige „Tausendjährige Reich“ ist nach zwölf Jahren besiegt worden, der „Griff nach der Weltmacht“ endete mit der Kapitulation und vollkommenen Niederlage Nazideutschlands.

Text: Stammt vom AK Zivilklausel an der Universität zu Köln

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Verluste, Schmerzen, Lektionen

Glück und Gesundheit sind sehr verletzliche Dinge. Ich spüre, dass ich lebe – weil alles weh tut.

Gestern ein schwerer Unfall mit dem Rad, in der Nacht wurden in der Notaufnahme des Universitäts-Klinikums die Zahnsplitter operativ entfernt, mir sind eine Reihe Zähne des Oberkiefers ausgeschlagen worden bei dem Sturz, nachdem ich mit Wucht ein Eisengitter gerammt hatte.

Heute wollte ich dafür sorgen, dass mein Nihola in die Werkstatt gelangt, damit der Rad- und Achsenbruch repariert werden könnte – aber es war schlicht und einfach weg, als ich am Unfallort am Rhein ankam. Da es nicht zu bewegen war, zudem angeschlossen (aber leider nicht am Geländer, weil die Kette dafür nicht gereicht hatte), gehe ich davon aus, dass es nun bei den Fischen auf dem Grund des Rheins gelandet ist. Muss eine Gruppe von Leuten getan haben, einer alleine kann das Ding nicht heben oder gar über eine Brüstung stemmen. Alles, was noch da war, waren einige zerstörte Teile meines Inventars und meine Iso-Matte sowie der Rest von der Hupe.

Meine Digitalkamera war mir zuvor an dem Tag bereits gestohlen worden und ich hatte mich geärgert über dieses Elend, nicht ahnend, wie knüppeldick es noch kommen würde.

In der Nacht war ich mit fragwürdigen Gestalten unterwegs, dabei trafen wir auch auf eine Gruppe von vier Nazis, die uns angreifen wollten – glücklicherweise war uns da die rechtzeitige Flucht gerade so gelungen. Der Chef von denen hat zwei Lebensrunen auf dem Unterarm tätowiert, kommt aus der Urkaine … ich sprach kurz mit ihm, bevor die anderen aus meiner Gruppe alarmierend weg wollten. Besser so; hätte auch da schon keine Zähne mehr haben können. Nun denke ich natürlich, die Nazis sind es auch gewesen, die mein Rad versenkt haben, weil ihnen die offensichtlichen linken Aufkleber darauf – Kein Mensch ist illegal, Antifaschismus bleibt Anti-Sexistisch und dergleichen – nicht gefallen haben. Wäre nahe liegend, denn diese Gruppe ist – nachdem wir nachts auf der Buchheimer Straße auf sie getroffen waren – auch nachmittags am Rheinufer Streife gegangen. Haben am Mäuerchen aber nichts gemacht, weil tagsüber da zu viele Leute sind. Können aber natürlich auch andere getan haben, so aus Jux und Dollerei und weil es so geil ist, andere zu schädigen. Allerdings, wie gesagt, zwei, drei durchschnittliche Jugendliche heben ein Nihola Lastenrad nicht hoch, da braucht es schon eine Menge Kraft.

Die Möglichkeit eines Diebstahls ist dagegen sehr gering bis ausgeschlossen – dafür wäre ein ziemlicher Aufwand nötig gewesen für einen Transporter und Leute zum Verladen und eine anschließende Reparatur des krassen Schadens am Lenk- und Fahrwerk. Ohne eine Werkstatt, die diese Teile beziehen kann, nicht gut machbar.

Nun – mein über alles geliebtes Lastenrad ist nicht mehr. Wir waren jeden Tag unterwegs zusammen, nun ist es weg. RIP.

Ich selbst stehe unter Schock, kann nicht mal trauern, so unwirklich ist dieses Hereinbrechen von Scheiße in mein Leben.  Hatte Angst, dass sowas passiert, vorher. Aber als ich es gesehen habe, da war in mir eine totale ruhige stille Leere, mehr nicht.

Habe auch einen so dermaßen geprellten Oberschenkel, konnte kaum laufen heute, die Anti-Schmerz-Mittel haben wenig genutzt.

Trotzdem meinen Sohn getroffen im Park, und wir hatten eine gute Zeit mit Star Realms spielen, Spirou-Comic lesen, herumvagabundieren und auf dem Spielplatz. Das beste mögliche Gute aus der Situation gemacht, auch wenn ich aussehe wie ein kaputt geschlagener Penner und mich völlig zerstört fühle.

Bekannte treffen auch komisch, so als wandelndes memento mori. Ein wenig Trost (Danke!), ein paar Plattitüden (was willste dazu auch sagen), und dann nichts wie weg und schnell was weniger Scheußliches ansehen.

Die mir nicht bekannten Leute, da gab es krasse Blicke – Angst, viel Verachtung, Ekel, teilweise gab es Vorsicht und Zweifel und danach ein wenig Empathie, natürlich weil ich mit Lukas unterwegs war und es mindestens für Eltern offensichtlich ist, dass da jemand ein lieber Papa ist.

Auf dem Spielplatz waren die Kinder-Reaktionen auf meine zerstörte Visage spannend – die fragen einfach nach und gehen damit ganz unbefangen um. Was ist passiert, tut es sehr weh, wachsen Zähne nach, solche Fragen gab es. Und toll, wie locker sich Lukas mit anderen Kindern anfreundet, sofort haben sie zusammen was gemacht und waren ganz beschäftigt.

