Hypnotherapie

Ich habe mich scheußlich aufgeregt über Hypnotherapie – ein Verfahren, was (soweit ich es kapiert habe) durch Suggestion eine Trance erzeugen soll, um dann, wenn die bewußte Kontrolle bzw. die Funktionen des Frontalhirns reduziert sind, nach neuen und kreativen Problemlösungen zu suchen, die bereits im Unbewußten bereit liegen.

Für mich ist das blanke Esoterik. Und weder ethisch vertretbar noch rational nachvollziehbar, von wissenschaftlicher Evidenz keine Spur. Eher ist es Unsinn, und ich denke, es kann durchaus Schaden anrichten. Notwendig oder hilfreich oder auch nur für mich vertretbar ist es jedenfalls nicht.

Was mich besonders stört: Wie in die Psychotherapie mehr und mehr praktisch beliebige neue heilsversprechende Lehren integriert werden, die alle rein gar nichts mit der ursprünglich strikt lerntheoretischen Grundlage der Verhaltenstherapie zu tun haben.

Selbstkritisch mag ich anmerken, dass mein enormer Ärger – dem ich dann auch Ausdruck verschafft habe im Seminar, sehr zum Leidwesen der anderen Leute – möglicherweise genau deswegen so raus geplatzt ist, weil Hypnotherapie wirkt.

Ich habe sehr viel aufgestauten Ärger in mir, den ich aber bewußt kontrolliere. Hauptsächlich, weil ich damit nicht umzugehen weiß und ungern Schaden anrichten möchte. Dann haben wir eine Gruppen-Trance gemacht, und whoops – ich platze vor Ärger. Allerdings wäre – falls das zutrifft – es auch ein guter Beleg dafür, dass diese Technik möglicherweise zu wenig vorhersehbaren Effekten führt. Außerdem hätte dann der Leiter die Verantwortung für meinen Affekt-Durchbruch … so gesehen mies, mich dafür dann zu maßregeln.

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten (PsychTh-APrV) sagt im §1 Absatz 1:

„Die Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten erfolgt auf der Grundlage von Ausbildungsplänen und erstreckt sich auf die Vermittlung von eingehenden Grundkenntnissen in wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren

sowie auf eine vertiefte Ausbildung in einem dieser Verfahren.

Sie ist auf der Grundlage des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes praxisnah und patientenbezogen durchzuführen.“

Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie von 2006:

„Die Hypnotherapie kann nicht als Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum
Psychologischen Psychotherapeuten entsprechend § 1 Abs. 1 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten empfohlen werden (…) „.

Wieso? Weil es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für Wirksamkeit gibt. Nicht mal einen Wirkmechanismus gibt es, der in irgend einer Form nachvollziehbar oder belegt wäre. Ganz zu schweigen von trennscharfen Abgrenzungen von Hypnose, Trance, meditativen Zuständen etc. Was zugleich eindeutig ist: Es wird eine nicht transparente Beeinflussung von Patienten durch Suggestionen versucht – eine Methode, die so etwas macht, ist auf keinen Fall Verhaltenstherapie, sondern hat darin ganz im Gegenteil NICHTS verloren.

Dessen ungeachtet ist „Hypnotherapie“ verpflichtender Teil meiner Ausbildung – kostet mich also Geld, Zeit und Nerven. Was bei einem Menschen wie mir unweigerlich dazu führt, dass ich dagegen scharf protestiere.

Leute haben im Laufe meines Lebens gelegentlich gesagt, ich sei zwanghaft und „persönlichkeitsgestört“, rechthaberisch, unangenehm. Mag sein. Und wenn schon? Heutzutage ist es bereits eine psychische Krankheit, überhaupt einen Charakter zu besitzen. Und hochgradig suspekt, wenn ein Mensch mit akademischer Bildung und Verstand sich entschieden und eindeutig äußert – weil die Erkenntnis, dass alles konstruiert ist, zu der komplett falschen Folgerung führt, dass alles beliebig sei. So ist das aber eben nicht. Sondern – es ist ein stetes Ringen darum, eine sich entwickelnde und immer weiter verbesserte Annäherung der Theorie und der sie konstituierenden Hypothesen an die Wirklichkeit zu schaffen. Wichtigstes Prinzip dabei: Die Falsifizierbarkeit. Aussagen müssen durch Experimente prüfbar sein. Denn andere Mittel gibt es nicht, etwas als unwahr zu beweisen. Und ebenso wesentlich: Wenn etwas unprüfbar ist, ist es keine mögliche wissenschaftliche Aussage. Drittens: Was sich als falsch herausstellt, gehört sofort und dauerhaft aus den Lehrbüchern entfernt. Beziehungsweise es steht dann dort: Die Theorie xyz konnte nicht belegt werden und gilt daher heute als obsolet. Was ich aber immer wieder erlebe: Es wird als angeblicher Beleg für Wahrheit die Behauptung angeführt, es handele sich um sehr altes Menschheitswissen. Da könnte ich immer sofort ausflippen. Sehr alt = sehr veraltet, nicht „sehr wahr“. Beispiele gefällig: Die Erde ist keine Scheibe, die Sonne dreht sich nicht um die Erde, die Sterne hängen nicht an einem Firmament etc.

March for Science

Wohlgemerkt, wer sich weiterbilden will, kann beliebige Lehren von beliebigen Lehrer*innen für sich erkunden, das ist mir vollkommen schnuppe. Ärgern tue ich mich allerdings, wenn ich als wissenschaftlich orientierter VT-ler gezwungen bin, mir mehrere Tage lang Sachen brav schweigend anzuhören, die ich für völlig abwegig und bestenfalls nutzlos halte.

