Mein Leben ist nicht einfach – oder: Shit happens

Unendlich dankbar dafür, dass das Jobcenter sich endlich bewegt hat. Ich war zuvor etwa acht Mal vorstellig geworden bzw. habe vergeblich versucht, zu den für mich zuständigen Leuten vorzudringen. Beim letzten Besuch hat es dann endlich geklappt, dass sie mein Ersuchen um Hilfe nun wieder bearbeiten. Auch wenn es nur eine kleine Atempause ist: Zwei Monate sind nun vorläufig bewilligt. Vorläufig, denn die Sachbearbeiterin, die für mich zuständig ist, ist im Urlaub. Wenn sie zurück ist, werden meine finanziellen Verhältnisse erneut geprüft. Während ich faktisch oft gehungert und knappe 25 Kg verloren habe – was man schwer übersehen kann, wenn ich vor dir sitze – sind die Jobcenter-Leute weiter daran, anhand von Papieren zu prüfen, ob ich nicht vielleicht doch heimlich reich geworden bin als Selbstständiger. Wirklich wahr. Was sie sehen und hören, was ein Mensch ihnen sagt und wie der aussieht, das zählt für sie nicht – nur was geschrieben ist, gilt als existent. Für mich ist das eine krass absurde und irreale Situation, jedes Mal wieder. Absolut unmenschlich und entwürdigend. Drei Monate lang habe ich keine Unterstützung bekommen, weil mein WBA (Weiterbewilligungsantrag) aufgrund eines(!) fehlenden Papiers schlicht nicht bearbeitet wurdeLag daran, dass ich arbeite und zugleich Unterstützung bekomme, weil die Arbeit nur wenig Geld einbringt (eher gar keins). Ich muss aber eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen, und das sind so Angelegenheiten, von denen ich wirklich nichts verstehe. Geld und Finanzen und der Umgang damit – das ist definitiv nicht meine große Stärke. Eher bin ich total unfähig, ich verstehe regelmäßig nicht, was diese Papiere mir sagen wollen und was ich wo wie eintragen muss. Finde auch dauernd nicht die richtigen Unterlagen. Echt scheußlich. Und weil ich in allen möglichen Schwierigkeiten gleichzeitig gesteckt habe, war ich auch psychisch ziemlich angeschlagen. Eher nicht in einem Zustand, wo du effektiv Angelegenheiten gut regeln und geduldig und freundlich auftreten kannst. Drei Monate ohne Unterstützung – das war sehr schwierig, weil ich als sogenannter Aufstocker (Arbeit für kleines Geld und parallel Harz 4) praktisch nichts verdient habe in meiner Arbeit und weil zudem die Auszahlung meiner Honorare quartalsweise erfolgte, so dass ich – ohne selbst Geld zu haben – für alle meine Ausgaben in Vorleistung treten musste.Irgendwas muss ich essen, irgendwie muss ich halbwegs respektabel auf der Arbeit aussehen, und irgendwie muss ich auch hin- und zurück kommen. Mobilität ohne Geld – da war es gut, dass ich alles mit dem Rad machen konnte. Bloß halt auch sehr lebensgefährlich, in Köln in der Stadt mit dem Rad unterwegs zu sein. Hatte mehrere Unfälle, zwei Mal eine üble Gehirnerschütterung – Auto auf Fahrradweg, Autotüre . Und recht oft bin ich sehr knapp dem Tod von der Schippe gesprungen – so wie in „Taxi drängt mich in den Gegenverkehr ab“ und ähnliches. Das ist kein Vergnügen, in einer Autostadt ein Radfahrer zu sein. Ohne Geld kann man Rechnungen nicht bezahlen, dann kommen Mahnungen und alles wird noch mal sehr viel teurer – wodurch es immer unmöglicher wird, an der Geld-Front wieder eine ruhige Situation herzustellen. Man wird sehr schnell ruiniert und obdachlos in unserem angeblich so sozialen Land. Mein Stromversorger hat mir gekündigt, ich hätte beinahe meine Krankenversicherung verloren, und wenn nicht meine Eltern mir geholfen hätten, auch meine Wohnung und vermutlich meine Freiheit. Denn ich hatte Ärger und viel Papierkrieg, und immer wurde gegen mich entschieden und ich wurde und werde mit Zahlungsanforderungen zugebombt, dass es aus ist.

