Privatsphäre – und der Faschismus der Zukunft

In diesem Text geht es um die totale Überwachung – etwas, was bereits vom Potential her hier ist und sich machen läßt, weswegen ich glaube, so wird es kommen: Es gibt keine Privatsphäre mehr. Nur unausgewertete Daten. Wann ich wo bin und was ich tue – es läßt sich rekonstruieren. Nicht von jedem Menschen, aber prinzipiell. Nicht lückenlos, aber das ist eine Frage der Zeit und der technischen Entwicklung. Logischerweise wird die Zukunft die totale Überwachung in Echtzeit bringen. Das wird uns dann als Schutz verkauft oder durch erweiterte Möglichkeiten und Bequemlichkeit schmackhaft gemacht oder auch gesetzlich vorgeschrieben, und sozialer Gruppendruck erledigt den Rest. Bereits jetzt bin ich dauernd überwacht. Sitze ich am PC, dann ist, was ich tue, sekundengenau aufgezeichnet. Über die Hardware hat niemand mehr Kontrolle – ob es werkseitig eingebaute Backdoors gibt, die Zugriff auf den PC ermöglichen und beispielsweise Verschlüsselung aushebeln – man weiß es nicht und vor allem kann man es nicht mehr wissen. Aber auch ohne einen PC im Haus hängt ja alles, was mit der Außenwelt zu tun hat, an Computern. Beispiel Energie: Mein Stromverbrauch variiert, je nachdem, was ich in der Wohnung tue – Musik hören, ein Bad nehmen (Warmwasser), Aufladung des Mobiltelefons, Haare föhnen etc. Der Dienstleister, der mir den Strom abrechnet, kann meine Verbrauchsmuster aufzeichnen und auswerten. Werde ich nie wissen. Auch nicht, wer sich das noch anschaut. Wurde aber bereits durch Polizei gemacht, um beispielsweise heraus zu finden, ob Leute illegale Ganja-Plantagen betreiben. Bin ich daheim oder nicht – es ist durch das Mobiltelefon feststellbar, wo ich bin. Da greift der soziale Gruppendruck – es ist privat und auf Arbeit unakzeptabel geworden, wenn du nicht erreichbar bist. Nur ein Festnetz-Telefon zu haben oder gar überhaupt kein Telefon – das geht nicht mehr durch. Also kommt man nicht drum herum. Natürlich zeichnet das Telefon alles auf – Gespräch und Hintergrundgeräusche, Ort, Zeit, Verbindungsdaten. Und darauf haben die Sicherheitsorgane vollen Zugriff. Wie auch auf Transaktionen: Was mein Konto macht, das wird für alle Transaktionen aufgezeichnet, und diese Daten sind durch Geheimdienste, aber auch durch das Jobcenter einsehbar. Ich kaufe etwas mit EC-Karte – da ist feststellbar, wann und wo. Bargeld wollen sie ja abschaffen. Aber auch mit Bargeld bin ich trotzdem auf den Video-Überwachungssystemen. Noch können die Video-Überwachungen nicht viel, aber bald werden sie nicht nur jeden Menschen identifizieren, sondern können durch Gesicht und Bewegungsweise auch auslesen, wie es mir geht. Und es wird Austausch darüber geben, welche Kamera wen wann wo gesehen hat. Denkbar ist auch, das zu verknüpfen. Ist jemand außerhalb seiner Homezone unterwegs – dann fällt das auf. Was macht der Mensch an dem Ort – da gehört er doch nicht hin. Denkbar wäre auch, Leute auf Bereiche zu beschränken, also eine elektronische Fußfessel, nur unhintergehbar. Es ist aber nicht nur die Kontrolle des Körpers im Raum, sondern auch der Äußerungen: Die Applikationen, die ständig lauschen (weil sie Sprachsteuerung haben), nehmen dauernd zu. Natürlich nehmen die alles auf, und wie es ausgewertet wird, kann ich nie wissen. Noch ist das freiwillig, nur – auch das eine Frage der Zeit, bis es eben keine anderen Geräte mehr gibt. Spannend die Geräte, wo – wie neulich bei IP-over-Powerline-Adaptern – ein Mikrophon eingebaut ist, von dem man als Käufer nichts weiß; praktisch eine