Erich Mühsam – Der Gefangene

Mühsam würde von den Nazis im Gefängnis ermordet. Er war Anarchist und sah das so: Wir alle sind Gefangene. Und manche, die sind eben trotzig, die kämpfen dagegen, egal was kommt.

erich_muehsam Wenn es mehr wären, könnte was gewonnen werden, klappt aber hierzulande traditionell nicht. Aber es gibt immer Leute, die aufbegehren. Allerdings werden die dann eben tot geschlagen, das ist natürlich nicht so großartig. Ist aber vielen guten Leuten so gegangen, und wann das aufhört steht in den Sternen.

Der Text – von Slime gecovered, und weil ich die anderntags live gesehen habe, kam ich überhaupt drauf – hier ist er:

Ich hab’s mein Lebtag nicht gelernt,
mich fremdem Zwang zu fügen.
Jetzt haben sie mich einkasernt,
von Heim und Weib und Werk entfernt.
Doch ob sie mich erschlügen:
Sich fügen heißt lügen!

Ich soll? Ich muß? – Doch will ich nicht
nach jener Herrn Vergnügen.
Ich tu nicht, was ein Fronvogt spricht.
Rebellen kennen beßre Pflicht,
als sich ins Joch zu fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Der Staat, der mir die Freiheit nahm,
der folgt, mich zu betrügen,
mir in den Kerker ohne Scham.
Ich soll dem Paragraphenkram
mich noch in Fesseln fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Stellt doch den Frevler an die Wand!
So kann’s euch wohl genügen.
Denn eher dorre meine Hand,
eh ich in Sklavenunverstand
der Geißel mich sollt fügen.
Sich fügen heißt lügen!

Doch bricht die Kette einst entzwei,
darf ich in vollen Zügen
die Sonne atmen – Tyrannei!
Dann ruf ich’s in das Volk: Sei frei!
Verlern es, dich zu fügen!
Sich fügen heißt lügen!

Download PDF

Slime-Konzert (Köln-Mülheim, Gebäude 9, 4. 11. 2016)

Hat mir doch wer noch eine Karte für das an sich ausverkaufte Konzert vermacht und wer anderes 10€ geliehen, wo ich mich schon mit Feuertonne auf dem Hof und Bier im Freien einrichten wollte.

slime-2016-11-04-gebaeude-9

Punks sind mittlerweile auch mit Söhnen da, Slime nach wie vor großartig, Pogo macht wie immer meine Brille kaputt, (zu viel) Party machen und sich verabreden, den Sohn morgens zum Judo bringen verträgt sich nicht. So ist das. Bin mal wieder auf den Teil von mir rein gefallen, der die Zeit einfach ignoriert und von ‚alt‘ nix wissen will. Hat mächtig Spaß gemacht, am nächsten Tag natürlich Katzenjammer. Die Band kam mit schlichten Transportern – nix gigantischer Tourbus – und schleppte ihren Kram selbst, gerade wie ich bei den Metal-Abenden; so gehört das. Schwerstens sympathisch. Traf sie mittags beim Abrücken noch mal, als ich mein Rad geholt hab. Grüßte & bedankte mich und wurde freundlich gegrüßt, ‚der Mann mit Hut‘, freut mich von Herzen. Denk ich an euch, wünsche eine großartige Tour!

slime-sich-fuegen-heisst-luegenSlime sind definitiv Musik, die genau wie Crass, Dead Kennedys, Ramones, B-52s und dergleichen – von Lemmy und Motörhead ganz zu schweigen – einfach so … fehlen mir die Worte, das auszudrücken. Prägend ist irgendwie alles, das trifft es also nicht. Eher so: Das waren Leute, die direkt mein Herz und Hirn erreicht haben und darin bis heute geblieben sind. Dankbar, das es sie gab und gibt, keep on rocking. Mögen sie alle 1000 Jahre leben! BANZAI! Ein Teil meiner Jugend, und irgendwie halte ich Zeit ja sowieso nicht für so real. Es ist eine Schwingung darin, was Punk und Metal eben macht, und damit bin ich verbunden. Das zu spüren ist toll. Rein physikalisch ist na klar das Älter- und Alt sein am Start. 1980 ist halt 36 Jahre her, die reign in blood von Slayer hatte 40-jähriges Jubiläum.

reign-in-bloodLet’s face it, wir hören und sind oldies. Eigentlich auch nicht wir, ich und noch ein paar Leute, für die anderen kann ich nicht sprechen. Bloß, die anderen und (alle davor, mehr oder weniger gut überliefert) sind ja auch noch da. Also, wer ist wer? Kraftklub mit ihrem Lied „Zu jung“ bringen auf den Punkt, wo das Problem für die nächste Generation liegen könne. Mein Junior liebt es. Drei Schüsse in die Luft. Er mag Ska und sowas. Und hört sehr querbeet. Was der mit fast 9 kennt, da habe ich Jahre lang gebraucht — wie ist das mal schwer gewesen, an Musik dran zu kommen! Und jetzt, dem Internet sei dank, ist es so einfach, sich allerbestes Material kultureller Art jedenfalls in seiner Konserven-Version zu erschließen. Abschließend sei gesagt, bis zum bitteren Ende, für immer Punk. Obacht, dass sind nicht die erwarteten Lieder. Sondern Daily Terror und Rainald Grebe. Die Goldenen Zitronen und die Hosen sind selbstverständlich auch fein; dachte bloß, ein wenig mehr & anders geht immer.

Download PDF