Umgang mit Wissen – Diskretion, Denunziation, Verleumdung, Rassismus, Ausgrenzung

Wer, wie ich, viele Leute kennt und viele Geschichten – da kommt natürlich die Frage, wie gehe ich damit um, was ich beobachte, weiß, erfahren habe.

Rechte Rede, rechtes Denken, rechtes Handeln (im Sinne von richtig, nicht von politisch ‚rechts‘) – was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.

Fresse halten, das fällt mir schwer. Wer schweigt, stimmt zu. Das hilft nur den Verbrechern, sich vornehm raus zu halten.

Aber auch wer viel redet, kann einen Anstand besitzen und wahren.

Jedenfalls meine ich das, und versuche es auch – obwohl ich natürlich rede und damit Politik mache.

Wer bei mir auf der Shitlist steht, über den rede ich überall. Klare Sache. Auf diese Liste spezieller Feinde kommt aber auch nicht jeder drauf, dafür musst du schon einiges dir geleistet haben.

So wie der Jan, deswegen denke ich gerade drüber nach. Ist nicht meine Art, über Leute persönliches an andere weiter zu geben, normalerweise.

Ich habe Fehler gemacht, und daraus gelernt. Beispiel aus der Vergangenheit: Wenn eine Frau laut im Bett ist, ist das cool. Darüber mit ihrem neuen Freund zu reden – total uncool. Als das passierte, war ich 25 Jahre jünger als jetzt. Und mir war nicht klar, dass es so unangemessen zu sein hat. Das war weder beabsichtigt noch in seinen Folgen absehbar. Und tat mir danach sehr leid. Inhaltlich na klar eher schade. Krampfig, diese Leute. Kann natürlich auch sein, bei ihm war sie still und unbefriedigt. Aber sie hat es verübelt, nicht er. Also diese Theorie wohl falsch. Jedenfalls seitdem, nicht reden über gehabten Sex. An sich schade – Fußball ist bescheuert, Sex spannend. Nur: Die Leute halt so nicht drauf. Weswegen sie auch eher lahm sind, finde ich.

Dann kenne ich Leute, die Gesetze brechen.

Darüber mit der Polizei reden, das verbietet sich von selbst. Stört bloß, und bringt niemandem was. Schwere Straftaten, andere Nummer: Kinder mißhandeln – da zeige ich natürlich an. Ist mir aber nie unter gekommen, bis auf eine Familie, die die Kinder raus geschickt hat, weil sie anschaffen muss und er halt säuft – da habe ich das Jugendamt angerufen, und die sagten mir, sie wissen das, sie könnten nix tun. Na toll.

Patienten, deren Geschichte natürlich sowieso super ihr Geheimnis, da habe ich starkes Interesse, meine Vertrauensbasis nie zu gefährden. Zumal das ganz unnötig wäre.

Ich habe weit über 1000 längere und noch mehr kurze Geschichten gehört, wie das Leben so laufen kann — da kann ich immer ganz allgemein sagen, ich habe schon erlebt, dass es bei manchen so war, dass … und als Beispiel auch mich verwenden, so wie in ‚ bei mir kenne ich das so, dass wenn …‘. Insofern da keine Schwierigkeit, die Diskretion zu halten.

Denunzitation, also Anzeigen, oder anonym Hinweise an die Staatsorgane oder die Presse geben – eine sehr zweischneidige Sache. Ich lehne das klar ab. Außer, wenn es nötig ist, um zu verdeutlichen, dass ich nicht immer nur Spaß mache. Als ultima ratio ist kein Mittel ausschließbar, nie.

Könnte theoretisch dazu beitragen, faktische Mißstände zu beseitigen. Aber real gibt es nur Ärger für die Hinweisgeber – niemand bedankt sich oder ändert was, es wird nur die undichte Stelle gesucht und mundtot gemacht, besonders die Wistleblower landen in fiesesten Schwierigkeiten, werden als Nestbeschmutzer etc. verunglimpft (wenn sie Glück haben) oder eben gefoltert und weg gesperrt oder umgebracht (typischerweise).

Zumal es gegenüber dem Staat keine Anonymität gibt, sie wissen, wer wer ist, immer. Da kannst du nichts machen.

Verleumdung – auch so ein Mist. Geht mit Mobbing Hand in Hand, es wird geredet, und irgendwas bleibt hängen, egal wie blöd das Gerede ist. So wie ‚Bielefeld existiert nicht‘. Spielt keine Rolle, dass das Quatsch ist – es ist da und geht nie wieder weg.

Wobei Mobbing immer mit dem Chef gemeinsame Sache machen ist – sonst ist es kein Mobbing.

Es ist ein Prozess, bei dem Einzelne durch eine Gruppe gezielt diskreditiert, ausgegrenzt und letztlich zerstört werden, weil sie als störend angesehen werden.

Und was mir auf dem Kunstgewerbehof passiert ist – dass ich da jetzt an allem Schuld bin, was in meiner Abwesenheit passiert ist – das führe ich auf Verleumdung durch diesen Schwaben zurück.

Verleumdung ist nicht harmlos, sondern tödlich. Kein Spaß, so was. Ich habe mehrfach festgestellt und klar gesagt, ich war das nicht mit Autos beschädigen – trotzdem erzählt der Kerl das allen weiterhin. Das geht nicht.

Klassisch, wie Rufmord zu Mord wird: Antisemitismus.

Erst wird eine Differenz erfunden, dann ausgebaut, und nachher die Untermenschen vernichtet, was niemanden von denen, die als die gute Gruppe definiert sind, stört.

Die Selbstaufwertung der Guten gehört natürlich dazu, ebenso wie der Raub am Eigentum der ‚Schlechten‘.

Dass die dunkle Hautfarbe angeblich eine Minderwertigkeit bedeutet, haben die Belgier erfunden, damit niemand was sagt, wenn sie in Afrika morden, rauben, plündern und brandschatzen.

Vorhin sagte mir eine Deutsche, die sich selbst wohl für ‚links‘ hält, sie habe mit Türken nichts zu tun, wegen deren Kultur. Autsch, scheißeblöd. Kurzer Versuch der Aufklärung, traf auf Widerstand, daher: Ich sofort aufgehört zu reden, weg. Dumme mag ich nicht, fiese erst recht nicht. Und Leute, die sich nicht bedanken, wenn ich was ausgebe, sowieso nicht doll.

Mit Türken nichts zu tun? Ach ja, scheißrassistenpack.

Die Türken (die durchaus auch Kurden, Armenier, sonstwas sonst sind; aber: Alles Ali oder was?) bauen unsere Autos, oder haben das gemacht, bevor die Roboter es übernommen haben. Sie fahren die Taxis und Funkmietwagen, putzen die Straßen und die Kernkraftwerke, arbeiten in den Kiosken, sind faktisch diejenigen, die Deutschland am Laufen halten … aber als weißer Mensch der deutschen Bio-Spießer-Bevölkerung hat man nichts mit ihnen zu tun, weil sie ihre Frauen diskriminieren und einen komischen Glauben haben.

So dumm sind diese ‚Deutschen‘.

Weder sind alle Türken hier Männer, noch gehören ihnen ihre Frauen (was soll dieser Unsinn?), sie sind auch nicht mehr oder weniger brutal und primitiv und patriarchal als Deutsche – noch sind sie alle gläubig, noch ist Islam irgendwie komisch oder im Vergleich mit Christentum oder Judentum irgendwie weniger gut und sinnig und sowas. Alles Ressentiments und Vorurteile, die aus der Segregation der Gesellschaft herrühren – keinen Deut anders als Südafrika zur Apartheitszeit. Gleiche Denke, gleiches Verhalten, gleich bescheuert.

Wenn einer ein Arschloch ist, na gut. Wenn einer mich anpißt, auch ok. Kann ja auch mal sein, dass jemand sich bloß ein wenig Luft machen mag.

Wer es übertreibt: Zerstören. Irgendwann ist Schluß mit Lustig.

Wie? Durch klares Benennen aller gesammelten Fehlleistungen, wenn die Zeit für Korrekturen verstrichen ist – und trotz aller Versuche, eine Einigkeit wieder herzustellen, kein Einlenken passiert.

Dann sage ich über einen Lügner, Betrüger, Verleumder, Abzocker, Poser, Arschgesicht und falsches Stück Scheiße genau das.

Da ist Gnade nicht mehr möglich.