Wanze. Diese Funktion sei werkseitig deaktiviert, hieß es dann. Ob sie über das Internet heimlich aktiviert werden kann, dazu war nichts zu erfahren. Vermutlich wird es zum Standard werden, dass immer überall Geräte mithören, bei jedem Gespräch. Und es wird auffällig sein, wenn jemand oder mehrere Menschen irgendwo ohne Telefone (oder wie der Kommunikator dann heißen wird) unterwegs sind – sicherlich wird das kommen, dass alle getrackt werden, und es eine Art Triangulation gibt, sprich es werden mehrere Datenquellen verknüpft, um jeden Menschen immer eindeutig zu identifizieren. Ein unidentifizierter Mensch, das wird illegal sein (und automatisch zu Maßnahmen führen, um Sicherheit zu gewährleisten). Durch Drohnen ist es möglich, die Lücken in der Kamera-Überwachung zu schließen – bei Tag und bei Nacht. Fernmobilität (Autos, LKWs) wird sicher getrackt, was fährt wo und wann und wie schnell – ein Auto ist ein Computer, das ist ja bereits heute so. Welche Daten ausgetauscht werden, ist durch den Nutzer nicht zu kontrollieren. Und generell unüberwachte Mobilität – allein im Wald spazieren gehen – ist dann nicht mehr drin. Das war die Art, wie in der DDR die Dissidenten sich getroffen haben abseits der Stasi-Überwachung. Zufällig im Wald getroffen. Stasi ist ein gutes Stichwort für den nächsten Aspekt – wer über wen welche anderen informiert. Falls es Leuten gelänge, sich dem zu entziehen, würde durch ihre Kontakte – so wie Facebook es bereits macht – dennoch der Nicht-mitmachende Mensch identifiziert und komplett ausgeforscht werden können – soziales Netz, etc. Bei Leuten, von denen es Sicherheitsorgane besonders interessiert, werden natürlich wie eh und je menschliche Informanten angedockt werden, die bezahlt für Aufklärung und Verhaltenssteuerung der Zielperson sorgen. Und zwar parallel zu den indirekten Aufklärungsmethoden, die bereits angesprochen wurden. Wer ist in diesem Überwachungssystem Zielperson? Daran wird in Russland und China gearbeitet, und anderswo sicher auch: Der Bürger-Score. Also ein Punktwert, den du als Person hat, und der deine Systemtreue und Systemrelevanz abbildet. Was gut, richtig und wertvoll ist (und was nicht), das kann natürlich programmiert werden. Es könnten aber auch statistisch aus den Daten – also von unten nach oben – solche Kriterien gebildet werden – daran arbeiten Amazon und Konsorten. Wer wird ein profitabler Kunde, wer ein guter Mitarbeiter? Die negative Seite – wer wird ein Verbrechen begehen – auch daran wird gearbeitet, Stichwort predictive profiling. Einer Technokratie der Zukunft werden die Mittel zur Verfügung stehen, die Gesellschaft total zu steuern. Inklusive natürlich der Macht über Leben und Tod. Es wäre ein Leichtes, einen Mechanismus einzubauen, der deine Körperwerte analysiert – da ist dann klar, wann du dich freust oder wütend bist, wann du schläfst oder wach bist, wie gesund du bist … lauter so Sachen. Ein eingebauter Killswitch würde es ermöglichen, dich per Internet abzuschalten – dann stirbst du, oder wirst ohnmächtig (und sie können dich einsammeln). Allein diese Drohung würde alle gefügig machen. Es würde dann die Einladung zu einer Maßnahme nicht mehr durch äußere Sanktionen (Strafe), sondern durch innere Sanktionen (Belohnung, Schmerz) begleitet. Das Netz wäre dann natürlich der Gott der Welt, an den zu glauben alle gezwungen wären. Apostasie ist der Tod. Und es wäre sicher möglich, dieses System zum besten und einzig möglichen System zu stilisieren. Ganz unvernünftig, da nicht mit zu machen. Das ist der Faschismus der Zukunft.