Während ich zuschaute, vergeblich versuchte über Eltern-Inkompetenz diverser Art hinweg zu sehen und irgendwie auch dabei war, mir einen Reim auf dieses Schlamassel zu machen. War das nun Zufall – ein Pech, ein Unglück? Oder ein Fluch – gar der Fluch der bösen Tat oder so? Habe ich das verdient, ist es Karma? Ungünstige planetare Konstellation, Eso, Astro? Schicksal? Ein Fingerzeig Gottes, eine Prüfung?

Lukas fragte sich sowas auch. Natürlich habe ich nicht mit ihm über meine Sinnsuche geredet – sondern er erzählte mir davon, wie er bestohlen worden ist im offenen Ganztag der Schule – da sind ihm teure und seltene Pokemon-Karten aus dem vorschriftsmäßig unverschlossen zu haltenden Spind gezockt worden, und er weiß recht sicher, welches Kind das war (dessen Behauptungen, wie er plötzlich an einen Berg Karten und an diese recht besonderen Spezial-Karten gekommen ist, können schlicht nicht zutreffen).

Aber die OGS macht nichts, auch wenn da ein Wert von 50€ und ein komplettes Jahr kindlicher taschengeldgespeister Sammler-Tätigkeit gestohlen wurde. Keineswegs harmlos und Kleinkram, sondern gravierend. Einem anderen Kind sind nun auch Karten gezockt worden.

Und Lukas meint, er glaubt nun nicht mehr, das Gott uns eine Freude machen mag und wir dankbar sein sollen (was den Kindern auf seiner katholischen Schule als Tischgebet hinein doktriniert wird).

Sprach ich mit ihm also über Dankbarkeit und freien Willen und solche Sachen. Und auch darüber, ob es nicht einen Weg geben könnte, sich Revanche zu verschaffen.

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Außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses

Das Ausbildungsinstitut hat mir gegenüber die außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses ausgesprochen.

Ich hätte durch meine kritischen Blog-Beiträge – allgemein zur Geschäftspolitik und zur konkreten Umsetzung von Arbeitsbedingungen sowie konkret bezogen auf die Thematik Hypnotherapie als verpflichtender Teil der Ausbildung – ihren guten Ruf geschädigt und mich zudem extrem unangemessen verhalten in Seminaren. Außerdem vorher Vandalismus in der Praxis. In der Gesamtschau sei damit klar, dass eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses ihnen nicht zugemutet werden könne.

Ich habe also meinen Praxis-Schlüssel abgegeben und meine Arbeit als Psychotherapeut in Ausbildung beendet.

Wie habe ich das aufgenommen?

Interessanterweise habe ich mich darüber nicht aufgeregt, sondern eher gedacht, wenn ich bloß als verrückter Hooligan angesehen werde und meine Kritik als Spinnerei abgetan wird, kann ich es mir sparen, meine Lebensenergie in die Veränderung von Strukturen zu investieren. Verstehen kann ich das natürlich – ich bin denen unangenehm, und sie wollen weiter machen ohne mich. Wäre ich nicht ich, ich würde es genau so sehen.

Seit 2010 bin ich in Köln, und habe also nun bald 7 Jahre meines Lebens darauf verwendet, diese dreijährige bis fünfjährige Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. Es waren anstrengende und unangenehme Jahre.

Hätte klappen können. Bei den anderen Leuten, mit denen ich angefangen habe, hat es funktioniert. Einige sind zwischendurch verzweifelt und haben sich verabschiedet, für die meisten Ausbildungsteilnehmer*innen hat es aber wohl funktioniert. Die strampeln sich jetzt in neuen, ebenfalls recht schwierigen Verhältnissen ab. Einige werden halt aussortiert, bei denen es nicht paßt – und ich bin so einer.

Ähnliche Muster habe ich früher schon gesehen.

An der Uni war es so, da haben auch die allermeisten Leute, die das Grundstudium hinter sich gebracht hatten, letztlich das Diplom geschafft. Nämlich die, die finanziell gut unterstützt waren. Aufgegeben haben zumeist die, die eben keinen finanzstarken bürgerlichen Hintergrund hatten. Oder die irgendwann gemerkt haben, das ist mir hier zu doof, ich mache etwas, was mir wirklich gefällt.

Bei der Promotion – habe ich auch versucht, bin aber auf 2/3 des Weges gegen die Wand gefahren – da war es ähnlich. Die gut angepaßten und leistungsstarken Leute haben ihren Weg gemacht, haben sich den Titel unter hohen persönlichen Opfern hart erarbeitet. Teil davon immer die Bereitschaft, sich in Hierarchien gefällig ein zu ordnen. Ich wollte gerne ein Professor werden, das ging aber nicht. Schade – hatte mir das gut vorgestellt, so mit Ansehen und Einkommen und einer intellektuellen Tätigkeit. Illusionen, die halt irgendwann sich als solche heraus stellen.

Davor – am Gymnasium – war es ähnlich. Fast alle hatten irgendwann Abitur, die weiß und wohlhabend und deutsch gestartet sind – raus geflogen waren zuvor allerdings andere Menschen, die typischerweise migrantisch oder arm waren oder wo es zusätzliche Schwierigkeiten gab. Wer sich auffällig zeigte, wurde entfernt, aussortiert.

