Antisemitismus (einige Gedanken dazu)

Nicht sehr sortiert. Ein langer FB-Post. Damit er wiederfindbar ist, abgelegt als Notiz.

At every point Martin was available and he wanted to believe that the best outcomes were possible. A genuine humanitarian, someone whose writing of history taught him we could always do better in the future if we are able to learn the lessons of history.

— Gordon Brown

Sir Martin Gilbert ist mir aufgefallen, weil ich nachgelesen habe über die Geschichte der Familie Kushner.

In diesem Zusammenhang eine Menge an Gedanken, die als verbindendes Element Judentum und Antisemitismus haben.

Jared Kushner, Sohn von Joseph und Rae Kushner, ist ein millionenschwerer Immobilien-Manager und Berater von Donald Trump.

Er ist verheiratet mit Ivanka Trump und unter anderem für Mexiko und China der inoffizielle Ansprechpartner, außerdem als UN-Sonderbeauftragter zuständig für die Nahost-Friedensgespräche, ein Geschäftspartner von George Soros, Peter Thiel und der Familie Steinmetz, einer der reichsten Familien in Israel (Steinmetz Diamond Group). Natürlich hat er auch mit Goldmann Sachs zu tun. Zudem ist Jared als Chef der von Trump neu geschaffenen American Innovation genannten Gruppe für die Entbürokratisierung der Regierung zuständig. Mit seinem Bruder Murray Kushner (ebenfalls sehr reich und Immobilen-Manager) hat er sich offenbar dauerhaft überworfen.

Über diese Verflechtungen hat n-tv berichtet, und weil der Artikel von Hannes Vogel SEHR nach „jüdischer Weltverschwörung“ klang, dachte ich mir, ich recherchiere das mal. 
Ausgangspunkt waren diese beiden n-tv-Artikel: Die Kushner-Connection im Weißen Haus und Kushners geheime Millionen aus Israel.

Ich habe also damit angefangen, mir anzusehen, wer sind den „diese Kushners“.

Fertig bin ich damit natürlich nicht, sondern eher ganz am Anfang. Den habe ich zuerst gesucht, logischerweise.

Dabei kam ich historisch rückwärts suchend bis zu dem Zeitpunkt, wo es darum geht, was mit den 12.000 Juden und Jüdinnen in Novogrodek (Polen) nach dem Einmarsch der Russen passiert ist (Enteignung) und was dann nach der Besetzung durch Nazi-Deutschland passiert ist (Ghettoisierung, Vernichtung durch Massenmord).

Hier geht die Geschichte der Kushners – soweit dokumentiert – los: In Novogrodek ist Rae Kushner (Tochter von Zeidl Kushner, Frau von Joseph Kushner, dem Vater von Jared Kushner) 1923 geboren worden. 2004 ist sie gestorben. Sie hat den Holocaust überlebt, war mit 600 Menschen eingesperrt – dann Flucht durch einen heimlich gegrabenen Fluchttunnel, 170 Menschen haben es überlebt von den 250, die geflohen sind. Leben im Wald mit Partisanen, 1200 Partisanen waren das unter der Führung von Tovya Bielski. Von den geschätzt 20.000 – 25.000 Partisan*innen in Polen waren die meisten kommunistisch und in der Regel antisemitisch, so dass die jüdischen Partisanen auch gegen andere Partisanengruppen zu kämpfen gezwungen waren.

Artikel dazu: David Rosenthal – Jewisch Resistance in WW II (Jewish Frontier – NOVEMBER DECEMBER 1997 – story of bielkis partisans

In den Wäldern (markiertes Gebiet, Wälder und Sümpfe) gab es jüdische Widerstandsgruppen, die von den seit Generationen im Wald lebenden Holzfäller-Familien geleitet waren und die völlig ohne Unterstützung von Außen arbeiten mussten, da sie von den anderen Partisanen, die durch die Russen unter Stalin unterstützt waren, ebenfalls angefeindet wurden – deren Antisemitismus war ähnlich stark ausgeprägt wie der der Deutschen, so dass Erschießungen von Juden als „Spione“ durch von Russland unterstützte Partisanen-Gruppen durchaus oft passierten.

Martin Gilbert hat neben seinen vielen Arbeiten über Winston Churchill auch historisch geforscht über den jüdischen Widerstand in der Zeit des 2. Weltkrieges und – zeitlich später – über die Refuseniks – Menschen, die versucht haben, die Sovietunion zu verlassen; die Stellung eines Ausreise-Antrages führte regelhaft zu einer massiven Diskriminierung, meist Entlassung aus der Arbeit (für ALLE Familienangehörigen) und anschließend Gefängnisstrafen wegen „Sozialparasitismus“.

Der Antisemitismus in Europa – in Deutschland, Polen, Russland – ist kontinuierlich gewesen und von allen Seiten. Eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ – wie es die Nazis stets gesagt haben – ist da nirgends erkennbar, die Bolschewiki haben Juden und Jüdinnen ebenfalls recht gnadenlos verfolgt.