Ich habe mich daher beschwert, zunächst in einer Mail an die Ausbildungsleitung der AVT:

Gmail – Beschwerde gegen den Inhalt Hypnotherapie als Teil des Pflicht-Curriculums der AVT Köln (ohne Mailadressen der anderen Personen)

Als Protestform habe ich einen offenen Brief geschrieben, weil meine Erfahrung immer gezeigt hat, dass private Gespräche regelmäßig nur dazu dienen, mich mundtot zu machen und Zeit zu gewinnen, um mir weitere Steine in den Weg zu legen:

Ausbildung Verhaltenstherapie – offener Brief an die AVT betreffend den Kursinhalt Hypnotherapie

Ich habe den Umgang mit mir als Person und meine Einwände aufgeschrieben:

Vorkommnisse Seminar Hypnotherapie AVT 2017-04-29

Gutachten von 2006: Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie – Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Hypnotherapie

Studienlage: Studien, die dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie vorgelegt wurden – Überblick

Cochrane Institute – der Goldstandard für Wissenschaftlichkeit im Gesundheitswesen: http://www.cochrane.org/about-us

Das Cochrane Institute hat zu „Hypnotherapie“ bezogen auf diverse Bereiche die vorhandenen Daten aggregiert und ausgewertet – jeweils mit dem gleichen Ergebnis: Keine Evidenz.

Hintergrund – AVT und Hypnotherapie sowie Situation in der deutschen Psychotherapie-Landschaft generell

Wieso die AVT die „Hypnotherapie“ im Curriculum hat, liegt darin begründet, dass einer der drei Geschäftsführer sowohl „Hypnose“ als auch „systemische Aufstellung“ neben VT praktiziert.

Zur Erinnerung: Bevor 1999 das Psychotherapeuten-Gesetz verabschiedet wurde, gab es keinerlei Regelungen, wer oder was eigentlich als „Psychotherapie“ gelten könnte oder eben nicht. Seit 1999 ist das geregelt. Ab da ist ein Psychologischer Psychotherapeut jemand, der a) einen Abschluß im Studienfach Psychologie aufweist und b) in einem anerkannten Verfahren als ausgebildet gelten darf.

Was darf mit der Krankenkasse bzw. der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden? Verhaltenstherapie (VT), Psychoanalyse (PA), Tiefenpsychologie (TP).

Was darf nicht abgerechnet werden? Von den häufigeren Verfahren wären das vor allem Systemische Therapie, Gesprächstherapie, Paartherapie. Diese Therapieformen sind – bei entsprechendem Behandlungswunsch – privat erwerbbar. Alle sonstigen Formen von „Psychotherapie“ – wie etwa Aufstellung, Hypnose, NLP, EMDR, um nur einige zu benennen – sind beim Psychologischen Psychotherapeuten als zusätzliche Angebote oder auch beim Heilpraktiker Psychotherapie oder auf dem freien Markt – wo sich die Angebote der sogenannten Esoterik tummeln – zu finden.

Wer darf abrechnen? Praktisch alle, die vor 1999 Psycholog*innen waren und irgendwie „Therapie“ angeboten hatten, bekamen einen Kassensitz geschenkt. Ich wiederhole: GESCHENKT. Diese Sitze (Abrechnungsgenehmigung mit der Kassenärztlichen Vereinigung) verkaufen die alteingesessenen Therapeuten heute teuer weiter – für 50.000 bis 70.000€ geht so ein Kassensitz in der Stadt an Nachfolger weiter.

Und die auf die Approbation (staatliche Prüfung) vorbereitende Ausbildung verkaufen sie uns für a) 18 Monate unbezahlte „praktische Tätigkeit“ sowie b) 25.000-30.000€ (Verhaltenstherapie) bzw. deutlich teurer in den Verfahren TP und PA.

Nun darf man gerne raten, woher eine Menge von dem Ärger in mir wohl herrührt.

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Gott spielen

Aus der Perspektive meiner Haustiere – einer Winkelspinne, die ich liebevoll Ninotschka genannt habe, sowie (wenn sie nicht alle sind) von etlichen Heimchen – bin ich objektiv Gott.

Subjektiv braucht die Spinne eine solche Idee wie „Gott“ nicht (und hat sie wohl auch nicht) – wohl aber die Fütterung. Also frische Heimchen besorgt – das sind so eine Art Grashüpfer, die du lebend kaufst – 20 Stück für 1,99€ (und sie zirpen niedlich). Auch für die bin ich Gott. Habe einerseits Mana regnen lassen – Kekse und Haferflocken, andererseits einen Ausweg aus der Box angeboten – der allerdings in den Tod führt, weil: In dem Teil vom Terrarium ist es nur eine Frage der Zeit, bis du erwischt wirst von Ninotschka.

Nun – ich habe diese Spinne gefangen, daher bin ich für sie verantwortlich. Trotzdem habe ich ständig alle möglichen komischen Gefühle bei dieser ganzen Sache – einfach zu sensibel.

Die Heimchen haben gleich klar gemacht – sie mögen nicht nahe beieinander sein. Kein Wunder. Generell ist das Heimchen ein Allesfresser und bedient sich in der Natur an allem, was es finden kann: Pflanzliche Nahrung, Aas oder andere Tiere – übrigens auch andere Heimchen, denn sie sind echte Kannibalen.

Also hab ich es für sie schön gemacht. Mit Platz zum Sich-Ausbreiten. Ninotschka wird schon nicht alle gleich weg fressen.

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Usertesting.de

Wayback Machine 27 Jul 2001 – 10 May 2010 – 48 captures

Personal Homepage of Martin A. Wild       Updated 17.05.2002
http://web.archive.org/web/20020529010158/http://www.usertesting.de/

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Mail: martinwild@web.de

ICQ: 101410021 (x2beetree)

News

2002-05-17

Psychologie-Diplom sehr gut bestanden – nur die Zusatzprόfung „Grundlagen der angewandten Informatik“ steht noch aus (kommt in der ersten Juli-Woche).

