Beyond the lunatic fringe

Bekanntermaßen leben wir in konstruktivistischen Zeiten – wer es wissen will, dem ist bekannt, dass der Mensch ein Wesen ist, was sich Mythen zusammen baut, sich darin gemütlich einspinnt, eben so, wie eine Winkelspinne sich mit Netzen umgibt. Und genau wie die Winkelspinne ihre kleine Ecke über alles liebt und dem Rest des Terrariums keinerlei Interesse zukommen läßt, so sind auch Menschen eher nicht die großen Wanderer im mythologischen Weltenraum. Mythos, das ist allumfassende und endgültige Welterklärung, eine ersponnene Geschichte, die alle Wahrnehmungen letztlich zusammen fügt und trägt. Nationen, Religionen, Traditionen, Institutionen, die Beziehungsdyade – alle diese transpersonalen Systeme sind letztlich auf diese Weise gebaut – sie existieren als ein Netz von Verknüpfungen körperlich in der Person, die sie trägt (letztlich als kognitiv-emotionale Muster auf neuronaler Ebene). Möglich geworden sind diese Systeme evolutionär durch Sprache, und auf ihnen baut die gesamte Zivilisationsgeschichte auf. Buchempfehlung: Yuval Noah Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit. Das Netzwerk im Kopf korrespondiert mit den Netzwerken in anderen Köpfen und dem Netzwerk, was wir heute als Internet kennen und betreiben (von dem haben die Pioniere immer gedacht, dass es eine Art globales bzw. planetares Gehirn werden würde). Konstruktion von Weltanschauung(en) ist für mich als Psychologen eine spannende Sache, und ich habe eine Schwäche für die Untersuchung von abseitigen Phänomenen. Das ist Teils schlicht meiner Neugier geschuldet – normal ist stets langweilig, genau genommen ist ja die Definition von normal genau das: Verursacht keinerlei Aufregung. Was normal ist, entspricht dem Bild, was allgemein geteilt wird. Da die Welt etwas gemachtes ist – nicht die Wirklichkeit, sondern unser davon komplett unabhängiges System der Anschauung der Wirklichkeit – sind normale Weltbilder natürlich Ergebnis einer dauernden Propagierung von offizieller Wahrheit. Die Hegemonie der dominanten kulturellen Interpretation von Wirklichkeit, inklusive der darin enthaltenen Verhaltensnormen. Ohne diesen Mechanismus zerfällt jedes größere System sofort in seine Einzelteile. Daher hat dieser Mechanismus enorme politische und soziale Bedeutung und auch Brisanz. Wie immer habe ich weit ausgeholt, eigentlich wollte ich kurz und knapp etwas dazu schreiben, womit ich mich eben beschäftigt habe: Nämlich dem lunatic fringe, der völlig verrückten Außengrenzen des Ideen-Raumes. Ähnlich, wie die Neuro-Anatomie sehr viel gelernt hat von Fällen, wo Menschen schwere Schädelverletzungen hatten und große Teile des Gehirns kaputt waren – wenn das so ist, fallen manche Sub-Systeme des zentralen Nervensystems (ZNS) aus, woran sich erkennen ließ, dass es in der Tat funktionelle Einheiten im ZNS gibt und so ungefähre Ideen davon, welche und wo – kann ein konstruktivistisch denkender Wissenschaftler sehr viel lernen über die Psychologie der Mythenkonstruktion durch das Studium von Leuten, die sich ausgesprochen un- oder anti-normale Weltanschauungen gebastelt haben. Jedenfalls ist das mein Ansatz, und ich finde den sowohl unterhaltsam als auch fruchtbar. Das Internet macht vieles erforschbar, was zuvor soziologischen, politologischen und psychologischen Studien nicht zugänglich war. Menschen geben von sich aus sehr viel über sich und ihre Ideen, Gefühle, Ansichten, Vorlieben, Abneigungen und generell ihr Verhalten öffentlich preis. Neoliberalismus erfordert ständige Selbstvermarktung (die wirtschaftspolitische Dimension). Die bindungssuchenden Primaten, die wir biologisch zugleich nach wie vor sind, konkurieren zugleich um Streicheleinheiten in From von Aufmerksamkeit und Anerkennung. Beides zusammen bildet – neben vielen anderen Faktoren – die Grundlage für die Entstehung eines enormen Datensatzes – jede Stunde erweitert sich durch individuelle und institutionelle Beiträge das Internet mit wahnsinnig vielen Informationsmolekülen, neuen Fäden und Geschichten. Der multimediale Hypertext wächst andauernd, und ist natürlich zugleich Material für verschiedenste Versuche der Erforschung. Data mining war mal eine Metapher für diese Versuche, automatisiert Zusammenhänge in diesem Datenwust zu finden. Keine Ahnung, wie die aktuellen buzzwords lauten, das ist mir egal – die Idee, mit sehr sehr sehr großen Stichproben (idealerweise einer Komplett-Erfassung in Echtzeit) zu arbeiten, hat mir früher (~1996) schon als ein absolut geniales Instrument der Wahrheitssuche (im Sinne einer Konstruktion eines Modelles, was auf alle Daten maximal gut paßt) eingeleuchtet und mich enorm begeistert. Wer das nicht kennt – psychologische Forschung hat in der Vergangenheit sehr oft mit scheußlich kleinen Stichproben gearbeitet, und als Statistiker hat es mir vor den daraus extrahierten Gesetzmäßigkeiten (die dann auf die Menschheit verallgemeinert werden) immer gegruselt. Vieles davon hat empirisch praktisch keine Basis, was Kolleg*innen nicht gerne hören. Beispiel: Das Yerkes-Dodson-Gesetz. Es besagt: Umgekehrt U-förmiger Zusammenhang von Aktivierung und Lerneffizienz. Zu wenig oder zu viel Erregung sind dem Lernen abträglich, eine mittlere Aktivierung ist optimal. Klingt wie eine Binsenweisheit, und vermutlich ist es das auch. Nur – das wurde wissenschaftlich, also systematisch und experimentell – untersucht und belegt. Wer wie ich ein wenig weiter schaut, sich die Original-Arbeit ansieht, erlebt allerdings eine ernüchternde Überraschung. Untersucht wurden Wachteln, die auf die Unterscheidung von Farben konditioniert wurden. Und daraus wurde dann ein Gesetz abgeleitet, was für irgendwie alles gelten soll. In vielen anderen Bereichen sind es auch tierexperimentelle Studien, die auf Menschen verallgemeinert wurden. Oder eben die Studien, wo ein N (Stichprobenumfang) so klein gewählt wurde, dass Statistik an und unter ihre minimalen Anforderungen gerät. Auch der umgekehrte Fall – sehr große Stichproben – führt zu lustigen Pseudo-Ergebnissen – wenn N sehr groß ist, werden sehr kleine Mittelwertsunterschiede hoch signifikant. Ok. Weil das nur Erinnerungen sind an alte Gedanken, gleich wieder raus aus der Abschweifung. Vielleicht zur Erklärung, wieso dieser Text nicht mal minimal stringent daher kommt – es war ein heißer Tag, und nachts elend schwül. Deswegen habe ich mich mit Kaffee und Kippen am PC unterhalten mit eher sinnfreiem Zeugs, und irgendwann mal drauf los geschrieben. Liest sowieso keine Sau – wozu sich also die Mühe einer Didaktik machen. Jedenfalls habe ich mich Zeit meines Lebens immer für Außenseiter interessiert, die eigene und andere Weltanschauungskonstruktionen mit sich herum tragen. So einer bin ich ja auch immer gewesen, und habe das entsprechend ausgebaut. Durch den Anderen erkenne ich mich selbst im Außen, durch mich selbst erkenne ich den Anderen im Inneren. Beides korrespondiert und steht in einem Resonanz-Verhältnis. Um kurz einen Abriss zu geben, was mich interessiert hat: Als junger Mensch fand ich Politik, Sexualität und Drogen spannend. Dann logischerweise Magie, Astrologie, Esoterik, Hippies, Psychedelik und solche Geschichten, und entsprechend auch freie Geister aller Art … darunter fiel für mich jeder, der sich von der Idee der geteilten Weltsicht und von gedanklichen Konformismus hinreichend verabschiedet hatte, um sowas wie eigene Positionen zu formulieren oder auszudrücken. Nach mehreren gesellschaftspolitischen Experimenten – die wunderbar lebendig und utopistisch waren und ökonomisch sowie bio-psycho-sozial jeweils krachend gescheitert sind – kam ich auf die Idee, den Gründen für dieses Scheitern auf den Grund gehen zu wollen. Daher eine radikale wissenschaftliche Wende gemacht, alles auf den Prüfstand gestellt, Psychologie studiert. Promoviert über Mediennutzungsforschung von Heranwachsenden, bzw. daran gescheitert, diese Arbeit auch fertig zu stellen. Wollte ein Professor werden – heute bin ich einer, nur eben nicht offiziell, mehr so mad professor. Was mir aber auch besser gefällt, bis auf die Komponente fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Wäre schon schön, ich könnte was beitragen in den Diskursen der sogenannten wichtigen Menschen (derer mit Macht und Geld). Und hätte weniger prekäre Verhältnisse. Aber scheiß drauf, so ist meine Unabhängigkeit von diesen Systemen bzw. ein Nicht-Eingebunden-Sein in den Apparat immerhin dafür gut, dass ich nicht korrumpiert bin durch eine Interaktion mit den System-Leuten. Allerdings auch abgeschnitten davon, was die sehr schlauen Leute so zusammen basteln – früher habe ich nächtelang mit Leuten diskutiert und mich ausgetauscht, heute lese ich deren Ergebnisse (den veröffentlichten Teil) und denke mir den Rest dazu. Sehe aber auch – viele der high IQs sind in totaler Sinnlosigkeit eingebunden, geben einem System ihre Energie und ihre Kreativität, was daraus wieder neue sinnlose Plastik-Müll-Geschichten macht. Reproduktion von destruktiver Scheiße, darin hat mein Interesse nie bestanden. Daher auch irgendwie erfreulich, dass mir das erspart geblieben ist. Jedenfalls – nachdem eine Karriere als Psychologe trotz scheußlich gutem Diplom gefloppt war, habe ich mich als Psychotherapeut weiter gebildet. Und mit Menschen gearbeitet, die für psychisch krank erklärt und mit Drogen voll gepumpt werden. Interessiert haben mich da vor allem die F20 (paranoid-halluzinatorische Schizophrenie) und natürlich die bipolare Störung (Depression, Manisch-Depressive Störung). Beide Kategorien überlappen – es steckt viel Leid darin, wie die Gesellschaft mit solchen als krank gelabelten Menschen umgeht, weswegen die glücklichen Verrückten sehr selten sind. Wenig überraschend ist es mir gelungen, auch in diesem Karriere-Pfad an meiner antagonistischen Haltung zu fachlich nicht gerechtfertigter Autorität zu scheitern – ich würde sagen, alles andere wäre wirklich eine erstaunliche Sache gewesen. Bisher war das immer so – weil der Herr Wild sein Maul nicht halten kann, wenn er was für extrem daneben hält, fliegt er überall raus. L’eclat, c’est moi. Damit habe ich mich ein Stück weit arrangiert, vermutlich vor allem deswegen, weil ich dieses Muster nicht überwinden kann. Versucht habe ich es mehrfach, vor allem um anderen sozial zu gefallen und nützlich zu sein – und weil ein Teil von mir sich so sehr wünscht, endlich mal irgendwo dazu zu gehören. Liebe und Anerkennung zu erfahren, Familie zu sein – solche Sachen. Heute weiß ich natürlich, soziale Beziehungen sind eine aufwändige Sache – da ist sehr viel zu tun und zu lassen, damit das gut funktioniert mit anderen Menschen. Wäre das mein Ding, ich hätte nie die Zeit gehabt, mich zu dem zu entwickeln, was ich heute bin. Wie der schöne Spruch es stark verkürzt formuliert: Glück – das ist dumm sein und Arbeit haben. Was ich mache, macht nicht glücklich – weder mich noch andere, und darum geht es mir auch nicht. Klar, ich mag gerne glücklich und zufrieden sein (bin das auch oft) – nur stellt sich das eher über Umwege ein, als das ich dafür irgendwas täte. Sondern ich folge sehr klar meinem Willen (konzipiert als einer Art von innerem Antrieb, einem folgerichtigen nächsten Schritt, oder auch der einzigen Wahrheit, die ich jemals erleben werde). Nebenbei bemerkt, Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung. Völlig unterschätzt, großartige Bücher. Alles andere als einfach zu lesen, weil eigenwillig geschrieben. Aber sehr gehaltvoll, und inhaltlich unglaublich modern. Man merkt ihm die Beschäftigung mit den Veden an. Und erneut ein Ende der Abschweifung. Hier wieder der rote Faden – die sehr lehrreiche Beschäftigung mit den Mechanismen der Weltanschauungskonstruktion am Beispiel von völligst verrückten Menschen. Damit hatte ich mich zuvor beschäftigt. Wer meinen Blog kennte, wüßte um meinen Ärger mit den Verschwörungstheoretikern aller Art, die mich bisweilen an meinen Fähigkeiten zweifeln und verzweifeln ließen. Es gibt ja eine schwer überschaubare Anzahl von Bausteinen, woraus sich alternative Weltmodelle basteln lassen. Wie eine Studie zu Verschwörungstheorie (VT) zeigt, die ich kürzlich las und gut fand, sind die Websites, die solche Weltanschauungen vermarkten, alle miteinander verbunden und bilden – wie im eingangs beschriebenen Bild von der Winkelspinne – ein dichtes klebriges Netz miteinander. Egal, mit welchem Teil davon man beginnt, es werden häppchenweise immer neue und tiefere „Wahrheiten“ angeboten. Also die Frage, wie würde wohl eine der Spinnen bzw. ein solcher Spinner aussehen, die/den man findet, wenn man den Fäden nach geht? So kam ich auf Herrn Stoll und seine Tiraden über Arier vom Aldebaran. Wer den nicht kennt – der Mann ist bereits verstorben, war zu Lebzeiten nach der DDR als Staubsauger-Vertreter unterwegs und selbst dem Kopp-Verlag zu irre. Dagegen sind Ken Jebsen und Jürgen Elsässer vergleichsweise fast schon langweilig. Wobei langweilig = normal hier auch gefährlicher im Sinne von Anschlußfähigkeit bedeutet. Was für mich aus der Entfernung betrachtet irgendwie lustig ist – sich in überwertige Ideen völlig hinein steigern – ist zugleich im realen Leben enorm gefährlich, denn wir haben durch verschiedene unerfreuliche Ereignisse des 20. Jahrhunderts gelernt, dass es durchaus nicht reicht, wenn die Welt einen Irren als irre erkennt, um dessen Einfluss auf eine große Gruppe von Menschen ausreichend einzuhegen, damit kein größerer Schaden entsteht. Ohne ins Detail zu gehen – wie viele erkennbar nicht geistig gesunde Personen heute in der Welt über Macht und Einfluß verfügen und was das mit der Menschheit anstellen kann, dürfte vielen bereits bekannt sein. You can’t grab science by the pussy – but you can bunga bunga the biosphere. Um das mal kurz und klar auszudrücken. Also, Herr Stoll. Kein besonderer Fall, an und für sich. Der grundlegende Mechanismus ist trivial. Jemand, der ein trostloses Leben führt, phantasiert sich eine Welt, in der er wichtig ist und etwas weiß. Genau das mache ich auch, und eigentlich macht das jeder Mensch. Nennt sich Ego. Solange es in vernünftigen Grenzen bleibt, ist das eine ganz und gar gesunde Sache und darüber hinaus überlebensnotwendig. Pathologisch sind die extremen Fälle. Nämlich die, wo außer Ego nichts mehr da ist, und dann aus dem Bedürfnis nach Kontakt mit etwas anderem ein Angriff erfolgt. Solche Leute detonieren sich selbst und töten