Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise

Kapitalismus ist ein System der privaten Kontrolle von Produktionsmitteln durch Eigentum. Unternehmen sind privater Besitz. Ihr Ziel ist es, Gewinn zu erzielen.

Damit aus einem Arbeitsprozess ein Profit entstehen kann, ist es erforderlich, Mehrwert zu generieren. Ein Produkt oder eine Dienstleistung wird wertvoller, weil aus den Ressourcen, die hinein gesteckt werden, durch Arbeit etwas gemacht wird, was am Markt mehr Geld einbringt, als die Ausgangsressourcen und der Herstellungs- bzw. Bereitstellungsprozess insgesamt kostet.

Der Mehrwert entsteht, weil Arbeit hinein gesteckt wird, und diese schafft den Mehrwert. Arbeit meint hier alle menschliche Anstrengung, also Körperkraft, Kreativität, Denkleistung, Prozesssteuerung.

Diesen grundlegenden Mechanismus hat Marx beschrieben. Und wer mag, kann sich daran versuchen, dieses Theorem zu widerlegen. Bloß – ich meine, das ist nicht möglich. Voraussetzung für Profit ist Mehrwert, und der wird durch Arbeit geschaffen.

Die bezahlte Arbeit geht uns aus – wovon sollen wir leben, woher kommt das Geld für den privaten Konsum?

Arbeit schafft Mehrwert. Allerdings ist das nicht notwendigerweise menschliche Arbeit: Durch Maschinen, die mit Strom oder Öl angetrieben werden, wurde Muskelkraft verdrängt. Eine Maschine hat viel mehr Kraft als ein Mensch, die außerdem billiger zu haben ist. Der notwendig menschliche Anteil – sich etwas ausdenken, Möglichkeiten nutzen, Ziele setzen, es organisieren, den Prozess steuern, spezielle Fertigkeiten und Arbeitstechniken, die situativ flexibel genutzt werden müssen, sprich Denken und Problemlösen – läßt sich bisher nicht automatisieren. Aber die Anteile, die früher Menschen erbracht haben, wo es um physische Kraft geht, die verschwinden praktisch gänzlich.

Wer sich eine Baustelle ansieht, erkennt sofort, was sich verändert hat – spezialisierte Teams von fünf Leuten für jede einzelne Aufgabe, insgesamt vielleicht 10 Firmen bzw. 50 Menschen – bauen unter Zuhilfenahme eines Maschinenparks (Kräne, Hebebühnen etc.) ein riesiges Parkhaus innerhalb von Wochen. Daran hätten in früheren Zeiten sicherlich hunderte Menschen sehr lange gearbeitet – nun geht so etwas sehr schnell und es werden sehr wenige Menschen benötigt. Die zusammengebauten Elemente selbst stammen arbeitsteilig aus anderen Produktionen – fertige Stahlträger, Betonblöcke etc. Desgleichen die Maschinen. Schnell geht es vor allem, weil nur zusammengebaut wird. Arbeitsteilung ist effizient.

Computer und Roboter heben diesen Prozess auf eine neue Stufe. Absehbar werden Produktionsvorgänge automatisiert und auch Dienstleistungen, da wo es machbar ist. Um zu produzieren, werden Menschen immer weniger gebraucht, jedenfalls im Rahmen von industrieller Massenproduktion.

Nun ist Lohnarbeit im Kapitalismus die Voraussetzung für privaten Konsum. Wer zu denen gehört, die ihre Arbeitskraft und ihre Fähigkeiten am Markt gegen Geld tauschen müssen, weil sie keine anderen Möglichkeiten der Erhaltung haben, kommt in die Situation, wo immer weniger Menschen als Arbeitskräfte benötigt werden – oder umgekehrt, wo viele Menschen für das System überflüssig werden. Gewinn machen mit immer weniger Menschen in Lohnarbeit, da stellt sich die Frage – wer soll die produzierten Waren und Dienstleistungen denn kaufen, und von welchem Geld?

