Allen Kindern beide Eltern (Demo Köln 10. Juni 2017)

Zum dritten Mal veranstaltet der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. die Demo „Allen Kindern beide Eltern„.

Getreu dem Kölschen Grundgesetz „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht, ist Tradition; was dreimal geschieht, ist Brauchtum“ schaffen wir damit ein Brauchtum, also eine Veranstaltung, die ständig wiederkehren soll.

Väter fordern das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht ab Geburt, gleichberechtigter Ansprechpartner in Erziehungsfragen zu sein – und mehr Zeit mit den Kindern.

Dafür gehen wir auf die Straße und kämpfen für unsere Rechte, denn Väterrechte sind Kinderrechte!

Allen Kindern BEIDE Eltern!

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Spendenkonto:
VafK Köln e.V.
Sparkasse KölnBonn
BIC COLSDE33 – IBAN DE 95 370 501 98 19 318 812 60
Verwendungszweck: Demo 2017

Väter haben es satt, als Unterhaltspreller und Rabenväter dargestellt zu werden. Die perverse Aktion von Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Manuela Schwesig hat nicht der SPD geholfen, sondern uns.

Zeigt der Öffentlichkeit, dass wir ein starkes Team sind, kommt alle – und wer kann, bringt Flyer, Plakate, Infomaterial und alles mit, was auffällt.

Unsere Demo der gesamten Väterbewegung am 10.06.2017 soll bunt und laut werden!

https://www.youtube.com/watch?v=eBoJ7InMD5M

Veranstalter:
VAfK Kreisverein Köln
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Bestohlen worden

Irgendwer war mutig genug, um zu zu greifen und meinen Musicman mitsamt SD-Karte und schöner Musik-Auswahl einfach mal mit zu nehmen. Ok. Ich warte ja immer drauf, dass ich mal jemanden erwische, und ihm so richtig die Fresse polieren kann. Diesmal war ich zu unvorsichtig, Kölner Innenstadt in Dom-Nähe halt ein schwieriges Gebiet. Es hat scheußlich geregnet, deswegen habe ich mein Rad und meinen Krempel lieber unter der Überdachung gelassen, als ich zum Kiosk ging. Danach: Ärgerlicher Verlust, jemand hat sich meinen Musik-Spieler mitgenommen. Tja. Traf dann einen, der sagte: Es gibt Schlimmeres, was willst du dich jetzt ärgern. Womit er recht hat. Für 20€ ärgere ich mich 15 Minuten. Allerdings denke ich mir, ich muss wohl ein wenig mehr aufpassen. Zumal mich vorher am Bahnhof ein Obdachloser gewarnt hatte – lass deinen Musikspieler nicht so offen liegen, der wird geklaut. Und ich so: Nee. Das habe ich nun davon.

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Erster Mai 2017 – Demonstration des DGB

Erster Mai 2017 – Demonstration und anschließende Kundgebung des DGB

Logo und Sprüche des DGB – Plakate zum 1. Mai 2017

Das Wetter war ungünstig, es hat ständig geregnet. Die Demonstration – ab 12 Uhr am Hans-Böckler-Platz – war wohl auch aus diesem Grund eher mäßig besucht.

Am Tag davor war herrliches Sommer-Wetter. Schade, dass es so nicht geblieben ist. Erster Mai, freier Tag, Kampftag der Arbeiter*innen-Klasse – und nur Regen. Zum Demonstrieren ist Regen halt ein ziemlicher Mist. Den Pflanzen tat es sicher gut, die Menschen eher wenig bereit gewesen, sich draußen zu tummeln.

Und ich eher unfit. Nach der Feier in den Mai gestern im Bauwagendorf Schöner Wohnen – wo es sehr gemütlich war mit Feuer, Musik, Bier, stundenlang Tischfußball mit einer jungen Frau namens Maike und einer Live-Band – bin ich dann später in der Nacht vor einer anderen Frau, die mich in einem früheren Abschnitt meines Lebens mal interessiert hatte, abgehauen.

Ich habe nicht mehr die Absicht, noch jemals zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen – und schon gar nicht mit Leuten, für die ich als zweite Wahl irgendwann dann doch in Frage komme.

Wolfgang Biermann – Der erste Dorf-Mai

Also etwas zu spät aufgetaucht bei der Demo, dafür mit Anrühr-Kaffee dabei und meinem geliebten Lastenrad. An den Ringen traf ich den hinteren Teil der Demo, der natürlich von etlichen Polizeiautos verfolgt wurde.

Viele Kleingruppen von je etwa ~25 Leuten mit Fahnen waren da, oft rot und mit Hammer/Sichel, alte Schule autoritäre Kommunisten.

Einen schwarzen Block oder dergleichen gab es nicht, vermutlich waren die Autonomen anderswo unterwegs. Wenig verwunderlich, da das DGB-Motto „Wir sind viele – wir sind Eins“ irgendwie wenig revolutionär war.

Eher ein fader Anklang an den ARD-Werbespruch „Wir sind Eins“.

Der Spruch „Wir sind eins“ ist recht bekannt durch die entsprechende Werbung der ARD. Und halt herzlich nichtssagend. Irgendwas mit Einigkeit, so in der Art von „Das Wir gewinnt“ oder „Wir in NRW“ und ähnliche leere Floskeln. Vollkommene Beliebigkeit.

 

Um mal ein wenig von etwas zu berichten, was ich interessant finde – schließlich dient mein Blog angesichts des lediglich vorgestellten Publikums doch letztlich bloß mir als narzisstische Selbstbespiegelung und Tagebuch-Ersatz (was wohl bei allen Blogs mindestens eines der wesentlichen Motive sein dürfte):

Ich bin mit dem Rad und Musik – wie sonst auch immer – mein eigener martinistischer Block gewesen: Flexibel und wendig, undogmatisch und sehr beweglich. Habe wie gewohnt von hinten nach vorne alle überholt, so daß ich einen guten Überblick gewinnen konnte.

Offenbar war die Demo nach Bedeutsamkeit aufgestellt: Vorne die Gewerkschaftler*innen (DGB, verdi, IG BCE), dann deutsche Parteien und Gruppierungen (SPD, Grüne, Die Linke, Piraten, MLPD, DKP, SDAJ), gefolgt von kommunistischen Gruppierungen aus der Türkei, dem Iran etc.

Auf dem Heumarkt waren dann Bühnen, Buden und es gab viel Papier.

Praktisch alle Stände waren von politischen Gruppierungen mit dem üblichen, immer gleichen Marketing-Zeugs – also Papiere, Bücher, Aufkleber, Feuerzeuge, Luftballons.

Es gab auch einen Stand, der kommerziell orientiert die gesamte Palette von üblichen linken Buttons, Aufklebern und T-Shirts verkauft hat.

Buy your Rebellion here 😉 Die Punk Shops waren ja bekanntermaßen das Ende der Punk-Bewegung als echter Subkultur. Alles endet immer in Kommerzialisierung. Gut beschrieben auf der „Ungovernable Force“-LP von CONFLICT 1986 im Lied A Piss in the Ocean.

Dieser Stand fiel mir daher auf, weil er eben alles angeboten hat. Wie auf dem Bild gut zu sehen sein dürfte. Roter Stern, schwarzer Stern, schwarzroter Stern, grüner Stern, grün-schwarzer Stern, AFA mit rot-schwarz oder schwarz-rot etc. Die ganze Palette. Und weil er lauter raubkopierte Motive hatte – natürlich auf Billig-Shirts. Besonders blöd fand ich das Shirt mit Terror-Ernie und Bomben-Bert, wo mal wieder eine Gleichsetzung von Anarchismus und mörderischem Terror gemacht wurde.

Blöd. Sesamstraße als Terror-Crew. Soll wohl lustig sein, ist es aber nicht. Neulich habe ich auch gelernt, dass der von vielen sogenannten Linken hoch verehrte Ché sehr gerne Leute persönlich erschossen hat. Was neben dem anderen Ding – dass er Schwule regelmäßig hat erschießen lassen – bei mir dafür sorgt, dass ich diesen Typen letztlich für ausgesprochen widerwärtig halte. Emanzipatorische Menschen sollten sich davon weitest möglich distanzieren.

