Lügenmärchen ‚Arbeitslosenzahlen‘

Angeblich sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit 25 Jahren nicht mehr. Hahaha. Lächerlich. Wer keine Arbeit hat, von der es sich gut und sicher leben läßt – einen richtigen, abgesicherten Arbeitsplatz, eine feste Anstellung mit anständiger Bezahlung – der ist prekär. Und darum geht es doch. 1€-Job, Mini-Job, Zeit- und Leiharbeit, Aufstocker – das sind keine Arbeitsverhältnisse, auf die in der sozialen Marktwirtschaft irgendwer stolz sein könnte. Dass die Eliten sich nicht schämen, den Sozialabbau als Erfolg zu feiern, ist klar. Ähnlich wie es Orwell in „1984“ beschreibt, gibt der Televisor ständig neue Fortschritte bekannt, wobei jeder weiß, dass es zwei Wahrheiten gibt – die der Erfahrung und die der offiziellen Denkungsart, die stets gleichzeitig existieren und durch die Kunst des ‚Doppel-Denk‘ fein auseinander gehalten werden müssen. Seit dem Jahr 2000 (‚Lisbon Strategy‘ der EU) bzw. in Deutschland ab 2003 mit der ‚Agenda 2010‘ wurden Mechanismen geschaffen, die die ‚Wettbewerbsfähigkeit‘ verbessern sollten. Auch so ein furchtbarer Euphemismus. Letztlich geht es immer darum, die Arbeitskräfte möglichst weit zu verbilligen, weil – und das ist wesentlich – der soziale Friede keine relevante Kategorie mehr ist, von „Fortschritt für alle“ ganz zu schweigen. Die Idee, dass wir den Kapitalismus in eine Form bringen, mit der es sich für alle leben läßt, ist obsolet im Denken von Wirtschaftsmenschen. Bertelsmann betreibt die Umschreibung der Geschichte mit dem perfide-exakt bezeichneten Programm „Neue soziale Marktwirtschaft“. Das Neue daran: Ab sofort bedeutet ’sozial‘ nicht mehr Arbeiter- sondern im Gegenteil Unternehmerfreundlich. „Sozial ist, was Arbeit schafft“. Und Arbeit ist alles, wo du beschäftigt bist, wobei gerechter Lohn irrelevant ist.

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