Wie der neue Faschismus aussieht und funktioniert

Das Weltbild der Faschisten hat sich nie verändert. Die Welt ist ein Krieg von Rassen, wobei es eine Hierarchie der Wertigkeit der Rassen gibt. Oben, das sind die Weißen. Unten, das sind die Schwarzen. Die Juden sind das Böse. An den Juden liegt alles, sie sind die Strippenzieher. Kapitalismus, Kommunismus, und generell alles, was schlecht ist – das waren und sind die Juden.

Angestrebt wird ein Naturzustand, der per se gut ist, alle Probleme löst und etwa so aussieht: Jedes Volk besteht aus genau einer Rasse, hat eine gemeinsame Nation und darin genau eine Kultur und eine Sprache. Der Staat ist mit Nation, Kultur und Rasse identisch.

In der Volksgemeinschaft herrscht dann eine Hierarchie, mit dem Führer an der Spitze, dem alle unbedingt folgen. Abweichung und Kritik werden gnadenlos ausgemerzt. „Natürlich“, das ist heterosexuell. Männer stehen über Frauen. Deswegen werden auch die Entscheidungen nur von Männern getroffen. Frauen kriegen Kinder und kümmern sich um diese und den Haushalt. Das ist ihr natürlicher Ort.

„Natürlich“, das bedeutet auch, das immer die Starken recht haben. Wenn sie dies wünschen, können Starke die Schwachen schützen. Aber unnützliche Wesen braucht es nicht – Kranke zum Beispiel, die nicht heilbar sind, werden umgebracht.

Die Volksgemeinschaft wird als Projektionsfläche auch für die Sehnsüchte der Menschen gebraucht – es gibt da keine Klassen (sowieso eine Erfindung der jüdischen Marxisten, diese „Ausbeutung“). Es gibt in dieser Ideologie auch kein gesellschaftliches Unten und Oben, was irgendwie ungerecht wäre. Das ist der Teil von „sozialistisch“ in Nationalsozialistisch.

Globalisierung gibt es auch nicht mehr in der faschistischen Utopie. Wie Wirtschaft funktioniert, die nicht mehr exportiert und importiert und woher das deutsche Erdöl und die deutschen Bananen kommen werden – das wird sich zeigen.

Generell sind diese Weltbilder einfach und unlogisch – der Wohlstand, den Deutschland zum Beispiel hat, wird als selbstverständlich vorausgesetzt, die internationale Arbeitsteilung wird nicht bemerkt und analysiert. Als ob sowas in einem protektiv abgeschirmten Nationalstaat erreichbar wäre. Was im Rahmen einer solchen Politik tatsächlich gehen würde, zeigt Nordkorea.

Allerdings ist Faschismus immer expansiv – die Ressourcen des Planeten – wo sie denn dem Nationalstaat fehlen – müssen natürlich erobert werden. Wozu eine überlegene Rasse natürlich das Recht hat. Lebensraum im Osten, ein Platz an der Sonne, am deutschen Wesen soll die Welt genesen etc. Aktuell verbünden sich Faschisten und teilen einen Wertekanon. Nur: Sobald Staaten faschistisch regiert sind, sind sie im Krieg miteinander. Nicht wie jetzt überwiegend im Wirtschaftskrieg, sondern physisch mit Waffen. Wie das ausgeht, haben wir 1945 gesehen.

Der neue Faschismus ist nicht neu. Sieht nur ein wenig anders aus und hört sich ein wenig anders an, weil man nicht unmittelbar mit dem Weltenbrand und dem Holocaust identifiziert werden will – sonst wäre die Neuauflage dieser Menschheitsverbrechen, die zwingende Teile des Programms sind, vielleicht erschwert. Wobei ja an der positiven Besetzung des Begriffes völkisch gearbeitet wird und die Erinnerung an den Holocaust als nationale Schande diffamiert wird. Wohlgemerkt – die Erinnerung an den Holocaust, nicht der Holocaust selbst. Der war ja keine Schande? Nein. Sondern deutsche Wertarbeit.

Ideologisch ist alles alt am neuen Faschismus. Die Funktionsweise, also wie sich diese Leute breit machen, ist auch wie gehabt: Sie drehen alles um, Täter-Opfer-Umkehr und Freund-Feind-Denken plus Projektion des Bösen. Was sie vorhaben, werfen sie lautstark den anderen vor. Und sie gehen mit physischer Gewalt vor. Wo das nicht geht, bereiten sie es vor durch aggressive Rhetorik.

Im Einzelnen:

Der christliche Westen hat den Rest der Welt mit Invasionen und Kriegen überzogen, unterworfen, versklavt und ausgeplündert. Da kommt der Reichtum her, der jetzt hier ist. Und weiterhin wird Krieg geführt gegen die Armen, weltweit. Woran die deutsche Wirtschaft profitiert. Ohne Blut für Öl würde nichts davon gehen.

Das wird umgedreht. Nun sind wir im Westen die Opfer – wir werden durch eine Invasion besetzt, unser Wohlstand wird uns betrügerisch entzogen, unsere Frauen werden vergewaltigt, wir werden versklavt etc. Man wird uns unseren Glauben und unsere Freiheit nehmen.

Der weiße Mann hat die Frauen zu dummen Tieren degradiert.

Das wird umgedreht: Nun sind Männer die Opfer des Feminismus.

Der weiße Mann hat die nicht-weiß definierten Menschen massenhaft versklavt, unterdrückt und umgebracht. Sie durften keine Nationen bilden, keine eigene Kultur pflegen, hatten keinerlei Rechte.

Das wird umgedreht: Nun sind die Weißen in Gefahr, sie werden durch Nicht-Weiße ausgerottet und müssen sich der Umvolkung sowie der Rassenschande erwehren.

Der heterosexuelle Mann hat alle anderen sexuellen Identitäten brutal verfolgt und sehr viele ermordet. Es gibt eine historische Tradition, die letztlich einen bisher in seinen Dimensionen noch kaum erfaßten Massenmord an Nicht-Heteros beinhaltet.

Das wird umgedreht: Nun werden normale Männer verschwult und unterdrückt. Der Gender-Wahn zerstört die natürliche Ordnung. Etc.

Diese Liste ließe sich lange weiter schreiben. Immer ist das Muster gleich: Täter-Opfer-Umkehr.

Zweck der Übung: Die alten Zustände, in denen Privilegien selbstverständlich waren, wieder zu etablieren. Und eine Rechtfertigung dafür zu haben, wieso ein solches Ansinnen mit Massenmord angestrebt werden darf. Auch darüber darf man sich keine Illusionen machen – Ziel ist ein Bürgerkrieg, eine faschistische Regierung, ein großes Aufräumen. Und Blut soll spritzen.

Nun ist es allerdings so, dass dieser Krieg nicht irgendwann kommt, sondern bereits ausgetragen wird. Es werden Menschen angegriffen von den Faschist*innen, jeden Tag. Und da, wo faschistische Herrschaft bereits Realität ist – da werden die Schwulen umgebracht, die ethnischen Minderheiten mit Krieg überzogen, die Opposition eingesperrt und gefoltert.

Neu am neuen Faschismus ist vielleicht die Optik und ein Teil der Rhetorik – mehr nicht. Es gibt ein Durcheinander von ideologischen Versatzstücken, das ist recht beliebig und post-modern. Weil alle politischen und sozialen Bewegungen auch nach rechts außen anschlußfähig sind – paradoxerweise auch der Antifaschismus und das Judentum – ist das verständlich.

Was daraus werden wird? Ich weiß es nicht. Nichts Gutes, so viel ist sicher. Anti-Humanistische Bewegungen richten massive Schäden an. Was allerdings auch Bewegungen, die sich explizit als humanistisch definiert haben, hin bekommen haben. Und in post-faktischen Zeiten kann der Faschist sich als Verteidiger der freien Rede und der Demokratie gerieren, ohne auf allgemeinen Widerspruch zu treffen.

Einige Geschehnisse aus den USA unter dem neuen Führer:

https://www.colorlines.com/articles/growing-alliance-between-neo-nazis-right-wing-paramilitaries-and-trumpist-republicans 

Woraus besteht ein Faschist – psychologisch und soziologisch betrachtet?

  • Konventionalismus. Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes.
  • Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.
  • Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.
  • Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.
  • Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals, die Disposition in rigiden Kategorien zu denken.
  • Machtdenken und „Kraftmeierei“. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.
  • Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.
  • Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt.
  • Sexualität. Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen „Vorgängen“.

Wie ist so ein Mensch strukturiert?