Außerdem ist die Sesamstraße Kult und hat eine Aussage für sich, die nicht besser wird durch solche Ripp-Offs. Ich meine damit: Ernie ist eindeutig ein Kind gebliebener Anarchist, Bert dagegen ein ewig vernünftiger langweiliger Erwachsener, der garantiert nie irgendwas Verbotenes tun würde. Und natürlich lautet bei allen Besetzungen der Standard-Spruch garantiert nicht Blablabla besetzt – sondern Blablabla bleibt! Also auch noch schlecht kopiert. Poser-Wear. Der Versuchung, mir einen netten neuen Aufkleber für mein Rad zu erwerben, habe ich also widerstanden. Niemals Geld geben an Leute, deren Handlungen ich vom Prinzip her völlig Scheisse finde. Jedenfalls nicht, wenn es vermeidbar ist.

Einen Stand von vernünftigen Anarchist*innen – vermutlich bzw. ziemlich sicher FAU – habe ich auch beim Durchfahren gesehen – und mal freundlich gewunken. Anarcho-Syndikalisten mag ich. Wieso? Natürlich von der Geschichte her, Spanien. Aber auch konkret haben uns diese Leute geholfen: Die FAU hat uns unterstützt in unserer Arbeit, als wir als junge Leute in Frankfurt Besetzungen gemacht und schließlich für 18 Monate ein Haus in der Bockenheimer Falkstraße als Jugendwohnprojekt mit Café bewohnt und bewirtschaftet haben. Obwohl wir die Freiheitliche Arbeiter*innen-Union (FAU) nicht sonderlich gut fanden seinerzeit – es waren halt linke Sozialarbeiter*innen. Viel verkopftes Zeugs. Und wir sehr viel linker und militanter. Aber sie hatten einen Raum und einen Laser-Drucker, was sehr nützlich war. Dafür noch mal danke!

Nebenbei bemerkt: Die Grünen (Tom Königs als Chef der Grüngürtel-Verwaltung – der, der dem Vietcong seinerzeit angeblich ein Millionen-Erbe gespendet hatte) hatten uns aus dem Frankfurter Günthersburg-Park, den wir zuerst mit Zelten und Plakaten – In Frankfurt wohnt nicht nur das Geld – besiedelt hatten, ordnungspolizeilich geräumt – und hatten dann eine Stadtteil-Büro-Besetzung im Nordend am Hals. Letztlich waren die Grünen auch 1990 schon völlig stinknormal, etabliert und staatstragend.

Was hat der erste Mai eigentlich mit Anarchismus zu tun? Antwort: Sehr viel. Es ging um den Kampf für den 8-Stunden-Arbeitstag.

Geschichte. Woher kommt der 1. Mai?
Der Kampf um den 8-Stunden-Arbeitstag
und die anarchistischen Gewerkschaftler.
 
In 1887 four Chicago anarchists were executed.
A fifth killed himself in prison. Three more were to spend 6 years in prison.
 
The anarchists were trade union organisers and May Day became an international workers day to remember their sacrifice. They were framed on false charges of throwing a bomb at police breaking up a demonstration in Chicago. This was part of a strike demanding an 8 hour day involving 400,000 workers in Chicago that started May 1st 1886 .
 

http://www.wsm.ie/c/origins-mayday

http://www.wsm.ie/attachments/apr2008/maydayleaflet.pdf

Zurück zum Kölner Heumarkt 2017.

PapyRossa waren mit Bücherstand da, und bei denen habe ich ein Buch erworben von Patrick Schreiner: „Warum Menschen sowas mitmachen. Achtzehn Sichtweisen auf das Leben im Neokapitalismus“. Natürlich habe ich nach einer Harz 4-Ermäßigung gefragt. Der Demo-Regenwetter-Nice-Price war dann 10€ statt 13,90€. Nett mit dem Typen geredet, und sie haben ein recht interessantes Bücher-Programm.

Sehr gruselig war der Stand der Iraner*innen, wo sehr schockierende Bilder vom operativen Entfernen der Augen – einer dort wohl üblichen Strafe gegen Oppositionelle – für einen harten Kontrast zu dem eher lahmen Zeugs rundherum sorgten.

Geredet hat ein DGB-Chef, vermutlich war das Andreas Kossiski, Vorsitzender des DGB Köln. Oder es war Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender DGB Bezirk NRW. Hab den namen nicht mitgekriegt. Inhaltlich mit dem üblichen Gewäsch von Deutschland läuft doch ganz gut, es wird hier nicht gehungert und man darf seine Meinung sagen. Immerhin: Klare Kante und auch eine gute Begründung dazu gegen die AfD – und eine Absage an Studiengebühren. Gewerkschaftler machen keine Unterschiede nach Herkunft oder Geschlecht, sondern Tarifverträge. Leider ist das eher Theorie – unter den Wähler*innen der AfD sind durchaus viele Gewerkschaftler*innen, und wohl kaum nur von der Polizeigewerkschaft.

Vorne Ministerpräsidentin Kraft, hinten OB Reker. Leider habe ich kein besseres Bild bekommen. Der Kamera-Typ stand danach ziemlich penetrant in meiner Sicht – und ich habe eine Weile mit einem KVB-Busfahrer aus Kalk geredet, der den ebenfalls anwesenden SPD-Mann Jochen Ott (den ich verabscheue für seine Rolle bei der Schließung des AZ in Köln-Kalk) sympathisch findet, und „die Polizei sollte mehr vor den Ultras geschützt werden“, und er habe „selbst nur 50€ mehr als Harz 4 (nach Abzug des Kindesunterhaltes allerdings), stehe dafür aber nachts um 3 Uhr auf“, blablabla. Als er noch einen auf Opfer gemacht hat wegen einer Frau, die 2 Meter weiter (!) sich eine Kippe angesteckt hatte, war der Kerl bei mir endgültig unten durch.

Danach kam Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – die irgendwie gespuckt aussieht wie Petra Roth, oder kommt nur mir das so vor? – mit einer längeren Wahlkampf-Rede – auch ich will keine Burka kam drin vor – mit dem Tenor „Wir sind NRW“ und Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die sehr kurz sprach, mehr so ein „Hallo“, zwei drei Sätze.

Alle diese Leute verdienen sehr gut und stellen sich aber auf eine Bühne, um über mehr soziale Gerechtigkeit zu schwafeln und – im Falle des DGB-Obermackers – sich über „die Reichen im Lande“ zu beschweren. Köstlich, wie wenig peinlich einem selbst die pure Heuchelei sein kann. Irgendwann kam dann zum Abschluß der Reden noch unser Lied – die Internationale – mit blutroten Fahnen und heiliger letzter Schlacht. Aber bitte schön gewaltfrei demonstrieren.

Hier noch eine seltsame Sache, Herrenmode vom Herrenausstatter Georg Strathmann.

Kostet viel, sieht dabei aber extrem billig aus. Und irgendwie ist es wohl cool, beliebige Subkultur abzukupfern. Soll wohl sowas wie Black Metal sein, aber mit Totenköpfen mit Straßsteinchen-Augen und im Anzug, und irgendwie paßt da auch nichts zusammen. Ist das eine Art Selbstironie der Reichen, ist es der Versuch, wenigstens ein wenig wild rüber zu kommen, ist es Koketterie mit verlorener Jugendlichkeit? Oder bloß eine weitere Geschmacksverirrung, etwas modisch noch nicht ganz so abgenutztes? Sehr merkwürdig.

 

Dann kam das Kulturprogramm: Es startete mit dem Kabarettisten Wilfried Schmickler – der war der erste, der irgendwas wirklich sinnvolles gesagt hat.

Wilfried Schmickler, 2016

Schmickler war richtig gut und im krassen Gegensatz zum vorher verbalisierten Wischiwaschi auf der DGB-Bühne sehr scharf und klar und eindeutig: Deutliche Kritik an den selbstverliebten, angeblich so toleranten und weltoffenen Kölner*innen, bei denen Rassismus sehr wohl überall unangenehm stark vertreten ist – beispielsweise in Politik, Medien, bei der Polizei und im Karneval.

Das hier sind NICHT die im Text beschriebenen Polizisten, die den Redebeitrag blöd fanden, sondern andere. Gab viele dort.