Anzeigen wegen Körperverletzung (die ich gestellt hatte bei zwei körperlichen Auseinandersetzungen) – eingestellt

Anzeigen, die ich gestellt habe gegen Leute, die mich geschlagen haben, wurden eingestellt. Brille kaputt, das ist zwei mal so gewesen, jeweils ins Gesicht geschlagen worden. Keinerlei Gerechtigkeit, kein Ausgleich dafür – offenbar ist das nicht wirklich illegal, mir eine rein zu hauen. Da fühle ich mich so richtig gut in unserem Rechtsstaat. Nebenbei bemerkt – einmal war es ein Wachpolizist, der mir, als ich mit Handschellen gefesselt auf der Wache war, ins Gesicht geschlagen hat. Acht andere Polizisten drum herum, und sie haben sich geweigert, eine Anzeige wegen Körperverletzung aufzunehmen. Ganz großes Kino. So gewinnt der Staat seine Bürger sicher für ein gutes Verhältnis zu den Ordnungskräften. Nicht. Schon die Sado-Maso-Nummer mit den Handschellen war dermaßen übel – Handschellen super schmerzhaft eng, und wegen nichts – ich hatte lediglich verbal protestiert gegen eine völlig überzogene Maßnahme. Ordnungswidrig geparkt. Und dann krasser Stress mit Polizei. Wieso? Ich hatte angeboten, den Wagen korrekt zu parken. Aber der Polizist meinte, ich röche nach Alkohol und er wolle einen Test machen. Dem habe ich nicht zugestimmt, und schon ging es total brutal zur Sache, als wäre ich ein Terrorist oder so was. Heftig. Habe ich nicht für möglich gehalten, nicht in Deutschland in 2017. Fühlte sich eher an wie irgendeine beliebige diktatorische Bananenrepublik, wie ein ganz schlechter Film oder wie Faschismus. Jedenfalls nicht wie korrekte Polizeiarbeit. Aber wie gesagt – eingestellt. Nix passiert, alles super. Anzeigen gegen mich – ich bin tatverdächtig und muss zahlen, damit eingestellt wird. Und wieso? Da, wo ich geschädigt wurde, gab es keine Zeugen für mich. Es hätte welche geben können, aber ich war jeweils nicht in der Lage, es zu organisieren, dass diese Leute tatsächlich aussagen bzw. ich deren Kontaktdaten überhaupt habe. Allein ist sowas sehr schwierig, zumal wenn du vollkommen geschockt und verletzt bist und gar nicht recht kapierst, was abgegangen ist. Solche Sachen machen auch was mit deiner Psyche, es dauert, bis du wieder balanciert bist und klar denken kannst. Da, wo Leute mich angezeigt haben, war es stets eine Gruppe, die gemeinsam gegen mich vorgegangen sind. Angeblich hätte ich sie genötigt. Und wenn es mehrere Zeugen gibt, ist etwas natürlich eher auch – juristisch gedacht – wirklich wahr. Ich kann – offenbar dank meiner psychischen Superkräfte – eine ganze Gruppe von Leuten zu etwas zwingen. Sehr plausibel. Schön wäre es, bloß: Ich besitze gar keine Superkräfte. Nicht mal so viel Körperkraft, dass ich sie hätte verhauen können. Und ich habe auch niemanden beleidigt oder gar physisch angegriffen. Nur eine Meinung habe ich vertreten, und das deutlich. Hm. Egal, vorbei, wieder was gelernt. Wenn ich mich mit Leuten verbal anlege, ist das schon zu viel. Praktisch ein Maulkorb. Fresse halten – oder du kriegst eine rein. Meinungsfreiheit? Nur, wenn du die Meinung der Masse teilst. Dann allerdings brauchst du auch gar nicht irgendwas zu sagen.

Ausbildungsvertrag für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie) wurde mir gekündigt

So ähnlich ist es mit meiner Arbeit gelaufen. Das lief nicht gut, ich habe mich sehr kritisch geäußert dazu, dass im Rahmen von Verhaltenstherapie-Ausbildung völlig unwissenschaftliche Methoden und Techniken verpflichtend auf dem Lehrplan stehen. “Hypno-Therapie” nennt sich das. Keine wissenschaftliche Evidenz. Man könnte auch sagen: Pure Esoterik. Ich habe dagegen protestiert. Ergebnis – sie haben mir die Ausbildung gekündigt, in die bereits tausende Euros geflossen sind und wo sie an meiner Arbeit sehr gut parasitär verdient haben. Begründung: Ich bin unzumutbar. Auch das ist ganz großes Kino. So geht Kritikfähigkeit. Nicht. Von wegen Psychotherapeuten verstehen Menschen – ich hatte derbe soziale Schwierigkeiten, und alles, was sie tun, ist mir die Arbeit noch zusätzlich schwer machen. Dann wage ich auch noch, das Maul aufzumachen gegen postfaktischen Bullshit. Nee – das geht nun wirklich zu weit. Also haben sie mich raus geworfen. Weil ich ein verrückter, unzumutbarer Hooligan bin. Hm. Gibt mir zu denken. Offenbar bin ich wirklich nicht kompatibel mit irgendwas. und über die Scheiße, die mich umgibt, rege ich mich zu viel auf. Das ist auf Dauer ungesund. Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Auf einen Berg ziehen und dort alleine in einer Hütte oder Höhle leben. Wäre mir sehr recht.