  1. Ängstliche Abwehr von Neuem und Fremden
  2. Rigides und unflexibles Verhalten
  3. Anpassungs- und Unterordnungsbereitschaft
  4. Orientierung an Macht und Stärke
  5. Feindseligkeit und unterdrückte Aggressivität
  6. Konformität
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Lebenswege (wie ein Mensch wird was er oder sie ist)

Was ich meine, wie die Welt ist, ist zwangsläufig das Ergebnis der eigenen Erfahrung. Kombiniert mit dem, was ich selbst-gesteuert dazu gelernt habe, seit ich Erwachsen bin.

Ich habe Psychologie studiert, lange und erfolgreich (was das Herausfinden von Dingen angeht), war danach Jahre lang weiter in Bildungsprozessen (Uni, Psychotherapeuten-Ausbildung, politische Arbeit) und bin ein eifriger Leser und Angelegenheiten-Recherchierer. Einfach, weil ich es wirklich wirklich wissen will. Das ist meine Passion. Wäre gerne ein Professor geworden.

Hier eine open source Zusammenfassung wesentlicher Erkenntnisse, hoffentlich nutzbar für andere und einigermaßen verständlich.

Es gibt keine Wahrnehmung von Dingen an sich, sondern unser Körper und insbesondere unsere Sinnes-Systeme machen aus einer Flut von Reizen in einem massiv parallelen Verarbeitungsprozess Muster höherer Ordnung – Abstraktionen.

Aus potentiell unendlich vielen Reizen filtern wir einen winzigen Teil heraus, der für uns Bedeutung trägt, weil er mit unseren Bedürfnissen zu tun hat. Das ist Lernen.

Diese bio-psycho-soziale Tatsache ist wesentlich, um zu verstehen, was Menschen sind. Durch Wissenschaft haben wir etwas darüber herausgefunden, wie wie Organismen funktionieren.

Wir wissen, dass das so und nicht anders ist, weil wir die Experimente, die es belegen, beliebig oft durchführen können – und immer kommt das gleiche dabei heraus. Was wissenschaftlich als Replizierbarkeit bezeichnet wird.

Natürlich sind alle menschlichen Tätigkeiten und Ergebnisse von Tätigkeiten, genau genommen alle Zustände – nicht mit Gewissheit dingfest zu machen, weil sie sich mir ja auch nur über die Sinneseindrücke vermitteln.

Mit diesen Fragen hat sich die Philosophie und die Psychologie auseinander gesetzt, solange es Menschen gibt. Bevor die wissenschaftliche Methode entwickelt wurde, war das das Feld der Religionen. Und natürlich sind alle menschlichen Dinge umkämpft, denn was für wahr oder für falsch zu halten ist, wird auf dem Feld bestimmt, was wir Gesellschaft und insbesondere auch Politik nennen.

Sehen ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Hören ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Sich bewegen, etwas tun, Sprechen, Denken, Lesen, Schreiben, soziale Interaktion – all das sind Fähigkeiten, die durch Lernen erst möglich sind. Und jedes Lernen setzt soziale Interaktion voraus. Es muss zwangsläufig ein Gegenüber da sein, damit Lernen passiert. Eine Situation, die eine Rückmeldung enthält.

Wir wissen dies, weil es bedauernswerte Fälle gab, wo Menschen depriviert wurden – eben kaum bis keine soziale Interaktion da war. Dann verzögert sich Entwicklung, oder sie findet nicht statt. Im Extremfall sterben Menschen, wenn sie keinen menschlichen Kontakt haben (Säuglinge, Babys, Kleinkinder).

Lernen ist im Kern folgendes: Auf einen wahrnehmbaren Reiz, der an und in unser System gelangt, folgt eine Zustandsänderung unseres Systems. Diese wird durch unser angeborenes Bewertungssystem – emotional und vegetativ – als positiv (Bedürfnisbefriedigung), neutral (macht weder etwas gutes noch etwas unangenehmes, daher irrelevant) oder schädigend (Schmerz, Hunger, Mangel, Not, unbefriedigtes Bedürfnis) eingestuft.

So lernen wir, was wir aufsuchen und was wir vermeiden. Quellen von Schädigung werden im Gedächtnis abgelegt, um diesen Schaden nicht noch einmal zu erleiden – begleitet von Angst, wenn etwas ähnliches uns wieder auf den Radar gerät. Quellen von Befriedigung werden gespeichert, damit wir sie aufsuchen und nutzen, falls sie in der Nähe sind. Interessant und bedeutsam sind natürlich auch Begleitumstände – wann, wo, wie riecht es, wie sieht es aus, wie hört es sich an, wie fühlt es sich an etc.

Wenn sich über viele Wiederholungen ein Muster einstellt – erst x, dann recht wahrscheinlich y – legen wir eine Verknüpfung an, eine Assoziation, eine Verbindung. Das passiert im Gehirn auf der Basis von Nervenzellen. Es ist ein psycho-biologischer Vorgang.

Während der frühen Kindheit ist alles verbunden. Da passiert zunächst mal folgendes: Verbindungen werden gestärkt, wo Muster gefunden werden, und sie werden abgebaut, wenn die Verbindungen keine Verstärkung bekommen. Ein Kinder-Gehirn hat das Potential, alles zu lernen – und reduziert das dann auf die Verbindungen, die benutzt werden. Sparsamkeit. Weil das so ist, gibt es Phasen, in denen Menschen sehr stark geprägt werden können. Daraus resultiert auch die enorme Empfindlichkeit und Verletzlichkeit von Kinder-Seelen und Kinder-Gehirnen, während später die Jugendlichen und Erwachsenen sehr viel weniger beeinflussbar sind.

Entwicklungspsychologie ist der Zweig der Psychologie, der sich mit den Fragen rund um die Ausformung der Psyche im Kindes- und Jugendalter beschäftigt. Da gibt es den Befund: Zu gewissen Zeiten werden bestimmte Aspekte der individuellen Persönlichkeit entwickelt in Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umgebung.

Dabei bauen Fähigkeiten und Entwicklungen aufeinander auf, so wie ein Tech Tree (Technik-Baum) in einem Computerspiel. Eines ist darin Voraussetzung für weiteres. Weil das so ist, dass Entwicklungen auf vorhergehenden Entwicklungen aufbauen, kann bei einer frühkindlichen Störung sehr viel von dem, was eigentlich folgen würde, nicht passieren – so entstehen massive psychische Störungen.

Grundlegend ist Bindung, gefolgt von Konflikten über Bindung vs. Autonomie. Sichere oder unsicher Bindung, das ist die erste und wichtigste Prägung im Leben. Werde ich geliebt, versorgt, beschützt? Was darf und muss ich für die Zukunft diesbezüglich erwarten?

Und dann: Darf ich ein eigenes Ich sein, darf ich etwas tun oder nicht, und was, und in welchen Grenzen? Wofür werde ich verstärkt (belohnt), wofür bestraft? Wann fällt etwas unangenehmes weg, wenn ich etwas bestimmtes tue (negative Verstärkung = Belohnung)? Die negative Verstärkung ist der wichtigste Mechanismus überhaupt.

Wenn alles ok ist, brauche ich gar nichts zu tun und bin zufrieden. Sobald Zeit vergeht, stellen sich Bedürfnisse ein. Es kommt Hunger und Durst, es kommt Kälte oder Hitze, es kommt Schmerz, es kommt Ausscheidungsbedürfnis. Dann wird es unangenehm, und ich bin veranlasst, etwas zu tun, was diesen unguten Zustand bessert, der als leidvoll empfunden wird. Wenn ich etwas tue und danach ist es besser, dann bekommt genau dieses Tun die Eigenschaft gut, bedeutsam, richtig. Es wird negativ verstärkt, verhaltenswissenschaftlich ausgedrückt. Nicht mit Bestrafung verwechseln – negative Verstärkung ist der Wegfall von etwas Unangenehmem.

Hunger/Durst, Kälte/Hitze, Schmerz – werde ich versorgt (gefüttert, gewärmt/gekühlt), wird Schmerz gelindert, werde ich getröstet? Bekommt überhaupt jemand mit, wie es mir hilflosem kleinen Wesen geht – und interessiert es jemanden? Das ist enorm wichtig, und hier werden Muster angelegt, die das ganze restliche Leben prägen.