Aber sie nicht systematisch und industriell ermordet – das ist speziell an den Nazis und macht die Singularität des Holocaust aus.

Genozide gab es oft in der Menschheitsgeschichte – aber nie und nirgends eine solche geplant durchgeführte totale Enteignung, Entrechtung und Vernichtung, die durch einen Staat über seine gesamte Bestehenszeit hinweg konsequent betrieben wurde. Das ist der Grund, weswegen Relativierungen unter Bezugnahme auf andere Menschheitsverbrechen – wie „aber Stalin hat in den GULAGS doch auch Millionen umkommen lassen“ – unangebracht sind.

Wobei unbestritten es etliche mörderische Episoden insbesondere (aber nicht nur) in der Neuzeit gibt, mit jeweils Millionen vertriebenen Menschen und Millionen Toten. Ich bin ganz sicher niemand, der historische oder aktuelle Verbrechen der autoritären Kommunisten, der Nationalisten oder der religiösen Gemeinschaften und generell von organisierten Gruppen nicht wahrnimmt oder gar leugnet.

Natürlich ist der sogenannte Labor Zionism stark sozialistisch orientiert gewesen, mit vielen Menschen, die ein Israel aufbauen wollten, in dem die Juden und Jüdinnen eben nicht kapitalistisch leben. Diesen Aspekt – das Menschen, die im Judentum verwurzelt sind, Vordenker*innen der sozialistischen Bewegung waren – bestreitet niemand.

Zurück zu Jared Kushner. Trumps Tochter Ivanka ist mit Jared verheiratet und wegen ihm zum Judentum konvertiert, und die Familie hat viel Geld und sehr reiche Freunde mit sehr dubiosen Geschäftsmethoden.

Antisemiten werden das freudig zur Kenntnis nehmen – aha, da ist doch wieder der Beweis, dass USA und Israel gemeinsam das Böse auf der Welt darstellen und hinter allem die bösen Juden stecken.

  • Gegen Juden sein, das vereint (extreme) Rechte weltweit.
  • Gegen Juden sein ist auch gemeinsamer Nenner von arabischen Nationalisten aller Art sowie von (vielen) islamischen und allen islamististischen Organisationen. Wobei das Goldene Zeitalter der jüdischen Kultur unter der schützenden Herrschaft der islamischen Zivilisation statt gefunden hat – in dieser Zeit waren die Europäer sehr unzivilisiert und gewalttätig und weit davon entfernt, irgendwie der fortschrittliche Kontinent zu sein, der sie in den Köpfen vieler westlicher Leute heute und hier angeblich schon immer waren. Dabei ist die „Barbarei“ historisch hier erst kürzlich beendet worden, wenn überhaupt. Mit dem Finger auf „die Muslime“ zeigen, das ist historisch gesehen dermaßen unsinnig, dass es zum Schreien ist. Hochkulturen, da ist Europa wirklich erst lange nach vielen anderen mal an der Reihe gewesen. Hier war kulturell praktisch nie was los, was der Rede wert gewesen wäre. Nicht mal schreiben konnten sie, und die EDDA ist zwar spannend, aber kein Vergleich zu dem, was anderswo so entstanden ist.
  • Bei den sogenannten Linken ist Anti-Amerikanismus weit verbreitet, worin die antisemitischen Stränge ebenfalls deutlich sind. Soweit mit links eine emanzipatorische und humanitäre Richtung gemeint ist, sind Antisemiten niemals links, und Linke niemals bewußt Antisemiten.
  • „Israel-Kritik“ ist lediglich ein anderes Wort für Antisemitismus, was weniger verbraucht und mörderisch klingt. Im Kern meint es: „Bloß weil die Juden und Jüdinnen ansonsten ausgerottet werden, haben sie dennoch kein Recht, sich eine Nation gewaltsam zu schaffen“. Übrigens gibt es für kein Land der Welt eine solche „Kritik“ – außer für Israel. Oder hat schon mal jemand von „Deutschland-Kritik“ gehört oder gelesen? Das gleiche gilt für die „Besetzten Gebiete“ – nirgendwo sonst gibt es diese besondere Floskel, höchstens für die ehemalige DDR, wo es auch eine Weile hieß „derzeit sowjetisch besetzte Gebiete“. Umstrittene Territorien gibt es allerdings jede Menge, praktisch bei JEDEM Staat und jeder Nation sind Gebiete da, die irgendwie mehr und andere, die irgendwie weniger dazu gehören – eben weil Nationen und Grenzen auf Macht und Gewalt basieren. Texas beispielsweise, wo liest man „derzeit von den USA besetzte mexikanische Gebiete“? Auch die „derzeit von Deutschland besetzten Gebiete der Dänen“ werden so in der Regel nicht bezeichnet. Womit ich jetzt NICHT mißverstanden werden mag – es ist mir nicht egal, wie es den Palästinensern ergeht, und kein Staat darf beliebig Menschenrechte mißachten (auch wenn alle Staaten das tun, in unterschiedlichem Ausmaß – wobei halt ohne Staaten wohl auch keine Menschenrechte da wären, aber das ist ein anderes Thema). Was ich aber sage: Jüdische Menschenrechte sind ohne einen Staat Israel praktisch nicht denkbar bzw. zu fragil, diese Ansicht teile ich.
  • Von den Verschwörungstheoretikern brauche ich gar nicht anzufangen, da läuft es IMMER auf Antisemitismus hinaus. „9/11 was an inside job“. Und was ist dann die Wahrheit der Truther-Bewegung? Natürlich diese: „Es stecken DIE Juden dahinter“. Und natürlich paßt das irgendwie, denn das WTC gehörte einem reichen Juden, und damit ist die „Theorie“ bereits bewiesen. Dass es zum Wesen einer Theorie gehört, dass sie prüfbar (widerlegbar) sein muss, ist zu hoch für die Truther. Nicht umsonst gibt es diese breiten Überschneidungen mit allen anderen Sorten von geglaubten Unglaublichkeiten bei dieser Bewegung von erklärungssuchenden Menschen – Aliens, Ufos, Blood Lines, gefakte Mondlandung, „Holocaust ist nie passiert“, Nazideutschland wurde von Polen angegriffen, Hohlwelttheorie, Chem-Trails, etc. pp.