Volkswirtschaftlich wirkt sich eine geringere Lohnarbeitsquote natürlich auf den Binnenkonsum negativ aus – weniger Geld an Arbeiter entspricht weniger Nachfrage nach Gütern. Die Lösung, die Deutschland gewählt hatte – Exporte – ist natürlich nicht nachhaltig, weil der gleiche Trend in jedem Land passiert. Also braucht es immer neue Export-Märkte. Letztlich ist der Planet natürlich endlich, es gibt also nicht unendlich neue Märkte zu erschließen.

Also: Automatisierung produziert billiger vs. Automatisierung reduziert die Auszahlung von Lohn und damit den Binnenkonsum. Alles kostet fast nichts mehr, bloß niemand kann es sich leisten.

Gute Arbeit ist zu teuer, deswegen gibt es nur noch immer schlechtere Arbeit

Zudem werden durch Einsparungen am Faktor Mensch die Arbeitsplätze schlechter – mehr Arbeit für weniger Geld unter schlechteren Bedingungen – so weit, wie es irgend geht, werden Kostenfaktoren gedrückt, das geht natürlich zulasten der Umwelt, der Gesundheit der Arbeiter*innen und letztlich zulasten der Gesellschhaft insgesamt.

Echte Nachhaltigkeit ist zu teuer für das System

Nur, wenn sie nicht praktiziert wird, ruinieren wir uns selbst und unsere Lebensbedingungen auf dem Planeten.

Wettbewerb und Monopole, Masse vs. Qualität

Kapitalismus ist effektiv, weil es Wettbewerb gibt. Wer billiger produziert, kann billiger verkaufen und drängt damit den weniger billigen Konkurrenten vom Markt. Dadurch ergibt sich ständiger Kostendruck. Alle Aspekte der kapitalistischen Produktionsweise werden immer darauf hin betrachtet, wo gespart werden kann.

Dadurch entsteht natürlich Uniformität von Produkten. Je mehr von einem Produkt in der gleichen Zeit und mit den gleichen Prduktionsweisen produziert werden kann, umso geringer die Kosten pro produziertem Teil. Und je größer der Markt – Stichwort Globalisierung – umso größere Stückzahlen können abgesetzt werden.

Logischerweise sind damit immer große Produzenten im Vorteil gegenüber kleinen, handwerklichen Betrieben. Was verschwindet, sind Produkte in kleiner Serie, und damit Diversifität. Etwas wird entweder massenhaft produziert oder gar nicht mehr bzw. ausschließlich für einen kleinen hochpreisigen Markt, eine Nische.

In der Folge entwickeln sich stets Monopole – und der Wettbewerb verschwindet. Diese Situation wird sich verschärfen. Zunehmend ist der Staat mit den Monopolen verbandelt und hat mit den Interessen der Allgemeinheit praktisch kaum noch zu tun. Das läßt sich gut studieren daran, wie Gesetze entstehen und wie stark der Einfluss von Lobbys darin ist.

Mehr, aber schlechtere Produkte

Auch die Qualität leidet. Es wird nur genau so gut qualitativ etwas gemacht, dass es gerade so besser ist als das Konkurrenz-Produkt, wobei wir sehen können, dass Qualität zunehmend geopfert wird zugunsten von Günstigkeit. Tendenziell werden Produkte also schlechter durch den Kostendruck.

Post-Nationalstaatlichkeit – der Wettbewerb um billigste Produktionsbedingungen. Konzerne, Antihumanismus und Autoritäre Regimes

Konzerne sind globale Player. Sie können alle einzelstaatlichen Regulatorien immer unterlaufen, indem sie an einem anderen Standort produzieren, der weniger Steuern nimmt, weniger Arbeitsschutz und weniger Auflagen in Bezug auf Ökologie stellt. Da Konzerne ausschließlich die Interessen der Anteilseigner verfolgen, sind sie immer desinteressiert an funktionierenden Gemeinwesen und Demokratie. Ein Staat ist für sie günstig, wenn er die Macht in möglichst wenigen Händen monopolisiert – denn nur die braucht der Konzern dann einzukaufen für seine Interessen. Dadurch begünstigen Konzerne das Entstehen von korrupten autoritären Systemen, die den Zugriff auf Ressourcen und Arbeitskraft billigstmöglich erreichbar machen.