Menschen, beispielsweise. Was ja auch nur eine andere Art ist, auszudrücken I was here. Allerdings eine, die alle anderen total abfuckt. Scheußlich. Frage daher, wieso reicht es denen nicht, einen tag irgendwo hin zu sprühen oder sowas. Wie groß muss dieser innere Antrieb sein, um so etwas fieses und brutales zu tun – und vor allem, woraus besteht dieser Antrieb und welche kognitiv-emotionalen Komponenten führen zu diesen speziellen Ausprägungen von antisozialem Verhalten? Ein Brevik kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern: Da ist viel Zeit und Arbeit investiert worden. Die islamistischen Attentäter, die kommen schon eher aus dem Nichts, weil sie halt eher unintellektuell an die Kombination aus Selbstwert-Demonstration und Selbstauslöschung ran gehen, in der sie die Lösung ihrer Problematik finden. Das sind Leute, die – wie jedes menschliche Wesen in der Moderne – die eigene Nichtigkeit spüren und mangels Bildung und Erkenntnis recht leicht auf ein preiswertes Täuschungsmanöver aus dem letzten Jahrtausend rein fallen (Versprechungen von Belohnungen im Jenseits). Sprengstoff umgeschnallt, fertig ist der Selbstmord-Depp. Der Herr Stoll dagegen liest sich eifrig die diversen Bücher durch, die es über Verschwörungstheorien gibt, und wird so zur Wandelnden Bibliothek des Schwachsinns. Und das reicht dann, um sich zu stabilisieren und eine Art von Gemeinde zu haben, also soziale Anerkennung und auch kleine finanzielle Zuwendungen. Dazu ein passender Habitus (Hitler-Imitation kommt immer gut, weil recht bekannt) – und fertig ist die Laube. Darin ist Herr Stoll ein Muster für den Einzelunternehmer in Sachen Selbstvermarktung – freilich einer, der halt mit Nazi-Flugscheiben und dergleichen ein eher randständiges Publikum bedient. Wieder eine Abschweifung: Um 1920 herum gab es zahlreiche sogenannte Inflations-Propheten (bzw. Heilige). Das waren Irre, die unterschiedliche Ende-Der-Welt-Theorien mit einer Art von messianischem Auftreten verbanden. Etwa so wie in Life of Brian. Vermutlich gibt es solche Leute immer, wenn eine Krise da ist – macht ja Sinn, dass dann der Suchraum für mögliche gesellschaftliche Veränderungen vergrößert wird, wenn es so aussieht, als ginge es so nicht mehr weiter. Heute – durch die Vernetzung bzw. das Internet – sind natürlich die Reichweiten der Irren stark vergrößert. Wer früher garantiert keine Jünger gefunden hat (weil zu abgedreht), kann heute unter Millionen sicher irgend wen finden, der/die genau diese Art von Abgedrehtheit auch gut findet. Wenn das einige tun, entsteht eine Subkultur – und damit ein Soziotop, indem sich irres Zeugs zu einer stabilen und geschlossenen Weltanschauung mausern kann. An solchen Subkulturen kann ich nun wieder studieren, wie sich solche Formationen bilden und verändern, und auch, wie sie auf die umgebenden Systeme und letztlich die Mehrheitsgesellschaft ausstrahlen. Weil – kleine Gruppen mit extremen Ansichten und Handlungen bewegen ganze Gesellschaften, indem sie Bezugspunkte verschieben. Dazu braucht es nicht viel und nicht viele. Die viel zitierten 68er waren nicht wirklich viele, und der Kern der aktuellen rechtsesoterischen Szene ist auch nicht sonderlich groß. Dennoch beeinflussen solche Ideenverbreiter viele Menschen. Im Sinne von Aufklärung ist es daher ganz gut und sinnvoll, mal das Vollbild dieser Verschwörungsschwurbelei vor Augen zu haben. Hier siehst du, wie er vor Publikum die Nazi-Rampensau gibt. Und genau dafür ist Herrn Stoll zu danken – er hat das perfekt verkörpert. Nun ist es allerdings nicht so, dass wirre Thesen von solchen Menschen einfach so angenommen werden – im Gegenteil. Es ist sicher so, dass die Aufbauarbeit, die geleistet wird, an einem Punkt beginnt, der sehr persönlichkeitsnah und lebensgeschichtlich bedeutsam ist. Bei Stoll der Vater. Dessen Arier-Nachweis, beispielsweise. Bekannt ist, dass Stoll Frauen und Kinder nicht leiden konnte, und vermutlich auch sonst niemanden. Logischerweise will er aber sich selbst irgendwie mögen und psychisch stützen, also volle Identifizierung mit dem Vater. Und mit irgendwas – es muss aber stark und möglichst entfernt von denen sein, die er verabscheut (die ihm weh getan haben). Der Nazi-Link war da, also wieso nicht ein Weltraum voller Nazis? Und selbst auch ein Außerirdischer sein – nicht von dieser Welt. Das findet sich immer wieder bei verrückten Menschen, dass sie sagen, ich bin nicht von diesem Planeten. Mache ich auch so, es ist mir eine tröstliche Vorstellung, hier nicht dazu zu gehören und nur scheinbar da zu sein. Eine logische Folge von emotionaler Abgrenzung, wenn sie separatistisch wird. Das ist, denke ich, die Hauptfunktion von abseitigen Glaubenssystemen – eine Eingemeindung des Selbst in etwas anderes, gegengesetztes, eigenes. Im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie gibt es Forschung zum Phänomen der inneren Kündigung – ein Prozess, wo der Mitarbeiter die Identifikation mit dem Unternehmen aufgibt, nur noch Dienst nach Vorschrift macht, komplett demotiviert ist und tendenziell ausschließlich eigene Ziele verfolgt. Dort wird es als mit dem Gefühl des Getäuscht- bzw. Betrogen-worden-seins, also mehr als nur mangelnder Anerkennung, assoziiert. Gut verständlich, und der grundlegende Mechanismus folgt der Individuation, also wenn sich Ego aus dem Familensystem emanzipiert und sich ein eigenständiges Selbst bildet. Das Selbst würde in einem günstigen Verlauf auch Schemata für die Beziehungen zwischen Ego und Gruppe beinhalten, die diese Spannung von Nicht-Identität und Nicht-Getrenntheit (Abhängigkeit) als ein dynamisches Ungleichgewicht lebbar machen. Es ist ja völlig normal, dass es zwischen den Bedürfnissen nach Autonomie und nach Bindung zu Konflikten kommt und das Nähe-Distanz-Verhältnis immer wieder neu justiert wird – passend zu den Anforderungen und Möglichkeiten. Bei der inneren Kündigung passiert genau das nicht mehr – der Mitarbeiter ist faktisch weg und nur noch scheinbar dabei. Nicht zufällig habe ich dieses Beispiel gewählt. Sondern, es schließt sich ein Kreis – abseitige Nazi-Flugscheiben, Hohlwelt etc. – und ein anderer öffnet sich – namentlich die Reichsbürger. Bekanntermaßen ist das die deutsche Entsprechung eines Phänomens, was aus USA kommt (dort früher schon beschrieben wurde) und dort in verschiedensten Ausprägungen existiert – Menschen akzeptieren nicht mehr die Eingebundenheit in einen Staat und dessen Legitimität, und schaffen eigene Staaten-Ideen. Dann legen sie sich bürokratisch oder auch gewaltsam mit dem faktisch weiter vorhandenen Staatssystem an, schreiben kilometerlange Schreiben an Behörden und ähnliches (sogenannter paper terrorism). Die angemaßte Eigenstaatlichkeit endet in der Regel mit der Niederlage der Person(en), die sie behaupten – und die oft letztlich nieder geschossen und eingesperrt wurden und werden. Das war wohl schon immer so, siehe die Geschichte um Massada (Römer gegen jüdische Sekte). Wenn du das vergleichst mit Waco oder den Vorgängen um den Eigenstaat Ur (Adrian Ursache), dann sind Größenunterschiede da, aber sonst viele Parallelen erkennbar. Reichsbürger, wer das nicht kennt – die behaupten, es gibt die BRD nicht, sie sei nur eine Firma, tatsächlich existiere das deutsche Reich weiter. Gut erkennbar sind sie daran, dass sie eine para-logische Argumentation betreiben – scheinbar klingen Dinge logisch und es wird etwas wie eine argumentative Strategie und ein Diskurs verfolgt, tatsächlich aber wird mit beliebigen Versatzstücken geworfen. So, wie Affen ihren Platz in der Hierarchie des Affenfelsens verteidigen, indem sie mit Kot werfen. Spannend an den Reichsbürgern ist für mich – sie wollen das System nicht, und sind zugleich im Denken komplett davon eingenommen. Ein Staat muß sein – aus dieser Prämisse kommen rechts-orientierte Menschen nicht heraus. Also – wenn du zugleich den Staat, der aktuell da ist, total ablehnst – wieso nicht einen eigenen Staat begründen? Eine Variante, die natürlich gefährlich ist, weil damit Gewalt als Mittel einher geht. Herr Ursache sagt denn auch (und handelt so) – wer in meinen Staat hinein geht ohne Erlaubnis, der wird sterben. Sprich, wie staatliche Logik ja immer läuft – am Ende der Beweiskette kommt die Gewalt als letztes begründendes Mittel. Nun ist es ja, so, dass diese Strategie schon von sehr viel gewichtigeren und – was Gewalt und Eigengesetzlichkeit angeht – sehr viel fähigeren Leuten versucht wurde – namentlich von Rocker-Gruppen. Wenn deren Club-Heime – die ja genau das sind, was die Eigenstaaten gerne wären, nämlich in gewisser Weise exterritoriale Gebiete mit eigenen Gesetzen – von Verboten oder Razzien betroffen sind, kommt der Staat halt mit Spezial-Einheiten und macht beliebigen Widerstand platt. Politisch haben es andere Gruppen – die Black Panthers, oder Move in Philadelphia – auch schon versucht, eine Sezession durch zu ziehen. Und die Erfahrung wurde gemacht, dass ein Staat auch im inneren auf Armee und Bombardierung zurück greift, um solche Gruppen auszuschalten. Ähnliches gilt für die Gruppen, die sich als Form bewaffneten Widerstandes im Untergrund verstanden haben, wie raf oder ETA, IRA, etc. Und natürlich wird es der aktuellen islamistischen Version von Eigenstaatlichkeit, die wir als „islamischer Staat“ kennen, auch so gehen. Wer noch einen sehr viel größeren Denkschritt machen mag – die UdSSR als eine im Welt-Kapitalismus unpassende und irgendwie extrem abweichende Erscheinung – auch da wurde durch den kalten Krieg letztlich die Abweichung beseitigt. Um nicht mißverstanden zu werden – diese großen und kleinen Konstruktionen von mytischem Sinnzusammenhang und wirtschaftlich-politischen funktionalen Systemen sind nicht alle irgendwie das Gleiche, so ist es nicht gemeinst. Sondern – sie folgen gleichen Systemgesetzen, weil sie den Baustein Individuum teilen, und weil halt Menschen auf eine bestimmte Weise funktionieren, die wir beschreiben können. Ein US-Präsident oder sonst ein Herrscher, das ist ebenfalls ein solcher Mensch, und genau wie Herr Stoll hat auch der Herr Trump eine Art, sich ein Weltmodell zu bauen und daraus den Sinn und den nächsten logischen Schritt abzuleiten. Worin sich diese Herren wesentlich unterscheiden und wo sie sich gleichen? Die ihnen funktional zur Verfügung stehende Macht. Jeder Mensch ist gefährlich. Übrigens sind als verrückt gelabelte Leute statistisch harmloser als sogenannte normale Leute – aber das nur nebenbei, und es könnte sich aus der Tatsache her ableiten, dass sie in unseren sozialen Systemen wenig funktionale Macht haben (arm und marginalisiert sind). Hm. An dem Punkt komme ich nicht drum herum – alle Reiche der Welt, egal wie groß oder klein, wurden irgendwann durch neue Machtkonstellationen aufgerollt und abgelöst. In der neuen Phase – dem neuen Regime – war dann die alte Welt und alles in dieser unverrückbar für sicher und feststehend geglaubte nur noch abwegiges Zeugs ohne Wert. Der alte Glaube (egal welchen Inhalts) hat im neuen Regime keinen Wert oder Sinn mehr. Regelhaft sammelt sich um alte und überholte Glaubenssysteme ein Widerstand gegen neue staatliche und gesellschaftliche Normen. Der Widerstand, das Festhalten an alten Werten, wird dann vom Regime bekämpft und verfolgt, weil er ein Hindernis auf dem Weg in die neue Zeit darstellt. Jedes neue sozio-ökonomische System hat in der Phase seiner Begründung ein sogenanntes Gründungsverbrechen – namentlich die Zerstörung der Lebensgrundlagen der alten Systeme und ihrer Angehörigen, so dass Überlebende gezwungen sind, sich zu assimilieren. Wer moralisierend daher kommt und meint, solche Dinge wie gewaltsame Veränderungen dürfe es nicht geben, der/die verkennt, wie Geschichte läuft. Ideen wie Demokratie, Aufklärung und Menschenrechte beispielsweise sind nicht das Ergebnis einer Einsicht auf Seiten der Adligen und Könige gewesen. Auch der Nationalsozialismus war nicht Ergebnis einer Einigung der Deutschen darauf, dass sie nun alle einen Führerstaat wollen – sondern wurde gewaltsam durchgesetzt. UdSSR, wurde bereits erwähnt. USA, Israel, das römische Reich, China … es lohnt, sich mal genauer anzusehen, wie sich solche sozioökonomischen Einheiten etablieren und entwickeln. Gleiches gilt für die Entstehung der Weltreligionen. Ich will das nicht zu sehr ausführen, weil stets die Befürworter einer solchen Einheit die eigene Gruppe gegen den Vorwurf verteidigen werden, sich von den anderen bezüglich der eingesetzten Mittel nicht zu unterscheiden. Lieber verweise ich auf das Ingroup-Outgroup-Paradigma und sozialpsychologische Grundlagenforschung. Eigene Gruppe, das sind definitionsgemäß die Guten, die sich nur gegen die anderen (die Bösen) verteidigen. Und falls es nirgends Gute gibt, bin ich halt der einzige Gute (und tue mein eigenes Böses aus mir heraus, indem ich mich zum Opfer der Anderen stilisiere). So funktioniert das ZNS, und natürlich sind das (formal betrachtet) Denkfehler und systemisch betrachtet Mechanismen, die uns als individuelle Wesen stabilisieren (was eine überlebenswichtige Funktion ist, denn wo es mißlingt, folgt Suizid oder dergleichen). So weit, so gut. Vermutlich habe ich nun alle Bögen gespannt und nach Ansicht mancher möglicher Kritiker auch überspannt. Also eine sanfte Landung anstreben, bevor sich jemand weh tut mit umher fliegenden Pfeilen. Wir Menschen, wir sind halt so, und wir können nicht anders sein. Was uns Frieden und Kooperation ermöglicht, ist nicht das Auffinden von Wahrheit, sondern unsere enormen Fähigkeiten, sich völlig widersprechende Dinge gleichzeitig zu glauben und kontextsensitiv anzuwenden in einer From, die sozial passend ist. Der Schlüssel dazu, sich passend zu verhalten, sind unsere Spiegel-Neurone – die uns ermöglichen, den emotionalen Zustand der anderen in uns zu modellieren, also Gefühle nach zu fühlen und daraus Vorhersagen zu generieren. In dem Moment, wo wir eine liebevolle Haltung einnehmen, können wir mit jedem anderen Wesen in eine un-kriegerische Situation gehen, was nicht gerade extrem hungrig ist (erst das Fressen, dann die Moral – daher ist hippiemäßiges Vibrieren kein Schutz vor hungrigen Bären). Auf individueller Ebene ist daher Frieden immer möglich. Was Gruppenprozesse mit großen Zahlen von involvierten menschen angeht, wird dieser Mechanismus vermutlich systematisch überfordert – und genau da bestehen die Herausforderungen hinsichtlich einer globalen Friedensordnung.

