Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise

Kapitalismus ist ein System der privaten Kontrolle von Produktionsmitteln durch Eigentum. Unternehmen sind privater Besitz. Ihr Ziel ist es, Gewinn zu erzielen.

Damit aus einem Arbeitsprozess ein Profit entstehen kann, ist es erforderlich, Mehrwert zu generieren. Ein Produkt oder eine Dienstleistung wird wertvoller, weil aus den Ressourcen, die hinein gesteckt werden, durch Arbeit etwas gemacht wird, was am Markt mehr Geld einbringt, als die Ausgangsressourcen und der Herstellungs- bzw. Bereitstellungsprozess insgesamt kostet.

Der Mehrwert entsteht, weil Arbeit hinein gesteckt wird, und diese schafft den Mehrwert. Arbeit meint hier alle menschliche Anstrengung, also Körperkraft, Kreativität, Denkleistung, Prozesssteuerung.

Diesen grundlegenden Mechanismus hat Marx beschrieben. Und wer mag, kann sich daran versuchen, dieses Theorem zu widerlegen. Bloß – ich meine, das ist nicht möglich. Voraussetzung für Profit ist Mehrwert, und der wird durch Arbeit geschaffen.

Die bezahlte Arbeit geht uns aus – wovon sollen wir leben, woher kommt das Geld für den privaten Konsum?

Arbeit schafft Mehrwert. Allerdings ist das nicht notwendigerweise menschliche Arbeit: Durch Maschinen, die mit Strom oder Öl angetrieben werden, wurde Muskelkraft verdrängt. Eine Maschine hat viel mehr Kraft als ein Mensch, die außerdem billiger zu haben ist. Der notwendig menschliche Anteil – sich etwas ausdenken, Möglichkeiten nutzen, Ziele setzen, es organisieren, den Prozess steuern, spezielle Fertigkeiten und Arbeitstechniken, die situativ flexibel genutzt werden müssen, sprich Denken und Problemlösen – läßt sich bisher nicht automatisieren. Aber die Anteile, die früher Menschen erbracht haben, wo es um physische Kraft geht, die verschwinden praktisch gänzlich.

Wer sich eine Baustelle ansieht, erkennt sofort, was sich verändert hat – spezialisierte Teams von fünf Leuten für jede einzelne Aufgabe, insgesamt vielleicht 10 Firmen bzw. 50 Menschen – bauen unter Zuhilfenahme eines Maschinenparks (Kräne, Hebebühnen etc.) ein riesiges Parkhaus innerhalb von Wochen. Daran hätten in früheren Zeiten sicherlich hunderte Menschen sehr lange gearbeitet – nun geht so etwas sehr schnell und es werden sehr wenige Menschen benötigt. Die zusammengebauten Elemente selbst stammen arbeitsteilig aus anderen Produktionen – fertige Stahlträger, Betonblöcke etc. Desgleichen die Maschinen. Schnell geht es vor allem, weil nur zusammengebaut wird. Arbeitsteilung ist effizient.

Computer und Roboter heben diesen Prozess auf eine neue Stufe. Absehbar werden Produktionsvorgänge automatisiert und auch Dienstleistungen, da wo es machbar ist. Um zu produzieren, werden Menschen immer weniger gebraucht, jedenfalls im Rahmen von industrieller Massenproduktion.

Nun ist Lohnarbeit im Kapitalismus die Voraussetzung für privaten Konsum. Wer zu denen gehört, die ihre Arbeitskraft und ihre Fähigkeiten am Markt gegen Geld tauschen müssen, weil sie keine anderen Möglichkeiten der Erhaltung haben, kommt in die Situation, wo immer weniger Menschen als Arbeitskräfte benötigt werden – oder umgekehrt, wo viele Menschen für das System überflüssig werden. Gewinn machen mit immer weniger Menschen in Lohnarbeit, da stellt sich die Frage – wer soll die produzierten Waren und Dienstleistungen denn kaufen, und von welchem Geld?

Volkswirtschaftlich wirkt sich eine geringere Lohnarbeitsquote natürlich auf den Binnenkonsum negativ aus – weniger Geld an Arbeiter entspricht weniger Nachfrage nach Gütern. Die Lösung, die Deutschland gewählt hatte – Exporte – ist natürlich nicht nachhaltig, weil der gleiche Trend in jedem Land passiert. Also braucht es immer neue Export-Märkte. Letztlich ist der Planet natürlich endlich, es gibt also nicht unendlich neue Märkte zu erschließen.

Also: Automatisierung produziert billiger vs. Automatisierung reduziert die Auszahlung von Lohn und damit den Binnenkonsum. Alles kostet fast nichts mehr, bloß niemand kann es sich leisten.

Gute Arbeit ist zu teuer, deswegen gibt es nur noch immer schlechtere Arbeit

Zudem werden durch Einsparungen am Faktor Mensch die Arbeitsplätze schlechter – mehr Arbeit für weniger Geld unter schlechteren Bedingungen – so weit, wie es irgend geht, werden Kostenfaktoren gedrückt, das geht natürlich zulasten der Umwelt, der Gesundheit der Arbeiter*innen und letztlich zulasten der Gesellschhaft insgesamt.