In der verhaltenstherapeutischen Psychotherapie-Ausbildung findet sich eine spezielle soziale Auslese – fast ausnahmslos weiße junge Frauen aus der oberen Mittelschicht und Oberschicht. Alle, die so nicht sind, haben es schwer, diese Ausbildung zu absolvieren, denn sie kostet viel privates Geld und wird nicht durch den Staat und die Gesellschaft getragen, zusätzlich enthält sie einen langen unbezahlten Arbeitsabschnitt von 12 bis 18 Monaten, der regelhaft nicht vergütet wird.

Weil die Aussichten, danach gut zu verdienen, auch nicht rosig sind, gibt es einen starken Effekt von Selbst-Selektion – Männer gehen nicht in diesen Frauen-Beruf, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und Menschen, deren Familie sie nicht durchgehend finanzieren kann, gehen nicht in diesen Beruf. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen, aber wenige.

Es mag bei anderen Psychotherapie-Schulen anders aussehen. Vermutlich ist es dort aber eher schlimmer, was die soziale Auswahl angeht – die Ausbildung als Psychoanalytiker*in kostet erheblich mehr als Verhaltenstherapie, und soweit ich weiß liegt die tiefenpsychologisch orientierte Ausbildung irgendwo dazwischen.

Ich bin immer privilegiert gewesen – deutsch, weiß, männlich, wohlhabend, heterosexuell, intelligent, keine wesentlichen Beeinträchtigungen durch körperliche Handicaps. Dadurch war es für mich praktisch kaum möglich, die Welt um mich herum zu verstehen, wo solche tollen Bedingungen eben zumeist nicht vorhanden sind. Glücklicherweise bin ich durch eine Lebensphase, die ich außerhalb von Deutschland verbracht habe, wesentlich geprägt worden. Aus der massiven Irritation, die der Versuch mit sich brachte, sich hier zu integrieren nach fünf noch mal mehr privilegierten Jahren in Istanbul, konnte ich dann viel lernen. Wenn Dinge in tausend Teile gehen, die für selbstverständlich gehalten wurden, und es danach nie wieder gut wird, dann ist das ein steter Quell von Erkenntnis und auch von Selbstkorrektur.

Gelernt habe ich – für die anderen ist die Welt viel härter. Und sie ist brutal, es ist schockierend und verletzend, wie ungleich und wie ungerecht die Verhältnisse historisch auf diesem Planeten gestaltet wurden und gestaltet werden – mit einer mörderischen Gewalt. So kam das, dass ich ein starkes Interesse an politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten entwickelt habe, und auch meine Positionierung als Mensch, der sich klar dafür einsetzt und engagiert, dass diese zerstörerischen Kräfte, die millionenfach Leben kaputt machen, durch irgend eine Form von positiver Kraft vielleicht eingehegt werden würden. Die Vorstellung, dass diese Welt immer so weiter laufen würde, war mir stets unerträglich – weswegen ich glauben wollte, das es dazu Alternativen geben könnte, die auch gesellschaftlich irgendwann zum Tragen kommen würden.

Natürlich sind die Ergebnisse aller Versuche, an denen ich mich beteiligt habe, konkrete Utopien mit Leben zu füllen, immer wieder kaputt gegangen, wohl deswegen, weil uns ein System umgibt, was Rahmenbedingungen setzt, die eine ökonomische Basis für solche utopistischen Ansätze nicht ermöglicht.

Den Schritt, das System zu bejahen und mich schlicht brav darin einzufügen, konnte ich nicht tun – warum, ist mir selbst nicht klar, aber es ging nicht, und wenn ich es versucht habe, ging es mir darin schlecht und elend. Ich ecke immer wieder an, und das ist nicht zufällig so. Es hat mit meinen wesentlichen Eigenschaften zu tun, vor allem damit, dass ich für mich festgestellt habe, dass Erkenntnisse zwingend sind. Was ich einmal für mich erkannt habe, dahinter kann ich nicht zurück. Und die Versuche, mich zur Annahme einer anderen Position zu bewegen, haben ihren Anteil an meiner Beharrlichkeit – wenn man mich bedroht oder angreift oder zu zwingen versucht, dann verfestigt sich bei mir die Wahrnehmung, dass ein systematisches Unrecht passiert.

Nun bin ich also mal wieder ausgegrenzt worden, weil mein Verhalten Anstoß und Ärger erregt. Gut. Vorher waren sehr viele Widersprüche da, die sich durch mich hindurch zogen – es war verwirrend unklar, wie ich mich sinnvoll und konstruktiv positionieren könnte. Viele Leute haben mir auch gesagt, dass sie nicht nachvollziehen können, wie jemand, der so anders und anti-konventionell fühlt und denkt und handelt, in einem Beruf arbeiten könnte, der ja vor allem daraus besteht, Menschen wieder passend zu machen für eine Arbeitswelt, die zutiefst nicht auf menschliche Bedürfnisse, sondern auf finanzielle Vorteile für die Chefs ausgerichtet ist. Wieso ich das gemacht habe, habe ich dann immer geduldig erklärt – Therapie ist nicht lediglich das Abtrainieren von störenden Eigenschaften und der Aufbau von sozial angepaßtem Verhalten, da steckt viel Wissen und Erfahrung drin, die für Menschen generell nützlich ist. Zum Beispiel wissen wir durch Forschung so einiges darüber, wie Menschen eigentlich funktionieren, und es gibt Methoden, die vieles bewußt beeinflußbar machen, was sonst als schicksalhaftes Leiden an die nächsten Generationen weiter gegeben wird. Im Rahmen von therapeutischen Prozessen sind Veränderungen im Leben von Menschen erreichbar, die sonst kaum vorstellbar wären. Leiden kann reduziert werden, es ist möglich, Gutes zu bewirken. Diese Motive waren stets tragend.

