Verneige dich vor deinen Eltern (als Akt der Selbstliebe)

Denn sie haben einiges dafür getan, dass du da bist und so, wie du heute bist.

Nicht meine Idee – sondern: Ich traf kurz nach 01:00 Uhr beim Heimkommen von ausgedehnter Radtour nach getaner Arbeit aus der Innenstadt daheim ein, mit lauter Taschen und Schlepperei, treffe im Hausflur meinen Vermieter, der ein schlecht verkleideter Bodhisattva ist.

Habe dem gesagt, was auch immer meine bekloppte Mutter ihm gesagt hat – sie hat alle möglichen Leute angerufen, weil sie meinte, ihre „Sorge“ berechtige sie dazu – bei mir alles ok.

Er hat sich na klar nicht beunruhigt, meinte dann, alle Eltern sind bekloppt, so ist das nun mal. Stimmt, ich bin auch Elter, und bekloppt, bloß halt anders als Mom.

Richtig ist: Sie haben einiges getan. Ist viel Arbeit, Elter zu sein. Und schwierig. Und teuer. Und trotzdem – ich könnte kotzen bei der Vorstellung, dass ich dankbar sein MUSS.

Muss einer auch erst mal einfallen, zuerst drei Wochen lang nie ans Telefon zu gehen, wenn ich anrufe, sondern meinen geistig nicht so wirklich auf diesem Planeten weilenden Vater dran zu schicken … und dann nach drei Tagen, die ich offline bin – Radtour gemacht, Handy verloren, gestern Nacht glücklicherweise wieder gefunden – sich Sorgen um mich zu machen.

Bullshit. Ich habe bloß nicht wie der dressierte Affe angerufen zum Geburtstag – that’s all. Zumal der Double-Bind – 1) ruf nicht an, aber 2) wehe du rufst nicht an – hier perfekt inszeniert ist. So ein krankes Hinkel.

Ich versuche alles, um den mörderischen Schmerz zu verarbeiten, den es gemacht hat, dass meine Ex mir meinen Sohn entzieht, speziell: Das letzte Treffen am 7. 3. 2017 kurz vorher per SMS abgesagt; ich sei ihrer Ansicht nach nicht stabil genug – da kann ich nur sagen [ … Bitte hier übelste Flüche, Beschimpfungen, Verwünschungen etc. einfügen nach Gusto, dann mal 1000 nehmen, und das ist nicht genug …]. Möglichst, ohne eine totale Krise zu kriegen und komplett vor die Hunde zu gehen. Braucht harte Maßnahmen, ich habe sehr heftig um Balance ringen dürfen.

Und Mutter? Sie schickt mir per Mail Bilder von

a) lieblichen Blumen (die es, wo ich lebe, nirgends gibt; hier ist nur Beton)

b) Bilder von meinen geliebten und schon Jahre toten Hunden (und ich kann hier keinen Hund haben, was mich ständig schmerzt)

sowie

c) Bilder von mir und meinem Sohn bei mir, wie ich ihm vorlese und wir zusammen lachen (wo klar ist – meine Ex hat einen sadistischen Spaß daran, dass es nie wieder so werden wird; das kann ich daher vergessen).

Bisher nicht ein tröstendes Wort von ihr gehört, nur Bullshit und Gejammer. Und vor so jemand soll ich … mich verneigen? Salz auf die Wunden, immer eine feine Sache. Weil, ich leide ja sonst nicht genug. Danke sehr.

Danke, dass du mich so hart gemacht hast, wie ich heute bin.

Danke, dass du mich so gemacht hast, dass ich keine Beziehungen haben kann.

Danke, dass du mich weiter mit deinem Schwachsinn traktierst, aber bisher nicht einmal auch nur ansatzweise zur Kenntnis genommen und irgendwie Verständnis für die ausführlich ausgebreitete Darlegung von was bei uns als Familie schief gelaufen ist gezeigt hast.

Durch dich habe ich gelernt: Verständnis, das ist was für Weicheier – immer Recht haben ist der Weg nach vorne.

Ich habe auch gelernt: Ich habe immer Unrecht (wenn Mutter in der Nähe ist). Und: Falsch ist richtig. Böse ist das neue Gut. Von Allem ist immer genau das Gegenteil wahr. 

So wurde ich der antagonistische Kotzbrocken, der ich heute bin, und das ist auch der Grund, weswegen ich mich und alle anderen so dermaßen liebe …

Danke auch, dass du deinen Mißbrauch so schön instrumentalisiert hast und damit mich seelisch zu einem Krüppel gemacht hast. Hätte ich ohne deine Hilfe wohl kaum so gut hin gekriegt.

Ich wußte genau, warum ich NIEMALS Kinder machen wollte – weil niemand so ein Leben verdient, und weil mir klar war, ich kriege das nicht mehr aus mir heraus.

Deswegen bin ich auch nicht Lehrer und Beamter (oder sonst irgendwas bürgerliches) geworden, weil:

Irgendwann meinte meine Freundin, ich träte ja in die Fußstapfen meiner Eltern, sie fände das gut. Und weil sie zwar nicht sonderlich helle war, aber hier in diesem Punkt emotional genau getroffen hatte, habe ich das sofort korrigiert und abgebrochen. Bin dann Punk und Hausbesetzer geworden, und seit dem gegen alles. Kann man pubertär finden; in dem Fall ist es wohl eine etwas längere Phase (nun 27 Jahre) und ich kann froh sein, dass das mit den Pickeln sich nach 21 gelegt hat 😉

Der Sohn, das ist passiert, und es war wunderschön, ich bin sehr gerne Vater (eigentlich Mutter), und wegen ihm habe ich sogar versucht, normal und Spießer zu werden (was nicht ging) und nach 6 Jahren war es auch vorbei mit 50:50, noch 3 Jahre drum gekämpft, ihn sehen und mitkriegen zu dürfen — aber heute: Kapitulation. Ich kann ihn nicht schützen vor seiner Mom, die genau so eine […] ist. Und ich nutze ihm nix. So, wie mein Vater nicht schützen konnte (tatsächlich ist er Komplize) und statt dessen halt in einer Anderwelt lebt.

History repeats itself. So ist das nun mal. Tata. Hier noch eine super tiefe Verbeugung.

 

 

 

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