Solche Leute braucht niemand, und will auch keiner haben – und sie graben sich ihr eigenes Grab, denn – kann ja sein, stimmt nicht, was ich sage – bloß: Wenn sich die Hinweise von vielen Seiten häufen, sollten solche Gestalten vielleicht neue Opfer anderswo suchen …

Damit das mal ganz klar ist.

 

 

 

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Familie Wild – astrologisch betrachtet – Teil 1: Mutter

In die Stunde schauen, anhand des Zeitpunktes der Inkarnation die Aspekte der Wesen beschreiben.

Hier ein Overlay meiner Familie.

War mal sehr bewandert darin, ist allerdings 25 Jahre her, daher nur schwammig meine Erinnerungen an diese Kunst.

Wenn zu viel auf einmal zu sehen ist, ist nichts mehr verständlich.

Also einfacher. Meine Mutter und ich.

Wir sind immer im Kampf gewesen, recht unfair, weil: Ich klein, sie groß. Wo ich Sonne, Merkur und Venus habe – im Steinbock – steht ihr Mars. Was mich ausmacht, das bekämpft sie.

Wo ich Mars habe, ist ihre Venus, und ihre Sonne recht nahe. Ich kämpfe um ihre Liebe, die kriege ich aber nicht, bzw. ich werde unterdrückt.

Wann immer ich Karten lege, ist zuverlässig eine dabei. Diese hier:

Mond, beide im Wassermann. Unsere Gefühlswelt ist jeweils offen und spekulativ, wir können vieles anschauen in uns drin, emotional, und damit wissenschaftlich umgehen – es erforschen.

Wie sie sich mitteilt: Immer Double-Bind, Merkur im Zwilling. Ganz nah an meinem Gefühl (Mond), geht mir sehr nahe. Noch nie habe ich eine emotionale Botschaft von ihr bekommen, die klar und eindeutig war. Stets ist auch das Gegenteil mit drin.

Ganz besonders bemerkbar ist das, wenn sie mich lobt (und damit zugleich heftig kritisiert, unterschwellig). Immer ist die Botschaft die: Was du tust, ist nicht befriedigend für mich – es macht mich traurig und unzufrieden. Egal was – es wird geseufzt darüber und gejammert, und befürchtet und geklagt.

Für gewöhnlich so, dass sie beispielsweise über eine Spitzenleistung in der Schule sagt: Ganz gut. In einem Ton, der mir emotional mitteilt: Auch das reicht bei Weitem nicht aus. Mehr Punkte holen geht nicht, aber sie ist traurig. Offenbar bin ich einfach immer schlecht – ich kann sie nicht glücklich machen. Scheiß-Kind. Das war meine Zeit als kleiner Mensch.

Entsprechend oft habe ich mich mit der Vergeblichkeit auseinander gesetzt – einem Geisteszustand, den ich kenne wie keinen anderen sonst.

Dadurch weiß ich auch: Ich bin unzerstörbar. Alles, was kaputt gehen könnte, war auch schon kaputt. Und ich bin immer noch da, und immer noch am Kämpfen, und immer wieder repariere ich mich.

 

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Ein krankes System macht Menschen krank

Interessanter Artikel in der ZEIT: http://www.zeit.de/2016/30/gesundheit-medizin-patienten-zuwendung/komplettansicht

Wenn je etwas zum Guten sich wandelt im System, dann ist das, weil persönliche Betroffenheit von mächtigen Menschen passiert. So war es bei der Psychiatrie-Reform, und hier ist wieder so ein Fall.

Nun könnte eine denken, die ZEIT wäre progressiv, oder dieser Artikel ein Fortschritt, oder da gäbe es ein wahres Leben im Falschen. Not so.

Ich zitiere einen Absatz, der die Blindheit gegen die Problematik gut verdeutlicht:

In früheren Zeiten, erklärt Gray, standen die Ärzte ihren Patienten als Heiler und väterlicher Freund zur Seite. Dann sei das Zeitalter des Arztes als Wissenschaftler angebrochen. „Jetzt muss die nächste Phase folgen“, fordert Muir Gray, „der Arzt als Coach.“ Ein Begleiter, der zuhört, gründlich informiert und nach Lösungen sucht – am besten gemeinsam mit dem Patienten.

Das ist sehr viel mehr als nur falsch, in vielerlei Hinsicht. Diese Geschichte ist eine reine Propaganda, sie schreibt Geschichte um, und konstruiert etwas, was so nie war.

Alle Lügen, die heute die Menschen leiden lassen und ihnen zugleich die Sicht auf das, was passiert, verstellen, sind hier konzentriert enthalten.