Aber nicht die einzigen – es gibt auch weniger altruistische Motive, namentlich Macht (als Therapeut*in hast du die Top-Position in einer dyadischen Beziehung automatisch, du steuerst einen Prozess) und Neugier (als Therapeut*in hast du Zugang zu einem enormen Informationspool, der unmöglich anderswo erschließbar wäre – so viele Lebensgeschichten, so viele Beispiele für Mechanismen, die menschliche Existenz prägen) und vielleicht auch Faulheit (als Therapeut*in hast du emotional schwer zu tragen, was mir zunächst nicht so klar war, aber körperlich ist es eher eine lockere Sache, und wenn du einmal kapiert hast, wie die grundlegende Arbeit – Identifikation und Modifikation von Verhaltensbedingungen – funktioniert, kannst du immer genau damit arbeiten) sowie Nicht-Langweiligkeit (als Therapeut*in hast du immer die Möglichkeit, es interessant zu machen, Variation einzubringen, zu gestalten – die Abläufe sind nie reine Routine, sondern immer herausfordernd).

Geld verdienen – dieses Motiv ist stets ein Proxy, dahinter steht immer etwas anderes, also Sicherheit, Macht, Bindung (Steigerung von sozialer Attraktivität, von Lebenschancen) etc. So ungeheuerlich das klingt, ich hatte immer genug Geld, außer ich habe mich ganz bewußt völlig abseitig bewegt (auch das habe ich für mich probiert, und festgestellt, es geht, aber es ist sehr sehr hart). Zugleich hatte ich immer das Gefühl, ich verdiene das nicht, dass es mir so gut geht, ich bin schuldig und irgendwie schlecht. Irgendwie müßte ich etwas tun, um mich als wertvoll zu beweisen – idealerweise etwas, was andere auch bejahen können.

Die Welt besser machen.

Wenn ich auf mein Leben zurück schaue, ist das offenbar ein uneingelöster Anspruch. Gut möglich, dass dies mit arg ungeeigneten Kriterien zusammen hängt. Die Welt ist groß, darin bin ich ein kleines Ding, und es ist völlig überheblich, individuelle Bedeutsamkeit zu behaupten. Besser, was soll das sein? Wenn etwas für mache besser wird, finden andere, es werde für sie schlechter. Auch das ist kaum geeignet, um zu sagen, ob ich das geschafft habe.

Was ich allerdings geschafft habe – Irritation auslösen, Anstöße geben, Veränderungsprozesse begleiten und auch teilweise aus Ideen mit anderen zusammen Projekte zu entwickeln, die über den Moment hinaus Bestand hatten. Ich kann ganz gut gegen etwas sein, und es ist leicht für mich, sprachlich harte Angriffe zu fahren. Wenn ich sozial geschickter wäre, könnte sich daraus was basteln lassen.

Ein System verlassen, was sich nicht reformieren mag, ist glaube ich gesund für Leute, die Veränderung und Lebendigkeit hoch schätzen.

Nun bin ich de facto kein Therapeut mehr, und auch kein Harz-4-Aufstocker mehr, sondern irgendwie draußen vor der Tür.

Auf das, was ich gelernt habe, kann ich sicher bauen, und nun steht es mir frei, neue und andere Ziele zu setzen. Viele spannungsreiche Kompromisse entfallen nun. Bin gespannt, was sich daraus machen läßt.

 

 

 

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Antisemitismus (einige Gedanken dazu)

Nicht sehr sortiert. Ein langer FB-Post. Damit er wiederfindbar ist, abgelegt als Notiz.

At every point Martin was available and he wanted to believe that the best outcomes were possible. A genuine humanitarian, someone whose writing of history taught him we could always do better in the future if we are able to learn the lessons of history.

— Gordon Brown

Sir Martin Gilbert ist mir aufgefallen, weil ich nachgelesen habe über die Geschichte der Familie Kushner.

In diesem Zusammenhang eine Menge an Gedanken, die als verbindendes Element Judentum und Antisemitismus haben.

Jared Kushner, Sohn von Joseph und Rae Kushner, ist ein millionenschwerer Immobilien-Manager und Berater von Donald Trump.

Er ist verheiratet mit Ivanka Trump und unter anderem für Mexiko und China der inoffizielle Ansprechpartner, außerdem als UN-Sonderbeauftragter zuständig für die Nahost-Friedensgespräche, ein Geschäftspartner von George Soros, Peter Thiel und der Familie Steinmetz, einer der reichsten Familien in Israel (Steinmetz Diamond Group). Natürlich hat er auch mit Goldmann Sachs zu tun. Zudem ist Jared als Chef der von Trump neu geschaffenen American Innovation genannten Gruppe für die Entbürokratisierung der Regierung zuständig. Mit seinem Bruder Murray Kushner (ebenfalls sehr reich und Immobilen-Manager) hat er sich offenbar dauerhaft überworfen.

