Freie Software und Gedankenfreiheit

Was sich die Hippies, die das Internet erdacht und gebaut haben, wollen:

Freedom is a good in itself. Inhibiting sharing, prohibiting people from teaching what they know to others, and from learning what they want to know themselves is wrong. The free software movement was not a technology movement; it was the face of the struggle for freedom of thought in technological guise. It took advantage of technological reality to bring about a deeper scrutiny of political possibilities.

„Die Gedanken Sind Frei“: Free Software and the Struggle for Free Thought. Wizards of OS 3, Opening Keynote by Eben Moglen.June 10, 2004.

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Erich Mühsam – Der Gefangene

Mühsam würde von den Nazis im Gefängnis ermordet. Er war Anarchist und sah das so: Wir alle sind Gefangene. Und manche, die sind eben trotzig, die kämpfen dagegen, egal was kommt.

erich_muehsam Wenn es mehr wären, könnte was gewonnen werden, klappt aber hierzulande traditionell nicht. Aber es gibt immer Leute, die aufbegehren. Allerdings werden die dann eben tot geschlagen, das ist natürlich nicht so großartig. Ist aber vielen guten Leuten so gegangen, und wann das aufhört steht in den Sternen.

Der Text – von Slime gecovered, und weil ich die anderntags live gesehen habe, kam ich überhaupt drauf – hier ist er:

Ich hab’s mein Lebtag nicht gelernt,
mich fremdem Zwang zu fügen.
Jetzt haben sie mich einkasernt,
von Heim und Weib und Werk entfernt.
Doch ob sie mich erschlügen:
Sich fügen heißt lügen!

Ich soll? Ich muß? – Doch will ich nicht
nach jener Herrn Vergnügen.
Ich tu nicht, was ein Fronvogt spricht.
Rebellen kennen beßre Pflicht,
als sich ins Joch zu fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Der Staat, der mir die Freiheit nahm,
der folgt, mich zu betrügen,
mir in den Kerker ohne Scham.
Ich soll dem Paragraphenkram
mich noch in Fesseln fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Stellt doch den Frevler an die Wand!
So kann’s euch wohl genügen.
Denn eher dorre meine Hand,
eh ich in Sklavenunverstand
der Geißel mich sollt fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Doch bricht die Kette einst entzwei,
darf ich in vollen Zügen
die Sonne atmen – Tyrannei!
Dann ruf ich’s in das Volk: Sei frei!
Verlern es, dich zu fügen!
Sich fügen heißt lügen!

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Slime-Konzert (Köln-Mülheim, Gebäude 9, 4. 11. 2016)

Hat mir doch wer noch eine Karte für das an sich ausverkaufte Konzert vermacht und wer anderes 10€ geliehen, wo ich mich schon mit Feuertonne auf dem Hof und Bier im Freien einrichten wollte.

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Punks sind mittlerweile auch mit Söhnen da, Slime nach wie vor großartig, Pogo macht wie immer meine Brille kaputt, (zu viel) Party machen und sich verabreden, den Sohn morgens zum Judo bringen verträgt sich nicht. So ist das. Bin mal wieder auf den Teil von mir rein gefallen, der die Zeit einfach ignoriert und von ‚alt‘ nix wissen will. Hat mächtig Spaß gemacht, am nächsten Tag natürlich Katzenjammer. Die Band kam mit schlichten Transportern – nix gigantischer Tourbus – und schleppte ihren Kram selbst, gerade wie ich bei den Metal-Abenden; so gehört das. Schwerstens sympathisch. Traf sie mittags beim Abrücken noch mal, als ich mein Rad geholt hab. Grüßte & bedankte mich und wurde freundlich gegrüßt, ‚der Mann mit Hut‘, freut mich von Herzen. Denk ich an euch, wünsche eine großartige Tour!

slime-sich-fuegen-heisst-luegenSlime sind definitiv Musik, die genau wie Crass, Dead Kennedys, Ramones, B-52s und dergleichen – von Lemmy und Motörhead ganz zu schweigen – einfach so … fehlen mir die Worte, das auszudrücken. Prägend ist irgendwie alles, das trifft es also nicht. Eher so: Das waren Leute, die direkt mein Herz und Hirn erreicht haben und darin bis heute geblieben sind. Dankbar, das es sie gab und gibt, keep on rocking. Mögen sie alle 1000 Jahre leben! BANZAI! Ein Teil meiner Jugend, und irgendwie halte ich Zeit ja sowieso nicht für so real. Es ist eine Schwingung darin, was Punk und Metal eben macht, und damit bin ich verbunden. Das zu spüren ist toll. Rein physikalisch ist na klar das Älter- und Alt sein am Start. 1980 ist halt 36 Jahre her, die reign in blood von Slayer hatte 40-jähriges Jubiläum.

