Mein Leben ist nicht einfach – oder: Shit happens

Unendlich dankbar dafür, dass das Jobcenter sich endlich bewegt hat. Ich war zuvor etwa acht Mal vorstellig geworden bzw. habe vergeblich versucht, zu den für mich zuständigen Leuten vorzudringen. Beim letzten Besuch hat es dann endlich geklappt, dass sie mein Ersuchen um Hilfe nun wieder bearbeiten. Auch wenn es nur eine kleine Atempause ist: Zwei Monate sind nun vorläufig bewilligt. Vorläufig, denn die Sachbearbeiterin, die für mich zuständig ist, ist im Urlaub. Wenn sie zurück ist, werden meine finanziellen Verhältnisse erneut geprüft. Während ich faktisch oft gehungert und knappe 25 Kg verloren habe – was man schwer übersehen kann, wenn ich vor dir sitze – sind die Jobcenter-Leute weiter daran, anhand von Papieren zu prüfen, ob ich nicht vielleicht doch heimlich reich geworden bin als Selbstständiger. Wirklich wahr. Was sie sehen und hören, was ein Mensch ihnen sagt und wie der aussieht, das zählt für sie nicht – nur was geschrieben ist, gilt als existent. Für mich ist das eine krass absurde und irreale Situation, jedes Mal wieder. Absolut unmenschlich und entwürdigend. Drei Monate lang habe ich keine Unterstützung bekommen, weil mein WBA (Weiterbewilligungsantrag) aufgrund eines(!) fehlenden Papiers schlicht nicht bearbeitet wurdeLag daran, dass ich arbeite und zugleich Unterstützung bekomme, weil die Arbeit nur wenig Geld einbringt (eher gar keins). Ich muss aber eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung machen, und das sind so Angelegenheiten, von denen ich wirklich nichts verstehe. Geld und Finanzen und der Umgang damit – das ist definitiv nicht meine große Stärke. Eher bin ich total unfähig, ich verstehe regelmäßig nicht, was diese Papiere mir sagen wollen und was ich wo wie eintragen muss. Finde auch dauernd nicht die richtigen Unterlagen. Echt scheußlich. Und weil ich in allen möglichen Schwierigkeiten gleichzeitig gesteckt habe, war ich auch psychisch ziemlich angeschlagen. Eher nicht in einem Zustand, wo du effektiv Angelegenheiten gut regeln und geduldig und freundlich auftreten kannst. Drei Monate ohne Unterstützung – das war sehr schwierig, weil ich als sogenannter Aufstocker (Arbeit für kleines Geld und parallel Harz 4) praktisch nichts verdient habe in meiner Arbeit und weil zudem die Auszahlung meiner Honorare quartalsweise erfolgte, so dass ich – ohne selbst Geld zu haben – für alle meine Ausgaben in Vorleistung treten musste.Irgendwas muss ich essen, irgendwie muss ich halbwegs respektabel auf der Arbeit aussehen, und irgendwie muss ich auch hin- und zurück kommen. Mobilität ohne Geld – da war es gut, dass ich alles mit dem Rad machen konnte. Bloß halt auch sehr lebensgefährlich, in Köln in der Stadt mit dem Rad unterwegs zu sein. Hatte mehrere Unfälle, zwei Mal eine üble Gehirnerschütterung – Auto auf Fahrradweg, Autotüre . Und recht oft bin ich sehr knapp dem Tod von der Schippe gesprungen – so wie in „Taxi drängt mich in den Gegenverkehr ab“ und ähnliches. Das ist kein Vergnügen, in einer Autostadt ein Radfahrer zu sein. Ohne Geld kann man Rechnungen nicht bezahlen, dann kommen Mahnungen und alles wird noch mal sehr viel teurer – wodurch es immer unmöglicher wird, an der Geld-Front wieder eine ruhige Situation herzustellen. Man wird sehr schnell ruiniert und obdachlos in unserem angeblich so sozialen Land. Mein Stromversorger hat mir gekündigt, ich hätte beinahe meine Krankenversicherung verloren, und wenn nicht meine Eltern mir geholfen hätten, auch meine Wohnung und vermutlich meine Freiheit. Denn ich hatte Ärger und viel Papierkrieg, und immer wurde gegen mich entschieden und ich wurde und werde mit Zahlungsanforderungen zugebombt, dass es aus ist.

Anzeigen wegen Körperverletzung (die ich gestellt hatte bei zwei körperlichen Auseinandersetzungen) – eingestellt

Anzeigen, die ich gestellt habe gegen Leute, die mich geschlagen haben, wurden eingestellt. Brille kaputt, das ist zwei mal so gewesen, jeweils ins Gesicht geschlagen worden. Keinerlei Gerechtigkeit, kein Ausgleich dafür – offenbar ist das nicht wirklich illegal, mir eine rein zu hauen. Da fühle ich mich so richtig gut in unserem Rechtsstaat. Nebenbei bemerkt – einmal war es ein Wachpolizist, der mir, als ich mit Handschellen gefesselt auf der Wache war, ins Gesicht geschlagen hat. Acht andere Polizisten drum herum, und sie haben sich geweigert, eine Anzeige wegen Körperverletzung aufzunehmen. Ganz großes Kino. So gewinnt der Staat seine Bürger sicher für ein gutes Verhältnis zu den Ordnungskräften. Nicht. Schon die Sado-Maso-Nummer mit den Handschellen war dermaßen übel – Handschellen super schmerzhaft eng, und wegen nichts – ich hatte lediglich verbal protestiert gegen eine völlig überzogene Maßnahme. Ordnungswidrig geparkt. Und dann krasser Stress mit Polizei. Wieso? Ich hatte angeboten, den Wagen korrekt zu parken. Aber der Polizist meinte, ich röche nach Alkohol und er wolle einen Test machen. Dem habe ich nicht zugestimmt, und schon ging es total brutal zur Sache, als wäre ich ein Terrorist oder so was. Heftig. Habe ich nicht für möglich gehalten, nicht in Deutschland in 2017. Fühlte sich eher an wie irgendeine beliebige diktatorische Bananenrepublik, wie ein ganz schlechter Film oder wie Faschismus. Jedenfalls nicht wie korrekte Polizeiarbeit. Aber wie gesagt – eingestellt. Nix passiert, alles super. Anzeigen gegen mich – ich bin tatverdächtig und muss zahlen, damit eingestellt wird. Und wieso? Da, wo ich geschädigt wurde, gab es keine Zeugen für mich. Es hätte welche geben können, aber ich war jeweils nicht in der Lage, es zu organisieren, dass diese Leute tatsächlich aussagen bzw. ich deren Kontaktdaten überhaupt habe. Allein ist sowas sehr schwierig, zumal wenn du vollkommen geschockt und verletzt bist und gar nicht recht kapierst, was abgegangen ist. Solche Sachen machen auch was mit deiner Psyche, es dauert, bis du wieder balanciert bist und klar denken kannst. Da, wo Leute mich angezeigt haben, war es stets eine Gruppe, die gemeinsam gegen mich vorgegangen sind. Angeblich hätte ich sie genötigt. Und wenn es mehrere Zeugen gibt, ist etwas natürlich eher auch – juristisch gedacht – wirklich wahr. Ich kann – offenbar dank meiner psychischen Superkräfte – eine ganze Gruppe von Leuten zu etwas zwingen. Sehr plausibel. Schön wäre es, bloß: Ich besitze gar keine Superkräfte. Nicht mal so viel Körperkraft, dass ich sie hätte verhauen können. Und ich habe auch niemanden beleidigt oder gar physisch angegriffen. Nur eine Meinung habe ich vertreten, und das deutlich. Hm. Egal, vorbei, wieder was gelernt. Wenn ich mich mit Leuten verbal anlege, ist das schon zu viel. Praktisch ein Maulkorb. Fresse halten – oder du kriegst eine rein. Meinungsfreiheit? Nur, wenn du die Meinung der Masse teilst. Dann allerdings brauchst du auch gar nicht irgendwas zu sagen.

