2017-04-07 Angriff der US-Kräfte (Flugzeugträger) auf Shayrat (eine Zusammenstellung von Recherche-Ergebnissen)

Statt am Ostermontag – wie ich es sonst eigentlich immer tue – auf den Ostermarsch zu gehen, habe ich mich diesmal lieber am PC mit Krieg und Frieden beschäftigt. Eher mit Krieg, tatsächlich.

Die untere der beiden Basen ist Shayrat.

Shayrat ist die zweitgrößte Luftwaffenbasis in Syrien und untersteht unmittelbar dem Assad-Regime.

Die größte Luftwaffen-Basis ist Hmeimim in der Küstenregion Latakia – diese Basis wird von den Russen selbst betrieben, die in Tartus ihren Stützpunkt für Marine haben – den einzigen überhaupt in der Gegend, daher von hoher Bedeutung für sie) – während Shayrat von den Syrern betrieben wird, aber eben auch russische Helikopter beherbergt.

Reichweiten des russischen S-400 Raketensystems (kann Flugzeuge abschießen): 40 Km, 120 Km, 250 Km, 400 Km.
Jedes Eingreifen von Türkei, Israel oder USA in den Krieg mittels Flugzeugen kann durch Russland potentiell verhindert bzw. erschwert werden, weil Putin anordnen kann, diese abzuschießen.
Die in Latakia stationierten russischen SU-24 Kampfjets haben eine Reichweite von 3000 Km. Hin- und Rückflug also 1000-1500 Km (roter Kreis).

Die Basen in Latakia (Airbase) und Taurus (Hafen) sind für Russland enorm bedeutsam. Sie sind der einzige russische Brückenkopf in dieser Region.

Wenn mensch sich die Karten ansieht (die ich selbst gebastelt habe, also nicht unbedingt wirklich starke Daten, nur was ich eben im Internet dazu finden konnte, in grober Annäherung), da sind die Reichweiten des dort installierten Anti-Flugzeug-Raketensystems S-400 und der SU-24 Kampfjets eingezeichnet – wird klar, wieso dieser Krieg ohne Russland nicht beendet werden kann.

Roter Zeiger: Die angegriffene Airbase. Roter Diameter – die Reichweite der Raketen, die verwendet wurden. Der Abschuß erfolgte aus dem Mittelmeer von US-Flugzeugträgern. Mit Tomahawk-Raketen kann auch problemlos Iran angegriffen werden – das ist gut ersichtlich.

Nun zu den Tomahawk-Raketen. Die wurden von zwei Flugzeugträgern der US-Streitkräfte im Mittelmeer abgefeuert. Wie weit so eine Tomahawk-Rakete fliegen kann (1300 bis 1700 Km, je nach Typ) ist ebenfalls erstaunlich.

1,36 Millionen US$ kostet eine solche Tomahawk-Rakete.

Der Abschuss von 59 Tomahawk-Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Shayrat bei Homs, wo syrische und russische Luftwaffe stehen, hat nach meiner Rechnung 80 Millionen US $ gekostet – nur Materialkosten.

Kursverlauf der Raytheon-Aktie

Passend dazu sind die Aktien von Raytheon – dem Hersteller der Tomahawk – im Kurs gestiegen. Nicht enorm, aber doch genug, damit es sich lohnt für die Kriegsgewinnler, nicht zuletzt den Präsidenten: Denn natürlich besitzt Trump solche Aktien. Praktisch. So kann man auch gut Gewinne erzielen mit Krieg [1].

Eine kleine Abschweifung: Vannevar Bush, Gründer von Raytheon (1922), war auch der Mann, der das Manhattan Projekt angestoßen hat (die Entwicklung der Atombombe) und grundlegende Ideen zu dem, was später PC-Technik, Computer und Internet geworden ist, geliefert hat. Douglas Engelbart (der die Maus erfand) und Ted Nelson (der Hypertext erfand) würden durch seine Schrift As we may think wesentlich inspiriert.

Ergebnis des Bombardements nach US DOD:
Die Russen waren vorher gewarnt worden und haben wohl ihre Maschinen in Sicherheit gebracht.