Die Reinlichkeitserziehung macht ebenfalls einen starken und sehr unterschiedlichen Abdruck in der Psyche von Menschen, je nachdem, wie es diesem Menschen ergeht. Hier wird ein wesentlicher Parameter eingestellt – wie stark kontrolliert muss ich sein, wie sehr muss ich Bedürfnisse zurück halten. Was passiert, wenn ich das nicht schaffe, wenn ich schwach werde, laufen lasse, wenn Scheiße passiert? Kommt dann Hilfe, Strafe, gar nichts? Werde ich zart oder hart behandelt? Wie sauber muss ich sein, und wann muss ich das können? Kriege ich es hin – oder bin ich überfordert und offenbar ein Menschenkind, was es nie richtig macht? Auch hier werden grundsätzliche Erwartungsmuster geprägt, die lebenslang wirken.

Mit 2-4 Jahren sind diese Basis-Geschichten (laufen und Sprache verstehen und reden als Basis für soziale Interaktionen) zumeist gelernt. Dann kommt das Soziale – der Umgang mit anderen, die nicht die Eltern sind. Gleichaltrige, insbesondere. Und Tiere. Alles wird erkundet, und es wird nach Sprache verlangt. Auf alles wird gezeigt – wie heißt das, was ist das? Alles wird ausprobiert.

Bereits jetzt ist Geschlecht und Gender programmiert. Kinder erfahren, für was sie angesehen werden, was sie zu sein haben und wie. Ein Junge weint nicht. Ein Mädchen macht sowas nicht. Je nach biologischem Geschlecht werden Kinder komplett verschieden behandelt, angezogen, angeregt, ermutigt oder entmutigt, mit verschiedenen Erwartungen konfrontiert, denen sie entsprechen müssen. Weil Bindung überlebensnotwendig für Kinder ist, tun Kinder alles, was sie näher an ihre Eltern bringen kann – und vermeiden alles, was sie einem Liebesentzug aussetzt. Kinder geben sich große Mühe, zu gefallen. Wie leicht oder schwer das gelingt (wenn überhaupt) – auch das prägt unser Leben.

Dann kommt in unserer Gesellschaft die faktische Trennung von den Eltern. Das ist ein großer Schritt – in eine Bezugsgruppe zu wechseln, die für lange Zeit (oft die meiste wache Zeit des Tages) um dich herum ist. Kindergarten, das bedeutet: Auf sich allein gestellt. Nirgends die – mehr oder weniger – vertrauten Personen. Neue Vertrauenspersonen müssen mental angelegt werden, mit denen umzugehen ist. Neue Regeln, neue Muster, neue Lernerfahrungen. Was mehr oder minder gut gelingt. Unsicher gebundene Kinder und Kinder, die eigentlich noch nicht reif und bereit dazu sind, empfinden enorme Angst unter diesen Bedingungen. Was weitere Entwicklung massiv behindert. Angst ist schlecht für Lernen. Sie macht das System zu.

Manche finden Anschluß, manche sind isoliert. Ablehnung passiert – Kinder sind nicht gehemmt darin, aus Unterschieden Gründe für Anfeindung zu machen (eine soziale Fertigkeit). Und Kinder sind erst dabei, Empathie zu lernen (ein mentales Modell davon, wie sich etwas bei einem anderen anfühlt).

Generell ist die Fähigkeit zu sozialer Interaktion etwas Gelerntes und sich kontinuierlich Entwickelndes – sie benötigt Mentalisierungsfähigkeiten, also das Aufbauen eines Bildes oder Modells oder einer Simulation davon, wie andere sind, was sie denken, fühlen, wollen, wie sie sich vermutlich verhalten).

Diese Tatsachen stecken hinter Kinder sagen die Wahrheit (sie wissen nichts über soziale Konventionen) und Kinder sind grausam (sie können noch nicht gut empathisch reagieren).

Soziale Lernerfahrungen in der Zeit zwischen 3 und 6 prägen wesentlich unseren Selbstwert – eine Eigenschaft, die den Status in sozialen Gruppen beschreibt. Beliebt, unbeliebt. Schön, häßlich. Stark, schwach. Überlegen, unterlegen. Was wir in dieser Zeit an Rückmeldungen bekommen, prägt ebenfalls lebenslang. Und es liegt überwiegend in der Hand von Kindergärtnerinnen. Danach – in der Grundschule – von Lehrerinnen. Und in der Dynamik, die aus der sozialen Gruppe resultiert, aus deren Zusammensetzung und Kultur. Welche Verhaltensweisen werden belohnt – Zusammenarbeit, Konkurrenz, laut sein, brav sein?

Mit sechs Jahren sind Kinder oft recht rigide, was Regeln angeht. Was sie als Gesetz erkannt haben, das sollen alle genau so machen. So wird das gemacht, und nicht anders. Abweichungstoleranz eher so null, und sie ärgern sich, weil sie merken, dass sich doch sehr viele an gar nichts halten (auch die Erwachsenen nicht).

Am Ende der Grundschulzeit sind Menschen charakterlich bereits weitgehend geprägt, und die Bildung von Interessen ist ebenfalls mit 12 Jahren abgeschlossen. Was nicht angeregt wurde, kommt auch nicht mehr (mit hoher Wahrscheinlichkeit – ausgeschlossen ist es nie, dass neue Wege gesucht und beschritten werden).

Es folgt die soziale Selektion. Welche Schule wird nun besucht? Leistung ist ein Kriterium. Selbststeuerungsfähigkeit (soziale Anpassung) ist ein weiteres Kriterium. Beide Variablen stehen in engstem Zusammenhang mit dem sozialen Status, den die Herkunftsfamilie hat – Bildung, Einkommen und Besitz.

Wie gut die Mutter die Landessprache spricht, ist entscheidend für die Sprechfertigkeit des Kindes. Wie viel Geld in der Familie ist, bestimmt die Qualität der folgenden Ausbildung. Wichtig ist auch, wie viel Zeit die Mutter (oder die Eltern, wenn auch ein Vater da ist) mit dem Kind bzw. den kindern verbracht hat, und mit welcher Beziehungsqualität und Anregungsdichte diese Zeit gestaltet wurde.

Nach der Grundschule ist für die allermeisten der Lebensweg entschieden. Die absolut überwiegende Mehrheit bleibt in der Klasse und Schicht, in der sie geboren wurde. Entgegen den wohlfeilen Sprüchen von der Durchlässigkeit der Gesellschaft leben wir tatsächlich in einem Kasten-System. Wer das bezweifelt, möge sich soziologische Studien dazu zu Rate ziehen.

Und es kommt die Pubertät – die Geschlechtsreife zieht herauf, alles ändert sich durch die hormonelle Umstellung im Körper. In dieser Phase können junge Menschen eigentlich nicht beschult werden, weil ihr gesamtes System umgestellt wird. Trotzdem – und in direktem Widerspruch zu allen pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen über diese Vorgänge – werden genau zu diesem Zeitpunkt die Leistungsanforderungen erhöht. Der resultierende Stress macht die jungen Menschen natürlich wütend, zugleich werden sie mit ihrer totalen Machtlosigkeit konfrontiert. Man zeigt ihnen, wo der Hammer hängt. Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit. Eine Zwangsjacke.

Die von Haus aus gehemmten Menschen kommen später als andere in die Pubertät – auch das ein interessantes Phänomen. Und insgesamt verlängert sich die Phase der Abhängigkeit und Nicht-Autonomie in westlichen Ländern – das ist ein weltweiter Trend. Längeres lernen, weil komplexere Fähigkeiten in der Arbeitswelt gebraucht werden.

Für einfache, ausgeprägt männliche Männer wird es nun sehr schwer.

Die Tätigkeiten, die vor allem auf Körperkraft und Fitness aufbauen, sind durch Maschinen weitgehend ersetzt – wo es LKW gibt, braucht es keine Träger. Wo es Kräne gibt, braucht es sehr viel weniger Bauarbeiter. Strom und Benzin haben die Muskelkraft entwertet. Und – wo es Staat und Staatengemeinschaft gibt, wo der Krieg eingehegt wurde – und damit innerer und äußerer Frieden herrscht, so wie in Europa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges – da braucht es auch den Mann als Krieger nicht. Eher füllen die starken Männer mit dem hohen Testosteron-Spiegel die Gefängnisse, weil sie soziale Regeln schlechter lernen (eine Funktion des Geschlechtshormons!) und weil sie die Regeln häufiger brechen (95% der Gefängnis-Population sind Männer).

Für Frauen wird es ebenfalls sehr schwer. Einerseits ist biologisch die richtige Zeit, Kinder zu bekommen, zwischen 14 und 21 (ich bin nicht für Sex mit Kindern oder minderjährige Schwangerschaften!). Andererseits ist gesellschaftlich die Kindheit und die Jugend verlängert, es gibt mehr und länger zu lernen, und zudem eine Erwartung an die Frauen, dass sie sich selbst durch Lohnarbeit erhalten, statt dass die frühere Arbeitsteilung – sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, er um die Lohnarbeit – oder die noch frühere gemeinsame Feld- und Hausarbeit mehrerer Generationen auf gepachtetem oder eigenem Land noch möglich wäre.