  1. Die Heilkunst hat sich rund um den wichtigsten Vorgang auf der Welt herum entwickelt – die Geburt. Und sie war eine reine Frauen-Sache. Weise Frauen haben als Hebammen die Kinder entbunden. Männer hatten da nichts zu suchen.
  2. Durch millionenfachen Massenmord und systematische Verfolgung der Frauen als Hexen sind erst die Männer in diese Domäne hinein gekommen.
  3. Männer sind nicht die Urheber der Heilkunst, Ärzte sind keine Heiler, Zuhören ist keine männliche Eigenschaft, Gemeinsamkeit ist nie Ziel in einer Hierarchie.
  4. Die Wissenschaft hat sich aus der alchemistischen Suche nach philosophischer Wahrheit durch Experimente entwickelt. Wissenschaft war mal eins, alle heutigen Wissenschaften sind Ableger dieser einen Suche nach dem EINEN.
  5. Selbstverständlich waren Wissenschaftler immer illegal, denn sie wollten etwas tun, was durch die Kirche verboten war: Erkenntnis gewinnen, die es angeblich nicht geben konnte und durfte. Sie hatten ein Ziel, was nur gegen die Gesellschaft erreichbar war, nämlich die Integration von Körper, Geist, Seele und Welt im Rahmen von magisch-mystischen Experimenten. Darin lag und liegt das Heil, nicht in abgetrennten und toten Stoffen.
  6. Ärzte haben noch nie als Freund agiert, und sie waren auch keine Heiler. Sondern der Ärzte-Beruf stammt aus dem Militär, wo es darum ging, die Soldaten zu flicken. Weil ein Feldzug massenhaft Opfer forderte, und viele eben erst durch Wundfieber starben, war da aus der Sicht der Körper-Besitzer – der Herren – ein Potential für Verbesserungen. Auf dem Schlachtfeld wurden krasse Schäden angerichtet, und die Idee war, den Tod abzuwenden durch Ausbrennen von Wunden, Amputation und dergleichen.
  7. ‚Evidenzbasierte Medizin‘, das klingt gut, ist aber komplett falsch und irreführend. Was eigentlich Evidenz sein soll, weiß schon praktisch keine. Es klingt danach, dass etwas gesichert wäre durch Wissenschaft, und genau das meint es aber nicht. Sondern – es scheint klar, was Sache ist, durch die einzige stastistische Prozedur, die mehr als nur ein paar Menschen hinkriegen, das sogenannte Eye-Balling, also kurz drauf schauen. Evidenz, das ist das Offensichtliche. Was alle einsehen, weil: Sieht man ja, wie es ist. Das ist natürlich stets falsch. Nichts, rein gar nichts, können wir einfach sehen. Sondern: Alle Wahrnehmung ist gelernt, ist eine reine Konstruktion. Bis heute geht es um Macht und Geld, es haben sich niemals die Herrschenden für Beweise oder Wahrheit interessiert — höchstens mal privat, wenn es niemand mitkriegt — oder wären ihr gar gefolgt, sondern im Gegenteil ist diese Wissenschaftlichkeit nur der Nachfolger der Gottesstellvertreterschaft mit anderem Namen. Hoc est Corpus Christi, Hokuspokus, ein fauler Zauber, um Menschen zu blenden, in etwa so wahr wie die offensichtliche Tatsache, das die Sonne sich um die Erde dreht, die Erde eine Scheibe ist und die Sterne am Firmament kleben.
  8. Weswegen ich diesen Beitrag schreibe – es ist zum Kotzen, wie verdreht die Dinge dargestellt werden: Der Arzt als Wissenschaftler. NEIN. Ärzte experimentieren mit Patienten, wenn sie dürfen – so wie es Dr. Josef Mengele tat: Wann erfrieren Menschen, wie viel und welche Folter überleben sie wie lange, das wäre Arzt als Wissenschaftler.
  9. Wissenschaft ist systematisches Experiment. Aus ethischen Gründen ist das mit Patienten (denen, die ohnehin bereits leiden) verboten. Eine solche Phase gab es nie, nicht wirklich, jedenfalls nicht so, wie es hier an die Wand gemalt ist. Die Menschenversuche finden statt, nämlich in den versklavten Ländern Afrikas. In China. Und massenhaft.
  10. Wissenschaft liefert keine Beweise, weil: Beweis unmöglich. Falsifizierung ist das Prinzip. Ausprobieren, scheitern, dadurch begreifen, dass es so nicht geht. Falsche Annahmen beseitigen, bis etwas übrig bleibt, was meistens ganz gut klappt. Das ist Wissenschaft. Wer es nicht glaubt, lese mal Kant und Popper. Und Mary Daly, für eine Darstellung der tatsächlichen Arbeitsweisen des Gehirns.
  11. Der letzte Satz – ‚Ein Begleiter, der zuhört, gründlich informiert und nach Lösungen sucht – am besten gemeinsam mit dem Patienten.‚ – ist so dumm und voller Logik-Fehler, dass es zum monatelang laut Schreien ist. Ich weiß kaum, wo ich damit anfangen soll, das zu dekonstruieren, weil es dermaßen BULLSHIT ist. Andererseits eine echte Perle – alles Verkehrte in einem Satz, und vordergründig so gut und vernünftig.
  12. Vielleicht mit ‚am Besten‘ beginnen: Am Besten, also idealerweise. So würde MANN es tun, wenn die Zeit dafür wäre – es geht aber auch anders. Weil, praktische Arbeit, da kann nicht immer alles so gemacht werden, wie es eigentlich gemacht werden sollte. Muss man ja pragmatisch sein, ökonomisch usw. usf.
  13. Begleiten ohne Patienten, wie geht das? Nach Aktenlage, was bearbeitet wird, sind Papiere anderer Leute. ‚Wir begleiten diesen Menschen‘, das ist ein Euphemismus für: Wir verwalten diesen Menschen bürokratisch.
  14. Zuhören ohne Patienten, wie geht das? Dazu kann ich nach 18 Monaten unbezahlter Arbeit in der LVR-Klinik Köln folgendes sagen: Es ist FAKT, dass Ärzte praktisch keine Zeit MIT Patienten verbringen. Dazu haben sie zu viel zu tun. Sondern, sie hören sich gegenseitig zu und vor allem: Sich selbst reden. Je höher in der Hierarchie, umso geringer der Kontakt zu Patienten, das ist sehr gut wissenschaftlich belegt. Weil ich als Psychologe gearbeitet habe, und weil Psychologen in der Psychiatrie nicht vorgesehen sind, hatte ich die Freiheit, mit Patienten zu reden, wie es mir beliebte und angemessen schien. Ich bin mit den Menschen also spazieren gegangen, raus aus dem Haus, was Kranke macht. Und habe sie reden lassen, mich dafür interessiert, sparsam nachgefragt. Immer wieder wurde mir bestätigt, was ich vermutet hatte – das das normalerweise nie passiert. Nie hört jemand wirklich zu. Für das Team war ich dann auch DIE Quelle, wenn es darum ging, schwierige Patienten zu konstruieren. Die Routine ist, dass nach einem starren Schema gearbeitet wird, in der Regel eskalativ: Wenn es nicht hilft, ist die Dosis zu gering, dann wird mehr Gewalt angewendet.
  15. So funktioniert Psychiatrie: Ziel ist es, Ruhe und Ordnung und vor allem Unterwerfung herzustellen, wobei Patienten idealerweise nicht innerhalb des Hauses versterben. Bzw. wenn das passiert, sollte es nicht öffentlich werden. Weil, sieht nicht gut aus. Pharmaka töten, direkt und indirekt, jedes Jahr sterben hunderte allein in Deutschland. Und das System fordert Opfer, die alle als ‚individuelle Einzelfälle‘ gelten.
  16. Lösungen suchen ohne Patienten, wie geht das? In einer psychiatrischen Visite – wo der Patient gesehen wird – sitzen bisweilen 12 bis 16 Personen verschiedener Fachgruppen, die den oder die ‚Irre‘ mustern. Alle reden, die Redebeiträge gestaffelt nach Position in der Hierarchie, je mehr eine weiß, umso weniger darf sie reden, und die unwissenste Person – die Chefärztin – gibt dann die Entscheidung über den einzuschlagenden Weg bekannt. Erst wenn alles beredet ist, die Arbeitsaufteilung geklärt, dann MUSS der leidende Mensch sich kaputt gucken lassen von dieser Horde. Blicke, die krank machen und letztlich töten.
  17. Wenn die Entscheidung vom Chef oder der Chefin komplett falsch ist, widerspricht niemand. Ich habe es getan, und wurde zurecht gewiesen. Daraufhin habe ich gnadenlos auch noch die Dummheit dieser Person bloß gestellt, auf das fachlich völlig Unzutreffende ihrer Replik mir gegenüber sowie die absehbar destruktiven Folgen der Chef-Entscheidung für die Patientin und ihre drei Kinder hingewiesen. Folge war eine geschockte Belegschaft, und Spätfolge war, dass ich in diesem Hause keine Anstellung bekam. Der Patientin hat es freilich nicht genutzt, wie auch. Eine Korrektur von Fehlern ist nicht vorgesehen. 
  18. Also: Prinzipiell wird alles entschieden ohne die Patienten zu fragen, was sie brauchen und wollen, auch wenn so getan wird, gelegentlich.
  19. Wehrt sich eine Patientin oder ein Patient, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, das die ‚Krankheit‚ schlimmer ist als gedacht. Womit die Parallele zur Hexenverfolgung klar sein dürfte – verstockte Sünderinnen bedürfen zur seelischen Reinigung einer noch grausameren Folter, und das ist stets zu ihrem eigenen Besten. Wobei psychische Krankheiten und Sünden halt ausgedachte Konzepte sind, die sich nirgends messen lassen in der Biologie.
  20. Arzt als Coach. Ein komplett abwegiges Bild. Ein Coach, das kommt aus dem Sport. Wenn gute Sportler alt werden, werden sie Trainer oder Coach. Sie wissen und können und haben etwas praktiziert, und dann geben sie dieses Wissen begleitend weiter. Ärzte sind Menschen, die keine Ahnung haben. Liegt an der Ausbildung, die sie zu Göttern in Weiß qualifiziert. Fachlich wenig dahinter, und je weniger körperlich das Leiden, umso ahnungsloser sind sie. Reine Hybris.
  21. Ein guter Arzt kennt seine Medizin. Frag mal den Psychiater, welche Mittel sie bereits selbst genommen und erforscht hat, wenn du mir nicht glaubst. Ich habe viele Ärzte kennen gelernt, auch persönlich, und mit Medizinstudenten gewohnt, also wehe es widerspricht mir jemand, der das ohne Erfahrung glaubt, tun zu können. Da werde ich sicher sehr ätzend.
  22. Ärzte sind selbst die Berufsgruppe mit den meisten Suiziden, auch Drogenprobleme sind extrem häufig dank der Griffnähesie würden sich aber niemals in den Kliniken behandeln lassen, wo sie arbeiten.
  23. Weil ich Psychologe bin, erzählen mir Leute automatisch ihre Probleme. Über mir leuchtet das unsichtbare Schild, da steht drauf: Erzähl es mir. Immer passiert das. Ich habe in Not auch Psychiaterinnen aufgesucht, und begutachtet wurde ich auch mal, auf Anordnung eines Gerichtes. Immer war das so, dass nach kurzem Abhaken meiner Anliegen – in der Regel Verschreibung von Gift bzw. beim Gutachter die Feststellung meiner psychischen Gesundheit – diese kaputten Menschen und ihre Probleme Thema waren. Und immer ist da was: Depression, Spielsucht, Alkoholismus, Familienprobleme, sexuelle Probleme. Alle sind sie leidend und krank, und verzweifelt. Gesunde habe ich nie getroffen.
  24. Wie kann ein Mensch, der sich selbst nicht helfen kann, gegenüber anderen als Experte auftreten? Wie kann ein Mensch behaupten, sie wisse etwas, wo nichts klar ist? Wieso sieht anscheinend niemand, das des Kaisers neue Kleider gar nicht da sind, dass dieser Pfau nackt ist? Wie kann das sein, das diese Menschen Autorität ausüben, die praktisch unangefochten bleibt? Die Antwort: Soziale Konditionierung. 
  25. Was die Wirkung von Habitus und Autorität generell erklärt, sind zwei Dinge: Soziale Konditionierung – es wurde gelernt, was zu sehen und zu hören und zu denken ist, und zwar in der Familie und der Schule und der Uni und auf der Straße. Danach wird der Mensch versiegelt und immunisiert gegen die Lebenserfahrung, so gut es geht. So funktioniert diese Gesellschaft von egomanen Robotern. Und die Wirkung von allem basiert auf der bloßen Behauptung, der Suggestion, ist also ein magischer Transfer von Zuständen durch Sprache und Leiblichkeit entlang der Linien der Macht.