Wo Sputnik (also Russland) dahinter steht, ist stets Skepsis angebracht, weil Sputnik und RT ständig und umfassend Disinformation betreiben, mit einer Mischung aus Falschmeldungen, Umdeutungen, Auslassungen etc. Da das sehr systematisch passiert, ist meine Ansicht, ich sollte die völlig außer Acht lassen. Aber das Bild war einfach zu gut.

Auch 5 syrische Jets haben es überstanden und sind wohl bereits wieder Einsätze von dort geflogen.

Militärisch also eher nutzlos, die Aktion. Ein paar Löcher in den Boden gesprengt – für 80 Millionen Dollar.

„Der Raketenangriff, bei dem 59 Tomahawk-Raketen des Rüstungskonzerns Raytheon zum Einsatz kamen, die 1,4 Millionen Dollar pro Stück kosten, ließ die Aktien des Unternehmens in die Höhe schnellen. Dieser Schub ließ am Freitagmorgen den Marktwert von Raytheon um rund $1 Milliarde Dollar ansteigen. Offenlegungsanträgen zufolge investiert Präsident Trump in Raytheon, was bedeutet, dass er direkt von dem Angriff profitiert hat.“ [1]

Quelle: 1. Democracy Now!: https://www.democracynow.org/2017/4/10/headlines

EDIT: Ansich will ich einen eigenen Artikel zu NATO und Türkei machen, aber das erscheint mir schon mal wichtig: Die USA gehen aus Adana (Incirlic) raus und beziehen Basen in Nordsyrien: http://www.debka.com/article/26004/US-Air-Force-to-quit-Incirlik-move-to-Syria-base

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Über Wahrheit(en) – No Truth, Just Views

Beim Nachspüren fiel es mir mal wieder auf – meine „Wahrheit“ war ein Lügner. In vielerlei Hinsicht ist es mir sehr überzeugend vorgekommen, was ich geglaubt habe, und ich war mir sicher, so ist das, genau so und nicht anders.

Nun widerspricht der „Vollbesitz der Wahrheit“ meinem zentralen Dogma – immer skeptisch bleiben. Also konnte da was nicht stimmen.

Schon oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass das genaue Gegenteil oft ebenso wahr ist. Und das grundsätzlich immer aus These und Anti-These eine neue Synthese erwächst – der Kerngedanke dessen, was wir als Dialektik kennen.

Leute hassen das an mir, dass ich anscheinend beliebig irgendwelche Gegenpostitonen mit sauguten Argumenten vertrete, und immer so scheußlich konfrontativ bin. „Du drehst mir das Wort im Munde herum“, wie oft ich das gehört habe. Und es stimmt, teilweise.

Mir macht die Suche nach dem, was als gute und funktionierende, also passende, Wahrheitsannahme (Arbeitshypothese) durch gehen kann, ebenso viel Spaß wie die destruktive Kritik, das Auflösen von Gewissheiten in einem ätzenden Säure-Bad.

Letzteres ist emotional extrem unangenehm, beliebt macht sich ein solcher Mensch nicht, und den Schierlingsbecher hat der Sokrates auch nicht umsonst trinken dürfen. Sondern, weil seine liderliche, kynische und oft wohl auch reichlich besoffen vorgenommene Gotteslästerei den Menschen seiner Stadt irgendwann zu sehr auf die Nerven gegangen war.

Anlass dieser Meditation über Wahrheit war mein Artikel zu NPS und BPS, also narzistische Persönlichkeitsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Ich hatte diese Menschen als seelenlose Monster beschrieben, aus der Opfer-Perspektive.

Wieso? Weil meine Mutter NPS hat, und meine Ex eine BPS. Und weil ich daran fast kaputt gegangen bin. Aus meinem Erleben heraus bin ich ein Opfer, und für meine Kindheit und für die erste Zeit mit der Ex trifft das sicher zu, dass ich da sehr wenig ein Gegner oder gar selbst ein Täter war.

Nur – dann beginnt ja Interaktion, und es wird uneindeutig. Jemand kann nur ein reiner Täter sein, wenn jemand ein reines Opfer bleibt – und das drüfte NIE der Fall sein bei einer zeitlich ausgedehnten sozialen Interaktion. Tatsächlich drehen sich alle Dinge immer, und aus dem Einen wird das Andere.

