[PUBG] PlayerUnknown’s Battlegrounds

Über PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) habe ich ja schon mal was geschrieben, hier der Link zum ersten PUBG-Artikel.

Seit ich First Person Shooter (FPS) spiele, habe ich immer gedacht, was daran stört, ist die sehr schlechte Taktik der Computergegner. Künstliche Intelligenz (KI) ist halt schwierig, gerade weil das wesentlichste fehlt – stabil flexible Pläne. Menschen können das gut – sie haben ein Ziel (überleben) und unheimlich viele kreative Wege, das zu erreichen, egal welche Hindernisse auftreten.

Dagegen KI ist in der Regel nicht mehr als eine Sammlung von simplen Wenn-Dann-Entscheidungsregeln (Heuristiken), oder auch nur ein Bewegungsmuster. In vielen Spielen sind die Gegner komplett in ihrem Verhalten fest gelegt (gescriptet) und du kannst bzw. mußt sie also auswendig lernen. Langweilig. Wenn eine Herausforderung da ist, dann jedenfalls nur, weil die Gegner enorm viel mehr Ressourcen am Start haben – aber weder strategisch noch taktisch.

Multiplayer hat alles verändert. Seit Starcraft sind Netzwerkspiele möglich, und seit die Technik die Geschwindigkeit dafür her gibt, sind auch Shooter als Multiplayer am Start.

Bekannt vor allem Counterstrike, wo genau das halt zu sehen war, was wir uns gewünscht haben – heiße Action, null langweilige Vorhersehbarkeit und viel Abwechselung.

PUBG spielt auf einer verlassenen Insel, so eine russische Militär-Basis. Der blaue Kreis wird sich als nächstes im Spiel verengen auf den inneren weißen Kreis – und wer außerhalb der Zone ist, bekommt ständig HP abgezogen.

PUBG ist größer von der Map her, und durch den Spielmechanismus – nach und nach sich immer weiter verengende Zonen, wo gekämpft wird, bis einer übrig bleibt – ist dafür gesorgt, das Camper (Spieler, die nur an einem Ort bleiben und lauern) kein Problem sind.

Im Grunde war eine solche „Alle-Gegen-Alle“-Arena das letzte Mal bei Unreal Tournament für mich interessant – das war in der Wohngemeinschaft ein schöner Zeitvertreib.

Unreal Tournament. Bunt und fetzig. Die Unreal-Engine war 1999 eine echte Offenbarung für die Zocker-Gemeinde.

Danach habe ich lange und gezwungenermaßen die Hände von solchen Zocks gelassen – weil der PC einfach gnadenlos veraltet war. Entsprechend wenig habe ich von der realen Entwicklung des Genres mit bekommen – zwar drüber in der ct gelesen, aber selbst nichts angefaßt davon. ARMA zum Beispiel, bisher nie gespielt, obwohl es mich sehr reizt.

Operation Flashpoint war eine Zäsur – das hat alles vorherige in den Schatten gestellt.

Operation Flashpoint war mein letztes Spiel, wo es einen Versuch von Realismus im Zusammenhang mit FPS gab. Auch die anderen fetten Multiplayer-Shooter sind mir alle zwischendurch zwar bekannt gemacht worden, aber ich habe nicht mit gespielt. Hatte freilich viel anderes zu tun. Nun steige ich mal wieder ein wenig in virtuelle Welten und genieße das sehr.

PUBG camping. Keine gute Idee – vor allem nicht, wenn du nur eine Shotgun dabei hast 😉

Wobei Genießen vielleicht bei PUBG der falsche Ausdruck ist – das Spiel ist für mich extrem schwer, praktisch immer ist der erste Kontakt mit Mitspielern (spätestens aber der zweite) für mich tödlich.

Allem Ärger aus dem Weg zu gehen kann einen sogar in die Top-10 bringen. Nur: Irgendwann kriegen sie dich. Jedenfalls in diesem Game.

Ganz anders als die meisten Videospiele schaukelt dir PUBG nicht die Eier und stattet dich für Mausklicks peu a peu mit göttlicher Pseudo-Macht aus, ohne dass du dafür groß was tun mußt. Um auch nur einen Fuß auf den Boden zu kriegen in dem Spiel brauche ich eine ganze Weile sehr viel Geduld. Nicht gerade das klassische Narzissten-Futter.

Eher ziemlich maso. Man kriegt dauernd einen vor den Latz geknallt. Aber halt auch dauernd hoch spannend – ständige Lebensgefahr, ständige Bewegung und dauernd an sich überfordernd (was wohl daran liegt, dass ich sehr ungeübt in der Steuerung bin). Und der Nervenkitzel ist schon mehr als ein Kitzel – das Spiel ist schweißtreibend.

Wieso finden Menschen Nervenkitzel gut? Hormonausschüttung. Woher? Amygdala. Die macht Action erst spannend. Da gehen die Botenstoffe ab. Schweiß – das ist Adrenalin. Und dann gibt es Dopamin als Belohnung, wenn mal was geklappt hat.

Lage der Amygdala (Mandelkern; eine Doppelstruktur) im ZNS

Eine Zukunft, in der Menschen ihre Nervenkitzel mehr virtuell als physisch suchen, wird es vielleicht erwägenswert finden, den Videospielen einen gebührenden Ehrenplatz einzuräumen, statt sie für Zeitverschwendung und Unsinn oder gar schädlich zu halten. Videospiele sind Kultur, vermutlich mehr als nur ein bisschen. Sowieso das Spielen eine sehr unterschätzte Art, sich mit Dingen auseinander zu setzen.

Grimmmz erwischt den Typen, den ich nicht mal gesehen hätte, sofort. Er weiß einfach genau, was und wer wo sich bewegen wird, wie der Stand des Spiels gerade genau ist. Voll drin in dem Game, der Mensch.

Aber natürlich sind Spiele auch eine Anderwelt zum sich drin austoben, wo Sachen laufen können, die in der wirklichen Welt unerwünscht sind – wie zum Beispiel ein Kampf aller gegen alle bis auf den Tod. Bevor mir wer sagt – aber das ist doch schrecklich. Nee, es sind nur Pixel. Auch Schach ist Krieg, und auch da ist die Idee, wir haben einen Krieg, aber keine Schmerzen, weil er nur ein Spiel auf einem Brett ist. Bei den FPS ist halt das Brett dreidimensional und wenig abstrakt. Bloß – das täuscht gewaltig. Es sind enorme kognitive Anstrengungen nötig, um das Spielgeschehen in seinen relevanten Aspekten teilnehmend nachzuvollziehen und mental zu modellieren.

Wer PUBG spielt, wie es gespielt gehört: MrGrimmmz.

Wenn ich sehe, wie leicht da alles aussieht, wenn Brian PUBG spielt, gehe ich auf dem Zahnfleisch. Praktisch ein Gott auf dem Schlachtfeld. Weit bessere Spieler als ich sind da auch nur noch eines – Kanonenfutter. Und wieso? Weil er zu jedem Zeitpunkt weiß, was er da tut und wie es geht, und einen Überblick über das Gesamtgeschehen sich bildet aus den relevanten Aspekten. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht, vor allem nicht unter dem Level von Stress, den das Spiel automatisch erzeugt.

 

 

 

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