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Unmögliches Heimweh

Eine scheußlich starke Sehnsucht nach einem Ort, der nicht wirklich ein Ort ist, sondern jenseits von Raum und Zeit liegt, vermutlich eher ein Seelenzustand, eine tröstende Auflösung der Widersprüche, der Ruhepunkt. Ich glaube, ich habe das mal erlebt, kann mich aber nicht erinnern, wann und wo. Vielleicht war es eben noch da, nur jetzt scheint es weit weg zu sein. Sehnsuchtsorte, bedeutsame Erlebnisse, die zeitlich in meiner Existenz lange zurück liegen, wo es Sonne und Wind gab und viel freien Spielraum … solches flackert auf im Bewußtsein – und verabschiedet sich sofort wieder. Mir ist klar – ich kann da nicht hin, wo ich gerne wäre, und wenn doch, wäre das bessere dort immer noch nur hier und ich nur ich. Transzendenz ist eine Phantasie, und Seelenschmerz wohl auch. Das Bedürfnis, aus dem, was mir missfällt, hinaus zu treten, kommt mir dagegen sehr real vor.

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Fragen, Antworten, Synchronizität

Wie stets kommt eines zum anderen. Mit der Auflösung meiner Verbindungen mit dem korrupten System öffnet sich der Raum für neue Bewegungen. Ich brauche nicht mehr so zu tun, als wären meine Fähigkeiten innerhalb dieser Systeme sinnvoll verwendbar. Also stellt sich mir die Frage – wohin mit der freien Energie? Wenn ich darauf verzichte, den Feldzug gegen die Wackness weiter zu führen – was ursprünglich mein Plan war, und es juckt mich schon, angemessene Maßnahmen durchzuführen – dann könnte ich anderen Impulsen Raum geben. Vermutlich gesünder für mich. Passend zu der Frage stellten sich heute Ideen ein, was mögliche Wege wären. Drei längere Gespräche mit Leuten geführt, die auf ihre Art Ähnliches getan haben und tun, und daraus viel für mich gezogen. Resonanz. Im Grunde gibt es viele gute Wege, an Mut mangelt es mir nicht, aktuell aber an Entschlossenheit – alleine mag ich mich nicht mehr ins Getümmel stürzen, sondern ich suche nach Verbündeten. Das wurde allerdings als ein wahrscheinlicher Irrweg markiert, so wie zuvor der irrwitzige Versuch, innerhalb des Systems zu arbeiten; auch da war ich an sich gewarnt – und ich habe das Gefühl, dass es irgendwie schlau wäre, meine Muster nicht zu wiederholen. Bloß – weder komme ich da raus, noch kann ich darin bleiben, und nichts tun ist auch keine wirklich gute Option. Also variiere ich lediglich kleine Dinge. Und halte die Sinne wach und offen, um mir eine neue Gelegenheit zu schnappen. Das Scheitern gehört absolut dazu, und wenn schon sonst nichts anderes – darin bin ich mittlerweile ganz gut geworden. Vielleicht gelingt ja auch mal eine gemeinsame Arbeit, das wäre gerade durchaus hilfreich.