Als Psychotherapeut habe ich mit beiden Störungsbildern gearbeitet, und die Menschen, die mit dieser Problematik bei mir an ihren Schwierigkeiten gearbeitet haben, immer als voll ok angenommen. Der Mensch ist in Ordnung, sie tut ihr Bestes, immer – nur der dämonische Reiter, das Monster, was sie auf sich sitzen haben und was sie bisweilen steuert, die PS, die muss neutralisiert werden.

Die therapeutische Perspektive sieht die Menschen und ihre Lernerfahrungen, die zugefügten Schädigungen, die einem unschuldigen Kind angetan wurden, und was aus einem guten menschen durch die böse Welt geworden ist. Das ist ebenso wahr wie die Beschreibung als Opfer. Was sicher falsch ist, dass ist die Idee von den geborenen Verbrechern. Es gibt einen Beitrag der Gene, vielleicht ist der sehr hoch, vielleicht sehr gering, nur es gibt sicher auch den Beitrag der Umwelt. Weil wir es nicht wissen, könnten wir einfach von 50:50 ausgehen, und sagen: Einen Teil bringt ein Mensch mit, ein anderer Teil wird gemacht und gelehrt und von Außen konfiguriert (Erziehung, Lernerfahrung). Beides steht immer in Interaktion.

Kein Mensch ist ein Monster.

Beweis: Auch Nazisau Adolf, die alte Methamphetamin-Hure, hat nicht nur gehasst und zerstört und gemordet, sondern eben auch (mindestens) einen Hund geliebt.

Der gleiche „Typ“ wird eben nicht in allen denkbaren Lebenssituationen sich gleich entwickeln. Und niemand schafft es, nur böse zu sein, egal wie böse definiert wird. Selbst mit der festen Absicht, nur Schlechtes zu tun, passieren gelegentlich gute Tagen, das ist unvermeidlich. Und genauso kommen aus lauter reinen Gedanken und der Absicht, nur mit Liebe zu handeln, gelegentlich scheußliche Dinge hervor. C’est la vie, alors.

Zurück zur Dialektik.

Kein Ding hat zwei Seiten, sondern: Immer sind es drei Seiten.

Beweis: Zeig mir etwas, und ich zeige dir, es ist 3D.

Nur theoretisch sind weniger Perspektiven denkbar, diese sind aber in unserem Anschauungsraum nicht sichtbar zu machen, es sei denn als Formel oder Wort.

Raum ist dreidimensional. Nicht wirklich, es sind wohl 16 Dimensionen, aber drei sehen wir.

Auch ein Pixel hat eine räumliche Ausdehnung. Sonst wäre es unsichtbar.

Wieso schreibe ich das?

Mir ist aufgefallen, dass ich meiner Mutter und meiner Ex Unrecht getan habe, sie als die total schlechten und fiesen Monster zu malen.

Schwarz anmalen, das ist eine Sache, die selbst ganz schwarz ist, und es färbt ab. Ich habe gemerkt, ich mache mich schuldig, wenn ich alle Schuld anderen gebe bzw. zuweise.

Ich habe meiner Mutter und meiner Ex – und allen anderen, die von diesen Persönlichkeitsstörungen betroffen sind – durch meine einseitige Beschreibung Unrecht getan. Und das tut mir leid.

Würde es nicht der Klarheit diesen, ich würde diese Beschreibung löschen, und mich entschuldigen. Allerdings, der Zeitpunkt dafür liegt, so glaube ich, in der Zukunft. Denn ich erwarte noch immer eine Entschuldigung von der anderen Seite, die logisch zuerst kommen müßte.

Was natürlich den Frieden blockiert. No justice, no peace. Fuck the police.

Ich bin gerne Kriegerin, ich vernichte den Gegner. Nicht körperlich, das wäre sinnlos. Alle kommen wir immer wieder, daher bringt es nichts, die Inkarnation zu beenden, wenn du einen Mißstand beenden willst. Sondern, was zerstört wird, sind die dämonischen Reiter. Die Gewissheiten, die Falschheiten, die Gemeinheiten.

Kein Mensch ist ein Feind. Aber auch: Kein Mensch ist ein Freund. Alle haben es verdient, angegriffen zu werden.