Sir Martin Gilbert ist Jude.

Bereits das reicht, um ihn für Antisemiten als unglaubwürdig zu stempeln. Entsprechenden Angriffen war er natürlich bereits des öfteren ausgesetzt.

Ein der historischen Forschung gewidmetes Leben und eine Liste von veröffentlichten Büchern, die gemeinsam ein enormes Regal füllen – voll mit kleinen und kleinsten Details und Quellenangaben, so wie bei Historikern allgemein üblich – ist dagegen irrelevant, denn:

Wer ein einfaches Weltbild hat, läßt sich durch Fakten bekanntlich nicht verwirren oder gar korrigieren.

Die schlimmste Weltanschauung, das ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nie angeschaut haben.

Selten habe ich etwas gehört, was so wahr ist, wie dieser eine Satz.

Für Komplexität haben viele Menschen wenig Verständnis.

Antisemitismus funktioniert wie ein Kurzschluss: Weil es mächtige reiche Juden gibt, ist er bereits bewiesen.

Ein Gegenbeweis ist in so einer Logik unmöglich.

Es gibt Juden, manche davon sind enorm reich und verwenden fiese Geschäftsmethoden – was sie mit Nicht-Juden übrigens gemeinsam haben, und wer das in Frage stellt, sollte mal zu einem Arzt gehen.

Weil das so ist, lassen sich immer „Connections“ zu Juden finden. Wir leben in einer Welt, die global verbunden ist durch das Börsensystem, durch Aktien und Investitionen. Jeder reiche Mensch hat da Anteile, ergo gibt es auch immer Anteile von jüdischen Personen und von Institutionen, wo Juden vertreten oder auch führend sind.

Allerdings sind keineswegs ALLE Juden reich oder mächtig, weder jetzt noch früher — sondern es sind die meisten Juden ermordet worden von Antisemiten, und das waren sehr oft bitter arme, ausgegrenzte Menschen.

Es sind auch keineswegs ALLE Juden jemals einer Meinung gewesen, oder werden es je sein – darin unterscheidet sich diese Gruppe nicht von irgend einer anderen auf der Welt, auch wenn das noch so oft behauptet wird im Rahmen der typischen Dämonisierung.

Dämonisierung, das ist ein wichtiger definitorischer Aspekt des Antisemitismus.

Inhaltlich: Alle Juden sind a) gleich und b) böse sowie c) nur böse.

Dämonisierung ist wiederum Bestandteil jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Menschen werden anhand von EINEM Merkmal als Gruppe zusammen gefaßt, und es wird für alle Mitglieder der Gruppe gesagt, sie wären a) auch in ALLEN anderen Hinsichten gleich sowie b) sie wären schlecht, böse, etc.

Wieso ist es wichtig, über diese Dinge sich schlau zu machen?

Was Israel heute ist, läßt sich ohne Kenntnis der Geschichte – ohne ein fundiertes Wissen über die Verfolgung der Juden durch die gesamte Geschichte der Menschheitsgeschichte hindurch – nicht mal im Ansatz verstehen.

Auch, was in USA passiert, wird erst verständlich, wenn Geschichte bekannt ist.

Wer natürlich nur einen Feind sucht, ist mit den Juden perfekt bedient – das hat Hitler erkannt, und es ist in „Mein Kampf“ ja nachlesbar, wie er erklärt, dass zu Propagandazwecken alle faktisch unterschiedlichen Gruppierungen, gegen die er vorzugehen sich vorgenommen hatte, zu einem einzigen Feind gemacht werden müssen in der Demagogie, weil eben das Volk eine einfache Erklärung sucht, wünscht und braucht.

