G20 – Hamburg 2017

G20 – der Staat haut rein. Die Polizei hat die „Welcome to Hell“-Demo geplant in eine Falle gesetzt und den schwarzen Block auseinander genommen. Viele Menschen sind durch die Polizei verletzt worden.

Video, wie die Demo aufgemischt wird – beste Übersicht über das Geschehen:

Die Staatsgewalt hat eine brutal harte Linie gegen bis dahin friedlichen Protest gefahren. Dann hat sie die Zerstörungen im Schanzenviertel laufen lassen. Und schließlich ganz einen auf dicke Hose gemacht, mit SEK und allem Schnickschnack.

Quelle: Postillion

Mehr wie ein Manöver, eine Krisen-Übung als wie der verantwortungsvolle Umgang mit einer von Menschen bewohnten Stadt und mit von Menschen mit Leben gefüllter politischer Protestkultur.

Demokratie geht anders. Insbesondere auch der Umgang mit den Linken.

Durch das ritualisierte Verhauen der rebellischen Jugend wird niemand auch nur ein winziges bisschen weniger frustriert und abgefuckt sein – eher bestärkt dieses Vorgehen die Weltsicht von Menschen, die in der Polizei lediglich Kampfroboter sehen.

Wie man es auch dreht und wendet –  Hartmut Dudde als polizeilicher Einsatzleiter des G20-Gipfels in Hamburg hat auf ganzer Linie versagt.

Zweite Perspektive:

Dudde dazu: „Wir hatten ja die Hoffnung, dass wenn wir die an die Flutschutzmauer … also, dass die (…) das abgrenzt. Das die Mauer nicht hoch genug war, dass man da flüchten konnte, so sind sie uns weg gekommen – das war nicht geplant“.

Dritte Perspektive:

Danach gab es dann Krawall im Schanzenviertel.

Und natürlich ist Aufmerksamkeit, wo Gewalt ist. Die vielen friedlichen Bilder werden von den Medien sehr viel weniger transportiert, dabei sind sie die Masse dessen, was Protest ausmacht.

Zusammenschnitt aus Facebook: Diverse Protestgeschehnisse

Ein Bild finde ich drückt verdichtet sehr viel davon aus, was in Hamburg passiert ist. Da steht eine junge Frau auf einem Polizei-Fahrzeug, und sie wird von mehreren Beamten mit Pfefferspray beschossen.

Ich finde, das hat Meme-Qualitäten.

Festspiele der Demokratie. Einigkeit und Recht und Freiheit. Gleichheit und wie Geschwister leben. Oper für Staatsgäste, Polizeigewalt für die Opposition, gerade so wie 68 oder sonst wann in diesem Spektakel.
 
Menschenrechte. Nicht theoretisch, sondern alles für alle sofort. Ganz praktisch. Das ist die Idee der Revolution.
 
Was ist mit Gerechtigkeit? Und wer regiert die Welt zu wessen Gunsten? Wie gehen wir mit diesem Planeten und seiner Biosphäre um? Wieso Krieg und Gewalt, wieso Hunger?
 
Die alte Ordnung sagt: Muss so sein. Und siehst du das nicht ein, gibt es halt auf die Fresse. Sogenannter konservativer Standpunkt.
Nicht die Festung Hamburg, sondern die mittlerweile historische Gefangenensammelstelle von Paris namens Bastille.
 
Revolutionäre sagen: Uns egal, wir hauen das zu Klump und machen es so, wie es uns dann besser erscheint.
 
Angesichts der krassen Überlegenheit des staatlichen Gewaltapparates gegenüber den verrückten Individualisten, den sektiererischen Kleingruppen und losen Zusammenhängen und auch gegen größeren Scenes gibt es keine Chance, tatsächlich irgendwie die Ordnung auszuhebeln.
 
Was bleibt, sind Inszenierungen von Ablehnung. Unmut bekunden. Eine Haltung einnehmen. Und ein Stück Raum, für eine kurze ZeitUnd es gibt die langen Linien. Wesentliches ist nie aufhaltbar – sondern passiert immer trotzdem. Die Welt bleibt nicht stehen.

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Polizei vor dem Haus die ganze Nacht

Übel. Wegen der Hausbesetzung gestern sind heute Nacht ständig Polizisten mit Taschenlampen zugange, alle paar Stunden. Das macht mich nervös, weil ich es via CCTV sehe (ich achte auf mein Fahrrad – wenn sich da was bewegt, zeigt mir das eine Kamera auf meinem TV). Die lösen bei mir dauernd Alarm aus. Nervt. Genau wie diese Verwarnung gestern morgen. Andererseits war mein Fahrrad vermutlich noch nie so sicher wie in dieser Nacht 🙂
Beobachtung – Georg Kreisler – Kreislers Purzelbäume
Der Chef gab mir vertraulich die Adresse
Ich solle mich gleich an die Arbeit machen
Es sei des Staates höchstes Interesse
Den Mann dort Tag und Nacht zu überwachen
Ich folgte diesem Mann auf allen Wegen
Ich stand vier Nächte lang vor seinem Haus –
Verlor ihn selbst beim Pimpern
Nicht einmal aus den Wimpern
Und dabei was seltsames heraus:

Er beobachtet mich
Ganz genau wie ich ihn
Wo ich bin ist auch er
Geh‘ ich grad, steht er quer
Und blickt wachsam zu mir hin
Erst verfolge ich ihn
Und dann geh‘ ich ein Stück voran –
Bis man zwischen uns keinen Unterschied merken kann

Ein Wissenschaftler, dem ich dieses sagte
Erzählte mir darauf bei ein paar Bieren:
„Der Virus den ich kürzlich erst erjagte
Der benimmt sich auch nicht so wie and’re Viren
Ich hab‘ ihn unter meinem Mikroskope
Mit Müh‘ und Sorgfalt endlich isoliert
Und hab‘ zu meinem Schrecken
Statt Neues zu entdecken
Bei diesem Virus deutlich konstatiert:

Er beobachtet mich
Ganz genau wie ich ihn
Schau ich durch, schaut er fort
Schau ich fort, ist er dort
Und blickt wachsam zu mir hin
Er ist sehr int’ressant
Und doch was fang‘ ich mit ihm an –
Wenn man zwischen uns keinen Unterschied merken kann?“

Ich glaub‘ wo immer Menschen sich bewegen
Entdecken wir die gleichen Komponenten
Bei Liebessachen, sowie bei Kollegen
Bei Mitarbeitern wie bei Konkurrenten –
Wir halten uns für praktisch und vernünftig
Für ehrlich und vor allem objektiv
Doch weil ja etwas schief ist
Wenn jeder objektiv ist
Bleibt zuverlässig jeder aggressiv

Sie beobachten mich
Ganz genau wie ich sie
Und sie denken sich still:
„Er singt nicht, was ich will
Und zur falschen Melodie!“
Alle Schuldigen schau’n
Alle Unschuldigen an –
Bis man zwischen beiden keinen Unterschied merken kann

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