Download PDF

Internet-Nostalgie (und Aufbruch ins Panoptikum)

Freu ich mich; ich habe wieder eine Web-Site. Als 1989 das Hochschulrechenzentrum Gießen jede Studierende mit einem Account versorgt hat, habe ich mir die erste Seite gebastelt. Und danach immer eine gehabt. Ungefähr bis WordPress war ich schon gekommen, LAMP und so. Dann hat irgendwann mein WG-Kollege Tobi eine Firma gehabt und ich war kein Student mehr. Ein paar Jahre sind meine Websites dort mit gezogen. Dann 2014 gab es Abstürze, danach hab ich keine eigene Site mehr gehabt, bloß noch Blogger und zunehmend Facebook. Wurde alles irgendwie fad, vermutlich weil meine Altersgruppe nicht mehr die Zeit für den inneren Nerd findet angesichts der Bullet Hell, die wir Arbeitsplatz zu nennen gewohnt sind. Wie mit dem Saufen und anderen Dingen auch – nix macht mehr Spaß, weil es einfach die Leute und Plätze nicht mehr gibt. Vulgo: Alt werden, und am Ende gar erwachsen. Scheußlich. Mit denen ist dann kaum noch was anzufangen, denke ich mir. Wobei die das von mir wohl auch annehmen. Hm. Jedenfalls, die die mensch so trifft, die sind oft ziemlich durch und auf die verschiedensten Weisen beschädigt. Nicht unbedingt angenehm. Aber anderes Thema.

Website – Jippie!

Liest zwar niemand, aber darum kann es auch nicht wirklich gehen. „Es geht darum, seine Träume im Rahmen seiner Möglichkeiten auszuleben“, sagt Palminger. Und da hat er recht. Wie Pippi Langstrumpf mit ihrem „Welt machen, wie sie gefällt“ – was in einem gewissen Rahmen ja stets irgendwie geht. Ob ich nun Minecraft spiele, Facebook lese/schreibe, was google, Wikipedia lese, mir neue Musik anhöre, Filme schaue – das ist alles schön und gut. Der innere Admin will aber auch wieder mit Linux was machen, Python programmieren (neulich mit Lukas ein kleines Programm geschrieben, fand ich sehr einen schönen Moment), endlich Ruby lernen. An sich hab ich auch ein LAMP auf dem PC von Marc installiert, wollte mein eigenes Hosting von Daheim machen (bei meinen Besucherzahlen von ca. 5 in 6 Jahren – wo auch immer die her kamen – wäre das durchaus vorstellbar). Egal, jedenfalls dachte ich mir, ich kopiere die alten Texte auf den neuen Blog und – das ist der Punkt, der das lohnend machen würde – kommentiere sie aus heutiger Sicht.

Dann kann ich meine ‚Nostradamus-Talente‘ quantifizieren. Vielleicht bin ich ja ein Genie und habe alles schon kommen sehen? Eher nicht. Ich mache das mal mit diesem Text aus 2010. Sechs Jahre später – was hat gestimmt?