Sehr schön und spaßig ist gewesen, sich die Gesichter zweier schwer bewaffneter Polizisten, die zwischenzeitlich mal neben mir standen, anzusehen, während es um die Polizei und ihre Panikmache beim AfD-Parteitag sowie um racial profiling und Shisha-Verbot am Rheinufer ging. War gut sichtbar absolut nicht ihre Meinung – sondern sie haben ziemlich gelitten dabei, dass sie sowas wie diese öffentliche Schmähung ihrer großen Verdienste – so hatte sich Hannelore Kraft zuvor geäußert – nicht sofort gewaltsam unterbinden durften. Und überhaupt, alles voller Kommunist*innen und linksgrünversifften Volksverrätern. Muss psychisch schlimm gewesen sein für die Herren Polizisten.

Ich hätte gerne länger zugehört, aber es regnete ziemlich übel – und mein Rad hat auf einmal einen Platten gehabt. Ich aber keine Pumpe. So ein Mist!

Nach kurzem Aufpumpen mit einer geliehenen Pumpe – Danke, Piraten! – bin ich flott heim geradelt und musste zum Glück nur ein relativ kurzes Stück schieben ab der Messe.

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Mit jemand reden und danach Tanzen gehen (tat gut, aber viel zu teuer für mich)

Wirklich enorm, wie sowas gut tut. Drei Stunden getanzt, und vorher eine Stunde lang gegen Geld jemandem erzählt, was mich bezüglich meiner Lebenssituation beschäftigt. Prima, beides. War echt mal nötig.

Meine Zweitfrau ist ein Lastenrad … Iron Chariot … und ich bin ein Kuhdorf-Cowboy. Viva Cow-lonia!

Zuvor den Tag mit dem Verfassen eines Artikels für meinen Blog sowie einer Radtour und einem netten Aufenthalt am Rhein verbracht, nachdem am Radladen ich angepfiffen worden war, was mir denn einfiele, gegen den Jan die Polizei zu rufen. Hatte ich gemacht, weil der Kerl mir null Respekt entgegen bringt, dafür mich verleumdet bei allen anderen.  Mir war schlicht nichts anderes eingefallen, was überhaupt gehen hätte können …

Also, hatte meine erste Therapie-Stunde seit 10 Jahren, und meine erste Tanz-Session seit gefühlt einer Ewigkeit, bisherige Versuche in Köln eher weniger gut gewesen in den letzen Monaten.

HardPop & PussyPunk from Oldschool to Newschool. Miss Stereo & Kitty Atomic gehen musikalisch aufs Ganze. Ihr Tanzmädchenreport ist eine tabulose Grenzerfahrung des guten Geschmacks. Hier ist mehr drin als Frenchkiss und Händchen halten. Hier fängt LaBoum erst richtig an. Satisfaction guaranteed and don´’t tell your parents!

Wobei, neulich im Gebäude 9, da war es kostenlos (Getränke halt) und spitzenmäßig, Kitty Atomic und Miss Stereo, die beiden DJ-Frauen, die sind sehr genial.

Bloß bin ich ja ‚arbeitender‘ Harz-4-Mensch, Aufstocker genannt –  und von der Arbeit bleibt bei mir nicht mehr als ~ 2,70€ pro Stunde hängen. Aktuell arbeite ich fast nix, lediglich 3 Stunden in der Woche bezahlt und 2-3 unbezahlt sowie eine Supervisionsstunde ab und zu.

Wofür ich mir dann ein Mittagessen kaufe. Also Null Einnahmen.

Tatsächlich 8,10€ Einnahmen, abzüglich 3,20€ für KVB und 9,50€ für einen Burger mit einer Fritz-Cola bei Zimmerman’s Burger – die sind so dermaßen lecker, beste Burger ever! Und ja, es gibt Bio-Beef oder auch Vegan. Ergibt ein Minus von 4,60€. Bei einem Zeitaufwand von 5-8h.

Der Anreiz, mehr zu machen, ist da natürlich nicht gerade hoch.

Und weil ich gerade Krise hatte, hat mir der Chef auch untersagt, mehr Patienten zu nehmen (obwohl meine Warteliste voll ist und ich Stunden und Geld brauche). Allerdings ist es so, dass ich meine Seminare fast alle durch habe, und ich nehme chronisch zu wenig Supervision (weil die mir in der Regel wenig bis nix bringt, leider).

Die Arbeit wird immer erst ein halbes Jahr später vergütet, wobei ein ganzes Quartal auf einen Schlag ausgezahlt wird. Dadurch ist es immer eine Überraschung, wenn Geld kommt – und wie viel. Und kaum ist es da, ist es weg – für Schuldentilgung plus in der Regel eine Wunsch-Anschaffung.

6€ am Tag für alle Ausgaben gibt mir die Grundsicherung (und meine Miete von 450€ sowie die TK-Krankenversicherung). Da reißt ein Tag wie der heute, wo ich mal Mensch war, ein ziemliches Loch in den Finanzplan.

Ausgaben, die an sich erforderlich machen, dass ich 18 Tage lang nichts kaufe, weder Tabak noch irgendwas sonst, kein Essen, keine Bahnkarte – absolut nichts. Weswegen ich solche Tage auch in den letzten 6 Jahren nicht hatte. Köln ist eher teuer, wobei die Location eigentlich ging, preislich – bloß ich bin eher arm, daher alles über weite Strecken total unspaßig. Heute mußte es mal sein. Wollte ein wenig mich fühlen wie früher, als Ausgehen, reden, trinken, tanzen etc. was Normales waren. Hat sehr gut getan.

Tatsächlich würde rein gar nichts gehen, wenn nicht meine Eltern mir helfen würden. Wäre das nicht so, ich hätte wenig Alternativen zu Kriminalität und/oder Obdachlosigkeit. Brauche dringend ein zweites finanzielles Standbein. Oder eher überhaupt mal was, wo Geld rein kommt.

Ich fahre immer Fahrrad, heute war ich aber zu spät dran für Bahn oder Rad – und bin mit einem Funkmietwagen gefahren. Kostet 15€.

Rad fahren in der Innenstadt, immer lebensgefährlich. Im Schnitt zwei Mal pro Tag bin ich beinahe tot, wegen krasser Idiotie von Autofahrern. Weil mein Lastenrad kein Fahrrad ist (es ist mehrspurig, paßt auf Kölner Radwege nicht drauf, weil die teilweise Handtuch-breit sind, und darf da auch eigentlich gar nicht fahren), bin ich – wenn irgend möglich – auf der Straße unterwegs.

Neulich drängte mich eine Taxi-Fahrerin ab, ich fuhr in den 2-spurigen Gegenverkehr, der sich mit 70-100 Km/h näherte – und bin beinahe mit dem Dreirad umgekippt bei einem gefühlt Millimeter-knappen Ausweichmanöver. Die entgegenkommenden Fahrer haben fett gehupt (aber nicht gebremst), und ich wäre sicher tot gewesen, wenn sie mich erwischt hätten. An der Ampel erklärt mir diese türkische Taxi-Fahrerin dann aus dem Fenster heraus seelenruhig, sie habe ausscheren müssen, und überhaupt, es sei ja nichts passiert. Und ich, dem Herzinfarkt gefährlich nahe, ein Puls wie ein Boxer nach 10 Runden – war zu geschockt, um mir ihr Nummernschild zu merken bzw. sie zu fotografieren … weswegen ich diese Geschichte nicht mal zur Anzeige bringen kann.

Also vor der Therapiestunde wegen der Idee, lieber entspannt anzukommen, und wegen der knappen Zeit, mich chauffieren lassen. Am Barbarossa-Platz bemerkt, ich habe den Zettel mit der Adresse nicht dabei, also angerufen, und dann gelaufen.

Die richtige Station wäre Eifelstraße gewesen, eine Station weiter, als ich mich habe bringen lassen.

So sieht es da nachts aus. Termin war 19 Uhr, also bis 20:30. Danach am Kiosk (im Bild rechts) die Sandra getroffen bzw. kennen gelernt. Die mußte noch 150€ zusammen schnorren, und hatte einen offenen Haftbefehl gegen sich laufen, unter anderem. Was ich bisher auch nicht wußte – wenn du wegen nicht gezahltem Geld in den Knast gehst, musst du es danach trotzdem voll zahlen, nicht etwa Geld zahlen ODER Knast, nein – beides. Finde ich total heftig. In was für einem tollen Land wir doch leben.