Ausbildungsvertrag für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie) wurde mir gekündigt

So ähnlich ist es mit meiner Arbeit gelaufen. Das lief nicht gut, ich habe mich sehr kritisch geäußert dazu, dass im Rahmen von Verhaltenstherapie-Ausbildung völlig unwissenschaftliche Methoden und Techniken verpflichtend auf dem Lehrplan stehen. “Hypno-Therapie” nennt sich das. Keine wissenschaftliche Evidenz. Man könnte auch sagen: Pure Esoterik. Ich habe dagegen protestiert. Ergebnis – sie haben mir die Ausbildung gekündigt, in die bereits tausende Euros geflossen sind und wo sie an meiner Arbeit sehr gut parasitär verdient haben. Begründung: Ich bin unzumutbar. Auch das ist ganz großes Kino. So geht Kritikfähigkeit. Nicht. Von wegen Psychotherapeuten verstehen Menschen – ich hatte derbe soziale Schwierigkeiten, und alles, was sie tun, ist mir die Arbeit noch zusätzlich schwer machen. Dann wage ich auch noch, das Maul aufzumachen gegen postfaktischen Bullshit. Nee – das geht nun wirklich zu weit. Also haben sie mich raus geworfen. Weil ich ein verrückter, unzumutbarer Hooligan bin. Hm. Gibt mir zu denken. Offenbar bin ich wirklich nicht kompatibel mit irgendwas. und über die Scheiße, die mich umgibt, rege ich mich zu viel auf. Das ist auf Dauer ungesund. Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Auf einen Berg ziehen und dort alleine in einer Hütte oder Höhle leben. Wäre mir sehr recht.

Übler Fahrrad-Unfall

Anfang Juni 2017 – vor 10 Tagen – hatte ich dann einen üblen Fahrradunfall, bei dem ich fünf Zähne verloren habe. An einer Stelle am Rhein, wo es einen Hügel runter geht, ein kleiner Fahrfehler. So schnell kann es gehen. Bin da schon tausend mal runter gefahren. Diesmal ging es schief. Beinahe umgefallen, das wieder in den Griff bekommen, aber dann mit Wucht mit dem Metallzaun kollidiert – und mit dem Oberkiefer gebremst. Autsch. Krankenhaus. Zahnsplitter raus operiert aus Orten, wo sowas nicht hin gehört, sehr blutige und unschöne Geschichte. Am nächsten Tag war dann mein geliebtes Nihola weg. Nur ein paar meiner Sachen lagen da zertreten rum, vom Rad – was wegen Bruch des Lenksystems und des linken vorderen Rades an sich nicht mehr zu bewegen war – keine Spur. Sehr wahrscheinlich haben es kräftige Leute über den Zaun gehoben und in den Rhein versenkt.
Traurige Reste, wo tags zuvor noch mein Rad stand.
Meine Vermutung geht dahin, dass es die Gruppe von ukrainisch-stämmigen Nazis war, denen ich (mit anderen zusammen) in der Nacht vorher auf der Buchheimer Straße begegnet war. Die wollten uns zusammen schlagen, wir sind aber dank der Fahrräder schnell abgehauen. Am nächsten Tag waren diese Leute als Gruppe am Rheinufer unterwegs am nachmittag – da trafen sie mich wieder, es waren aber zu viele Leute da und sie sind nur durch gezogen, ohne was zu machen außer bedrohlich gucken. Nun denke ich, kann gut sein, sie waren nachts noch mal da, und mein kaputtes Rad stand halt genau am Unfallort, zwar ab- aber nicht an den Zaun angeschlossen. Wollte ich natürlich machen, blöderweise ging nicht, es weil das Schloß zu kurz war. So war es leider für diese Gruppe – oder andere Täter, genau sagen kann man es ja nicht – leicht gewesen, sich an dem Rad zu vergreifen. Wäre aus meiner Sicht eine plausible Erklärung, dass es diese Leute waren. Weil – es braucht schon sehr viel Kraft, ein Lastenrad weg zu tragen oder hoch zu heben. Die Dinger sind ordentlich schwer – das schaffen zum Beispiel sinnlos destruktive Jugendliche eher nicht. Aber ist nur ein Verdacht, es war ja niemand da und keine Zeugen. Könnte also jeder gewesen sein. Manche meinen, es sei bestimmt gestohlen worden. Dafür hätte es aber einen Transporter gebraucht, und der hätte auch nicht ans Ufer gekonnt, also wäre es nötig gewesen, das Rad ein Stück weit zu tragen. Wer hätte das gekonnt und gemacht, zumal es auch eine Reparatur in einer dafür vorbereiteten Werkstatt noch gebraucht hätte, bevor ein Dieb damit etwas hätte verdienen können. Deswegen glaube ich das eher nicht. Einer meinte, er hätte das Rad am nächsten Tag in der Wallstraße vor dem Computer-Laden gesehen (allerdings von recht weit weg, könnte auch eine Fehlwahrnehmung gewesen sein). Gesucht habe ich danach natürlich, nur nichts gesehen und auch sonst hat keiner was davon mit gekriegt. Aber egal, was fott es es fott.
Keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich bin zwar verletzlich, aber zugleich unzerstörbar. Das ist einfach meine Haltung dazu – und irgendwie geht es schon weiter. Aufgaben kommt nicht in Frage. Eher werde ich härter und konsequenter durch solche Erfahrungen. Ein Mann geht seinen Weg. Was ihn nicht umbringt, macht ihn stark.
Download PDF

Wie der neue Faschismus aussieht und funktioniert

Das Weltbild der Faschisten hat sich nie verändert. Die Welt ist ein Krieg von Rassen, wobei es eine Hierarchie der Wertigkeit der Rassen gibt. Oben, das sind die Weißen. Unten, das sind die Schwarzen. Die Juden sind das Böse. An den Juden liegt alles, sie sind die Strippenzieher. Kapitalismus, Kommunismus, und generell alles, was schlecht ist – das waren und sind die Juden.