Kapitalismus braucht offene Märkte – irgendwohin muss die wachsende Produktion ja abgesezt werden. Und Kapitalismus braucht offene Grenzen, denn er braucht einerseits Druck auf Arbeitslöhne (durch Arbeitskräfte aus ärmeren Regionen) und andererseits werden Spitzenkräfte gebraucht, da ist es wichtig, die besten Leute weltweit rekrutieren zu können. Problem dabei: Brain Drain. Gute gebildete Leute werden aus den Volkswirtschaften ärmerer Länder abgezogen, weil sie bessere Bedingungen in reicheren Ländern haben können. Beide Tendenzen sind im Rahmen von Globalisierung bechrieben worden. Der Widerstand von Nationalisten und Protektionisten gegen diese Trends bleibt wirkungslos, weil sie nicht über Mittel verfügen, den Konzernen wirkungsvoll Grenzen zu setzen. Dazu wäre kein einzelner Staat machtpolitisch in der Lage, und erst recht keine Volksbewegung irgend einer Art. Globalisierung läßt sich nicht stoppen, nur gestalten.

Gegenbewegungen wie die rechten Proteste und nationalistische Parteien können dieses Problem natürlich nicht lösen. Linke Ansätze – internationale Solidarität – scheitern bereits an der Tatsache, dass die Arbeits- und Lebensverhältnisse extrem unterschiedlich sind und dass es eine Hierachie der Privilegierung gibt, die jeder Solidarisierung zuwiderläuft. Niemand in den relativ reichen Ländern würde Wohlstand abgeben wollen und sich auf einem gemeinsamen Niveau begnügen wollen – was übrigens bei etwa 1000€ monatlich läge, wenn man schlicht das globale Wirtschaftsprodukt gleich auf alle 7 Milliarden Menchen verteilen würde. Wir alle im Westen sind Komplizen des Systems, seine Nutznießer. Auch die Armen hier sind besser dran als die anderswo, trotz aller Einschnitte in die Gesundheitsversorgung und generell die gesellschaftliche Infrastruktur ist es immer noch so viel besser hier – materiell betrachtet – als praktisch überall sonst. Was sozialen Zusammenhalt und Lebensglück angeht, ist das übrigens nicht unbedingt der Fall.

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Macht, Gewalt und Schmerz (Erziehung)

Viele Leute haben ein gespaltenes Verhältnis zu Gewalt. Ich auch. Macht und Gewalt, das ist letztlich das Gleiche.

Die beste Definition, die mir bisher unterkam: Macht ist die Fähigkeit, Schmerz zuzufügen. Findet sich bei Orwell im visionären Buch 1984 (was absolut alle Menschen gelesen haben sollten – denn es beschreibt exakt das, was gerade weltweit passiert). Die Definition von Macht als Fähigkeit, Schmerz zuzufügen, findet sich im Rahmen der Handlung dort, wo der Protagonist des Buches in der Folterkammer mißhandelt wird – namentlich dem Raum 101, wo alle Menschen auf das treffen, was sie am meisten fürchten.

Ziel von offener Gewalt ist es zumeist, sich überflüssig zu machen durch eine schmerzhafte Lernerfahrung. Danach hat das Gewaltopfer gelernt – ich kriege auf die Fresse, wenn ich mich nicht unterordne.

Diese Form von Gewalt – regelhaft praktiziert vom Gewaltmonopolisten – finden wir gleichzeitig schlecht und bejahen sie als Notwendigkeit.

Gewöhnlich werden wir uns der Widersprüche in uns selbst (nicht nur bezogen auf Gewalt) kaum bis gar nicht bewußt, weil unser Gehirn nach dem Prinzip arbeitet, Widersprüchlichkeit und daraus resultierende unangenehme Spannungszustände zu vermeiden und zu reduzieren. Angestrebt wird eine Balance, ein ausgeglichener Zustand, ein positives Selbstbild.

Wir wären gerne gut, und weil wir es nicht sind, schieben wir die unguten Anteile weg und verschieben sie auf andere – auf ein böses Außen, auf Fremde, auf Feinde etc.

Dieses Prinzip wurde unter vielen Namen in der Psychologie ausgeleuchtet.