 

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Ich bin erledigt, da komme ich nicht mehr raus (Oder: Wenn Sie dir alles zutrauen)

Wenn sie dir alles zutrauen, hast du verloren. Weiß ich. Bloß, wohin soll ich gehen? Ich wohne halt hier.

Der Reihe nach:

Ich bin durch meine ekelhafte und großmäulige Art in eine schlimme Situation geraten. Wenn ich nicht heute was richtig Sau-Blödes gemacht hätte, wäre es mir nicht einmal erzählt worden.

Also: Der Hof gegenüber, da hänge ich gerne mal ab. Vor dem Fahrradladen trifft man eigentlich immer Leute, und meistens irgendwie nett da, jedenfalls war das mal so, bevor ein Millionär das alles gekauft hatte und es nun durch gentrifiziert. Seitdem verschwinden Bäume, schöne alte Häuser, ruhige Ecken, und überall Lärm und Dreck und Gestank und EU-Ausländer.

In dem Laden habe ich meine Räder reparieren lassen oder selbst repariert, dort habe ich mein Nihola gekauft, und ich bin Kunde, habe dort sicher 3000€ gelassen … und generell ist es ein guter Ort, um schöne Musik zu hören, interessante Dinge zu erfahren etc.

Dort auf dem Hof habe ich den Rasta-Jan kennen gelernt, weil:

Der hat da in der schönen Jahreszeit im VW-Bus gehaust, und anfangs haben wir auch was zusammen gemacht. Er ein Open-Air-Kino, ich halt Feuertonne; war seine Idee, ich habe das geliebt, und dann auch noch gemacht, als er es nicht mehr gut fand, auch mal gegrillt, musiziert zusammen, so Zeug.

Hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein können, aber so hat es sich nicht entwickelt, eher im Gegenteil. Aber der Reihe nach …

Schon Jahre ist der Hof für viele ein Ort, wo es noch ein wenig Freiheit gibt. Und Ruhe, auch. Ansonsten braust die Zoo-Brücke, und der nächste irgendwie schöne Ort, also das ist eher weit weg. Köln ist um die Messe herum eher so total eine Beton-Wüste. Und dort, mit Kiosk und meiner Bude in Laufreichweite, der perfekte Platz.

Es war ein richtig schöner Flecken, da wo es zum Gebäude 9 geht. Was von der übrigen Gegend nicht so behauptet werden kann. Als ich zuhause nur noch Stress hatte, bin ich da eine Weile lang so oft gewesen, dass ich praktisch da gewohnt habe.

Spaß mit anderen, umsonst und draußen, Menschen lernen sich kennen, es wird geredet und sich mal tatsächlich ausgetauscht. Eine Weile gab es dort auch eine Feuer-Tonne, das war total cool. Aber es gab auch Leute, die das genervt hat, deswegen ist das nicht mehr. Na ja. Sonst geht sowas nirgends, und einen Kleingarten kriegt man nicht gemietet, am Rhein im Jugendpark geht sowas auch, bloß halt weit und sehr komische Leute nachts, eher gefährlich als angenehm.

Wie dem auch sei, der Jan und ich, wir sind uns immer weniger grün gewesen. Er der Rasta mit Gelegenheitsarbeiten aus Böblingen bei Stuttgart, ich Ex-Killer-Hippie Ex-Langhaar-Metaller-Ex-Punker mit Psycho-Job aus Frankfurt.

Beide stur wie die Hölle, beide innen drin total abgefuckt, und dann auch noch beide auf die gleiche Ecke scharf bzw. die irgendwie für unser Ding brauchend. Also die dumme Situation wie in Highlander – es kann nur einen geben.

Wenn ich da in ein Feuer gucken mag, um meine Seele zu beruhigen, dann stört den das. Wenn er einen Film dort zeigt oder total laut seine Reggae-Mucke aufdreht, stört es mich.

Quasi Spießer in der Kleingartenkolonie, und Problem: Nerviger Nachbar. Lösung natürlich: Kleinkrieg.

Nun sind unsere Karten sehr unterschiedlich gemischt, und ich habe definitiv im Wesentlichen die Arschkarte: Aufgrund meiner gestörten Persönlichkeit bin ich schnell überall unbeliebt, während seine gestörte Persönlichkeit zu allgemeiner Beliebtheit führt.

Ganz eine lustige Situation also. Er immer so grinsend und nett und nützlich für jedermann und nie an irgendwas interessiert außer dem Profit oder Mädchen, die gerne mal einen Hippie-VW-Bus von innen sehen wollen. Also sozial gut passend. Ich dagegen immer mies drauf, unfreundlich bis feindselig, nie und niemandem nützlich und stets politisch gegen den Strich löckend. Ich rede mit jeder und jedem, über alles, ohne Rücksicht auf Verluste. Er redet jedem nach dem Munde, wenn es Korrekturen gab, dann eher und zunehmend an meiner Erhabenen Person. Als er mich dann irgendwann so angegangen ist, wie das sein Alki-Vater mit ihm wohl gemacht hat, war es aus zwischen uns, jedenfalls auf einer privaten Ebene.

Die Psycho-Schiene: Beide haben eine Depression dahinter bzw. darunter, beide sozial im Überlebenskampf (wobei meiner materiell an sich Fake ist, weil unnötig bei meiner Herkunftsfamilie und meiner Ausbildung), beide jedenfalls Freaks.

Rund herum um dieses Psycho-Drama sind eine Menge Leute, die alle abgestresst sind vom Alltag, und irgendwie ihr Ding machen wollen. Künstler*innen, Musikveranstalter, polnische Baurabeiter, türkische Kiffer (die aus Angst vor der familiären Ächtung eine Rückzugsecke brauchen), einige völlig Verrückte, Obdachlose, also: Was sich so bewegt auf der Straße und abseits der teuren Schopping- und Vergnügungsmeile, die Köln letztlich nur noch ist.

Mehr und mehr haben sie mich ausgegrenzt, mehr und mehr habe ich dagegen gehalten, nun ist es eskaliert. Weil ich da keine Freunde habe, hat mir auch niemand erzählt, dass es zunehmend Vandalismus gibt. Und weil ich halt nachts nicht mehr dort bin, habe ich das auch nicht unterbunden, so wie früher, wo ich die Security nebenbei erledigt habe. Was ich nämlich gemacht habe: Ich gehe sofort dazwischen, wenn jemand Scheisse baut, Autos aufbrechen oder Einbruch oder Körperverletzung, solche Straftaten habe ich bereits im Ansatz und mehr als einmal erfolgreich unterbunden. Was ich nicht unterbinde: Graffitti an den Häusern, Aufkleber kleben, wenn Leute kiffen oder in die leeren Häuser rein gehen, wenn Pärchen in der Ecke ficken. Sowas finde ich gut. Und es ist vor allem für keinen wirklich schlimm, nicht mal für den Investor.

Jedenfalls, ich hänge anderswo ab, kriege nichts mehr mit, bloß dass es immer mehr Leute mit mir nicht mehr mögen, mich sehr böse ansehen, zunehmend. Während ich immer weniger dort mache, also sollte eigentlich mein schlechter Ruf kleiner werden – aber er wächst, und wieso, keine Ahnung gehabt. Bis heute.

Seit einigen Wochen bin ich genervt, weil Jan mit unterstellt, seine Autos beschädigt zu haben – was ich definitiv nicht war. Sachbeschädigung an Privateigentum kleiner Leute, da zeigt mein Kerbholz genau NULL Einträge. Und ich bin direkter – wer mit mir Stress hat, kriegt das sehr genau mit, weil ich offensiv handele – ich kome auf die Leute zu mit meiner Kritik. Hintenrum, nö, nicht mein Ding. Sondern seins, leider. Er also überall verbreitet, alles und jedes wäre ich gewesen. Bestreitet er natürlich – alle wären der Ansicht, das könne nur der Irre mit dem schwarzen Hut gewesen sein.