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Kleinste gemeinsame Nenner

Ich habe in letzter Zeit einige Versuche von Gemeinschaftsbildung begleitet bzw. bin da dabei gewesen. Und stellte fest – nicht mein Verein, die verbindende Klammer von geteilten Anliegen hält nicht zusammen, was an Gegeneinander ebenfalls vorhanden ist. Theoretisch sollte „ein Mensch sein“ bereits ausreichen. Praktisch sind Menschen alle verseucht durch menschenfeindliche Einstellungen und Verhaltensweisen. Wir machen uns viel zu oft gegenseitig kaputt. Ist das nun schade, traurig, änderbar, ein zu akzeptierendes Ding? Ich weiß es nicht.

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Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise

Kapitalismus ist ein System der privaten Kontrolle von Produktionsmitteln durch Eigentum. Unternehmen sind privater Besitz. Ihr Ziel ist es, Gewinn zu erzielen.

Damit aus einem Arbeitsprozess ein Profit entstehen kann, ist es erforderlich, Mehrwert zu generieren. Ein Produkt oder eine Dienstleistung wird wertvoller, weil aus den Ressourcen, die hinein gesteckt werden, durch Arbeit etwas gemacht wird, was am Markt mehr Geld einbringt, als die Ausgangsressourcen und der Herstellungs- bzw. Bereitstellungsprozess insgesamt kostet.

Der Mehrwert entsteht, weil Arbeit hinein gesteckt wird, und diese schafft den Mehrwert. Arbeit meint hier alle menschliche Anstrengung, also Körperkraft, Kreativität, Denkleistung, Prozesssteuerung.

Diesen grundlegenden Mechanismus hat Marx beschrieben. Und wer mag, kann sich daran versuchen, dieses Theorem zu widerlegen. Bloß – ich meine, das ist nicht möglich. Voraussetzung für Profit ist Mehrwert, und der wird durch Arbeit geschaffen.

Die bezahlte Arbeit geht uns aus – wovon sollen wir leben, woher kommt das Geld für den privaten Konsum?

Arbeit schafft Mehrwert. Allerdings ist das nicht notwendigerweise menschliche Arbeit: Durch Maschinen, die mit Strom oder Öl angetrieben werden, wurde Muskelkraft verdrängt. Eine Maschine hat viel mehr Kraft als ein Mensch, die außerdem billiger zu haben ist. Der notwendig menschliche Anteil – sich etwas ausdenken, Möglichkeiten nutzen, Ziele setzen, es organisieren, den Prozess steuern, spezielle Fertigkeiten und Arbeitstechniken, die situativ flexibel genutzt werden müssen, sprich Denken und Problemlösen – läßt sich bisher nicht automatisieren. Aber die Anteile, die früher Menschen erbracht haben, wo es um physische Kraft geht, die verschwinden praktisch gänzlich.

Wer sich eine Baustelle ansieht, erkennt sofort, was sich verändert hat – spezialisierte Teams von fünf Leuten für jede einzelne Aufgabe, insgesamt vielleicht 10 Firmen bzw. 50 Menschen – bauen unter Zuhilfenahme eines Maschinenparks (Kräne, Hebebühnen etc.) ein riesiges Parkhaus innerhalb von Wochen. Daran hätten in früheren Zeiten sicherlich hunderte Menschen sehr lange gearbeitet – nun geht so etwas sehr schnell und es werden sehr wenige Menschen benötigt. Die zusammengebauten Elemente selbst stammen arbeitsteilig aus anderen Produktionen – fertige Stahlträger, Betonblöcke etc. Desgleichen die Maschinen. Schnell geht es vor allem, weil nur zusammengebaut wird. Arbeitsteilung ist effizient.

Computer und Roboter heben diesen Prozess auf eine neue Stufe. Absehbar werden Produktionsvorgänge automatisiert und auch Dienstleistungen, da wo es machbar ist. Um zu produzieren, werden Menschen immer weniger gebraucht, jedenfalls im Rahmen von industrieller Massenproduktion.

Nun ist Lohnarbeit im Kapitalismus die Voraussetzung für privaten Konsum. Wer zu denen gehört, die ihre Arbeitskraft und ihre Fähigkeiten am Markt gegen Geld tauschen müssen, weil sie keine anderen Möglichkeiten der Erhaltung haben, kommt in die Situation, wo immer weniger Menschen als Arbeitskräfte benötigt werden – oder umgekehrt, wo viele Menschen für das System überflüssig werden. Gewinn machen mit immer weniger Menschen in Lohnarbeit, da stellt sich die Frage – wer soll die produzierten Waren und Dienstleistungen denn kaufen, und von welchem Geld?

Volkswirtschaftlich wirkt sich eine geringere Lohnarbeitsquote natürlich auf den Binnenkonsum negativ aus – weniger Geld an Arbeiter entspricht weniger Nachfrage nach Gütern. Die Lösung, die Deutschland gewählt hatte – Exporte – ist natürlich nicht nachhaltig, weil der gleiche Trend in jedem Land passiert. Also braucht es immer neue Export-Märkte. Letztlich ist der Planet natürlich endlich, es gibt also nicht unendlich neue Märkte zu erschließen.

Also: Automatisierung produziert billiger vs. Automatisierung reduziert die Auszahlung von Lohn und damit den Binnenkonsum. Alles kostet fast nichts mehr, bloß niemand kann es sich leisten.

Gute Arbeit ist zu teuer, deswegen gibt es nur noch immer schlechtere Arbeit

Zudem werden durch Einsparungen am Faktor Mensch die Arbeitsplätze schlechter – mehr Arbeit für weniger Geld unter schlechteren Bedingungen – so weit, wie es irgend geht, werden Kostenfaktoren gedrückt, das geht natürlich zulasten der Umwelt, der Gesundheit der Arbeiter*innen und letztlich zulasten der Gesellschhaft insgesamt.

Echte Nachhaltigkeit ist zu teuer für das System

Nur, wenn sie nicht praktiziert wird, ruinieren wir uns selbst und unsere Lebensbedingungen auf dem Planeten.

Wettbewerb und Monopole, Masse vs. Qualität

Kapitalismus ist effektiv, weil es Wettbewerb gibt. Wer billiger produziert, kann billiger verkaufen und drängt damit den weniger billigen Konkurrenten vom Markt. Dadurch ergibt sich ständiger Kostendruck. Alle Aspekte der kapitalistischen Produktionsweise werden immer darauf hin betrachtet, wo gespart werden kann.

Dadurch entsteht natürlich Uniformität von Produkten. Je mehr von einem Produkt in der gleichen Zeit und mit den gleichen Prduktionsweisen produziert werden kann, umso geringer die Kosten pro produziertem Teil. Und je größer der Markt – Stichwort Globalisierung – umso größere Stückzahlen können abgesetzt werden.

Logischerweise sind damit immer große Produzenten im Vorteil gegenüber kleinen, handwerklichen Betrieben. Was verschwindet, sind Produkte in kleiner Serie, und damit Diversifität. Etwas wird entweder massenhaft produziert oder gar nicht mehr bzw. ausschließlich für einen kleinen hochpreisigen Markt, eine Nische.

In der Folge entwickeln sich stets Monopole – und der Wettbewerb verschwindet. Diese Situation wird sich verschärfen. Zunehmend ist der Staat mit den Monopolen verbandelt und hat mit den Interessen der Allgemeinheit praktisch kaum noch zu tun. Das läßt sich gut studieren daran, wie Gesetze entstehen und wie stark der Einfluss von Lobbys darin ist.

Mehr, aber schlechtere Produkte

Auch die Qualität leidet. Es wird nur genau so gut qualitativ etwas gemacht, dass es gerade so besser ist als das Konkurrenz-Produkt, wobei wir sehen können, dass Qualität zunehmend geopfert wird zugunsten von Günstigkeit. Tendenziell werden Produkte also schlechter durch den Kostendruck.

Post-Nationalstaatlichkeit – der Wettbewerb um billigste Produktionsbedingungen. Konzerne, Antihumanismus und Autoritäre Regimes

Konzerne sind globale Player. Sie können alle einzelstaatlichen Regulatorien immer unterlaufen, indem sie an einem anderen Standort produzieren, der weniger Steuern nimmt, weniger Arbeitsschutz und weniger Auflagen in Bezug auf Ökologie stellt. Da Konzerne ausschließlich die Interessen der Anteilseigner verfolgen, sind sie immer desinteressiert an funktionierenden Gemeinwesen und Demokratie. Ein Staat ist für sie günstig, wenn er die Macht in möglichst wenigen Händen monopolisiert – denn nur die braucht der Konzern dann einzukaufen für seine Interessen. Dadurch begünstigen Konzerne das Entstehen von korrupten autoritären Systemen, die den Zugriff auf Ressourcen und Arbeitskraft billigstmöglich erreichbar machen.

Kapitalismus braucht offene Märkte – irgendwohin muss die wachsende Produktion ja abgesezt werden. Und Kapitalismus braucht offene Grenzen, denn er braucht einerseits Druck auf Arbeitslöhne (durch Arbeitskräfte aus ärmeren Regionen) und andererseits werden Spitzenkräfte gebraucht, da ist es wichtig, die besten Leute weltweit rekrutieren zu können. Problem dabei: Brain Drain. Gute gebildete Leute werden aus den Volkswirtschaften ärmerer Länder abgezogen, weil sie bessere Bedingungen in reicheren Ländern haben können. Beide Tendenzen sind im Rahmen von Globalisierung bechrieben worden. Der Widerstand von Nationalisten und Protektionisten gegen diese Trends bleibt wirkungslos, weil sie nicht über Mittel verfügen, den Konzernen wirkungsvoll Grenzen zu setzen. Dazu wäre kein einzelner Staat machtpolitisch in der Lage, und erst recht keine Volksbewegung irgend einer Art. Globalisierung läßt sich nicht stoppen, nur gestalten.

Gegenbewegungen wie die rechten Proteste und nationalistische Parteien können dieses Problem natürlich nicht lösen. Linke Ansätze – internationale Solidarität – scheitern bereits an der Tatsache, dass die Arbeits- und Lebensverhältnisse extrem unterschiedlich sind und dass es eine Hierachie der Privilegierung gibt, die jeder Solidarisierung zuwiderläuft. Niemand in den relativ reichen Ländern würde Wohlstand abgeben wollen und sich auf einem gemeinsamen Niveau begnügen wollen – was übrigens bei etwa 1000€ monatlich läge, wenn man schlicht das globale Wirtschaftsprodukt gleich auf alle 7 Milliarden Menchen verteilen würde. Wir alle im Westen sind Komplizen des Systems, seine Nutznießer. Auch die Armen hier sind besser dran als die anderswo, trotz aller Einschnitte in die Gesundheitsversorgung und generell die gesellschaftliche Infrastruktur ist es immer noch so viel besser hier – materiell betrachtet – als praktisch überall sonst. Was sozialen Zusammenhalt und Lebensglück angeht, ist das übrigens nicht unbedingt der Fall.