Über diese Verflechtungen hat n-tv berichtet, und weil der Artikel von Hannes Vogel SEHR nach „jüdischer Weltverschwörung“ klang, dachte ich mir, ich recherchiere das mal. 
Ausgangspunkt waren diese beiden n-tv-Artikel: Die Kushner-Connection im Weißen Haus und Kushners geheime Millionen aus Israel.

Ich habe also damit angefangen, mir anzusehen, wer sind den „diese Kushners“.

Fertig bin ich damit natürlich nicht, sondern eher ganz am Anfang. Den habe ich zuerst gesucht, logischerweise.

Dabei kam ich historisch rückwärts suchend bis zu dem Zeitpunkt, wo es darum geht, was mit den 12.000 Juden und Jüdinnen in Novogrodek (Polen) nach dem Einmarsch der Russen passiert ist (Enteignung) und was dann nach der Besetzung durch Nazi-Deutschland passiert ist (Ghettoisierung, Vernichtung durch Massenmord).

Hier geht die Geschichte der Kushners – soweit dokumentiert – los: In Novogrodek ist Rae Kushner (Tochter von Zeidl Kushner, Frau von Joseph Kushner, dem Vater von Jared Kushner) 1923 geboren worden. 2004 ist sie gestorben. Sie hat den Holocaust überlebt, war mit 600 Menschen eingesperrt – dann Flucht durch einen heimlich gegrabenen Fluchttunnel, 170 Menschen haben es überlebt von den 250, die geflohen sind. Leben im Wald mit Partisanen, 1200 Partisanen waren das unter der Führung von Tovya Bielski. Von den geschätzt 20.000 – 25.000 Partisan*innen in Polen waren die meisten kommunistisch und in der Regel antisemitisch, so dass die jüdischen Partisanen auch gegen andere Partisanengruppen zu kämpfen gezwungen waren.

Artikel dazu: David Rosenthal – Jewisch Resistance in WW II (Jewish Frontier – NOVEMBER DECEMBER 1997 – story of bielkis partisans

In den Wäldern (markiertes Gebiet, Wälder und Sümpfe) gab es jüdische Widerstandsgruppen, die von den seit Generationen im Wald lebenden Holzfäller-Familien geleitet waren und die völlig ohne Unterstützung von Außen arbeiten mussten, da sie von den anderen Partisanen, die durch die Russen unter Stalin unterstützt waren, ebenfalls angefeindet wurden – deren Antisemitismus war ähnlich stark ausgeprägt wie der der Deutschen, so dass Erschießungen von Juden als „Spione“ durch von Russland unterstützte Partisanen-Gruppen durchaus oft passierten.

Martin Gilbert hat neben seinen vielen Arbeiten über Winston Churchill auch historisch geforscht über den jüdischen Widerstand in der Zeit des 2. Weltkrieges und – zeitlich später – über die Refuseniks – Menschen, die versucht haben, die Sovietunion zu verlassen; die Stellung eines Ausreise-Antrages führte regelhaft zu einer massiven Diskriminierung, meist Entlassung aus der Arbeit (für ALLE Familienangehörigen) und anschließend Gefängnisstrafen wegen „Sozialparasitismus“.

Der Antisemitismus in Europa – in Deutschland, Polen, Russland – ist kontinuierlich gewesen und von allen Seiten. Eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ – wie es die Nazis stets gesagt haben – ist da nirgends erkennbar, die Bolschewiki haben Juden und Jüdinnen ebenfalls recht gnadenlos verfolgt.

Aber sie nicht systematisch und industriell ermordet – das ist speziell an den Nazis und macht die Singularität des Holocaust aus.

Genozide gab es oft in der Menschheitsgeschichte – aber nie und nirgends eine solche geplant durchgeführte totale Enteignung, Entrechtung und Vernichtung, die durch einen Staat über seine gesamte Bestehenszeit hinweg konsequent betrieben wurde. Das ist der Grund, weswegen Relativierungen unter Bezugnahme auf andere Menschheitsverbrechen – wie „aber Stalin hat in den GULAGS doch auch Millionen umkommen lassen“ – unangebracht sind.

Wobei unbestritten es etliche mörderische Episoden insbesondere (aber nicht nur) in der Neuzeit gibt, mit jeweils Millionen vertriebenen Menschen und Millionen Toten. Ich bin ganz sicher niemand, der historische oder aktuelle Verbrechen der autoritären Kommunisten, der Nationalisten oder der religiösen Gemeinschaften und generell von organisierten Gruppen nicht wahrnimmt oder gar leugnet.

Natürlich ist der sogenannte Labor Zionism stark sozialistisch orientiert gewesen, mit vielen Menschen, die ein Israel aufbauen wollten, in dem die Juden und Jüdinnen eben nicht kapitalistisch leben. Diesen Aspekt – das Menschen, die im Judentum verwurzelt sind, Vordenker*innen der sozialistischen Bewegung waren – bestreitet niemand.

Zurück zu Jared Kushner. Trumps Tochter Ivanka ist mit Jared verheiratet und wegen ihm zum Judentum konvertiert, und die Familie hat viel Geld und sehr reiche Freunde mit sehr dubiosen Geschäftsmethoden.