Also verschieben Frauen, die aus der Mittel- oder Oberschicht stammen, das Kinderkriegen bis an oder über die Grenze von 30 Jahren. Biologisch ist das Bockmist, denn das erste Kind bekommen sollte vor 30 erfolgen, weil danach die Fertilität (wenn noch keines geboren wurde) steil abnimmt.

Unterschicht- und untere Mittelschicht-Frauen machen Kinder, aber haben dafür in der Regel einen Partner aus der gleichen Schicht, was bedeutet: Geringe Chance, ein gutes Einkommen zu erzielen, auch wenn beide Partner arbeiten. Dafür wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mann diese Konstellation verlassen – wie generell die Ehe durch eine Überlastung mit Anforderungen heute praktisch nicht mehr machbar ist. So kommen diese vielen, vielen allein erziehenden armen Frauen zustande. Die das biologisch richtige tun – und dafür gesellschaftlich abgestraft werden. Was dann die Kinder ausbaden dürfen.

Hier liegt der Grund, wieso sehr viele ganz normale Männer und Frauen heute arg unzufrieden sind – sie arbeiten sich den Arsch ab, erreichen dabei nichts, besitzen nichts und leben mit dem Gefühl, dass die Gesellschaft auf sie rein gar nichts gibt.

Betrachten wir die Einkommens- und Vermögensverteilung, dann liegen die Gründe dafür auf der Hand. Ich bin kein Soziologe, aber ich kann mit Lego-Steinen was basteln. und genau das habe ich getan.

Es gibt Statistiken, wer wie viel besitzt, und wie hoch das netto-Einkommen für bestimmte Bevölkerungssegmente ist. Diese Statistiken sind frei zugänglich. Sie tauchen in der einen oder anderen Form immer mal in der Zeitung oder im TV (was ich praktisch nicht nutze, lieber lese ich oder sitze am PC) auf, und das statistische Bundesamt macht es möglich, sich vieles anhand der offiziellen Zahlen anzusehen.

Interessant an den Statistiken ist vor allem eines: Sie werden immer komplett unanschaulich präsentiert. Das wollte ich für mich selbst ändern – daher das Experiment, die Gesellschaft bezogen auf Einkommen mal nach zu bauen – als Lego-Modell. Hier das Ergebnis:

Brutal vereinfacht: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten. Wem gehört Deutschland?

Die mittlere Säule – das sind Menschen. Wie viele in welcher Höhe Einkommen erzielen, ist durch das Volumen der Säule und die jeweilige Höhe angenähert. Es geht immer um das Einkommen einzelner Personen. Unter 1420€ netto liegen braun (Einkommen knapp über Harz 4) und schwarz (Harz 4). Das ist ein Drittel der Bevölkerung. Darüber die Mittelschicht (rot) mit einem Einkommen von 1420€ bis 2660€ netto. Das ist die Hälfte der Bevölkerung. Hier werden die Wahlen entschieden. Zusammen machen diese Schichten 80% der Bevölkerung aus.

Neben der zentralen Säule sind die Vermögen abgebildet. Ich habe leider gerade die Prozentwerte nicht mehr parat – es gibt aber einen separaten Blog-Eintrag (nämlich, als ich das Ding gebastelt habe), wo es genau drin steht, was wie wieso warum wie viel.

Hier nur der Hinweis: Die Schwarzen besitzen ein Legosteinchen, die Braunen 2. Erst ab der Mittelschicht (rot) gibt es was zu verlieren – sie haben etwa 16%. Besitz – wie Häuser oder Fabriken – findet sich dagegen zumeist bei den Top-20% der Bevölkerung, die 80% des Vermögens besitzen.

Das sind die Leute aus der oberen Mittelschicht (grün, Bildungsbürgertum – die Leute, die es gut meinen und die nicht wissen, wie gut und privilegiert sie es eigentlich haben) und aus der Oberschicht (gelb, hellgrün – die Liberalen-Wähler, Leistungsträger etc.).

Hier wird die Gesellschaft zum Turm – tatsächlich ist er sehr viel höher und spitzer, nur ist das mit Lego nicht machbar gewesen. Die Millionäre sind hier viel mehr (ihre Anzahl ist kleiner als ein Klötzchen) und viel näher am Rest dran, als es tatsächlich der Fall wäre bei einem besseren (genaueren) Modell.

Ich vereinfache mal brutal: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten, darunter 1% Weltbesitzer.

Und gerade wurde in NRW wieder mal die Reaktion (CDU/FDP) gewählt – da wird Sozialabbau und Privatisierung und Studiengebühren gemacht, wodurch die Geschichte sicher weiter schlimmer werden wird.

 

 

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Alle Menschen san ma zwider

Von wegen, es gäbe dieses Gefühl von Menschenverachtung und Menschenhass nur im Black Metal. Hier ein Zufallsfund.

Europa-Hymne mal anders. Paßt sehr gut zu der sich überall zeigenden Ausbrüche der Aggression, die unter dem dünnen Firnis der Zivilisation sich aufgestaut hat angesichts dessen, was das kapitalistische System aus uns gemacht hat. Hass und Selbsthass, das sind Elemente, die notwendig entstehen aus einem sinnentleerten Leben, aus der Entfremdung, aus der uns alle bindenden Sklaverei. Die Widersprüche gehen mitten durch uns durch, wir reproduzieren die Scheisse, die wir bekämpfen, und kommen da nicht raus.

Kurt Sowinetz (1972) – Alle Menschen Samma Z’wider

(sung to the melody of Beethoven’s 9th symphony, „An die Freude“)

(gesprochen, sinnierend)
Alle Menschen werden Brüder.
Olle?
Menschen wer’n Brüder?
Ah, WERDEN Brüder!
Alle Menschen werden Brüder.
 
(Chor:)
Na, wir wer’n kan Richter brauchen, weu wir ham a golden’s Herz,
Mir wer’n ollas übertauchen, und dann fohr‘ ma himmelwärts.
Mir san olle guate Lotsch’n, und d’rum homma uns so gern.
Do bei uns streckt kana d‘ Potsch’n, ohne daß die Erb’n rehrn.
 
(gesprochen:)
Ruhe! Ruhe!
Ich wer‘ Euch des jetzt übersetz’n, ohne Genierer, wiar i bi!
I winsch‘ Eich oll’n an Hauf’n Gretz’n, an Zeck im Ohr, und den gwi gwi.
 
(gesungen:)
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
Mir san olle Menschen z’wida, in de Gosch’n mecht‘ i’s hau’n.
Vota, Muata, Schwester, Bruada, und de gonze Packelrass‘.
Olle Menschen samma z’wida, wann i Leit‘ sich, geh’r i haß.
 
Wos, Ia’s kennt’s mi a net leid’n, und i sogt’s, I bin net g’scheid?
Oba mit so blede Leit‘ wer‘ i mi no long net streit’n.
 
(gesprochen:)
I bin, sogn’s, a Z’widerwurz’n. Sie sog’n, es is‘ nur der Neid.
I sog: Motschka’n kennt’s, wos tuat’s’n donn groß mit der
G’miatlichkeit?
Is‘ doch eh leicht zum G’neißen, schmiert’s Eich d‘ Gmiatlichkeit in
d’Hoor!
Bei mir werdt’s es ka Leiberl reißen, weg’n den feuln s‘ auf mi, is‘
klor.
 
Ollen Menschen bin i z’wida, se woll’n mi in d‘ Gosch’n hau’n.
I bin oll’n Menschen z’wida, in de Gosch’n woll’n s‘ mi hau’n.
Vota, Muata, Schwester, Bruada,
(gesungen:)
und de gonze Pack’lrass‘,
Ollen Menschen bin i z’wida, wann mi d‘ Leit‘ seg’n, gengan’s haß.
 
(gesprochen:)
Dabei bin i ma söba z’wida, dabei mog i mi söba net.
Jetzt denkt’s Euch: „Gö, da legst‘ di nieda!“ Jetzt hoit’s mi scho für
urndlich bled!
 
Locht’s nur ruhig, ias Safensiada! Eich wird’s Loch’n scho vergeh‘!
Bei der Bledheit samma Briada, des werdts hoffentlich versteh‘!
 
