Menschenrecht „File sharing“, Gedanken dazu – und aktuelle Abmahnungen von Torrent-Downloads

Kultur weiter geben – ich singe dir ein Lied, du erzählst mir eine Geschichte, wir malen ein Bild und schenken es Oma. Hier ist ein USB-Stick (früher: ein tape) mit Musik für dich. Ah, eine DVD mit einem neuen Spiel. Früher: Habe mir eine Schallplatte gekauft, hör mal mit rein. Guck mal, C64, da wurde alles kopiert und unter den Freunden weiter gegeben, VHS genauso, die ersten CD-Brenner waren ein Segen. IRC und dcc, die Mac-Software kam immer da her – niemand hat sich Photoshop gekauft, bis auf die wenigen sagenumwobenen Profis. Wer solche kannte, hatte immer super Sachen am Start. Dann Audio-Galaxy, Napster, BitTorrent. The Pirate Bay.

Legendäre Helden: The Pirate Bay. Lohnt, deren Geschichte mal nach zu lesen.

Nachdem sie das alles zerschlagen haben und durch die Malware alles vergiftet wurde, sind wir beim idiotischen Streaming angekommen. Früher war klar, Dateien verteilen, möglichst die Bandbreite schonen. Heute das Gegenteil, möglichst immer mehr Traffic online und offline zu erzeugen – was irre Energie und Material kostet. Totaler Anachronismus – CD, DVD, Blue-Ray – instabile Plastikscheiben, ineffiziente Technologie. Seit USB3 ist das obsolet, finde ich. Aber schöner Trash, und auch spezial, wie alle Kulturprodukte. Nix gegen Vinyl und Tapes. Menschliche technologische Evolution ist faszinierend, wir bauen unser Verständnis ständig aus. Die kulturelle Revolution – 1970 konntest du praktisch kaum was von der weiteren Welt erfahren, heute kann ich gefühlt von überall Daten bekommen. Das älteste Lied der Welt und die Bibliothek von Alexandria, herrliche Zeiten. Bloß, was machen wir draus?

Jeder Mensch hat Anspruch auf kulturelle Teilhabe am Reichtum des Planeten. Wir sind eine Familie. Das ist, was ich denke. Und es ist die Philosophie der UN. Menschenrechte.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird der Mensch beschrieben als ein soziales, kulturelles Wesen. Demgemäß wird das Recht eines jeden Menschen auf Teilhabe am sozialen, kulturellen Leben als Menschenrecht anerkannt.

Und – eine profane Grundlage, die im Alltag oftmals übersehen wird – hierzu zählt auch das Recht, seine eigene Kultur überhaupt leben zu dürfen und nicht zwangsweise assimiliert zu werden. Dieses Menschenrecht auf Teilhabe am kulturellen Leben umfasst auch das Recht, sein eigenes kulturelles Erbe überhaupt erleben, erlernen und erfahren zu dürfen. Genauso wie es dazu gehört, das kulturelle Leben anderer erfahren zu können. Dass die Verwirklichung dieses kulturellen Menschenrechts nur möglich ist, wenn auch die sozialen Menschenrechte verwirklicht sind, versteht sich von selbst.

Die Teilnahme am kulturellen Leben wird aber auch in die andere Richtung geschützt. Nicht nur, dass niemand hiervon ausgeschlossen werden kann, jedermann hat auch einen Anspruch auf Schutz seiner Beiträge zu diesem Leben, insbesondere also auch auf Schutz seiner literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Werke. Zum Menschenrecht auf Teilnahme am kulturellen Leben zählt daher auch der Schutz der Leistungen des Einzelnen durch ein effektives Patent- und Urheberrecht.

Zur Teilhabe am sozialen, kulturellen Leben zählt für die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch die Teilhabe am wissenschaftlichen Fortschritt, für den mithin ein gesetzlicher, diskriminierungsfreier Zugang bestehen muss. Niemand darf also etwa vom Fortschritt im medizinischen Bereich, etwa durch prohibitive Preisgestaltung, ausgeschlossen werden.

In der weiteren Entwicklung wurde dieses Menschenrecht auf Teilnahme am kulturellen Leben im UN-Sozialpakt wieder aufgenommen und verbindlich weiter entwickelt.

Artikel 27
(1) Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
(2) Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Das Geschäfte-Machen hat der Freiheit des Cyberspace praktisch den Garaus gemacht. Seit den Rechtsanwälten ist es nicht mehr das Gleiche. Und es ist nicht egal. In Brasilien kann sich niemand CDs leisten, Musik wird nur herunter geladen. Das IST eine eminent wichtige politische und soziale Frage, es geht NICHT um Pille-Palle dabei. Es braucht neue Layer, ein neues Netz.

Um das rund zu machen, angefangen habe ich aus persönlicher Betroffenheit. „The 100“, wollte ich mir ansehen. ProSieben zeigt die dritte Staffel der Sci-Fi Serie immer mittwochs ab 22:15 Uhr. Im Anschluss an die TV-Ausstrahlung stehen alle aktuellen Folgen 7 Tage lang zum kostenlosen Online-Anschauen auf ProSieben.de/The-100 zur Verfügung. ProSieben ist Zeitverschwendung und ein unangenehmes Erlebnis, aber aufgenommen und gespult auf dem IP-TV geht es zur Not. ‚Früher‘ hätte ich die Serie flott als Torrent runter geladen und mehr oder minder in einem Rutsch geschaut. Seit ich 2015 eine Filesharing-Abmahnung wegen Rechteverletzung wegen einem belanglosen mp3-Hintergrundsound in einem Computerspiel (GTA IV) abwehren musste, google ich immer mal, ob gerade räuberische Rechtsanwälte im Hinterhalt liegen bzw. unterwegs sind. Hat schließlich 170€ gekostet, das Spiel dagegen hätte ich für <30€ kaufen können. Oder beim physikalischen Ladendiebstahl erwischt werden, auch das wäre deutlich billiger gewesen … Und siehe da, wegen „The 100“ wird abgemahnt, 180€ pro Episode. Bei 13 Episoden der ersten Staffel (9,99€ DVD Thalia, 0,77€ pro Episode) eine erwartbare Abmahn-Summe von 2340€ – was haben sie nur aus dem Internet gemacht, diese Saubande !!! Torrents sind eine super-Technologie, aber praktisch tot. Traurig. Als Stream dagegen problemlos zugänglich und derzeit im unbestraften grauen bis illegalen Bereich: http://kinox.to/Stream/The_100.html Das Setzen von Links auf fraglich legale Inhalte wird dagegen von Facebook bereits teilweise verfolgt. Absehbar, das die Zensur da zulegen wird. Gefiltert wird aktuell noch wenig, aber es ist Tauschgruppen auf FB an den Kragen gegangen, las ich irgendwo. Mir egal, ich schreibe nicht mehr auf Facebook, und bis sie hierher kommen, muß ich mir was Neues ausdenken 😉 Oh – vermutlich wird die Seite gespidert, wenn ich sie auf FB verlinke, dann ist es wiederum egal und hier wie dort schauen google fb nsa vs dea etc. drauf, und solange nicht die Staatsanwaltschaft Köln damit zu tun hat, passiert vordergründig nicht viel. Die sind übrigens schwer genervt von den Massenabmahnungen. Wäre vielleicht schlau, sich polizeilich-repressiv auf die wirklich wichtigen gravierenden sozialen Regelverstöße – Einbruch, Raub, Mord, Fahrerflucht, Körperverletzung, Brandstiftung, schwere Sachbeschädigung – zu konzentrieren und die Leute, die Verstöße gegen Regeln begehen ohne irgendwelche realen Schäden an anderen dabei auszulösen – illegale Drogen, file sharing, Schwarzfahren, geringwertige Diebstähle – durch ein bedingungsloses Grundeinkommen und Entkriminalisierung aus der entwürdigenden Situation zu holen, die doch im Wesentlichen auf Armut und Not basiert. Ooops – Philosophie again.

