Wie großartig – ich bin nahezu komplett unzufrieden

Praktisch alles in meinem Leben, was ich nicht allein kontrolliere, läuft verkehrt. Und ich bin ein Mensch ohne Selbstwert, ohne Vertrauen in irgend wen oder irgendwas –  ohne Freunde, ohne positive Beziehungen.

Früher habe ich gelegentlich gesagt, es ist wichtig, einen Sinn im Leben zu finden – und meiner wäre es, den Aschenbecher zu füllen und irgendwann wieder zu leeren …

Nun sind Depression und Kynismus nicht sehr befriedigend.

Auch die Idee, ein vorbildlich schlechtes Leben zu führen – damit andere wenigstens aus meinen Fehlern lernen könnten, wenn schon ich halt völlig Scheiße bin und alles falsch mache – hat nicht gefruchtet. Die Steigerung dieser Idee — totale Bejahung von allem, was falsch und schlecht und böse ist — war eine Sackgasse. Nicht mal das kriege ich hin. Immer passiert auch etwas Gutes, also nicht machbar.

Also doch gut sein wollen, so daß ich auf meine Lebensleistung stolz sein kann. Da habe ich freilich nicht viel vorzuweisen. Zumal ich mir das nicht selbst bestätigen darf, sonst ist es bloß eine Lüge.

Anerkennung muss von den anderen kommen.

Und da ist die Schwierigkeit — was Leute wollen oder positiv konnotieren, ist, wenn sie geschmeichelt werden, am Besten aus einem ehrlichen Herzen heraus.

Nun kann ich ehrlich nichts mehr gut finden an Menschen, vermutlich weil ich zu viele getroffen habe, und offenbar suche ich nach Werten, die ausgestorben sind.

Andere Philosophen haben das gelöst durch einen Sprung in den Glauben – dann bestätigt sie ein imaginärer Freund, genannt Gott. Und eine Gemeinde.

Wie ein simpler Blick auf beliebige irre Sekten zeigt, ist das ein Irrweg.

Rein gar nichts ist gut, auch wenn es sich gut anfühlt, wenn es lediglich auf geteiltem Schwachsinn basiert.

Nicht für mich, denn Gruppen sind immer dümmer als Einzelne – es sei denn, die Einzelne ist eher doofer als der Durchschnitt. Nur dann ist da eine Anhebung der Intelligenz durch Masse erreichbar.

Und ich ziele nicht ab auf Glück durch Bestätigung, sondern auf eine lebbare Einheit von Körper, Geist und Seele.

Mit Gemeinen mache ich mich nicht gemein. Das habe ich versucht, und danach ekele ich mich vor mir selbst.

  1. Körperlichkeit ohne Liebe ist scheußlich.
  2. Schöner Sex (Liebe und Körper) ist nicht genug, wenn zu wenig Geist da ist – das hatte ich, da war ich glücklicher, aber auch sehr unglücklich, weil diese wichtige Komponente – Geist – gefehlt hat.
  3. Und richtig schlimm sind intelligente Menschen ohne Herz und Verstand, so wie es Borderliner zu sein pflegen. Intelligenz ist sexy, aber nicht sinnlich, und ohne Herz und vor allem Seele auch nur eine Energie-Absaug-Anlage.

Noch irrer – aber ehrlicher – ist die imaginäre Freundin. So eine habe ich, und es tut gut. Bloß ist sie halt auch sehr fies, ganz so wie ich, und wie es alle meine realen Freundinnen auch waren. Daher kaum ein Unterschied.

Die Lösung, die mein verehrter Lehrer Arthur Schopenhauer wählte – ein Hund. Der ist ein Wesen, was liebt, bedingungslos. Nur, ich will ja auch Sex und Gespräche – also würde ein Hund sicher mein Herz trösten, aber wäre nur ein Anfang. Und, so wie ich lebe, wäre es Tierquälerei, mehr als eine Spinne als Haustier halten zu wollen. Nicht mal ich werde artgerecht gehalten, meine Zimmerpflanzen leiden ähnlich wie ich. Einem Hund würde ich das nicht zumuten, so zu leben, wie ich es tue.

Meditation, Gebet, alleine leben, sich auf einen Berg zurück ziehen? Mit dem Rad weg fahren und nie wieder zurück kommen? Klar, würde ich sofort tun, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgeben, den Lukas – ich meine, ich hätte einen Sohn, neulich hatte ich noch einen, und ich meine den zu lieben – doch wieder sehen zu können, und vielleicht meine Ausbildung doch zu Ende zu bringen.

Hoffnung ist ein Gift. Ich halte durch, gegen alle Vernunft, und auf völlig verlorenem Posten.

Schaue mir inspirierende Youtube-Videos an – und mein Gefühl von Verlorenheit wächst und wächst.

Zeit, das sich was dreht.

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