Die Party am 4. Mai war prima. Allen Helfern an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschφn – ohne euch wδre es nicht gegangen! Einige Bilder von der Party habe ich auf den Server gelegt.

Old „news“

2002-02-26 Morgen ist die gefόrchtete 6-stόndige Fallklausur fδllig. Inhalt: ICD-10-Diagnosen und eine Therapiezielskalierungstechnik („Goal Attainment Scale„). Ich grόble όber lauter merkwόrdige Dinge und versuche die in meinem Kopf unterzubringen.

Beispiel: Sensitivitδt („wie viele Leute, die Diagnose x erhalten haben, haben auch Sympthom y?“ und Spezifitδt („Wieviele Leute, die nicht Diangose x haben, weisen auch nicht Symptom y auf?“). Stimmen hφren ist nicht typisch fόr Schizophrenie (relativ niedrige Sensitivitδt), aber wer Stimmen hφrt, wird sehr sicher diese Diagnose kriegen (hohe Spezifitδt). Umgekehrt bei Depression: Wer ein, zwei depressive Symptome zeigt (Antriebslosigkeit, Grόbeln), kriegt noch lange nicht die Diagnose Depression (die Symptome sind unspezifisch). Aber wer als depressiv diagnostiziert wurde, zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Symptome (hohe Sensitivitδt).

2002-02-20 Die erste Prόfung ist rum (pδdagogische Psychologie, 2.3 gekriegt). Und ein Soundbite von mir, wie ich frόher mal geklungen habe, wenn ich auf ABs gesprochen habe.

2002-01-29 Die Infoseite zur Diplomprόfung όberarbeitet und Skripte hinzugefόgt

2002-01-21 Meine Prόfungstermine (Diplomprόfung Psychologie)

2002-01-20 Kleiner Hinweis: Unter grassplanet.de findet sich meine zweite Site. Mal reinschauen *g*

2002-01-05 Man kann Websites auch andersherum gestalten – schwarze Schrift und hellgrόner Hintergrund. Wie das aussieht? Hier kann man es sich ansehen.

2002-01-02 Nachdem ich gesehen habe, wie klein die Schrift auf einem guten Monitor mit entsprechend hoch eingestellter Auflφsung ist, habe ich alle Schriftgrφίen auf 12er-Schrift hochgesetzt.

2001-12-29 Die Optik der verschiedenen Teilbereiche aufeinander abgestimmt, Suchmaske (Google) auf jeder Seite. Verschiedene Erweiterungen und Ergδnzungen sowie neue Skripte fόrs Psycho-Diplom eingestellt.

2001-12-24 Psychopathologie-Skripte – alle Scripte (13 Word-Docs) zu Psychopathologie als ZIP-Datei (~320 KB) zusammengefasst.

2001-12-16 Linkseite όberarbeitet. Educational Psychology (als Teil der Diplomvorbereitung) ist in der Mache und soll ein eigener Bereich werden.

2001-12-13 Linkseite όberarbeitet. Mit der άberarbeitung der Usability-Seite angefangen. Beschlossen, dass die alten Inhalte auf dem Server und an den bekannten Adressen bleiben sollen.

2001-12-11 Relaunch

Wer vergleichen will – die alte Homepage und die alte Usability-Seite

Projekte

2002

Diplomprόfungen

Diplom2002-Website – Infoseite fόr Diplomanden WS 2001/2002

Intensivierung meiner Internet-Aktivitδten

2001

Relaunch der Website

aktualisieren und komplettes Redesign

Psychologie-Diplom

im Juni 2002 beendet

bambi hongkong (mit Christian)

Extremistischer Lowtech-Elektro-Noise

Diplom2001-Website

hab ich mir aber rasch anders όberlegt – einfach zu viel anderes zu tun gehabt

2000

Diplomarbeit

„Usability-Evaluationsmethoden im Vergleich: Prόfung der Gebrauchstauglichkeit von Lernsystemen durch Benutzerbeurteilung und User Testing“ (am 17. April 2001 abgegeben)

Bezug von usertesting.de

Die alte Homepage auf dem Uniserver schimmelt derweil vor sich hin, denn ich komme da nicht mehr dran. Sieht furchtbar aus. Da war ich noch s1778 *g* (ich sollte wirklich dran denken, den Leuten von Pixelpark meine neue URL zu geben, wenn die Usability-Seite όberholt und wieder wirklich brauchbar ist).

Einrichtung einer guten Arbeitsumgebung zuhause

Rechner, Scanner, Drucker, DSL, Musik etc.

1999

Umstieg vom Mac auf den PC

Netzwerke, Multi-OS – MacOS, Linux, Windows – und Hardware sind wichtige Themen. Und natόrlich Games (Starcraft rulez).

Δltere Texte aus dem Hauptstudium Psychologie

Die Texte stehen hier, weil ich noch nicht weiί, wo sie besser hinpassen

Diagnostisches Praktikum II – Computerdiagnostik (SS 1999)
Paper Δquivalenz von Papier-Bleistift-Tests und computergestόtzten Testversionen

Seminar „Internet fόr Psychologen/Gieίen Online“
Ausarbeitung Gelungene Websites – eine Einfόhrung (SS 1998)

Seminar „Multimediale Lern- und Informationssysteme“
Ausarbeitung Lernen mit Hypertext und Hypermedia (WS 1996)

 

Leben [was bisher geschah]

1970 Geboren in Frankfurt/Main

1972 Geburt meines Bruders Benjamin (ist Musiker geworden)

1974 Umzug nach Istambul

Besuch einer franzφsischen Vorschule

sowie der Deutsche Botschaftsschule Istanbul

Meine Eltern arbeiteten an der Deutschen Schule Istambul

1979 Rόckkehr nach Frankfurt

  1. Klasse an der Rφmerstadt-Schule

Wechsel auf die Liebigschule (Europaschule)

1989 Abitur

Zivildienst (Katholische Gemeinde Christ-Kφnig Eschborn und

zentrales hessisches Auffanglager HGU Schwalbach (ein Flόchtlingslager)

Studienbeginn Anglistik/Soziologie (L3)

Autonomes Jugendwohnprojekt Falkstraίe im Rahmen der

Initiative fόr gemeinsames Leben (Igel e.v.)

