Wie der neue Faschismus aussieht und funktioniert

Das Weltbild der Faschisten hat sich nie verändert. Die Welt ist ein Krieg von Rassen, wobei es eine Hierarchie der Wertigkeit der Rassen gibt. Oben, das sind die Weißen. Unten, das sind die Schwarzen. Die Juden sind das Böse. An den Juden liegt alles, sie sind die Strippenzieher. Kapitalismus, Kommunismus, und generell alles, was schlecht ist – das waren und sind die Juden.

Angestrebt wird ein Naturzustand, der per se gut ist, alle Probleme löst und etwa so aussieht: Jedes Volk besteht aus genau einer Rasse, hat eine gemeinsame Nation und darin genau eine Kultur und eine Sprache. Der Staat ist mit Nation, Kultur und Rasse identisch.

In der Volksgemeinschaft herrscht dann eine Hierarchie, mit dem Führer an der Spitze, dem alle unbedingt folgen. Abweichung und Kritik werden gnadenlos ausgemerzt. „Natürlich“, das ist heterosexuell. Männer stehen über Frauen. Deswegen werden auch die Entscheidungen nur von Männern getroffen. Frauen kriegen Kinder und kümmern sich um diese und den Haushalt. Das ist ihr natürlicher Ort.

„Natürlich“, das bedeutet auch, das immer die Starken recht haben. Wenn sie dies wünschen, können Starke die Schwachen schützen. Aber unnützliche Wesen braucht es nicht – Kranke zum Beispiel, die nicht heilbar sind, werden umgebracht.

Die Volksgemeinschaft wird als Projektionsfläche auch für die Sehnsüchte der Menschen gebraucht – es gibt da keine Klassen (sowieso eine Erfindung der jüdischen Marxisten, diese „Ausbeutung“). Es gibt in dieser Ideologie auch kein gesellschaftliches Unten und Oben, was irgendwie ungerecht wäre. Das ist der Teil von „sozialistisch“ in Nationalsozialistisch.

Globalisierung gibt es auch nicht mehr in der faschistischen Utopie. Wie Wirtschaft funktioniert, die nicht mehr exportiert und importiert und woher das deutsche Erdöl und die deutschen Bananen kommen werden – das wird sich zeigen.

Generell sind diese Weltbilder einfach und unlogisch – der Wohlstand, den Deutschland zum Beispiel hat, wird als selbstverständlich vorausgesetzt, die internationale Arbeitsteilung wird nicht bemerkt und analysiert. Als ob sowas in einem protektiv abgeschirmten Nationalstaat erreichbar wäre. Was im Rahmen einer solchen Politik tatsächlich gehen würde, zeigt Nordkorea.

Allerdings ist Faschismus immer expansiv – die Ressourcen des Planeten – wo sie denn dem Nationalstaat fehlen – müssen natürlich erobert werden. Wozu eine überlegene Rasse natürlich das Recht hat. Lebensraum im Osten, ein Platz an der Sonne, am deutschen Wesen soll die Welt genesen etc. Aktuell verbünden sich Faschisten und teilen einen Wertekanon. Nur: Sobald Staaten faschistisch regiert sind, sind sie im Krieg miteinander. Nicht wie jetzt überwiegend im Wirtschaftskrieg, sondern physisch mit Waffen. Wie das ausgeht, haben wir 1945 gesehen.

Der neue Faschismus ist nicht neu. Sieht nur ein wenig anders aus und hört sich ein wenig anders an, weil man nicht unmittelbar mit dem Weltenbrand und dem Holocaust identifiziert werden will – sonst wäre die Neuauflage dieser Menschheitsverbrechen, die zwingende Teile des Programms sind, vielleicht erschwert. Wobei ja an der positiven Besetzung des Begriffes völkisch gearbeitet wird und die Erinnerung an den Holocaust als nationale Schande diffamiert wird. Wohlgemerkt – die Erinnerung an den Holocaust, nicht der Holocaust selbst. Der war ja keine Schande? Nein. Sondern deutsche Wertarbeit.

Ideologisch ist alles alt am neuen Faschismus. Die Funktionsweise, also wie sich diese Leute breit machen, ist auch wie gehabt: Sie drehen alles um, Täter-Opfer-Umkehr und Freund-Feind-Denken plus Projektion des Bösen. Was sie vorhaben, werfen sie lautstark den anderen vor. Und sie gehen mit physischer Gewalt vor. Wo das nicht geht, bereiten sie es vor durch aggressive Rhetorik.

Im Einzelnen:

Der christliche Westen hat den Rest der Welt mit Invasionen und Kriegen überzogen, unterworfen, versklavt und ausgeplündert. Da kommt der Reichtum her, der jetzt hier ist. Und weiterhin wird Krieg geführt gegen die Armen, weltweit. Woran die deutsche Wirtschaft profitiert. Ohne Blut für Öl würde nichts davon gehen.