Informationen zu Werken aus Film, Fernsehen und Musik, welche das aktuelle Objekt von Abmahnungen sind:

Game of Thrones
Breaking Bad
Black Mass
Dirty Grandpa
The Hateful 8
Deadpool
Er ist wieder da
Empire
Homeland
Independence Day – Wiederkehr
The Big Bang Theory
The Walking Dead
Jane got a Gun
The Americans
Hot Party Winter 2015
Man lernt nie aus
Hangover 3
The 100
Die Bestimmung – Allegiant
How I Met Your Mother
Silver Linings
Der Knastcoach

Aktuelle Abmahnungen: Diese Urheberrechts­verletzungen führen zu Abmahnungen

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Wohlstand, Arbeit, Kapital und Produktivität

Statistiken sind so eine Art von ‚Gedanken-Plastik‘. Wie eine Statue. Stellt etwas dar, und die Art, wie sie es tut, ist für den Zweck wesentlich.

Zum Beispiel dies hier. Ist das gut oder schlecht, wenn immer mehr Menschen in niedriger Entlohnung sind? Ohne Kontext eine sinnlose Sache. Was ist ‚low income‘ und wo wird produziert?

Produktion nach Einkommensregionen. Daten: Weltbank.

HIGH-INCOME ECONOMIES ($12,476 OR MORE): Grün, 79 Länder – das sind wir, der Westen – USA, Israel, EU – und die Öl-Scheichs. UPPER-MIDDLE-INCOME ECONOMIES ($4,036 TO $12,475): Gelb, 56 Länder, das sind u.a. die Chinesen, die Russen, Mexiko, Türkei. LOWER-MIDDLE-INCOME ECONOMIES ($1,026 TO $4,035): Orange, 52 Länder, das sind Indien und Kambodia, Nordafrika, arme Länder. LOW-INCOME ECONOMIES ($1,025 OR LESS): Blau, 31 Länder. Afghanistan, Subsahara-Afrika.

Die Weltkarte mit den Weltbank-Einkommenskriterien.

Damit sich das Gehirn nicht anstrengen braucht, die Kreisdiagramm-Grafik passend eingefärbt:

Das GDP nach Einkommensregionen – zweite Version mit zur Weltkarte korrespondierenden Farben.

Bedeutet: 600 Millionen Menschen leben mittlerweile in super-armen Ländern, wo praktisch nichts produziert wird.

Wie viele leben wo?

Bevölkerung

Zahlenmäßig die großen 10 Länder:

Die 10 einwohnerstärksten Länder und ihre Zuordnung zum Income entsprechen der World-Bank-Kriterien.

Datenquellen: https://datahelpdesk.worldbank.org/knowledgebase/articles/906519-world-bank-country-and-lending-groups

Grafik 1 – http://data.worldbank.org/indicator/SP.POP.TOTL?end=2015&locations=XM&start=1960&view=chart

Sehr schön auch diese Grafik – wie viel Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung des Planeten sind eigentlich arm?

Wer es genauer wissen will: http://data.worldbank.org/products/tools

Selbstreferentielle Zeitgeschichte. In ein paar Jahren wird die Erinnerung an Facebook ähnlich verschwommen sein wie die an das ehemals einzigartige Yahoo (alle haben das benutzt, lange her).
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Solidarität mit den Wissenschaftlern in der Türkei

Wir verurteilen die ungerechtfertigten Entlassungen von Professoren und Lehrern, die gezielte Einschüchterung von Presseleuten und Intellektuellen – seien sie Gülen-nah oder nicht –  und das verhängte Ausreiseverbot für Wissenschaftler. Wir erklären uns solidarisch mit unseren Kollegen an türkischen Universitäten, auch mit jenen, die Kritik am türkischen Staat üben. Eine starke Demokratie braucht akademische Freiräume und verträgt Widerspruch. Die staatliche Aufreizung von Volkszorn und Förderung von Verschwörungstheorien sind einer Demokratie nicht würdig.

Wir fordern die Freilassung der pauschal inhaftierten Kollegen und die Rückgabe der Lehrlizenz an Schulen und Universitäten. Die Türkei kann auf darauf stolz sein, dass mit Hilfe zivilen Widerstands ein Militärputsch abgewehrt wurde, aber die übertriebenen Reaktionen darauf haben das Vertrauen in die türkische Demokratie international erschüttert. Daher fordern wir internationale Kommissionen zur Prüfung der erhobenen Vorwürfe.

Wir hoffen sehr, dass die gewachsenen akademischen Kontakte zwischen unseren Ländern nicht durch die blindwütige Politik der derzeitigen Regierung unterbrochen werden. Wir hoffen auf einen zensurfreien Austausch von Ideen und Personen zwischen der Türkei und anderen europäischen Staaten.

Prof. Dr. Johann Ev. Hafner

Neben Prof. Hafner sind auch folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Erstunterzeichner der Petition:

Prof. Dr. Joachim Valentin
Prof. Dr. Rudi Schmiede
Prof. Dr. Tobias Specker
Prof. Dr. Michael Langer
Prof. Dr. Hristo Kyuchukov
Prof. Dr. Urs Baumann
Prof. Dr. Hans Brügelmann
Prof. Dr. Werner Sacher
Prof. Dr. Christine Kulke
Prof. Dr. Hans Werner Heymann
Prof. Dr. Andreas Helmke
Dr. Tuyet Helmke
Dr. Jochen Thies
Dr. Helmut Meyer
Dr. Karl Heinz Peters
Dr. Helmut Dinse
Dr. Mehmet Özer
Marion Schneider
Peter Bielmeier

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We condemn the unlawful layoffs of faculty in schools and universities, the intentional intimidation of reporters and intellectuals – be they close to the Gülen-movement or not – and the prohibition on travel for academic staff. We express our solidarity with our colleagues in Turkish universities, especially with those who criticize the Turkish administration. A strong democracy needs academic freedom and endures contradictions. The way how the present system arouses popular anger and how it fuels conspiracy theories is a shame for a democratic society.