1993 Ende des Projekts, Studienabbruch und Sommer in Sόdfrankreich

Im Winter Studienbeginn an der Justus-Liebig-Universitδt in Gieίen

Studentendorf Unterhof (Wohnheim)

Weitere Reisen nach Sόdfrankreich

Intensive Beschδftigung mit Computern und (ab 1995) mit Netzwerken

Versuchte Auswanderung nach teilweise nicht bestandenem Vordiplom

Klappte aber dort nicht wirklich mit dem neuen Projekt

1997 Rόckkehr nach Giessen & Neubeginn

6er-WG Bleichstraίe 25 – „blaues Haus, erster Stock“ (Kult-Status)

Praktika bei einem in Giessen ansδssigen Psychiater sowie in Dόsseldorf

am medizinischen Institut fόr Umwelthygiene (MIU) – letzteres ein

Forschungspraktikum (hedonische Bewertung von Geruchsqualitδten)

Diplomarbeit zum Thema „Usability-Evaluationsmethoden“ – Prόfung der

Gebrauchstauglichkeit von Lernsystemen durch Benutzerbeurteilung und

User Testing“ (genau, da kommt der Domain-Name her!)

2002 Psychologie-Diplom

Details unter Diplom2002-Infoseite

Mehr drόber wenn ich dazu komme

 

Ideen-Liste

Unsortiert & stδndig erweitert

Dient dazu, mir den Kopf frei zu halten & zugleich die Ideen nicht zu verlieren

Vielleicht „klaut“ ja jemand einige Ideen und setzt sie um – das wόrde mich freuen

Schreib mir, wenn du Infos zu bestehenden Ansδtzen fόr mich hast!

Entwicklung von einfachen lowtech-multimedia-Anwendungen als webbasierte Simulationen (von Spielen bzw. von psychologischen Theorien): Prototyp Erwartungs-Wert-Modelle der Entscheidungsfindung befindet sich in der Mache

Datenbankgestόtzte Instant-Messaging-Systeme zum Austausch von „favorisierten Kulturobjekt-Informationen“ – die Idee besteht darin, dass sich Freunde gegenseitig Empfehlungen geben kφnnen, welche Bόcher, Comix, Filme, CDs, Autoren, Themen, Programme „etwas taugen“, wobei die Datenbank sich selbst automatisch aktualisieren wόrde und somit in der Informationsflut etwas wie „geteilte Wertungen“ mφglich wδre

Mit Fabian an einer vernόnftigen mp3-allround-lφsung arbeiten, die gut/leicht/schnell benutzbar ist und mit riesigen Datenmengen umgehen kann

Wieder Rollenspiele spielen (Warhammer, Paranoia, Call of Cthulu)

Mein Rollenspiel „mindscape“ weiterentwickeln – vielleicht als webbasiertes MUD?

Eine surrealistische Oper schreiben – Thema Deutschland/Europa, welche Identitδten sind mφglich (Klasse, Rasse, Nation, Kultur) und wo sind die Verwerfungen? Wie sehen die Wahrnehmungen der einzelnen Grόppchen aus? Das Ding soll weit entfernt von traditionellem Theater, eher an Brecht und Shakespeare orientiert, mit einem Wort „volksnah“ bzw. verstδndlich sein – aber eben nicht simpel und stereotyp, und das gerade dadurch, dass es die Stereotype herausarbeitet („Chor der Bild-Leser“ etc.).

Einen Film drehen – zu dieser Idee gibt es seit Jahren immer neue Skizzen und Ansδtze. Seit ich das letzte Mal mit Videotechnik gearbeitet habe (1991), hat sich ja enorm viel getan in Richtung auf Homerecording, Rendering etc.

Auswandern nach Sόdfrankreich – es gibt kaum etwas fόr mich, was meiner Seele so viel Ruhe und Freude bereitet, wie das Leben in der (recht menschenleeren) Gegend der Ardeche. Das Problem dort besteht immer in der Frage, wovon zum Henker man Leben soll in einer Gegend, die praktisch keine Verdienstmφglichkeiten bietet, insbesondere wenn man als Stadtmensch mit „richtiger Landarbeit“ komplett όberfordert ist. Vielleicht die Telearbeit?

Ein Buch schrieben (Arbeitstitel: „handbuch fόr planlose“). Zentrale Themen wδren der Mythos der Rationalitδt, der Mythos der Effizienz, die Problematisierung der Konflikte zwischen Selbst/Lebensplanung und dem Anspruch, das Leben als solches tatsδchlich mitzubekommen (i.e. wenn ich mich in einem Tunnel selektiver Wahrnehmung zielorientiert bewege, komme ich vermutlich irgendwo raus, wo ich mal hin wollte – dabei isoliere ich mich aber gleichzeitig von dem tatsδchlichen leben um mich herum, was mich nur noch erreicht, sofern es als „relevant“ eingestuft wird). Ein Kerngedanke ist der von den Amsterdamer Autonomen formulierte provokative Ausspruch „Wenn wir jemals einen Plan haben, dann sind wir verloren!“. Die eher deutsche Mentalitδt „Leben = Arbeiten = Effektivitδt maximieren“ ist in ihrer Verehrung der Clausewitz’schen Kriegsinstrumentalitδtsphilosophie (ich weiί kein passenderes Wort dafόr) meiner Ansicht nach in eine schlimme Sackgasse gegangen, aus der sie nur durch transkulturelle (und/oder Subkulturelle) Lernerfahrungen wieder rauskommen kann (wenn όberhaupt).