Wieso? Weil in mir der Hass und der Zorn und die Wut so stark geworden sind über all die Jahre. Die für die Erreichung von Glück zunächst ausgesprochen ungünstige Kombination aus Intelligenz und Sensibilität hat mich viel erleben lassen, und meistens in der Position, wo ich es ab bekommen habe.

Meine Verwundungen einfach in einem grandiosen Akt der Gnade zu vergeben – es würde mich befreien und alles lösen, ist aber aktuell eine absolut übermenschliche Herausforderung. Und ich kann nur vergeben, was ich los lassen kann.

Meine Selbstdefinition mit 18, da hat mich Astrid gefragt, wie ich mich selbst sehe. Eine kluge Frau, und ihr war aufgefallen, dass ich für einen Hippie reichlich martialisch rum lief. Ich habe es ihr erklärt, oder wenigstens den Versuch unternommen.

Ich habe gesagt: Ich lebe im KRIEG. Und das ist wahr, so lange schon, dass es scheint, als sei das immer und zu jeder Zeit der Fall gewesen (was historisch NICHT stimmt).

Diese Welt kennt seit 2000 Jahren keinen Frieden. Die sehr friedlichen, matriarchalen Gesellschaften, das ist lange her und stieß an Grenzen, als diese neue Idee – Grenzen, und damit gleich zu setzen: Krieg – in die Welt kam.

Nur, paradoxerweiese, genau weil das so ist, habe ich in mir den Frieden entwickelt, und das ist eher einfach. Denn wenn ich ein Kämpfer gegen das Unrecht bin, ist es kein Problem, dass es davon mehr als genug gibt, und es ist auch nicht weiter schlimm, wenn ich es nicht beenden kann, denn es ist klar, alleine ist das nicht zu schaffen. Dadurch ist die innere Spannung auf Null reduzierbar, immer.

 

 

 

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Illegale Fans

ILLEGALE FANS SONGTEXT

Yeah!
What!
Yo!
Schieß doch Bulle, schieß doch!Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs
Die Netzwerke sind scharf gestellt in unseren WGs
Dort fahr’n wir die Systeme hoch und rippen uns in Rage
99 Cent für’n Track verpuffen in ’ner Blase

Die Dixie-Klos vom Hurricane schenken wir Lars Ulrich
Da kann er gerne kacken geh’n – Hacker sind geduldig
Keine Macht für Niemand – wir werden uns nicht stell’n
Ihr seid das Imperium und wir sind die Rebell’n

Wir sind
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in Ihr’m Land
Unsere Antwort kennt ihr sicher: Sie heißt Widerstand
6 Milliarden Terrabyte
die Leitungen brenn‘ wie nie
Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie

Fuck Saturn und Media Markt
Euer Kaufhaus müffelt
Wir schließen eure Tore zu und schlucken dann den Schlüssel
Ihr wollt Krieg? Den könnt ihr haben. Wir laden die Waffen
Wir sind keine Einzeltäter, man, wir sind die Massen

Wir sind
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

Wir sind
Illegale Fans
Wir sind
Illegale Fans

Wir sind neu und ham Verstand
Ihr könnt uns überhaupt nix
Wir zerbröseln eure Strategien mit jedem Mausklick
Ihr sagt, wir sind verboten weil wir zocken, stehlen, greifen
IP-Adressen sind gefälscht
Wir gehen über Leichen

Ihr sagt, wir sind kriminell, doch wir sind nur die User
Im Knast saugen wir weiter
Copyrights sind was für Loser
und – Der Shit ist für uns alle da
Wir sind zu viel, wir sind zu nah, wir sind zu schnell, Ihr könnt uns mal!

Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

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Krieg und Frieden

Mein Herz wünscht sich Frieden. Die vielen Berichte über Brutalität, Folter, Mord und Totschlag, über das, was sich Menschen gegenseitig antun, wofür sind die da?

Über das Gute, was jeden Tag passiert und die übergroße Masse an menschlichem Verhalten ausmacht – nämlich zivilisiert und angemessen miteinander umzugehen, sich bloß bisschen zu zoffen, sich wieder zu vertragen, dies und das miteinander zu tun, etwas dazu zu lernen, sich zu freuen – wird nicht annähernd so viel geschrieben. Vergossenes Blut == Aufmerksamkeit. Gewöhnlich wird an vergossenes Blut sofort die ‚legitime Rache‘ gekoppelt. Nun dürfe und müsse man Gleiches mit dem Gegner tun, so wird dann gesagt.