Das wird umgedreht. Nun sind wir im Westen die Opfer – wir werden durch eine Invasion besetzt, unser Wohlstand wird uns betrügerisch entzogen, unsere Frauen werden vergewaltigt, wir werden versklavt etc. Man wird uns unseren Glauben und unsere Freiheit nehmen.

Der weiße Mann hat die Frauen zu dummen Tieren degradiert.

Das wird umgedreht: Nun sind Männer die Opfer des Feminismus.

Der weiße Mann hat die nicht-weiß definierten Menschen massenhaft versklavt, unterdrückt und umgebracht. Sie durften keine Nationen bilden, keine eigene Kultur pflegen, hatten keinerlei Rechte.

Das wird umgedreht: Nun sind die Weißen in Gefahr, sie werden durch Nicht-Weiße ausgerottet und müssen sich der Umvolkung sowie der Rassenschande erwehren.

Der heterosexuelle Mann hat alle anderen sexuellen Identitäten brutal verfolgt und sehr viele ermordet. Es gibt eine historische Tradition, die letztlich einen bisher in seinen Dimensionen noch kaum erfaßten Massenmord an Nicht-Heteros beinhaltet.

Das wird umgedreht: Nun werden normale Männer verschwult und unterdrückt. Der Gender-Wahn zerstört die natürliche Ordnung. Etc.

Diese Liste ließe sich lange weiter schreiben. Immer ist das Muster gleich: Täter-Opfer-Umkehr.

Zweck der Übung: Die alten Zustände, in denen Privilegien selbstverständlich waren, wieder zu etablieren. Und eine Rechtfertigung dafür zu haben, wieso ein solches Ansinnen mit Massenmord angestrebt werden darf. Auch darüber darf man sich keine Illusionen machen – Ziel ist ein Bürgerkrieg, eine faschistische Regierung, ein großes Aufräumen. Und Blut soll spritzen.

Nun ist es allerdings so, dass dieser Krieg nicht irgendwann kommt, sondern bereits ausgetragen wird. Es werden Menschen angegriffen von den Faschist*innen, jeden Tag. Und da, wo faschistische Herrschaft bereits Realität ist – da werden die Schwulen umgebracht, die ethnischen Minderheiten mit Krieg überzogen, die Opposition eingesperrt und gefoltert.

Neu am neuen Faschismus ist vielleicht die Optik und ein Teil der Rhetorik – mehr nicht. Es gibt ein Durcheinander von ideologischen Versatzstücken, das ist recht beliebig und post-modern. Weil alle politischen und sozialen Bewegungen auch nach rechts außen anschlußfähig sind – paradoxerweise auch der Antifaschismus und das Judentum – ist das verständlich.

Was daraus werden wird? Ich weiß es nicht. Nichts Gutes, so viel ist sicher. Anti-Humanistische Bewegungen richten massive Schäden an. Was allerdings auch Bewegungen, die sich explizit als humanistisch definiert haben, hin bekommen haben. Und in post-faktischen Zeiten kann der Faschist sich als Verteidiger der freien Rede und der Demokratie gerieren, ohne auf allgemeinen Widerspruch zu treffen.

Einige Geschehnisse aus den USA unter dem neuen Führer:

https://www.colorlines.com/articles/growing-alliance-between-neo-nazis-right-wing-paramilitaries-and-trumpist-republicans 

Woraus besteht ein Faschist – psychologisch und soziologisch betrachtet?

  • Konventionalismus. Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes.
  • Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.
  • Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.
  • Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.
  • Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals, die Disposition in rigiden Kategorien zu denken.
  • Machtdenken und „Kraftmeierei“. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.
  • Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.
  • Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt.
  • Sexualität. Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen „Vorgängen“.

Wie ist so ein Mensch strukturiert?

  1. Ängstliche Abwehr von Neuem und Fremden
  2. Rigides und unflexibles Verhalten
  3. Anpassungs- und Unterordnungsbereitschaft
  4. Orientierung an Macht und Stärke
  5. Feindseligkeit und unterdrückte Aggressivität
  6. Konformität
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Antisemitismus (einige Gedanken dazu)

Nicht sehr sortiert. Ein langer FB-Post. Damit er wiederfindbar ist, abgelegt als Notiz.

At every point Martin was available and he wanted to believe that the best outcomes were possible. A genuine humanitarian, someone whose writing of history taught him we could always do better in the future if we are able to learn the lessons of history.

— Gordon Brown

Sir Martin Gilbert ist mir aufgefallen, weil ich nachgelesen habe über die Geschichte der Familie Kushner.

In diesem Zusammenhang eine Menge an Gedanken, die als verbindendes Element Judentum und Antisemitismus haben.

Jared Kushner, Sohn von Joseph und Rae Kushner, ist ein millionenschwerer Immobilien-Manager und Berater von Donald Trump.