Eine Version des Globe Theatre entwerfen, die mit „low-budget-high-tech“ arbeitet

Eine datenbankgestόtzte Wissensmanagement-Software auf xml-basis entwickeln

Agenten fόr die selbststδndige internetrecherche bauen

Besser programmieren lernen (perl)

Mehr von photoshop kapieren

Musik machen (siehe bambi honkong)

Ein Banjo kaufen

Elektrotechnik lernen – im Zusammenhang mit Eingabe/Abspielgerδten („Instrumente“), mit denen via Midi auf Samples zurόckgegriffen wird. Es steckt die Idee dahinter, etwas wie „unnatural Instruments“ zu konstruieren, einen direkten Zugang zum Jammen zu erφffnen, der mit den bisherigen Instumenten und auch der Einstellung „echter“ Musiker zu ihrer Arbeit ein Stόck weit bricht und den DIY-Gedanken wieder aufleben lδίt (der den Punk stark gemacht hat – eigentlich bedeutet Punk (mir) einfach „du kannst es tun, wenn du es tun willst“)

Einen neuen Rechner zusammenstellen

mein kung-fu verbessern

einen neuen reisepaί beantragen

das „goblin-projekt“

alte freunde besuchen – berlin, frankfurt, ruhrpott

im sommer wieder reiten gehen

einem schόtzenverein beitreten

weniger rauchen und gesόnder leben *g*

eine freie schule grόnden

mein zimmer aufrδumen

eine neue freundin finden

linux wieder neu installieren

meine entferntere familie mal wieder sehen

bisschen mehr geld zum leben auftreiben

haare und bart schneiden

einen anzug kaufen, den ich gerne anziehe

ein eigenes tarot-set konstruieren

 

Disclaimer

Damit keine Miίverstδndnisse auftreten: Mir ist bewuίt, dass ich statistisch noch etwa 44 Jahre zu leben habe (falls in meiner Zukunft weniger geraucht und gefeiert wird, sogar noch lδnger!).

Und das alles viel lδnger dauert und meistens auch viel zu viel Geld kostet. Und das vieles einfach nicht zu gehen scheint, unmφglich ist etc.

Aber wollen kann man es doch trotzdem.

Und tun – na, das eine oder andere wird wohl auch tatsδchlich umgesetzt. Auίerdem ist es wohltuend, einfach mal der Fantasie ihren Raum zu geben. Und nichts zu tun. Falls man das hinkriegt *g*

 

Zum Schluί

Eines Tages saί ich auf einer Brόcke in Prag. Es war sonnig, ein klarer Tag und etwas kalt. Ich bemerkte in der Menge einen kleinen Jungen, der sich eigentόmlich bewegte (nicht wie die anderen Leute darauf bedacht, rasch die Brόcke zu όberqueren, sondern eher sich heranpirschend). Der Junge kam heran, schόchtern, legte dann ganz fix eine Mόnze (Krone) vor mich – und wetzte davon.

Nun, was auch immer.

Ich guckte verdutzt, betrachtete die Mόnze. Fόhlte mich glόcklich, was leicht ist, wenn man verliebt ist und mit zwei netten Mδdels in Prag rumhδngt – das war noch vor dem Krach mit Astrid wenige Tage spδter, und ich hatte da noch meine rote Ente, hmhm lange her – glόcklich jedenfalls, und wunschlos, gut vielleicht wollte ich mir ein Banjo kaufen, da hatte ich zuvor im Musikladen viel Freude daran, aber das Geld fehlte mir dann doch – wunschlos trotzdem. Die Mόnze in der Hand, glόcklich.

Werf ich doch die Mόnze hinter meine Schulter in den Fluί, und habe mir dabei Wόnsche gewόnscht. Vielleicht war das nicht gerade eine meiner Glanzleistungen.

 

 

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Radio Giessen

Hatte kein geeignetes Logo zur Hand – das muss erst wieder in den Datenhalden gefunden werden.

Ein Projekt, was es schon seit über 10 Jahren gibt. Total unbekannt. Daher mal eine kleine Retrospektive.

x2beetree. Hochgeladen am 20. März 2008

Spuren der ersten Produktionen sind noch im Netz zu finden. Allerdings ist last.fm irgendwie nur noch ein funktionsloses Frontend für Spotify, und dort ist nichts an Daten mehr vorhanden. Google findet auch exakt NICHTS. Von wegen „das Internet vergisst nie“.

Mal die Wayback Machine gefragt … dort gibt es eine gespeicherte Version meiner früheren Websites: www.grassplanet.de und www.usertesting.de

Bisher keinen Erfolg gehabt, irgendwas wieder zu finden. Seit mir mal 2 volle Festplatten abhanden kamen, bin ich sehr am Suchen, was davon ich *vielleicht* noch irgendwo wieder in Backups finde 😉

Die ersten Aufnahmen waren so, dass eine Session stattfand, einfach eine Unterhaltung vor dem PC, mit wechselnd und planlos eingespielter Musik dazu, und wir uns übel zugerichtet haben. Konzeptionell wie „Die Radiotrinkerin“ von Max Goldt.

Dann gab es Zoff, und danach nur Radio Giessen Solo-Produktionen von mir.

