2017-04-07 Angriff der US-Kräfte (Flugzeugträger) auf Shayrat (eine Zusammenstellung von Recherche-Ergebnissen)

Statt am Ostermontag – wie ich es sonst eigentlich immer tue – auf den Ostermarsch zu gehen, habe ich mich diesmal lieber am PC mit Krieg und Frieden beschäftigt. Eher mit Krieg, tatsächlich.

Die untere der beiden Basen ist Shayrat.

Shayrat ist die zweitgrößte Luftwaffenbasis in Syrien und untersteht unmittelbar dem Assad-Regime.

Die größte Luftwaffen-Basis ist Hmeimim in der Küstenregion Latakia – diese Basis wird von den Russen selbst betrieben, die in Tartus ihren Stützpunkt für Marine haben – den einzigen überhaupt in der Gegend, daher von hoher Bedeutung für sie) – während Shayrat von den Syrern betrieben wird, aber eben auch russische Helikopter beherbergt.

Reichweiten des russischen S-400 Raketensystems (kann Flugzeuge abschießen): 40 Km, 120 Km, 250 Km, 400 Km.
Jedes Eingreifen von Türkei, Israel oder USA in den Krieg mittels Flugzeugen kann durch Russland potentiell verhindert bzw. erschwert werden, weil Putin anordnen kann, diese abzuschießen.
Die in Latakia stationierten russischen SU-24 Kampfjets haben eine Reichweite von 3000 Km. Hin- und Rückflug also 1000-1500 Km (roter Kreis).

Die Basen in Latakia (Airbase) und Taurus (Hafen) sind für Russland enorm bedeutsam. Sie sind der einzige russische Brückenkopf in dieser Region.

Wenn mensch sich die Karten ansieht (die ich selbst gebastelt habe, also nicht unbedingt wirklich starke Daten, nur was ich eben im Internet dazu finden konnte, in grober Annäherung), da sind die Reichweiten des dort installierten Anti-Flugzeug-Raketensystems S-400 und der SU-24 Kampfjets eingezeichnet – wird klar, wieso dieser Krieg ohne Russland nicht beendet werden kann.

Roter Zeiger: Die angegriffene Airbase. Roter Diameter – die Reichweite der Raketen, die verwendet wurden. Der Abschuß erfolgte aus dem Mittelmeer von US-Flugzeugträgern. Mit Tomahawk-Raketen kann auch problemlos Iran angegriffen werden – das ist gut ersichtlich.

Nun zu den Tomahawk-Raketen. Die wurden von zwei Flugzeugträgern der US-Streitkräfte im Mittelmeer abgefeuert. Wie weit so eine Tomahawk-Rakete fliegen kann (1300 bis 1700 Km, je nach Typ) ist ebenfalls erstaunlich.

1,36 Millionen US$ kostet eine solche Tomahawk-Rakete.

Der Abschuss von 59 Tomahawk-Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Shayrat bei Homs, wo syrische und russische Luftwaffe stehen, hat nach meiner Rechnung 80 Millionen US $ gekostet – nur Materialkosten.

Kursverlauf der Raytheon-Aktie

Passend dazu sind die Aktien von Raytheon – dem Hersteller der Tomahawk – im Kurs gestiegen. Nicht enorm, aber doch genug, damit es sich lohnt für die Kriegsgewinnler, nicht zuletzt den Präsidenten: Denn natürlich besitzt Trump solche Aktien. Praktisch. So kann man auch gut Gewinne erzielen mit Krieg [1].

Eine kleine Abschweifung: Vannevar Bush, Gründer von Raytheon (1922), war auch der Mann, der das Manhattan Projekt angestoßen hat (die Entwicklung der Atombombe) und grundlegende Ideen zu dem, was später PC-Technik, Computer und Internet geworden ist, geliefert hat. Douglas Engelbart (der die Maus erfand) und Ted Nelson (der Hypertext erfand) würden durch seine Schrift As we may think wesentlich inspiriert.

Ergebnis des Bombardements nach US DOD:
Die Russen waren vorher gewarnt worden und haben wohl ihre Maschinen in Sicherheit gebracht.

Wo Sputnik (also Russland) dahinter steht, ist stets Skepsis angebracht, weil Sputnik und RT ständig und umfassend Disinformation betreiben, mit einer Mischung aus Falschmeldungen, Umdeutungen, Auslassungen etc. Da das sehr systematisch passiert, ist meine Ansicht, ich sollte die völlig außer Acht lassen. Aber das Bild war einfach zu gut.

Auch 5 syrische Jets haben es überstanden und sind wohl bereits wieder Einsätze von dort geflogen.

Militärisch also eher nutzlos, die Aktion. Ein paar Löcher in den Boden gesprengt – für 80 Millionen Dollar.

„Der Raketenangriff, bei dem 59 Tomahawk-Raketen des Rüstungskonzerns Raytheon zum Einsatz kamen, die 1,4 Millionen Dollar pro Stück kosten, ließ die Aktien des Unternehmens in die Höhe schnellen. Dieser Schub ließ am Freitagmorgen den Marktwert von Raytheon um rund $1 Milliarde Dollar ansteigen. Offenlegungsanträgen zufolge investiert Präsident Trump in Raytheon, was bedeutet, dass er direkt von dem Angriff profitiert hat.“ [1]

Quelle: 1. Democracy Now!: https://www.democracynow.org/2017/4/10/headlines

EDIT: Ansich will ich einen eigenen Artikel zu NATO und Türkei machen, aber das erscheint mir schon mal wichtig: Die USA gehen aus Adana (Incirlic) raus und beziehen Basen in Nordsyrien: http://www.debka.com/article/26004/US-Air-Force-to-quit-Incirlik-move-to-Syria-base

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„Aleppo – what is Aleppo“?

aleppo
Damaged buildings in the rebel-held Ansari district of the northern Syrian city of Aleppo, 24 November, 2014 BARAA AL-HALABI/AFP/Getty Images

Als Einstieg Le Monde, dann Society of Geeks. Und der Independent. Jeweils über die Situation in Syrien und insbesondere Aleppo.