Heute hatte ich die Schnautze voll, diese ganzen fiesen sozialen Mikro-Aggressionen, das hatte sich angesammelt. Habe ich also völlig unnötig die Polizei geholt, als der Rasta mal wieder Benzin auf den Hof gekippt hatte, dabei war es ausnahmsweise mal gar nicht anders möglich, weil sein Bus einen kaputten Benzinzulauf hatte. Also FIES von mir. Und meine Reaktion auf die heimlich installierte Video-Überwachung, von der alle wußten bis auf mich, und die ich also als konkret und nur gegen mich gerichtet wahrnehme. Die übrigens illegal alle filmt, die in Gebäude 9 gehen, nur so nebenbei. Dass mich das stört und das ich eine Anzeige dagegen stellen werde, wenn das Ding da weiter ist, hatte ich mehrfach angekündigt. Der Rasta redet nicht mehr mit mir, weiß aber, dass ich diese Aktion scharf mißbillige.

Mächtiges Bild, passt irgendwie gut: Wenn die Scheiße in den Ventilator fliegt, dann bleibt niemand sauber.

Heute also kam erst die Polizei – auf einem 300PS-Motorrad, Donnerwetter! – und dann das Ordnungsamt. Und ich war da, um klar zu sagen, ja, ich war das. Ich habe die angerufen, und ich werde es wieder tun, bis mein Punkt wenigstens gehört worden ist. Ich lasse mich nicht tot schweigen. Die Aktion war natürlich ganz bewußt gewählt und gegen alle Spielregeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, wo man sowas nicht macht.

Nur, ich scheiße auf Gemeinschaft, wenn sie vor allem eines gemeinsam haben: Dass ich nicht da sein soll. Ich habe immer noch Rechte, auch.

Also alle hassen mich nun offen, und auf einmal geht Reden doch wieder, und es gab fleißig Diskussionen über alles, was sonst hinter meinem Rücken diskutiert wird.

So erfuhr auch ich jetzt mal, dass jemand die Internet-Kabel durchgezwickt hat, dass es mehrere Einbrüche und Auto-Aufbrüche gegeben hat, dass Dinge geklaut wurden. Womit das Bedürfnis, Sicherheit irgendwie zu schaffen, mir sehr viel mehr erklärlich wurde. Und natürlich ganz wesentlich, ich habe erfahren, dass all das mir als Verdienst angerechnet wird – während ich tatsächlich nix damit zu tun habe.

Dumm für mich – ich wurde mal mit einem offensichtlich von mir stammenden Grafitti zur Rede gestellt, und weil ich wie jeder gute Jesuit eine Notlüge für legitim halte, habe ich angesichts der Inquisiton sofort vehement bestritten. Selbst belasten muß sich niemand, auch ich nicht. Nur: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er sonst die Wahrheit spricht.

Also ich allein dran Schuld an meinem bitterbös schlechten Ruf, den ich mir durch Abwesenheit plus seltsame Vorkommnisse zugezogen habe. Na toll. Nun ist es also eskaliert, und ich kriege wohl als nächstes schlimm Scherereien.

So, wie der Rasta quasi triumphierend abgezogen ist, hat er den Sieg über mich wohl in der Tasche. Hab den selten so glücklich gesehen. Ich Dummbatz habe mich vollkommen disqualifiziert. Wie un-genial. Allerdings: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich‘s gänzlich ungeniert. Und wie dem auch sei, ich weiche nie zurück vor Konflikten, sondern immer schön mit dem Kopf durch die Wand. Recht mitten durch, der Parzivâl, ein roter Ritter vom Feinsten.

Ist eine Art Reflex geworden über die Jahre. Mein Schädel ist sehr hart, da muss eine Wand schon aufpassen, dass sie mir nicht im Wege ist. Und dieser Aspekt meiner Inkarnation ist mir bereits geläufig. Polizist*innen der Gegend kennen und meiden mich, wenn sie einmal mir einen strafenden Zettel ausgefüllt haben, machen sie es ungerne wieder, weil ich halt dann eine extra-Stunde mit ihnen kostenlos mache. Und es gibt schon noch Meinungsfreiheitsreste in diesem Land, die ich nutze. Das ist psychisch anstrengend für Menschen, dem ausgesetzt zu sein. Früher und heute bin ich gegen Gewalt. Aber für verbale Gegengewalt sofort zu haben.

Ob Gewalt legal oder illegal oder dazwischen ist, zählt für mich nicht, auch strukturell oder sonstwie, das ist mir Schnuppe. Gewalt, das ist Zwang und Schädigung von Menschen, und es ist falsch. Als Therapeut arbeite ich mit dem, was Gewalt angerichtet hat, nämlich kaputten und leidenden Menschen. Privat habe ich eine klare Kante gegen sowas.

Wie gesagt, „Legal-Illegal“, mir egal. Gaskammer war legal, Vernichtungskrieg war legal. Eigentlich nicht, aber während es lief, von legal nicht zu unterscheiden, danach halt Organisierte kriminelle Verbrechen gegen die Menschlichkeit, was meine Definition von „Staat“ ist. Sondern: Wer schädigt wen? Ist das von Oben nach Unten oder ist es von Unten gegen Oben? Wenn Schwache gegen Starke angehen, dann ist es Notwehr, anders herum ist es Unterdrückung. Und wenn wer nicht mitmachen darf, sowas reizt mich sehr, weil es mir immer passiert ist, überall.

Ich also provoziert, und auf einmal brechen alle Dämme, und ENDLICH bin ich wenigstens als der Störenfried eine Person, mit der geredet wird. Schräg, das ich mich darüber freue, bloß vorher hatte ich das Gefühl, es ist was passiert, unklar was, und ich scheine tot zu sein, und durchsichtig, jedenfalls schaut mich niemand mehr an, und keiner hört zu, und wenn doch, dann nur, um mich sofort zu unterbrechen und zurecht zu weisen wie ein kleines dummes ungezogenes Kind.

Mit dem Hass und der offenen Ablehnung bin ich immerhin als Person wieder da, auch wenn es bedeutet, dass der Kalte Krieg nun heiß wird und vermutlich als nächstes die Polizei meine Messie-Bude durchstöbert. Was vermutlich zu Sachschäden führt. Ich würde es nicht tun wollen, reicht mir, wenn ich dauernd Kram nicht wieder finde.

Und auch das klar gesagt – ich wahre Grenzen, selbst wenn andere sie verletzen. Im Rahmen meiner begrenzten Geduld. Sprich: Rasta-Mann kriegt ab sofort IMMER Ärger, wenn er den Hof als Werkstatt nutzt, solange kein Frieden mit mir ist. Aber eben keine Anzeige wegen sonst etwas. Sollte allerdings eine Belästigung meiner Bude passieren, wird auch diese Freundlichkeit erwidert. Keine Drohung, weil: Wer droht, macht es nicht.

Ich aber mache, was ich sage.

Na ja, nee, ich mache NIE, was ich sage. Sondern, wenn etwas gedroht hat, muss etwas ganz anderes kommen, sonst ist es ja keine Überraschung mehr. Strategisch ist die Drohung immer eine Finte. Oder das Werk eines Idioten. Wobei ich ja mittlerweile sowohl als BÖSE als auch als KLUG als auch als VOLLIDIOT geoutet bin, neben anderen Dingen. So dass ich mich mit nix mehr raus ziehen kann. Mist, verdammter!

Ein kluger Mensch würde nun fliehen, weil das Ende naht. Verzweifelte Menchen allerdings sehen darin eine Art von Spaß. Und seit alles kaputt ist, was ich liebe, und ich allein dran schuld bin, ist es wenig wahrscheinlich, dass ich Lust habe, es anderswo wieder neu aufzubauen. Sondern eben: Bis zum bitteren Ende. Ut habeat finem. Bis sich entweder alles in Wohlgefallen auflöst, oder sie mich tot schlagen. Weil ich an Reinkarnation glaube, die sich ewig wiederholt, braucht mich mein Tod und dergleichen nicht zu schrecken, und alles unterhalb dieser Schwelle erst recht nicht.

Und, es ist interessanterweise überall so, wo ich nicht bin, ist der Teufel los. Was nur sehr überspannte Leute ganz allein mir anlasten können. Gott sei Dank bin ich in der Regel gut mit Alibi versorgt, und rein physikalisch kann ich nicht immer alles gewesen sein. Jetzt zum Beispiel ist es 20 Minuten vor 23 Uhr, und wenn gerade was ist, ich tippe am Computer. Zu Protokoll gegeben. Mein Facebook weiß auch, wann ich was gepostet habe. Also, wer mir was in die Schuhe schieben mag, sollte eine Pause im Stream dafür nutzen, nur so als Tipp. Wobei, ich habe auch Kassenzettel und so Zeugs, eben weil ich solche Framing-Geschichten kenne, wo Menschen mit fingierten Beweisen eingebuchtet wurden.