Zunächst und zuvorderst den schwarzen Weltraumtrümmer „Black Metal Dog“ — ein sehr intensives Stück, geschrieben als meine Ex unsere 110qm-Wohnung mir zum Bezahlen zurückließ und mit dem 4 Monate alten Sohn ausgezogen ist. Hab das Stück eigentlich immer auch gespielt, wenn ich Metal-Abend gemacht habe. Locker 10 Jahre habe ich ja Extreme Metal (Death, Black, Melodic Death, Gore, Grind, …) aufgelegt, zusammen mit Florian Michnacs, als „Die Jungen aus der Hölle“ in der Kultkneipe Domizil, dem legendären Musikkeller in Gießen (Braugasse 666). Leider vom Ordnungsamt derzeit geschlossen, und das Haus in Besitz der türkischen Hells in Gießen. Tja. Wir wollen die Kneipe wieder, bloß wird es wohl eher eine Shisha-Bar werden.

Zwischendurch eine ganze Menge Zeugs unter dem „Radio Giessen“-Brand und anderen gemacht, was mir gerade kaum richtig einfällt. Immer mal wieder. Poste ich hier, wenn ich was finde davon.

Das letzte Release von Radio Giessen – Lordz of Chaos – ist immerhin noch da. Allerdings ist das sehr hin gehuddelt gewesen, nach langer Pause. Egal.

Auch bekannt als „Die Unvollständige“.

01 – Pianotrack1

02 – Tanzdiktaturiatentum

03 – Drum And Bass

04 – Drum Bass Voice

.-.

Wird wohl eher auf ein Re-Release hinauslaufen bei den meisten Sachen. Finde echt NIX wieder. So ein Shit.

.-.

„Dead Rabbit“ ist wieder im Wesentlichen klassischer Black Metal, gemischt mit meiner Vorstellung von GoreGrind und ein wenig Melodic Death. Und natürlich Hysterie, Pathos, was halt bei mir so am Start ist.

 

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Depression

Depression, das ist eine Konfiguration des psychischen Apparats, wo wesentliche Verbindungen nicht funktionieren. Die Sub-Systeme sind da und arbeiten, aber die Integration ist nicht möglich.

Namentlich sind abgetrennt: Lust, Wohlgefühl & Genuß, Liebe — von Denken, Wahrnehmen, Planen, Handeln.

Resultat: Käptn Kopf fragt sich angesichts der Freudlosigkeit: Wofür?

Diese Konfiguration ist unnatürlich. Sie ist etwas Gemachtes. Und es ist sehr energie-intensiv, sie aufrecht zu erhalten. Weil eine negative Energie-Bilanz besteht, führt sie zudem unausweichlich zum Zusammenbruch. Bedeutet: Es kostet Kraft, aber es kommt keine neue Kraft nach, bis totaler Lustverlust und Erschöpfung erreicht und alle äußeren Ressourcen sinnlos ausgelutscht wurden. Und dann ist Suizid eine häufige Reaktion, falls nicht neue äußere Quellen erschlossen und dann leer gemacht werden können.

Weil die Integration nicht funktioniert, sind auch Beziehungen – wo ein ganzer Mensch gefragt ist – nicht führbar. Den Partner kostet es so viel Kraft, bis sie oder er genug hat – aber es ist immer nutzlos, Depressiven eigene Kraft abzugeben.

So funktioniert das nicht.

Sondern: Der Weg raus ist klar und gut beschrieben. Und er muss durch den Depressiven gegangen werden. Nämlich: In der Erkenntnis von ICH BIN KAPUTT steckt eine Aufgabe – REPARIERE DICH SELBST.

Und zwar so: Bereits das Wort KAPUTT gibt den entscheidenden Hinweis … Caput, der Kopf bzw. Schädel. Genau genommen das Frontalhirn, was uns steuert und plant und macht und tut.

Sehr viel von der Art, wie der psychische Apparat arbeitet, basiert auf Hemmung. Schaut man sich Neuroanatomie an, schalten immer Systeme auf andere Systeme mittels negativer Rückkopplung. Wenn A, dann nicht B oder C. Weil sonst das Hirn alles gleichzeitig wahrnehmen und integrieren und tun wollen würde, was Psychose macht, sprich: Totaler Irrsinn.

Das ist technisch nicht drin. Daher ganz gut, wie es eingerichtet ist. Bloß: Wenn halt das Frontalhirn alle anderen Systeme zugunsten von fragwürdigen Zielvorstellungen dauerhaft auf Null setzt, wird das Leben unlebbar.

Nicht Karriere oder tot, sondern (zu viel) Karriere == Tod.

Um ein typisches Beispiel zu nennen. In der Regel geht es nicht wirklich um positive Ziele, sondern um Vermeidung. Die Karriere ist ein Deckmantel für Streben nach Sicherheit durch Geld (eine Illusion), für Streben nach Liebe durch Leistung (noch eine Illusion), für Streben nach Auflösung der inneren Spannung durch symbiotische Verschmelzung mit einem dominanten Elternteil (noch eine Illusion).

Hinter allem steckt ANGST. Und zwar vor Schmerz, Strafe, Vernichtung. Was die Eltern und Lehrer in uns eingepflanzt haben: Sei nicht du selbst, sonst kannst du was erleben (Liebesentzug, eine Tracht Prügel, Abwertung, Beschämung, etc.). Sei ein guter Junge, ein richtiger Mann, eine echte Frau, ein guter Soldat, ein braver Katholik, ein leistungsstarker Mitarbeiter, blablabla.

Alles Bullshit, wenn mensch es damit übertreibt.

Weil Hyperfrontalität (zu viel Kontrolle durch die Ratio) gelernt ist und weil es unnatürlich ist, Inhalte für wahr zu halten, die unglücklich machen, kann der Zustand leicht revidiert werden: Nämlich durch Neues lernen.

Allerdings dauert lernen, und es ist mühsam, weil es wiederholt werden muß, damit das Hirn wächst und sich entwickelt. Ja, da wachsen neue Neuronen-Verbindungen, genau das ist Lernen. Zusätzlich ist blöd, dass unter Angst das Lernen sehr erschwert ist.