Politisch miese Zeiten

Wer gedacht hatte, schwarz-gelb würde schon nicht so schlimm werden, hat wohl den Kopf in den Sand gesteckt: Die Pharma-Industrie darf sich weiter selbstbereichern und dafür die Gesetzesvorlagen selbst schreiben – keine unabhängige wissenschaftliche Bewertung von Medikamenten-Nutzen. Kostet die Krankenkassen 10 Milliarden per Anno. Die Atom-Industrie darf weiter mit unser aller Leben und der Zukunft spielen, ohne Entsorgungskonzept (das bezahlt später die Allgemeinheit) und ohne Konzept für den GAU (den bezahlen wir dann auch selbst). Die total überflüssigen privaten Krankenkassen dürfen weiter ihr unsoziales gesellschaftsspaltendes Spiel spielen. Dazu eine neue Runde „such den Buhmann“ – jetzt mal die „Integrationsverweigerer“. Wie findet man das, es gibt etwa 20.000 Leute, die gerne den Integrationskurs besuchen wollen, aber nicht DÜRFEN, weil sie zum Beispiel schon vor 2005 eingewandert sind und – wenn diese Kurse für alle Leute, die sie brauchen könnten, angeboten werden würden, wäre das zu teuer. Wer sind denn die wirklichen Integrationsverweigerer? Das ist die organisierte Politik, die seit den 80ern systematisch keine Integrationspolitik betreibt, sondern Flüchtlinge und Einwanderer diskriminiert, wo es nur geht. Und bei Harz IV wird auch lustig weiter totaler Schwachsinn fabriziert – weitere Einschränkungen der Zugewinngrenze (was ein Arbeitsloser behalten darf, wenn er/sie arbeitet, soll von 100€ auf 50€ reduziert werden), also wieder eine Maßnahme, um ALG-II-Empfänger von der Arbeitsaufnahme abzuschrecken (was die Argen in vielerlei Weise tun, in totalem Widerspruch zur erklärten Politik). Was ändern? „Na ja, der Name ist blöd, wir denken uns einen neuen aus …“ – arrg! Und Kinder, die nur 60% vom Erwachsenen-Lebensminimum kriegen, obwohl sie höhere Bedarfe (zum Beispiel immer wieder Kleidung, Betreuung, Nachhilfe etc.) haben – „na, geben wir denen doch Gutscheine und führen eine sinnlose Chipkarte ein„. Hauptsache mal, für alles werden Chipkarten eingeführt, noch eine Interessen-gruppe – die sinnlosen „Informationstechniker“ – bedient. Wirklich klasse. Was tun? Zitier ich mal den guten Schopenhauer (nicht, dass mir der politisch sehr nahe steht, philosophisch aber schon): „So lange der Ausgang einer gefährlichen Sache nur noch zweifelhaft ist, so lange nur noch die Möglichkeit, dass er ein glücklicher werde, vorhanden ist, darf an kein Zagen gedacht werden, sondern bloß an Widerstand.“

Ok, das waren:

  1. Big Pharma ist in Deutschland weiter unkontrolliert am Geld scheffeln
  2. Atomkonzerne werden die Kosten des Ausstiegs auf die Allgemeinheit abwälzen
  3. Im Bereich der Armenverwaltung – Harz 4 – wird weiter Unsinn gemacht und verschärft. Konkret habe ich vermutet, dass die Zugewinn-Grenze weiter gesenkt werden würde.
  4. Es werden weiter sinnlose Chipkarten verteilt.

Schauen wir mal. Wie sich die Pharmabranche geschlagen hat – es gab große Bewegungen, jedenfalls. Mehrere Merger. Eine deutsche Firma – Merz – nehme ich mal als Proxy. Da stimmt es, wie in 1 gesagt. Punkt für mich.

merz-umsatz-und-gewinn-2011-bis-2015

2: Ja, für ein paar lumpige Milliarden sind die Konzerne den ewig strahlenden Giftmüll an die Allgemeinheit los geworden. Wohin damit, auch 2016 eine offene Frage. Und Fukushima. Punkt für mich, again.

3: Verschärfungen – ja, aber nicht bei der Zugewinn-Grenze. Der ‚Aufstocker‘ ist normal geworden, Harz 4 und Niedriglohnsektor sind weiter ökonomische Todeszonen. Einmal drin, immer drin, mit 5% Ausnahmen. Sag ich mal so grob. Ist die Zahl, die die Frau vom Jobcenter mir auf Nachfrage nannte – wie viele schaffen es wieder in den ersten Arbeitsmarkt, wollte ich wissen. Nu, sagen wir, ein halber Punkt.