Er ist verheiratet mit Ivanka Trump und unter anderem für Mexiko und China der inoffizielle Ansprechpartner, außerdem als UN-Sonderbeauftragter zuständig für die Nahost-Friedensgespräche, ein Geschäftspartner von George Soros, Peter Thiel und der Familie Steinmetz, einer der reichsten Familien in Israel (Steinmetz Diamond Group). Natürlich hat er auch mit Goldmann Sachs zu tun. Zudem ist Jared als Chef der von Trump neu geschaffenen American Innovation genannten Gruppe für die Entbürokratisierung der Regierung zuständig. Mit seinem Bruder Murray Kushner (ebenfalls sehr reich und Immobilen-Manager) hat er sich offenbar dauerhaft überworfen.

Über diese Verflechtungen hat n-tv berichtet, und weil der Artikel von Hannes Vogel SEHR nach „jüdischer Weltverschwörung“ klang, dachte ich mir, ich recherchiere das mal. 
Ausgangspunkt waren diese beiden n-tv-Artikel: Die Kushner-Connection im Weißen Haus und Kushners geheime Millionen aus Israel.

Ich habe also damit angefangen, mir anzusehen, wer sind den „diese Kushners“.

Fertig bin ich damit natürlich nicht, sondern eher ganz am Anfang. Den habe ich zuerst gesucht, logischerweise.

Dabei kam ich historisch rückwärts suchend bis zu dem Zeitpunkt, wo es darum geht, was mit den 12.000 Juden und Jüdinnen in Novogrodek (Polen) nach dem Einmarsch der Russen passiert ist (Enteignung) und was dann nach der Besetzung durch Nazi-Deutschland passiert ist (Ghettoisierung, Vernichtung durch Massenmord).

Hier geht die Geschichte der Kushners – soweit dokumentiert – los: In Novogrodek ist Rae Kushner (Tochter von Zeidl Kushner, Frau von Joseph Kushner, dem Vater von Jared Kushner) 1923 geboren worden. 2004 ist sie gestorben. Sie hat den Holocaust überlebt, war mit 600 Menschen eingesperrt – dann Flucht durch einen heimlich gegrabenen Fluchttunnel, 170 Menschen haben es überlebt von den 250, die geflohen sind. Leben im Wald mit Partisanen, 1200 Partisanen waren das unter der Führung von Tovya Bielski. Von den geschätzt 20.000 – 25.000 Partisan*innen in Polen waren die meisten kommunistisch und in der Regel antisemitisch, so dass die jüdischen Partisanen auch gegen andere Partisanengruppen zu kämpfen gezwungen waren.

Artikel dazu: David Rosenthal – Jewisch Resistance in WW II (Jewish Frontier – NOVEMBER DECEMBER 1997 – story of bielkis partisans

In den Wäldern (markiertes Gebiet, Wälder und Sümpfe) gab es jüdische Widerstandsgruppen, die von den seit Generationen im Wald lebenden Holzfäller-Familien geleitet waren und die völlig ohne Unterstützung von Außen arbeiten mussten, da sie von den anderen Partisanen, die durch die Russen unter Stalin unterstützt waren, ebenfalls angefeindet wurden – deren Antisemitismus war ähnlich stark ausgeprägt wie der der Deutschen, so dass Erschießungen von Juden als „Spione“ durch von Russland unterstützte Partisanen-Gruppen durchaus oft passierten.

Martin Gilbert hat neben seinen vielen Arbeiten über Winston Churchill auch historisch geforscht über den jüdischen Widerstand in der Zeit des 2. Weltkrieges und – zeitlich später – über die Refuseniks – Menschen, die versucht haben, die Sovietunion zu verlassen; die Stellung eines Ausreise-Antrages führte regelhaft zu einer massiven Diskriminierung, meist Entlassung aus der Arbeit (für ALLE Familienangehörigen) und anschließend Gefängnisstrafen wegen „Sozialparasitismus“.

Der Antisemitismus in Europa – in Deutschland, Polen, Russland – ist kontinuierlich gewesen und von allen Seiten. Eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ – wie es die Nazis stets gesagt haben – ist da nirgends erkennbar, die Bolschewiki haben Juden und Jüdinnen ebenfalls recht gnadenlos verfolgt.

Aber sie nicht systematisch und industriell ermordet – das ist speziell an den Nazis und macht die Singularität des Holocaust aus.

Genozide gab es oft in der Menschheitsgeschichte – aber nie und nirgends eine solche geplant durchgeführte totale Enteignung, Entrechtung und Vernichtung, die durch einen Staat über seine gesamte Bestehenszeit hinweg konsequent betrieben wurde. Das ist der Grund, weswegen Relativierungen unter Bezugnahme auf andere Menschheitsverbrechen – wie „aber Stalin hat in den GULAGS doch auch Millionen umkommen lassen“ – unangebracht sind.