Angestrebt wird ein Naturzustand, der per se gut ist, alle Probleme löst und etwa so aussieht: Jedes Volk besteht aus genau einer Rasse, hat eine gemeinsame Nation und darin genau eine Kultur und eine Sprache. Der Staat ist mit Nation, Kultur und Rasse identisch.

In der Volksgemeinschaft herrscht dann eine Hierarchie, mit dem Führer an der Spitze, dem alle unbedingt folgen. Abweichung und Kritik werden gnadenlos ausgemerzt. „Natürlich“, das ist heterosexuell. Männer stehen über Frauen. Deswegen werden auch die Entscheidungen nur von Männern getroffen. Frauen kriegen Kinder und kümmern sich um diese und den Haushalt. Das ist ihr natürlicher Ort.

„Natürlich“, das bedeutet auch, das immer die Starken recht haben. Wenn sie dies wünschen, können Starke die Schwachen schützen. Aber unnützliche Wesen braucht es nicht – Kranke zum Beispiel, die nicht heilbar sind, werden umgebracht.

Die Volksgemeinschaft wird als Projektionsfläche auch für die Sehnsüchte der Menschen gebraucht – es gibt da keine Klassen (sowieso eine Erfindung der jüdischen Marxisten, diese „Ausbeutung“). Es gibt in dieser Ideologie auch kein gesellschaftliches Unten und Oben, was irgendwie ungerecht wäre. Das ist der Teil von „sozialistisch“ in Nationalsozialistisch.

Globalisierung gibt es auch nicht mehr in der faschistischen Utopie. Wie Wirtschaft funktioniert, die nicht mehr exportiert und importiert und woher das deutsche Erdöl und die deutschen Bananen kommen werden – das wird sich zeigen.

Generell sind diese Weltbilder einfach und unlogisch – der Wohlstand, den Deutschland zum Beispiel hat, wird als selbstverständlich vorausgesetzt, die internationale Arbeitsteilung wird nicht bemerkt und analysiert. Als ob sowas in einem protektiv abgeschirmten Nationalstaat erreichbar wäre. Was im Rahmen einer solchen Politik tatsächlich gehen würde, zeigt Nordkorea.

Allerdings ist Faschismus immer expansiv – die Ressourcen des Planeten – wo sie denn dem Nationalstaat fehlen – müssen natürlich erobert werden. Wozu eine überlegene Rasse natürlich das Recht hat. Lebensraum im Osten, ein Platz an der Sonne, am deutschen Wesen soll die Welt genesen etc. Aktuell verbünden sich Faschisten und teilen einen Wertekanon. Nur: Sobald Staaten faschistisch regiert sind, sind sie im Krieg miteinander. Nicht wie jetzt überwiegend im Wirtschaftskrieg, sondern physisch mit Waffen. Wie das ausgeht, haben wir 1945 gesehen.

Der neue Faschismus ist nicht neu. Sieht nur ein wenig anders aus und hört sich ein wenig anders an, weil man nicht unmittelbar mit dem Weltenbrand und dem Holocaust identifiziert werden will – sonst wäre die Neuauflage dieser Menschheitsverbrechen, die zwingende Teile des Programms sind, vielleicht erschwert. Wobei ja an der positiven Besetzung des Begriffes völkisch gearbeitet wird und die Erinnerung an den Holocaust als nationale Schande diffamiert wird. Wohlgemerkt – die Erinnerung an den Holocaust, nicht der Holocaust selbst. Der war ja keine Schande? Nein. Sondern deutsche Wertarbeit.

Ideologisch ist alles alt am neuen Faschismus. Die Funktionsweise, also wie sich diese Leute breit machen, ist auch wie gehabt: Sie drehen alles um, Täter-Opfer-Umkehr und Freund-Feind-Denken plus Projektion des Bösen. Was sie vorhaben, werfen sie lautstark den anderen vor. Und sie gehen mit physischer Gewalt vor. Wo das nicht geht, bereiten sie es vor durch aggressive Rhetorik.

Im Einzelnen:

Der christliche Westen hat den Rest der Welt mit Invasionen und Kriegen überzogen, unterworfen, versklavt und ausgeplündert. Da kommt der Reichtum her, der jetzt hier ist. Und weiterhin wird Krieg geführt gegen die Armen, weltweit. Woran die deutsche Wirtschaft profitiert. Ohne Blut für Öl würde nichts davon gehen.

Das wird umgedreht. Nun sind wir im Westen die Opfer – wir werden durch eine Invasion besetzt, unser Wohlstand wird uns betrügerisch entzogen, unsere Frauen werden vergewaltigt, wir werden versklavt etc. Man wird uns unseren Glauben und unsere Freiheit nehmen.

Der weiße Mann hat die Frauen zu dummen Tieren degradiert.

Das wird umgedreht: Nun sind Männer die Opfer des Feminismus.

Der weiße Mann hat die nicht-weiß definierten Menschen massenhaft versklavt, unterdrückt und umgebracht. Sie durften keine Nationen bilden, keine eigene Kultur pflegen, hatten keinerlei Rechte.

Das wird umgedreht: Nun sind die Weißen in Gefahr, sie werden durch Nicht-Weiße ausgerottet und müssen sich der Umvolkung sowie der Rassenschande erwehren.

Der heterosexuelle Mann hat alle anderen sexuellen Identitäten brutal verfolgt und sehr viele ermordet. Es gibt eine historische Tradition, die letztlich einen bisher in seinen Dimensionen noch kaum erfaßten Massenmord an Nicht-Heteros beinhaltet.

Das wird umgedreht: Nun werden normale Männer verschwult und unterdrückt. Der Gender-Wahn zerstört die natürliche Ordnung. Etc.

Diese Liste ließe sich lange weiter schreiben. Immer ist das Muster gleich: Täter-Opfer-Umkehr.

Zweck der Übung: Die alten Zustände, in denen Privilegien selbstverständlich waren, wieder zu etablieren. Und eine Rechtfertigung dafür zu haben, wieso ein solches Ansinnen mit Massenmord angestrebt werden darf. Auch darüber darf man sich keine Illusionen machen – Ziel ist ein Bürgerkrieg, eine faschistische Regierung, ein großes Aufräumen. Und Blut soll spritzen.