Die unangenehme Spannung heißt zum Beispiel in der wissenschaftlichen Psychologie kognitive Dissonanz. Gut belegt – das Hirn will diese Dissonanz reduzieren. Wenn das gelingt, stellt sich eine Erleichterung ein, die als belohnend und angenehm erlebt wird. Deswegen ist es eine Entlastung, wenn ein Feindbild angenommen wird. Die Bösen sind die anderen.

Nun bleibt es nicht aus, dass im Leben Situationen der Konkurrenz und der Feindschaft auftreten. „Mein Schäufelchen – nein, meins!“.

Für beide Individuen ist natürlich das eigene Fühlen und Denken zugänglich, dass der anderen Person dagegen wird im Kopf simuliert auf der Basis von Vermutungen und Erwartungen. Es folgt eine Abwägung – kann ich mich hier durchsetzen? Was wird passieren? Und es passieren frühe Lernerfahrungen, die das ganze Leben prägen. Bin ich stark oder schwach? Bin ich im Recht oder im Unrecht? Bin ich geschützt – jemand hilft, wenn meine Rechte verletzt werden – oder bin ich hilflos ausgeliefert? Aus diesen Mustern, die sich in der Kindheit etablieren, kommen wir später nie wieder wirklich raus, jedenfalls nicht, was die Gefühle angeht.

Niemand ist gerne Opfer, wenn es um Gewalt geht. Macht erfolgreich ausüben – das ist schön. Aber es wird auch bestraft (sanktioniert), wenn die Gewalt gegen die Regeln ist.

Hier beginnt die Zerrissenheit. Kindern wird im Kindergarten gesagt: Du darfst nicht schlagen. Das ist eine Regel, und die wird mit Macht durchgesetzt. Bloß – was sie auch lernen MÜSSEN – wenn du dich nicht mit Gewalt behauptest, bist du verloren, denn die Erwachsenen sind nicht immer da als Schutz und Sicherheit, und andere Kinder sind zum Beispiel vom Temperament her sehr viel weniger regel-konform, nutzen Schläge also freimütig. Also wird vom kind erwartet, zu lernen, wann es mit wie viel oder wie wenig Gewalt wie gut durch kommt.

Und der Aspekt, den wir gerne nicht sehen wollen: Die Erzieherinnen verwenden andauernd Gewalt, sie strafen psychisch und physisch – was gerne abgeleugnet wird, aber mein Sohn hat es mir berichtet – zwicken, boxen, schmerzhaft fest greifen, herumziehen, einsperren, anschreien, beschämen, ausgrenzen, schikanieren, gezielt nicht helfen bei Situationen der Hilfsbedürftigkeit wie dem Klo-Gang etc. Vorschule, Schule, da ist es ähnlich.

Und natürlich verwenden Eltern viele Formen von Gewalt und Machtausübung. Erziehung ist leider nicht nur Lernen am Model (gutes Vorbild bzw. schlechtes Vorbild), sondern regelhaft ist sie gewaltförmig.

Wie sollte das auch anders sein? Einem Kind kannst du nicht argumentativ begründen, warum es besser sein soll, in die Kita zu gehen, als zuhause zu spielen. Wenn es nicht will, aber du zur Arbeit musst – dann zwingst du dein Kind, eben weil du selbst auch unter Zwang (Zeitdruck, Arbeitszwang, sogenannte Verantwortung) stehst.

Während ich das schreibe, höre ich eine Nachbarin im Treppenhaus, wie sie ihr Kind anschreit und zurechtweist. Es tut mir weh, und das Kind und die Mutter tun mir leid.

Eltern können nur sehr bedingt etwas dafür. Sie machen das ja nicht gerne. Sage ich was dazu, wenn ich so etwas sehe wie Mutter schlägt Kind, dann gibt es eine zornige aggressive Abwehr, die klar das zugrunde liegende Schuldgefühl offenbart.

Ein häufig vorgebrachtes Pseudo-Argument in diesem Zusammenhang: Ich schlage nicht. Also erziehe ich gewaltfrei. Damit fühlen sich Mittelklasse-Eltern den Proleten aus der Unterschicht moralisch überlegen. Leider stimmt das nicht.

Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass die FORM der Gewalt keine Rolle spielt für ein Gehirn. Der Schmerz – und damit die bleibende Programmierung, der psychische Schaden, das Trauma – ist genau gleich, egal ob psychisch, physisch oder beide Formen der Gewalt eingesetzt werden. Wer schreit, schimpft, psychisch Machtmittel benutzt, ist nicht gewaltfrei.

Möglicherweise – aber das wird sicher mißverstanden, trotzdem schreibe ich den Gedanken auf – ist eine Bestrafung physisch besser, denn sie ist ein körperlicher Kontakt von kurzer Dauer. Hintergrund: Strafe nutzt nur, wenn sie unmittelbar dem zu strafenden Verhalten zeitlich folgt. Sie muss eindeutig sein – weil sonst das Gehirn alle Verhaltensweisen hemmt, die rund um die Bestrafung aufgetreten sind. Strafe darf auch nur selten erfolgen, sonst passiert Gewöhnung, und die Strafe wird wirkungslos. Deswegen ist Schimpfen oft so dermaßen ohne Effekt. Auch wichtig zu wissen: Ein Teil der Menschen reagiert ÜBERHAUPT NICHT auf Bestrafung, egal wie hart. Und alle Menschen lernen nur dann wirklich etwas, wenn es Belohnung gibt – nur dadurch wird aktives Verhalten langfristig und beständig geprägt. Passivität (Angst, letztlich Depression) dagegen wird durch psychische Mißhandlungen gebahnt.

Nach diesem Ausflug in die Grundlagen der Psychologie kurz rekapituliert: Die Standardeinstellungen – was Leute sagen, dass sie für richtig halten. Es geht jeweils um Macht und Gewalt.

  1. Gewalt – definiert als verletzen, schlagen, töten – ist moralisch falsch.
  2. Kinder müssen Regeln lernen durch Erziehung. Man mus sie zwingen.
  3. Man darf und muss sich selbst behaupten. Das müssen Kinder lernen. Sie dürfen sich aber nur gegen andere auf gleicher oder niederer Hierarchie-Ebene durchsetzen – nicht etwa gegen Erwachsene.
  4. Ohne Staat und Polizei könnte eine Gesellschaft nicht existieren. Sie schützen die Institutionen Familie, Schule, Arbeitsplatz, Privateigentum etc.

Und noch mal der Hinweis – bei den meisten Konflikten geht es um wem gehört was und wer darf bestimmen.

Das ist deswegen wichtig, weil es die gesellschaftliche Dimension aufzeigt. Eigentum und Machtverhältnisse sind in unserer Gesellschaft ja weder zufällig noch durch eine gemeinsame Übereinkunft (Konsens) bestimmt. Sondern es haben welche Besitz, weil sie aus einer Familie mit Besitz kommen. Kinder haben, was Eltern ihnen geben (können). Und es haben welche Macht, weil sie in sozialen Rollen sind, die letztlich die vorher Mächtigen (der Staat und die Besitzenden) definiert und als Posten an von ihnen ausgewählte Personen vergeben haben.

Nun der Kernpunkt meiner Ausführung: Überall ist Gewalt. Die von oben nach unten wird für legitim erklärt, die von unten nach oben wird bestraft und kriminalisiert. Alle sind Opfer von Gewalt, und alle sind Täter. Was jeden Tag passiert, verletzt uns alle. Die Kinder heute tun es morgen ihren Kumpels und in der Zukunft den eigenen Kindern an. Und wir sind die Kinder von neulich, denen Gewalt angetan wurde.

Wofür das alles? Weil wir nicht frei sind, sondern arbeiten und profitabel sein müssen. Nennt sich Kapitalismus. Die Zurichtung von Menschen auf diesen Zweck bedingt die enorme verdeckte Gewalt in der Gesellschaft. Je mehr Konkurrenz, umso härter die Zurichtung. Das Spiel Alle gegen Alle ist kein Spiel, sondern es macht uns alle kaputt.

 

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Arbeit ist ein Menschenrecht (außer du bist eine Frau und verkaufst Sex)

Prostitution. Bürgerliche Doppelmoral, immer wieder der übliche Angriff auf Frauen, bemäntelt mit der Lüge vom Opferschutz. Faktisch werden so die Preise gedrückt und die Frauen komplett entrechtet und legal stärker unterdrückt. Und zwar von denen, die sie benutzen.