Wobei unbestritten es etliche mörderische Episoden insbesondere (aber nicht nur) in der Neuzeit gibt, mit jeweils Millionen vertriebenen Menschen und Millionen Toten. Ich bin ganz sicher niemand, der historische oder aktuelle Verbrechen der autoritären Kommunisten, der Nationalisten oder der religiösen Gemeinschaften und generell von organisierten Gruppen nicht wahrnimmt oder gar leugnet.

Natürlich ist der sogenannte Labor Zionism stark sozialistisch orientiert gewesen, mit vielen Menschen, die ein Israel aufbauen wollten, in dem die Juden und Jüdinnen eben nicht kapitalistisch leben. Diesen Aspekt – das Menschen, die im Judentum verwurzelt sind, Vordenker*innen der sozialistischen Bewegung waren – bestreitet niemand.

Zurück zu Jared Kushner. Trumps Tochter Ivanka ist mit Jared verheiratet und wegen ihm zum Judentum konvertiert, und die Familie hat viel Geld und sehr reiche Freunde mit sehr dubiosen Geschäftsmethoden.

Antisemiten werden das freudig zur Kenntnis nehmen – aha, da ist doch wieder der Beweis, dass USA und Israel gemeinsam das Böse auf der Welt darstellen und hinter allem die bösen Juden stecken.

  • Gegen Juden sein, das vereint (extreme) Rechte weltweit.
  • Gegen Juden sein ist auch gemeinsamer Nenner von arabischen Nationalisten aller Art sowie von (vielen) islamischen und allen islamististischen Organisationen. Wobei das Goldene Zeitalter der jüdischen Kultur unter der schützenden Herrschaft der islamischen Zivilisation statt gefunden hat – in dieser Zeit waren die Europäer sehr unzivilisiert und gewalttätig und weit davon entfernt, irgendwie der fortschrittliche Kontinent zu sein, der sie in den Köpfen vieler westlicher Leute heute und hier angeblich schon immer waren. Dabei ist die „Barbarei“ historisch hier erst kürzlich beendet worden, wenn überhaupt. Mit dem Finger auf „die Muslime“ zeigen, das ist historisch gesehen dermaßen unsinnig, dass es zum Schreien ist. Hochkulturen, da ist Europa wirklich erst lange nach vielen anderen mal an der Reihe gewesen. Hier war kulturell praktisch nie was los, was der Rede wert gewesen wäre. Nicht mal schreiben konnten sie, und die EDDA ist zwar spannend, aber kein Vergleich zu dem, was anderswo so entstanden ist.
  • Bei den sogenannten Linken ist Anti-Amerikanismus weit verbreitet, worin die antisemitischen Stränge ebenfalls deutlich sind. Soweit mit links eine emanzipatorische und humanitäre Richtung gemeint ist, sind Antisemiten niemals links, und Linke niemals bewußt Antisemiten.
  • „Israel-Kritik“ ist lediglich ein anderes Wort für Antisemitismus, was weniger verbraucht und mörderisch klingt. Im Kern meint es: „Bloß weil die Juden und Jüdinnen ansonsten ausgerottet werden, haben sie dennoch kein Recht, sich eine Nation gewaltsam zu schaffen“. Übrigens gibt es für kein Land der Welt eine solche „Kritik“ – außer für Israel. Oder hat schon mal jemand von „Deutschland-Kritik“ gehört oder gelesen? Das gleiche gilt für die „Besetzten Gebiete“ – nirgendwo sonst gibt es diese besondere Floskel, höchstens für die ehemalige DDR, wo es auch eine Weile hieß „derzeit sowjetisch besetzte Gebiete“. Umstrittene Territorien gibt es allerdings jede Menge, praktisch bei JEDEM Staat und jeder Nation sind Gebiete da, die irgendwie mehr und andere, die irgendwie weniger dazu gehören – eben weil Nationen und Grenzen auf Macht und Gewalt basieren. Texas beispielsweise, wo liest man „derzeit von den USA besetzte mexikanische Gebiete“? Auch die „derzeit von Deutschland besetzten Gebiete der Dänen“ werden so in der Regel nicht bezeichnet. Womit ich jetzt NICHT mißverstanden werden mag – es ist mir nicht egal, wie es den Palästinensern ergeht, und kein Staat darf beliebig Menschenrechte mißachten (auch wenn alle Staaten das tun, in unterschiedlichem Ausmaß – wobei halt ohne Staaten wohl auch keine Menschenrechte da wären, aber das ist ein anderes Thema). Was ich aber sage: Jüdische Menschenrechte sind ohne einen Staat Israel praktisch nicht denkbar bzw. zu fragil, diese Ansicht teile ich.
  • Von den Verschwörungstheoretikern brauche ich gar nicht anzufangen, da läuft es IMMER auf Antisemitismus hinaus. „9/11 was an inside job“. Und was ist dann die Wahrheit der Truther-Bewegung? Natürlich diese: „Es stecken DIE Juden dahinter“. Und natürlich paßt das irgendwie, denn das WTC gehörte einem reichen Juden, und damit ist die „Theorie“ bereits bewiesen. Dass es zum Wesen einer Theorie gehört, dass sie prüfbar (widerlegbar) sein muss, ist zu hoch für die Truther. Nicht umsonst gibt es diese breiten Überschneidungen mit allen anderen Sorten von geglaubten Unglaublichkeiten bei dieser Bewegung von erklärungssuchenden Menschen – Aliens, Ufos, Blood Lines, gefakte Mondlandung, „Holocaust ist nie passiert“, Nazideutschland wurde von Polen angegriffen, Hohlwelttheorie, Chem-Trails, etc. pp.