Natürlich sind die enthaltenen Darstellungen recht unvollständig. Zitiere ich mal einen Kommentator:

no mention of the saudi and qatar pouring money arms and fighters into syria, no mention of american evolvement in libya where hillary clinton together with obama bombed gaddafi government forces and backed radical islamist groups with money and weapons, also no mention of Turkey involvement as supply route for weapons into Syria and stolen oil from the syrian people sold in Turkey

Salon über USA, Saudi-Arabien, Quatar und den IS. Was aus den geleakten Mails von Hillary Clinton so zu erfahren ist.

Huffington Post über die Verbindung von IS und Türkei. Eine Sammlung von einzelnen Ereignissen und Quellen. Es geht um die Durchreise von Jihadisten über Hatay nach Syrien, um Waffenlieferungen, Aufenthalt und Training, Krankenhaus-Behandlungen, den Kauf von IS-Öl und andere Verwicklungen.

Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey
Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey

Die Türkei bestreitet die von Russland erhobenen Vorwürfe, die USA weisen darauf hin, dass zwar IS-Öl geschmuggelt wird, es aber im Wesentlichen an Assad geht.

Die Sicht der türkischen Regierung – nachlesbar bei Yenisafak (auf Englisch) – ist etwa so: Die USA und die EU haben „den 15. Juli“ inszeniert, um die Türkei zu zerstören. Und weil das nicht geklappt hat, wollen sie nun mithilfe der PKK/YPD (Kurden) die Türkei von Süden her einschließen, eine große Terrorzone schaffen und letztlich die Türkei auseinander zu nehmen. Daher habe man die Pflicht, diese „Belagerung“ zu brechen und nach Mossul vorzudringen. Alles eine große Verschwörung gegen die Türkei:

Just as they made a partnership with Fetullah Gülen and his terrorists on July 15 for this purpose, there is a trap they have set up against Turkey – in the guise of fighting Daesh – through partnership with terrorist organizations like the PKK/PYD in Syria. They are now in efforts to achieve what they failed to do within the country through the Gezi Park events, the Dec. 17 and Dec. 25, 2013 coup attempt, the Demirtaş project and the bloody July 15 attack, through these organizations from the outside. [Quelle: Yenisafak]

Na klar, die USA und die EU wollen die Türkei zerstören. Und die arme Türkei kann sich nur noch retten, indem sie nach Irak marschiert – reine Notwehr. Sagt der Irre vom Bosporus.

Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.
Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.

Die Panzer stehen schon in Silopi. Dort ist der einzige türkische Grenzübergang zum Irak. Ziele sind Tal Afar, Mossul, Erbil, Kirkuk. Stadte, die die Kurden als ‚ihre‘ Region bzw. als Teil Kurdistans sehen. Während die AKP von den glorreichen Zeiten des Groß-Osmanischen Reiches schwadroniert …

Osmanisches Reich, früher mal (lange her)
Osmanisches Reich, Expansion

Während im Land selbst Nazi-Methoden an den Start gebracht werden, wie es der Außenminister von Luxemburg genannt hat. Der Sanktionen fordert. Was wirkungsvoll wäre, denn 50% der Exporte der Türkei gingen in die Europäische Union. Anders als bei den unwirksamen Russland-Sanktionen, wo es nur 2% Prozent seien, habe man damit ein wirksames Werkzeug in der Hand. Dazu komme, dass 60% Prozent der Investitionen in die Türkei aus der EU kämen.

Ulusi Akar und Joe Dunford beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil
Die Top-Militärs Ulusi Akar (Türkei) und Joe Dunford (USA) beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil

Telepolis zur Offensive auf Raqqa (die Hauptstadt von IS/daesh) und dem Krisentreffen von Spitzenmilitärs der USA und der Türkei.

Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State
Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State

Der Independent über die kurdische Befehlshaberin Rojda Felat und den Vorstoß auf Raqqa.

Frauen spielen bei der PKK und der SDF eine wichtige Rolle :

Female fighters are a key part of the offensive against Isis and there are understood to be more than 10,000 women fighting in both all-female and mixed Kurdish battalions.

Ob es daran liegt, dass so viele kurdische Männer bereits tot sind? Das ist jedenfalls meine Vermutung – im Krieg dürfen Frauen gleich- oder jedenfalls weniger ungleich berechtigt sein, weil eben neue Kämpfer gebraucht werden. Das war selbst im reaktionär-patriarchalen Nazi-Deutschland so, als die Soldaten-Männer ausgingen – später kamen dann die „Heim und Herd“-50er Jahre, wo das wieder zurück gedreht wurde.

Guardian zum Thema, wieso die Türkei es vorzieht, gegen die Kurden und eben nicht gegen den IS zu kämpfen.

Times dazu, wieso die USA wie gehabt zugleich Kurden unterstützen und der Türkei den Krieg gegen die Kurden gestatten.

Der Standard zur Situation und Gefühlslage. Wieso sich die Kurden mal wieder verraten fühlen.

Geo-Politik ist halt so, sagt Henry Kissinger (der diese Form, Politik zu machen, personifiziert): Ein ständiges Taktieren ohne dauerhafte Allianzen, wobei alle Seiten offen oder verdeckt unterstützt werden, wo es den eigenen Interessen gerade nützt. Er erklärt auch, wieso das seiner Ansicht nach nötig ist für eine neue Weltordnung.

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