Nun ist es allerdings so, dass dieser Krieg nicht irgendwann kommt, sondern bereits ausgetragen wird. Es werden Menschen angegriffen von den Faschist*innen, jeden Tag. Und da, wo faschistische Herrschaft bereits Realität ist – da werden die Schwulen umgebracht, die ethnischen Minderheiten mit Krieg überzogen, die Opposition eingesperrt und gefoltert.

Neu am neuen Faschismus ist vielleicht die Optik und ein Teil der Rhetorik – mehr nicht. Es gibt ein Durcheinander von ideologischen Versatzstücken, das ist recht beliebig und post-modern. Weil alle politischen und sozialen Bewegungen auch nach rechts außen anschlußfähig sind – paradoxerweise auch der Antifaschismus und das Judentum – ist das verständlich.

Was daraus werden wird? Ich weiß es nicht. Nichts Gutes, so viel ist sicher. Anti-Humanistische Bewegungen richten massive Schäden an. Was allerdings auch Bewegungen, die sich explizit als humanistisch definiert haben, hin bekommen haben. Und in post-faktischen Zeiten kann der Faschist sich als Verteidiger der freien Rede und der Demokratie gerieren, ohne auf allgemeinen Widerspruch zu treffen.

Einige Geschehnisse aus den USA unter dem neuen Führer:

https://www.colorlines.com/articles/growing-alliance-between-neo-nazis-right-wing-paramilitaries-and-trumpist-republicans 

Woraus besteht ein Faschist – psychologisch und soziologisch betrachtet?

  • Konventionalismus. Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes.
  • Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.
  • Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.
  • Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.
  • Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals, die Disposition in rigiden Kategorien zu denken.
  • Machtdenken und „Kraftmeierei“. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.
  • Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.
  • Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt.
  • Sexualität. Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen „Vorgängen“.

Wie ist so ein Mensch strukturiert?

  1. Ängstliche Abwehr von Neuem und Fremden
  2. Rigides und unflexibles Verhalten
  3. Anpassungs- und Unterordnungsbereitschaft
  4. Orientierung an Macht und Stärke
  5. Feindseligkeit und unterdrückte Aggressivität
  6. Konformität
Download PDF

Liberalisierung (Privatisierung) von Wasser

Ein lebenswichtiges Grundgut zum privaten Eigentum zu wandeln – das ist schon mit Land, Pflanzen, Tieren, uns Menschen, mit Häusern und Wohnungen etc. passiert. Das Ergebnis immer: Hast du nichts, kriegst du nichts. Es gibt Landlose und Wohnungslose, Hungernde, es gibt die grausame Realität der Tierfabriken, die abgeholzten Wälder.

Nun also Wasser. So sterben die Armen schneller aus – nur drei Tage, dann sind sie tot.

Zynisch, aber so sieht es aus. Wer meint, das sei so nicht – heute verhungern sehr sehr viele Menschen, während die Discounter Nahrung wegwerfen und Leute strafrechtlich belangen, die sich was aus dem Müll fischen.

Natürlich kommt dieser Aspekt – wenn Wasser privat ist, kann der Preis des Wassers leicht das überschreiten, was sich Menschen leisten können, die wenig oder kein Geld haben – in der Diskussion nicht vor, wenn mensch sich die Überlegungen des Umweltbundesamtes ansieht. Auch die Frage – was passiert in den Gegenden, wo es sich nicht mehr lohnt, die Versorgung anzubieten, wird nicht gestellt.

2000, Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1/dokumente/1888.pdf

Bei der Eisenbahn haben wir es gesehen, bei der Telekommunikation auch: Es gibt automatisch abgehängte Gebiete.

Da gibt es dann in Zukunft halt kein Trinkwasser mehr? Wer privates Grundwasser anbohrt, ist ein Dieb? So wie früher, als das Wild im Wald auf einmal nicht mehr allen, sondern dem Fürsten gehörte – wodurch ein neuer Typ von Kriminellem geschaffen war – der Wilderer.

Hier ein Beitrag vom Deutschlandfunk zur Liberalisierung des Wassers. Mehr dazu, wenn ich mehr recherchiert habe (falls ich dazu komme).

Im Grundsatz – wo kommt das private Eigentum eigentlich überhaupt her? Es gab in der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte wenig, was als Eigentum angesehen wurde. Das, was du an dir getragen hat, vielleicht eine Kiste voll. Vielleicht ein Pferd. Aber nicht 30% von New Jersey.

Dann kam ein Prozess, der sich durch die Geschichte zieht, und den Rosa Luxemburg beschreibt als ursprüngliche Akkumulation – das Allgemeingut (die Allmende) wurde zunehmend zum Privateigentum. Immer durch Gewalt und mit Macht gegen Widerstand durchgesetzt. Das kann bei Marx nachgelesen werden.

Historisch betrachtet trifft genau zu, was Proudhon gesagt hat: Eigentum ist Diebstahl.

Es findet sich ebenso in der Bibel: In den Häusern der Reichen liegt das geraubte Gut der Armen – das sagt der Prophet Jesaja.

Download PDF

Allen Kindern beide Eltern (Demo Köln 10. Juni 2017)

Zum dritten Mal veranstaltet der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. die Demo „Allen Kindern beide Eltern„.

Getreu dem Kölschen Grundgesetz „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht, ist Tradition; was dreimal geschieht, ist Brauchtum“ schaffen wir damit ein Brauchtum, also eine Veranstaltung, die ständig wiederkehren soll.

Väter fordern das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht ab Geburt, gleichberechtigter Ansprechpartner in Erziehungsfragen zu sein – und mehr Zeit mit den Kindern.

Dafür gehen wir auf die Straße und kämpfen für unsere Rechte, denn Väterrechte sind Kinderrechte!

Allen Kindern BEIDE Eltern!

Download Flyer

Spendenkonto:
VafK Köln e.V.
Sparkasse KölnBonn
BIC COLSDE33 – IBAN DE 95 370 501 98 19 318 812 60
Verwendungszweck: Demo 2017

Väter haben es satt, als Unterhaltspreller und Rabenväter dargestellt zu werden. Die perverse Aktion von Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Manuela Schwesig hat nicht der SPD geholfen, sondern uns.

Zeigt der Öffentlichkeit, dass wir ein starkes Team sind, kommt alle – und wer kann, bringt Flyer, Plakate, Infomaterial und alles mit, was auffällt.

Unsere Demo der gesamten Väterbewegung am 10.06.2017 soll bunt und laut werden!

https://www.youtube.com/watch?v=eBoJ7InMD5M

Veranstalter:
VAfK Kreisverein Köln
Download PDF

Antifaschistische Klassiker

„Die Klassiker lebten in den finstersten und blutigsten Zeiten. Sie waren die heitersten und zuversichtlichsten Menschen.“ Bertolt Brecht, „Me-Ti/Buch der Wendungen“, 1939.

