Deutschland 2016 – Einkommen und Besitz

Wie es aussieht, sagen uns Statistiken. Einkommensverteilung. Wie viele verdienen wie viel, eigentlich? Kapiert niemand. Zahlen sind nicht anschaulich. Wie es aussieht, sieht man nicht aus Zahlen, sondern aus Körpern.

Lego-Modell - Einkommens- und Besitzverteilung BRD 2016
Lego-Modell – Einkommens- und Besitzverteilung BRD 2016

Lego ist anschaulich. Also hier ein Modell aus Lego. Blau ist die Gesellschaft mit ihren Institutionen, die Farben sind Schichten. Zwei blaue Figuren links und rechts, das sind die Arbeiter. Die tragen das System. Der links hat Arbeit, der andere nicht oder nur prekär. In der Mitte ragt ein Turm aus farbigen Steinen nach oben – das ist die Bevölkerung, in die Länge gezogen nach erzieltem Netto-Einkommen. Die Höhe im Turm entspricht einem gewissen Einkommen in Euro. Die blaue Säule unten – das Fundament der Säule – das ist Harz-4 als nominelle Einkommens-Untergrenze. Drunter kann mensch aufstocken, wenn mensch deutsch ist. Die Armutsgrenze, das ist die blaue Mittelachse. Drüber liegt die mittlere Mittelklasse (rot), deutlich darüber die obere Mittelklasse (grün), gefolgt von den Reichen und den extrem Reichen. Die Zahlen und Volumina (als Abbildung von prozentualen Bevölkerungsanteilen) hab ich mir nicht ausgedacht, das ist nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, mit Zahlen aus der ZEIT und von wirtschaftsfreundlichen Zahlenliferanten. So sieht das aus: Besitz ist codiert als Steine, die neben der Mitte plaziert sind. Die unteren Schichten haben ein Einkommen unter der Armutsgrenze (schwarz, braun) und besitzen praktisch nichts (1-3%).  Dann kommt die mittlere Mitte. In dieser Gruppe sind 50% der arbeitenden Bevölkerung – die besitzen immerhin 20% … während die gehobenen Lakaien (grün, ab 2660€ netto/Single, immerhin 10% der Bevölkerung) ebenfalls 20% besitzen. Die reichen Weltbesitzer (gelb, 6,5%) und die winzige Gruppe von wirklich richtig reichen Leuten (hellgrüner Stein) sind natürlich in einem feineren Modell eine sehr viel höhere Spitze – die extrem Reichen sind in keiner Statistik gut erfaßbar.

ach, mach ich erstmal einen repost von FB, habe es da schon mal zusammen geschrieben … Vielleicht komme ich mal *irgendwann* dazu, das hier enthaltene visuelle Argument noch etwas auszubauen. So von wegen Klassengesellschaft.

Einkommens-Säule BRD 2016 Lego
Einkommens-Säule BRD 2016 Lego

Statistik in Lego: BRD – Einkommenspyramide und Vermögen.

Höhe: 1 Lego = 150€. Mittig die Zahl der Leute, die ein solches Netto-Einkommen beziehen – ausgedrückt als Volumen der Säule.

Die Bewertung bezieht sich auf das Einkommen von Singles.

Arme (schwarz) und untere Mittelschicht (braun) jeweils ca. 15%, mittlere (rot, knapp 50%) und obere Mittelschicht (10%) sowie die Oberschicht (restliche 10%).

Links daneben das Vermögen. 20% besitzen 80%. Und 80% besitzen 20% – wobei hier eine mittlere Mittelschicht mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 50% die Besitzer sind.  30% ganz unten besitzen praktisch nichts (1%).

Zahlen aus Spiegel, Zeit, FAZ, Armutsbericht. Alles ziemlich pi mal Daumen maßstabsgenau.

