Ich mach was mit Datenbanken

Ich mach was mit Datenbanken„. Hab ich früher immer gesagt auf Partys, wenn ich keinen Bock hatte auf Zugelabert-werden („du bist doch Psychologe, also ich hätte da mal eine Frage …“). Funktioniert immer, niemand außer Fabian mag sich darüber unterhalten. Und gestimmt hat es auch, im engeren und weiteren Sinne. Meine Nebenfächer waren Medizin und Informatik, mit Computern habe ich sicher mehr aktive Zeit verbracht als mit (offline-)Menschen.
Weil mich Daten ziemlich interessieren, bin ich Naturwissenschaftler geworden, und Statistik ist die einzige Sorte Mathematik, die ich kapiere (leider Mathe wenig mein Ding, schade). Es ist zugleich die Grundlage für Sozialwissenschaft und Politik, und eine Philosophie, die Pro-Faktisch orientiert ist. Ich wollte Professor werden, was für mich faules eigensinniges Luder mit dem Staat und Uni-wie-sie-heute-ist nicht ging. Am Studieren hindert mich das wenig, bloß verdiene ich halt auch kein Geld mit der kristallinen Intelligenz. 
 
Parallelen zwischen menschlicher und maschineller Informationsverarbeitung sind übrigens enorm viele vorhanden, was natürlich auch daran liegt, das der PC das Paradigma für die Hirn-Modellierung ist und wir nur bauen können, was wir verstehen – und nur verstehen, was wir bauen. we are makers.
Achtsamkeit. Bewußt auswählen, den Augenblick intensiv erleben. Das Wesentliche erkennen und bewahren.
Der Screenshot beschreibt ein Problem, was Hersteller von technischen Gedächtnissen – vulgo Speichermedien, Festplatten, Server, Datenbanken – typischerweise haben. Irgendwas passiert oder wird gemacht, dabei auch gelernt (verändert, modifiziert) – und irgendwann später stellst du fest, das ist Mist und schief gelaufen und funktioniert so gar nicht. Beispiel bei Menschen: Wenn etwas getan und erlebt wird, dann wird es live verarbeitet und dann irgendwie gespeichert. Geht dabei was schief, hat mensch später Probleme mit den Daten und dem Weltmodell. PTBS, ADHS, BPD, alle F-Diagnosen aus ICD — immer geht es in der kognitiven Verhaltenstherapie um diesen Prozess, wie aus Erfahrung Welt gebaut wird, um die Veränderung von Annahmen und Gewohnheiten.
Fehlerkorrektur ist bei Menschen eingebaut, was sich in einer enormen Resilienz auf allen Ebenen bemerkbar macht (von den Genen bis zur Plastizität des Gehirns). Grundfunktionen – die Kinder erst mühsam lernen müssen – sind später im Leben auch unter heftigen Belastungen verläßlich verfügbar.
Meine depressiven Patienten erzählen gerne, sie ‚könnten nichts mehr‘. Das ist das Ergebnis einer Datenbank-Abfrage – [finde Erinnerungen, wo ich etwas wichtiges gut mache]. Der Kriteriumswert für ‚wichtig‘ bzw. ‚gut‘ ist bei Depressiven typischerweise falsch und viel zu hoch gesetzt, auf „lebenswichtig“ und „100% perfekt“ beispielsweise. Da kommt dann natürlich kein Ergebnis. Während ich kurz gucke und sage: „Aufgestanden, angezogen, Zähne geputzt, gegessen, hier her gefunden, pünktlich gewesen, bisher weder umgefallen noch eingeschlafen …“ – und dann lachen wir beide. Seit ich in der Tagesklinik mit Gruppen von Depressiven gearbeitet habe, weiß ich Humor zu schätzen. Nichts anderes macht dermaßen viele Räume auf.
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