Was ich mich frage, und wo ich wirklich aufgeschmissen bin damit – ohne Freunde und Freundin und sozialen Support ist es schwer, im Leben gut zu laufen, und man ist hilflos gegen die Masse.

Offenbar habe ich das Fadenkreuz bereits auf den Rücken gemalt bekommen — und fällt ein Schuss, dann sagt niemand was, weil: Wird schon richtig sein.

Daher:

Ich BITTE um 1) Hilfe sowie 2) um Gnade und 3) Rat sowie 4) Asyl in einem sicheren Land.

Ich mag nicht kaputter werden, als ich bereits bin. Es reicht mir vollkommen aus, was bisher geschah, und was – beim besten bösen Willen dazu – nicht alles auf meinem Mist gewachsen ist.

Mir wäre recht, wenn die Dinge beredet und aus der Welt geschafft werden könnten, statt mich tot zu machen. Ich bin nämlich kein Nubbel. Sondern ein netter Mensch – nur komme ich oft nicht dazu, meine liebenswürdigen Seiten zu zeigen.

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Martinismus – ein Fragment

Eine Religion für mich, die habe ich begründet seinerzeit in der Falkstraße. War ein besetztes Haus in Frankfurt, Bockenheim. Besetzt, na ja. Wir hatten einen Park besetzt, waren von den Grünen (Tom Königs) geräumt worden, hatten dann ein Grünen-Büro im Nordend besetzt, und nach Verhandlungen und anderen Versuchen („im Uhrig“, beispielsweise) eine Zwischennutzung für 1,5 Jahre erreicht.

Wir nannten uns „Initiative für gemeinsames Leben“ (IGEL), haben irgendwann auch einen Verein gegründet … weil es Schwierigkeiten gab bei der Positionierung – eher seriös oder eher autonom – heißen wir schließlich „SERIONOM e.V.“. Herrlich, im Rückblick sehr genial.

Ich habe dann dort das Café betrieben, was dreist und gut und ein toller Ort war. Jeden Tag von 14 bis 05 Uhr.

An sich war es aber alles kollektiv, damit hatte ich so meine Probleme. ‚Nie, nie – nie wieder Plenum!‘. So richtig der Demokrat war ich nie, eher so diktatorischer Alleinherrscher.

Es gab auch sehr heftige Spannungen zwischen der No-Fun-Fraktion (Anti-Liga, Motto „Politik ist kein Spaß“) und der Liga („Lässige Initiative für gemeinsames Abhängen“, die eher wie Emma Goldmann das Tanzen als Wesentlich für die Revolution betrachtete.  Wurde dort — nach erfolgreicher Spaltung der Gruppe in Bedürftige und Feier-Leute durch die Stadtpolitik und den kriminellen evangelischen Wohnraum“Hilfe“-Verein — vertrieben, wegen Selbstherrlichkeit und Anmaßung, und konsequentem Verstoß gegen die Gruppenregeln.

„Schluß mit Lustig!“, das war das Motto der letzten Party im Café, seinerzeit. Und irgendwie war ich dieser Herr Lustig. Trug dazu passend eine Baskenmützen-Variation mit Riesenschwengel oben drauf. Wenn schon, denn schon. Keine halben Sachen.

Danach bin ich nach Wüstems gezogen, in den Wald, ins Wochenendhaus-Exil. Vertreibung, jeder Prophet hat sowas zu erdulden. Irgendwo musste mein damals schon sehr umfangreicher Krempel ja auch hin. Dann, im Wald herum laufen, alleine sein, tief traurig über das Scheitern. Inklusive der totalen Schwarzwerdung, vulgo Depression, der Wanderung durch die innere Finsternis, ganz allein.

So gehört das ja schließlich auch.

Natürlich heißt die Religion nach ihrem Stifter, also Martinismus. Zentral ist stets der Imperativ: Genieße es.

Egal was, immer diese Haltung – ziehe daraus das maximale an persönlichem Erkenntnisgewinn und Lustgewinn, genieße es, mach etwas damit, dass es toll für dich ist. Auch und gerade die harten Sachen, die schweren Angelegenheiten, das Schreckliche. Da ist immer ein Stück Himmel im Katastrophengebiet. Was über Woodstock gesagt wurde, trifft auch auf alle anderen Orte und Räume zu.

Der Martinismus hatte einen zweiten Begründer, den hoch erwürdigen Martin Claudius Maischein, der heute in Berlin lebt, immer weiter geile Musik macht und damals als „der kleine Martin“ firmierte, weil ich halt älter und größer (im Sinne von Körperlänge) war, und vor allem es eine praktische Notwenigkeit gab, zu bezeichnen, welchen Martin man gerade gesucht hat in einem Haus mit 30+ Leuten … und wir waren mal wie Arsch auf Eimer, ein Team. Lange her. Ich erinnere mich, wie man ihn erst hörte und danach erst sah, weil er immer so stampfende Techno-Sounds von sich gab, während er rumlief – so eine Art Beat-Boxing. Das mache ich heute auch gerne, wenn ich eilig rum laufe – mir selbst dazu einen flotten Beat aufs Hirn geben, der in mir vibriert … viel besser als Kopfhörer sind selbstgenerierte Körpersonds, geht ja viel tiefer.

Natürlich gibt es den Martinismus historisch bereits, auch das gehört so, und der frühere Martinismus war eine radikale Sekte in Südfrankreich, mit Leuten, die christlich und kommunistisch waren, arm und entschlossen, die die Reichen töten wollten, um das Himmelreich wieder auf Erden zu etablieren 😉 nichts Neues unter der Sonne, sagte der Prediger Salomon.

Solche Anwandlungen wie den extremen Pauverismus habe ich nicht wirklich verfolgt — nur falls das ein potentieller Strafverfolger liest, das ist nicht unser Programm.

Häuserkampf, früher wie heute ist es wichtig und gut, Häuser zu besetzen. Die Häuser denen, die drin wohnen. Wem gehört die Welt, diese Frage muss immer wieder und mit einer gewissen nachhaltigen Ferundlichkeit öffentlich angegangen werden.

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x2b3.de schöner und übersichtlicher lesen – auf Google Plus

Ein Blog ist nett, um zu schrieben. Zum Nachlesen sehr unübersichtlich. Findet man ja nix, was man nicht explizit sucht. Wer das gerne zugänglicher hätte:

https://plus.google.com/114244081853933291956

 

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Kain und Abel

Ich muss diese Geschichte wohl mal wieder nach lesen. Erinnerlich ist mir, wie die Deutung ging, die sich mir als die bisher plausibelste erinnerlich macht – dass nämlich Gott ungerecht gegen die Brüder ist; das Opfer des Hirten Abel – der herumzieht und dies und das tut, und insgesamt nicht viel; das nimmt er an, dass des hart ackernden Kain, der macht und schafft und tut, Städte gründet und geschäftig ist, hingegen nicht.

Der eine läßt es sich gut gehen, lebt angenehm und froh, der andere hat offenbar Grund zum Zorn.

Und Kain ist doch eigentlich der Erstgeborene, also der, dem die Übernahme der Geschäfte an sich zu stünde. Dennoch, ihm ist die Anerkennung und die Liebe verwehrt, er wird nach anderen Maßstäben beurteilt.

Anscheinend liebt Gott die Faulen und Nutzlosen, die hart arbeitenden dagegen schaut er mit dem Arsch nicht an, niemand dankt es einem, sich zu bemühen. Kennt wohl jeder Mensch, solche Gefühle.

So dass Kain Fakten schafft, und den Abel erschlägt. Was ja auch historisch die Wahrheit ist; dass nämlich die Sesshaften den Nomaden das Leben unmöglich machten, indem sie mit befestigtem, eingehegten Land das zuvor normale Leben der Menschheit – umher ziehen und mit wenig Arbeit leben – unmöglich machten.

Gott fragt nun, wo ist dein Bruder, und Kain kontert – bin ich der Hüter meines Bruders?

Klar, ja, ist er, jedenfalls theoretisch und moralisch – und natürlich weiß er auch, wo der ist – nämlich tot, erledigt, erschlagen, ad acta gelegt.

