Black March – Praeludium Exterminii

The Black March. Ein autobiographisches Buch heißt so, es ist von einem SS-Mann geschrieben und ist mutmaßlich authentisch. Wurde 1956 erstmals in Frankreich veröffentlicht.

Kannte das nicht, hatte nur die Band gegoogelt: Nämlich, eine Black Metal Band heißt „Black March“ (Link auf Facebook), die sind mir eben unter gekommen – das sind Franzosen aus den Pyrenäen. Gründung 2011. Black und Trash, gute Mischung.

Logo von Black March. Bild = Link auf Encyclopaedia Metallum aka „the metal archives“
Ziemlich talentierte Leute (sag ich als Metal-DJ). Ihr erstes (und aktuelles) Album heißt „Praeludium Exterminii“, Vorspiel der Ausrottung.
 

Dazu ein paar Gedanken.

Metal ist als Musikrichtung ja oft mit Themen beschäftigt, um die andere Genres gerne einen weiten Bogen machen – Verzweiflung, Angst, Hass, Rache, Terror, Tod, Gewalt, Zerstörung, Untergang, totale Vernichtung, das Böse, die Negation aller Werte – um einige davon zu nennen.

Natürlich liegt da die Beschäftigung mit Nazis, Massenmördern, Weltkrieg, Holocaust etc. recht nahe.

Seit „Reign in Blood“ von Slayer – mit dem legendären Lied „Angel of Death“ über den KZ-Arzt Josef Mengele (geschrieben aus der skandalösen Ich-Perspektive) gab und gibt es viele künstlerische Annäherungen an den Horror, den Menschen einander antun.
 
Besonders gilt das natürlich für Black Metal (BM).
 

Wobei wohlgemerkt Bands, die explizit sich selbst als Nazis sehen und aufführen (NSBM) die peinliche und unrühmliche Ausnahme sind.

Ein Sonderfall ist Burzum. Einerseits ein Meilenstein des BM – meiner Meinung nach ein unverzichtbares Meisterwerk – andererseits steckt da ein völlig dummer kranker Flachwichser namens Varg Vikernes dahinter, der explizit Nazi ist (und ein unspielbares rassistisches Rollenspiel mit dem totalsten Regelfetischismus ever geschrieben hat, um seinem Sohn seine Weltsicht näher zu bringen) und der vor allem einen Menschen ermordet hat, vermutlich aus Homophobie.

Varg behauptet bis heute, man habe ihn umbringen wollen, er habe in Notwehr gehandelt – woran nichts wahr ist. Es hat aber die Szene sehr verändert, siehe NargarothThe Day Burzum Killed Mayhem.

Ich bekam immer zu hören, du kannst doch nichts von Burzum spielen auf ’nem Metal-Abend
Doch, na klar. Wer sowas sagt, gehört definitiv nicht auf einen Metal-Abend. Metal ist nicht und war nie und wird nie sein: Ausgerichtet danach, was eine Mehrheit denkt und was sie vorschreibt, wie es sich gehört. Metal ist auch keine Musik für Nazis – denn das sind beschissene Konformisten.
Zwischen den politischen Ansichten und dem, was Burzum musikalisch gemacht hat, trenne ich klar. So wie bei Eagles of Death Metal auch, denn die vertreten teilweise sehr blödes Zeugs – und mal ehrlich, bis auf Sepultura und Twisted Sisters (Dee Snider ist seit Kindertagen mein absoluter Held!) kenne ich keine Metal-Band, deren politics ich wirklich 100% gut finde. Selbst System of a Down nicht, die ja explizit politisch singen und viel Gutes dabei vorbringen.
Und ich teile auch nicht die politischen Ansichten von Beethoven, was allerdings auch nie wer verlangen würde. Der war Fan von Napoleon, also unspielbar für Demokraten ?!? Nee – so geht es eben nicht, Künstler ist nicht gleich Werk ist nicht gleich Künstler-Weltsicht. 
 
Aus der Sicht von BM ist Politik etwas für arme Wichte. BM ist krassester Individualismus. 
 
Menschenverachtung, das haben BM-Bands natürlich alle gemeinsam – genauer:
 
Verachtet wird der Mensch als schwaches Wesen, dass nur in und durch die dumme Masse klar kommt, sich auf Götter oder Ideologien stützen muss oder sich zu deren Sklaven macht.
Alles Soziale ist letztlich Lüge – es gibt nur den Einzelnen.
 

Religion wird immer angegriffen als ein Unterdrückungssystem, was die wahre Natur der Menschen vergiftet durch Moral und Dogmen, sie impotent und dumm macht.