(gesungen:)
Und d’rum hoit i Eich scho wieder vur an Spiagel, an‘ genau’n:
 
(gesprochen:)
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
Mir san olle Menschen z’wida, in de Gosch’n mecht‘ i’s hau’n.
(gesungen:)
Vota, Muata, Schwester, Bruada, und de gonze Packelrass‘.
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
die Gosch’n hau’n, die Gosch’n hau’n, die Gosch’n
(gesprochen:)
Hau’n.
Der Kurt Sowinetz – ich finde, das ist ein Bruder im Geiste, den mag ich gerne. Ein Denkmal setzen ist schwer, aber einen Blog-Post schreiben ist leicht.
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Liberalisierung (Privatisierung) von Wasser

Ein lebenswichtiges Grundgut zum privaten Eigentum zu wandeln – das ist schon mit Land, Pflanzen, Tieren, uns Menschen, mit Häusern und Wohnungen etc. passiert. Das Ergebnis immer: Hast du nichts, kriegst du nichts. Es gibt Landlose und Wohnungslose, Hungernde, es gibt die grausame Realität der Tierfabriken, die abgeholzten Wälder.

Nun also Wasser. So sterben die Armen schneller aus – nur drei Tage, dann sind sie tot.

Zynisch, aber so sieht es aus. Wer meint, das sei so nicht – heute verhungern sehr sehr viele Menschen, während die Discounter Nahrung wegwerfen und Leute strafrechtlich belangen, die sich was aus dem Müll fischen.

Natürlich kommt dieser Aspekt – wenn Wasser privat ist, kann der Preis des Wassers leicht das überschreiten, was sich Menschen leisten können, die wenig oder kein Geld haben – in der Diskussion nicht vor, wenn mensch sich die Überlegungen des Umweltbundesamtes ansieht. Auch die Frage – was passiert in den Gegenden, wo es sich nicht mehr lohnt, die Versorgung anzubieten, wird nicht gestellt.

2000, Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1/dokumente/1888.pdf

Bei der Eisenbahn haben wir es gesehen, bei der Telekommunikation auch: Es gibt automatisch abgehängte Gebiete.

Da gibt es dann in Zukunft halt kein Trinkwasser mehr? Wer privates Grundwasser anbohrt, ist ein Dieb? So wie früher, als das Wild im Wald auf einmal nicht mehr allen, sondern dem Fürsten gehörte – wodurch ein neuer Typ von Kriminellem geschaffen war – der Wilderer.

Hier ein Beitrag vom Deutschlandfunk zur Liberalisierung des Wassers. Mehr dazu, wenn ich mehr recherchiert habe (falls ich dazu komme).

Im Grundsatz – wo kommt das private Eigentum eigentlich überhaupt her? Es gab in der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte wenig, was als Eigentum angesehen wurde. Das, was du an dir getragen hat, vielleicht eine Kiste voll. Vielleicht ein Pferd. Aber nicht 30% von New Jersey.

Dann kam ein Prozess, der sich durch die Geschichte zieht, und den Rosa Luxemburg beschreibt als ursprüngliche Akkumulation – das Allgemeingut (die Allmende) wurde zunehmend zum Privateigentum. Immer durch Gewalt und mit Macht gegen Widerstand durchgesetzt. Das kann bei Marx nachgelesen werden.

Historisch betrachtet trifft genau zu, was Proudhon gesagt hat: Eigentum ist Diebstahl.

Es findet sich ebenso in der Bibel: In den Häusern der Reichen liegt das geraubte Gut der Armen – das sagt der Prophet Jesaja.

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Allen Kindern beide Eltern (Demo Köln 10. Juni 2017)

Zum dritten Mal veranstaltet der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. die Demo „Allen Kindern beide Eltern„.

Getreu dem Kölschen Grundgesetz „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht, ist Tradition; was dreimal geschieht, ist Brauchtum“ schaffen wir damit ein Brauchtum, also eine Veranstaltung, die ständig wiederkehren soll.

Väter fordern das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht ab Geburt, gleichberechtigter Ansprechpartner in Erziehungsfragen zu sein – und mehr Zeit mit den Kindern.

Dafür gehen wir auf die Straße und kämpfen für unsere Rechte, denn Väterrechte sind Kinderrechte!

Allen Kindern BEIDE Eltern!

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Spendenkonto:
VafK Köln e.V.
Sparkasse KölnBonn
BIC COLSDE33 – IBAN DE 95 370 501 98 19 318 812 60
Verwendungszweck: Demo 2017

Väter haben es satt, als Unterhaltspreller und Rabenväter dargestellt zu werden. Die perverse Aktion von Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Manuela Schwesig hat nicht der SPD geholfen, sondern uns.

Zeigt der Öffentlichkeit, dass wir ein starkes Team sind, kommt alle – und wer kann, bringt Flyer, Plakate, Infomaterial und alles mit, was auffällt.

Unsere Demo der gesamten Väterbewegung am 10.06.2017 soll bunt und laut werden!

https://www.youtube.com/watch?v=eBoJ7InMD5M

Veranstalter:
VAfK Kreisverein Köln
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Antifaschistische Klassiker

„Die Klassiker lebten in den finstersten und blutigsten Zeiten. Sie waren die heitersten und zuversichtlichsten Menschen.“ Bertolt Brecht, „Me-Ti/Buch der Wendungen“, 1939.

Fortschrittliche Kulturschaffende und Intellektuelle wendeten sich in den Krisenzeiten von 1929 gegen nationalistische Hetze und Verhältnisse, die dem Menschen nicht würdig sind. Sie gaben den Erniedrigten eine Stimme, der Wut über die herrschende Ungerechtigkeit eine aufgeklärte und weltoffene Richtung, entlarvten mit wachem Blick den zunehmenden und von Justiz und Beamtentum tolerierten Nazi-Terror und wirkten für eine anteilnehmende und solidarische Gesellschaft.

Ihr Schaffen war aufrichtender Bezugspunkt und Ermutigung zu widerständigem und solidarischem Handeln gegen den aufkommenden Faschismus. Die Nazis mussten diese Kulturschaffenden und die Wahrheiten, die sie aussprachen, bekämpfen. Denn sie stellten der feigen sozialdarwinistischen Hetze, der dumpfen antiintellektuellen Romantisierung des „Ariertums“ und des soldatischen Gehorsams eine wissenschaftliche Weltanschauung, die Befürwortung des Lebens und die Überzeugung der gleichen Rechte aller Menschen entgegen.

Wenige Monate nach der Machtübertragung an die Faschisten, am 10. Mai 1933, brannten an den meisten deutschen Hochschulen die Bücher von jüdischen, bürgerlich humanistischen, pazifistischen und marxistischen Autorinnen und Autoren. Am 17. Mai auch an der Universität Köln. Nicht auf Befehl der NSDAP, sondern auf Initiative der Studierendenschaften unter Regie der völkisch-militaristisch gesinnten Burschenschaften und unter dem Wohlwollen breiter Teile der Professorenschaft.

Verbrannt und verboten wurden Werke von Heinrich Heine, Erich Kästner, Nelly Sachs, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Karl Marx und vielen anderen. Ihre Verfasser wurden verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder gingen ins Exil, wo etliche den Widerstand gegen den Faschismus als Geflüchtete fortsetzten.

Der Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis hat über 60 Millionen Tote gefordert, sechs Millionen Menschen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.

Und doch konnten die Nazis das „andere Deutschland“ nicht zum Schweigen bringen, haben Menschen widerstanden und konnte deshalb die Alternative einer menschenwürdigen Gesellschaftsentwicklung nicht vernichtet werden.

Das größenwahnsinnige „Tausendjährige Reich“ ist nach zwölf Jahren besiegt worden, der „Griff nach der Weltmacht“ endete mit der Kapitulation und vollkommenen Niederlage Nazideutschlands.

Text: Stammt vom AK Zivilklausel an der Universität zu Köln

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Fotografie

Mehr als mit bloßem Auge erkennbar ist, findet sich auf den Bildern. Schon der Vorgang, sich Zeit zu nehmen, um einen Ausschnitt zu wählen, bringt einen veränderten Blick auf die Umgebung mit sich.

 

Technisch ein Fortschritt – Dia-Show auf meinem Blog. Da freu ich mich drüber.

Sofort aber auch die Idee – ich hätte gerne Links von den Bildern zu weiter führenden Texten, und die Möglichkeit, auf einzelne Bilder gezielt zu verlinken. Frage natürlich – wie mache ich das?

Zunächst mal noch mehr Bilder – kleine Dinge in der Umgebung, zumeist. Random Images. Ich fotografiere gerne Aufkleber und Graffiti.

