„Aleppo – what is Aleppo“?

aleppo
Damaged buildings in the rebel-held Ansari district of the northern Syrian city of Aleppo, 24 November, 2014 BARAA AL-HALABI/AFP/Getty Images

Als Einstieg Le Monde, dann Society of Geeks. Und der Independent. Jeweils über die Situation in Syrien und insbesondere Aleppo.

Natürlich sind die enthaltenen Darstellungen recht unvollständig. Zitiere ich mal einen Kommentator:

no mention of the saudi and qatar pouring money arms and fighters into syria, no mention of american evolvement in libya where hillary clinton together with obama bombed gaddafi government forces and backed radical islamist groups with money and weapons, also no mention of Turkey involvement as supply route for weapons into Syria and stolen oil from the syrian people sold in Turkey

Salon über USA, Saudi-Arabien, Quatar und den IS. Was aus den geleakten Mails von Hillary Clinton so zu erfahren ist.

Huffington Post über die Verbindung von IS und Türkei. Eine Sammlung von einzelnen Ereignissen und Quellen. Es geht um die Durchreise von Jihadisten über Hatay nach Syrien, um Waffenlieferungen, Aufenthalt und Training, Krankenhaus-Behandlungen, den Kauf von IS-Öl und andere Verwicklungen.

Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey
Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey

Die Türkei bestreitet die von Russland erhobenen Vorwürfe, die USA weisen darauf hin, dass zwar IS-Öl geschmuggelt wird, es aber im Wesentlichen an Assad geht.

Die Sicht der türkischen Regierung – nachlesbar bei Yenisafak (auf Englisch) – ist etwa so: Die USA und die EU haben „den 15. Juli“ inszeniert, um die Türkei zu zerstören. Und weil das nicht geklappt hat, wollen sie nun mithilfe der PKK/YPD (Kurden) die Türkei von Süden her einschließen, eine große Terrorzone schaffen und letztlich die Türkei auseinander zu nehmen. Daher habe man die Pflicht, diese „Belagerung“ zu brechen und nach Mossul vorzudringen. Alles eine große Verschwörung gegen die Türkei:

Just as they made a partnership with Fetullah Gülen and his terrorists on July 15 for this purpose, there is a trap they have set up against Turkey – in the guise of fighting Daesh – through partnership with terrorist organizations like the PKK/PYD in Syria. They are now in efforts to achieve what they failed to do within the country through the Gezi Park events, the Dec. 17 and Dec. 25, 2013 coup attempt, the Demirtaş project and the bloody July 15 attack, through these organizations from the outside. [Quelle: Yenisafak]

Na klar, die USA und die EU wollen die Türkei zerstören. Und die arme Türkei kann sich nur noch retten, indem sie nach Irak marschiert – reine Notwehr. Sagt der Irre vom Bosporus.

Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.
Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.

Die Panzer stehen schon in Silopi. Dort ist der einzige türkische Grenzübergang zum Irak. Ziele sind Tal Afar, Mossul, Erbil, Kirkuk. Stadte, die die Kurden als ‚ihre‘ Region bzw. als Teil Kurdistans sehen. Während die AKP von den glorreichen Zeiten des Groß-Osmanischen Reiches schwadroniert …

Osmanisches Reich, früher mal (lange her)
Osmanisches Reich, Expansion

Während im Land selbst Nazi-Methoden an den Start gebracht werden, wie es der Außenminister von Luxemburg genannt hat. Der Sanktionen fordert. Was wirkungsvoll wäre, denn 50% der Exporte der Türkei gingen in die Europäische Union. Anders als bei den unwirksamen Russland-Sanktionen, wo es nur 2% Prozent seien, habe man damit ein wirksames Werkzeug in der Hand. Dazu komme, dass 60% Prozent der Investitionen in die Türkei aus der EU kämen.

Ulusi Akar und Joe Dunford beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil
Die Top-Militärs Ulusi Akar (Türkei) und Joe Dunford (USA) beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil

Telepolis zur Offensive auf Raqqa (die Hauptstadt von IS/daesh) und dem Krisentreffen von Spitzenmilitärs der USA und der Türkei.

Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State
Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State

Der Independent über die kurdische Befehlshaberin Rojda Felat und den Vorstoß auf Raqqa.

Frauen spielen bei der PKK und der SDF eine wichtige Rolle :

Female fighters are a key part of the offensive against Isis and there are understood to be more than 10,000 women fighting in both all-female and mixed Kurdish battalions.

Ob es daran liegt, dass so viele kurdische Männer bereits tot sind? Das ist jedenfalls meine Vermutung – im Krieg dürfen Frauen gleich- oder jedenfalls weniger ungleich berechtigt sein, weil eben neue Kämpfer gebraucht werden. Das war selbst im reaktionär-patriarchalen Nazi-Deutschland so, als die Soldaten-Männer ausgingen – später kamen dann die „Heim und Herd“-50er Jahre, wo das wieder zurück gedreht wurde.

Guardian zum Thema, wieso die Türkei es vorzieht, gegen die Kurden und eben nicht gegen den IS zu kämpfen.

Times dazu, wieso die USA wie gehabt zugleich Kurden unterstützen und der Türkei den Krieg gegen die Kurden gestatten.

Der Standard zur Situation und Gefühlslage. Wieso sich die Kurden mal wieder verraten fühlen.

Geo-Politik ist halt so, sagt Henry Kissinger (der diese Form, Politik zu machen, personifiziert): Ein ständiges Taktieren ohne dauerhafte Allianzen, wobei alle Seiten offen oder verdeckt unterstützt werden, wo es den eigenen Interessen gerade nützt. Er erklärt auch, wieso das seiner Ansicht nach nötig ist für eine neue Weltordnung.

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Mossul, Bagdad, Damaskus, Jerusalem

In der Zeit von Saladin (1169 Eroberung von Ägypten, dann 1174 Damaskus, 1176 Aleppo und 1183 Mosul) fetzte sich dieser als Sultan mit den Zangiden (Nur al-Din, sein früherer Mentor, wurde von seinem Ableben daran gehindert, gegen Saladin in den Krieg zu ziehen, aber seine Kollegen rund um Mossul waren ab da strikt gegen Saladin) und den Abbasiden (Baghdad) sowie einer „imperialistischen“ (eh, so hätte das früher keine genannt, weil ja alle diese Herrscher nur kriegerische Raffzähne waren, die na klar dem Nachbarn den Schädel einschlagen und dann das Land regieren wollen) Staatsneugründung im ‚heiligen Land‘, dem Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem. Mit Ruchlosigkeit nutzte Saladin den Jihad als Mittel, seine Macht zu festigen und die Muslime (die untereinander in verfeindete Fraktionen sowie Stämme und Regionen gespalten waren) zu vereinen. Pan-Arabische Ideen von Assad und Groß-Kurdische oder Groß-Türkische oder Groß-Israelische oder Groß-Palästinensische Ideen – das Power Play um die Levante ist so alt wie die Menschheit, vermutlich. Jedenfalls ist es schon lange im Gange und eine ziemlich ekelige Geschichte. Womit ich meine, es ist scheußlich, wenn ständig bewaffnete Männer-Horden im Namen von ihrem Gott brandschatzend durch die Gegend ziehen, alles niedermetzeln, vergewaltigen, stehlen, morden, anzünden, zerstören. Die Geschichte ist ausgesprochen blutig und widerwärtig. Einen besseren Beweis dafür, dass es keinen Gott nicht gibt und vor allem auch nicht geben sollte, kann sich Mensch andererseits kaum wünschen, weil: Wer immer solche Dinge in Bewegung setzt und gut heißt, gehört dringend in Haft genommen. Gotteskrieg (oder sonstwelchen Krieg) soll auch niemand predigen, egal welche Religion jemand deklariert. Wer das verneint, wird mir hoffentlich wenigstens zustimmen, das Krieg nicht unbedingt mit Ideen von Menschenrechten harmoniert und es daher wünschenswert wäre, möglichst wenige Kriege zu haben, eben weil da Menschen furchtbar zu leiden haben – übrigens schon immer im Wesentlichen die unbewaffnete und ungeschützte Zivilbevölkerung, die direkt Opfer wird oder indirekt für die Kosten aufkommt.

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