We demand the release of the colleagues who have been incarcerated without due process. We demand the restitution of their licence to teach. Turkey can be proud of defeating the attempted coup especially by public resistance, but the exaggerated reactions to the coup have strongly shattered confidence in Turkish democracy. Therefore we demand an international commission to examine the accusations.

We hope, that the well established academic contacts between our countries will not be interrupted by the a revenge-driven measures. We hope for an uncensored exchange of ideas and persons between Turkey and the other European countries.

Prof. Dr. Johann Ev. Hafner

Besides Prof. Hafner, the following academics show their support by being the first signers of the petition:

Prof. Dr. Joachim Valentin
Prof. Dr. Rudi Schmiede
Prof. Dr. Tobias Specker
Prof. Dr. Michael Langer
Prof. Dr. Hristo Kyuchukov
Prof. Dr. Urs Baumann
Prof. Dr. Hans Brügelmann
Prof. Dr. Werner Sacher
Prof. Dr. Christine Kulke
Prof. Dr. Hans Werner Heymann
Prof. Dr. Andreas Helmke
Dr. Tuyet Helmke
Dr. Jochen Thies
Dr. Helmut Meyer
Dr. Karl Heinz Peters
Dr. Helmut Dinse
Dr. Mehmet Özer
Marion Schneider
Peter Bielmeier

 

https://www.change.org/p/solidarität-mit-den-türkischen-wissenschaftlern-solidarity-with-the-turkish-academics/

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EU Außenpolitik – Militär gegen Menschenschmuggler

Die Eu-Außenpolitik vor der Küste Libyens, wo Flüchtlinge militärisch gestoppt werden – Wikileaks

https://wikileaks.org/eu-military-refugees/EEAS/EEAS-2016-126.pdf

migration-2015-sophia-wikileaks
Boote zerstören, Kriminelle verfolgen, die Kontrolle über die Küste übernehmen.
migration-2015
Die EU-Mission SOPHIA (Weisheit) wirkt: 9% weniger Boat People auf der ‚zentralen Route‘ aufgegriffen. Später wurde dann mit dem Türkei-Deal auch hier den Menschen aus Syrien (und sonst woher) der Fluchtweg genommen.  Menschenrechte sind einen Scheißdreck wert. Ein Flug kostet 220€ bis 350€ – und sie lassen die Leute Tausende für Schlepper bezahlen. Absurd. Unmenschlich. 
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10. Januar 1970 10:32 Frankfurt am Main

Da kam ich auf diese Welt, soweit dem Geburtsprotokoll zu vertrauen ist. Eben dachte ich mir, ich wollte doch schon lange mal mein Horoskop selbst am PC angucken. Weil meine ‚irrationale Eso-Seite‘ solche Dinge interessant findet. Astrologisch ein Steinbock mit Ascendent Fisch – eine bescheuerte Kombination. Mein Horoskop ziert laut meinem Gedächtnis (kürzlich im Sommer bekam ich pasenderweise 23 Jahre nach meinem 23. Geburtstag noch mal mein Horoskop erklärt) ein fettes Quadrat, mit Kräften, die sich – so habe ich mir erklären lassen – gegenseitig in Schach halten und im Zusammenspiel dafür sorgen, dass ich schillernd-vielversprechend erscheine, aber nicht wirklich was gebacken kriege. Knapp daneben, auch vorbei. Was so etwa meinen Lebenserfahrungen entspricht … insofern nicht abwegig. Vorhin traf ich eine Kommilitonin aus meiner Studienzeit in Gießen – 20 Jahre her, ich war damals schwer verliebt, hab ich ihr auch direkt gesagt, darauf sie, dass sie sich daran nicht erinnert. Hm. War ich direkt grausam, nach Kindern gefragt – erwartungsgemäß keine, schmerzender Punkt getroffen, und ich noch hinterher, mit mir wäre das anders gelaufen. Hab aber auch gelitten damals, da ist so was wohltuend. Die fiese Spitze eingebettet in einem sehr netten Gespräch, mir ist es dann eher danach klar gewesen, und auch wie und wieso. Hatte direkt Lust, mich mit ihr zu treffen, mal reden. Heute ist mir scheinbar so egal, was vor 20 Jahren riesige Kummerberge zu sein schienen. Ich bin so gewachsen, es erscheint mir völlig lächerlich, wie ich mich angestellt habe. Und immer noch ein Idiot. Jetzt halt mit dem aktuellen Kummer (der in ein paar Jahren genau so lächerlich und albern erscheinen wird, aber sag dem das mal, das juckt den einfach nicht). Mag ich eine Frau tatsächlich wieder treffen, die ich vor Jahren mal heiß begehrt habe? Klar. Bloß, früher hatte ich Träume. Heute bin ich lediglich bekloppt, aber ansonsten ziemlich bodenständig. Große Dinge erwarte ich mir von nichts und niemand, mich selbst eingeschlossen. Gegen kleine Dinge allerdings nichts einzuwenden, egal welcher Natur sie sein mögen. Allein aus Gründen der Neugier. Mein Bruder sagte mir neulich mal wieder, er sei ja immer der Papst gewesen, und ich ein schlimmer Finger. So war das wohl. Finde allerdings bisher alles ganz ok, was meine Finger gemacht haben – ich meine, niemanden erschossen oder so. Gewalt, Prügeln, das habe ich in meinem Leben vielleicht fünf Mal erlebt, wobei ich drei Mal Opfer und zwei Mal Täter war. Übergriffig, belästigend, Grenzen verletzend, so dass sich eine Frau über mich beschwert oder mich wegen meiner Reden scheisse findet – das gab es, beschämende Sachen, wenn Alkohol den eingesperrten Affen raus gelassen hat. Schlimm, finde ich. Während den Finger rein stecken, wenn und wo es gefällt, da habe ich kein Problem damit, egal was irgendwelche Leute sagen. Sex ist was Tolles, und nicht schlimm oder schmutzig oder so was. Und Sünde schon gar nicht. Scheiß auf alle Päpste, die es jemals gab und geben wird. Zurück zum Horoskop – zwischen folgenden Polen spannt sich mein Leben auf – da ist ein intelligentes, klares Ding, was sprachlich und verstehend arbeitet. Da ist ein dunkles Ding, was Irrationalität einbringt, Chaos, Anarchie. Lilith. Saeva, wenn ich mich damit identifiziere. Und da ist eine Sexualität, die unterdrückt ist. Was mir schwer fällt – mich sexuell locker machen. Da steht der Saturn. Beides gehört zusammen. Nun fehlt noch ein Pol – den habe ich vergessen. Dank open source Software kein Problem, das sich nicht flott lösen ließe. Hinaus aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, oder so. „Zodiac“. Kostet nichts, ist leicht zu verwenden. Hat mich jetzt 5 Minuten gekostet, das hier zu zaubern:

Jeder Mensch, der zu dieser Zeit auf die Welt kam - das sind sicher einige - teilt nach Ansicht der Astrologen ein Schicksal. Und eine Aufgabe.
Jeder Mensch, der zu dieser Zeit auf die Welt kam – das sind sicher einige – teilt nach Ansicht der Astrologen ein Schicksal. Und eine Aufgabe.