Mit anderen Worten: Hitler war sehr bewußt, dass es nicht stimmt, dass hinter allem die Juden stecken. Und ihm war klar: Eine solche Erklärung hat dennoch sehr viel Durchschlagskraft. Zumal sie auf Ressentiments aufbaut, die bis in die Entstehungszeit der Juden zurück reichen und für die es überall und weltweit Anhänger*innen gibt.

Antisemitismus war und ist ein weltweites Phänomen.

Antisemitismus ist in seinen heutigen Formen nicht verständlich, ohne auf den ursprünglich „christlichen“ Anti-Judaismus zurück zu schauen. Christlich in Anführungszeichen, den Jesus war natürlich Jude und ein Rabbi, ein Gelehrter der Schrift und des Glaubens – wer ein Christ sein mag, kann daher nicht wirklich zugleich ein Antisemit sein.

Anti-Judaismus ist Judenfeindschaft, die sich als theologisch begründet sieht – „die Juden haben den Messias umgebracht“. Korrekterweise müßte man sagen „Einige mächtige Juden haben einen politisch nicht sonderlich mächtigen, aber offenbar bedeutsamen Juden, der ihnen theologisch nicht gepaßt hat, hinrichten lassen“. Mal abgesehen davon, dass es natürlich die Römer waren, die zu der Zeit die Herrscher waren, aber niemand macht deren heutige Nachfolger – die Italiener – für den Tod des Messias verantwortlich, woran man schon sieht – das ist Unsinn. Bloß hat es halt die Basis gebildet für viele Feindschaften, die oft wirtschaftlich und politisch motiviert waren und dann theologisch verbrämt wurden.

Nebenbei bemerkt – der zweite Weltkrieg war angesichts leerer Kassen des Deutschen Reiches praktisch undurchführbar, wenn nicht das Regime den Raub- und Vernichtungskrieg organisiert hätte – also das systematische Ausschlachten aller möglichen Geldquellen unter planmäßiger Ermordung der Eigentümer. Wobei – das ist bekannt – die Schweizer Banken eine wichtige Rolle spielten. Ohne sie wäre diese kriminelle Unternehmung gar nicht möglich gewesen.

Übrigens – eine Welt, in der kein einziger Jude mehr lebt, wird dadurch nicht plötzlich unkapitalistisch oder sonstwie ein nationalsozialistisches Paradies.

Wenn ich auf Vertreter*innen von eliminatorischen Ansichten („alle Juden ausrotten“) treffe, frage ich immer nach – was wird anders sein, wenn sie alle tot geschlagen sind, und wie kommt das zustande?

Dann bricht das schnell zusammen, denn es ist offensichtlich, das auch noch so „reinrassige“ Nationen sich hierarchisch organisieren, mit Reichen und Armen, und dass es zwischen Menschen fies zu geht, egal welche es sind.

Das Nachfragen lohnt: Ich kannte mal einen, der war erst Metaller, später Nazi, und hatte da seine Skinhead-Freunde. Den habe ich nach Jahren wieder getroffen und gefragt, wie es denn mit seinen Freunden so gelaufen ist. Stellte sich heraus, er hat sich da abgesetzt, weil sie ihm im Suff die Bude zerstört hatten, und er das Ausländer-klatschen nicht wirklich mochte. Heute ist das ein prima Kerl, hoch anständig und geläutert, und ein Menschenfreund.

Auch das sollten Leute im Kopf haben oder sich bewußt machen, die antifaschistisch denken und handeln:

Mit „alle Nazis weg klatschen“ oder „Nazis raus“ ist per se nichts gewonnen. Sicher ist es gut, ihnen kein Territorium zu überlassen und rechten Straßenterror soweit möglich wirksam zu unterbinden. Aber das ist nicht mit Gewalt allein lösbar. Sondern, es geht darum, was steht dahinter – Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung, Freundschaft, soziale Unterstützung durch eine Gruppe, gemeinsame Aktivitäten.

Es kommt darauf an, Begegnungsräume auf zu machen, Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen, die aus Wertschätzung und gegenseitigem Respekt basieren, wo Menschen was über andere lernen können, wo es möglich wird, aus einem Freund-Feind-Schema aus wieder raus zu kommen und sich gegenseitig ein wenig zu kennen, gemeinsame Dinge zu finden und darauf aufzubauen.

Denn auch Nazis (oder Salafisten, „Terroristen“, etc.) sind in erster Linie Menschen, und eben keine „Monster“.

Die Ideologie ist mörderisch, der Mensch aber kann sich entwickeln und diese krude Ideologie auch wieder verlassen (egal welche es ist). Das ist eine Sache von Erfahrungen und Arbeit an sich selbst und von Arbeit, Sport und Spiel gemeinsam mit anderen.

Konkret: Sobald so ein Nazi-Hool eine Freundin hat, ein Kind, eine Arbeit – da sind dann ganz normale Dinge wichtig, nicht die Gewalt gegen „Feinde“.