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Mein Leben ist nicht einfach – oder: Shit happens

Unendlich dankbar dafür, dass das Jobcenter sich endlich bewegt hat. Ich war zuvor etwa acht Mal vorstellig geworden bzw. habe vergeblich versucht, zu den für mich zuständigen Leuten vorzudringen. Beim letzten Besuch hat es dann endlich geklappt, dass sie mein Ersuchen um Hilfe nun wieder bearbeiten. Auch wenn es nur eine kleine Atempause ist: Zwei Monate sind nun vorläufig bewilligt. Vorläufig, denn die Sachbearbeiterin, die für mich zuständig ist, ist im Urlaub. Wenn sie zurück ist, werden meine finanziellen Verhältnisse erneut geprüft. Während ich faktisch oft gehungert und knappe 25 Kg verloren habe – was man schwer übersehen kann, wenn ich vor dir sitze – sind die Jobcenter-Leute weiter daran, anhand von Papieren zu prüfen, ob ich nicht vielleicht doch heimlich reich geworden bin als Selbstständiger. Wirklich wahr. Was sie sehen und hören, was ein Mensch ihnen sagt und wie der aussieht, das zählt für sie nicht – nur was geschrieben ist, gilt als existent. Für mich ist das eine krass absurde und irreale Situation, jedes Mal wieder. Absolut unmenschlich und entwürdigend. Drei Monate lang habe ich keine Unterstützung bekommen, weil mein WBA (Weiterbewilligungsantrag) aufgrund eines(!) fehlenden Papiers schlicht nicht bearbeitet wurdeLag daran, dass ich arbeite und zugleich Unterstützung bekomme, weil die Arbeit nur wenig Geld einbringt (eher gar keins). Ich muss aber eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen, und das sind so Angelegenheiten, von denen ich wirklich nichts verstehe. Geld und Finanzen und der Umgang damit – das ist definitiv nicht meine große Stärke. Eher bin ich total unfähig, ich verstehe regelmäßig nicht, was diese Papiere mir sagen wollen und was ich wo wie eintragen muss. Finde auch dauernd nicht die richtigen Unterlagen. Echt scheußlich. Und weil ich in allen möglichen Schwierigkeiten gleichzeitig gesteckt habe, war ich auch psychisch ziemlich angeschlagen. Eher nicht in einem Zustand, wo du effektiv Angelegenheiten gut regeln und geduldig und freundlich auftreten kannst. Drei Monate ohne Unterstützung – das war sehr schwierig, weil ich als sogenannter Aufstocker (Arbeit für kleines Geld und parallel Harz 4) praktisch nichts verdient habe in meiner Arbeit und weil zudem die Auszahlung meiner Honorare quartalsweise erfolgte, so dass ich – ohne selbst Geld zu haben – für alle meine Ausgaben in Vorleistung treten musste.Irgendwas muss ich essen, irgendwie muss ich halbwegs respektabel auf der Arbeit aussehen, und irgendwie muss ich auch hin- und zurück kommen. Mobilität ohne Geld – da war es gut, dass ich alles mit dem Rad machen konnte. Bloß halt auch sehr lebensgefährlich, in Köln in der Stadt mit dem Rad unterwegs zu sein. Hatte mehrere Unfälle, zwei Mal eine üble Gehirnerschütterung – Auto auf Fahrradweg, Autotüre . Und recht oft bin ich sehr knapp dem Tod von der Schippe gesprungen – so wie in „Taxi drängt mich in den Gegenverkehr ab“ und ähnliches. Das ist kein Vergnügen, in einer Autostadt ein Radfahrer zu sein. Ohne Geld kann man Rechnungen nicht bezahlen, dann kommen Mahnungen und alles wird noch mal sehr viel teurer – wodurch es immer unmöglicher wird, an der Geld-Front wieder eine ruhige Situation herzustellen. Man wird sehr schnell ruiniert und obdachlos in unserem angeblich so sozialen Land. Mein Stromversorger hat mir gekündigt, ich hätte beinahe meine Krankenversicherung verloren, und wenn nicht meine Eltern mir geholfen hätten, auch meine Wohnung und vermutlich meine Freiheit. Denn ich hatte Ärger und viel Papierkrieg, und immer wurde gegen mich entschieden und ich wurde und werde mit Zahlungsanforderungen zugebombt, dass es aus ist.

Anzeigen wegen Körperverletzung (die ich gestellt hatte bei zwei körperlichen Auseinandersetzungen) – eingestellt

Anzeigen, die ich gestellt habe gegen Leute, die mich geschlagen haben, wurden eingestellt. Brille kaputt, das ist zwei mal so gewesen, jeweils ins Gesicht geschlagen worden. Keinerlei Gerechtigkeit, kein Ausgleich dafür – offenbar ist das nicht wirklich illegal, mir eine rein zu hauen. Da fühle ich mich so richtig gut in unserem Rechtsstaat. Nebenbei bemerkt – einmal war es ein Wachpolizist, der mir, als ich mit Handschellen gefesselt auf der Wache war, ins Gesicht geschlagen hat. Acht andere Polizisten drum herum, und sie haben sich geweigert, eine Anzeige wegen Körperverletzung aufzunehmen. Ganz großes Kino. So gewinnt der Staat seine Bürger sicher für ein gutes Verhältnis zu den Ordnungskräften. Nicht. Schon die Sado-Maso-Nummer mit den Handschellen war dermaßen übel – Handschellen super schmerzhaft eng, und wegen nichts – ich hatte lediglich verbal protestiert gegen eine völlig überzogene Maßnahme. Ordnungswidrig geparkt. Und dann krasser Stress mit Polizei. Wieso? Ich hatte angeboten, den Wagen korrekt zu parken. Aber der Polizist meinte, ich röche nach Alkohol und er wolle einen Test machen. Dem habe ich nicht zugestimmt, und schon ging es total brutal zur Sache, als wäre ich ein Terrorist oder so was. Heftig. Habe ich nicht für möglich gehalten, nicht in Deutschland in 2017. Fühlte sich eher an wie irgendeine beliebige diktatorische Bananenrepublik, wie ein ganz schlechter Film oder wie Faschismus. Jedenfalls nicht wie korrekte Polizeiarbeit. Aber wie gesagt – eingestellt. Nix passiert, alles super. Anzeigen gegen mich – ich bin tatverdächtig und muss zahlen, damit eingestellt wird. Und wieso? Da, wo ich geschädigt wurde, gab es keine Zeugen für mich. Es hätte welche geben können, aber ich war jeweils nicht in der Lage, es zu organisieren, dass diese Leute tatsächlich aussagen bzw. ich deren Kontaktdaten überhaupt habe. Allein ist sowas sehr schwierig, zumal wenn du vollkommen geschockt und verletzt bist und gar nicht recht kapierst, was abgegangen ist. Solche Sachen machen auch was mit deiner Psyche, es dauert, bis du wieder balanciert bist und klar denken kannst. Da, wo Leute mich angezeigt haben, war es stets eine Gruppe, die gemeinsam gegen mich vorgegangen sind. Angeblich hätte ich sie genötigt. Und wenn es mehrere Zeugen gibt, ist etwas natürlich eher auch – juristisch gedacht – wirklich wahr. Ich kann – offenbar dank meiner psychischen Superkräfte – eine ganze Gruppe von Leuten zu etwas zwingen. Sehr plausibel. Schön wäre es, bloß: Ich besitze gar keine Superkräfte. Nicht mal so viel Körperkraft, dass ich sie hätte verhauen können. Und ich habe auch niemanden beleidigt oder gar physisch angegriffen. Nur eine Meinung habe ich vertreten, und das deutlich. Hm. Egal, vorbei, wieder was gelernt. Wenn ich mich mit Leuten verbal anlege, ist das schon zu viel. Praktisch ein Maulkorb. Fresse halten – oder du kriegst eine rein. Meinungsfreiheit? Nur, wenn du die Meinung der Masse teilst. Dann allerdings brauchst du auch gar nicht irgendwas zu sagen.

Ausbildungsvertrag für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie) wurde mir gekündigt

So ähnlich ist es mit meiner Arbeit gelaufen. Das lief nicht gut, ich habe mich sehr kritisch geäußert dazu, dass im Rahmen von Verhaltenstherapie-Ausbildung völlig unwissenschaftliche Methoden und Techniken verpflichtend auf dem Lehrplan stehen. “Hypno-Therapie” nennt sich das. Keine wissenschaftliche Evidenz. Man könnte auch sagen: Pure Esoterik. Ich habe dagegen protestiert. Ergebnis – sie haben mir die Ausbildung gekündigt, in die bereits tausende Euros geflossen sind und wo sie an meiner Arbeit sehr gut parasitär verdient haben. Begründung: Ich bin unzumutbar. Auch das ist ganz großes Kino. So geht Kritikfähigkeit. Nicht. Von wegen Psychotherapeuten verstehen Menschen – ich hatte derbe soziale Schwierigkeiten, und alles, was sie tun, ist mir die Arbeit noch zusätzlich schwer machen. Dann wage ich auch noch, das Maul aufzumachen gegen postfaktischen Bullshit. Nee – das geht nun wirklich zu weit. Also haben sie mich raus geworfen. Weil ich ein verrückter, unzumutbarer Hooligan bin. Hm. Gibt mir zu denken. Offenbar bin ich wirklich nicht kompatibel mit irgendwas. und über die Scheiße, die mich umgibt, rege ich mich zu viel auf. Das ist auf Dauer ungesund. Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Auf einen Berg ziehen und dort alleine in einer Hütte oder Höhle leben. Wäre mir sehr recht.

Übler Fahrrad-Unfall

Anfang Juni 2017 – vor 10 Tagen – hatte ich dann einen üblen Fahrradunfall, bei dem ich fünf Zähne verloren habe. An einer Stelle am Rhein, wo es einen Hügel runter geht, ein kleiner Fahrfehler. So schnell kann es gehen. Bin da schon tausend mal runter gefahren. Diesmal ging es schief. Beinahe umgefallen, das wieder in den Griff bekommen, aber dann mit Wucht mit dem Metallzaun kollidiert – und mit dem Oberkiefer gebremst. Autsch. Krankenhaus. Zahnsplitter raus operiert aus Orten, wo sowas nicht hin gehört, sehr blutige und unschöne Geschichte. Am nächsten Tag war dann mein geliebtes Nihola weg. Nur ein paar meiner Sachen lagen da zertreten rum, vom Rad – was wegen Bruch des Lenksystems und des linken vorderen Rades an sich nicht mehr zu bewegen war – keine Spur. Sehr wahrscheinlich haben es kräftige Leute über den Zaun gehoben und in den Rhein versenkt.
Traurige Reste, wo tags zuvor noch mein Rad stand.
Meine Vermutung geht dahin, dass es die Gruppe von ukrainisch-stämmigen Nazis war, denen ich (mit anderen zusammen) in der Nacht vorher auf der Buchheimer Straße begegnet war. Die wollten uns zusammen schlagen, wir sind aber dank der Fahrräder schnell abgehauen. Am nächsten Tag waren diese Leute als Gruppe am Rheinufer unterwegs am nachmittag – da trafen sie mich wieder, es waren aber zu viele Leute da und sie sind nur durch gezogen, ohne was zu machen außer bedrohlich gucken. Nun denke ich, kann gut sein, sie waren nachts noch mal da, und mein kaputtes Rad stand halt genau am Unfallort, zwar ab- aber nicht an den Zaun angeschlossen. Wollte ich natürlich machen, blöderweise ging nicht, es weil das Schloß zu kurz war. So war es leider für diese Gruppe – oder andere Täter, genau sagen kann man es ja nicht – leicht gewesen, sich an dem Rad zu vergreifen. Wäre aus meiner Sicht eine plausible Erklärung, dass es diese Leute waren. Weil – es braucht schon sehr viel Kraft, ein Lastenrad weg zu tragen oder hoch zu heben. Die Dinger sind ordentlich schwer – das schaffen zum Beispiel sinnlos destruktive Jugendliche eher nicht. Aber ist nur ein Verdacht, es war ja niemand da und keine Zeugen. Könnte also jeder gewesen sein. Manche meinen, es sei bestimmt gestohlen worden. Dafür hätte es aber einen Transporter gebraucht, und der hätte auch nicht ans Ufer gekonnt, also wäre es nötig gewesen, das Rad ein Stück weit zu tragen. Wer hätte das gekonnt und gemacht, zumal es auch eine Reparatur in einer dafür vorbereiteten Werkstatt noch gebraucht hätte, bevor ein Dieb damit etwas hätte verdienen können. Deswegen glaube ich das eher nicht. Einer meinte, er hätte das Rad am nächsten Tag in der Wallstraße vor dem Computer-Laden gesehen (allerdings von recht weit weg, könnte auch eine Fehlwahrnehmung gewesen sein). Gesucht habe ich danach natürlich, nur nichts gesehen und auch sonst hat keiner was davon mit gekriegt. Aber egal, was fott es es fott.
Keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich bin zwar verletzlich, aber zugleich unzerstörbar. Das ist einfach meine Haltung dazu – und irgendwie geht es schon weiter. Aufgaben kommt nicht in Frage. Eher werde ich härter und konsequenter durch solche Erfahrungen. Ein Mann geht seinen Weg. Was ihn nicht umbringt, macht ihn stark.
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Lebenswege (wie ein Mensch wird was er oder sie ist)