Mein Therapeut ist Heilpraktiker Psychotherapie, da habe ich sofort einen Termin gekriegt (statt Wartezeit von Monaten und Passung ausprobieren mit Psychologischen Psychotherapeuten) und privat 50€ für 90 Minuten gezahlt (statt dass die Krankenkasse 80€ für 50 Minuten zahlt).

Nix mit Diagnosen, Probatorik, Anträgen, Gesundheitskarte – sondern gleich in medias res. Angenehm, die 90 Minuten. Ich natürlich nach 50 Minuten den ‚Stunde ist zu Ende‘-Reflex gehabt, dann erleichtert festgestellt, paßt, ich habe noch Zeit. Sehr feine Sache.

Der Kai, der ist sehr sympathisch, vielleicht ein wenig zu normal für so eine Gestalt wie mich, keine Ahnung, ging aber — und er hatte mal einen Borderline-Freund, da hat er viel draus gelernt, er leitet jetzt eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die durch sowas geschädigt worden sind – also von daher ideal.

Da mir nie jemand freiwillig länger als 5 Minuten zuhört, wenn ich was Schwieriges von mir erzählen mag, war es ein verdammter Luxus, mal ohne Unterbrechung oder Abwertung und Einwände reden zu dürfen.

Auch toll: Tipps bekommen.

Danach musste ich mich allerdings erstmal sortieren, und habe an einem Kiosk ein Kölsch getrunken, und da die Sandra kennen gelernt, eine patente Frau, die aber sehr übel soziale Schwierigkeiten hat (da war wieder die ganz normale Situation, dass mir Menschen ihre Geschichten erzählen). War spannend und lehrreich, habe uns dann noch zwei Getränke besorgt.

Und dann weiter in der KVB, Linie 15 zum Friesenplatz … da war ein Blinder am Schnorren, dem habe ich ein Stück von meiner Schokolade gegeben, weil: Kein Geld mehr einstecken. Steck es mir einfach in den Mund, sagt er. Ich: Ist aber eine ganze Rippe. Paßte, fand er lecker, ich auch. Milka Karamell, 0,60€ am Kiosk. Weil, hatte noch nichts gegessen, und bloß Kaffee und Kippen gehabt.

Ein junger offenbar wohlhabender Schnösel mit entsprechender ‚Bildung‘ imponierte mir negativ, der meinte, laut anmerken zu müssen, dass der Blinde ja nur so tue; der sei gar nicht wirklich blind. Na klar. Vermutlich fährt er privat einen Porsche. Wie eigentlich alle solchen Sozialbetrüger. Und selbst wenn er nur behindert tut, wer meint, das Betteln leicht ist, soll es bitte mal machen. Ich habe das mal versucht, und es ist elend schwer, aus verschiedenen Gründen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Konkurrenz enorm ist. Und die Herzen der Menschen aus Stein, und ihr Kopf voller BILD-Zeitung und TV und fiesen Vorurteilen.

Gibt wirklich extreme Kotzbrocken auf der Welt …

… während der Bettler mir auf mein Kompliment für seine durchdachte Technik, nämlich, dass er einen Karabinerhaken an seinem Schnorr-Becher hat, und den an der Jacke fest gemacht – erklärte, ja, das habe er seit vorgestern, denn da habe man ihn beraubt, als er aus dem McDonalds kam; jemand habe ihm den Becher mit Kleingeld aus den Hand gerissen, und das wolle er ungern wieder erleben müssen.

Am Friesenplatz beschlossen, ich brauche noch was, Bewegung und Musik, ich kann so unmöglich einfach heim gehen, wenn es in mir so am sich bewegen ist. Geld gezogen am Bankomat, 100€. Eltern haben Überbrückung gegeben, denn der WBA (Weiterbewilligungsantrag) für mein Harz-4 ist auf dem Amt noch nicht bearbeitet, weil meine Einkünfte noch nicht nachgewiesen und kleiner meiner Zuverdienstgrenze sind -ergo Null Kohle vom Amt gekriegt, bisher, obwohl ich bereits 3 Mal da war. Daher zahle ich auch wieder GEZ, weil: Kein Bescheid, keine Befreiung möglich. Uncool.

Dann zunächst ins scheue Reh, wo ich zwei Türken traf, die beide eine enorme Wuschelfrisur hatten, Zwillinge waren und gerade ihren 30. Geburtstag feierten. Sehr gutes Gespräch mit dem einen – auf Englisch, weil kein Deutsch, und mein Türkisch eher noch nicht so fließend.

Außerdem jemandem seine Tasche gesichert, die der einfach draußen hatte liegen lassen, mit Ausweis drin und allem. Wäre sicher weg gewesen, wenn ich nicht danach geguckt und sie drinnen abgegeben hätte – die Ecke wimmelt vor armen Leuten, die solche Gelegenheiten nutzen.

Dann ins Gewölbe, zum Tanzen. 10€ Eintritt, und Getränke (Cola, Wasser) auch so 3€. Rauchen draußen, tanzen drinnen, schwierig mit der Kälte und dem Schwitzen, ging aber irgendwie. Alle dort sehr jung, so 20-25 Jahre jünger als ich. Und tanzen haben sie sich kaum getraut, dafür Unmengen Alkohol zu brachialen Preisen in sich rein geschüttet und ziemlich viel sehr plattes Zeugs geredet, jedenfalls die, die in Hörweite von mir sich ausgetauscht haben. Ok, war ja nicht da, um neue Impulse zu kriegen, sondern meinen Körper durch zu bewegen.

Nach drei Stunden Tanzen – unterbrochen durch einen Kaffee um die Ecke – war ich sehr Tiefen-entspannt, und hatte genug von der Elektro-Mucke. Immerhin, die war diesmal sehr viel abwechslungsreicher als neulich, wo ich da auch schon mal war. Sich für Leute zu interessieren kam mir nicht in den Sinn, und wäre auch schwierig gewesen, weil: Arg laut, viel buntes hektisches Licht, also Wahrnehmung sowohl erschwert als auch überladen mit Eindrücken. Und genau einen Menschen erspät, der auch tanzen konnte – alle anderen hatten wohl den Körperklaus-Tag oder so, vielleicht auch sozial gehemmt, ungeübt, keine Ahnung.

Wollte dann was essen, aber 2:30 am Hans-Böckler-Platz keine Chance, und auch eine Recherche ergab, nur der Nimet-Grill in Kalk hätte auf gehabt, oder La Strada in Lindenthal. Beides völlig außerhalb der Reichweite – jedenfalls hätte es 30€ gekostet, dem Türsteher – der hatte mich inständig gebeten, ihm was Herzhaftes zu besorgen, er sterbe vor Hunger – seinen Wunsch mittels Funkmietwagen und Hin- und Herfahrt zu erfüllen – da musste ich passen.

Also den Taxi-Fahrer nach einer Pauschale gefragt, weil ich nicht mehr als 15€ bereit war zu zahlen (auf Laufen aber keinen Bock hatte). Meint er, das macht er. Und stellte sich raus, er wohnt bei mir um die Ecke, machte dann Feierabend, und ja, es hätte mehr gekostet – auf der Auffahrt zur Zoobrücke waren die 15€ bereits überschritten, da hat er den Taxameter dann abgestellt. Schätze mal, es wären 25€ geworden; das ist mir vor 2 Jahren mal passiert, seitdem nie mehr Taxi gefahren.

Der Taxifahrer natürlich türkisch-kölsch, wie der auf der Hinfahrt auch, und eigentlich alle. 49, und sieht es so wie ich, wer nicht ausgeht, der geht ein. Er hatte einen erlesenen Musik-Geschmack, die Fahrt über gute Mucke und auch was wir beredet haben, prima — war ein Vergnügen mit ihm zu reden, und vielleicht sieht man sich bei Käptn Peng im Palladium.

Daheim, was zu Essen gemacht, und Lust gehabt, einen Tagebuch-Eintrag mit der Welt zu teilen.