Erster Erkenntnisgewinn – hier ist das Quadrat gar keins, auch Saturn steht anders – möglich, ich hab‘ es direkt falsch gemacht. Wäre mir zuzutrauen. Auch komisch – bis eben dachte ich, ich sei an einem Sonntag geboren. So erzählt das Mutter, und die hat immer recht. Andererseits sagt der Computer, es war ein Samstag. Nu‘, wen soll das stören? Auf der Welt bin ich nun mal, wann und wie, Samstag oder Sonntag, egal. Der ‚vergessene‘ Gegenpol liegt im Äußeren, im Skorpion. Die beiden Menschen, von denen ich die schwierigsten Lektionen bekommen habe, sind mein Bruder und mein Sohn. Um das mal so auszudrücken – es gibt Situationen, wo wir emotional ziemlich aneinander geraten. „Weil du deinen Schatten nicht siehst“, sagt meine Eso-Freundin. Hat sie recht – wie derbe egozentrisch ich bin, fällt mir erst auf, wenn es jemand hart kontert und ich dann unangemessen reagiere. Und wie verletzlich ich bin, fällt mir auf, wenn jemand meine Schwächen mit sichtlichem Lustgewinn ausnutzt. Ein gutes Maß für Härte und Barmherzigkeit, sicher wäre das genial. Ich bin entweder sehr hart (selten) oder sehr weich, und wechsele abrupt, wenn es nicht paßt. So ein Verhalten sei mit Kindern nicht gut, weil sie geduldig und konsequent Grenzen aufgezeigt bekommen wollen würden, sagt die Lehrmeinung der Mütter. Und es stimmt. Mein Sohn testet Grenzen. Es braucht Geduld, damit umzugehen. Vor allem ’sinnlose‘ Regeln sind meiner Meinung nach schlicht nicht aufrecht zu erhalten – und das sind die meisten. Dominanz und Unterordnung, was als Erziehung verkauft wird. Etwas Sadistisches. Völlig anders sehe ich die Geschichte mit den Konsequenzen – die soll es geben, klare und deutliche Reaktionen auf klar markierte Verhaltensweisen, damit Zusammenhänge lernbar sind. Was ich gut finde, was ich unakzeptabel finde, das sind Dinge, die mein Kind wissen will – ich muss ihn nicht zwingen. Er erkundigt sich von selbst. Anders mit Verhalten, was er ausführen soll, aber nicht mag – da sind Eltern angeblich ständig in der Pflicht, das Kind zu scheuchen – anziehen, Bahn kriegen, Ranzen packen — aber auch da finde ich, es ist bloß unsere Aufgabe, anzuleiten und Erwartungen zu äußern (wenn wir welche haben). Befehl und Gehorsam sind Strukturen für Soldaten, nicht für kleine Menschen. Andererseits mein Schatten – ich setze Zeit meines Lebens große Hoffnung auf gewinnbringende Partnerschaften, aber meine – mutmaßlich guten – Ideen beißen sich mit meiner asozialen Egozentrik und meinen dunklen Strebungen, was diese Unternehmung immer wieder wenig vorhersagbar torpediert. Andere Leute reagieren auf meine schrägen Seiten mit Ärger oder Rückzug, oder ich verliere plötzlich den Kontakt mit der Wirklichkeit anderer Leute. Ich mache letztlich dann kaputt, was mir am Herzen liegt, und werfe das den anderen vor. Ergebnis: Ein einsames Hundeleben, traurig bisweilen. Selbst dran schuld. Lerne ich halt, es besser zu machen. Offen damit umgehen. Schuld, Scham, Sünde. Ein Komplex. mea culpa, mea maxima culpa. Kann wirklich jemand die Menschen lieben? Früher hätte ich gesagt, nein, nur wer dumm ist und blind, kriegt das vielleicht hin. Heute finde ich es schwer, mir vorzustellen, wie wie jemand die Menschen nicht lieben kann. Klar, manche sind manchmal scheußlich, und ich mache auch mal Kurz-Urlaub in den Misanthropen, wenn mir danach ist – aber insgesamt sind Menschen toll, wie sie aus allem irgendwie was machen. Wie sie sich alle mühen und sorgen und machen und tun, und um ihre existentielle Not drum rum leben. Auch irgendwie drollig. Was nicht ausschließt, das die gleichen Leute brandgefährlich sein können, es sind ja Menschen, und das bedeutet – auch, nicht nur – gefährlichstes Raubtier des Planeten. Jeder von uns hat durch sein Gehirn alle Möglichkeiten, und diese Freiheit macht Menschen so besonders gegenüber den anderen Tieren. Das Hirn wirft aber auch diese Fragen auf, die Tiere möglicherweise so nicht stellen – wozu, weshalb, warum? Und auf dem Weg zur Klärung müssen Fehler gemacht werden. Das Scheitern gehört absolut dazu.

Wissenschaft. Mond im Wassermann. Dinge sind nicht sicher, eher im Gegenteil ist einzig sicher, dass sie vorläufig sind. Wir wissen nichts, wir arbeiten dran und haben Hypothesen dazu, aus denen wir Theorien bauen, und wenn die gut sind, funktionieren ihre Anwendungen tatsächlich. Ist aber auch möglich, dass wir in einem Elfenbeinturm die dunklen Jahrhunderte überwintern wollen würden, ließe man uns denn. Und meine bewußteste ‚unbewußte‘ Strebung ist die meiner Seele nach der großen Verbindung. Mars in den Fischen, ein Pazifist. Das beißt sich mit meiner Überzeugung, dass ein Kampf nötig ist, um die Welt gerecht zu machen – seit ich denken kann, war ich dafür, dass es weniger militärische Gewalt in der Welt geben sollte (keinesfalls mehr). Und das Menschen töten falsch ist. Heute denke ich, es ist noch mal anders. Der andere bist du, daher ist ihn töten sicher für beide Seiten ein Verlust und völlig sinnlos. Ficken sehr viel besser, oder Faustkampf.