Echte Nachhaltigkeit ist zu teuer für das System

Nur, wenn sie nicht praktiziert wird, ruinieren wir uns selbst und unsere Lebensbedingungen auf dem Planeten.

Wettbewerb und Monopole, Masse vs. Qualität

Kapitalismus ist effektiv, weil es Wettbewerb gibt. Wer billiger produziert, kann billiger verkaufen und drängt damit den weniger billigen Konkurrenten vom Markt. Dadurch ergibt sich ständiger Kostendruck. Alle Aspekte der kapitalistischen Produktionsweise werden immer darauf hin betrachtet, wo gespart werden kann.

Dadurch entsteht natürlich Uniformität von Produkten. Je mehr von einem Produkt in der gleichen Zeit und mit den gleichen Prduktionsweisen produziert werden kann, umso geringer die Kosten pro produziertem Teil. Und je größer der Markt – Stichwort Globalisierung – umso größere Stückzahlen können abgesetzt werden.

Logischerweise sind damit immer große Produzenten im Vorteil gegenüber kleinen, handwerklichen Betrieben. Was verschwindet, sind Produkte in kleiner Serie, und damit Diversifität. Etwas wird entweder massenhaft produziert oder gar nicht mehr bzw. ausschließlich für einen kleinen hochpreisigen Markt, eine Nische.

In der Folge entwickeln sich stets Monopole – und der Wettbewerb verschwindet. Diese Situation wird sich verschärfen. Zunehmend ist der Staat mit den Monopolen verbandelt und hat mit den Interessen der Allgemeinheit praktisch kaum noch zu tun. Das läßt sich gut studieren daran, wie Gesetze entstehen und wie stark der Einfluss von Lobbys darin ist.

Mehr, aber schlechtere Produkte

Auch die Qualität leidet. Es wird nur genau so gut qualitativ etwas gemacht, dass es gerade so besser ist als das Konkurrenz-Produkt, wobei wir sehen können, dass Qualität zunehmend geopfert wird zugunsten von Günstigkeit. Tendenziell werden Produkte also schlechter durch den Kostendruck.

Post-Nationalstaatlichkeit – der Wettbewerb um billigste Produktionsbedingungen. Konzerne, Antihumanismus und Autoritäre Regimes

Konzerne sind globale Player. Sie können alle einzelstaatlichen Regulatorien immer unterlaufen, indem sie an einem anderen Standort produzieren, der weniger Steuern nimmt, weniger Arbeitsschutz und weniger Auflagen in Bezug auf Ökologie stellt. Da Konzerne ausschließlich die Interessen der Anteilseigner verfolgen, sind sie immer desinteressiert an funktionierenden Gemeinwesen und Demokratie. Ein Staat ist für sie günstig, wenn er die Macht in möglichst wenigen Händen monopolisiert – denn nur die braucht der Konzern dann einzukaufen für seine Interessen. Dadurch begünstigen Konzerne das Entstehen von korrupten autoritären Systemen, die den Zugriff auf Ressourcen und Arbeitskraft billigstmöglich erreichbar machen.

Kapitalismus braucht offene Märkte – irgendwohin muss die wachsende Produktion ja abgesezt werden. Und Kapitalismus braucht offene Grenzen, denn er braucht einerseits Druck auf Arbeitslöhne (durch Arbeitskräfte aus ärmeren Regionen) und andererseits werden Spitzenkräfte gebraucht, da ist es wichtig, die besten Leute weltweit rekrutieren zu können. Problem dabei: Brain Drain. Gute gebildete Leute werden aus den Volkswirtschaften ärmerer Länder abgezogen, weil sie bessere Bedingungen in reicheren Ländern haben können. Beide Tendenzen sind im Rahmen von Globalisierung bechrieben worden. Der Widerstand von Nationalisten und Protektionisten gegen diese Trends bleibt wirkungslos, weil sie nicht über Mittel verfügen, den Konzernen wirkungsvoll Grenzen zu setzen. Dazu wäre kein einzelner Staat machtpolitisch in der Lage, und erst recht keine Volksbewegung irgend einer Art. Globalisierung läßt sich nicht stoppen, nur gestalten.

Gegenbewegungen wie die rechten Proteste und nationalistische Parteien können dieses Problem natürlich nicht lösen. Linke Ansätze – internationale Solidarität – scheitern bereits an der Tatsache, dass die Arbeits- und Lebensverhältnisse extrem unterschiedlich sind und dass es eine Hierachie der Privilegierung gibt, die jeder Solidarisierung zuwiderläuft. Niemand in den relativ reichen Ländern würde Wohlstand abgeben wollen und sich auf einem gemeinsamen Niveau begnügen wollen – was übrigens bei etwa 1000€ monatlich läge, wenn man schlicht das globale Wirtschaftsprodukt gleich auf alle 7 Milliarden Menchen verteilen würde. Wir alle im Westen sind Komplizen des Systems, seine Nutznießer. Auch die Armen hier sind besser dran als die anderswo, trotz aller Einschnitte in die Gesundheitsversorgung und generell die gesellschaftliche Infrastruktur ist es immer noch so viel besser hier – materiell betrachtet – als praktisch überall sonst. Was sozialen Zusammenhalt und Lebensglück angeht, ist das übrigens nicht unbedingt der Fall.

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