Dazu ein paar ausgesprochen weit reichende, schnell hingeworfene Skizzen.

Im Kapitalismus darf jede*r alles kaufen und verkaufen, was nicht gesetzlich reguliert und z.B. verboten oder monopolisiert ist. Theoretisch gibt es freie Märkte, praktisch: Nicht. Eine Sorte Drogen – die industrielle Sorte – wird auf Teufel komm raus in immer neue Märkte gedrückt, bis alle Lebewesen wenigstens so viele legale Drogen konsumieren, wie eben noch überlebbar. Maximierung des Gewinns. Eine andere Sorte Drogen – die agrarisch von Kleinbauern anbaubaren – werden weltweit extrem hart kriminalisiert. Um die Konkurrenz auszuschalten, und weil es eine weitere parasitäre Industrie – den polizeilich-militärischen Sicherheitsapparat – ermöglicht. Weil Krieg das lukrativste Geschäft ist, werden immer neue Kriege begonnen, die nie gewonnen werden können und auch nicht sollen.

Theoretisch gibt es keine Diskriminierung. Praktisch: Massive Kriminalisierung von ganz bestimmten Handlungen, nämlich: Verboten ist, was den Schwachen nützen könnte gegen die Starken. Als da wären: Straftaten gegen Eigentum, Anwendung von Gewalt von Unten, Durchbrechung der Meinungs-, Wissens- und Distibutionsmonopole. Das ist, was staatlich unterdrückt wird, auch wieder mehr Profit für den Sicherheits-Apparat. Durch: Copyright, Zensur, Regulation der Marktzulassung (Gewerbe- und Handelsrecht, Bankenrecht). Gerade auch: Menschenrechte werden de-universalisiert bzw. re-nationalisiert. Wer sich wie wohin bewegen darf, die Uhren werden zurück gedreht, die Grenzen hoch gezogen, massive Verluste an Menschenleben und massives traumatisierendes Leid und Elend als Folge, und wieder wird eine parasitäre Industrie (Gesundheitswesen, Entwicklungshilfe, Grenzregime, Sicherheitsapparat, Kriegsindustrie) ausgebaut.

System, das ist nicht eine platte Parole. Sondern: Hat sich immer weiter entwickelt, und zwar gezielt gesteuert von denen, die die Profitchancen beobachten und mit massivem Investment ausbauen. Nichts davon ist irgendwie Zufall oder Versehen oder so. Und nichts davon ist jemals gut gemeint für die Kleinen Leute – so wird es aber IMMER verkauft.

 

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Absichtlich gemacht

Welche Absicht dahinter steht, Absichten zu definieren, dürfte klar sein – es geht regelmäßig nicht um Lob, sondern um angemessenes Bestrafen. Eingehegte, legitime Rache. Eine Demonstration von Macht und Grenzen des Erlaubten. Schmerz, der zugefügt wird. Einst königliches Privileg, heute im Rechtsstaat in vernüftigen Grenzen öffentlich zugänglich – die Strafanzeige macht es möglich. Aber ob zivilisiert oder weniger zivilisiert, Strafe bedeutet Schmerz zufügen. Lerntheorie sagt, es wird nichts Sinnvolles gelernt aus Bestrafung. Also geht es nicht um etwas anderes als Machtausübung zur Befriedigung einer inneren Motivation des Strafenden. Und dafür braucht es Gründe, insbesondere für die gerechte Vergeltung einer bösen Tat. Da muß Absicht berücksichtigt werden. Absicht ist ein gerichteter Wille, eine Form von Vorsatz. ‚Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit‘, darum geht es den Juristen. Getan, um zu. So wird das formuliert.

Wenn etwas nicht gewollt war, kein Plan dahinter steckte, man etwas Schlechtes ohne böse Absicht getan hat, trifft einen auch weniger Schuld oder umgekehrt ist es schlimmer, etwas absichtlich (bewußt, gezielt, geplant, rational, kaltblütig, heimtückisch, unter Ausnutzung von erkennbaren Schwächen, mit Täuschungsabsicht) getan zu haben. Also Versehen, Irrtum, Fahrlässigkeit, Unkenntnis, heftige Emotion, Vollsuff und dann passiert was, das ist was anderes als genau so getan wie gewollt.