Es folgt eine Abschweifung. Diese ganze Geschichte mit den Fernwaffen ist doch ehrlos, zudem. Aber halt teuflisch wirksam. Wie widerlich überhaupt das ganze Spektakel rund um das Blutvergießen von Männern ist. Aber eben auch archaisch-attraktiv. Die Lobhudelei, die Verklärung, die mit den erfolgreichen Mördern früherer Zeit betrieben wird – Könige, Fürsten, Päpste – alles nette Leute, war da was? Auch das scheußlich geschichtsvergessen. Identifikation mit dem Aggressor, so wie die Nationalisten – schreien „wir sind das Volk“ und wollen „im Namen des Volkes“ die Todesstrafe wieder haben. „Gegen Kinderschänder und Drogendealer“. Die Obernazis dann selbst vermutlich mißbrauchte Kinder und auch selbst „Kinderficker“ und vorbestrafte Koks-Dealer, und auch sonst zumeist genau das, was sie angeblich ablehnen. „Volksverräter“ rufen und V-Mann sein. Überhaupt, die Probleme mit dem Mann-Sein, das wäre wohl ein eigenes Thema wert. Ende der Abschweifung.

Wer bis hierher gelesen hat und mir zu dem Horoskop was sagen kann, möge gerne einen Kommentar hinterlassen oder mich per facebook kontaktieren.

Steinböcke werden oft Politiker, zum Beispiel Peer Steinbrück hat am gleichen Tag (aber anderes Jahr) Geburtstag wie ich. Und andere Leute auch, darunter (Auflistung einer Chronik-Website):

POLITIKER (67), FUSSBALLSPIELER (57), SCHAUSPIELER (35), SCHRIFTSTELLER (13), EISHOCKEYSPIELER (10), MALER (9), SÄNGER (9), PHYSIKER (9), RADRENNFAHRER (7), KOMPONIST (6), LEICHTATHLET (6), JOURNALIST (6), FILMREGISSEUR (6), MUSIKER (5), REGISSEUR (5), AUTOR (5), DREHBUCHAUTOR (5), MATHEMATIKER (4), UNTERNEHMER (4), ARCHITEKT (3), ERFINDER (3), PRÄSIDENT (2), KÜNSTLER (1),KÖNIG (0), DIKTATOR (0), KRIEGSVERBRECHER (0)

Auch eine schöne Art, das aufzufächern. Gegen Könige, Diktatoren und Kriegsverbrecher hab‘ ich was. Sport nicht meins wegen Brille, eher Sprachen als Mathe. Statistik liebe ich, aber das ist nicht das Gleiche wie dieses Algebra-Zeugs, was ich nie kapiert habe. Angeblich hat Isaak Newton die Statistik betrieben, um damit die Astrologie zu überprüfen (so habe ich das mal gelesen). Ansonsten die Berufsliste, alle für mich Sachen, die mir gefallen. Ich würde gerne schauen, ob es eine gute Korrelation gibt zwischen dem, was Horoskope angeblich sagen, und solchen Daten über Leute und Berufe. Vermutlich landet eine solche Korrelation bei Zufallsniveau. Wieso prüft das nicht mal jemand – heutzutage mit big data wäre das doch easy zu machen, aber die Hautanwendung – das matching von Paaren, da beißt sich die entsprechende Dienstleistungsindustrie an passenden Algorithmen die Zähne aus. Wäre doch toll, wenn Astrologie stimmen täte. Dann könnte ein Programm geeignete Partner sofort identifizieren. Oder dir eben sagen: Du bist nicht der Typ für Partnerschaften. Nun. Heute eine Abhandlung von Futuristen gelesen, da ging es drum, wie Beziehungen gestaltet werden in einer fluiden Welt ohne die Zumutung von Bindungserwartungen, wie sie die Stammesgeschichte evolutionär angelegt hat (die transhumanistischen Futuristen sehen das als eine zu überwindende Barriere auf dem Weg zu einem anderen Leben). Und dachte sofort, na Alter, läuft nicht bei dir. Schön, wenn es anderen schlecht geht, und sie daraus etwas so Wunderbares erschaffen wie eine vorgestellte paradisische Zukunft. Da geht es mir doch gleich besser. Und ich sollte die Studienkollegin wirklich mal kontaktieren. Bei Gelegenheit. Seit der Lerngruppe fürs Vordiplom ist ja doch ein wenig Zeit vergangen. Wie einfach das war, sie anzusprechen, und wie schüchtern ich mal gewesen bin. Witzig.

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Friedrich „Muck“ Lamberty und die Neue Schar

Gerade las ich über Friedrich Lamberty. Kannte ich nicht, na so was. Hab‘ ein wenig drüber zusammen geschrieben.

„Das müssen wir, wenn wir ehrlich sind, uns eingestehen und auch denen sagen, die noch an uns oder diesen Weg glauben. Unsere Aufrufe waren Aufrufe zum Rausch und unser Rufen nach Tiefe hatte oberflächliche Gefühlsschwelgereien zur Folge. Wir waren selbst schuld daran.“

So reden die, die sich abgekehrt haben vom sinnlosen Party-Machen und nun natürlich ebenfalls selbst schuld sind. „Tut uns leid, war nix mit dem tiefsinnigen Zeugs, wir waren nur sinnlose junge Leute.“. Pah! Auf der Autobahn zur Hölle? Ich geh‘ zu Fuß. Aber der Reihe nach:

Lamberty, auch Muck genannt. Erst Rockstar, dann geschmäht. Schluß mit Lustig.
Lamberty, auch Muck genannt. Erst Rockstar, dann geschmäht. Schluß mit Lustig.

Lamberty war ein Freak, hat seinerzeit einigen Wirbel gemacht. War ja eine schwierige Zeit, die Leute waren verwirrt und in Not und einige gingen ziemlich irre ab, sage ich mal. „Inflationsheilige“. Geld war nix mehr wert und die Leute predigten Jesus und so.