 

Mülheimer Brücke (Südseite), Berliner Straße – und zwei Bilder vom Bauwagendorf Wem gehört die Welt

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Bessere Menschen kommen (und ihr müsst hier weg)

Rund um mich herum sind Baustellen, alles wird mehr und schöner, das Alte weg und schnell neu. Es kommen bessere Menschen her. Wirtschaftlich gesprochen.

17. 6. 2017 – Demonstration

An den Ziel-Mieten der neuen Objekte läßt sich ablesen, dass diese Menschen ungefähr doppelt so gut sind wie die, die aktuell hier leben.

Richtige Leistungsträger können sich eben auch mehr leisten.

Mir gefällt das nicht, die Leute um mich rum zucken bloß mit den Schultern und machen weiter.

Wieso machen die das alle so brav mit?

Sie sind gezwungen, konditioniert, eingebunden, tragen Verantwortung, werden erpresst, sind Gefangene. Vielleicht ist das so.

Was ich sehe und erlebe:

Keine Kraft, keine Zeit, keine Lust, kein Bewußtsein für den Wandel, kein Gefühl dafür, dass es auch sie betrifft und vor allem sie auch etwas darin sein können, die Geschichte beeinflussen könnten.

Daraus könnte der Schluß gezogen werden, es müsse eben so sein oder es gehöre so, wie es ist. Diese Modelle werden vertreten – weil sie so bequem sind.

Fatalistische oder faschistische Modelle – wo entweder zwar die Bedingungen schlecht, aber eben auch unveränderbar sind oder im zweiten Fall alles erlaubt ist, was der Macht dient und die Welt immer in die Über- und die übrigen Menschen (neudeutsch Opfer) auseinander fällt; im Grunde die Mentalität und Moralität einer brutalen Verbrecherbande.

Beide Sichten auf die Welt erlauben es, die Empathie zu ignorieren, da wo sie die Effizienz mindert.

Ich kann das nicht. Wenn ich erlebe, was vor mir ist – da schläft ein alter Mann in einem Hauseingang auf dem Boden. Im Freien schläft der auf der Straße. Überall drum herum ist beheizter Raum, alles leer, aber beleuchtet. Und abgeschlossen.

Würde einer aufsperren, wäre der Alte nicht mehr der eisigen Witterung ausgesetzt. Ist doch scheußlich, so da zu liegen. Das will doch wirklich niemand.

Und es ist so verrückt. Ein Mensch friert auf der Straße – daneben ein leeres Haus, beheizt und beleuchtet und mit Klos und Wasser und Kaffeemaschine. Ein unnötiger Mangel, offensichtlicher kann es kaum sein.

In Steinzeit übersetzt:

Eine beheizte Höhle steht leer, drinnen brennt das Feuer – ein Alter sitzt davor im Freien in eisiger Kälte.

Wie könnte das passieren, das macht gar keinen Sinn?

Menschlich wäre, zu sagen komm rein alter Mann, du holst dir in der Kälte noch den Tod. Und wenn niemand da ist, würde man halt ans Feuer gehen, schon damit es nicht etwa aus geht. Muss ja jemand danach schauen.

Aber heute ist es normal: Dem einen gehört die Höhle, der andere hat daher mit Rücksicht auf die nun mal geltenden Regeln draußen zu frieren.

 

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Antisemitismus (einige Gedanken dazu)

Nicht sehr sortiert. Ein langer FB-Post. Damit er wiederfindbar ist, abgelegt als Notiz.

At every point Martin was available and he wanted to believe that the best outcomes were possible. A genuine humanitarian, someone whose writing of history taught him we could always do better in the future if we are able to learn the lessons of history.

— Gordon Brown

Sir Martin Gilbert ist mir aufgefallen, weil ich nachgelesen habe über die Geschichte der Familie Kushner.

In diesem Zusammenhang eine Menge an Gedanken, die als verbindendes Element Judentum und Antisemitismus haben.

Jared Kushner, Sohn von Joseph und Rae Kushner, ist ein millionenschwerer Immobilien-Manager und Berater von Donald Trump.

Er ist verheiratet mit Ivanka Trump und unter anderem für Mexiko und China der inoffizielle Ansprechpartner, außerdem als UN-Sonderbeauftragter zuständig für die Nahost-Friedensgespräche, ein Geschäftspartner von George Soros, Peter Thiel und der Familie Steinmetz, einer der reichsten Familien in Israel (Steinmetz Diamond Group). Natürlich hat er auch mit Goldmann Sachs zu tun. Zudem ist Jared als Chef der von Trump neu geschaffenen American Innovation genannten Gruppe für die Entbürokratisierung der Regierung zuständig. Mit seinem Bruder Murray Kushner (ebenfalls sehr reich und Immobilen-Manager) hat er sich offenbar dauerhaft überworfen.

Über diese Verflechtungen hat n-tv berichtet, und weil der Artikel von Hannes Vogel SEHR nach „jüdischer Weltverschwörung“ klang, dachte ich mir, ich recherchiere das mal. 
Ausgangspunkt waren diese beiden n-tv-Artikel: Die Kushner-Connection im Weißen Haus und Kushners geheime Millionen aus Israel.

Ich habe also damit angefangen, mir anzusehen, wer sind den „diese Kushners“.

Fertig bin ich damit natürlich nicht, sondern eher ganz am Anfang. Den habe ich zuerst gesucht, logischerweise.

Dabei kam ich historisch rückwärts suchend bis zu dem Zeitpunkt, wo es darum geht, was mit den 12.000 Juden und Jüdinnen in Novogrodek (Polen) nach dem Einmarsch der Russen passiert ist (Enteignung) und was dann nach der Besetzung durch Nazi-Deutschland passiert ist (Ghettoisierung, Vernichtung durch Massenmord).

Hier geht die Geschichte der Kushners – soweit dokumentiert – los: In Novogrodek ist Rae Kushner (Tochter von Zeidl Kushner, Frau von Joseph Kushner, dem Vater von Jared Kushner) 1923 geboren worden. 2004 ist sie gestorben. Sie hat den Holocaust überlebt, war mit 600 Menschen eingesperrt – dann Flucht durch einen heimlich gegrabenen Fluchttunnel, 170 Menschen haben es überlebt von den 250, die geflohen sind. Leben im Wald mit Partisanen, 1200 Partisanen waren das unter der Führung von Tovya Bielski. Von den geschätzt 20.000 – 25.000 Partisan*innen in Polen waren die meisten kommunistisch und in der Regel antisemitisch, so dass die jüdischen Partisanen auch gegen andere Partisanengruppen zu kämpfen gezwungen waren.

Artikel dazu: David Rosenthal – Jewisch Resistance in WW II (Jewish Frontier – NOVEMBER DECEMBER 1997 – story of bielkis partisans

In den Wäldern (markiertes Gebiet, Wälder und Sümpfe) gab es jüdische Widerstandsgruppen, die von den seit Generationen im Wald lebenden Holzfäller-Familien geleitet waren und die völlig ohne Unterstützung von Außen arbeiten mussten, da sie von den anderen Partisanen, die durch die Russen unter Stalin unterstützt waren, ebenfalls angefeindet wurden – deren Antisemitismus war ähnlich stark ausgeprägt wie der der Deutschen, so dass Erschießungen von Juden als „Spione“ durch von Russland unterstützte Partisanen-Gruppen durchaus oft passierten.

Martin Gilbert hat neben seinen vielen Arbeiten über Winston Churchill auch historisch geforscht über den jüdischen Widerstand in der Zeit des 2. Weltkrieges und – zeitlich später – über die Refuseniks – Menschen, die versucht haben, die Sovietunion zu verlassen; die Stellung eines Ausreise-Antrages führte regelhaft zu einer massiven Diskriminierung, meist Entlassung aus der Arbeit (für ALLE Familienangehörigen) und anschließend Gefängnisstrafen wegen „Sozialparasitismus“.

Der Antisemitismus in Europa – in Deutschland, Polen, Russland – ist kontinuierlich gewesen und von allen Seiten. Eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ – wie es die Nazis stets gesagt haben – ist da nirgends erkennbar, die Bolschewiki haben Juden und Jüdinnen ebenfalls recht gnadenlos verfolgt.

Aber sie nicht systematisch und industriell ermordet – das ist speziell an den Nazis und macht die Singularität des Holocaust aus.

Genozide gab es oft in der Menschheitsgeschichte – aber nie und nirgends eine solche geplant durchgeführte totale Enteignung, Entrechtung und Vernichtung, die durch einen Staat über seine gesamte Bestehenszeit hinweg konsequent betrieben wurde. Das ist der Grund, weswegen Relativierungen unter Bezugnahme auf andere Menschheitsverbrechen – wie „aber Stalin hat in den GULAGS doch auch Millionen umkommen lassen“ – unangebracht sind.