Fortschrittliche Kulturschaffende und Intellektuelle wendeten sich in den Krisenzeiten von 1929 gegen nationalistische Hetze und Verhältnisse, die dem Menschen nicht würdig sind. Sie gaben den Erniedrigten eine Stimme, der Wut über die herrschende Ungerechtigkeit eine aufgeklärte und weltoffene Richtung, entlarvten mit wachem Blick den zunehmenden und von Justiz und Beamtentum tolerierten Nazi-Terror und wirkten für eine anteilnehmende und solidarische Gesellschaft.

Ihr Schaffen war aufrichtender Bezugspunkt und Ermutigung zu widerständigem und solidarischem Handeln gegen den aufkommenden Faschismus. Die Nazis mussten diese Kulturschaffenden und die Wahrheiten, die sie aussprachen, bekämpfen. Denn sie stellten der feigen sozialdarwinistischen Hetze, der dumpfen antiintellektuellen Romantisierung des „Ariertums“ und des soldatischen Gehorsams eine wissenschaftliche Weltanschauung, die Befürwortung des Lebens und die Überzeugung der gleichen Rechte aller Menschen entgegen.

Wenige Monate nach der Machtübertragung an die Faschisten, am 10. Mai 1933, brannten an den meisten deutschen Hochschulen die Bücher von jüdischen, bürgerlich humanistischen, pazifistischen und marxistischen Autorinnen und Autoren. Am 17. Mai auch an der Universität Köln. Nicht auf Befehl der NSDAP, sondern auf Initiative der Studierendenschaften unter Regie der völkisch-militaristisch gesinnten Burschenschaften und unter dem Wohlwollen breiter Teile der Professorenschaft.

Verbrannt und verboten wurden Werke von Heinrich Heine, Erich Kästner, Nelly Sachs, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Karl Marx und vielen anderen. Ihre Verfasser wurden verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder gingen ins Exil, wo etliche den Widerstand gegen den Faschismus als Geflüchtete fortsetzten.

Der Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis hat über 60 Millionen Tote gefordert, sechs Millionen Menschen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.

Und doch konnten die Nazis das „andere Deutschland“ nicht zum Schweigen bringen, haben Menschen widerstanden und konnte deshalb die Alternative einer menschenwürdigen Gesellschaftsentwicklung nicht vernichtet werden.

Das größenwahnsinnige „Tausendjährige Reich“ ist nach zwölf Jahren besiegt worden, der „Griff nach der Weltmacht“ endete mit der Kapitulation und vollkommenen Niederlage Nazideutschlands.

Text: Stammt vom AK Zivilklausel an der Universität zu Köln

Download PDF

WordPress-Post per Mail – ein Versuch

Merkwürdige Dinge, die passieren: Leute, die ich kenne, gehen vor mir weg, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Sie sehen, dass ich verletzt bin – und entziehen sich der Situation. Sagen nicht Hallo oder Tschüß. Vermutlich erwarten sie ein unangenehmes oder anstrengendes Gespräch, wenn sie mich fragen würden, was passiert ist. Das finde ich seltsam.

Würde ich einen treffen, dem was passiert wäre – ich wäre garantiert einer, der fragt, was los war. So haben die, die meine Freunde sind, auch reagiert.

Nicht aber die lose Bekannten. Von denen, die ich nicht kenne, kommen abschätzige, verschreckte oder auch verachtungsvolle Blicke.

Interessant auch dies: Um sich psychisch möglichst weit davon zu distanzieren – genauer: Die Idee, dass das jedem und jeder zu jedem Zeitpunkt auch passieren kann, abzuwehren – wird immer gerne konstruiert, dass das ja meine Schuld ist. Andere wären geschickter, schlauer, nicht so unvorsichtig, und daher in Sicherheit.

Bloodied, but unbowed. Nach dem Fahrrad-Unfall. Blut noch rot, das ist nun alles schwarzer Grind. Die härteren Bilder – die mit offenem Mund – erspare ich euch gerne.

Out of the night which covers me,
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeoning of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find me, unafraid.

It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.

Download PDF

Verluste, Schmerzen, Lektionen

Glück und Gesundheit sind sehr verletzliche Dinge. Ich spüre, dass ich lebe – weil alles weh tut.

Gestern ein schwerer Unfall mit dem Rad, in der Nacht wurden in der Notaufnahme des Universitäts-Klinikums die Zahnsplitter operativ entfernt, mir sind eine Reihe Zähne des Oberkiefers ausgeschlagen worden bei dem Sturz, nachdem ich mit Wucht ein Eisengitter gerammt hatte.

Heute wollte ich dafür sorgen, dass mein Nihola in die Werkstatt gelangt, damit der Rad- und Achsenbruch repariert werden könnte – aber es war schlicht und einfach weg, als ich am Unfallort am Rhein ankam. Da es nicht zu bewegen war, zudem angeschlossen (aber leider nicht am Geländer, weil die Kette dafür nicht gereicht hatte), gehe ich davon aus, dass es nun bei den Fischen auf dem Grund des Rheins gelandet ist. Muss eine Gruppe von Leuten getan haben, einer alleine kann das Ding nicht heben oder gar über eine Brüstung stemmen. Alles, was noch da war, waren einige zerstörte Teile meines Inventars und meine Iso-Matte sowie der Rest von der Hupe.

Meine Digitalkamera war mir zuvor an dem Tag bereits gestohlen worden und ich hatte mich geärgert über dieses Elend, nicht ahnend, wie knüppeldick es noch kommen würde.

In der Nacht war ich mit fragwürdigen Gestalten unterwegs, dabei trafen wir auch auf eine Gruppe von vier Nazis, die uns angreifen wollten – glücklicherweise war uns da die rechtzeitige Flucht gerade so gelungen. Der Chef von denen hat zwei Lebensrunen auf dem Unterarm tätowiert, kommt aus der Urkaine … ich sprach kurz mit ihm, bevor die anderen aus meiner Gruppe alarmierend weg wollten. Besser so; hätte auch da schon keine Zähne mehr haben können. Nun denke ich natürlich, die Nazis sind es auch gewesen, die mein Rad versenkt haben, weil ihnen die offensichtlichen linken Aufkleber darauf – Kein Mensch ist illegal, Antifaschismus bleibt Anti-Sexistisch und dergleichen – nicht gefallen haben. Wäre nahe liegend, denn diese Gruppe ist – nachdem wir nachts auf der Buchheimer Straße auf sie getroffen waren – auch nachmittags am Rheinufer Streife gegangen. Haben am Mäuerchen aber nichts gemacht, weil tagsüber da zu viele Leute sind. Können aber natürlich auch andere getan haben, so aus Jux und Dollerei und weil es so geil ist, andere zu schädigen. Allerdings, wie gesagt, zwei, drei durchschnittliche Jugendliche heben ein Nihola Lastenrad nicht hoch, da braucht es schon eine Menge Kraft.