Übler Fahrrad-Unfall

Anfang Juni 2017 – vor 10 Tagen – hatte ich dann einen üblen Fahrradunfall, bei dem ich fünf Zähne verloren habe. An einer Stelle am Rhein, wo es einen Hügel runter geht, ein kleiner Fahrfehler. So schnell kann es gehen. Bin da schon tausend mal runter gefahren. Diesmal ging es schief. Beinahe umgefallen, das wieder in den Griff bekommen, aber dann mit Wucht mit dem Metallzaun kollidiert – und mit dem Oberkiefer gebremst. Autsch. Krankenhaus. Zahnsplitter raus operiert aus Orten, wo sowas nicht hin gehört, sehr blutige und unschöne Geschichte. Am nächsten Tag war dann mein geliebtes Nihola weg. Nur ein paar meiner Sachen lagen da zertreten rum, vom Rad – was wegen Bruch des Lenksystems und des linken vorderen Rades an sich nicht mehr zu bewegen war – keine Spur. Sehr wahrscheinlich haben es kräftige Leute über den Zaun gehoben und in den Rhein versenkt.
Traurige Reste, wo tags zuvor noch mein Rad stand.
Meine Vermutung geht dahin, dass es die Gruppe von ukrainisch-stämmigen Nazis war, denen ich (mit anderen zusammen) in der Nacht vorher auf der Buchheimer Straße begegnet war. Die wollten uns zusammen schlagen, wir sind aber dank der Fahrräder schnell abgehauen. Am nächsten Tag waren diese Leute als Gruppe am Rheinufer unterwegs am nachmittag – da trafen sie mich wieder, es waren aber zu viele Leute da und sie sind nur durch gezogen, ohne was zu machen außer bedrohlich gucken. Nun denke ich, kann gut sein, sie waren nachts noch mal da, und mein kaputtes Rad stand halt genau am Unfallort, zwar ab- aber nicht an den Zaun angeschlossen. Wollte ich natürlich machen, blöderweise ging nicht, es weil das Schloß zu kurz war. So war es leider für diese Gruppe – oder andere Täter, genau sagen kann man es ja nicht – leicht gewesen, sich an dem Rad zu vergreifen. Wäre aus meiner Sicht eine plausible Erklärung, dass es diese Leute waren. Weil – es braucht schon sehr viel Kraft, ein Lastenrad weg zu tragen oder hoch zu heben. Die Dinger sind ordentlich schwer – das schaffen zum Beispiel sinnlos destruktive Jugendliche eher nicht. Aber ist nur ein Verdacht, es war ja niemand da und keine Zeugen. Könnte also jeder gewesen sein. Manche meinen, es sei bestimmt gestohlen worden. Dafür hätte es aber einen Transporter gebraucht, und der hätte auch nicht ans Ufer gekonnt, also wäre es nötig gewesen, das Rad ein Stück weit zu tragen. Wer hätte das gekonnt und gemacht, zumal es auch eine Reparatur in einer dafür vorbereiteten Werkstatt noch gebraucht hätte, bevor ein Dieb damit etwas hätte verdienen können. Deswegen glaube ich das eher nicht. Einer meinte, er hätte das Rad am nächsten Tag in der Wallstraße vor dem Computer-Laden gesehen (allerdings von recht weit weg, könnte auch eine Fehlwahrnehmung gewesen sein). Gesucht habe ich danach natürlich, nur nichts gesehen und auch sonst hat keiner was davon mit gekriegt. Aber egal, was fott es es fott.
Keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich bin zwar verletzlich, aber zugleich unzerstörbar. Das ist einfach meine Haltung dazu – und irgendwie geht es schon weiter. Aufgaben kommt nicht in Frage. Eher werde ich härter und konsequenter durch solche Erfahrungen. Ein Mann geht seinen Weg. Was ihn nicht umbringt, macht ihn stark.
Download PDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.