Glücklicherweise sind die Schlachtfelder weit weg, da stört es uns kaum, weil wir die Toten eben nicht in den Reihen unserer Familien haben.

Vielleicht finden wir es mies, was passiert, bloß so richtig kapieren tun wir davon nichts. Leute werden bestialisch umgebracht, weil sie sich z.B. falsch verlieben (Schwule, Frauen mit dezidierten selbstbestimmten Partnerwahlabsichten) oder weil sie Musik hören (die Taliban in Afghanistan haben dafür Menschen gesteinigt).

[Schlechte GIMP-Montage] Familie Wild im Kampf um die Befreiung der Römerstadt von fiktiven IS-Terroristen. Fragwürdig natürlich der Einsatz von Kindersoldaten. Die deutsche Bundeswehr hat übrigens wieder haufenweise minderjährige Rekruten – danke, Frau von der Leyen! Ganz und gar nicht doll.
Spätestens, wenn dann Cartoonisten, Metal-Konzerte und Weihnachtsmärkte zur IS-Zielscheibe werden, sind auch wir braven westlichen Bürger richtig kriegslüstern.

Laß uns die doch kalt machen – vermutlich seit der Zeit, als unsere Vorfahren noch durch Wälder gewandert sind, eine recht typische Strategie.

„Kalt machen“: skrupellos töten

Beispiel

er macht dich kalt, wenn du ihm über den Weg läufst

aus dem Weg räumen, beiseiteschaffen, ermorden, niedermetzeln, töten, umbringen, vernichten; (umgangssprachlich) erledigen, niedermachen, um die Ecke bringen; (verhüllend) beseitigen; (salopp) abmurksen, alle machen, ausradieren, ins Jenseits befördern, killen, stumm machen, umlegen; (derb) hinmachen

Dagegen die mystische Einsicht und explizit formuliert von Rabbi Jeshu die christliche Utopie (alle sind eins), die Hippie-Phantasien vom „Friedenspanzer„, der das Herz frei schießt (und die Empathie macht dann die Gewalt obsolet), oder die vom Besitz großer Macht, mit der mensch dem scheußlichen Treiben gewaltsam Einhalt gebieten könnte (diese Weg führt in die Irre: Die Projektion ins Außen löst das Problem des Bösen nicht, sondern reagiert es paranoid-sadistisch am Anderen ab*).

Man würde gerne nicht so scheußlich hilflos sein. Wenigstens in der Phantasie, im eigenen Kopf. Sich mit psychischen Helfern zu umgeben, ist Handwerkszeug von Religionen – eingebildete Freunde sind schließlich besser als gar keine Freunde 😉 Und irgendwo drauf muß man sich ja beziehen, oder?

Wer nun wo und wie mies ist, da unterscheiden sich die Akteure in Waffen nicht wirklich substantiell. Sicher gibt es sympathischere und weniger sympathische Gruppierungen, ich finde aber alle gleichermaßen verbrecherisch.

Kommt wohl von meiner christlichen Erziehung. Da geht es ja recht zentral um die Tatsache, dass [Mensch == Mensch] und daher kein Feind nirgendwo. Jesus war da sehr klar positioniert.

Und wurde als Störenfried gefoltert und hingerichtet. Er bringt uns Liebe! Schnell, erschießt ihn.

CRASS. Anarcho-pazifistisches Kunstkollektiv in den 80ern. Intellektuelle Punker-Hippies. Ganz großartig.

Sehen wir uns die 2017 bestehenden internationalen Mechanismen an, dann ist allerdings gut zu erkennen, dass es keine sinnvolle Art gibt, wirkungsvoll militärisch Regionen zu befrieden, solange die großen Weltmächte ihr Geo-Politik-Ding weiter betreiben (wodurch jeder Krieg ein Stellvertreter-Krieg wird und potentiell endlos fort gesetzt werden kann).