Natürlich gilt das für alle gewaltbereiten und gewaltsuchenden Menschen – Nazis, Hooligans, Salafisten, Terroristen, Amokläufer – eigentlich wollen sie nicht töten und getötet werden, sondern gut und menschenwürdig leben und auf ihre Leistung stolz sein, Freunde und Freundinnen haben, lecker essen, sinnvoll arbeiten, angenehm wohnen etc.

Angst, Armut, fehlende Bildungschancen, fehlende Gelegenheiten gesellschaftlichen Mitmachens, abgehängte Menschen, generell soziale Isolation und Ausgrenzung und vor allem Abwertungserfahrungen sind der Nährboden für Gewalt, Kriminalität und Extremismus.

Genau darum nutzen auch verkürzte Lösungsansätze wie „mehr Polizei fängt mehr Verbrecher“ (FDP, CDU, AfD, Teile der SPD) rein gar nichts. Vom Einfangen und Einsperren gehen doch Verbrecher nicht weg, und da Verbrechen eine reichlich willkürliche Kategorie ist – es geht um Macht und Besitz, die angeeignet werden – wird es das IMMER geben, solange es da was anzueignen gibt und solange es manche brauchen oder für nötig halten, sich etwas notfalls auch gegen geltende Gesetze zu nehmen, was ihnen nicht bereits zur Verfügung steht.

Von Verbrechen wird gesprochen, wenn es kleine Leute tun. Wirtschaftskriminalität und insbesondere Steuerhinterziehung wird praktisch nicht verfolgt, da wo sie von den Großen betrieben wird – ebenso wenig wie der fortgesetzte Raubzug, den wir im Rahmen des Neoliberalismus als Privatisierung zu bezeichnen erzogen wurden.

 

Download PDF

Blanke Gier (frisst unsere Lebensgrundlage)

Ich bin nicht seiner Ansicht. Er irrt mit der Analyse. Das Einpreisen von politisch-sozialen Werten in das System ist eine ungelöste Aufgabe, ok. Den Gier-Mechanismus angreifen, totaler Quatsch. Das Ding, da steht drauf: ANTRIEB. Bau es aus, und nix geht mehr. Meine Meinung. Daher #truth

Anmerkung des Editors: Eine typische narzistische Strategie der Selbstaufwertung besteht darin, jemand berühmtes und geachtetes beiläufig zu nennen und sich dann völlig ungeniert über den zu stellen, weil man selbst die Scheißwahrheitsquelle Selbst ist. Wer mal Freunde auf Kokain hat abschmieren sehen, der weiß, wie das nach einer Weile ein wenig dazu tendiert, Leute zu entnerven. Wer macht sowas noch? Trump, Nietzsche, Jesus, generell Propheten und Religionsstifter, so mit dem „ich aber sage euch“-Gestus verbunden. Als Menschen-Kategorie: Die Klugscheisser. Auf dem Affenfelsen recht weit oben, bewerfen sie zur Markierung der Dominanz die Unteren mit Kot. In der Form von gebildeten Fremdworten. Finden die, die dann nichts verstehen, meistens beschissen und beschämend. Kommt auch als bissiger proletarisierter prekärer Akademiker vor. Dann besonders gefährlich. Diese Sorte – Sokrates, Diogenes, generell die Kyniker (Hundemenschen), von denen wir das Wort Zynismus haben – die schmeissen alles immer in ein Säurebad, was jemand sagt, und sind dermaßen zersetzend und kognitiv zerfetzend, da kommt dann schon mal ein Schierlingsbecher in Frage. Ächtz. Die CSU fordert die Wiederbestrafung der Gotteslästerung. Ich würde ja gerne Galgen und Kreuzigungen auch recht medieval finden. Lustig lustig, ihr lieben Brüder!

Lachen, was ist das? Eine heftige Entladung psychischer Spannung in einer sozial geteilten Perspektive, der ganze Körper ist beteiligt, danach gelockert, es ist etwas abgeschüttelt, was nicht tragbar ist, ein Kreuz.

Die Tradition grimmiger Theologen

In der Frühzeit des Christentums wurde vielfach die Auffassung vertreten, der Christ dürfe in diesem Leben nicht lachen, vielleicht weil er, so könnte man spöttisch hinzufügen, in der strengen kirchlichen Hierarchie ohnehin nichts zu lachen hatte. Denn nicht von ungefähr spricht man heute noch vom „Heidenspaß“, während es schwerfällt, das Christentum mit Humor, mit Lachen und Scherzen in Verbindung zu bringen, zumindest in der evangelischen Kirche. Die katholische hat immerhin den Karneval in das Kirchenjahr fest integriert.