Sir Martin Gilbert ist Jude.

Bereits das reicht, um ihn für Antisemiten als unglaubwürdig zu stempeln. Entsprechenden Angriffen war er natürlich bereits des öfteren ausgesetzt.

Ein der historischen Forschung gewidmetes Leben und eine Liste von veröffentlichten Büchern, die gemeinsam ein enormes Regal füllen – voll mit kleinen und kleinsten Details und Quellenangaben, so wie bei Historikern allgemein üblich – ist dagegen irrelevant, denn:

Wer ein einfaches Weltbild hat, läßt sich durch Fakten bekanntlich nicht verwirren oder gar korrigieren.

Die schlimmste Weltanschauung, das ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nie angeschaut haben.

Selten habe ich etwas gehört, was so wahr ist, wie dieser eine Satz.

Für Komplexität haben viele Menschen wenig Verständnis.

Antisemitismus funktioniert wie ein Kurzschluss: Weil es mächtige reiche Juden gibt, ist er bereits bewiesen.

Ein Gegenbeweis ist in so einer Logik unmöglich.

Es gibt Juden, manche davon sind enorm reich und verwenden fiese Geschäftsmethoden – was sie mit Nicht-Juden übrigens gemeinsam haben, und wer das in Frage stellt, sollte mal zu einem Arzt gehen.

Weil das so ist, lassen sich immer „Connections“ zu Juden finden. Wir leben in einer Welt, die global verbunden ist durch das Börsensystem, durch Aktien und Investitionen. Jeder reiche Mensch hat da Anteile, ergo gibt es auch immer Anteile von jüdischen Personen und von Institutionen, wo Juden vertreten oder auch führend sind.

Allerdings sind keineswegs ALLE Juden reich oder mächtig, weder jetzt noch früher — sondern es sind die meisten Juden ermordet worden von Antisemiten, und das waren sehr oft bitter arme, ausgegrenzte Menschen.

Es sind auch keineswegs ALLE Juden jemals einer Meinung gewesen, oder werden es je sein – darin unterscheidet sich diese Gruppe nicht von irgend einer anderen auf der Welt, auch wenn das noch so oft behauptet wird im Rahmen der typischen Dämonisierung.

Dämonisierung, das ist ein wichtiger definitorischer Aspekt des Antisemitismus.

Inhaltlich: Alle Juden sind a) gleich und b) böse sowie c) nur böse.

Dämonisierung ist wiederum Bestandteil jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Menschen werden anhand von EINEM Merkmal als Gruppe zusammen gefaßt, und es wird für alle Mitglieder der Gruppe gesagt, sie wären a) auch in ALLEN anderen Hinsichten gleich sowie b) sie wären schlecht, böse, etc.

Wieso ist es wichtig, über diese Dinge sich schlau zu machen?

Was Israel heute ist, läßt sich ohne Kenntnis der Geschichte – ohne ein fundiertes Wissen über die Verfolgung der Juden durch die gesamte Geschichte der Menschheitsgeschichte hindurch – nicht mal im Ansatz verstehen.

Auch, was in USA passiert, wird erst verständlich, wenn Geschichte bekannt ist.

Wer natürlich nur einen Feind sucht, ist mit den Juden perfekt bedient – das hat Hitler erkannt, und es ist in „Mein Kampf“ ja nachlesbar, wie er erklärt, dass zu Propagandazwecken alle faktisch unterschiedlichen Gruppierungen, gegen die er vorzugehen sich vorgenommen hatte, zu einem einzigen Feind gemacht werden müssen in der Demagogie, weil eben das Volk eine einfache Erklärung sucht, wünscht und braucht.

Mit anderen Worten: Hitler war sehr bewußt, dass es nicht stimmt, dass hinter allem die Juden stecken. Und ihm war klar: Eine solche Erklärung hat dennoch sehr viel Durchschlagskraft. Zumal sie auf Ressentiments aufbaut, die bis in die Entstehungszeit der Juden zurück reichen und für die es überall und weltweit Anhänger*innen gibt.

Antisemitismus war und ist ein weltweites Phänomen.

Antisemitismus ist in seinen heutigen Formen nicht verständlich, ohne auf den ursprünglich „christlichen“ Anti-Judaismus zurück zu schauen. Christlich in Anführungszeichen, den Jesus war natürlich Jude und ein Rabbi, ein Gelehrter der Schrift und des Glaubens – wer ein Christ sein mag, kann daher nicht wirklich zugleich ein Antisemit sein.