Was ich meine, wie die Welt ist, ist zwangsläufig das Ergebnis der eigenen Erfahrung. Kombiniert mit dem, was ich selbst-gesteuert dazu gelernt habe, seit ich Erwachsen bin.

Ich habe Psychologie studiert, lange und erfolgreich (was das Herausfinden von Dingen angeht), war danach Jahre lang weiter in Bildungsprozessen (Uni, Psychotherapeuten-Ausbildung, politische Arbeit) und bin ein eifriger Leser und Angelegenheiten-Recherchierer. Einfach, weil ich es wirklich wirklich wissen will. Das ist meine Passion. Wäre gerne ein Professor geworden.

Hier eine open source Zusammenfassung wesentlicher Erkenntnisse, hoffentlich nutzbar für andere und einigermaßen verständlich.

Es gibt keine Wahrnehmung von Dingen an sich, sondern unser Körper und insbesondere unsere Sinnes-Systeme machen aus einer Flut von Reizen in einem massiv parallelen Verarbeitungsprozess Muster höherer Ordnung – Abstraktionen.

Aus potentiell unendlich vielen Reizen filtern wir einen winzigen Teil heraus, der für uns Bedeutung trägt, weil er mit unseren Bedürfnissen zu tun hat. Das ist Lernen.

Diese bio-psycho-soziale Tatsache ist wesentlich, um zu verstehen, was Menschen sind. Durch Wissenschaft haben wir etwas darüber herausgefunden, wie wie Organismen funktionieren.

Wir wissen, dass das so und nicht anders ist, weil wir die Experimente, die es belegen, beliebig oft durchführen können – und immer kommt das gleiche dabei heraus. Was wissenschaftlich als Replizierbarkeit bezeichnet wird.

Natürlich sind alle menschlichen Tätigkeiten und Ergebnisse von Tätigkeiten, genau genommen alle Zustände – nicht mit Gewissheit dingfest zu machen, weil sie sich mir ja auch nur über die Sinneseindrücke vermitteln.

Mit diesen Fragen hat sich die Philosophie und die Psychologie auseinander gesetzt, solange es Menschen gibt. Bevor die wissenschaftliche Methode entwickelt wurde, war das das Feld der Religionen. Und natürlich sind alle menschlichen Dinge umkämpft, denn was für wahr oder für falsch zu halten ist, wird auf dem Feld bestimmt, was wir Gesellschaft und insbesondere auch Politik nennen.

Sehen ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Hören ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Sich bewegen, etwas tun, Sprechen, Denken, Lesen, Schreiben, soziale Interaktion – all das sind Fähigkeiten, die durch Lernen erst möglich sind. Und jedes Lernen setzt soziale Interaktion voraus. Es muss zwangsläufig ein Gegenüber da sein, damit Lernen passiert. Eine Situation, die eine Rückmeldung enthält.

Wir wissen dies, weil es bedauernswerte Fälle gab, wo Menschen depriviert wurden – eben kaum bis keine soziale Interaktion da war. Dann verzögert sich Entwicklung, oder sie findet nicht statt. Im Extremfall sterben Menschen, wenn sie keinen menschlichen Kontakt haben (Säuglinge, Babys, Kleinkinder).

Lernen ist im Kern folgendes: Auf einen wahrnehmbaren Reiz, der an und in unser System gelangt, folgt eine Zustandsänderung unseres Systems. Diese wird durch unser angeborenes Bewertungssystem – emotional und vegetativ – als positiv (Bedürfnisbefriedigung), neutral (macht weder etwas gutes noch etwas unangenehmes, daher irrelevant) oder schädigend (Schmerz, Hunger, Mangel, Not, unbefriedigtes Bedürfnis) eingestuft.

So lernen wir, was wir aufsuchen und was wir vermeiden. Quellen von Schädigung werden im Gedächtnis abgelegt, um diesen Schaden nicht noch einmal zu erleiden – begleitet von Angst, wenn etwas ähnliches uns wieder auf den Radar gerät. Quellen von Befriedigung werden gespeichert, damit wir sie aufsuchen und nutzen, falls sie in der Nähe sind. Interessant und bedeutsam sind natürlich auch Begleitumstände – wann, wo, wie riecht es, wie sieht es aus, wie hört es sich an, wie fühlt es sich an etc.

Wenn sich über viele Wiederholungen ein Muster einstellt – erst x, dann recht wahrscheinlich y – legen wir eine Verknüpfung an, eine Assoziation, eine Verbindung. Das passiert im Gehirn auf der Basis von Nervenzellen. Es ist ein psycho-biologischer Vorgang.

Während der frühen Kindheit ist alles verbunden. Da passiert zunächst mal folgendes: Verbindungen werden gestärkt, wo Muster gefunden werden, und sie werden abgebaut, wenn die Verbindungen keine Verstärkung bekommen. Ein Kinder-Gehirn hat das Potential, alles zu lernen – und reduziert das dann auf die Verbindungen, die benutzt werden. Sparsamkeit. Weil das so ist, gibt es Phasen, in denen Menschen sehr stark geprägt werden können. Daraus resultiert auch die enorme Empfindlichkeit und Verletzlichkeit von Kinder-Seelen und Kinder-Gehirnen, während später die Jugendlichen und Erwachsenen sehr viel weniger beeinflussbar sind.

Entwicklungspsychologie ist der Zweig der Psychologie, der sich mit den Fragen rund um die Ausformung der Psyche im Kindes- und Jugendalter beschäftigt. Da gibt es den Befund: Zu gewissen Zeiten werden bestimmte Aspekte der individuellen Persönlichkeit entwickelt in Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umgebung.

Dabei bauen Fähigkeiten und Entwicklungen aufeinander auf, so wie ein Tech Tree (Technik-Baum) in einem Computerspiel. Eines ist darin Voraussetzung für weiteres. Weil das so ist, dass Entwicklungen auf vorhergehenden Entwicklungen aufbauen, kann bei einer frühkindlichen Störung sehr viel von dem, was eigentlich folgen würde, nicht passieren – so entstehen massive psychische Störungen.

Grundlegend ist Bindung, gefolgt von Konflikten über Bindung vs. Autonomie. Sichere oder unsicher Bindung, das ist die erste und wichtigste Prägung im Leben. Werde ich geliebt, versorgt, beschützt? Was darf und muss ich für die Zukunft diesbezüglich erwarten?

Und dann: Darf ich ein eigenes Ich sein, darf ich etwas tun oder nicht, und was, und in welchen Grenzen? Wofür werde ich verstärkt (belohnt), wofür bestraft? Wann fällt etwas unangenehmes weg, wenn ich etwas bestimmtes tue (negative Verstärkung = Belohnung)? Die negative Verstärkung ist der wichtigste Mechanismus überhaupt.

Wenn alles ok ist, brauche ich gar nichts zu tun und bin zufrieden. Sobald Zeit vergeht, stellen sich Bedürfnisse ein. Es kommt Hunger und Durst, es kommt Kälte oder Hitze, es kommt Schmerz, es kommt Ausscheidungsbedürfnis. Dann wird es unangenehm, und ich bin veranlasst, etwas zu tun, was diesen unguten Zustand bessert, der als leidvoll empfunden wird. Wenn ich etwas tue und danach ist es besser, dann bekommt genau dieses Tun die Eigenschaft gut, bedeutsam, richtig. Es wird negativ verstärkt, verhaltenswissenschaftlich ausgedrückt. Nicht mit Bestrafung verwechseln – negative Verstärkung ist der Wegfall von etwas Unangenehmem.

Hunger/Durst, Kälte/Hitze, Schmerz – werde ich versorgt (gefüttert, gewärmt/gekühlt), wird Schmerz gelindert, werde ich getröstet? Bekommt überhaupt jemand mit, wie es mir hilflosem kleinen Wesen geht – und interessiert es jemanden? Das ist enorm wichtig, und hier werden Muster angelegt, die das ganze restliche Leben prägen.

Die Reinlichkeitserziehung macht ebenfalls einen starken und sehr unterschiedlichen Abdruck in der Psyche von Menschen, je nachdem, wie es diesem Menschen ergeht. Hier wird ein wesentlicher Parameter eingestellt – wie stark kontrolliert muss ich sein, wie sehr muss ich Bedürfnisse zurück halten. Was passiert, wenn ich das nicht schaffe, wenn ich schwach werde, laufen lasse, wenn Scheiße passiert? Kommt dann Hilfe, Strafe, gar nichts? Werde ich zart oder hart behandelt? Wie sauber muss ich sein, und wann muss ich das können? Kriege ich es hin – oder bin ich überfordert und offenbar ein Menschenkind, was es nie richtig macht? Auch hier werden grundsätzliche Erwartungsmuster geprägt, die lebenslang wirken.

Mit 2-4 Jahren sind diese Basis-Geschichten (laufen und Sprache verstehen und reden als Basis für soziale Interaktionen) zumeist gelernt. Dann kommt das Soziale – der Umgang mit anderen, die nicht die Eltern sind. Gleichaltrige, insbesondere. Und Tiere. Alles wird erkundet, und es wird nach Sprache verlangt. Auf alles wird gezeigt – wie heißt das, was ist das? Alles wird ausprobiert.

Bereits jetzt ist Geschlecht und Gender programmiert. Kinder erfahren, für was sie angesehen werden, was sie zu sein haben und wie. Ein Junge weint nicht. Ein Mädchen macht sowas nicht. Je nach biologischem Geschlecht werden Kinder komplett verschieden behandelt, angezogen, angeregt, ermutigt oder entmutigt, mit verschiedenen Erwartungen konfrontiert, denen sie entsprechen müssen. Weil Bindung überlebensnotwendig für Kinder ist, tun Kinder alles, was sie näher an ihre Eltern bringen kann – und vermeiden alles, was sie einem Liebesentzug aussetzt. Kinder geben sich große Mühe, zu gefallen. Wie leicht oder schwer das gelingt (wenn überhaupt) – auch das prägt unser Leben.