Antisemiten werden das freudig zur Kenntnis nehmen – aha, da ist doch wieder der Beweis, dass USA und Israel gemeinsam das Böse auf der Welt darstellen und hinter allem die bösen Juden stecken.

  • Gegen Juden sein, das vereint (extreme) Rechte weltweit.
  • Gegen Juden sein ist auch gemeinsamer Nenner von arabischen Nationalisten aller Art sowie von (vielen) islamischen und allen islamististischen Organisationen. Wobei das Goldene Zeitalter der jüdischen Kultur unter der schützenden Herrschaft der islamischen Zivilisation statt gefunden hat – in dieser Zeit waren die Europäer sehr unzivilisiert und gewalttätig und weit davon entfernt, irgendwie der fortschrittliche Kontinent zu sein, der sie in den Köpfen vieler westlicher Leute heute und hier angeblich schon immer waren. Dabei ist die „Barbarei“ historisch hier erst kürzlich beendet worden, wenn überhaupt. Mit dem Finger auf „die Muslime“ zeigen, das ist historisch gesehen dermaßen unsinnig, dass es zum Schreien ist. Hochkulturen, da ist Europa wirklich erst lange nach vielen anderen mal an der Reihe gewesen. Hier war kulturell praktisch nie was los, was der Rede wert gewesen wäre. Nicht mal schreiben konnten sie, und die EDDA ist zwar spannend, aber kein Vergleich zu dem, was anderswo so entstanden ist.
  • Bei den sogenannten Linken ist Anti-Amerikanismus weit verbreitet, worin die antisemitischen Stränge ebenfalls deutlich sind. Soweit mit links eine emanzipatorische und humanitäre Richtung gemeint ist, sind Antisemiten niemals links, und Linke niemals bewußt Antisemiten.
  • „Israel-Kritik“ ist lediglich ein anderes Wort für Antisemitismus, was weniger verbraucht und mörderisch klingt. Im Kern meint es: „Bloß weil die Juden und Jüdinnen ansonsten ausgerottet werden, haben sie dennoch kein Recht, sich eine Nation gewaltsam zu schaffen“. Übrigens gibt es für kein Land der Welt eine solche „Kritik“ – außer für Israel. Oder hat schon mal jemand von „Deutschland-Kritik“ gehört oder gelesen? Das gleiche gilt für die „Besetzten Gebiete“ – nirgendwo sonst gibt es diese besondere Floskel, höchstens für die ehemalige DDR, wo es auch eine Weile hieß „derzeit sowjetisch besetzte Gebiete“. Umstrittene Territorien gibt es allerdings jede Menge, praktisch bei JEDEM Staat und jeder Nation sind Gebiete da, die irgendwie mehr und andere, die irgendwie weniger dazu gehören – eben weil Nationen und Grenzen auf Macht und Gewalt basieren. Texas beispielsweise, wo liest man „derzeit von den USA besetzte mexikanische Gebiete“? Auch die „derzeit von Deutschland besetzten Gebiete der Dänen“ werden so in der Regel nicht bezeichnet. Womit ich jetzt NICHT mißverstanden werden mag – es ist mir nicht egal, wie es den Palästinensern ergeht, und kein Staat darf beliebig Menschenrechte mißachten (auch wenn alle Staaten das tun, in unterschiedlichem Ausmaß – wobei halt ohne Staaten wohl auch keine Menschenrechte da wären, aber das ist ein anderes Thema). Was ich aber sage: Jüdische Menschenrechte sind ohne einen Staat Israel praktisch nicht denkbar bzw. zu fragil, diese Ansicht teile ich.
  • Von den Verschwörungstheoretikern brauche ich gar nicht anzufangen, da läuft es IMMER auf Antisemitismus hinaus. „9/11 was an inside job“. Und was ist dann die Wahrheit der Truther-Bewegung? Natürlich diese: „Es stecken DIE Juden dahinter“. Und natürlich paßt das irgendwie, denn das WTC gehörte einem reichen Juden, und damit ist die „Theorie“ bereits bewiesen. Dass es zum Wesen einer Theorie gehört, dass sie prüfbar (widerlegbar) sein muss, ist zu hoch für die Truther. Nicht umsonst gibt es diese breiten Überschneidungen mit allen anderen Sorten von geglaubten Unglaublichkeiten bei dieser Bewegung von erklärungssuchenden Menschen – Aliens, Ufos, Blood Lines, gefakte Mondlandung, „Holocaust ist nie passiert“, Nazideutschland wurde von Polen angegriffen, Hohlwelttheorie, Chem-Trails, etc. pp.

Sir Martin Gilbert ist Jude.

Bereits das reicht, um ihn für Antisemiten als unglaubwürdig zu stempeln. Entsprechenden Angriffen war er natürlich bereits des öfteren ausgesetzt.

Ein der historischen Forschung gewidmetes Leben und eine Liste von veröffentlichten Büchern, die gemeinsam ein enormes Regal füllen – voll mit kleinen und kleinsten Details und Quellenangaben, so wie bei Historikern allgemein üblich – ist dagegen irrelevant, denn:

Wer ein einfaches Weltbild hat, läßt sich durch Fakten bekanntlich nicht verwirren oder gar korrigieren.

Die schlimmste Weltanschauung, das ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nie angeschaut haben.

Selten habe ich etwas gehört, was so wahr ist, wie dieser eine Satz.