reign-in-bloodLet’s face it, wir hören und sind oldies. Eigentlich auch nicht wir, ich und noch ein paar Leute, für die anderen kann ich nicht sprechen. Bloß, die anderen und (alle davor, mehr oder weniger gut überliefert) sind ja auch noch da. Also, wer ist wer? Kraftklub mit ihrem Lied „Zu jung“ bringen auf den Punkt, wo das Problem für die nächste Generation liegen könne. Mein Junior liebt es. Drei Schüsse in die Luft. Er mag Ska und sowas. Und hört sehr querbeet. Was der mit fast 9 kennt, da habe ich Jahre lang gebraucht — wie ist das mal schwer gewesen, an Musik dran zu kommen! Und jetzt, dem Internet sei dank, ist es so einfach, sich allerbestes Material kultureller Art jedenfalls in seiner Konserven-Version zu erschließen. Abschließend sei gesagt, bis zum bitteren Ende, für immer Punk. Obacht, dass sind nicht die erwarteten Lieder. Sondern Daily Terror und Rainald Grebe. Die Goldenen Zitronen und die Hosen sind selbstverständlich auch fein; dachte bloß, ein wenig mehr & anders geht immer.

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Ein Feuer brennt …

1000 Meilen weg/zeigt mir den Weg/zum Ziel. Das ist natürlich ein Textfragment aus einer Metal-Ballade von Manowar: Herz aus Stahl. Ich liebe Feuer, auch wenn angesichts des Qualms die Lunge nicht erfreut ist. Noch schnell ein anderes, ganz großartiges Lied, wo Feuer eine Rolle spielen – als ‚Signalfeuer‘ für die Flotten von Mutanten (Shaban und Käptn Peng).

Womit alles gesagt wäre. Feuertonne, das ist real life social hangout. So geht Revolution.

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Musik: Covenant – Dead Stars

Covenant – Dead Stars (youtube)

Dieses Lied ist Programm: „Put us on display for everyone to see/We write the words for all to understand“. Und natürlich leben die ‚toten Sterne‘ immer noch weiter.

Hier die kompletten Lyrics:

We find our songs
In fashion magazines [Depeche Mode named itself after a fashion magazine called Dépêche-Mode (‚fashion update‘)]
We read the story
In the morning paper [Beatles, A Day in the Life]

I touch their hearts
And they touch my skin
I’m on your screen
And you are just so wide

Put us on display for everyone to see
We write the words for all to understand

Though I get my kicks
It’s slowly wasting me
Don’t try to be an artist
I try to be a man

Dead stars still burn
Dead still stars burn

We find ourselves
In pictures on the net
Blinded by science
Addicted to devotion

I’m in your hold
Eager to abuse
My favourite game
I suffer from misuse

I just want to know
The man in front of them
To read their minds
For me to understand

Though I get my kicks
It’s slowly wasting me
Don’t try to be an artist
I try to be a man