Und wie schön es paßt, entlang der Wirtschaft die Politik erklärend – das Wählerpotential der extremen Rechten liegt bei 15%, das wären hier die braunen Steine. Es gibt eine rot-braune Grenzzone. Schwarz wären die Nicht-Wähler. Vermutlich verschieben sich diese Übergänge nach oben. Rot ist die Mitte, in den Schattierungen grellrot, mäßig rot und mäßig schwarzrot zu haben, aufgeteilt 20-20-10, dazu 8 gutverdienende grüne und 4,5 liberale, das sind dann die ~62% gültige abgegebene Stimmen, so kommen die Volksparteien auf ihre Zahlen (die Nichtwähler fallen raus, und das könnten ja genau die unteren 40% sein). Das Modell erklärt gut 1) wieso und wo es sozialen Brennstoff durch Zuwanderung gibt – nämlich da, wo die Habenichtse a) auf die kleinen Leute am unteren Rand treffen – in direkter Konkurrenz um Jobs und Wohnungen und b) die Kleinbürgerlichen ihr Errungenes bedroht sehen sowie c) die wirklich Reichen sich zunehmend unsicher fühlen und logischerweise – so funktioniert jede Politik – Gruppen gegeneinander ausspielen.

Das Eigeninteresse der oberen 20% am Erhalt der bestehenden Ordnung dürfte beträchtlich sein – und das sind die Leute, die auch dafür sorgen, das alles so bleibt, wie es ist: Sinkende Löhne, steigende Profite. Bis alles nach oben verteilt ist. Was passiert eigentlich dann?

Mir ist klar, dass das Modell komplex ist, darum noch mal der Aufbau …

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Einkommensverteilung – wer verdient wie viel, wie viele Leute verdienen zwischen X und Y. Die Säule zeigt das an – Höhe = Nettoeinkommen, Dicke = wie viele Leute bewegen sich in dem Bereich (Bevölkerungsanteil). Form = künstlerische Freiheit, es soll/muss halt säulenartig geformt sein.

Und als zweite Information, wer besitzt wie viel?

Die Lego-Klumpen entsprechen dem prozentualen Anteil am Volksvermögen, die Farben sind der Einkommens-Säule zugeordnet.

Links: Besitz. Rechts: Netto-Einkommen. Farben = Schichten

Links: Besitz. Rechts: Netto-Einkommen. Farben = Schichten. Unterschicht/Schwarz (geht bis zum Boden runter, schlecht zu sehen, typisch, die im Dunklen sieht man nicht), dann untere Mittelschicht/braun. Besitz dieser Gruppen – zusammen 30% der Bevölkerung sind 1% des Volksvermögens (die ich hier nicht auf dem Bild habe).

Meine Interpretation steckt in den Farben:

Das sind einmal die 15-30% Deutschen, die gerade im braunen Sumpf unterwegs sind – 15% über (noch rot) und 15% unter (bereits braun) der 1420€ netto/Single-Armutsgrenze. Annahme: Die noch weiter unten – schwarz – gehen nicht wählen.

Ich finde ja, es gehört was geändert, es sind zu viele arm. So geht das nicht. Und es wird schlimmer, daher Aufstand. Maximal wären für eine Revolution von Unten gegen den Staat diese entrechteten, besitzlosen Schichten mobilisierbar, quasi Gangster-Ghetto-Aufstand. Erfolgschance: Null. Linke Parteien wählen ist auch eher mau in Deutschland. Die christlich-soziale Demokratie hat keine andere Idee für die Zukunft als das Durchwurschteln. Während das System weiter nach oben umverteilt, bis alle Sozialsysteme auf dem niedrigsten kontrollierbaren Stand angekommen sind und alles privatisiert ist. Daran wird sich absehbar wenig ändern durch ein Einsehen im Inneren des Systems. Der Staat löst nicht mal eben die Probleme. Sondern, der Staat garantiert, das alles in etwa so weiter läuft. Abweichung und Protest werden eingespeist und zu Waren konvertiert. Systemveränderung als Aktie? Kommt vielleicht mal.

Propaganda-Institute als private Medienkonzerne, das gibt es. Eine populistische Partei mit der Absicht, einschneidende Veränderungen vorzunehmen, würde den Staat nicht reformieren wollen (oder können), sondern übernehmen und anschließend zerstören – was die Nazis ja erfolgreich gemacht haben. Mittel der Wahl wären Ressentiments und Lügen. Demagogie. Und Medien-Kontrolle. Wenn das nicht da ist, dann indirekte Medienkontrolle über Provokation und Spektakel. Populismus mischt bekannte Versatzstücke zu einem klebrigen Schleim, und damit pappen sie ihre Visagen auf Youtube als neue Führer und Propheten, so wird das gemacht.

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