Im Mai 1920 begann unter Führung von Muck-Lamberty eine Gruppe Jugendlicher von der Stadt Hartenstein im Erzgebirge aus einen Zug durch Franken und Thüringen. Erstes Ziel war das Pfingsttreffen der Wandervögel im oberfränkischen Kronach. Dort rief Muck zur Gründung der „Neuen Schar“ auf und zog anschließend mit der Gruppe über Coburg, Sonneberg, Saalfeld, Rudolstadt, Jena, Weimar, Erfurt und Gotha nach Eisenach zur Wartburg.[5] Muck beschrieb den „Zweck der Wanderung: Sammlung aller jungen Menschen und Kampf für die Volksgemeinschaft gegen alles Gemeine, gegen Ausbeutung.“[6]

Die „Neue Schar“ zog singend, tanzend und predigend durchs Land und verkündete die „Revolution der Seele“.[7] Sie strebten einen Zustand des „Schwebens“ an und praktizierten Selbsterfahrung in gruppendynamischen „Thing“-Sitzungen. Gusto Gräser sprach an ihren Lagerfeuern, seine Gedichte schmückten ihre Flugblätter. Sie schliefen in der freien Natur, feierten in Kirchen, die sie mit Blumen und Zweigen schmückten, und verbreiteten auf ihrem Weg eine wahre Tanzeuphorie. Wie der legendäre Rattenfänger von Hameln zog Muck-Lambertys Gruppe erst hunderte, dann tausende von Menschen in ihren Bann.

Lamberty machte eine Art Tanz-Demo durch Deutschland und versuchte, ’ne Kommune zu gründen. Dann wurde ihm sexuelle Freiheit vorgeworfen, was wohl seinem Ruf arg abträglich war. Ganz grob zusammen gefaßt – und abgesehen von der ganzen Laberei von „Volk“ und „Seele“ und sonstigem Schmus wie Jugend, Seele, Natur, Reform und Handwerk.

Kommt mir bekannt vor, auf so Ideen kommen Menschen früher und auch morgen wieder, wenn Probleme da sind, die eine Art von Ausschwärmen und Lösungen suchen, die unkonventionell sind erforderlich machen. Dann spinnen sich Leute was zusammen, zum Beispiel gerne auch realitätsferne utopistische Gegensätze zur gesamtscheisse.

Zu viel Industrie, Krieg und Horror? Da wäre ja Frieden, Natur und Handwerk irgendwie schöner. Revolution aber zu blutig, also Reform. Geld nix wert? Dann könnte bloß noch Gott dich retten, also flott ultra-religiös werden. Zombie-Apocalypse? In dem Fall ist es egal, was der charismatische Anführer für einen Bullshit von sich gibt, solange er die Gruppe beisammen hält. Und letztlich nutzt es nichts.

Was bedeutet das letztlich? Hauptsache, es wird geglaubt.  An eine Veränderung, ein Einsehen, den sozialen Wandel. Gerade in der Krise wollen die Leute was zum Dran-Glauben. So wegen Hoffnung und Motivation und so. Wie bei der Trump-Wahl.

Ich liebe ja die Leute, die – idealerweise auf eine liebenswürdige Art und Weise – dafür Sorge tragen, dass es rund geht, mit Politik und Party. Wer das trennt, macht Politik unattraktiv. Kann ich nicht tanzen, dann ist es nicht meine Revolution. Aber die andere Seite sieht das anders: Rumtanzen, albern, wir machen hier Politik. Spaß hat damit nichts zu tun. Schluß mit Lustig. Aber niemand kann die Party stoppen.

Und ehrlich, wir Menschen wären schon längst ausgestorben ohne dieses verbindende Element von gemeinsamer rauschhafter Entgrenzung, was Grundbaustein menschlicher Kultur ist. Was uns wieder verbindet, wenn wir uns zuwider sind. Menschen, die sich kennen und lieben lernen und später teilweise Babies machen, also ich sage mal so, die Parties, die ich angezettelt habe, waren schon mit das Netteste, was ich auf diesem Planeten in sozialer Hinsicht so getrieben habe. War natürlich auch anderes im Spiel. Du willst immer nur ficken. Tja, und wer nicht. Bevor uns langweilig wird. Zurück zu Muck.

Ungefähr so. Der Muck.
Ungefähr so. Der Muck.

Der war auf jeden Fall ein Typ nach meinem Geschmack. Und die Mädels mochten ihn, aber es gab auch Zoff.

Ein weibliches Mitglied der Schar wandte sich – wahrscheinlich aus Eifersucht – an die Behörden und warf Muck vor, eine „Haremswirtschaft“ zu führen. Es kam zu einem Verhör, in dem Muck die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unumwunden bestätigte und durch „die geschlechtliche Not der Frauen“ rechtfertigte.

Den Erfurter Pfarrer Adam Ritzhaupt, der Muck durchaus positiv gegenüberstand, wunderte das nicht: „Die starke erotische Stimmung lag ja offen zutage. […] Man denke doch nicht, daß diese Lieder und diese Bewegungen etwas anderes seien als Erotik.“

Die politische Dimension – es bildet sich eine größere Gruppe von herumziehenden, jungen Menschen mit gemeinsamer Ideologie, die sich selbst organisiert – ist spannend.

Zweck der Wanderung: Sammlung aller jungen Menschen und Kampf für die Volksgemeinschaft gegen alles Gemeine, gegen Ausbeutung.

Das klingt nun wieder sehr verdummend. Wander-Nazis. So war der aber nicht. Es hatte was von OCCUPY, eine Gruppe kommt und spricht sich aus und macht drei Tage lang Action, dann geht es weiter, alles umsonst und draußen.

Flugblatt der Neuen Schar
Flugblatt der Neuen Schar
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Bunte Kindergewehre und Zombie-Nachbarn

Lass uns Amerika wieder groß machen. Bunte Gewehre und Pistolen für alle Kinder. Da wir „The Walking Dead“ gesehen haben, wissen alle, wie die Geschichte läuft – irgendwann sind die Nachbarn nur noch Zombies, da musst du gut schießen können. Und auf die Kleinsten kommt es dann an, schließlich sind Kinder unsere Zukunft. Wie Cohen es beschrieben hat, I have seen the future, brother. It is murder. Die Verrückten und „Besorgten“, die Spinner, Apokalyptiker, Survivalists, Militias, rechtsextreme und fundamentalistische Strömungen, denen Weltbild bestimmt ist vom Krieg (ihrem gegen den Rest der Welt) – haben sich bereits bewaffnet. Und die passenden Ideologien und Feindbilder sind aufgebaut. Staaten haben aufgerüstet, Polizei ist mittlerweile militärisch gerüstet, die Gangster, die Armut und den Terror in den Städten sind wir zunehmend gewohnt. Über die massenhaften staatlichen Morde überall – z.B. Ägypten – mal eben 600 Muslim-Brüder an die Wand gestellt, das war neulich, aber Hauptsache stabile Verhältnisse und sichere Badestrände – willkürliche Verhaftungen massenhaft, Folter im Gefängnis, da sagt im Westen niemand kaum jemand mehr was. Das globale Schlachtfest geht in eine neue Runde. Kali Yuga. Kali Yuga will be full of extreme hardships for people with ideals and values. Zivilisation? Aufklärung war gestern, politisch Durchmarsch der extremen Rechten und eine globale Verbreitung der Argumente für das Töten durch den religiös-fundamentalistischen Todeskult daesch – jetzt kommen perspektivisch Krieg sowie Galgen, Scheiterhaufen und religiöse Gerichte etc. nach 60 Jahren Frieden auch im Westen wieder. Oder sehe ich nur gerade total schwarz? Frage ich mich, werde ich jetzt zynisch, besorgt oder bitter – oder ist bloß alles wie immer. Apathie, Resignation, Flucht ins Private wäre weiter möglich bis sie uns abholen kommen für eine Sonderbehandlung (Angst, gesteigert zur paranoiden Reaktion — andererseits hat es in Deutschland 1933 auch den großen Trend zur Selbsttäuschung gegeben, wird schon alles nicht so schlimm werden, wo es lebensrettend richtig war, schnell ab zu hauen), aber … letztlich ist es so, es kommt nicht drauf an, es zu interpretieren, sondern darauf was wir machen, und das von dem her zu steuern, was wir wollen und für richtig halten, Ziele und Werte. Ganz egal, was draußen vor sich geht. Der Hinweis auf Kali Yuga, ein Zeitalter im vedischen System, wir sind da schon eine Weile drin unterwegs. Kampf des Guten gegen das Böse, Kali gegen Kalki.