Die Möglichkeit eines Diebstahls ist dagegen sehr gering bis ausgeschlossen – dafür wäre ein ziemlicher Aufwand nötig gewesen für einen Transporter und Leute zum Verladen und eine anschließende Reparatur des krassen Schadens am Lenk- und Fahrwerk. Ohne eine Werkstatt, die diese Teile beziehen kann, nicht gut machbar.

Nun – mein über alles geliebtes Lastenrad ist nicht mehr. Wir waren jeden Tag unterwegs zusammen, nun ist es weg. RIP.

Ich selbst stehe unter Schock, kann nicht mal trauern, so unwirklich ist dieses Hereinbrechen von Scheiße in mein Leben.  Hatte Angst, dass sowas passiert, vorher. Aber als ich es gesehen habe, da war in mir eine totale ruhige stille Leere, mehr nicht.

Habe auch einen so dermaßen geprellten Oberschenkel, konnte kaum laufen heute, die Anti-Schmerz-Mittel haben wenig genutzt.

Trotzdem meinen Sohn getroffen im Park, und wir hatten eine gute Zeit mit Star Realms spielen, Spirou-Comic lesen, herumvagabundieren und auf dem Spielplatz. Das beste mögliche Gute aus der Situation gemacht, auch wenn ich aussehe wie ein kaputt geschlagener Penner und mich völlig zerstört fühle.

Bekannte treffen auch komisch, so als wandelndes memento mori. Ein wenig Trost (Danke!), ein paar Plattitüden (was willste dazu auch sagen), und dann nichts wie weg und schnell was weniger Scheußliches ansehen.

Die mir nicht bekannten Leute, da gab es krasse Blicke – Angst, viel Verachtung, Ekel, teilweise gab es Vorsicht und Zweifel und danach ein wenig Empathie, natürlich weil ich mit Lukas unterwegs war und es mindestens für Eltern offensichtlich ist, dass da jemand ein lieber Papa ist.

Auf dem Spielplatz waren die Kinder-Reaktionen auf meine zerstörte Visage spannend – die fragen einfach nach und gehen damit ganz unbefangen um. Was ist passiert, tut es sehr weh, wachsen Zähne nach, solche Fragen gab es. Und toll, wie locker sich Lukas mit anderen Kindern anfreundet, sofort haben sie zusammen was gemacht und waren ganz beschäftigt.

Während ich zuschaute, vergeblich versuchte über Eltern-Inkompetenz diverser Art hinweg zu sehen und irgendwie auch dabei war, mir einen Reim auf dieses Schlamassel zu machen. War das nun Zufall – ein Pech, ein Unglück? Oder ein Fluch – gar der Fluch der bösen Tat oder so? Habe ich das verdient, ist es Karma? Ungünstige planetare Konstellation, Eso, Astro? Schicksal? Ein Fingerzeig Gottes, eine Prüfung?

Lukas fragte sich sowas auch. Natürlich habe ich nicht mit ihm über meine Sinnsuche geredet – sondern er erzählte mir davon, wie er bestohlen worden ist im offenen Ganztag der Schule – da sind ihm teure und seltene Pokemon-Karten aus dem vorschriftsmäßig unverschlossen zu haltenden Spind gezockt worden, und er weiß recht sicher, welches Kind das war (dessen Behauptungen, wie er plötzlich an einen Berg Karten und an diese recht besonderen Spezial-Karten gekommen ist, können schlicht nicht zutreffen).

Aber die OGS macht nichts, auch wenn da ein Wert von 50€ und ein komplettes Jahr kindlicher taschengeldgespeister Sammler-Tätigkeit gestohlen wurde. Keineswegs harmlos und Kleinkram, sondern gravierend. Einem anderen Kind sind nun auch Karten gezockt worden.

Und Lukas meint, er glaubt nun nicht mehr, das Gott uns eine Freude machen mag und wir dankbar sein sollen (was den Kindern auf seiner katholischen Schule als Tischgebet hinein doktriniert wird).

Sprach ich mit ihm also über Dankbarkeit und freien Willen und solche Sachen. Und auch darüber, ob es nicht einen Weg geben könnte, sich Revanche zu verschaffen.

Download PDF

Außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses

Das Ausbildungsinstitut hat mir gegenüber die außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses ausgesprochen.

Ich hätte durch meine kritischen Blog-Beiträge – allgemein zur Geschäftspolitik und zur konkreten Umsetzung von Arbeitsbedingungen sowie konkret bezogen auf die Thematik Hypnotherapie als verpflichtender Teil der Ausbildung – ihren guten Ruf geschädigt und mich zudem extrem unangemessen verhalten in Seminaren. Außerdem vorher Vandalismus in der Praxis. In der Gesamtschau sei damit klar, dass eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses ihnen nicht zugemutet werden könne.

Ich habe also meinen Praxis-Schlüssel abgegeben und meine Arbeit als Psychotherapeut in Ausbildung beendet.

Wie habe ich das aufgenommen?

Interessanterweise habe ich mich darüber nicht aufgeregt, sondern eher gedacht, wenn ich bloß als verrückter Hooligan angesehen werde und meine Kritik als Spinnerei abgetan wird, kann ich es mir sparen, meine Lebensenergie in die Veränderung von Strukturen zu investieren. Verstehen kann ich das natürlich – ich bin denen unangenehm, und sie wollen weiter machen ohne mich. Wäre ich nicht ich, ich würde es genau so sehen.

Seit 2010 bin ich in Köln, und habe also nun bald 7 Jahre meines Lebens darauf verwendet, diese dreijährige bis fünfjährige Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. Es waren anstrengende und unangenehme Jahre.

Hätte klappen können. Bei den anderen Leuten, mit denen ich angefangen habe, hat es funktioniert. Einige sind zwischendurch verzweifelt und haben sich verabschiedet, für die meisten Ausbildungsteilnehmer*innen hat es aber wohl funktioniert. Die strampeln sich jetzt in neuen, ebenfalls recht schwierigen Verhältnissen ab. Einige werden halt aussortiert, bei denen es nicht paßt – und ich bin so einer.

Ähnliche Muster habe ich früher schon gesehen.

An der Uni war es so, da haben auch die allermeisten Leute, die das Grundstudium hinter sich gebracht hatten, letztlich das Diplom geschafft. Nämlich die, die finanziell gut unterstützt waren. Aufgegeben haben zumeist die, die eben keinen finanzstarken bürgerlichen Hintergrund hatten. Oder die irgendwann gemerkt haben, das ist mir hier zu doof, ich mache etwas, was mir wirklich gefällt.