 

 

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Nuran David Calis – Glaubenskämpfer – Köln, Depot 1

Ich war im Theater, das erste Mal überhaupt seit 10 Jahren. „Glaubenskämpfer. Religionssuche zwischen Kloster, Moschee und Synagoge.“ Dieser Beitrag enthält, was ich dazu gelernt und formuliert habe. 

Die KULTURLISTE e.V.  hat es mir ermöglicht – die geben armen Menschen die Möglichkeit, frei gebliebene Karten kostenlos zu bekommen, um kulturelle Teilhabe zu befördern und natürlich auch, weil leere Säle so doof aussehen. „Säle“ sieht als Wort auch doof aus, aber Google meint, es sei korrekt so.

Also Win-Win-Situation, zudem Kontakt von Asi und Bonzi, also theoretisch eine Gelegenheit für soziale Verständigung. Jedenfalls sehe ich das so. Praktisch blieben die Klassen unter sich, und eine Dame neben mir, die gerade von übel riechenden Ex-Gefängnis-Insassen schwadroniert hatte, wurde ganz still von dem tonnenschweren bösen Blick von mir, dem stinkenden Fremden Punk neben ihr. Soziale Klassen, da ist das so, wir sind mittlerweile genetisch und olfaktorisch Feinde. Und sie sind alle … sag ich mal nix dazu.

23€ haben sie mir also erlassen. Nett. Zwar wäre ein angemessenes bedingungsloses Grund-Budget besser, aber immerhin.

Würdelos, die ganze Geschichte; und doch, ich freu mich dass ich da war.

Leider der von mir an sich eingeladene Gast keinen Bock gehabt, ich hatte ja (und werde wieder haben) zwei Karten. Schade.

Mit dem diskriminierungsfreien Zugang war es aber nicht wirklich weit her bzw. wahr – was mir an sich telefonisch zugesagt worden war: Ich müsse nur meinen Namen sagen, bekäme meine zwei Karten dann wie alle.

Nö. Nicht so. Sondern:

Ich sage, „ich bin der Herr Wild“. Dame guckt, „Computer says no“. Ich so: „Doch“. Sie sucht, dann nach einer Weile die Erkenntnis (schön laut, dass es alle hören): „Ach so! Sie sind von der KULTURLISTE, das müssen Sie uns sagen …“. Ich: „Nö, muss ich angeblich nicht“. Sie: „Aber es ist so, ich habe Sie hier (zeigt einen Zettel) drauf“. Und dann mich noch freundlich-doof voll geblubbert mit „Aber kommen Sie ruhig öfter, gerne„. Dass genau das Diskriminierung von Armen ist, kein Peil, die Dame. Positive Diskriminierung ist nicht positiv. Sondern genau so Scheiße. Es kommt auf das vermittelte Gefühl an, nicht auf irgend was sonst.

Zum eigentlichen Kern-Stück. Der Regisseur:

Nuran David Calis (* 1976 in Bielefeld) ist ein deutscher Theater- und Filmautor und -regisseur türkisch-armenisch-jüdischer Abstammung.

Der im Sozialwohnungsbezirk Bielefeld-Baumheide aufgewachsene Sohn eines armenischen Gießereiarbeiters und einer jüdischen Putzfrau, die aus der Türkei immigriert waren, besuchte das Gymnasium und jobbte ab 1992 als Türsteher (echt? Mit 16 Türsteher – wie geht das denn? Wohl eher 1994 …).

Armenier und Juden sind für Muslime verhasst und immer genozid-gefährdet. Aus der Kombination von Vatermörder-Hemdkragen und „fleißend Türkisch, kaum armenisch sprechend“ schließe ich auf alleinerziehende Mutter. Gewagt, natürlich. Eine wilde Deutung. Und noch eine: Putzfrau, Gießereiarbeiter, Türsteher-Job – klingt reichlich prekär.

Nach dem Abitur 1996 (mit 20) begann er ein Regiestudium an der MünchenerOtto-Falckenberg-Schule, das er 2000 abschloss.

Während dieser Zeit arbeitete er als Assistent sowohl an den Münchner Kammerspielen als auch am Schauspielhaus Zürich.

Für seine Theaterarbeit wurde Calis mehrfach ausgezeichnet: So wurde er als „Bester Nachwuchs“ für seine Regie von Schillers Die Räuber am Wiener Volkstheater auf der Nestroyverleihung 2006 berücksichtigt und ebenso als Regisseur mit dem Karl-Skraup-Preis ausgezeichnet.

2005 war er 29 und erhielt das Dramatiker-Stipendium des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

2006 wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. Seine Produktion „Homestories – Geschichten aus der Heimat“ mit Jugendlichen aus Essen-Katernberg am Schauspiel Essen wurde mit dem „Bundespreis soziale Stadt“ ausgezeichnet.

Sein erstes Theaterstück Urbanstorys (2005) schrieb Calis zusammen mit Jugendlichen aus Hannover. Sein zweites Theaterstück Dogland (2006) erschien bei Fischer, lief 2005 an den Kammerspielen und sollte am Wiener Burgtheater seine internationale Uraufführung erfahren.

Sein drittes Stück Schwarz wurde 2007 in Theater heute besprochen. Einer von uns folgt 2008 an renommierten deutschen Theatern.

2006/2007 arbeitete Calis, der in den Jahren 2000 bis 2002 auch im Bereich Musikvideo und als Schauspieler tätig war, an seinem ersten Kino-Langfilm-Drehbuch Die Augen meiner Mutter (2007), das 2008 unter dem Titel Meine Mutter, mein Bruder und ich! in die Kinos kommt.

2007 schrieb Calis eine Neufassung von Frank WedekindsFrühlings Erwachen, die am Schauspiel Hannover ein großer Erfolg wurde.

Dasselbe Stück inszenierte er 2008 am Grillo-Theater und danach am Düsseldorfer Schauspielhaus; die Düsseldorfer Inszenierung erhielt 2009 den Bensheimer Theaterpreis für die beste Ensemble-Leistung.

Im Jahr 2009 folgte eine unter seiner Regie entstandene Fernsehfassung für den ZDF-Theaterkanal.

Am 6. Mai 2010 war im Deutschen Theater Berlin die Uraufführung seines Stückes Schattenkinder, einer freien Adaption des Romans Die Kindermörderin des Sturm- und Drang-Dichters Heinrich Leopold Wagner.

An 27. Februar 2016 wurde am Schauspiel KölnGlaubenskämpfer. Religionssuche zwischen Kloster, Moschee und Synagoge uraufgeführt, ein Stück über Glaube und Glaubende, über Christen, Muslime und Juden, über Konvertiten, radikale Fanatiker, Dogmatiker und Gelegenheitsbeter.

Der Theatermacher lebt in München. Er spricht fließend Deutsch und Türkisch; Armenisch nach eigenen Angaben nur „ein wenig“.

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Kurz die Selbstdarstellung des Stückes auf der Website zitiert und im Säurebad dekonstruiert (weil sie so dermaßen dazu einläd und ich gerne was kaputt mache):

„Wir leben in aufgeklärten Zeiten.“ — Quatsch

„Immer mehr“ — Phrase, die Dummheit ankündigt. Was danach kommt, ist Quatsch, automatisch. Lineare Projektion, die Realität enthält dynamische Veränderungen, die sich durch Gegenregulation immer wieder einpegeln. Die lineare Projektion dient der Aufreger-Erzeugung (was SPIEGEL-Redakteure und BILD-Zeitung machen).

„meinen wir zu wissen“ — Quatsch. Trivial, wenn es bedeuten soll „Wissen ist vorläufig und immer eine Wahrscheinlichkeitsaussage“. Ansonsten ist meinen, glauben, wissen das Gleiche – belief.

„wie wir uns die Welt und unsere Existenz zu erklären haben.“ — Quatsch. Oder trivial, wenn es sagen mag: „es gibt eine herrschende Meinung, die der Herrschenden“.

„Längst haben wir uns eingerichtet in einer modernen säkularen Gesellschaft“ — WIR = Sekulare, DIE = Glaubende — Quatsch. Siehe oben.

„in der Glaube Privatsache ist und die Frage nach Gott bestenfalls ein intellektuelles Gedankenspiel.“ — gleiche Aussage wiederholt, immer noch Quatsch.

„Gleichzeitig fällt die Welt um uns herum auseinander.“ — Super-Quatsch.