Der große Lehrer der Ostkirche aus dem vierten Jahrhundert Johannes, der den Beinamen Chrysostomos, zu deutsch Goldmund, trug, weil er herzergreifend zu predigen verstand, wies einmal in einer Predigt eindringlich darauf hin, dass der Christ, der doch mit seinem Herrn gekreuzigt sei, niemals lachen dürfe, sondern ständig weinen müsse, worauf, so berichtet Eike Christian Hirsch, einige Zuhörer lachten und ihm zuriefen:“Wir wollen Tränen sehen!“ Doch damit soll es selbst bei Johannes Goldmund nicht immer geklappt haben. Aber die Frage, ob Christen lachen dürfen, ist wiederholt diskutiert worden.

Womöglich war das Lachen im Mittelalter auch deshalb verpönt, weil es die Erlösung vorwegzunehmen schien. „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“, so heißt es in der Bibel. Vor allem fromme Eiferer, die wie alle Fanatiker und Besserwisser kaum Sinn für Humor haben, weil sie sich selbst zu ernst nehmen, waren fest davon überzeugt, dass die christliche Religion um so wahrer sei, je radikaler und unfroher sie von ihren Anhängern verkündet und vertreten werde.

Es gibt eine lange Traditionsreihe grimmiger Theologen, die das Lachen kritisiert und in ihm Weltlichkeit, sündhafte Dreistigkeit und mangelnden Glauben gesehen haben. Christliche Heilige lachen selten. Man hat zumindest nichts davon gehört, dass sie gelacht hätten, und wer die Bibel, das Alte und das Neue Testament, sowie die Geschichte der christlichen Theologie auf der Suche nach dem Komischen durchstreift, wird, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, selten fündig. Offensichtlich fehlt in den heiligen Schriften und in der Theologie des Christentums ganz einfach der Humor. Selbst der fröhliche tierliebende Franz von Assisi soll an die überkommende kritische Beurteilung des Lachen angeknüpft und geglaubt haben, dass sich im Gelächter bloß eitles Geschwätz und albernes Gescherze spiegelt. Wie verbreitet die Meinung ist, dass Lachen im Christentum verpönt sei, zeigt eine kleine Geschichte von Karl Barth, in der er davon erzählt, dass er im November 1916 einen „aufrichtigen frommen Mann“ getroffen habe, der der Meinung gewesen sei, ein Christ dürfe nie scherzen.

Download PDF

Absichtlich gemacht

Welche Absicht dahinter steht, Absichten zu definieren, dürfte klar sein – es geht regelmäßig nicht um Lob, sondern um angemessenes Bestrafen. Eingehegte, legitime Rache. Eine Demonstration von Macht und Grenzen des Erlaubten. Schmerz, der zugefügt wird. Einst königliches Privileg, heute im Rechtsstaat in vernüftigen Grenzen öffentlich zugänglich – die Strafanzeige macht es möglich. Aber ob zivilisiert oder weniger zivilisiert, Strafe bedeutet Schmerz zufügen. Lerntheorie sagt, es wird nichts Sinnvolles gelernt aus Bestrafung. Also geht es nicht um etwas anderes als Machtausübung zur Befriedigung einer inneren Motivation des Strafenden. Und dafür braucht es Gründe, insbesondere für die gerechte Vergeltung einer bösen Tat. Da muß Absicht berücksichtigt werden. Absicht ist ein gerichteter Wille, eine Form von Vorsatz. ‚Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit‘, darum geht es den Juristen. Getan, um zu. So wird das formuliert.

Wenn etwas nicht gewollt war, kein Plan dahinter steckte, man etwas Schlechtes ohne böse Absicht getan hat, trifft einen auch weniger Schuld oder umgekehrt ist es schlimmer, etwas absichtlich (bewußt, gezielt, geplant, rational, kaltblütig, heimtückisch, unter Ausnutzung von erkennbaren Schwächen, mit Täuschungsabsicht) getan zu haben. Also Versehen, Irrtum, Fahrlässigkeit, Unkenntnis, heftige Emotion, Vollsuff und dann passiert was, das ist was anderes als genau so getan wie gewollt.

Manche können sowieso niemals nichts dafür, weil sie nichts kapieren oder einsehen können. Das wäre dann Unzurechnungsfähigkeit. Alles darüber von Georg Kreisler: Der „Onkel Joschi„. Dieser nette feine alte Herr. Hat es freilich auch gut, dass man ihn in Ruhe ließ, jedenfalls bis zum blutigen Ende. Ach, herrliches Lied.

Zurück zur Schuld. Wenn – wie das fast immer der Fall ist, wenn Menschen was fraglich legales machen und nachher streiten, was da passiert ist und wer es verbockt hat – es um einen nicht gewollten, aber in Kauf genommenen Schaden geht, dann reicht statt Absicht auch der Eventualvorsatz:

Oft trifft man aber auf die Konstellation, dass ein Täter den Erfolg eigentlich gar nicht will, ihn aber als – möglicherweise sogar unerwünschte – Nebenwirkung seiner Handlung in Kauf nimmt. Dieses Inkaufnehmen der Verwirklichung des tatbestandlichen Erfolges wird Eventualvorsatz genannt. Allgemein herrscht Einigkeit, dass für die Strafbarkeit einer Tat Eventualvorsatz genügt.