Bei der Promotion – habe ich auch versucht, bin aber auf 2/3 des Weges gegen die Wand gefahren – da war es ähnlich. Die gut angepaßten und leistungsstarken Leute haben ihren Weg gemacht, haben sich den Titel unter hohen persönlichen Opfern hart erarbeitet. Teil davon immer die Bereitschaft, sich in Hierarchien gefällig ein zu ordnen. Ich wollte gerne ein Professor werden, das ging aber nicht. Schade – hatte mir das gut vorgestellt, so mit Ansehen und Einkommen und einer intellektuellen Tätigkeit. Illusionen, die halt irgendwann sich als solche heraus stellen.

Davor – am Gymnasium – war es ähnlich. Fast alle hatten irgendwann Abitur, die weiß und wohlhabend und deutsch gestartet sind – raus geflogen waren zuvor allerdings andere Menschen, die typischerweise migrantisch oder arm waren oder wo es zusätzliche Schwierigkeiten gab. Wer sich auffällig zeigte, wurde entfernt, aussortiert.

In der verhaltenstherapeutischen Psychotherapie-Ausbildung findet sich eine spezielle soziale Auslese – fast ausnahmslos weiße junge Frauen aus der oberen Mittelschicht und Oberschicht. Alle, die so nicht sind, haben es schwer, diese Ausbildung zu absolvieren, denn sie kostet viel privates Geld und wird nicht durch den Staat und die Gesellschaft getragen, zusätzlich enthält sie einen langen unbezahlten Arbeitsabschnitt von 12 bis 18 Monaten, der regelhaft nicht vergütet wird.

Weil die Aussichten, danach gut zu verdienen, auch nicht rosig sind, gibt es einen starken Effekt von Selbst-Selektion – Männer gehen nicht in diesen Frauen-Beruf, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und Menschen, deren Familie sie nicht durchgehend finanzieren kann, gehen nicht in diesen Beruf. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen, aber wenige.

Es mag bei anderen Psychotherapie-Schulen anders aussehen. Vermutlich ist es dort aber eher schlimmer, was die soziale Auswahl angeht – die Ausbildung als Psychoanalytiker*in kostet erheblich mehr als Verhaltenstherapie, und soweit ich weiß liegt die tiefenpsychologisch orientierte Ausbildung irgendwo dazwischen.

Ich bin immer privilegiert gewesen – deutsch, weiß, männlich, wohlhabend, heterosexuell, intelligent, keine wesentlichen Beeinträchtigungen durch körperliche Handicaps. Dadurch war es für mich praktisch kaum möglich, die Welt um mich herum zu verstehen, wo solche tollen Bedingungen eben zumeist nicht vorhanden sind. Glücklicherweise bin ich durch eine Lebensphase, die ich außerhalb von Deutschland verbracht habe, wesentlich geprägt worden. Aus der massiven Irritation, die der Versuch mit sich brachte, sich hier zu integrieren nach fünf noch mal mehr privilegierten Jahren in Istanbul, konnte ich dann viel lernen. Wenn Dinge in tausend Teile gehen, die für selbstverständlich gehalten wurden, und es danach nie wieder gut wird, dann ist das ein steter Quell von Erkenntnis und auch von Selbstkorrektur.

Gelernt habe ich – für die anderen ist die Welt viel härter. Und sie ist brutal, es ist schockierend und verletzend, wie ungleich und wie ungerecht die Verhältnisse historisch auf diesem Planeten gestaltet wurden und gestaltet werden – mit einer mörderischen Gewalt. So kam das, dass ich ein starkes Interesse an politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten entwickelt habe, und auch meine Positionierung als Mensch, der sich klar dafür einsetzt und engagiert, dass diese zerstörerischen Kräfte, die millionenfach Leben kaputt machen, durch irgend eine Form von positiver Kraft vielleicht eingehegt werden würden. Die Vorstellung, dass diese Welt immer so weiter laufen würde, war mir stets unerträglich – weswegen ich glauben wollte, das es dazu Alternativen geben könnte, die auch gesellschaftlich irgendwann zum Tragen kommen würden.

Natürlich sind die Ergebnisse aller Versuche, an denen ich mich beteiligt habe, konkrete Utopien mit Leben zu füllen, immer wieder kaputt gegangen, wohl deswegen, weil uns ein System umgibt, was Rahmenbedingungen setzt, die eine ökonomische Basis für solche utopistischen Ansätze nicht ermöglicht.

Den Schritt, das System zu bejahen und mich schlicht brav darin einzufügen, konnte ich nicht tun – warum, ist mir selbst nicht klar, aber es ging nicht, und wenn ich es versucht habe, ging es mir darin schlecht und elend. Ich ecke immer wieder an, und das ist nicht zufällig so. Es hat mit meinen wesentlichen Eigenschaften zu tun, vor allem damit, dass ich für mich festgestellt habe, dass Erkenntnisse zwingend sind. Was ich einmal für mich erkannt habe, dahinter kann ich nicht zurück. Und die Versuche, mich zur Annahme einer anderen Position zu bewegen, haben ihren Anteil an meiner Beharrlichkeit – wenn man mich bedroht oder angreift oder zu zwingen versucht, dann verfestigt sich bei mir die Wahrnehmung, dass ein systematisches Unrecht passiert.

Nun bin ich also mal wieder ausgegrenzt worden, weil mein Verhalten Anstoß und Ärger erregt. Gut. Vorher waren sehr viele Widersprüche da, die sich durch mich hindurch zogen – es war verwirrend unklar, wie ich mich sinnvoll und konstruktiv positionieren könnte. Viele Leute haben mir auch gesagt, dass sie nicht nachvollziehen können, wie jemand, der so anders und anti-konventionell fühlt und denkt und handelt, in einem Beruf arbeiten könnte, der ja vor allem daraus besteht, Menschen wieder passend zu machen für eine Arbeitswelt, die zutiefst nicht auf menschliche Bedürfnisse, sondern auf finanzielle Vorteile für die Chefs ausgerichtet ist. Wieso ich das gemacht habe, habe ich dann immer geduldig erklärt – Therapie ist nicht lediglich das Abtrainieren von störenden Eigenschaften und der Aufbau von sozial angepaßtem Verhalten, da steckt viel Wissen und Erfahrung drin, die für Menschen generell nützlich ist. Zum Beispiel wissen wir durch Forschung so einiges darüber, wie Menschen eigentlich funktionieren, und es gibt Methoden, die vieles bewußt beeinflußbar machen, was sonst als schicksalhaftes Leiden an die nächsten Generationen weiter gegeben wird. Im Rahmen von therapeutischen Prozessen sind Veränderungen im Leben von Menschen erreichbar, die sonst kaum vorstellbar wären. Leiden kann reduziert werden, es ist möglich, Gutes zu bewirken. Diese Motive waren stets tragend.