Manche können sowieso niemals nichts dafür, weil sie nichts kapieren oder einsehen können. Das wäre dann Unzurechnungsfähigkeit. Alles darüber von Georg Kreisler: Der „Onkel Joschi„. Dieser nette feine alte Herr. Hat es freilich auch gut, dass man ihn in Ruhe ließ, jedenfalls bis zum blutigen Ende. Ach, herrliches Lied.

Zurück zur Schuld. Wenn – wie das fast immer der Fall ist, wenn Menschen was fraglich legales machen und nachher streiten, was da passiert ist und wer es verbockt hat – es um einen nicht gewollten, aber in Kauf genommenen Schaden geht, dann reicht statt Absicht auch der Eventualvorsatz:

Oft trifft man aber auf die Konstellation, dass ein Täter den Erfolg eigentlich gar nicht will, ihn aber als – möglicherweise sogar unerwünschte – Nebenwirkung seiner Handlung in Kauf nimmt. Dieses Inkaufnehmen der Verwirklichung des tatbestandlichen Erfolges wird Eventualvorsatz genannt. Allgemein herrscht Einigkeit, dass für die Strafbarkeit einer Tat Eventualvorsatz genügt.

Gegen wirtschaftliches Handeln ist erstmal ja nix zu sagen. Gewinnmaximierung ist logisch. Sie zu wollen also für den rationalen Unternehmer Pflicht.

Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.
Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.

Was die vielen Menschen angeht, die durch den Hunger, die Armut und die Gewalt zu schaden kommen als Nebenwirkung von billigen Konsumgütern …

Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.
Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.

z.B. die „Wilden“, die mal die Gegend bewohnt haben, bevor der Wald jemandem gehörte … ist ja keine böse Absicht, wenn hier Leute vertrieben werden — bloß die Maximierung des Gewinns.

Hm, nachdenk, warte mal – Nebenwirkung und Inkaufnahme reichen aus für Strafbarkeit. Wie wir produzieren lassen in anderen Ländern, dürfte bekannt sein. Ist nun der Unternehmer schuld, der Staat, der Konsument, der Söldner – alle, keiner, manche, wenige? Sind es die Multis? Ist es das System der Finanzierung? Wer ist schuld an den kriminellen Mißständen?

Ist es kompliziert – oder in Wahrheit ganz einfach?

Die perfekte Vereinfachung – es sind die Anderen schuld, idealerweise eine kleine abgegrenzte Gruppe, die überall für anders definiert werden kann – führt bei Welterklärungen der völkisch-populistischen Art stets zum Ressentiment, auf das sich alle Nicht-Juden einigen können: Schuld sind die Juden, das raffende Kapital, ein paar kranke Bösewichter in einer an sich gesunden Wirtschaft, teuflische Widersacher.

Hitler hat das Potential dieser fiesen Form von Exkulpierung voll erkannt und mörderisch ausgeschöpft. In Nazi-Kreisen ist logischerweise auch der Jude schuld am Weltkrieg, war ja alles nur Notwehr gegen die Polen etc.

Canalterror – Maximierung des Gewinns

Tote Fische, Gift im Boden, Luft verpesten, Wälder roden
Babynahrung, Killerwaffen, raffen raffen raffen raffen
Düngemittel und Kanonen, konzentrierte Produktion
Leben für den Zinseszins zur Maximierung des Gewinns
(Ref.)
Die Multinationalen haben die Welt in ihrer Hand
Die Multinationalen sind die Herren in diesem Land
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
Strategie der Unterdrückung und der Manipulation
Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, alle Werte blanker Hohn
Was sie tun hat nur ein Ziel, Mitleid zählt da nicht mehr viel
Menschenopfer für den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.
Lebensqualität erhöhen haben die Multis nicht im Sinn
das Primärziel ihrer Wirtschaft lautet nur Bilanzgewinn
Nur ein Wort kann sie erheitern, das heißt ‚Kapital erweitern‘
und wir alle zahlen den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.