Gegen wirtschaftliches Handeln ist erstmal ja nix zu sagen. Gewinnmaximierung ist logisch. Sie zu wollen also für den rationalen Unternehmer Pflicht.

Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.
Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.

Was die vielen Menschen angeht, die durch den Hunger, die Armut und die Gewalt zu schaden kommen als Nebenwirkung von billigen Konsumgütern …

Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.
Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.

z.B. die „Wilden“, die mal die Gegend bewohnt haben, bevor der Wald jemandem gehörte … ist ja keine böse Absicht, wenn hier Leute vertrieben werden — bloß die Maximierung des Gewinns.

Hm, nachdenk, warte mal – Nebenwirkung und Inkaufnahme reichen aus für Strafbarkeit. Wie wir produzieren lassen in anderen Ländern, dürfte bekannt sein. Ist nun der Unternehmer schuld, der Staat, der Konsument, der Söldner – alle, keiner, manche, wenige? Sind es die Multis? Ist es das System der Finanzierung? Wer ist schuld an den kriminellen Mißständen?

Ist es kompliziert – oder in Wahrheit ganz einfach?

Die perfekte Vereinfachung – es sind die Anderen schuld, idealerweise eine kleine abgegrenzte Gruppe, die überall für anders definiert werden kann – führt bei Welterklärungen der völkisch-populistischen Art stets zum Ressentiment, auf das sich alle Nicht-Juden einigen können: Schuld sind die Juden, das raffende Kapital, ein paar kranke Bösewichter in einer an sich gesunden Wirtschaft, teuflische Widersacher.

Hitler hat das Potential dieser fiesen Form von Exkulpierung voll erkannt und mörderisch ausgeschöpft. In Nazi-Kreisen ist logischerweise auch der Jude schuld am Weltkrieg, war ja alles nur Notwehr gegen die Polen etc.

Canalterror – Maximierung des Gewinns

Tote Fische, Gift im Boden, Luft verpesten, Wälder roden
Babynahrung, Killerwaffen, raffen raffen raffen raffen
Düngemittel und Kanonen, konzentrierte Produktion
Leben für den Zinseszins zur Maximierung des Gewinns
(Ref.)
Die Multinationalen haben die Welt in ihrer Hand
Die Multinationalen sind die Herren in diesem Land
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
Strategie der Unterdrückung und der Manipulation
Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, alle Werte blanker Hohn
Was sie tun hat nur ein Ziel, Mitleid zählt da nicht mehr viel
Menschenopfer für den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.
Lebensqualität erhöhen haben die Multis nicht im Sinn
das Primärziel ihrer Wirtschaft lautet nur Bilanzgewinn
Nur ein Wort kann sie erheitern, das heißt ‚Kapital erweitern‘
und wir alle zahlen den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.

Aber auch der linke Protestsong als Genre bedient sich gerne der rechts-offenen Klischées – böse Multis sind die mitleidslosen Herren der Welt und vergiften die Welt mit Dreck, Gift und Lügen, dahinter stecken wenige, und die gehören abgeschafft. Statt den Klassenfeind mal genauer zu analysieren, produziert sich so der linke gerade wie der rechte Judenfeind – der sich gegen Vorwürfe wehren wird, die ihn als Antisemit markieren – als mutiger Aufklärer gegen den Zinseszins und die Konzerne.

Noch mal zum Mitschreiben: ‚Weltverschwörung‘ ist KEINE Analyse von irgendwas. Es ist eine bekannte Propaganda ‚rechter‘ wie ‚linker‘ populistischer Menschenfeinde, die zu Gewaltexzessen führt. The soil of Treblinka is rich in your guilt. Der Ausrottung von Juden folgt kein Paradies, sondern die Ausbeutung geht ungerührt weiter, weil. Egal, wie viele Menschen sterben, das System wird davon nicht berührt.

Die Welt wird politisch, sozial, kulturell, militärisch, wirtschaftlich etc. kontrolliert von einer Interaktion von Machtzentren unterschiedlicher Größe, die sich auseinander setzen und zusammen tun, und darin sind chaotische Prozesse auf vielen Ebenen wirksam, die niemand steuern kann.

Prozesse sind nicht zu 100% kontrollierbar. Es reicht ein wenig Komplexität, um die Dinge unvorhersagbar zu machen. Und Menschen, ihre Absichten und Pläne und Strebungen, das IST komplex. Viele davon, die untereinander sich balgen um Status und Vorteile, sprich Politik.