Wobei unbestritten es etliche mörderische Episoden insbesondere (aber nicht nur) in der Neuzeit gibt, mit jeweils Millionen vertriebenen Menschen und Millionen Toten. Ich bin ganz sicher niemand, der historische oder aktuelle Verbrechen der autoritären Kommunisten, der Nationalisten oder der religiösen Gemeinschaften und generell von organisierten Gruppen nicht wahrnimmt oder gar leugnet.

Natürlich ist der sogenannte Labor Zionism stark sozialistisch orientiert gewesen, mit vielen Menschen, die ein Israel aufbauen wollten, in dem die Juden und Jüdinnen eben nicht kapitalistisch leben. Diesen Aspekt – das Menschen, die im Judentum verwurzelt sind, Vordenker*innen der sozialistischen Bewegung waren – bestreitet niemand.

Zurück zu Jared Kushner. Trumps Tochter Ivanka ist mit Jared verheiratet und wegen ihm zum Judentum konvertiert, und die Familie hat viel Geld und sehr reiche Freunde mit sehr dubiosen Geschäftsmethoden.

Antisemiten werden das freudig zur Kenntnis nehmen – aha, da ist doch wieder der Beweis, dass USA und Israel gemeinsam das Böse auf der Welt darstellen und hinter allem die bösen Juden stecken.

  • Gegen Juden sein, das vereint (extreme) Rechte weltweit.
  • Gegen Juden sein ist auch gemeinsamer Nenner von arabischen Nationalisten aller Art sowie von (vielen) islamischen und allen islamististischen Organisationen. Wobei das Goldene Zeitalter der jüdischen Kultur unter der schützenden Herrschaft der islamischen Zivilisation statt gefunden hat – in dieser Zeit waren die Europäer sehr unzivilisiert und gewalttätig und weit davon entfernt, irgendwie der fortschrittliche Kontinent zu sein, der sie in den Köpfen vieler westlicher Leute heute und hier angeblich schon immer waren. Dabei ist die „Barbarei“ historisch hier erst kürzlich beendet worden, wenn überhaupt. Mit dem Finger auf „die Muslime“ zeigen, das ist historisch gesehen dermaßen unsinnig, dass es zum Schreien ist. Hochkulturen, da ist Europa wirklich erst lange nach vielen anderen mal an der Reihe gewesen. Hier war kulturell praktisch nie was los, was der Rede wert gewesen wäre. Nicht mal schreiben konnten sie, und die EDDA ist zwar spannend, aber kein Vergleich zu dem, was anderswo so entstanden ist.
  • Bei den sogenannten Linken ist Anti-Amerikanismus weit verbreitet, worin die antisemitischen Stränge ebenfalls deutlich sind. Soweit mit links eine emanzipatorische und humanitäre Richtung gemeint ist, sind Antisemiten niemals links, und Linke niemals bewußt Antisemiten.
  • „Israel-Kritik“ ist lediglich ein anderes Wort für Antisemitismus, was weniger verbraucht und mörderisch klingt. Im Kern meint es: „Bloß weil die Juden und Jüdinnen ansonsten ausgerottet werden, haben sie dennoch kein Recht, sich eine Nation gewaltsam zu schaffen“. Übrigens gibt es für kein Land der Welt eine solche „Kritik“ – außer für Israel. Oder hat schon mal jemand von „Deutschland-Kritik“ gehört oder gelesen? Das gleiche gilt für die „Besetzten Gebiete“ – nirgendwo sonst gibt es diese besondere Floskel, höchstens für die ehemalige DDR, wo es auch eine Weile hieß „derzeit sowjetisch besetzte Gebiete“. Umstrittene Territorien gibt es allerdings jede Menge, praktisch bei JEDEM Staat und jeder Nation sind Gebiete da, die irgendwie mehr und andere, die irgendwie weniger dazu gehören – eben weil Nationen und Grenzen auf Macht und Gewalt basieren. Texas beispielsweise, wo liest man „derzeit von den USA besetzte mexikanische Gebiete“? Auch die „derzeit von Deutschland besetzten Gebiete der Dänen“ werden so in der Regel nicht bezeichnet. Womit ich jetzt NICHT mißverstanden werden mag – es ist mir nicht egal, wie es den Palästinensern ergeht, und kein Staat darf beliebig Menschenrechte mißachten (auch wenn alle Staaten das tun, in unterschiedlichem Ausmaß – wobei halt ohne Staaten wohl auch keine Menschenrechte da wären, aber das ist ein anderes Thema). Was ich aber sage: Jüdische Menschenrechte sind ohne einen Staat Israel praktisch nicht denkbar bzw. zu fragil, diese Ansicht teile ich.
  • Von den Verschwörungstheoretikern brauche ich gar nicht anzufangen, da läuft es IMMER auf Antisemitismus hinaus. „9/11 was an inside job“. Und was ist dann die Wahrheit der Truther-Bewegung? Natürlich diese: „Es stecken DIE Juden dahinter“. Und natürlich paßt das irgendwie, denn das WTC gehörte einem reichen Juden, und damit ist die „Theorie“ bereits bewiesen. Dass es zum Wesen einer Theorie gehört, dass sie prüfbar (widerlegbar) sein muss, ist zu hoch für die Truther. Nicht umsonst gibt es diese breiten Überschneidungen mit allen anderen Sorten von geglaubten Unglaublichkeiten bei dieser Bewegung von erklärungssuchenden Menschen – Aliens, Ufos, Blood Lines, gefakte Mondlandung, „Holocaust ist nie passiert“, Nazideutschland wurde von Polen angegriffen, Hohlwelttheorie, Chem-Trails, etc. pp.

Sir Martin Gilbert ist Jude.

Bereits das reicht, um ihn für Antisemiten als unglaubwürdig zu stempeln. Entsprechenden Angriffen war er natürlich bereits des öfteren ausgesetzt.

Ein der historischen Forschung gewidmetes Leben und eine Liste von veröffentlichten Büchern, die gemeinsam ein enormes Regal füllen – voll mit kleinen und kleinsten Details und Quellenangaben, so wie bei Historikern allgemein üblich – ist dagegen irrelevant, denn:

Wer ein einfaches Weltbild hat, läßt sich durch Fakten bekanntlich nicht verwirren oder gar korrigieren.

Die schlimmste Weltanschauung, das ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nie angeschaut haben.

Selten habe ich etwas gehört, was so wahr ist, wie dieser eine Satz.

Für Komplexität haben viele Menschen wenig Verständnis.

Antisemitismus funktioniert wie ein Kurzschluss: Weil es mächtige reiche Juden gibt, ist er bereits bewiesen.

Ein Gegenbeweis ist in so einer Logik unmöglich.

Es gibt Juden, manche davon sind enorm reich und verwenden fiese Geschäftsmethoden – was sie mit Nicht-Juden übrigens gemeinsam haben, und wer das in Frage stellt, sollte mal zu einem Arzt gehen.

Weil das so ist, lassen sich immer „Connections“ zu Juden finden. Wir leben in einer Welt, die global verbunden ist durch das Börsensystem, durch Aktien und Investitionen. Jeder reiche Mensch hat da Anteile, ergo gibt es auch immer Anteile von jüdischen Personen und von Institutionen, wo Juden vertreten oder auch führend sind.

Allerdings sind keineswegs ALLE Juden reich oder mächtig, weder jetzt noch früher — sondern es sind die meisten Juden ermordet worden von Antisemiten, und das waren sehr oft bitter arme, ausgegrenzte Menschen.

Es sind auch keineswegs ALLE Juden jemals einer Meinung gewesen, oder werden es je sein – darin unterscheidet sich diese Gruppe nicht von irgend einer anderen auf der Welt, auch wenn das noch so oft behauptet wird im Rahmen der typischen Dämonisierung.

Dämonisierung, das ist ein wichtiger definitorischer Aspekt des Antisemitismus.

Inhaltlich: Alle Juden sind a) gleich und b) böse sowie c) nur böse.

Dämonisierung ist wiederum Bestandteil jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Menschen werden anhand von EINEM Merkmal als Gruppe zusammen gefaßt, und es wird für alle Mitglieder der Gruppe gesagt, sie wären a) auch in ALLEN anderen Hinsichten gleich sowie b) sie wären schlecht, böse, etc.

Wieso ist es wichtig, über diese Dinge sich schlau zu machen?