Anti-Judaismus ist Judenfeindschaft, die sich als theologisch begründet sieht – „die Juden haben den Messias umgebracht“. Korrekterweise müßte man sagen „Einige mächtige Juden haben einen politisch nicht sonderlich mächtigen, aber offenbar bedeutsamen Juden, der ihnen theologisch nicht gepaßt hat, hinrichten lassen“. Mal abgesehen davon, dass es natürlich die Römer waren, die zu der Zeit die Herrscher waren, aber niemand macht deren heutige Nachfolger – die Italiener – für den Tod des Messias verantwortlich, woran man schon sieht – das ist Unsinn. Bloß hat es halt die Basis gebildet für viele Feindschaften, die oft wirtschaftlich und politisch motiviert waren und dann theologisch verbrämt wurden.

Nebenbei bemerkt – der zweite Weltkrieg war angesichts leerer Kassen des Deutschen Reiches praktisch undurchführbar, wenn nicht das Regime den Raub- und Vernichtungskrieg organisiert hätte – also das systematische Ausschlachten aller möglichen Geldquellen unter planmäßiger Ermordung der Eigentümer. Wobei – das ist bekannt – die Schweizer Banken eine wichtige Rolle spielten. Ohne sie wäre diese kriminelle Unternehmung gar nicht möglich gewesen.

Übrigens – eine Welt, in der kein einziger Jude mehr lebt, wird dadurch nicht plötzlich unkapitalistisch oder sonstwie ein nationalsozialistisches Paradies.

Wenn ich auf Vertreter*innen von eliminatorischen Ansichten („alle Juden ausrotten“) treffe, frage ich immer nach – was wird anders sein, wenn sie alle tot geschlagen sind, und wie kommt das zustande?

Dann bricht das schnell zusammen, denn es ist offensichtlich, das auch noch so „reinrassige“ Nationen sich hierarchisch organisieren, mit Reichen und Armen, und dass es zwischen Menschen fies zu geht, egal welche es sind.

Das Nachfragen lohnt: Ich kannte mal einen, der war erst Metaller, später Nazi, und hatte da seine Skinhead-Freunde. Den habe ich nach Jahren wieder getroffen und gefragt, wie es denn mit seinen Freunden so gelaufen ist. Stellte sich heraus, er hat sich da abgesetzt, weil sie ihm im Suff die Bude zerstört hatten, und er das Ausländer-klatschen nicht wirklich mochte. Heute ist das ein prima Kerl, hoch anständig und geläutert, und ein Menschenfreund.

Auch das sollten Leute im Kopf haben oder sich bewußt machen, die antifaschistisch denken und handeln:

Mit „alle Nazis weg klatschen“ oder „Nazis raus“ ist per se nichts gewonnen. Sicher ist es gut, ihnen kein Territorium zu überlassen und rechten Straßenterror soweit möglich wirksam zu unterbinden. Aber das ist nicht mit Gewalt allein lösbar. Sondern, es geht darum, was steht dahinter – Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung, Freundschaft, soziale Unterstützung durch eine Gruppe, gemeinsame Aktivitäten.

Es kommt darauf an, Begegnungsräume auf zu machen, Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen, die aus Wertschätzung und gegenseitigem Respekt basieren, wo Menschen was über andere lernen können, wo es möglich wird, aus einem Freund-Feind-Schema aus wieder raus zu kommen und sich gegenseitig ein wenig zu kennen, gemeinsame Dinge zu finden und darauf aufzubauen.

Denn auch Nazis (oder Salafisten, „Terroristen“, etc.) sind in erster Linie Menschen, und eben keine „Monster“.

Die Ideologie ist mörderisch, der Mensch aber kann sich entwickeln und diese krude Ideologie auch wieder verlassen (egal welche es ist). Das ist eine Sache von Erfahrungen und Arbeit an sich selbst und von Arbeit, Sport und Spiel gemeinsam mit anderen.

Konkret: Sobald so ein Nazi-Hool eine Freundin hat, ein Kind, eine Arbeit – da sind dann ganz normale Dinge wichtig, nicht die Gewalt gegen „Feinde“.

Natürlich gilt das für alle gewaltbereiten und gewaltsuchenden Menschen – Nazis, Hooligans, Salafisten, Terroristen, Amokläufer – eigentlich wollen sie nicht töten und getötet werden, sondern gut und menschenwürdig leben und auf ihre Leistung stolz sein, Freunde und Freundinnen haben, lecker essen, sinnvoll arbeiten, angenehm wohnen etc.

Angst, Armut, fehlende Bildungschancen, fehlende Gelegenheiten gesellschaftlichen Mitmachens, abgehängte Menschen, generell soziale Isolation und Ausgrenzung und vor allem Abwertungserfahrungen sind der Nährboden für Gewalt, Kriminalität und Extremismus.