Die apokryphen Evangelien – die Stories, die später für zu verrückt gehalten wurden, um in den Kanon aufgenommen zu werden, sind klarer – dort hat nämlich Adiaphotos (der Kain) den Amilabes (Abel) ausgesaugt, sein Blut bis auf den letzten Tropfen getrunken, seine Lebensenergie aufgenommen.

Was Gott natürlich auch weiß, so gesehen dumme Frage.

Und die Antwort hat Witz und Schärfe – eben weil Kain ja kein Schafshirte ist. Kein Hüter dummer Schlachttiere, um es präzise zu sagen. Abel ist ja maximal ein ungebildeter Tagelöhner, ein des Lesens nicht Kundiger, ein Niemand, ein Opfer, wie es neudeutsch so schön heißt. Kain dagegen hat etwas aufgebaut. Er ist der Mann, der Macher, der Manager.

Um den Verbleib von einer konkreten Person geht es also nicht wirklich, wer Bibel so liest, kann sie nie durchdringen – Personen sind immer Bezeichner für einen Stamm, eine Gruppe, eine gemeinsame Idee — sondern – was ist geschehen, hätten nicht die Nomaden auch ihren Lebensraum haben sollen, statt durch die Urbanisierung marginalisiert und praktisch komplett vernichtet zu werden?

Wie konnte es passieren, dass die alte Form des Lebens nun keinen Platz mehr hat?

Der zivilisierte Kain – er ist der Städtegründer, der freie Mensch, der, der aus der Natur die Kultur macht, der Modernist — sieht es nicht als seine Aufgabe an, die archaischeren Lebensweisen zu beschützen, so wie der Kapitalismus die Subsistenzwirtschaften zerstört, ohne ein Gewissen darüber zu zeigen.

Ein spätes Echo dieser Mordtat ist übrigens die Ermordung der Sinti und Roma, zum Beispiel hier in Köln, wo 1200 von ihnen an der Hohenzollerbrücke in Viehwagen der Reichsbahn abtransportiert wurden, um vergast zu werden.

Kain ist aufgrund seiner eigenmächtigen und lieblosen Gewalt ausgestoßen, gottlos, zum Umherschweifen — an sich: Der Völkerwanderung nach Osten, raus aus dem Garten Eden, sprich Mesopotamia, der Welterschließung, dem Immer-mehr und Immer-Weiter — verurteilt, es treibt ihn etwas in ihm drin gnadenlos an, ohne Ruhe und Frieden, und natürlich stehen er und sein Streben unter dem besonderen Schutz des Herrn – es darf ihm niemand etwas tun, sonst wird es siebenfach gerächt.

Kain auf der Flucht vor Jahwes Fluch von Fernand-Anne Piestre Cormon ca. 1880, Musée d’Orsay, Paris

Und später, mit seinem Sohn Lamech, sogar 77 Mal – was auch die Zahl ist, die Jesus als „wie oft soll ich dem Bruder vergeben“ nennt – auch da wird von 7 Mal vergeben auf 77 Mal gesteigert, ein klarer Hinweis auf die QBL, die Kabbalah, also das System der heräischen Mystik, wo Zahlen als Konzepte Bedeutungsträger sind — nichts in der Bibel macht irgendwie Sinn, ohne diese Lehre zu kennen.

Was auch sehr wichtig ist, das besondere Zeichen, das Kainsmal, ohne welches später keine Geschäfte möglich sind.

Auf der Stirn, sagen manche. Gut, wo sonst, sieht man ja anderswo schlecht. Könnte gut sein, es ist eher die Art, wie diese Leute auftreten, ihre Ausstrahlung, ihr Habitus, oder drittes Auge, etc.

Manche gegenwärtigen Exegesen sehen darin den eingebauten Computerchip, der mit sowas wie RFID arbeitet. Davon anderswann mehr.

Kain ist bei Beaudelaire der zukünftige Himmelsstürmer, der Anführer des Lumpenproletariats, der Gott töten wird, um seinen Platz einzunehmen. Ob der Franzose da nicht fehl ging? Die Blumen des Bösen, auch das ist eine gute Quelle, um Verschiedenes zu lernen. Nicht umsonst wurde zensiert. Merke – wo Zensur ist, ist Wissen.

So übrigens werden die Generationenfolgen der Götter üblicherweise gehandhabt, nicht bloß im biblischen Kontext – immer sind die Kommenden gegen die, deren Zeit abgelaufen ist, sehr gewalttätig, und es ist auch die Art, wie das Bessere sich durch setzt, durch stärkere und wirksamere Systeme.

Der Sturm der Götterwohnung, die kämpferische Auseinandersetzung, das ist ein Motiv in allen Geschichten über die Großen.

Nichts ist so überholt wie die Moral von Gestern.

Für Nomaden sind Zäune ein Verbrechen gegen die Allmende. Für Sesshafter sind umherziehende Banden ein schlimmes Problem. Für digitale Illuminati sind wieder die Freiheit des Umherziehens und die selbstverständliche Nutzung aller Güter durch alle das Gesetz.

Und ja, eine Form wird zerstört, um eine andere zu schaffen, vor allem: Ihr Raum zu erobern. Zerstörung ist konstruktiv, schreibt Malatesta.

Noch kurz zu Kain – dessen Nachkommen und die des Seth haben alles, was heute ist, gemacht und entwickelt, nicht etwa die Abels, diese Schafhirten.

‚Wir‘ westlichen Menschen und unsere Zivilisation, all das ist das Ergebnis der langen und harten Arbeit des Brudermörders Kain. Ob nun geliebt oder nicht, der Typ bringt die Dinge voran.

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Meditation über die eigene Schuld – Mea Culpa, Mea Maxima Culpa

Theoretisch ist es klar: Unschuld gibt es nicht, wenn Kindheit vorbei ist.

Und wann ist es praktisch möglich, schuldig zu werden? Wann kann ein mensch zur Verantwortung gezogen werden?

Antwort: Sobald ein System Handlungsvarianten hat und Kontrolle über die Auswahl der Optionen besitzt. Wer nicht anders handeln kann oder nicht weiß, wie die Regeln sind, ist unschuldig bzw. nicht schuldfähig.

Ein Säugling kann nur laut geben, wenn Bedürfniss ist.

Ein 6-jähriges Kind kann bereits zum Mörder werden, also aus niedrigen Beweggründen töten.

So wie inscheiß-Bruder, den haue ich tot, auch wenn es nicht erlaubt ist‘. Ich erinnere mich, dass ich das versucht habe. Und dann war ich entsetzt wegen dem vielen Blut und dem Geschrei, und zusammen haben wir es vertuscht und als einen Unfall dargestellt. Aber es war meine Schuld, ganz allein. Ab da war ich ein schlechter Mensch, in meinen Augen. Und hatte Grund, mich zu bessern. Was ich nur partiell geschafft habe. Meinen Bruder finde ich heute noch Scheiße, und er mich auch.

Also würde ich sagen, Schuldfähigkeit entwickelt sich, hat System-Voraussetzungen, und es beginnt mit 6 Jahren. Davor ist sie technisch nicht möglich, und wer Verantwortung zuschreibt, geht darin fehl, wenn ein Kind unter 6 beschuldigt wird.

Mit 6 ist die Kindheit vorbei. Mit 12 ist ein Mensch geschlechtsreif. Und mit 40 tot. Jedenfalls ist das biologisch so, seit 12.000 Jahren. Klar, heute haben wir die Welt kulturell überformt, und einiges daraus gemacht, was anders ist als die Natur. Aber so ist es eigentlich immer gewesen.

Seit ich denken kann – und das würde ich als mit sechs Jahren definieren – habe ich auch Schuld auf mich geladen, Dinge so gemacht, wie ich wußte, so soll das eigentlich nicht gemacht werden.

Wieso? Weil es in meinem Interesse lag, die mir bekannten Regeln zu brechen. Denn die Regeln, das habe ich verstanden, dienen mir nicht, sondern sie dienen denen, die vor mir da waren. Die haben sie gemacht, und daher sind diese Regeln immer zu IHREM Vorteil und gegen mich.

Ich habe aber auch erkannt: Wenn kein Polizist neben mir steht, gelten Regeln nicht – es gibt sie schlicht nicht, es sei denn, ich habe sie mir zu eigen gemacht, dann bin ich mein eigener Polizist.