Während Vermeidungsverhalten immer sofort eine Belohnung bringt – puh, den Vortrag abgesagt, ich hätte mich bestimmt blamiert – garstigerweise aber die ANGST damit gestärkt und bestätigt wird – ich werde nie Vorträge halten, ich merke auch, ich sage immer weniger gerne überhaupt was persönliches vor irgendwem … und raus gehen, lieber nicht. Etc.

So geht negative Rückkopplung, die entgleist. Normalerweise gibt es eine Art von Kreislauf, immer kommt ein System nach dem anderen dran, Arbeiten, Essen, Erholen, Schlafen, mal Tanzen, Ficken, raus in die Natur gehen, unter Leuten sein, alleine sein, … jede Monomanie ist tödlich, sprich: Immer mehr von immer weniger tun, immer mehr nur eine Sache machen, das ist die Crux bei dieser Geschichte.

Eine Aktivität kann nicht alle Bedürfnisse befriedigen.

Daher besteht die scheußliche Zumutung einer solchen Aufgabe darin, genau gegen das Verbot (was im Kopf programmiert ist) zu handeln. Das geht natürlich nur, wenn darin ein höherer Wert erkannt und dem eine emotionale Bedeutung gegeben werden kann.

Depressive sind nicht gut motivierbar, weil: Alles sinnlos, weiß man doch bereits. Ich habe früher immer gerne gesagt: Wird sicher ätzend. Und so war es dann auch, oft. Weil ein Mindset ja auch zu einer in einer bestimmten Weise eingefärbten Erfahrung führt – Wahrnehmung und Bewertung sind nur schwer zu trennen, und wenn die Bewertung von vorne herein fest steht, folgt ihr die Wahrnehmung natürlich.

Die, die Glück haben, kippen in andere Zustände und erleben da was Anderes. Rausch, Entgrenzung, Rituale – das sind typische Mittel für veränderte Bewußtseinszustände. In denen erfahrbar ist: Aha, ich kann durchaus anders fühlen, wenn mein Frontalhirn mal nicht das Sagen hat.

Um daraus nicht die falschen Schlüsse zu ziehen, bedarf es aber des Verstandes oder der Hilfe zur Erkenntnis – das nämlich einen Weg zu einem Ort zu finden mittels einer magischen Methode NICHT bedeutet, dass nun immer dieses Mittel genutzt werden will. Sondern: Es ist eine Vision, eine Vorschau auf den Menschen, der in einem darauf wartet, entwickelt zu werden, und zwar durch Arbeit an sich selbst.

Glücklicherweise sind Irrwege immer enttäuschend, und dieses Ende der Täuschung ist toll, denn es sagt dir: So nicht, probier was anderes. Und unterwegs lernt mensch nebenbei sehr viel, weswegen Umwege die Ortskenntnis erweitern (sich verfahren, das passiert nur Leuten, die es eilig haben, und an ihrem Leben vorbei leben).

Planen ist gut, weil es das Hirn vor-organisiert und weil es Materialbeschaffung im Vorhinein ermöglicht etc. — aber Pläne gehören insbesondere im privaten Bereich gemacht und dann sofort in die Tonne entsorgt, weil: Leben immer anders.

Ziele sind wichtig, Pläne müssen stabil-flexibel sein, also ich versuche es mal so und sofort wechseln, wenn das Feedback ist so geht es nicht. Stabil-flexibel bedeutet – das will ich erreichen, und zwar so oder so ähnlich (und zur Not auch ganz anders als zunächst gedacht).

So. Hier für heute Schluß, schreibe ich bei Gelegenheit weiter. Wieder ein Stück von dem Buch, was ich immer schreiben wollte, geschafft.

 

 

 

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Verneige dich vor deinen Eltern (als Akt der Selbstliebe)

Denn sie haben einiges dafür getan, dass du da bist und so, wie du heute bist.

Nicht meine Idee – sondern: Ich traf kurz nach 01:00 Uhr beim Heimkommen von ausgedehnter Radtour nach getaner Arbeit aus der Innenstadt daheim ein, mit lauter Taschen und Schlepperei, treffe im Hausflur meinen Vermieter, der ein schlecht verkleideter Bodhisattva ist.

Habe dem gesagt, was auch immer meine bekloppte Mutter ihm gesagt hat – sie hat alle möglichen Leute angerufen, weil sie meinte, ihre „Sorge“ berechtige sie dazu – bei mir alles ok.

Er hat sich na klar nicht beunruhigt, meinte dann, alle Eltern sind bekloppt, so ist das nun mal. Stimmt, ich bin auch Elter, und bekloppt, bloß halt anders als Mom.

Richtig ist: Sie haben einiges getan. Ist viel Arbeit, Elter zu sein. Und schwierig. Und teuer. Und trotzdem – ich könnte kotzen bei der Vorstellung, dass ich dankbar sein MUSS.

Muss einer auch erst mal einfallen, zuerst drei Wochen lang nie ans Telefon zu gehen, wenn ich anrufe, sondern meinen geistig nicht so wirklich auf diesem Planeten weilenden Vater dran zu schicken … und dann nach drei Tagen, die ich offline bin – Radtour gemacht, Handy verloren, gestern Nacht glücklicherweise wieder gefunden – sich Sorgen um mich zu machen.

Bullshit. Ich habe bloß nicht wie der dressierte Affe angerufen zum Geburtstag – that’s all. Zumal der Double-Bind – 1) ruf nicht an, aber 2) wehe du rufst nicht an – hier perfekt inszeniert ist. So ein krankes Hinkel.