Ganz zu Schweigen von Emergenz, wenn Systeme höherer Komplexität entstehen. Sprich: Kein Mensch kann alles kontrollieren, auch kein Gott oder Computer. Diese werden immer durch eine logisch größere Klammer gerahmt, so wie in ‚einer der bekannteren Götter auf dem Planeten Erde im Anthopozän war xyz‚, als Randnotiz in „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Und Geld ist wirkungslos ohne den Rahmen, dem wir ihm geben – Geld regiert nicht die Welt, sondern Menschen, und genug Geld bedeutet ja auch nur Leben können, also scheissen sammeln jagen kochen essen werken trinken ficken schlafen. Wer mehr will als das Nötigste (also praktisch jeder außer dem Heiligen Martin, der Eremit ist) steuert mit am System von Kontrolle und ist logischerweise gefangen im Netz der Sünde – Konsum, her damit, was wollen wir noch? Und das Zeugs muss ja irgendwoher geholt werden und von irgendwem gemacht und so, und es muss was dafür geben, dass ich es kriege. Irgendwer hat dafür geblutet. Oder auch nur geschwitzt … oder es wurde lediglich Strom verbraucht. Idealerweise lediglich Licht einverleibt. Photosynthese macht vieles einfacher, moralisch gesehen. Als Mensch auch nicht so das Problem, von Pflanzen zu leben (weil sie anders bluten als wir). Und irgendwann bauen Nano-Maschinen aus Sonnenlicht und Irgendwas alles andere nach Belieben, dann ist die Erde im creative mode angekommen. Moralische Probleme beim Konsum, wieso überhaupt? Je näher der Konsum der Selbstverzehrung rückt, um so tabuisierter – nicht die eigenen Leute vergewaltigen, umbringen und aufessen – doch nicht solche, die sind wie ich. Das wir alle kapitalistische Menschenfresser sind, dog eat dog, das sollte und müßte so nicht sein. Möglich ist es, weil wir uns und die anderen als getrennt betrachten. Die Idee von Menschenrechten – alle Leute sind ‚die eigenen Leute‘, unverletzlich wie man selbst, egal wer und wie sie sind – bedeutet genau das Gegenteil. Alle sind eins. Was du anderen tust, tust du dir. Letztlich christlich. Jesus. Oder mystisch. Oder Buddha. Oder Atheisten mit Goldener Regel. Empathie und Respekt. Sich nicht teilen lassen. Ich bin du. Du bist ich. Alle sind letztlich eins, darin besteht ultimativ die Realität. Licht, Schwingungen. Und wer das anders sieht, der kriegt ein paar auf die Ohren. Bevor das hier zu Hippie-mäßig wird.

ORPHANED LAND – All Is One

Download PDF

„Reichsbürger“ sind irre Nazis

Sie ‚denken völkisch‘ in direkter Kontinuität zum NS-Regime und deren unhaltbarer, mörderischer ‚Rassenlehre‘, lehnen Demokratie und Menschenrechte ab, hassen die Juden, Israel und die USA, finden 1937 und Hitler gut, lehnen Sexual-Aufklärung & Gender Mainstreaming ab, wollen alle ‚Abartigen‘ am liebsten umbringen, vermuten überall schädliche Beeinflussung durch Strahlen und Chemtrails etc. Den Staat BRD gibt es für sie nicht, das deutsche Reich hat nie geendet — wofür himmelschreiend schwachsinnige Begründungen gegeben werden wie die, das der Personalausweis ‚beweist‘, das wir Personal einer ‚Firma BRD‘ seien. Wörtlich nehmen ohne Sinn und Verstand, das ist Methode. Sie schreiben hundert Seiten lange Blödsinnstexte an Behörden und sabotieren die Verwaltung, wo es geht. Zahlen teilweise keine Steuern und Strafzettel. Waffen sammeln, den Bürgerkrieg bzw. die Sezession betreiben, Hoheitsgebiete und Titel erfinden, auch das gehört dazu. Anti-Wissenschaftlichkeit, Verschwörungstheorien, das ganze Programm. Das ist sowohl krank als auch gefährlich. Diese Leute stricken an einer reaktionären neuen Welt und heben bei Gelegenheit den nächsten drogenabhängigen, menschenverachtenden Kriminellen auf ihren Führer-Schild.

Wer sowas nicht kennt – hier ist ein Video und eine Website (Blog), die recht typisch sind.

Diese rechtsextremen Leute haben ihre eigene Blase im Internet, wo sie sich gegenseitig ihre ‚Erkenntnisse‘ herum reichen. Trifft mensch einen davon im real life, dann stellst du schnell fest: Hoffnungslos. Aber mich interessiert, wie diese Form von Wahnsinn entsteht, woraus sie sich konstituiert, und wieso sich dieses Zeugs hält. Zumal ich etliche Opfer dieses Hirnparasiten kenne.

Das genau ist das Schreckliche: Der neue Irrationalismus ist genau der alte Irrationalismus, und wird als Erklärung sowohl bei Deutschen als auch bei Migranten akzeptiert. Rassistisch-nationalistisch-sexistisch-antisemitisch, das ist ein Paket von Einstellungen. Menschen, die so reden – Türken, Polen, Jugoslawen, Deutsche – treffe ich überall. Kotzt mich an. Leute, wir (falls das noch andere sehen wie ich) müssen aufpassen, dass wir nicht wieder erneut 1933 erleben.

Download PDF