Aber auch der linke Protestsong als Genre bedient sich gerne der rechts-offenen Klischées – böse Multis sind die mitleidslosen Herren der Welt und vergiften die Welt mit Dreck, Gift und Lügen, dahinter stecken wenige, und die gehören abgeschafft. Statt den Klassenfeind mal genauer zu analysieren, produziert sich so der linke gerade wie der rechte Judenfeind – der sich gegen Vorwürfe wehren wird, die ihn als Antisemit markieren – als mutiger Aufklärer gegen den Zinseszins und die Konzerne.

Noch mal zum Mitschreiben: ‚Weltverschwörung‘ ist KEINE Analyse von irgendwas. Es ist eine bekannte Propaganda ‚rechter‘ wie ‚linker‘ populistischer Menschenfeinde, die zu Gewaltexzessen führt. The soil of Treblinka is rich in your guilt. Der Ausrottung von Juden folgt kein Paradies, sondern die Ausbeutung geht ungerührt weiter, weil. Egal, wie viele Menschen sterben, das System wird davon nicht berührt.

Die Welt wird politisch, sozial, kulturell, militärisch, wirtschaftlich etc. kontrolliert von einer Interaktion von Machtzentren unterschiedlicher Größe, die sich auseinander setzen und zusammen tun, und darin sind chaotische Prozesse auf vielen Ebenen wirksam, die niemand steuern kann.

Prozesse sind nicht zu 100% kontrollierbar. Es reicht ein wenig Komplexität, um die Dinge unvorhersagbar zu machen. Und Menschen, ihre Absichten und Pläne und Strebungen, das IST komplex. Viele davon, die untereinander sich balgen um Status und Vorteile, sprich Politik.

Ganz zu Schweigen von Emergenz, wenn Systeme höherer Komplexität entstehen. Sprich: Kein Mensch kann alles kontrollieren, auch kein Gott oder Computer. Diese werden immer durch eine logisch größere Klammer gerahmt, so wie in ‚einer der bekannteren Götter auf dem Planeten Erde im Anthopozän war xyz‚, als Randnotiz in „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Und Geld ist wirkungslos ohne den Rahmen, dem wir ihm geben – Geld regiert nicht die Welt, sondern Menschen, und genug Geld bedeutet ja auch nur Leben können, also scheissen sammeln jagen kochen essen werken trinken ficken schlafen. Wer mehr will als das Nötigste (also praktisch jeder außer dem Heiligen Martin, der Eremit ist) steuert mit am System von Kontrolle und ist logischerweise gefangen im Netz der Sünde – Konsum, her damit, was wollen wir noch? Und das Zeugs muss ja irgendwoher geholt werden und von irgendwem gemacht und so, und es muss was dafür geben, dass ich es kriege. Irgendwer hat dafür geblutet. Oder auch nur geschwitzt … oder es wurde lediglich Strom verbraucht. Idealerweise lediglich Licht einverleibt. Photosynthese macht vieles einfacher, moralisch gesehen. Als Mensch auch nicht so das Problem, von Pflanzen zu leben (weil sie anders bluten als wir). Und irgendwann bauen Nano-Maschinen aus Sonnenlicht und Irgendwas alles andere nach Belieben, dann ist die Erde im creative mode angekommen. Moralische Probleme beim Konsum, wieso überhaupt? Je näher der Konsum der Selbstverzehrung rückt, um so tabuisierter – nicht die eigenen Leute vergewaltigen, umbringen und aufessen – doch nicht solche, die sind wie ich. Das wir alle kapitalistische Menschenfresser sind, dog eat dog, das sollte und müßte so nicht sein. Möglich ist es, weil wir uns und die anderen als getrennt betrachten. Die Idee von Menschenrechten – alle Leute sind ‚die eigenen Leute‘, unverletzlich wie man selbst, egal wer und wie sie sind – bedeutet genau das Gegenteil. Alle sind eins. Was du anderen tust, tust du dir. Letztlich christlich. Jesus. Oder mystisch. Oder Buddha. Oder Atheisten mit Goldener Regel. Empathie und Respekt. Sich nicht teilen lassen. Ich bin du. Du bist ich. Alle sind letztlich eins, darin besteht ultimativ die Realität. Licht, Schwingungen. Und wer das anders sieht, der kriegt ein paar auf die Ohren. Bevor das hier zu Hippie-mäßig wird.

ORPHANED LAND – All Is One

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