Was Israel heute ist, läßt sich ohne Kenntnis der Geschichte – ohne ein fundiertes Wissen über die Verfolgung der Juden durch die gesamte Geschichte der Menschheitsgeschichte hindurch – nicht mal im Ansatz verstehen.

Auch, was in USA passiert, wird erst verständlich, wenn Geschichte bekannt ist.

Wer natürlich nur einen Feind sucht, ist mit den Juden perfekt bedient – das hat Hitler erkannt, und es ist in „Mein Kampf“ ja nachlesbar, wie er erklärt, dass zu Propagandazwecken alle faktisch unterschiedlichen Gruppierungen, gegen die er vorzugehen sich vorgenommen hatte, zu einem einzigen Feind gemacht werden müssen in der Demagogie, weil eben das Volk eine einfache Erklärung sucht, wünscht und braucht.

Mit anderen Worten: Hitler war sehr bewußt, dass es nicht stimmt, dass hinter allem die Juden stecken. Und ihm war klar: Eine solche Erklärung hat dennoch sehr viel Durchschlagskraft. Zumal sie auf Ressentiments aufbaut, die bis in die Entstehungszeit der Juden zurück reichen und für die es überall und weltweit Anhänger*innen gibt.

Antisemitismus war und ist ein weltweites Phänomen.

Antisemitismus ist in seinen heutigen Formen nicht verständlich, ohne auf den ursprünglich „christlichen“ Anti-Judaismus zurück zu schauen. Christlich in Anführungszeichen, den Jesus war natürlich Jude und ein Rabbi, ein Gelehrter der Schrift und des Glaubens – wer ein Christ sein mag, kann daher nicht wirklich zugleich ein Antisemit sein.

Anti-Judaismus ist Judenfeindschaft, die sich als theologisch begründet sieht – „die Juden haben den Messias umgebracht“. Korrekterweise müßte man sagen „Einige mächtige Juden haben einen politisch nicht sonderlich mächtigen, aber offenbar bedeutsamen Juden, der ihnen theologisch nicht gepaßt hat, hinrichten lassen“. Mal abgesehen davon, dass es natürlich die Römer waren, die zu der Zeit die Herrscher waren, aber niemand macht deren heutige Nachfolger – die Italiener – für den Tod des Messias verantwortlich, woran man schon sieht – das ist Unsinn. Bloß hat es halt die Basis gebildet für viele Feindschaften, die oft wirtschaftlich und politisch motiviert waren und dann theologisch verbrämt wurden.

Nebenbei bemerkt – der zweite Weltkrieg war angesichts leerer Kassen des Deutschen Reiches praktisch undurchführbar, wenn nicht das Regime den Raub- und Vernichtungskrieg organisiert hätte – also das systematische Ausschlachten aller möglichen Geldquellen unter planmäßiger Ermordung der Eigentümer. Wobei – das ist bekannt – die Schweizer Banken eine wichtige Rolle spielten. Ohne sie wäre diese kriminelle Unternehmung gar nicht möglich gewesen.

Übrigens – eine Welt, in der kein einziger Jude mehr lebt, wird dadurch nicht plötzlich unkapitalistisch oder sonstwie ein nationalsozialistisches Paradies.

Wenn ich auf Vertreter*innen von eliminatorischen Ansichten („alle Juden ausrotten“) treffe, frage ich immer nach – was wird anders sein, wenn sie alle tot geschlagen sind, und wie kommt das zustande?

Dann bricht das schnell zusammen, denn es ist offensichtlich, das auch noch so „reinrassige“ Nationen sich hierarchisch organisieren, mit Reichen und Armen, und dass es zwischen Menschen fies zu geht, egal welche es sind.

Das Nachfragen lohnt: Ich kannte mal einen, der war erst Metaller, später Nazi, und hatte da seine Skinhead-Freunde. Den habe ich nach Jahren wieder getroffen und gefragt, wie es denn mit seinen Freunden so gelaufen ist. Stellte sich heraus, er hat sich da abgesetzt, weil sie ihm im Suff die Bude zerstört hatten, und er das Ausländer-klatschen nicht wirklich mochte. Heute ist das ein prima Kerl, hoch anständig und geläutert, und ein Menschenfreund.

Auch das sollten Leute im Kopf haben oder sich bewußt machen, die antifaschistisch denken und handeln:

Mit „alle Nazis weg klatschen“ oder „Nazis raus“ ist per se nichts gewonnen. Sicher ist es gut, ihnen kein Territorium zu überlassen und rechten Straßenterror soweit möglich wirksam zu unterbinden. Aber das ist nicht mit Gewalt allein lösbar. Sondern, es geht darum, was steht dahinter – Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung, Freundschaft, soziale Unterstützung durch eine Gruppe, gemeinsame Aktivitäten.

Es kommt darauf an, Begegnungsräume auf zu machen, Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen, die aus Wertschätzung und gegenseitigem Respekt basieren, wo Menschen was über andere lernen können, wo es möglich wird, aus einem Freund-Feind-Schema aus wieder raus zu kommen und sich gegenseitig ein wenig zu kennen, gemeinsame Dinge zu finden und darauf aufzubauen.

Denn auch Nazis (oder Salafisten, „Terroristen“, etc.) sind in erster Linie Menschen, und eben keine „Monster“.

Die Ideologie ist mörderisch, der Mensch aber kann sich entwickeln und diese krude Ideologie auch wieder verlassen (egal welche es ist). Das ist eine Sache von Erfahrungen und Arbeit an sich selbst und von Arbeit, Sport und Spiel gemeinsam mit anderen.

Konkret: Sobald so ein Nazi-Hool eine Freundin hat, ein Kind, eine Arbeit – da sind dann ganz normale Dinge wichtig, nicht die Gewalt gegen „Feinde“.

Natürlich gilt das für alle gewaltbereiten und gewaltsuchenden Menschen – Nazis, Hooligans, Salafisten, Terroristen, Amokläufer – eigentlich wollen sie nicht töten und getötet werden, sondern gut und menschenwürdig leben und auf ihre Leistung stolz sein, Freunde und Freundinnen haben, lecker essen, sinnvoll arbeiten, angenehm wohnen etc.

Angst, Armut, fehlende Bildungschancen, fehlende Gelegenheiten gesellschaftlichen Mitmachens, abgehängte Menschen, generell soziale Isolation und Ausgrenzung und vor allem Abwertungserfahrungen sind der Nährboden für Gewalt, Kriminalität und Extremismus.

Genau darum nutzen auch verkürzte Lösungsansätze wie „mehr Polizei fängt mehr Verbrecher“ (FDP, CDU, AfD, Teile der SPD) rein gar nichts. Vom Einfangen und Einsperren gehen doch Verbrecher nicht weg, und da Verbrechen eine reichlich willkürliche Kategorie ist – es geht um Macht und Besitz, die angeeignet werden – wird es das IMMER geben, solange es da was anzueignen gibt und solange es manche brauchen oder für nötig halten, sich etwas notfalls auch gegen geltende Gesetze zu nehmen, was ihnen nicht bereits zur Verfügung steht.

Von Verbrechen wird gesprochen, wenn es kleine Leute tun. Wirtschaftskriminalität und insbesondere Steuerhinterziehung wird praktisch nicht verfolgt, da wo sie von den Großen betrieben wird – ebenso wenig wie der fortgesetzte Raubzug, den wir im Rahmen des Neoliberalismus als Privatisierung zu bezeichnen erzogen wurden.

 

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Bestohlen worden

Irgendwer war mutig genug, um zu zu greifen und meinen Musicman mitsamt SD-Karte und schöner Musik-Auswahl einfach mal mit zu nehmen. Ok. Ich warte ja immer drauf, dass ich mal jemanden erwische, und ihm so richtig die Fresse polieren kann. Diesmal war ich zu unvorsichtig, Kölner Innenstadt in Dom-Nähe halt ein schwieriges Gebiet. Es hat scheußlich geregnet, deswegen habe ich mein Rad und meinen Krempel lieber unter der Überdachung gelassen, als ich zum Kiosk ging. Danach: Ärgerlicher Verlust, jemand hat sich meinen Musik-Spieler mitgenommen. Tja. Traf dann einen, der sagte: Es gibt Schlimmeres, was willst du dich jetzt ärgern. Womit er recht hat. Für 20€ ärgere ich mich 15 Minuten. Allerdings denke ich mir, ich muss wohl ein wenig mehr aufpassen. Zumal mich vorher am Bahnhof ein Obdachloser gewarnt hatte – lass deinen Musikspieler nicht so offen liegen, der wird geklaut. Und ich so: Nee. Das habe ich nun davon.

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