Genau darum nutzen auch verkürzte Lösungsansätze wie „mehr Polizei fängt mehr Verbrecher“ (FDP, CDU, AfD, Teile der SPD) rein gar nichts. Vom Einfangen und Einsperren gehen doch Verbrecher nicht weg, und da Verbrechen eine reichlich willkürliche Kategorie ist – es geht um Macht und Besitz, die angeeignet werden – wird es das IMMER geben, solange es da was anzueignen gibt und solange es manche brauchen oder für nötig halten, sich etwas notfalls auch gegen geltende Gesetze zu nehmen, was ihnen nicht bereits zur Verfügung steht.

Von Verbrechen wird gesprochen, wenn es kleine Leute tun. Wirtschaftskriminalität und insbesondere Steuerhinterziehung wird praktisch nicht verfolgt, da wo sie von den Großen betrieben wird – ebenso wenig wie der fortgesetzte Raubzug, den wir im Rahmen des Neoliberalismus als Privatisierung zu bezeichnen erzogen wurden.

 

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2017-04-07 Angriff der US-Kräfte (Flugzeugträger) auf Shayrat (eine Zusammenstellung von Recherche-Ergebnissen)

Statt am Ostermontag – wie ich es sonst eigentlich immer tue – auf den Ostermarsch zu gehen, habe ich mich diesmal lieber am PC mit Krieg und Frieden beschäftigt. Eher mit Krieg, tatsächlich.

Die untere der beiden Basen ist Shayrat.

Shayrat ist die zweitgrößte Luftwaffenbasis in Syrien und untersteht unmittelbar dem Assad-Regime.

Die größte Luftwaffen-Basis ist Hmeimim in der Küstenregion Latakia – diese Basis wird von den Russen selbst betrieben, die in Tartus ihren Stützpunkt für Marine haben – den einzigen überhaupt in der Gegend, daher von hoher Bedeutung für sie) – während Shayrat von den Syrern betrieben wird, aber eben auch russische Helikopter beherbergt.

Reichweiten des russischen S-400 Raketensystems (kann Flugzeuge abschießen): 40 Km, 120 Km, 250 Km, 400 Km.
Jedes Eingreifen von Türkei, Israel oder USA in den Krieg mittels Flugzeugen kann durch Russland potentiell verhindert bzw. erschwert werden, weil Putin anordnen kann, diese abzuschießen.
Die in Latakia stationierten russischen SU-24 Kampfjets haben eine Reichweite von 3000 Km. Hin- und Rückflug also 1000-1500 Km (roter Kreis).

Die Basen in Latakia (Airbase) und Taurus (Hafen) sind für Russland enorm bedeutsam. Sie sind der einzige russische Brückenkopf in dieser Region.

Wenn mensch sich die Karten ansieht (die ich selbst gebastelt habe, also nicht unbedingt wirklich starke Daten, nur was ich eben im Internet dazu finden konnte, in grober Annäherung), da sind die Reichweiten des dort installierten Anti-Flugzeug-Raketensystems S-400 und der SU-24 Kampfjets eingezeichnet – wird klar, wieso dieser Krieg ohne Russland nicht beendet werden kann.

Roter Zeiger: Die angegriffene Airbase. Roter Diameter – die Reichweite der Raketen, die verwendet wurden. Der Abschuß erfolgte aus dem Mittelmeer von US-Flugzeugträgern. Mit Tomahawk-Raketen kann auch problemlos Iran angegriffen werden – das ist gut ersichtlich.

Nun zu den Tomahawk-Raketen. Die wurden von zwei Flugzeugträgern der US-Streitkräfte im Mittelmeer abgefeuert. Wie weit so eine Tomahawk-Rakete fliegen kann (1300 bis 1700 Km, je nach Typ) ist ebenfalls erstaunlich.

1,36 Millionen US$ kostet eine solche Tomahawk-Rakete.

Der Abschuss von 59 Tomahawk-Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Shayrat bei Homs, wo syrische und russische Luftwaffe stehen, hat nach meiner Rechnung 80 Millionen US $ gekostet – nur Materialkosten.

Kursverlauf der Raytheon-Aktie

Passend dazu sind die Aktien von Raytheon – dem Hersteller der Tomahawk – im Kurs gestiegen. Nicht enorm, aber doch genug, damit es sich lohnt für die Kriegsgewinnler, nicht zuletzt den Präsidenten: Denn natürlich besitzt Trump solche Aktien. Praktisch. So kann man auch gut Gewinne erzielen mit Krieg [1].

Eine kleine Abschweifung: Vannevar Bush, Gründer von Raytheon (1922), war auch der Mann, der das Manhattan Projekt angestoßen hat (die Entwicklung der Atombombe) und grundlegende Ideen zu dem, was später PC-Technik, Computer und Internet geworden ist, geliefert hat. Douglas Engelbart (der die Maus erfand) und Ted Nelson (der Hypertext erfand) würden durch seine Schrift As we may think wesentlich inspiriert.