Kama. Desire, wish, passion, longing, pleasure of the senses, the aesthetic enjoyment of life, affection, or love, with or without sexual connotations
Kama. Any desire, wish, passion, longing, pleasure of the senses, the aesthetic enjoyment of life, affection, or love, with or without sexual connotations

Kurz das vedische System, Kama ist die sinnliche Seite des Lebens, Konsum und Sex, Haben-Wollen. Im Kali-Yuga kontrolliert sie die Menschen absolut.

Kama is one of the four goals of human life in Hindu traditions. It is considered an essential and healthy goal of human life when pursued without sacrificing the other three goals: Dharma (virtuous, proper, moral life), Artha (material prosperity, income security, means of life) and Moksha (liberation, release, self-actualization). Together, these four aims of life are called Puruṣārtha.

Aus Wikipedia

Liste der Eigenschaften des Kali Yuga – Zeitalters:

  1. Rulers will become unreasonable: they will levy taxes unfairly.
  2. Rulers will no longer see it as their duty to promote spirituality,
    or to protect their subjects: they will become a danger to the world.
  3. People will start migrating, seeking countries where wheat and barley form the staple food source.
  4. Avarice and wrath will be common. Humans will openly display animosity towards each other.
  5. Ignorance of dharma will occur.
  6. People will have thoughts of murder with no justification and will see nothing wrong in that.
  7. Lust will be viewed as socially acceptable and sexual intercourse will be seen as the central requirement of life.
  8. Sin will increase exponentially, while virtue will fade and cease to flourish.
  9. People will take vows and break them soon after.
    People will become addicted to intoxicating drinks and drugs.
  10. Gurus will no longer be respected and their students will attempt to injure them.
  11. Their teachings will be insulted, and followers of Kama will wrest control of the mind from all human beings.
  12. Brahmans will not be learned or honored, Kshatriyas will not be brave, Vaishyas will not be just in their dealings.

Diese Eigenschaften sind alle schon eine Weile gegeben, würd‘ ich sagen. So dass die Veden doch eher als ein Märchenbuch erscheinen könnten, was von anderen Zeiten erzählt – es war mal besser – und guten Leuten, die es mal gab, und die wieder kommen und helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wenn endgültig alles verloren scheint.

Der Typ mit dem Schwert ist Kali
Der Typ mit dem Schwert ist Kali, ein Dämon, Gegenspieler der guten Götter und Herrscher des aktuellen Sünden-Zeitalters „Kali-Yuga“.

Kali, der Herrscher des Zeitalters, ist übrigens nicht die Göttin Kali, sondern ein Dämon. Quelle allen Bösen. Konnotiert mit:

gambling places, taverns, prostitution, slaughter and gold

Klingt nach Hells Angels, no offence meant. Sein Gegenspieler Kalki, der Zerstörer des Schmutzes, kommt übrigens am Ende der Zeit auf einem Weißen Pferd geritten, um mit seinem leuchtenden Schwert allen Schmutz zu vernichten, woraufhin ein neues goldenes Zeitalter der Wahrheit anbricht.

humanity is governed by gods, and every manifestation or work is close to the purest ideal and humanity will allow intrinsic goodness to rule supreme

Um ein wenig Ärger und Irritation zu erreichen, kurz dieses: Schopenhauer fand ja die Veden gut und hat den Quran als Religion der geistig Armen gedisst; er habe da nix Nützliches drin finden können. Selbst dran schuld, Doofie! Sag ich mal. Narzistische Selbstaufwertung, eine leichte Übung. Für ihn, für mich, für alle. Gurus will no longer be respected and their students will attempt to injure them. Da haben wir es wieder.

Weil ich „Welt als Wille und Vorstellung“ für mit Abstand das Beste zum Thema Philosophie halte – alle anderen Konzepte lassen sich darin subsummieren – stört mich natürlich diese dumme Platitüde ein wenig, ähnlich wie Adorno mit seinem Geschwätz zum Thema Jazz, aber hey, sind nicht alle Menschen mal peinlich unwissend aufgefallen? Quasi der RTL-2-Moment für Leute, die wie ich sich für schlau halten; und es nagt an ihnen, das sie oft so dumm sind – guck, der Typ, was ein fail … Womit klar wäre – Selbstaufwertung durch Herabsetzung anderer, nix was nur die bösen Anderen machen. #schwacherTrost.