Sprich, Krieg hat als Mittel zur Lösung von Konflikten nur eine Berechtigung, wenn er in eine Gesamtstrategie eingebunden ist, die erkennbar zu irgendwas besserem führt. Wo das für die deutschen Kriegseinsätze gelten soll, erschließt sich mir nicht. Es sei denn, da wird gerade langfristig der Abbau der Arbeitslosigkeit vorbereitet (kill the poor). Früher wurden ja gerne mal die wenig brauchbaren Leute verheizt, letztlich ist Krieg oft schlicht Warterei, unangenehmes Rumhängen im Freien bei widrigen Witterungen, Essen mies und Schlaf nur wenig, unterbrochen von Stress und grober Handarbeit. Das können auch Deppen ganz gut. Und es ist eine Lebensweise, die wohl auch recht attraktiv ist, weil man nichts Sinnvolles tun muss.

Dead Kennedys. Waren für die USA, was CRASS für UK und Europa waren – klar und drastisch formulierte kluge Angriffe auf ein saudummes und moralisch verfaultes System.

.-.

Abschließend die Predigt zum Sonntag: Käptn Peng – Sein Name sei Peng

  • [hier das Sternchen *] Es läuft immer auf ‚wir‘ gegen ‚die‘ hinaus, was wohl regelhaft zu dem wohl ältesten dauerhaft existierenden politischen Mythos – geheime Weltverschwörung der bösen Juden – führt. Möglich, dass das praktische Gründe hat: Der Wahnsinnige aus Braunau schrieb darüber sinngemäß, dass wenn es nicht wahr wäre, wäre das egal und man brauche halt ein gutes Feindbild. Der „Führer“ ist übrigens ein gutes Beispiel für postfaktisches kriminell-militaristisches Denken und seine Auswirkungen. Ich zitiere mal den Anfang einer diesbezüglichen Analyse: Der Antisemitismus heute gilt den einen als Schicksalsfrage der Menschheit, den anderen als bloßer Vorwand. Für die Faschisten sind die Juden nicht eine Minorität, sondern die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches; von ihrer Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen. Dem entgegengesetzt ist die These, die Juden, frei von nationalen oder Rassemerkmalen, bildeten eine Gruppe durch religiöse Meinung und Tradition, durch nichts sonst. Jüdische Kennzeichen bezögen sich auf Ostjuden, jedenfalls bloß auf noch nicht ganz Assimilierte. Beide Doktrinen sind wahr und falsch zugleich. Die erste ist wahr in dem Sinn, daß der Faschismus sie wahr gemacht hat. Die Juden sind heute die Gruppe, die praktisch wie theoretisch den Vernichtungswillen auf sich zieht, den die falsche gesellschaftliche Ordnung aus sich heraus produziert. Sie werden vom absolut Bösen als das absolut Böse gebrandmarkt. http://shutdown.blogsport.de/texte/elemente-des-antisemitismus-theodor-adornomax-horheimer/
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„Aleppo – what is Aleppo“?

aleppo
Damaged buildings in the rebel-held Ansari district of the northern Syrian city of Aleppo, 24 November, 2014 BARAA AL-HALABI/AFP/Getty Images

Als Einstieg Le Monde, dann Society of Geeks. Und der Independent. Jeweils über die Situation in Syrien und insbesondere Aleppo.

Natürlich sind die enthaltenen Darstellungen recht unvollständig. Zitiere ich mal einen Kommentator:

no mention of the saudi and qatar pouring money arms and fighters into syria, no mention of american evolvement in libya where hillary clinton together with obama bombed gaddafi government forces and backed radical islamist groups with money and weapons, also no mention of Turkey involvement as supply route for weapons into Syria and stolen oil from the syrian people sold in Turkey

Salon über USA, Saudi-Arabien, Quatar und den IS. Was aus den geleakten Mails von Hillary Clinton so zu erfahren ist.

Huffington Post über die Verbindung von IS und Türkei. Eine Sammlung von einzelnen Ereignissen und Quellen. Es geht um die Durchreise von Jihadisten über Hatay nach Syrien, um Waffenlieferungen, Aufenthalt und Training, Krankenhaus-Behandlungen, den Kauf von IS-Öl und andere Verwicklungen.

Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey
Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey

Die Türkei bestreitet die von Russland erhobenen Vorwürfe, die USA weisen darauf hin, dass zwar IS-Öl geschmuggelt wird, es aber im Wesentlichen an Assad geht.