Dann kommt in unserer Gesellschaft die faktische Trennung von den Eltern. Das ist ein großer Schritt – in eine Bezugsgruppe zu wechseln, die für lange Zeit (oft die meiste wache Zeit des Tages) um dich herum ist. Kindergarten, das bedeutet: Auf sich allein gestellt. Nirgends die – mehr oder weniger – vertrauten Personen. Neue Vertrauenspersonen müssen mental angelegt werden, mit denen umzugehen ist. Neue Regeln, neue Muster, neue Lernerfahrungen. Was mehr oder minder gut gelingt. Unsicher gebundene Kinder und Kinder, die eigentlich noch nicht reif und bereit dazu sind, empfinden enorme Angst unter diesen Bedingungen. Was weitere Entwicklung massiv behindert. Angst ist schlecht für Lernen. Sie macht das System zu.

Manche finden Anschluß, manche sind isoliert. Ablehnung passiert – Kinder sind nicht gehemmt darin, aus Unterschieden Gründe für Anfeindung zu machen (eine soziale Fertigkeit). Und Kinder sind erst dabei, Empathie zu lernen (ein mentales Modell davon, wie sich etwas bei einem anderen anfühlt).

Generell ist die Fähigkeit zu sozialer Interaktion etwas Gelerntes und sich kontinuierlich Entwickelndes – sie benötigt Mentalisierungsfähigkeiten, also das Aufbauen eines Bildes oder Modells oder einer Simulation davon, wie andere sind, was sie denken, fühlen, wollen, wie sie sich vermutlich verhalten).

Diese Tatsachen stecken hinter Kinder sagen die Wahrheit (sie wissen nichts über soziale Konventionen) und Kinder sind grausam (sie können noch nicht gut empathisch reagieren).

Soziale Lernerfahrungen in der Zeit zwischen 3 und 6 prägen wesentlich unseren Selbstwert – eine Eigenschaft, die den Status in sozialen Gruppen beschreibt. Beliebt, unbeliebt. Schön, häßlich. Stark, schwach. Überlegen, unterlegen. Was wir in dieser Zeit an Rückmeldungen bekommen, prägt ebenfalls lebenslang. Und es liegt überwiegend in der Hand von Kindergärtnerinnen. Danach – in der Grundschule – von Lehrerinnen. Und in der Dynamik, die aus der sozialen Gruppe resultiert, aus deren Zusammensetzung und Kultur. Welche Verhaltensweisen werden belohnt – Zusammenarbeit, Konkurrenz, laut sein, brav sein?

Mit sechs Jahren sind Kinder oft recht rigide, was Regeln angeht. Was sie als Gesetz erkannt haben, das sollen alle genau so machen. So wird das gemacht, und nicht anders. Abweichungstoleranz eher so null, und sie ärgern sich, weil sie merken, dass sich doch sehr viele an gar nichts halten (auch die Erwachsenen nicht).

Am Ende der Grundschulzeit sind Menschen charakterlich bereits weitgehend geprägt, und die Bildung von Interessen ist ebenfalls mit 12 Jahren abgeschlossen. Was nicht angeregt wurde, kommt auch nicht mehr (mit hoher Wahrscheinlichkeit – ausgeschlossen ist es nie, dass neue Wege gesucht und beschritten werden).

Es folgt die soziale Selektion. Welche Schule wird nun besucht? Leistung ist ein Kriterium. Selbststeuerungsfähigkeit (soziale Anpassung) ist ein weiteres Kriterium. Beide Variablen stehen in engstem Zusammenhang mit dem sozialen Status, den die Herkunftsfamilie hat – Bildung, Einkommen und Besitz.

Wie gut die Mutter die Landessprache spricht, ist entscheidend für die Sprechfertigkeit des Kindes. Wie viel Geld in der Familie ist, bestimmt die Qualität der folgenden Ausbildung. Wichtig ist auch, wie viel Zeit die Mutter (oder die Eltern, wenn auch ein Vater da ist) mit dem Kind bzw. den kindern verbracht hat, und mit welcher Beziehungsqualität und Anregungsdichte diese Zeit gestaltet wurde.

Nach der Grundschule ist für die allermeisten der Lebensweg entschieden. Die absolut überwiegende Mehrheit bleibt in der Klasse und Schicht, in der sie geboren wurde. Entgegen den wohlfeilen Sprüchen von der Durchlässigkeit der Gesellschaft leben wir tatsächlich in einem Kasten-System. Wer das bezweifelt, möge sich soziologische Studien dazu zu Rate ziehen.

Und es kommt die Pubertät – die Geschlechtsreife zieht herauf, alles ändert sich durch die hormonelle Umstellung im Körper. In dieser Phase können junge Menschen eigentlich nicht beschult werden, weil ihr gesamtes System umgestellt wird. Trotzdem – und in direktem Widerspruch zu allen pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen über diese Vorgänge – werden genau zu diesem Zeitpunkt die Leistungsanforderungen erhöht. Der resultierende Stress macht die jungen Menschen natürlich wütend, zugleich werden sie mit ihrer totalen Machtlosigkeit konfrontiert. Man zeigt ihnen, wo der Hammer hängt. Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit. Eine Zwangsjacke.

Die von Haus aus gehemmten Menschen kommen später als andere in die Pubertät – auch das ein interessantes Phänomen. Und insgesamt verlängert sich die Phase der Abhängigkeit und Nicht-Autonomie in westlichen Ländern – das ist ein weltweiter Trend. Längeres lernen, weil komplexere Fähigkeiten in der Arbeitswelt gebraucht werden.

Für einfache, ausgeprägt männliche Männer wird es nun sehr schwer.

Die Tätigkeiten, die vor allem auf Körperkraft und Fitness aufbauen, sind durch Maschinen weitgehend ersetzt – wo es LKW gibt, braucht es keine Träger. Wo es Kräne gibt, braucht es sehr viel weniger Bauarbeiter. Strom und Benzin haben die Muskelkraft entwertet. Und – wo es Staat und Staatengemeinschaft gibt, wo der Krieg eingehegt wurde – und damit innerer und äußerer Frieden herrscht, so wie in Europa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges – da braucht es auch den Mann als Krieger nicht. Eher füllen die starken Männer mit dem hohen Testosteron-Spiegel die Gefängnisse, weil sie soziale Regeln schlechter lernen (eine Funktion des Geschlechtshormons!) und weil sie die Regeln häufiger brechen (95% der Gefängnis-Population sind Männer).

Für Frauen wird es ebenfalls sehr schwer. Einerseits ist biologisch die richtige Zeit, Kinder zu bekommen, zwischen 14 und 21 (ich bin nicht für Sex mit Kindern oder minderjährige Schwangerschaften!). Andererseits ist gesellschaftlich die Kindheit und die Jugend verlängert, es gibt mehr und länger zu lernen, und zudem eine Erwartung an die Frauen, dass sie sich selbst durch Lohnarbeit erhalten, statt dass die frühere Arbeitsteilung – sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, er um die Lohnarbeit – oder die noch frühere gemeinsame Feld- und Hausarbeit mehrerer Generationen auf gepachtetem oder eigenem Land noch möglich wäre.

Also verschieben Frauen, die aus der Mittel- oder Oberschicht stammen, das Kinderkriegen bis an oder über die Grenze von 30 Jahren. Biologisch ist das Bockmist, denn das erste Kind bekommen sollte vor 30 erfolgen, weil danach die Fertilität (wenn noch keines geboren wurde) steil abnimmt.

Unterschicht- und untere Mittelschicht-Frauen machen Kinder, aber haben dafür in der Regel einen Partner aus der gleichen Schicht, was bedeutet: Geringe Chance, ein gutes Einkommen zu erzielen, auch wenn beide Partner arbeiten. Dafür wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mann diese Konstellation verlassen – wie generell die Ehe durch eine Überlastung mit Anforderungen heute praktisch nicht mehr machbar ist. So kommen diese vielen, vielen allein erziehenden armen Frauen zustande. Die das biologisch richtige tun – und dafür gesellschaftlich abgestraft werden. Was dann die Kinder ausbaden dürfen.

Hier liegt der Grund, wieso sehr viele ganz normale Männer und Frauen heute arg unzufrieden sind – sie arbeiten sich den Arsch ab, erreichen dabei nichts, besitzen nichts und leben mit dem Gefühl, dass die Gesellschaft auf sie rein gar nichts gibt.

Betrachten wir die Einkommens- und Vermögensverteilung, dann liegen die Gründe dafür auf der Hand. Ich bin kein Soziologe, aber ich kann mit Lego-Steinen was basteln. und genau das habe ich getan.

Es gibt Statistiken, wer wie viel besitzt, und wie hoch das netto-Einkommen für bestimmte Bevölkerungssegmente ist. Diese Statistiken sind frei zugänglich. Sie tauchen in der einen oder anderen Form immer mal in der Zeitung oder im TV (was ich praktisch nicht nutze, lieber lese ich oder sitze am PC) auf, und das statistische Bundesamt macht es möglich, sich vieles anhand der offiziellen Zahlen anzusehen.

Interessant an den Statistiken ist vor allem eines: Sie werden immer komplett unanschaulich präsentiert. Das wollte ich für mich selbst ändern – daher das Experiment, die Gesellschaft bezogen auf Einkommen mal nach zu bauen – als Lego-Modell. Hier das Ergebnis:

Brutal vereinfacht: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten. Wem gehört Deutschland?

Die mittlere Säule – das sind Menschen. Wie viele in welcher Höhe Einkommen erzielen, ist durch das Volumen der Säule und die jeweilige Höhe angenähert. Es geht immer um das Einkommen einzelner Personen. Unter 1420€ netto liegen braun (Einkommen knapp über Harz 4) und schwarz (Harz 4). Das ist ein Drittel der Bevölkerung. Darüber die Mittelschicht (rot) mit einem Einkommen von 1420€ bis 2660€ netto. Das ist die Hälfte der Bevölkerung. Hier werden die Wahlen entschieden. Zusammen machen diese Schichten 80% der Bevölkerung aus.

Neben der zentralen Säule sind die Vermögen abgebildet. Ich habe leider gerade die Prozentwerte nicht mehr parat – es gibt aber einen separaten Blog-Eintrag (nämlich, als ich das Ding gebastelt habe), wo es genau drin steht, was wie wieso warum wie viel.

Hier nur der Hinweis: Die Schwarzen besitzen ein Legosteinchen, die Braunen 2. Erst ab der Mittelschicht (rot) gibt es was zu verlieren – sie haben etwa 16%. Besitz – wie Häuser oder Fabriken – findet sich dagegen zumeist bei den Top-20% der Bevölkerung, die 80% des Vermögens besitzen.

Das sind die Leute aus der oberen Mittelschicht (grün, Bildungsbürgertum – die Leute, die es gut meinen und die nicht wissen, wie gut und privilegiert sie es eigentlich haben) und aus der Oberschicht (gelb, hellgrün – die Liberalen-Wähler, Leistungsträger etc.).

Hier wird die Gesellschaft zum Turm – tatsächlich ist er sehr viel höher und spitzer, nur ist das mit Lego nicht machbar gewesen. Die Millionäre sind hier viel mehr (ihre Anzahl ist kleiner als ein Klötzchen) und viel näher am Rest dran, als es tatsächlich der Fall wäre bei einem besseren (genaueren) Modell.

Ich vereinfache mal brutal: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten, darunter 1% Weltbesitzer.