4: Sinnlose Chipkarten. Na ja, mal sehen. 4a) Auf jeden Fall wurden zahllose Chipkarten ausgegeben, insbesondere Personalausweis, Führerschein und Krankenkassenkarte, aber auch der Sudierendenausweis und das ÖPNV-Ticket sind Plastikkarten mit jeweils verschiedenen Chips geworden. Die Bankkarte und die Sim-Karte im Handy. Kundentracking-Karten aller Art, die einem überall aufgedrängt werden.

Elektronischer Personalausweis: Chipkarte kommt im Jahr 2010

Chipkarte « AStA der Universität Potsdam (2010)

Elektronische Gesundheitskarte – Wikipedia

Führerschein – Bundesdruckerei (2010)

Erfurt führt zuerst das E-Ticket für den Nahverkehr ein | – Jenapolis (2015)

„Abwegige Idee“: Von der Leyen verteidigt Chipkarte – Inland – FAZ

Bearbeitungsgebühr für Firmenticket ab Juli 2016 deutlich reduziert …

Und 4b) all diese Chipkarten-Systeme sind sinnlos. Besser gesagt, lediglich ein Übergang. Die Daten gehören in die Cloud und verschlüsselt. Alles, was ein Lebewesen rumtragen braucht, ist mit dem Körper gegeben. Wir haben ein Gehirn und können zumeist auch sprechen, ein Passwort eingeben, solche Dinge. Unsere Biometrie und DNA weisen uns aus, falls Zweifel bestehen und berechtigterweise eine Überprüfung erforderlich ist. Computer kann es überall geben, und aktuell tragen die Leute sie mit sich rum. Bald – das ist jedenfalls meine Annahme – wird es 100% Überwachung des öffentlichen Raumes geben – die Technik für Audio- und Video-Überwachung wird immer billiger, vernetzen auch und Leitung. So läuft das: Alles sehen/hören, Akteure und Ereignisse automatisiert in Echtzeit erkennen, prognostische Aussagen darüber, was passieren könnte, ein automatisiertes Lagebild, danach auch eine Automatisierung der Dispatcher – für was wird wann wer losgeschickt, um sich drum zu kümmern? Jedenfalls, ein solches ‚Panoptikum‘ würde immer wissen, wer wo unterwegs ist (noch braucht es den Chip im Handy für ungefähre Orte, und eine komplizierte Verknüpfung vieler Datenquellen, um ein klares Bild zu kriegen). Es wäre ein System, was a) Personen erkennt (egal wo) sowie b) alle Bewegungen von Objekten trackt (und hier sind Lebewesen nur eine Kategorie unter vielen) und schließlich c) diese Daten (und letztlich alle anderen auch) verknüpft und validiert für ein näherungsweise perfektes Modell der ‚Welt-wie-sie-gerade-ist‘.

Gehen wir das mal durch in der abgedrehten Extrem-Version:

  1. Ein System, was alles weiß und darf und kann. Voll autonom. Es könnte ‚verrückt‘ werden und einen beliebigen Film fahren. Die Menschen werden ihm vielleicht lästig, und es rottet sie aus. Oder es belebt beliebige Kreaturen, erfundene und dagewesene, und verpaßt ihnen frische Gehirne, schreibt sie softwaremäßig nach, schafft Varianten, spielt Gott. Schafft experimentell unterschiedliche Sozialsysteme, benutzt die Menschen als Weiße Mäuse für seine Neugier. Vielleicht tritt das System auch in eine Verhandlung mit den Lebewesen. Oder es wird multipel, und schaltet dann auf interne Prozess-Kriege — PROZESSKRIEGE, das klingt prima, so wie eine Zeitrechnung, davor und danach, „das war so einige Jahre nach dem Ausbruch der Prozesskriege“, sprach der zerzauste alte Mann am Lagerfeuer, und begann ungefragt, die Historie der Stämme der versammelten Runde von postapokalyptischen Mutanten kund zu tun. These: Ein omnipotentes System wird es nicht geben bzw. es wird immer widerstreitende Systeme geben, Spaltungen und Fusionen.
  2. Ein System von Systemen, die teilautonom agieren, Cyborgs aller Art, die Menschen dazwischen. Es wird automatisiert, was nur geht. Werden die Menschen nun überflüssig, wenn sie die Produktion nicht mehr als Arbeit leisten müssen und den Lohn nicht mehr als Mittel für ihre Reproduktion haben, wodurch sie weder als Partner, Kunden noch als Arbeitskräfte interessieren? Nicht unbedingt. Die Menschen, denen alles gehört, sind Besitzer und damit irgendwie das, worum es die ganze Zeit ging. Bloß, was hast du davon, einen Planeten zu besitzen, auf dem Maschinen alles machen, was du willst, und Menschen auch – jedenfalls die, die übrig bleiben durften? Da könnte mensch sich verteilte Oasen von High-Tech vorstellen, Burning Man trift SciFi etc. Dazwischen Postapocalypse, Mad Max, Zombies, Fantasy, ein Gemisch aus allem, etwas wie das ‚Shifters‘-RPG (wo du alles sein und tun kannst). Will ich immer mal als Buch machen, seit 2006 oder so. Darum perlt der Scheiß auch so, vielleicht der Blog einfach eine Idee, um die Motivation zu heben für dieses Vorhaben. Oder doch wieder mal nur Rumspielerei ohne Nutzen, was mir als überzeugtem Antidogmatiker na klar lieber wäre.

Ach ja, hatte ich schon mich ordentlich gefreut über das NOSTRADAMUS-Rating von 3.5/4? Wobei die Trends chipkarte/sinnlos, harz4/fies, atom, pharma – das gehört ja in den Kanon von wirklich wichtigen politischen Themen: Wie wird die Bevölkerung verwaltet und versorgt. Das verknüpfe ich mit einer Prognotupie, die relativ locker montiert daher kommen mag. Prognose (kognitive Modellierung) und Utopie/Dystopie (emotionale Erfahrung/Bewertung) mischen sich nur für Menschen zwangsläufig. Das eine – was wird sein – klappt eher nicht. Wohl aber Ideen, was passieren könnte. Eine gute Prognose wäre also treffend, die Zukunft aber wohl auch mit der Schrotflinte voller High Prognostic Value Data Capturing Equipment (oder kurz HPVDCE) nicht sicher zu treffen. Also lieber ein total abgedrehter SciFi, der alles mal anreißt, aber sich keine Mühe gibt, es partout stimmig und wahr und richtig zu machen. Lieber im Stil von PARANOIA (dem RPG) – „wenn es unterhaltsam erscheint, sollte ein Vorhaben immer eine Möglichkeit des Gelingens haben“. Schreiben ist letztlich eine Unterhaltung mit sich selbst über Dinge, die eben gerade im Selbst anklingen. Wie mit sich selbst reden, nur eben bleibender. Nur eben nicht nur. Wichtiger ist, das Schreiben das Denken konkretisiert in Wort und Satz (wie das Sprechen auch) und es darüber hinaus erstens fixiert (wodurch es externalisiert ist und beobachtet bzw. zurück gefüttert werden kann) sowie zweitens zu einem wahrscheinlichen Fakt macht (das nächste Mal wird die an sich neue ausgeschriebene und wieder gelesene Geschichte im Gedächtnis mit den anderen Geschichten da sein und als ‚Gedächtnisleistung‘ in die Rekonstruktion eingehen). Wir strukturieren uns durch unsere Handlungen. Schreiben formt unser Gehirn. Es ist eine komplexe Leistung.