Die Welt fällt nicht auseinander, sondern Konstruktionen der Sekularen funktionieren nicht bzw. werden herausgefordert.

„Werte, auf die wir so stolz waren, greifen nicht mehr“ — Quatsch. Meint er, Religion sei überwundener Aberglaube? Es sei je eine solide Mehrheit gewesen, die die Aufklärung getragen habe? Die Zivilisation(en)? Ich glaube nicht, dass das so war. Nichts genaues weiß man nicht. 

Werte ohne Glauben gibt es nicht, ohne starke und stabile emotionale Besetzung ist ganz genau gar nichts von Wert. Identität ist eine Konstruktion. Im Kapitalismus kaufen wir eine Identität durch symbolische Produkte. Um für irgendwas gehalten zu werden, was wir eigentlich nicht sind. Verkleidung, symbolische Selbst-Ergänzung.

Stolz über Aufklärung? Über Moderne? Über Gesellschaft? Was soll das denn? Stolz sein kann man auf etwas selbst Getanes. Auf Leistung. Auf Erkenntnis.

Ich bin stolz, ein Aufklärer zu sein

Ich bin stolz auf die moderne Gesellschaft

Beide Sätze sind so dermaßen komisch, sie sind also nicht wahr. Und wenn, wo denn? „Was halten Sie von den Westlichen Werten, Herr Ghandi?“. Antwort: „Das wäre eine gute Idee“. Und fertig. „Die Welt als Ware und Dienstleistung“, ein Crossover von Schopenhauer und Marx, das wäre ein Modell. Kapitalismus basiert auf der Ausbeutung von stofflichen Ressourcen und Arbeitskraft.

„während Glaube und Religion mit aller radikalen Wucht zurückgekehrt sind“ — Quatsch. Sie waren NIE weg, weil das gar nicht möglich ist bei EWIGEN Angelegenheiten. Und natürlich sind Glaube und Religion untrennbar.

Der Autor und Regisseur Nuran David Calis hat Glaubende getroffen.
Hey! Eine Aussage. Wer, was. Bravo! Was fehlt? Wie ist Herr Calis positioniert? Also Korrektur.
Der sekulare nicht gottesgläubige (oder doch: der jüdische) Autor und Regisseur Nuran David Calis hat Glaubende getroffen.
So ist es gut.
Christen. Muslime. Juden.

Reihenfolge. Also die Frage: Wieso so geordnet? Zahlenmäßig? Vermutlich.

Wie setzt sich die Landschaft religionsmäßig zusammen? 50% Christen auf dem Papier, 45% Non-Konfessionell, 5% Muslime, 0,00125% Juden. Vermutlich sieht es so aus: 1-10% streng religiös, halbe-halbe Islam und andere (Christen Juden Buddhisten und alles andere) gegen 90-99% non-religiöse Menschen.

Aufklärung, das bedeutet, Dinge klar zu benennen. Was sind denn „Christen“? Was sind „Muslime“? Was sind „Juden“? Und wie viele gibt es? Bekanntermaßen zerfallen Muslime in Sunni und Shia und Christen in katholisch, evangelisch, orthodox. Ich ergänze also:

Historisch ist Köln ähnlich wie der Großteil des Rheinlandes römisch-katholisch geprägt.

2015 waren 35,5 % der Einwohner auf dem Papier römisch-katholisch,
15,5 % evangelisch;
49 % gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an
oder waren konfessionslos.[1]

Es gibt ca 300.000 Immigranten in Köln, davon haben 65.000 einen türkischen Pass. Nochmal so viele andere Kölner werden aus dem islamischen Kulturkreis kommen. Ich schätze den Anteil der Muslime auf ca 10%            — das ist sehr wahrscheinlich zu hoch gegriffen

Meine Zahlen – Mix aus BRD und Köln-Zahlen, also grobe annähernde Schätzung: Katholiken 35%, Evangelisch 15%, Orthodox 1% == 51% „Christen“. 5-10% Muslime. Andere: 1%. Konfessionslos ~48%. 

BRD insgesamt: Ein Land mit religiöser Heterogenität.

Religionszugehörigkeit nach Zensus 2011: gelb: römisch-katholisch, lila: evangelisch, blau: konfessionslos; dunkel: absolute Mehrheit, hell: relative Mehrheit
Protestantischer Norden, katholischer Westen, katholische Enklave, fundamentalistisch-katholischer Freistaat (CSU-Khalifat Bayern). Dunkeldeutschland ist heidnisch wie eh und je, es gibt eine kleine gute evangelische Minderheit, die hat die Demokratie-Bewegung der DDR getragen, ansonsten Nazi-Country. Städte – Stadtluft macht frei – sind nicht religiös dominiert, aber dafür sehr bunt gemischt. Das platte Land, da gibt es Hegemonien.
Soweit der Hintergrund. Nun wissen wir also, mit was und wem mensch sprechen müßte, wenn der Anspruch wäre, abzuklären, was religiös so läuft.
Was hat Nuran David Calis gemacht?
Er hat mit Imamen gesprochen, mit Pfarrern, Rabbinern, einer katholischen Nonne und einem ehemaligen Domprobst.
Auf einmal eine andere Reihenfolge – wieso? Und warum gemischt?
Er hat Hassprediger eingeladen und ist Salafisten begegnet, Konvertiten, radikalen Fanatikern, Dogmatikern und Gelegenheitsbetern.
Sind das nur die Muslime, die hier angesprochen sind?
Erstmal wieder Ordnung schaffen:
Judentum – Rabbiner (mehrere, also 2+) – Summe: 2+
Christentum – Pfarrer (mehrere, also 2+), Nonne, Ex-Domprobst – Summe: 4+
Muslime – Imam (mehrere, also 2+), Hassprediger/Salafist (mehrere, also 2+), Konvertit/radikaler Fanatiker (mehrere, also 2+), Gelegenheitsbeter (mehrere, also 2+) – Summe: 8+ unklar, wie viel Überschneidung, denn Salafist == Hassprediger == radikaler == Fanatiker == Dogmatiker. Könnten auch nur 6+ sein
Einige von ihnen stehen nun gemeinsam mit den Kölner Schauspielern auf der Bühne und kämpfen um nicht weniger als das: Unseren Glauben.
DEN Kölner Schauspielern?
Gibt es davon nur eine Handvoll?
Oder wie ist das zu deuten?
Auf der Bühne wahrnehmbar:
4 Sekulare (beten das Geld an als einzigen zweckrationalen Gott) – 4 Kölner Schauspieler

Religiöse bzw. Glaubende (11)