Die Sicht der türkischen Regierung – nachlesbar bei Yenisafak (auf Englisch) – ist etwa so: Die USA und die EU haben „den 15. Juli“ inszeniert, um die Türkei zu zerstören. Und weil das nicht geklappt hat, wollen sie nun mithilfe der PKK/YPD (Kurden) die Türkei von Süden her einschließen, eine große Terrorzone schaffen und letztlich die Türkei auseinander zu nehmen. Daher habe man die Pflicht, diese „Belagerung“ zu brechen und nach Mossul vorzudringen. Alles eine große Verschwörung gegen die Türkei:

Just as they made a partnership with Fetullah Gülen and his terrorists on July 15 for this purpose, there is a trap they have set up against Turkey – in the guise of fighting Daesh – through partnership with terrorist organizations like the PKK/PYD in Syria. They are now in efforts to achieve what they failed to do within the country through the Gezi Park events, the Dec. 17 and Dec. 25, 2013 coup attempt, the Demirtaş project and the bloody July 15 attack, through these organizations from the outside. [Quelle: Yenisafak]

Na klar, die USA und die EU wollen die Türkei zerstören. Und die arme Türkei kann sich nur noch retten, indem sie nach Irak marschiert – reine Notwehr. Sagt der Irre vom Bosporus.

Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.
Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.

Die Panzer stehen schon in Silopi. Dort ist der einzige türkische Grenzübergang zum Irak. Ziele sind Tal Afar, Mossul, Erbil, Kirkuk. Stadte, die die Kurden als ‚ihre‘ Region bzw. als Teil Kurdistans sehen. Während die AKP von den glorreichen Zeiten des Groß-Osmanischen Reiches schwadroniert …

Osmanisches Reich, früher mal (lange her)
Osmanisches Reich, Expansion

Während im Land selbst Nazi-Methoden an den Start gebracht werden, wie es der Außenminister von Luxemburg genannt hat. Der Sanktionen fordert. Was wirkungsvoll wäre, denn 50% der Exporte der Türkei gingen in die Europäische Union. Anders als bei den unwirksamen Russland-Sanktionen, wo es nur 2% Prozent seien, habe man damit ein wirksames Werkzeug in der Hand. Dazu komme, dass 60% Prozent der Investitionen in die Türkei aus der EU kämen.

Ulusi Akar und Joe Dunford beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil
Die Top-Militärs Ulusi Akar (Türkei) und Joe Dunford (USA) beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil

Telepolis zur Offensive auf Raqqa (die Hauptstadt von IS/daesh) und dem Krisentreffen von Spitzenmilitärs der USA und der Türkei.

Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State
Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State

Der Independent über die kurdische Befehlshaberin Rojda Felat und den Vorstoß auf Raqqa.

Frauen spielen bei der PKK und der SDF eine wichtige Rolle :

Female fighters are a key part of the offensive against Isis and there are understood to be more than 10,000 women fighting in both all-female and mixed Kurdish battalions.

Ob es daran liegt, dass so viele kurdische Männer bereits tot sind? Das ist jedenfalls meine Vermutung – im Krieg dürfen Frauen gleich- oder jedenfalls weniger ungleich berechtigt sein, weil eben neue Kämpfer gebraucht werden. Das war selbst im reaktionär-patriarchalen Nazi-Deutschland so, als die Soldaten-Männer ausgingen – später kamen dann die „Heim und Herd“-50er Jahre, wo das wieder zurück gedreht wurde.

Guardian zum Thema, wieso die Türkei es vorzieht, gegen die Kurden und eben nicht gegen den IS zu kämpfen.

Times dazu, wieso die USA wie gehabt zugleich Kurden unterstützen und der Türkei den Krieg gegen die Kurden gestatten.

Der Standard zur Situation und Gefühlslage. Wieso sich die Kurden mal wieder verraten fühlen.

Geo-Politik ist halt so, sagt Henry Kissinger (der diese Form, Politik zu machen, personifiziert): Ein ständiges Taktieren ohne dauerhafte Allianzen, wobei alle Seiten offen oder verdeckt unterstützt werden, wo es den eigenen Interessen gerade nützt. Er erklärt auch, wieso das seiner Ansicht nach nötig ist für eine neue Weltordnung.

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