So. Noch mal kurz ein Fazit, es soll schließlich auf dem schönen, neuen Blog alles seine Ordnung haben. Fassen wir also pädagogisch die Take-Home-Points zusammen: Ein Blog ist großartig, um viel zu schreiben. Lesen tut es praktisch niemand, aber potentielle und vorgestellte Leser sind ausreichend, um eine Art von Anregung zu gewähren.

Und nun, miese Finte, das war kein Fazit, es geht noch weiter: Irgendwie habe ich noch einige Gedanken dazu, was das alles denn werden soll. Auf diesem Blog geht es darum, weh zu tun durch Worte, die scharf sind und durch Wahrheit treffen. Vielleicht wird auch mit Zuckerbrot und Peitsche gearbeitet. Damit das klar ist, die übliche Verletzerei ist hier nicht angesagt, so mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder ähnlichem fiesen Kack. Das ist nicht mein Ding. Ich bin vermutlich lieber, was du hasst, als es mit dir zu hassen. Es gibt keine Menschenrassen. Keine Nationen, Geschlechter, sexuellen Orientierungen, Gesetze, Staaten *an sich*, sondern alles konstruiert mit Zwecken, und die sind gleichermaßen großartig oder mies wie die, die sie gestalten. Menschenwerk.

So, wie alles auf diesem Planeten von der ‚Natur‘ gebaut wird und sich alles, was lebt, von Sonnenlicht ernährt, wurde auch alles Kulturelle von Menschen gemacht.

Ich lehne das ab an den vielen Stellen, wo es den Boden der Nützlichkeit für die Menschheit in ihrer Gesamtheit verläßt. Nützlichkeit, das wäre: Menschenrechte für alle. Was anderes ist von einem Theoretiker nicht zu erwarten. Der soziale Konflikt muß global eingehegt werden, die Verteilungsfrage gelöst werden: Hunger, Krankheit, Armut und Krieg sind drastisch reduzierbare planetare Probleme. Die angegangen werden müssen, um das Überleben der menschen-geeigneten Biosphäre zu gewährleisten. Mir ist aber, wie jeder anderen auch, sonnenklar – eine Lösung wird sich nach der Praktikabilität richten, nicht nach irgendeiner Ethik. Und die Lösung von heute ist oft genug ein Problem von morgen. Paradox – Fragen erzeugen mehr Fragen, Problemlösungen erzeugen mehr Probleme (und mehr Lösungen), es geht immer mehr in die Unendlichkeiten. So, wie durch jedes In-den-Weltraum-forschen klarer wird, wie riesig dieser Spielplatz tatsächlich zu sein scheint, und wie die Wissenschaften drauf kommen, wie irrsinnig komplex und zugleich einfach alles tatsächlich ist. Die Menschenrechte, das ist an sich common sense: Ich will gut leben, das darf ich für mich fordern, so wie jede andere auch. Weil, gleiche Forderungen an sich und andere, das geht für die meisten Menschen ok. Alles Politische bedarf einer Begründung und einer Durchsetzung gegen Widerstände im sozialen Raum. Der theoretischen Forderung nach Gleichheit kommt im politischen Raum praktisch keine Bedeutung zu – außer den eigenen Vorteil zu kaschieren, und wer ‚Menschheit‘ sagt, der lügt. Der Fürst muß immer gläubig tun, darf aber keinerlei Glauben haben, wenn er sich durchsetzen will. Machiavelli, auch. Und der Befund, dass Leute, die etwas Gutes durchsetzen wollen, irgendwann zu Leuten werden, die etwas partout durchsetzen wollen — und das Gute bleibt dabei stets auf der Strecke zugunsten der Durchsetzung, vermutlich weil die Grundidee bereits militärisch ist. Rationalität und patriarchales Gewalt-Denken lassen sich nicht mehr separieren – Mars hatte Zeit, sich uns einzuprogrammieren, was im Kali-Yuga auch Sinn macht. Das Wassermann-Zeitalter hatten sich ja die Leute irgendwie lieblich und bunt vorgestellt, Frieden und Verständigung, globale Harmonie. Und nun das.

 

Download PDF