1 Judentum (praktizierend) – 0 Rabbis, 1 jüdischer Psycho-Therapeut

2 Christentum (praktizierend) – 0 Pfarrer, 0 Ex-Domprobst, 1 Nonne, 1 Schauspieler und Ex-Klosterschüler

5 Islam (praktizierend) – 4 Muslime, 1 Muslima, als Video: DAESH-Propaganda, außerdem Bernhard Falk (Islamist), 1 Ex-Salafist
2 Nazis (glauben an etwas, also Religion, und sind aktiv) – Nazi-Frau Melanie Dittmer und eine andere mir nicht bekannte Nazi-Tussie, jeweils als Video, vom „Krieg“ faselnd … das wird vom Juden klar dekonstruiert; der hat Krieg gesehen als Soldat, mehrmals, und spricht von den Traumatisierungen der israelischen Bevölkerung (alle) und der Palästinenser (alle), und von Auschwitz
1 Antifa (glauben an etwas, also Religion) – 0 Personen; Anwesenheit bzw. Existenz und Bedeutung durch Erwähnung im Beitrag der Nazis.
Kämpfen um unseren Glauben. Um? Oder doch eher: Gegen? Unseren? Kämpfen?
Ich dachte, WIR == Sekulare, also eben kein Gottesglaube. Offenbar ist der Glaube an Vernunft gedacht – wieso wird das nicht so benannt? Es ging lediglich um monotheistische Religionen, Thora, christliche Bibel, Q’ran. Alles typisch Schauspiel, wischiwaschi. Mühsam, es zu sortieren. Aufklärung wäre – Klarheit schaffen. Die Streit-Szenen waren stets wesentlich „Sekulare gegen Islam“ und „Deutsche gegen Nicht-Deutsche“. Das wurde mit übertrieben lauten hektischen Videofetzen am Anfang (Domplatte, Silvesternacht) als Rahmen gesetzt. Arg manipulativ, unschön. Flüchtlinge waren an sich nicht Thema. Jude und Christen hielten sich generell sehr bewußt aus Streit raus, denn ihnen war klar und das haben sie auch gesagt: Nur ein Gott, und es ist überall der Gleiche. Was auch die modernen Muslims mit getragen haben. Dass sie trotzdem angegriffen werden, das ist natürlich der normale deutsche Rassismus.
Das waren die Fronten: 5 sekuläre uncoole ahnungslose rassistische Deutsche (3 Schauspieler*innen, 2 Nazi-Frauen) vs. 11 religiöse Nicht-Deutsche (5 coole moderne Muslims, 2 uncoole anti-moderne Muslims, 1 cooler Jude, 1 cooler Ex-Klosterschüler und Schauspieler, 1 coole Nonne, plus 1 mutiger deutscher Ex-Salafist).
Kräfteverhältnisse auf der Bühne:
8:1 West-Ost
1: 2 – auf einen Kufar kommen 2 Gläubige 😉
und da ist offensichtlich, WIR sekularen, auch das ist Quatsch. Aber es war wohl die Zielgruppe, das, was als Kölner Publikum erwartet wird, die Leute die angesprochen sind. Die Schauspieler sahen sich wohl als mutige stellvertretende Annäherer, darin liegt ja durchaus Aufklärungsbemühung.
Etwa 350 Leute gehen da in den Theater-Raum, es waren eher so 120 da. Nehmen wir also diese Zahlen: 125:11 == 11:1. Das wären die Kräfteverhältnisse für Mittel/Oberklasse („Deutsch“) vs. Unterklasse („Undeutsch“) im Theater. Draußen ist es anders: Mittel- und Oberschicht 20%, Unterschicht 80%. 1:4.
Religion, das ist Kraft für Unterdrückte. Die Reichen glauben an das Geld, und sind daher amoralische Nihilisten. „Sekular“ ist bloß ein Euphemismus. Natürlich sind sie Kufar, Ungläubige, was sonst. Im Osten sind die Heiden: Sachsen immer heidnisch geblieben, trotz Zerstörung der Irmingsul.

Die Deutschen, ein Volk von Barbaren, von alters her. Sagt Hölderlin. Genauer:Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin! waren meine Tröster.

Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?

 

 
Das Stück hatte was, weil *echte authentische Menschen* über Glauben und Erfahrungen gesprochen haben, nicht (nur) „Schauspieler*innen“ – die mich eher nerven, wenn was erkennbar unecht ist, wirkt es oft auf mich eher ätzend; das war dort kaum so, nur die Bio-Deutschen waren teilweise echt schlecht. 2 von 4.
Der Beitrag von einem (agnostischen) Schauspieler namens Mohammad über Rassismen und die Fiesheit, wenn niemand – nicht mal man selbst – was dagegen sagt, dass mensch vom Chef dauernd als „Achmed“ betitelt wird … inhaltlich sehr gut, entlarvend, rief daher bei den durchweg rassistischen Spießern auch sehr starke Abwehr hervor, also: Hat gesessen!
 

Toll: Dominik Schmitz (Ex- und jetzt Anti-Salafist, erfolgreicher Aussteiger und daher nun Adressat von Morddrohungen durch Leute um Sven Lau, Pierre Vogel, Bernhard Falk) war Teil der Veranstaltung. Erzählte seine Story – arme Sau, Leben versaut, unten und draußen, dann die Rattenfänger, die dir Familie anbieten, und natürlich Ernüchterung, dann kommt man nicht mehr raus, und wenn doch, Ärger mit den „Brüdern“, die dich „ficken“ und deinen Hals durchschneiden wollen.

Kenne diese Leute ja durch ihre Internet-Präsenz.

Lau, Vogel, die waren ja mal da anläßlich der „Pro Köln“ – Provokationen, wo die Mohammad-Karikaturen aus Dänemark *vielleicht* gezeigt werden würden, auch eine Art, sich mit 5 Leuten eine riesengroße Medienpräsenz zu sichern, da hatte dieser Herr

Markus Kurt Beisicht, Rechtsextremist, „Pro Köln“
mal Spaß – in Köln, da war ich auf der („deutschen“ linken) Gegendemo, und habe diese Salafisten-Jungs in Aktion erlebt (sehr krass).
Bernhard Falk (auch Bernhard Uzun oder Muntasir bi-llah; * 1967) ist ein deutscher Islamist und ehemaliger linksextremistischer Terrorist.

Falk, ein extremer Hardliner — war früher Anti-Imp, und auch da schon faschistisch. Jetzt ist er Islamist. Und findet die Aktion gegen Charlie Hebbdo … nur natürlich. War schließlich Gotteslästerung.

Den Falk kenne ich aus „altlinken“ Zusammenhängen. Nicht persönlich, wohl gemerkt. Braucht der Verfassungsschutz nicht gleich geil auf mich zu sein, denn ich halte Abstand zu Faschisten und Terroristen, aus vielen Gründen, vor allem aber, weil ich sie für grundlegend menschenverachtend halte. Und wozu Politik, wenn nicht FÜR die Menschheit?

Als ich jung und radikal war, waren die Anti-Imps schon aus der linken Szene praktisch raus, nur noch als Muppet-Opas und Omas auf dem Sofa am Motzen, und natürlich die Demos für „die“ Gefangenen haben sie gemacht, da sind wir brav mit, aus Traditionsbewußtsein, aber sie waren wenig hilfreich für uns, weil sie die Autonomen immer Scheiße fanden, völlig im Gegensatz zur hochverehrten raf — lustig an sich, denn Baader war ja auch so ein Action-Freak ohne Plan, wenig Unterschied zu Bommi Baumann (2. Juni)  😉

Und wir jungen Hausbesetzer-Punk-Hippies waren wiederum den Alt-Autonomen viel zu naiv und planlos – auch das lustig, weil: Wir haben ein Haus klar gemacht, ruckzuck, während die schon lange nur noch über alte Zeiten und „damals an der Startbahn“ faselten 😉

Anti-Imperialismus – für die Ahnungslosen – ist die Idee, dass alles Übel durch den Imperialismus kommt, der von USA, Israel, dem Westen/Norden kommt, und dass daher der Kampf im Herzen der Bestie, den Metropolen, zu führen sei. Und zwar bewaffnet. 
 

Die raf hat das dann probiert. Antisemitismus ist in nicht unerheblichem Maße drin in dieser Ideologie, was unappetitlich und für Antifaschisten auch grundlegend disqualifizierend ist, aber von der „die Juden sind schuld“-Position daher der Schritt in den militanten Islamismus folgerichtig. Haben etliche so gemacht.

Ich habe 1991 gesagt, wenn es je eine Revolution gibt, kommt sie aus dem arabischen Raum. Haben alle geguckt wie Auto. Aber Recht behalten, wie oft. Soziale Revolution, da brauchst du viele unzufriedene bitterarme Menschen, die Gewalt anwenden wollen und einen Kult haben, der das erlaubt bzw. Absolution dafür bietet (besser: Belohnungen, die ziehen, also viel guter Sex).

Bin halt klar positioniert als Pazifistin und gegen bloody revolution, daher das ablehnend.

Und die Geschichte gab mir recht – das sind lediglich mörderische Bestien und dahinter genau die gleiche Scheiße, die sie angeblich bekämpfen – Rattenfänger, allesamt. Und heute wissen wir ja auch, hinter allem steckt immer der tiefe Staat, der Verfassungsschutz ist eher Zuschauer dabei, es sind die verdeckten Nato-Truppen, Gladio etc. Also: Die Amis.

Aber zurück zum Stück „Gotteskämpfer“.

 

Ein Ex-Salafist, eine Benediktinerin aus Köln (christlich mit viel Freiheit und Lebenslust, weil aus Italien), ein jüdischer Psychotherapeut, einige Muslime und Muslima, agnostische und sekulare Menschen.

