Kurt Cobain

Interview mit Kurt Cobain. Wie es ist, wenn dich Leute auf einmal 1000 Sachen fragen. Wenn sie denken, da muss doch mehr sein (und nichts verstehen, aber endlos gierig sind).

Gut zu spüren, wie angestrengt der sensible Mensch das findet. Für viele war er Jesus, oder was in der Art. Mich hat Nirvana sehr beeindruckt. Allein der Name. Nirvana, der Zustand, wenn die Täuschungen abgefallen und gestorben sind, wenn das Bewußtsein rein und klar und „unbewegt bewegend“ ist. Toll. Und diese Art, Sachen einfach raus zu hauen, richtig hingerotzt, und genau deswegen dermaßen viel besser, als was die Zeitgenossen so produziert haben. Und ich war *sehr* erleichtert, als die Deppen aufgehört haben, Nirvana toll zu finden (so einen Schatz zu teilen mit Leuten, die es nicht wert sind, ist unangenehm). Als Kurt dann tot war, habe ich bloß gedacht „mußte ja so kommen“. Ich glaube nicht an Zeit, aber klar ist: Wenn es Zeit ist zu gehen (innerhalb dieser Welt kommt ja für alle irgendwann der Tag X, wo es darum geht, einen guten Tod zu sterben) dann bleibt nichts, als das zu akzeptieren. Sich dagegen wehren macht es ätzend, sich dem hin geben macht es schön – so einfach ist das.

Heftig leben, jung sterben. So hatte ich mir das früher vorgestellt. Je älter ich werde, umso mehr spüre ich, wie sich mein Leben selbst überholt hat, und dass ich zunehmend weniger sagen könnte, wofür ich das alles überhaupt mache.

Ist aber auch egal, ich vertraue darauf, dass ich weiß, wann was wie zu tun sein wird. Und tiefer als in die Hände Gottes kann ein mensch nicht fallen. Hab es ausprobiert, und ja: Stimmt. Am Grunde des Abgrunds, tief im Inneren der Erde, im Dunklen und Verborgenen – dort findest du exakt das, was du suchst, und zwar *mit Sicherheit*. Und: Niemand findet oder holt diesen Stein für dich, das ist deine eigene Arbeit.

Kann auch sein, der Stein ist groß und schwer und schlecht zu transportieren, und macht sich gerne selbstständig. Arbeit ist nicht immer lustig, und das Scheitern gehört absolut dazu. Die meisten Menschen scheitern schon daran, sich etwas Eigenes für ihr Leben überhaupt vor zu nehmen, statt plump zu tun, was irgendwie alle tun.

 

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Wenn Kunst nützlich ist (dann ist es keine)

Nur so eine Idee. Weil ich mit dachte, ’nutzloser Künstler‘ ist an sich eine Tautologie. Jeder ‚richtige‘ Künstler ist komplett nutzlos. Ein nützlicher ‚Künstler‘ ist fremdgesteuert — ist ein Arbeiter, ein Propagandist, ein Agitator, ein Marketingfachmann, ein Produktfotograf – jemand, der eine Ware im Auftrag fertigt. Auf der anderen Seite ist es keine Kunst, sich Künstler zu nennen, wenn einer sonst nix mehr dazu einfällt. Und jede ist eine. Also stimmt es auch immer. Sagt dann aber gar nichts mehr aus. Irgendwie sind wir doch alle Manager, und so ein Unsinn. Lieber eine starke Gegenthese. „Kultur ist der einzige wirklich bedeutsame Prozeß, aus dem alles andere hervorgeht. Kunst bildet den stets experimentellen Rahmen, um Erfahrungen kollektiv zu integrieren und zugleich die erfahrbare Matrix zu vergrößern“. Vielleicht so: Kunst ist eher keine Auftragsarbeit, sondern ein innerer Prozess wird auf eine wenig vorhersehbare Weise zu etwas Sinnlich wahrnehmbaren. Zu einem Werk, idealerweise. Viele haben mir gesagt von den wenigen, mit denen ich drüber gesprochen habe, ich solle ‚mal ein Buch drüber schreiben‘. Das ist wohl neudeutsch für ‚genug geredet‘, aber ‚ich bin mal positiv‘. Statt einem Buch gibt es aber nur einen Berg Zeugs und diesen Blog. Dessen Zweck, gerade wird es mir klar, wohl lediglich sein wird, meine Ideen raus zu hauen, damit ich sie los habe, mir eine fiese Sehnenscheidenentzündung zu holen und einen krummen Rücken, und mich vor den unangenehmen Dingen der Realität zu drücken. Was vielleicht meine Art ist, meine Kugel immer wieder den Berg rauf zu rollen. „The struggle itself […] is enough to fill a man’s heart. One must imagine Sisyphus happy.“ (Camus, 1942).

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