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Über Wahrheit(en) – No Truth, Just Views

Beim Nachspüren fiel es mir mal wieder auf – meine „Wahrheit“ war ein Lügner. In vielerlei Hinsicht ist es mir sehr überzeugend vorgekommen, was ich geglaubt habe, und ich war mir sicher, so ist das, genau so und nicht anders.

Nun widerspricht der „Vollbesitz der Wahrheit“ meinem zentralen Dogma – immer skeptisch bleiben. Also konnte da was nicht stimmen.

Schon oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass das genaue Gegenteil oft ebenso wahr ist. Und das grundsätzlich immer aus These und Anti-These eine neue Synthese erwächst – der Kerngedanke dessen, was wir als Dialektik kennen.

Leute hassen das an mir, dass ich anscheinend beliebig irgendwelche Gegenpostitonen mit sauguten Argumenten vertrete, und immer so scheußlich konfrontativ bin. „Du drehst mir das Wort im Munde herum“, wie oft ich das gehört habe. Und es stimmt, teilweise.

Mir macht die Suche nach dem, was als gute und funktionierende, also passende, Wahrheitsannahme (Arbeitshypothese) durch gehen kann, ebenso viel Spaß wie die destruktive Kritik, das Auflösen von Gewissheiten in einem ätzenden Säure-Bad.

Letzteres ist emotional extrem unangenehm, beliebt macht sich ein solcher Mensch nicht, und den Schierlingsbecher hat der Sokrates auch nicht umsonst trinken dürfen. Sondern, weil seine liderliche, kynische und oft wohl auch reichlich besoffen vorgenommene Gotteslästerei den Menschen seiner Stadt irgendwann zu sehr auf die Nerven gegangen war.

Anlass dieser Meditation über Wahrheit war mein Artikel zu NPS und BPS, also narzistische Persönlichkeitsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Ich hatte diese Menschen als seelenlose Monster beschrieben, aus der Opfer-Perspektive.

Wieso? Weil meine Mutter NPS hat, und meine Ex eine BPS. Und weil ich daran fast kaputt gegangen bin. Aus meinem Erleben heraus bin ich ein Opfer, und für meine Kindheit und für die erste Zeit mit der Ex trifft das sicher zu, dass ich da sehr wenig ein Gegner oder gar selbst ein Täter war.

Nur – dann beginnt ja Interaktion, und es wird uneindeutig. Jemand kann nur ein reiner Täter sein, wenn jemand ein reines Opfer bleibt – und das drüfte NIE der Fall sein bei einer zeitlich ausgedehnten sozialen Interaktion. Tatsächlich drehen sich alle Dinge immer, und aus dem Einen wird das Andere.

Als Psychotherapeut habe ich mit beiden Störungsbildern gearbeitet, und die Menschen, die mit dieser Problematik bei mir an ihren Schwierigkeiten gearbeitet haben, immer als voll ok angenommen. Der Mensch ist in Ordnung, sie tut ihr Bestes, immer – nur der dämonische Reiter, das Monster, was sie auf sich sitzen haben und was sie bisweilen steuert, die PS, die muss neutralisiert werden.

Die therapeutische Perspektive sieht die Menschen und ihre Lernerfahrungen, die zugefügten Schädigungen, die einem unschuldigen Kind angetan wurden, und was aus einem guten menschen durch die böse Welt geworden ist. Das ist ebenso wahr wie die Beschreibung als Opfer. Was sicher falsch ist, dass ist die Idee von den geborenen Verbrechern. Es gibt einen Beitrag der Gene, vielleicht ist der sehr hoch, vielleicht sehr gering, nur es gibt sicher auch den Beitrag der Umwelt. Weil wir es nicht wissen, könnten wir einfach von 50:50 ausgehen, und sagen: Einen Teil bringt ein Mensch mit, ein anderer Teil wird gemacht und gelehrt und von Außen konfiguriert (Erziehung, Lernerfahrung). Beides steht immer in Interaktion.

Kein Mensch ist ein Monster.

Beweis: Auch Nazisau Adolf, die alte Methamphetamin-Hure, hat nicht nur gehasst und zerstört und gemordet, sondern eben auch (mindestens) einen Hund geliebt.

Der gleiche „Typ“ wird eben nicht in allen denkbaren Lebenssituationen sich gleich entwickeln. Und niemand schafft es, nur böse zu sein, egal wie böse definiert wird. Selbst mit der festen Absicht, nur Schlechtes zu tun, passieren gelegentlich gute Tagen, das ist unvermeidlich. Und genauso kommen aus lauter reinen Gedanken und der Absicht, nur mit Liebe zu handeln, gelegentlich scheußliche Dinge hervor. C’est la vie, alors.

Zurück zur Dialektik.

Kein Ding hat zwei Seiten, sondern: Immer sind es drei Seiten.

Beweis: Zeig mir etwas, und ich zeige dir, es ist 3D.

Nur theoretisch sind weniger Perspektiven denkbar, diese sind aber in unserem Anschauungsraum nicht sichtbar zu machen, es sei denn als Formel oder Wort.

Raum ist dreidimensional. Nicht wirklich, es sind wohl 16 Dimensionen, aber drei sehen wir.

Auch ein Pixel hat eine räumliche Ausdehnung. Sonst wäre es unsichtbar.

Wieso schreibe ich das?

Mir ist aufgefallen, dass ich meiner Mutter und meiner Ex Unrecht getan habe, sie als die total schlechten und fiesen Monster zu malen.

Schwarz anmalen, das ist eine Sache, die selbst ganz schwarz ist, und es färbt ab. Ich habe gemerkt, ich mache mich schuldig, wenn ich alle Schuld anderen gebe bzw. zuweise.

Ich habe meiner Mutter und meiner Ex – und allen anderen, die von diesen Persönlichkeitsstörungen betroffen sind – durch meine einseitige Beschreibung Unrecht getan. Und das tut mir leid.

Würde es nicht der Klarheit diesen, ich würde diese Beschreibung löschen, und mich entschuldigen. Allerdings, der Zeitpunkt dafür liegt, so glaube ich, in der Zukunft. Denn ich erwarte noch immer eine Entschuldigung von der anderen Seite, die logisch zuerst kommen müßte.

Was natürlich den Frieden blockiert. No justice, no peace. Fuck the police.

Ich bin gerne Kriegerin, ich vernichte den Gegner. Nicht körperlich, das wäre sinnlos. Alle kommen wir immer wieder, daher bringt es nichts, die Inkarnation zu beenden, wenn du einen Mißstand beenden willst. Sondern, was zerstört wird, sind die dämonischen Reiter. Die Gewissheiten, die Falschheiten, die Gemeinheiten.

Kein Mensch ist ein Feind. Aber auch: Kein Mensch ist ein Freund. Alle haben es verdient, angegriffen zu werden.

Wieso? Weil in mir der Hass und der Zorn und die Wut so stark geworden sind über all die Jahre. Die für die Erreichung von Glück zunächst ausgesprochen ungünstige Kombination aus Intelligenz und Sensibilität hat mich viel erleben lassen, und meistens in der Position, wo ich es ab bekommen habe.

Meine Verwundungen einfach in einem grandiosen Akt der Gnade zu vergeben – es würde mich befreien und alles lösen, ist aber aktuell eine absolut übermenschliche Herausforderung. Und ich kann nur vergeben, was ich los lassen kann.

Meine Selbstdefinition mit 18, da hat mich Astrid gefragt, wie ich mich selbst sehe. Eine kluge Frau, und ihr war aufgefallen, dass ich für einen Hippie reichlich martialisch rum lief. Ich habe es ihr erklärt, oder wenigstens den Versuch unternommen.

Ich habe gesagt: Ich lebe im KRIEG. Und das ist wahr, so lange schon, dass es scheint, als sei das immer und zu jeder Zeit der Fall gewesen (was historisch NICHT stimmt).

Diese Welt kennt seit 2000 Jahren keinen Frieden. Die sehr friedlichen, matriarchalen Gesellschaften, das ist lange her und stieß an Grenzen, als diese neue Idee – Grenzen, und damit gleich zu setzen: Krieg – in die Welt kam.

Nur, paradoxerweiese, genau weil das so ist, habe ich in mir den Frieden entwickelt, und das ist eher einfach. Denn wenn ich ein Kämpfer gegen das Unrecht bin, ist es kein Problem, dass es davon mehr als genug gibt, und es ist auch nicht weiter schlimm, wenn ich es nicht beenden kann, denn es ist klar, alleine ist das nicht zu schaffen. Dadurch ist die innere Spannung auf Null reduzierbar, immer.

 

 

 

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