Aber nicht die einzigen – es gibt auch weniger altruistische Motive, namentlich Macht (als Therapeut*in hast du die Top-Position in einer dyadischen Beziehung automatisch, du steuerst einen Prozess) und Neugier (als Therapeut*in hast du Zugang zu einem enormen Informationspool, der unmöglich anderswo erschließbar wäre – so viele Lebensgeschichten, so viele Beispiele für Mechanismen, die menschliche Existenz prägen) und vielleicht auch Faulheit (als Therapeut*in hast du emotional schwer zu tragen, was mir zunächst nicht so klar war, aber körperlich ist es eher eine lockere Sache, und wenn du einmal kapiert hast, wie die grundlegende Arbeit – Identifikation und Modifikation von Verhaltensbedingungen – funktioniert, kannst du immer genau damit arbeiten) sowie Nicht-Langweiligkeit (als Therapeut*in hast du immer die Möglichkeit, es interessant zu machen, Variation einzubringen, zu gestalten – die Abläufe sind nie reine Routine, sondern immer herausfordernd).

Geld verdienen – dieses Motiv ist stets ein Proxy, dahinter steht immer etwas anderes, also Sicherheit, Macht, Bindung (Steigerung von sozialer Attraktivität, von Lebenschancen) etc. So ungeheuerlich das klingt, ich hatte immer genug Geld, außer ich habe mich ganz bewußt völlig abseitig bewegt (auch das habe ich für mich probiert, und festgestellt, es geht, aber es ist sehr sehr hart). Zugleich hatte ich immer das Gefühl, ich verdiene das nicht, dass es mir so gut geht, ich bin schuldig und irgendwie schlecht. Irgendwie müßte ich etwas tun, um mich als wertvoll zu beweisen – idealerweise etwas, was andere auch bejahen können.

Die Welt besser machen.

Wenn ich auf mein Leben zurück schaue, ist das offenbar ein uneingelöster Anspruch. Gut möglich, dass dies mit arg ungeeigneten Kriterien zusammen hängt. Die Welt ist groß, darin bin ich ein kleines Ding, und es ist völlig überheblich, individuelle Bedeutsamkeit zu behaupten. Besser, was soll das sein? Wenn etwas für mache besser wird, finden andere, es werde für sie schlechter. Auch das ist kaum geeignet, um zu sagen, ob ich das geschafft habe.

Was ich allerdings geschafft habe – Irritation auslösen, Anstöße geben, Veränderungsprozesse begleiten und auch teilweise aus Ideen mit anderen zusammen Projekte zu entwickeln, die über den Moment hinaus Bestand hatten. Ich kann ganz gut gegen etwas sein, und es ist leicht für mich, sprachlich harte Angriffe zu fahren. Wenn ich sozial geschickter wäre, könnte sich daraus was basteln lassen.

Ein System verlassen, was sich nicht reformieren mag, ist glaube ich gesund für Leute, die Veränderung und Lebendigkeit hoch schätzen.

Nun bin ich de facto kein Therapeut mehr, und auch kein Harz-4-Aufstocker mehr, sondern irgendwie draußen vor der Tür.

Auf das, was ich gelernt habe, kann ich sicher bauen, und nun steht es mir frei, neue und andere Ziele zu setzen. Viele spannungsreiche Kompromisse entfallen nun. Bin gespannt, was sich daraus machen läßt.

 

 

 

Download PDF

Bessere Menschen kommen (und ihr müsst hier weg)

Rund um mich herum sind Baustellen, alles wird mehr und schöner, das Alte weg und schnell neu. Es kommen bessere Menschen her. Wirtschaftlich gesprochen.

17. 6. 2017 – Demonstration

An den Ziel-Mieten der neuen Objekte läßt sich ablesen, dass diese Menschen ungefähr doppelt so gut sind wie die, die aktuell hier leben.

Richtige Leistungsträger können sich eben auch mehr leisten.

Mir gefällt das nicht, die Leute um mich rum zucken bloß mit den Schultern und machen weiter.

Wieso machen die das alle so brav mit?

Sie sind gezwungen, konditioniert, eingebunden, tragen Verantwortung, werden erpresst, sind Gefangene. Vielleicht ist das so.

Was ich sehe und erlebe:

Keine Kraft, keine Zeit, keine Lust, kein Bewußtsein für den Wandel, kein Gefühl dafür, dass es auch sie betrifft und vor allem sie auch etwas darin sein können, die Geschichte beeinflussen könnten.

Daraus könnte der Schluß gezogen werden, es müsse eben so sein oder es gehöre so, wie es ist. Diese Modelle werden vertreten – weil sie so bequem sind.

Fatalistische oder faschistische Modelle – wo entweder zwar die Bedingungen schlecht, aber eben auch unveränderbar sind oder im zweiten Fall alles erlaubt ist, was der Macht dient und die Welt immer in die Über- und die übrigen Menschen (neudeutsch Opfer) auseinander fällt; im Grunde die Mentalität und Moralität einer brutalen Verbrecherbande.

Beide Sichten auf die Welt erlauben es, die Empathie zu ignorieren, da wo sie die Effizienz mindert.

Ich kann das nicht. Wenn ich erlebe, was vor mir ist – da schläft ein alter Mann in einem Hauseingang auf dem Boden. Im Freien schläft der auf der Straße. Überall drum herum ist beheizter Raum, alles leer, aber beleuchtet. Und abgeschlossen.

Würde einer aufsperren, wäre der Alte nicht mehr der eisigen Witterung ausgesetzt. Ist doch scheußlich, so da zu liegen. Das will doch wirklich niemand.

Und es ist so verrückt. Ein Mensch friert auf der Straße – daneben ein leeres Haus, beheizt und beleuchtet und mit Klos und Wasser und Kaffeemaschine. Ein unnötiger Mangel, offensichtlicher kann es kaum sein.

In Steinzeit übersetzt:

Eine beheizte Höhle steht leer, drinnen brennt das Feuer – ein Alter sitzt davor im Freien in eisiger Kälte.

Wie könnte das passieren, das macht gar keinen Sinn?

Menschlich wäre, zu sagen komm rein alter Mann, du holst dir in der Kälte noch den Tod. Und wenn niemand da ist, würde man halt ans Feuer gehen, schon damit es nicht etwa aus geht. Muss ja jemand danach schauen.

Aber heute ist es normal: Dem einen gehört die Höhle, der andere hat daher mit Rücksicht auf die nun mal geltenden Regeln draußen zu frieren.

 

Download PDF