SONGWRITERS
SIMONSSON ESKIL

PUBLISHED BY
LYRICS © WARNER/CHAPPELL MUSIC, INC

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Ein Zielpublikum

An wen mag ich mich richten? An mich selbst in der Zukunft (weil ich das sicher noch mal ansehe, wie ich mich kenne). An meinen Sohn, weil ich da am ehesten Ambitionen spüre, etwas weiter zu geben, was Wert hat. Dafür wäre ein Tagebuch sinnvoller (und privater). Oder Briefe, etwas Persönliches, irgendwie so was wie Lebensweisheiten, Memoiren, Selbstglorifizierung und Anekdoten. Oder ein Buch, eine Bibel. Seit es das Netz gibt, denke ich, wir arbeiten kollektiv am Supermind. Einfach rein schreiben reicht völlig aus. Einzelne sind nur wichtig durch ihre Beiträge und deren Qualität. Das Netz findet es irgendwann und macht was draus. Ziemlich gestrig, das für potentiell gut zu halten. Aber Kultur ist, wenn du das Gute wiederholst und festigst in Formen und Inhalten. Beispielsweise Gedanken nachvollziehbar auszuformulieren, statt Emoticons – die nun Emojis heißen wollen – zu verschicken, und lange Ketten von Sätzen zu bilden, weil sich so die Wege nachvollziehen lassen, wie in einer komplexen Gedankenwelt eines zum anderen gehört und darin übergeht. Ich halte sowas für unterhaltsam, genieße es auch, dem Strom der Gedanken zu folgen, die andere fertigen – insbesondere solchen, die mir wenig bekannt und vertraut sind, wo sich auch Neues und Unerwartetes verbirgt. Nach meiner Erfahrung geht es anderen damit nicht so, eher: „Was will der denn, versteh ich nicht, das ist mir jetzt anstrengend, laß mal gut sein“. Womit sie ja ganz recht haben. Mein Kompromiß: Ich teile mich ultimativ vermeidbar mit. Niemand muß mich überhaupt zur Kenntnis nehmen, zugleich könnte es aber jede. Damit kann ich vermutlich leben. Wobei, Motive immer basal, also nix mit „ich erwarte mir davon nichts“. Ich will toll gefunden werden, schlau, intelligent, großartig und liebenswert. „Der Mensch hat recht“, das sollen sie denken. Zustimmung, Anerkennung, Ruhm, Geld, Sex, Macht. Das komplette Programm. Tja. Da wird es schwierig, denn ich wüßte nicht zu berichten, wann ich mal mit irgendwas populär gewesen wäre. „So ein Idiot!“ oder „Der Typ ist ein totales Arschloch“, sowas kriege ich zwischenmenschlich hin. Breite Zustimmung einer fanatischen Fan-Base, das wäre verführerisch, und genau so kommen solche Lutze auf das schmale Brett mit dem Führer-Spielen. Während ich weiter isoliert bleibe und unerfolgreich und unverstärkt-traurig-depressiv, während ich mich mehr oder weniger wirkungslos mit den Hirngespinsten befasse, die ich meine Projekte nenne, und um mich rum die Dinge irgendwie ihren Lauf nehmen .-.- besser so, als daß ich mal ernsthaft verärgert bin. In Menschen, denen es innerlich weh tut, steckt viel Dunkelheit und Hass. Vernünftige Leute hören Metal. Andere gehen damit weniger sozial integrierend um – und schießen sogar auf Metaller, was gleichermaßen empörend und schmeichelhaft ist, aber bisweilen irgendwie ein Tabu, daraus wiederum einen Topos zu machen (so wie „Smoke on the Water“). Jedenfalls habe ich zu ‚metal music about the bataclan incident‘ nichts finden können. Dabei ist der Mord an meinen Metal-Schwestern und Metal-Brüdern eine Sache, die mich in einen Gruppe-gegen-Gruppe-Kampfmodus versetzt. Memo an mich selbst: Schreib da einen Songtext dazu und vertone ihn. Vielleicht orientiere ich mich dazu an klassischen Themen, vielleicht auch was wie Janaza (Iraq’s very first female-fronted, black-metal band), aber vermutlich lieber etwas, das ich auch vorspielen würde und was verständlich ist und vernichtend trifft (sonst lohnt es sich ja nicht).

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Wenn Kunst nützlich ist (dann ist es keine)

Nur so eine Idee. Weil ich mit dachte, ’nutzloser Künstler‘ ist an sich eine Tautologie. Jeder ‚richtige‘ Künstler ist komplett nutzlos. Ein nützlicher ‚Künstler‘ ist fremdgesteuert — ist ein Arbeiter, ein Propagandist, ein Agitator, ein Marketingfachmann, ein Produktfotograf – jemand, der eine Ware im Auftrag fertigt. Auf der anderen Seite ist es keine Kunst, sich Künstler zu nennen, wenn einer sonst nix mehr dazu einfällt. Und jede ist eine. Also stimmt es auch immer. Sagt dann aber gar nichts mehr aus. Irgendwie sind wir doch alle Manager, und so ein Unsinn. Lieber eine starke Gegenthese. „Kultur ist der einzige wirklich bedeutsame Prozeß, aus dem alles andere hervorgeht. Kunst bildet den stets experimentellen Rahmen, um Erfahrungen kollektiv zu integrieren und zugleich die erfahrbare Matrix zu vergrößern“. Vielleicht so: Kunst ist eher keine Auftragsarbeit, sondern ein innerer Prozess wird auf eine wenig vorhersehbare Weise zu etwas Sinnlich wahrnehmbaren. Zu einem Werk, idealerweise. Viele haben mir gesagt von den wenigen, mit denen ich drüber gesprochen habe, ich solle ‚mal ein Buch drüber schreiben‘. Das ist wohl neudeutsch für ‚genug geredet‘, aber ‚ich bin mal positiv‘. Statt einem Buch gibt es aber nur einen Berg Zeugs und diesen Blog. Dessen Zweck, gerade wird es mir klar, wohl lediglich sein wird, meine Ideen raus zu hauen, damit ich sie los habe, mir eine fiese Sehnenscheidenentzündung zu holen und einen krummen Rücken, und mich vor den unangenehmen Dingen der Realität zu drücken. Was vielleicht meine Art ist, meine Kugel immer wieder den Berg rauf zu rollen. „The struggle itself […] is enough to fill a man’s heart. One must imagine Sisyphus happy.“ (Camus, 1942).

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