Und gerade wurde in NRW wieder mal die Reaktion (CDU/FDP) gewählt – da wird Sozialabbau und Privatisierung und Studiengebühren gemacht, wodurch die Geschichte sicher weiter schlimmer werden wird.

 

 

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Macht, Gewalt und Schmerz (Erziehung)

Viele Leute haben ein gespaltenes Verhältnis zu Gewalt. Ich auch. Macht und Gewalt, das ist letztlich das Gleiche.

Die beste Definition, die mir bisher unterkam: Macht ist die Fähigkeit, Schmerz zuzufügen. Findet sich bei Orwell im visionären Buch 1984 (was absolut alle Menschen gelesen haben sollten – denn es beschreibt exakt das, was gerade weltweit passiert). Die Definition von Macht als Fähigkeit, Schmerz zuzufügen, findet sich im Rahmen der Handlung dort, wo der Protagonist des Buches in der Folterkammer mißhandelt wird – namentlich dem Raum 101, wo alle Menschen auf das treffen, was sie am meisten fürchten.

Ziel von offener Gewalt ist es zumeist, sich überflüssig zu machen durch eine schmerzhafte Lernerfahrung. Danach hat das Gewaltopfer gelernt – ich kriege auf die Fresse, wenn ich mich nicht unterordne.

Diese Form von Gewalt – regelhaft praktiziert vom Gewaltmonopolisten – finden wir gleichzeitig schlecht und bejahen sie als Notwendigkeit.

Gewöhnlich werden wir uns der Widersprüche in uns selbst (nicht nur bezogen auf Gewalt) kaum bis gar nicht bewußt, weil unser Gehirn nach dem Prinzip arbeitet, Widersprüchlichkeit und daraus resultierende unangenehme Spannungszustände zu vermeiden und zu reduzieren. Angestrebt wird eine Balance, ein ausgeglichener Zustand, ein positives Selbstbild.

Wir wären gerne gut, und weil wir es nicht sind, schieben wir die unguten Anteile weg und verschieben sie auf andere – auf ein böses Außen, auf Fremde, auf Feinde etc.

Dieses Prinzip wurde unter vielen Namen in der Psychologie ausgeleuchtet.

Die unangenehme Spannung heißt zum Beispiel in der wissenschaftlichen Psychologie kognitive Dissonanz. Gut belegt – das Hirn will diese Dissonanz reduzieren. Wenn das gelingt, stellt sich eine Erleichterung ein, die als belohnend und angenehm erlebt wird. Deswegen ist es eine Entlastung, wenn ein Feindbild angenommen wird. Die Bösen sind die anderen.

Nun bleibt es nicht aus, dass im Leben Situationen der Konkurrenz und der Feindschaft auftreten. „Mein Schäufelchen – nein, meins!“.

Für beide Individuen ist natürlich das eigene Fühlen und Denken zugänglich, dass der anderen Person dagegen wird im Kopf simuliert auf der Basis von Vermutungen und Erwartungen. Es folgt eine Abwägung – kann ich mich hier durchsetzen? Was wird passieren? Und es passieren frühe Lernerfahrungen, die das ganze Leben prägen. Bin ich stark oder schwach? Bin ich im Recht oder im Unrecht? Bin ich geschützt – jemand hilft, wenn meine Rechte verletzt werden – oder bin ich hilflos ausgeliefert? Aus diesen Mustern, die sich in der Kindheit etablieren, kommen wir später nie wieder wirklich raus, jedenfalls nicht, was die Gefühle angeht.

Niemand ist gerne Opfer, wenn es um Gewalt geht. Macht erfolgreich ausüben – das ist schön. Aber es wird auch bestraft (sanktioniert), wenn die Gewalt gegen die Regeln ist.

Hier beginnt die Zerrissenheit. Kindern wird im Kindergarten gesagt: Du darfst nicht schlagen. Das ist eine Regel, und die wird mit Macht durchgesetzt. Bloß – was sie auch lernen MÜSSEN – wenn du dich nicht mit Gewalt behauptest, bist du verloren, denn die Erwachsenen sind nicht immer da als Schutz und Sicherheit, und andere Kinder sind zum Beispiel vom Temperament her sehr viel weniger regel-konform, nutzen Schläge also freimütig. Also wird vom kind erwartet, zu lernen, wann es mit wie viel oder wie wenig Gewalt wie gut durch kommt.

Und der Aspekt, den wir gerne nicht sehen wollen: Die Erzieherinnen verwenden andauernd Gewalt, sie strafen psychisch und physisch – was gerne abgeleugnet wird, aber mein Sohn hat es mir berichtet – zwicken, boxen, schmerzhaft fest greifen, herumziehen, einsperren, anschreien, beschämen, ausgrenzen, schikanieren, gezielt nicht helfen bei Situationen der Hilfsbedürftigkeit wie dem Klo-Gang etc. Vorschule, Schule, da ist es ähnlich.

Und natürlich verwenden Eltern viele Formen von Gewalt und Machtausübung. Erziehung ist leider nicht nur Lernen am Model (gutes Vorbild bzw. schlechtes Vorbild), sondern regelhaft ist sie gewaltförmig.

Wie sollte das auch anders sein? Einem Kind kannst du nicht argumentativ begründen, warum es besser sein soll, in die Kita zu gehen, als zuhause zu spielen. Wenn es nicht will, aber du zur Arbeit musst – dann zwingst du dein Kind, eben weil du selbst auch unter Zwang (Zeitdruck, Arbeitszwang, sogenannte Verantwortung) stehst.

Während ich das schreibe, höre ich eine Nachbarin im Treppenhaus, wie sie ihr Kind anschreit und zurechtweist. Es tut mir weh, und das Kind und die Mutter tun mir leid.

Eltern können nur sehr bedingt etwas dafür. Sie machen das ja nicht gerne. Sage ich was dazu, wenn ich so etwas sehe wie Mutter schlägt Kind, dann gibt es eine zornige aggressive Abwehr, die klar das zugrunde liegende Schuldgefühl offenbart.

Ein häufig vorgebrachtes Pseudo-Argument in diesem Zusammenhang: Ich schlage nicht. Also erziehe ich gewaltfrei. Damit fühlen sich Mittelklasse-Eltern den Proleten aus der Unterschicht moralisch überlegen. Leider stimmt das nicht.

Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass die FORM der Gewalt keine Rolle spielt für ein Gehirn. Der Schmerz – und damit die bleibende Programmierung, der psychische Schaden, das Trauma – ist genau gleich, egal ob psychisch, physisch oder beide Formen der Gewalt eingesetzt werden. Wer schreit, schimpft, psychisch Machtmittel benutzt, ist nicht gewaltfrei.

Möglicherweise – aber das wird sicher mißverstanden, trotzdem schreibe ich den Gedanken auf – ist eine Bestrafung physisch besser, denn sie ist ein körperlicher Kontakt von kurzer Dauer. Hintergrund: Strafe nutzt nur, wenn sie unmittelbar dem zu strafenden Verhalten zeitlich folgt. Sie muss eindeutig sein – weil sonst das Gehirn alle Verhaltensweisen hemmt, die rund um die Bestrafung aufgetreten sind. Strafe darf auch nur selten erfolgen, sonst passiert Gewöhnung, und die Strafe wird wirkungslos. Deswegen ist Schimpfen oft so dermaßen ohne Effekt. Auch wichtig zu wissen: Ein Teil der Menschen reagiert ÜBERHAUPT NICHT auf Bestrafung, egal wie hart. Und alle Menschen lernen nur dann wirklich etwas, wenn es Belohnung gibt – nur dadurch wird aktives Verhalten langfristig und beständig geprägt. Passivität (Angst, letztlich Depression) dagegen wird durch psychische Mißhandlungen gebahnt.

Nach diesem Ausflug in die Grundlagen der Psychologie kurz rekapituliert: Die Standardeinstellungen – was Leute sagen, dass sie für richtig halten. Es geht jeweils um Macht und Gewalt.

  1. Gewalt – definiert als verletzen, schlagen, töten – ist moralisch falsch.
  2. Kinder müssen Regeln lernen durch Erziehung. Man mus sie zwingen.
  3. Man darf und muss sich selbst behaupten. Das müssen Kinder lernen. Sie dürfen sich aber nur gegen andere auf gleicher oder niederer Hierarchie-Ebene durchsetzen – nicht etwa gegen Erwachsene.
  4. Ohne Staat und Polizei könnte eine Gesellschaft nicht existieren. Sie schützen die Institutionen Familie, Schule, Arbeitsplatz, Privateigentum etc.

Und noch mal der Hinweis – bei den meisten Konflikten geht es um wem gehört was und wer darf bestimmen.

Das ist deswegen wichtig, weil es die gesellschaftliche Dimension aufzeigt. Eigentum und Machtverhältnisse sind in unserer Gesellschaft ja weder zufällig noch durch eine gemeinsame Übereinkunft (Konsens) bestimmt. Sondern es haben welche Besitz, weil sie aus einer Familie mit Besitz kommen. Kinder haben, was Eltern ihnen geben (können). Und es haben welche Macht, weil sie in sozialen Rollen sind, die letztlich die vorher Mächtigen (der Staat und die Besitzenden) definiert und als Posten an von ihnen ausgewählte Personen vergeben haben.

Nun der Kernpunkt meiner Ausführung: Überall ist Gewalt. Die von oben nach unten wird für legitim erklärt, die von unten nach oben wird bestraft und kriminalisiert. Alle sind Opfer von Gewalt, und alle sind Täter. Was jeden Tag passiert, verletzt uns alle. Die Kinder heute tun es morgen ihren Kumpels und in der Zukunft den eigenen Kindern an. Und wir sind die Kinder von neulich, denen Gewalt angetan wurde.

Wofür das alles? Weil wir nicht frei sind, sondern arbeiten und profitabel sein müssen. Nennt sich Kapitalismus. Die Zurichtung von Menschen auf diesen Zweck bedingt die enorme verdeckte Gewalt in der Gesellschaft. Je mehr Konkurrenz, umso härter die Zurichtung. Das Spiel Alle gegen Alle ist kein Spiel, sondern es macht uns alle kaputt.

 

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Allen Kindern beide Eltern (Demo Köln 10. Juni 2017)

Zum dritten Mal veranstaltet der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. die Demo „Allen Kindern beide Eltern„.

Getreu dem Kölschen Grundgesetz „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht, ist Tradition; was dreimal geschieht, ist Brauchtum“ schaffen wir damit ein Brauchtum, also eine Veranstaltung, die ständig wiederkehren soll.

Väter fordern das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht ab Geburt, gleichberechtigter Ansprechpartner in Erziehungsfragen zu sein – und mehr Zeit mit den Kindern.

Dafür gehen wir auf die Straße und kämpfen für unsere Rechte, denn Väterrechte sind Kinderrechte!

Allen Kindern BEIDE Eltern!

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Spendenkonto:
VafK Köln e.V.
Sparkasse KölnBonn
BIC COLSDE33 – IBAN DE 95 370 501 98 19 318 812 60
Verwendungszweck: Demo 2017

Väter haben es satt, als Unterhaltspreller und Rabenväter dargestellt zu werden. Die perverse Aktion von Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Manuela Schwesig hat nicht der SPD geholfen, sondern uns.

Zeigt der Öffentlichkeit, dass wir ein starkes Team sind, kommt alle – und wer kann, bringt Flyer, Plakate, Infomaterial und alles mit, was auffällt.

Unsere Demo der gesamten Väterbewegung am 10.06.2017 soll bunt und laut werden!

https://www.youtube.com/watch?v=eBoJ7InMD5M

Veranstalter:
VAfK Kreisverein Köln
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