Während Politik angegriffen wird, weil sie immer eine konforme Masse schaffen und beherrschen will. Wenn Politik doch mal als etwas Gewolltes vorkommt, dann, um in einer sadistischen Bestrafungsphantasie die verhasste Mehrheitsgesellschaft gnadenlos zu unterwerfen (was natürlich sehr faschistisch ist).

Beispiel dafür: Pitch Black von Vreid. Das ist eine Band, die stark mit Nazi-Optik kokettiert. Musikalisch Black’n’Roll, finde ich recht gelungen. Ist aber eine Ausnahme, würde ich sagen. 

Politik, Religion – prinzipiell beides totale Scheiße aus der Sicht von totalen Non-Konformisten (wie sich BM-ler gerne selbst sehen, insbesondere die, die sich als dem satanischen Prinzip – Rebellion gegen alle Dogmen – verbunden begreifen).

Sicher keine Philosophie, der sich viele Menschen anschließen würden.

Vielleicht wäre noch der Hinweis angebracht, dass generell Metaller sicher (mit) die friedlichsten Leute sind, die du auf diesem Planeten finden kannst – sie machen den inneren Krieg mit sich selbst aus. Und in der Musik. Alles blutige findet in der Kunst statt – und wird eben nicht ausagiert, wie es andere musikalische Subkulturen mit „brutaler“ Musik gerne mal tun.

Jedenfalls, eine Empfehlung: Black March
https://www.youtube.com/watch?v=TVF41GSPsFY
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düster primitives

Jung hätte gesagt archetypen. Einfache, starke, alle irgendwie ansprechende Bilder, die etwas urtümlich-tiefverwurzeltes Mystisches ansprechen, unsere Steinzeitmenscherfahrung, 12.000 Jahre lang gelebtes Leben. Feuer, Dunkelheit, Haare, Bäume, Nebel, Wasser. Black Metal ist sehr reduktionistisch, nimmt aus der Musik sehr viel an Tamtam raus, die ganze Fickerei und Buhlerei und den Narzismus (also Freddy Mercury), auch den Intellektualismus (Zappa) oder jede Art von Spaß (die Alkohol-Verkaufs-Erleichterungs-Musik, auch Volksmusik, Schlager, etc. genannt)) fällt weg, und was bleibt, ist der kalte harte Existentialismus. Flammen im Vakuum. Besser ist es kaum formulierbar, denke ich.

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Pitch Black Attack

We are Vreid and we play Black Metal …

https://youtu.be/EpuiETqsEzs

Alarming sirens fuel the fear
Everywhere there’s chaos and decay
Glass shattering
War drums battering
Enter the pitch black brigade


A new regime without crown or king
Ruled by ice cold cadaver discipline
A ravenous destruction of all civilian resilience
A blackened way on this blackened day

The ultimate grimness
Organized with militant precision
An amoral killing brigade
Bringers of sorrow, hate and suppression
Soldiers of perdition marching on

Torture and terror are indoctrinated means
Sledge hammer propaganda oils the war machine
Historical misfits are brought back to life
Immortalised as icons for the pitch black brigade totalitarian regime

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Black Metal aus Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Bahrain

Angriff auf den Monotheismus ist eine Konstante im Black Metal: Gott gibt es nicht, und die Gott-Propaganda macht Menschen zu Sklaven. Das Christentum ist zur Zeit weniger brutal unterwegs als in seinen Hoch-Zeiten, dagegen Islam mit terroristischen „Gottesstaaten“ und Terror-Milizen gerade extrem pestig. Also die Frage, wie sieht es aus mit Black Metal aus diesen Ländern.

Hier ein Artikel dazu sowie mehrere Bands – Seeds of Iblis (Irak), Janaza (Irak), Ayat (Libanon), Al Namrood (Saudi-Arabien), Tadnees (Saudi-Arabien), Narjahanam (Bahrain).

Auch sonst sind Leute aus ‚islamischen‘ Ländern durchaus in der Lage, anständige Musik zu machen: Trash Metal wie Acrassicauda (Irak) und Death Metal wie Scarab (Ägypten) und Maat (ebenfalls Ägypten) stellen das unter Beweis. Weitere Bands: Arsames (Iran), Angband (Iran), Myrah (Tunesien)

Wobei klar ist: In diesen Ländern ist es verboten, solche Musik zu machen. Gefängnis, Auspeitschen, Tod – sowas kann dir da passieren als Metaller.

In Israel gibt es übrigens eine ziemlich lebendige und freie Metal-Szene, die hier kaum wer kennt: Melechesh, SalemAmaseffer, Arallu, DistortedOrphaned LandKhalas (Palestina).

narjahanam-wa-ma-khhufiya-kana-a-atham

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