Für Komplexität haben viele Menschen wenig Verständnis.

Antisemitismus funktioniert wie ein Kurzschluss: Weil es mächtige reiche Juden gibt, ist er bereits bewiesen.

Ein Gegenbeweis ist in so einer Logik unmöglich.

Es gibt Juden, manche davon sind enorm reich und verwenden fiese Geschäftsmethoden – was sie mit Nicht-Juden übrigens gemeinsam haben, und wer das in Frage stellt, sollte mal zu einem Arzt gehen.

Weil das so ist, lassen sich immer „Connections“ zu Juden finden. Wir leben in einer Welt, die global verbunden ist durch das Börsensystem, durch Aktien und Investitionen. Jeder reiche Mensch hat da Anteile, ergo gibt es auch immer Anteile von jüdischen Personen und von Institutionen, wo Juden vertreten oder auch führend sind.

Allerdings sind keineswegs ALLE Juden reich oder mächtig, weder jetzt noch früher — sondern es sind die meisten Juden ermordet worden von Antisemiten, und das waren sehr oft bitter arme, ausgegrenzte Menschen.

Es sind auch keineswegs ALLE Juden jemals einer Meinung gewesen, oder werden es je sein – darin unterscheidet sich diese Gruppe nicht von irgend einer anderen auf der Welt, auch wenn das noch so oft behauptet wird im Rahmen der typischen Dämonisierung.

Dämonisierung, das ist ein wichtiger definitorischer Aspekt des Antisemitismus.

Inhaltlich: Alle Juden sind a) gleich und b) böse sowie c) nur böse.

Dämonisierung ist wiederum Bestandteil jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Menschen werden anhand von EINEM Merkmal als Gruppe zusammen gefaßt, und es wird für alle Mitglieder der Gruppe gesagt, sie wären a) auch in ALLEN anderen Hinsichten gleich sowie b) sie wären schlecht, böse, etc.

Wieso ist es wichtig, über diese Dinge sich schlau zu machen?

Was Israel heute ist, läßt sich ohne Kenntnis der Geschichte – ohne ein fundiertes Wissen über die Verfolgung der Juden durch die gesamte Geschichte der Menschheitsgeschichte hindurch – nicht mal im Ansatz verstehen.

Auch, was in USA passiert, wird erst verständlich, wenn Geschichte bekannt ist.

Wer natürlich nur einen Feind sucht, ist mit den Juden perfekt bedient – das hat Hitler erkannt, und es ist in „Mein Kampf“ ja nachlesbar, wie er erklärt, dass zu Propagandazwecken alle faktisch unterschiedlichen Gruppierungen, gegen die er vorzugehen sich vorgenommen hatte, zu einem einzigen Feind gemacht werden müssen in der Demagogie, weil eben das Volk eine einfache Erklärung sucht, wünscht und braucht.

Mit anderen Worten: Hitler war sehr bewußt, dass es nicht stimmt, dass hinter allem die Juden stecken. Und ihm war klar: Eine solche Erklärung hat dennoch sehr viel Durchschlagskraft. Zumal sie auf Ressentiments aufbaut, die bis in die Entstehungszeit der Juden zurück reichen und für die es überall und weltweit Anhänger*innen gibt.

Antisemitismus war und ist ein weltweites Phänomen.

Antisemitismus ist in seinen heutigen Formen nicht verständlich, ohne auf den ursprünglich „christlichen“ Anti-Judaismus zurück zu schauen. Christlich in Anführungszeichen, den Jesus war natürlich Jude und ein Rabbi, ein Gelehrter der Schrift und des Glaubens – wer ein Christ sein mag, kann daher nicht wirklich zugleich ein Antisemit sein.

Anti-Judaismus ist Judenfeindschaft, die sich als theologisch begründet sieht – „die Juden haben den Messias umgebracht“. Korrekterweise müßte man sagen „Einige mächtige Juden haben einen politisch nicht sonderlich mächtigen, aber offenbar bedeutsamen Juden, der ihnen theologisch nicht gepaßt hat, hinrichten lassen“. Mal abgesehen davon, dass es natürlich die Römer waren, die zu der Zeit die Herrscher waren, aber niemand macht deren heutige Nachfolger – die Italiener – für den Tod des Messias verantwortlich, woran man schon sieht – das ist Unsinn. Bloß hat es halt die Basis gebildet für viele Feindschaften, die oft wirtschaftlich und politisch motiviert waren und dann theologisch verbrämt wurden.

Nebenbei bemerkt – der zweite Weltkrieg war angesichts leerer Kassen des Deutschen Reiches praktisch undurchführbar, wenn nicht das Regime den Raub- und Vernichtungskrieg organisiert hätte – also das systematische Ausschlachten aller möglichen Geldquellen unter planmäßiger Ermordung der Eigentümer. Wobei – das ist bekannt – die Schweizer Banken eine wichtige Rolle spielten. Ohne sie wäre diese kriminelle Unternehmung gar nicht möglich gewesen.

Übrigens – eine Welt, in der kein einziger Jude mehr lebt, wird dadurch nicht plötzlich unkapitalistisch oder sonstwie ein nationalsozialistisches Paradies.

Wenn ich auf Vertreter*innen von eliminatorischen Ansichten („alle Juden ausrotten“) treffe, frage ich immer nach – was wird anders sein, wenn sie alle tot geschlagen sind, und wie kommt das zustande?