Ich versuche alles, um den mörderischen Schmerz zu verarbeiten, den es gemacht hat, dass meine Ex mir meinen Sohn entzieht, speziell: Das letzte Treffen am 7. 3. 2017 kurz vorher per SMS abgesagt; ich sei ihrer Ansicht nach nicht stabil genug – da kann ich nur sagen [ … Bitte hier übelste Flüche, Beschimpfungen, Verwünschungen etc. einfügen nach Gusto, dann mal 1000 nehmen, und das ist nicht genug …]. Möglichst, ohne eine totale Krise zu kriegen und komplett vor die Hunde zu gehen. Braucht harte Maßnahmen, ich habe sehr heftig um Balance ringen dürfen.

Und Mutter? Sie schickt mir per Mail Bilder von

a) lieblichen Blumen (die es, wo ich lebe, nirgends gibt; hier ist nur Beton)

b) Bilder von meinen geliebten und schon Jahre toten Hunden (und ich kann hier keinen Hund haben, was mich ständig schmerzt)

sowie

c) Bilder von mir und meinem Sohn bei mir, wie ich ihm vorlese und wir zusammen lachen (wo klar ist – meine Ex hat einen sadistischen Spaß daran, dass es nie wieder so werden wird; das kann ich daher vergessen).

Bisher nicht ein tröstendes Wort von ihr gehört, nur Bullshit und Gejammer. Und vor so jemand soll ich … mich verneigen? Salz auf die Wunden, immer eine feine Sache. Weil, ich leide ja sonst nicht genug. Danke sehr.

Danke, dass du mich so hart gemacht hast, wie ich heute bin.

Danke, dass du mich so gemacht hast, dass ich keine Beziehungen haben kann.

Danke, dass du mich weiter mit deinem Schwachsinn traktierst, aber bisher nicht einmal auch nur ansatzweise zur Kenntnis genommen und irgendwie Verständnis für die ausführlich ausgebreitete Darlegung von was bei uns als Familie schief gelaufen ist gezeigt hast.

Durch dich habe ich gelernt: Verständnis, das ist was für Weicheier – immer Recht haben ist der Weg nach vorne.

Ich habe auch gelernt: Ich habe immer Unrecht (wenn Mutter in der Nähe ist). Und: Falsch ist richtig. Böse ist das neue Gut. Von Allem ist immer genau das Gegenteil wahr. 

So wurde ich der antagonistische Kotzbrocken, der ich heute bin, und das ist auch der Grund, weswegen ich mich und alle anderen so dermaßen liebe …

Danke auch, dass du deinen Mißbrauch so schön instrumentalisiert hast und damit mich seelisch zu einem Krüppel gemacht hast. Hätte ich ohne deine Hilfe wohl kaum so gut hin gekriegt.

Ich wußte genau, warum ich NIEMALS Kinder machen wollte – weil niemand so ein Leben verdient, und weil mir klar war, ich kriege das nicht mehr aus mir heraus.

Deswegen bin ich auch nicht Lehrer und Beamter (oder sonst irgendwas bürgerliches) geworden, weil:

Irgendwann meinte meine Freundin, ich träte ja in die Fußstapfen meiner Eltern, sie fände das gut. Und weil sie zwar nicht sonderlich helle war, aber hier in diesem Punkt emotional genau getroffen hatte, habe ich das sofort korrigiert und abgebrochen. Bin dann Punk und Hausbesetzer geworden, und seit dem gegen alles. Kann man pubertär finden; in dem Fall ist es wohl eine etwas längere Phase (nun 27 Jahre) und ich kann froh sein, dass das mit den Pickeln sich nach 21 gelegt hat 😉

Der Sohn, das ist passiert, und es war wunderschön, ich bin sehr gerne Vater (eigentlich Mutter), und wegen ihm habe ich sogar versucht, normal und Spießer zu werden (was nicht ging) und nach 6 Jahren war es auch vorbei mit 50:50, noch 3 Jahre drum gekämpft, ihn sehen und mitkriegen zu dürfen — aber heute: Kapitulation. Ich kann ihn nicht schützen vor seiner Mom, die genau so eine […] ist. Und ich nutze ihm nix. So, wie mein Vater nicht schützen konnte (tatsächlich ist er Komplize) und statt dessen halt in einer Anderwelt lebt.

History repeats itself. So ist das nun mal. Tata. Hier noch eine super tiefe Verbeugung.

 

 

 

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Thomas Brasch – Portrait von Georg Stefan Troller (1977)

Las in der Zeitung über Troller, dann dieses Portrait auf Youtube angesehen. Beide spannende Leute. Immer mal wieder merke ich, wie wenig ich mich auskenne. Oder – wie viel da noch ist, immer. Andererseits, beide Menschen und ihre jeweilige Art, was und wie sie denken, was das mit ihnen macht — darin ist nun wenig Neues, es kommt mir verständlich bis selbstverständlich vor: Pioniere von Früher, es erscheint rückblickend alles selbstverständlich, was einmal von Einzelnen durchgekämpft wurde. Und natürlich hat Brasch Recht, vollkommen klar, und auch die Einsicht in die eigene Beschädigung, die ein Leben nur in Arbeit ermöglicht, und kaum was darüber hinaus. Troller nun brabbelt rum, macht genau das, was er über sein Gegenüber sagt – der könne den Unterschied und „uns“ Westler nicht sehen, gehe nicht in die Natur, blablabla – tatsächlich ist er es, der den Brasch nicht sehen will, sondern versucht, ihn zu sezieren … dabei kommen gute Sachen raus, aber eher gegen den Filmemacher. Ähnlich wie die Reaktionen auf Gerd Postel, war mein Gefühl. Diesen Mann können auch alle nur ad personam angreifen, weil seine Inhalte ihnen zu hart und zu wahr sind.

Georg Stefan Troller – „Annäherung an Thomas Brasch“ (1977)

https://youtu.be/38uFSNNpyvs

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