Ergebnis des Bombardements nach US DOD:
Die Russen waren vorher gewarnt worden und haben wohl ihre Maschinen in Sicherheit gebracht.

Wo Sputnik (also Russland) dahinter steht, ist stets Skepsis angebracht, weil Sputnik und RT ständig und umfassend Disinformation betreiben, mit einer Mischung aus Falschmeldungen, Umdeutungen, Auslassungen etc. Da das sehr systematisch passiert, ist meine Ansicht, ich sollte die völlig außer Acht lassen. Aber das Bild war einfach zu gut.

Auch 5 syrische Jets haben es überstanden und sind wohl bereits wieder Einsätze von dort geflogen.

Militärisch also eher nutzlos, die Aktion. Ein paar Löcher in den Boden gesprengt – für 80 Millionen Dollar.

„Der Raketenangriff, bei dem 59 Tomahawk-Raketen des Rüstungskonzerns Raytheon zum Einsatz kamen, die 1,4 Millionen Dollar pro Stück kosten, ließ die Aktien des Unternehmens in die Höhe schnellen. Dieser Schub ließ am Freitagmorgen den Marktwert von Raytheon um rund $1 Milliarde Dollar ansteigen. Offenlegungsanträgen zufolge investiert Präsident Trump in Raytheon, was bedeutet, dass er direkt von dem Angriff profitiert hat.“ [1]

Quelle: 1. Democracy Now!: https://www.democracynow.org/2017/4/10/headlines

EDIT: Ansich will ich einen eigenen Artikel zu NATO und Türkei machen, aber das erscheint mir schon mal wichtig: Die USA gehen aus Adana (Incirlic) raus und beziehen Basen in Nordsyrien: http://www.debka.com/article/26004/US-Air-Force-to-quit-Incirlik-move-to-Syria-base

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USA: Einkommen der Top 1% und die unteren 50% (und BRD, wo es ähnlich ist)

Die Umverteilung von unten nach oben – vulgo „Profit machen“ – funktioniert. Andersherum sind die Krumen, die vom Tisch der Reichen fallen, arg knapp bemessen.

Superclass gegen den Rest der Welt. „We (the rich) are winning the class war“.

JEREMY ASHKENAS 2016-12-16: Nine New Findings About Inequality in the United States

In dem Zusammenhang noch mal die Einkommensverteilung in der BRD:

Einkommen BRD (Höhe = €, Volumen = Anzahl Leute). Die 30% unter ‚rot‘ sind arm bis Harz 4 und praktisch besitzlos. Danach die 50% rot mit Einkommen 1420€ bis 2260€ netto (Person), die immerhin 20% des gesellschaftlichen Besitzes aufweisen (die ‚kleinen Leute‘). Und grün die obere Mittelschicht, die besitzen 16%.

 

Ich bin in der oberen Mittelschicht geboren und geprägt worden, habe immer irre gut auf Kosten anderer gelebt und nicht die Bohne gewußt, wie es bei den anderen weiter unten (oder weiter oben, das aber eher) aussieht. Dann bin ich ziemlich bewußt aus- und abgestiegen, hinein ins pralle Asso-Leben, Punker, weg-mit-dem-scheiss-system, niemals mit machen ever … und letztlich Harz 4. Nun gucke ich von ziemlich weit unten die Gesellschaft an, bin gleichzeitig aber auch – weil ich mich habe verführen lassen, vielleicht doch mal irgendwann ‚Normalität‘ und ‚Abgesichertheit‘ zu erreichen, wenn ich Esel nur lange genug hinter Möhrchen, die ich mir selbst vor die Nase halten soll, nachtrotte –? im Anzug unterwegs als Aufstocker, schöner Schein und Seriosität. Und treffe da die ungebrochen bürgerlichen Menschen, die mir ungeheuer unwissend und ahnungslos vorkommen, was soziale Verhältnisse angeht. Angeblich ist alles gut, und wer das so nicht sieht, ist krank. So muss ein Mensch dieser Klasse die Dinge auch sehen, um zu funktionieren und das eigene Leid als „individuelle Verantwortung“ zu akzeptieren. Gegen die ein wenig mehr Selbstoptimierung dann helfen wird. 🙁

Zurück zu Wirtschaft und Politik. Ob Einkommensungleichheit eigentlich schlecht für die Wirtschaft ist, für das Wachstum? Solche Fragen stellen Systemtreue Wirtschaftsforscher. Dass die Wirtschaft allen zugute kommen sollte, ist einfach kein Thema. Eigentum verpflichtet zu nichts.

Gleichheit ist nicht zu erreichen, außer auf einem niedrigen Niveau durch nahezu komplette Zerstörung. So wird das Bild gemalt. Shape of things to come. 

Hier wird der Teufel an die Wand gemalt.

 

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