Dann bricht das schnell zusammen, denn es ist offensichtlich, das auch noch so „reinrassige“ Nationen sich hierarchisch organisieren, mit Reichen und Armen, und dass es zwischen Menschen fies zu geht, egal welche es sind.

Das Nachfragen lohnt: Ich kannte mal einen, der war erst Metaller, später Nazi, und hatte da seine Skinhead-Freunde. Den habe ich nach Jahren wieder getroffen und gefragt, wie es denn mit seinen Freunden so gelaufen ist. Stellte sich heraus, er hat sich da abgesetzt, weil sie ihm im Suff die Bude zerstört hatten, und er das Ausländer-klatschen nicht wirklich mochte. Heute ist das ein prima Kerl, hoch anständig und geläutert, und ein Menschenfreund.

Auch das sollten Leute im Kopf haben oder sich bewußt machen, die antifaschistisch denken und handeln:

Mit „alle Nazis weg klatschen“ oder „Nazis raus“ ist per se nichts gewonnen. Sicher ist es gut, ihnen kein Territorium zu überlassen und rechten Straßenterror soweit möglich wirksam zu unterbinden. Aber das ist nicht mit Gewalt allein lösbar. Sondern, es geht darum, was steht dahinter – Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung, Freundschaft, soziale Unterstützung durch eine Gruppe, gemeinsame Aktivitäten.

Es kommt darauf an, Begegnungsräume auf zu machen, Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen, die aus Wertschätzung und gegenseitigem Respekt basieren, wo Menschen was über andere lernen können, wo es möglich wird, aus einem Freund-Feind-Schema aus wieder raus zu kommen und sich gegenseitig ein wenig zu kennen, gemeinsame Dinge zu finden und darauf aufzubauen.

Denn auch Nazis (oder Salafisten, „Terroristen“, etc.) sind in erster Linie Menschen, und eben keine „Monster“.

Die Ideologie ist mörderisch, der Mensch aber kann sich entwickeln und diese krude Ideologie auch wieder verlassen (egal welche es ist). Das ist eine Sache von Erfahrungen und Arbeit an sich selbst und von Arbeit, Sport und Spiel gemeinsam mit anderen.

Konkret: Sobald so ein Nazi-Hool eine Freundin hat, ein Kind, eine Arbeit – da sind dann ganz normale Dinge wichtig, nicht die Gewalt gegen „Feinde“.

Natürlich gilt das für alle gewaltbereiten und gewaltsuchenden Menschen – Nazis, Hooligans, Salafisten, Terroristen, Amokläufer – eigentlich wollen sie nicht töten und getötet werden, sondern gut und menschenwürdig leben und auf ihre Leistung stolz sein, Freunde und Freundinnen haben, lecker essen, sinnvoll arbeiten, angenehm wohnen etc.

Angst, Armut, fehlende Bildungschancen, fehlende Gelegenheiten gesellschaftlichen Mitmachens, abgehängte Menschen, generell soziale Isolation und Ausgrenzung und vor allem Abwertungserfahrungen sind der Nährboden für Gewalt, Kriminalität und Extremismus.

Genau darum nutzen auch verkürzte Lösungsansätze wie „mehr Polizei fängt mehr Verbrecher“ (FDP, CDU, AfD, Teile der SPD) rein gar nichts. Vom Einfangen und Einsperren gehen doch Verbrecher nicht weg, und da Verbrechen eine reichlich willkürliche Kategorie ist – es geht um Macht und Besitz, die angeeignet werden – wird es das IMMER geben, solange es da was anzueignen gibt und solange es manche brauchen oder für nötig halten, sich etwas notfalls auch gegen geltende Gesetze zu nehmen, was ihnen nicht bereits zur Verfügung steht.

Von Verbrechen wird gesprochen, wenn es kleine Leute tun. Wirtschaftskriminalität und insbesondere Steuerhinterziehung wird praktisch nicht verfolgt, da wo sie von den Großen betrieben wird – ebenso wenig wie der fortgesetzte Raubzug, den wir im Rahmen des Neoliberalismus als Privatisierung zu bezeichnen erzogen wurden.

 

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Bestohlen worden

Irgendwer war mutig genug, um zu zu greifen und meinen Musicman mitsamt SD-Karte und schöner Musik-Auswahl einfach mal mit zu nehmen. Ok. Ich warte ja immer drauf, dass ich mal jemanden erwische, und ihm so richtig die Fresse polieren kann. Diesmal war ich zu unvorsichtig, Kölner Innenstadt in Dom-Nähe halt ein schwieriges Gebiet. Es hat scheußlich geregnet, deswegen habe ich mein Rad und meinen Krempel lieber unter der Überdachung gelassen, als ich zum Kiosk ging. Danach: Ärgerlicher Verlust, jemand hat sich meinen Musik-Spieler mitgenommen. Tja. Traf dann einen, der sagte: Es gibt Schlimmeres, was willst du dich jetzt ärgern. Womit er recht hat. Für 20€ ärgere ich mich 15 Minuten. Allerdings denke ich mir, ich muss wohl ein wenig mehr aufpassen. Zumal mich vorher am Bahnhof ein Obdachloser gewarnt hatte – lass deinen Musikspieler nicht so offen liegen, der wird geklaut. Und ich so: Nee. Das habe ich nun davon.

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