Kurz die Synthese. Welt, das ist einmal unser Modell im Kopf, unsere Simulation, die Vorstellung, ein sich wandelndes Konstrukt, gebildet aus sinnlicher Erfahrung – sowie zweitens unsere Aktionen, gebildet aus der Auswertung unserer Simulation, die unsere letztlich unser Motivationssystem (Wille) umsetzen. schopenhauer in a nutshell. Zwingend ergibt sich aus der Interaktion solcher Systeme – es brauchen keine Menschen zu sein, ein Roboter hat das auch, wetware ist keine Voraussetzung dafür – das, was Luhmann beschrieben hat, also übergeordnete Systeme mit eigenen Regeln, wie Kultur, Religion, letztlich geteilte parameter. Eine menschliche Zivilisation, die auch humanistisch ist, ergibt sich aber nicht von alleine, sondern ist Ergebnis gemeinsamer Anstrengung. „Kampf, Erstarren, Flucht“. Evolutionär die grundsätzliche Auswahl, wenn Konfrontation ist. Weil dauernde Konkurrenz ziemlich anstrengend ist, lohnt sich Kooperation und die Bildung von Verbänden, wodurch Sozialverhalten zunehmender Komplexität entsteht. Weil alle höheren Systeme immer auch ausfallen können, ist das Überleben eines niedriger angesiedelten Systems davon weitgehend unabhängig. Systemwechsel sind vielmehr notwendig, damit neue globale Parameter gesetzt werden können. Weil Menschen lebenslang selbst programmierend bzw. selbstlernend sind, können sie auch intern globale Parameter ändern, was von anderen je nach wahrgenommener Intensität (Differenz, Ausprägung der Abweichung von der Normalität) verschieden bewertet wird. Was Trump so bedrohlich macht, ist die Verringerung des sicheren Korridors – wie anders darf Mensch sein – auf gefühlt Null. Falsche Farbe, falsche Religion? Ausweisen, Mauer bauen, alles Barbaren. Kein Kumpel von Trump? Verschissen. Nicht nützlich? Kein deal. Bürgerrechte und Menschenrechte, forget that crap, denn was nützt mir das. Es gibt nur „die USA“ und die anderen. Die Welt besteht aus Leuten, die für Trump arbeiten und seine Taschen füllen, Kumpels die in seinen Luxus-Hotels absteigen – und denen, gegen die er was hat. Andererseits ist das vielleicht ehrlicher, wenn Führer dazu stehen, dass sie populistische Kleptokraten sind. Soweit ich das kapiert habe, waren die Sultane da beispielsweise völlig ungeniert und – kurz nachgedacht, die Idee, das alles in letzter Instanz dem Chef gehört, weil er es sich ja jederzeit nehmen könnte – vermutlich auch logisch. Plus, ich merke, wie sehr ein Spektakel meine Aufmerksamkeit gefangen hält. Auswechselung einer Führungsperson, Atomwaffen und Gorilla, was ist neu daran, das Affen an den Knöpfen zur Auslöschung der Menschheit sitzen? Geh ich doch mal dran, mich um wichtigere Dinge kümmern.

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Trump

Trump gewinnt die USA-Wahl 2016
8. 11. 2016: Donald Trump gewinnt die USA-Wahl 2016 (Screenshot von Google-Suche)

Ist das denn zu fassen?

Durchmarsch
Durchmarsch

Stupid white men. Idiocracy. Nun wird Amerika wieder großartiger.

Skyline aus "Idiocracy"
Skyline aus „Idiocracy“
Die Simpsons haben es vorhergesagt.
Die Simpsons haben es vorhergesagt.

Wir dürfen gespannt sein, wie der cholerische Wüterich die Welt umgestalten wird. Dass es um Ärger und Frustration der kleinen Leute geht und um die Teilhabe am amerikanischen Traum (eine Illusion), zeigt Katherine J. Cramer in „The Politics of Resentment: Rural Consciousness in Wisconsin and the Rise of Scott Walker (Chicago Studies in American Politics)“. Die Wählerschaft von solchen Rechts-Populisten sind die Leute, die auch einen Erdogan groß gemacht haben.

Bevölkerung tief gespalten
Bevölkerung tief gespalten

Hier eine Analyse:

Reaktionen: n24 titelt „Die amerikanische Sensation“ und sieht darin

einen Sieg über das Washingtoner Establishment, das politische System und die Eliten in Wirtschaft und Politik. Trump war angetreten mit der Botschaft, dass das System korrupt sei und gänzlich abgerissen werden müsse. Und auch wenn weite Teile der Bevölkerung ihn ablehnten, traf er damit einen Nerv.

Angesprochen wird, dass Trump die abgefuckten Weißen erreicht und mobilisiert hat.

In Trumps Kampagne war ständig die Rede von den „verschwundenen“ weißen Wählern, die sich in den vergangenen Wahlperioden gänzlich aus der Politik verabschiedet hatten. Offenbar ist es ihm gelungen, viele von ihnen wieder zu mobilisieren und an die Urnen zu bringen. Ganz zu schweigen von den weißen Rassisten, allen voran der Ku-Klux-Klan und die Alternative Rechte, die Trump als ihren Kandidaten sahen und in den sozialen Netzwerken gezieltes Mobbing gegen Trump-Gegner praktizierten.

Nun haben sich die USA statt für die Kandidatin des Establishments für den wütenden, Hass predigenden Bilderstürmer entschieden, dessen Wandel vor allem darin besteht, das Alte zerstören zu wollen – ohne deutlich gemacht zu haben, was er an dessen Stelle setzen will.

Welche Rolle spielten Moskau und das FBI? Beide haben geholfen, Clinton zu attackieren.

Nationalisten finden Trump prima und sehen ihn in einer Linie mit Putin und Le Pen. White male Suppremacy, vermutlich.
Nationalisten finden Trump prima und sehen ihn in einer Linie mit Putin und Le Pen. White Male Suppremacy, vermutlich.

Slate: This is how the West ends.

Zeit: Der Ernstfall

Was will Trump? Unternehmenssteuern radikal von 35 auf 15 Prozent senken. Die Einkommensteuer soll bei 33 Prozent für Großverdiener gedeckelt werden. Niedrigverdiener sollen über die Nutzung von Freibeträgen zum Teil gar keine Einkommensteuer zahlen. Außerdem: Krankenversicherung wieder abschaffen, Einwanderer kriminalisieren mit einer Null-Toleranz-Politik, generell hartes Law & Order, Waffen für alle, Folter ist erlaubt gegen Terror, Abtreibung kriminalisieren, Bildung dezentralisieren.

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Weiße Männer dürfen alles

Fett und häßlich, fies und dumm sein, dreist, ein Abzocker, Lügner, Gewalttäter, Rassist, Sexist, Vergewaltiger, Steuerbetrüger, Bankrotteur, Taugenichts: Alles kein Problem, wenn du weiß und männlich bist. Der good old boys club macht es möglich. Patriarchat.

Primaten mit Alpha-Männchen-Status
Primaten mit Alpha-Männchen-Status

Die Affen-Horde will Testosteron und den Silber-Rücken als Chef. Einen, der sie alle fickt. Da kannst du drauf bauen. Staatschef, EU-Kommissar, IWF-Chef, Präsidentschaftskandidat, CSU-Obermacker – Karriere geht ok, Hauptsache viril und kein Weichei. Dumme weiße Männer gibt es viele, und sie sorgen mit aller Gewalt dafür, dass die Vorherrschaft dummer weißer Männer aufrecht erhalten wird.

Prügel-Brigade (staatlich)
Prügel-Brigade (staatlich)

Falls du aber eher nachdenklich, abwägend, konziliant, vermittelnd bist, ist das bereits zu weiblich. Intelligenz sowieso unheimlich. Und wenn du dazu noch eine Frau bist oder gar Frau und nicht weiß, dann wird es sehr schwer.

 

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