Interessante Einstiegspunkte in die Sinn-Suche (die immer eine Sinnstiftung ist, finden tut mensch nix, nur eine Leiter oder einen Turm bauen oder ein Loch graben, oder halt den GOTT IN ALLEM entdecken, wofür logischerweise jeder Einstieg gut und richtig ist).

Kopftuchfrau, wie passiert sowas, und was sagt die Mutter selbst heute dazu, wie sie das gemacht haben. Referiere ich hier nicht; nur das: Heute würde sie es anders machen. Weil: War behindernd für die Tochter, insbesondere der Bildungs- und Ausbildungsverzicht. Aber das Christentum hat den „natürlichen Schwachsinn des Weibes“ so lange gepredigt, bis ihnen die Macht entzogen wurde mit Gewalt, also keine Überlegenheit. Sondern: Alle ziemlich scheiße und Verbrecher, die organisierte Religion in Kooperation mit Staat immer fies und mörderisch, jede.

Aber halt auch Wissen, Kultur, Techniken, Regeln – sinnvolle Dinge. Der Teil stets wertvoll.

Ausbildung, Beitritt, wie? Christen: 2 Jahre Vorbereitung, danach lebenslanges Lernen. Juden: 3 Jahre Vorbereitung, danach Prüfung. Islam: Einen Satz – Gott ist Allah, und Mohammad ist sein Prophet – drei Mal mit hinreichender Überzeugung sagen. Den Rest erledigst du durch Befolgung der 5 Säulen und die Teilnahme an der UMMA.

  1. öffentliches Glaubensbekenntnis
  2. tägliches Gebet
  3. soziale Spende
  4. Fasten während des heiligen Monats Ramadan
  5. Hadsh – Wallfahrt nach Mekka, für Männer ein mal im Leben verbindlichEindrücklich die Geschichte des Therapeuten. Armeedienst צְבָא הַהֲגָנָה לְיִשְׂרָאֵל (jede*r, Frauen 21 Monate & Männer drei Jahre aktiv und bis 55 immer Reserve), Verweigerung des Dienstes wegen GAZA, Vision von einem Wald bringt in zwei Jahre später an diesen Wald, und er sieht die Gaskammer-Fundamente, wo die Großeltern ermordet wurden. Auch das ist Religion: Der Geist Gottes – ruach elohim – überOświęcim

Sehr interessant war es, viel gelernt, und fast dran am Wesentlichen.

Religion immer unendlich tief, in jeder Religion gibt es die radikale mystische Minderheit, die an die Wurzeln geht, und immer finden sie die gleichen Dinge, weil es eben so IST WIE ES IST.

Ich ergänze mal kurz. Was nun kommt, ist von mir. Im Namen der EINEN.
Die ALTEN RELIGIONEN sind immer Pro-Sex, weil das das Wichtigste überhaupt ist. Kein Sex, keine Kinder, kein Überleben. Und Pro-Rausch, weil ohne Extase keine Erkenntnis.
Monotheismen sind Frauen-Kontrolle bzw. Sex-Kontrolle und „Drogen“-Kontrolle. Die Anti-Liga. Unterwerfung, dienen. Zeichen der Unterwerfung sind natürlich Einschnitte und Verbote, freiwillige Fesseln der Bestie Mensch. Zivilisation statt wilder Menschen.

Religion setzt im Islam an, wenn Unschuld (Kindheit) rum ist und Sex beginnt. Da kommt Kopftuch, weil Haare der Frau == Sex. Juden, da geht es um Beschneidung und Penisse, ein intimes Zeichen. Christentum, natürlich auch Gott == Phallus, daher Frau halt Teufelszeug von Anfang an, die erste Frau – Lilith – will sich natürlich nicht unterordnen, worauf Adam sie weg schickt und eine neue bestellt. Die kriegt er – Eva – und durch sie dann zur „Erkenntnis“, Erkennen meint Ficken im AT. Schlange ist natürlich Kundalini, Apfel ist sowieso gesund und war natürlich, da der ursprüngliche Garden Eden in Mesopotamia liegt in der Nähe von UR, ein Granatapfel, dann natürlich: Vertreibung aus dem Paradies; dort kommen die Kinder her, und als Kind (oder als Seele) kannst du da auch wieder hin. Sonst freilich nicht, und Reiche sowieso keine Chance, da wartet die HÖLLE. Minimum Fegefeuer, aber eher ewige Qualen.

Der Teil, dass diese Monotheismen mit Gewalt das Matriarchat der letzen 4000 Jahre ausgerottet haben, dass praktisch keine das mochte, was diese kranken Spinner so raus gehauen haben, dass sie alle ermordet haben, die dagegen waren und sich friedlicher oder schlechter bewaffnet zeigten; das wir seit 2000 Jahren leiden deswegen — kein Wort dazu im Stück, schade.

Völlige Leerstelle bei den ursprünglichen Religionen, völlig Falsches (aber nur ein Satz, nebenbei) über den Buddhismus – egal. Neu-Heidentum (was schwer im kommen ist) und viele andere Konstruktionen, die unterschiedliche Simulationen von Gott enthalten, waren nicht im Blick. Kann ja auch nicht alles abgehandelt werden, und dem Autor des Stückes ging es ja um Dialog-Ansätze und die hier ansässigen Institutionen.

Publikum bestand aus bürgerlichen (Pseudo-)Bildungs-Bonzen, man hatte Geld und Stil und Habitus und war dort angenehm unter sich – bis auf meine Erhabene Person, ich stach als Vertreterin der satanistischen Erkenntnis und Sonnenstich-Milizionär ziemlich raus, Anzug und Hut bzw. Grüne Haare, lustig das sowas simples heute noch (oder wieder?) provoziert – waren lediglich noch eine angehende Theater-Gruppe von Prekären dort … die habe ich natürlich alle kennen gelernt, später. Bin nämlich nach dem Stück nach Besichtigung des Publikums (für mich hört das Leben nie auf, ein Schauspiel zu sein) mit einer bis dahin mir unbekannten Gruppe noch in die Keupstraße mit gezogen & mäßig lecker gegessen. Interessante Gespräche gehabt, tat gut.

Prima Leute, unter anderem eine sehr liebe Frau aus der Ukraine, die ein Herz in der Größe eines Elefanten hatte – und mich sehr verliebt lange angeschaut hatte beim Rauchen vor der Tür, da konnte ich ja nur auf freundlich schalten, obwohl ich noch die Gelegenheit wahrgenommen habe, einen bildungsbürgerlichen Deppen verbal einen Kopf kürzer zu machen dafür, dass er zwar kein Latein kann, aber dafür auch ohne eigene Recherche und Bemühung bereits weiß, was bedeutet Religion, was ist Gott und was nicht. Sowas tut meinem Mind weh in praktisch allen parallelen Dimensionen.  Bedeutung wissen, Wort nicht kennen? Logic Fail.

religio, die Rückbindung, nämlich: Des Menschen an das Leben und die Gemeinschaft, also eine essentielle Funktion.

Stellte sich raus, der Ahnungslose ist natürlich ein Theater-Author (LOL!).

Die Ukrainerin aus Sophia und ich, wir waren einig über die Liebe als Basis von allem – was sich theoretisch auch mit Thora und Bibel, nicht aber dem Islam(!) deckt. In der Praxis geht es um Geld und Macht und Weiber, und wer die kontrolliert.

Faktisch sind Monotheismen programmatisch um BDSM und das Thema UNTERWERFUNG (auf allen Ebenen, Sinnstiftung immer totalitär!) angesiedelt, sie sind die Matrix, die Unterdrückung rechtfertigt, und alles andere kann mensch dort finden, aber auch oft ist es eben eher außerhalb, denn GOTT ist skeptisch gegenüber Häusern … Jesus hat es klar gemacht, es geht darum, raus zu gehen zu den Armen und Bedürftigen. Dort findest du, was wirklich zählt.

Wer hier keine irre Schwuchtel sieht … immer richtig, ist ja ein „Mann“ und offenbar einer, der die Liebe mit einer großen Geste (so groß ist meiner!) auszudrücken bereit ist. Die drei goldenen Klos, das IST Stil. wurde aber leider nicht verstanden. Wieso braucht der drei Klos? Nun, wenn alle auf einmal müssen, ist das praktisch, und zwei Chorknaben sind ja wohl das Minimum.
 
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