Bunte Kindergewehre und Zombie-Nachbarn

Lass uns Amerika wieder groß machen. Bunte Gewehre und Pistolen für alle Kinder. Da wir „The Walking Dead“ gesehen haben, wissen alle, wie die Geschichte läuft – irgendwann sind die Nachbarn nur noch Zombies, da musst du gut schießen können. Und auf die Kleinsten kommt es dann an, schließlich sind Kinder unsere Zukunft. Wie Cohen es beschrieben hat, I have seen the future, brother. It is murder. Die Verrückten und „Besorgten“, die Spinner, Apokalyptiker, Survivalists, Militias, rechtsextreme und fundamentalistische Strömungen, denen Weltbild bestimmt ist vom Krieg (ihrem gegen den Rest der Welt) – haben sich bereits bewaffnet. Und die passenden Ideologien und Feindbilder sind aufgebaut. Staaten haben aufgerüstet, Polizei ist mittlerweile militärisch gerüstet, die Gangster, die Armut und den Terror in den Städten sind wir zunehmend gewohnt. Über die massenhaften staatlichen Morde überall – z.B. Ägypten – mal eben 600 Muslim-Brüder an die Wand gestellt, das war neulich, aber Hauptsache stabile Verhältnisse und sichere Badestrände – willkürliche Verhaftungen massenhaft, Folter im Gefängnis, da sagt im Westen niemand kaum jemand mehr was. Das globale Schlachtfest geht in eine neue Runde. Kali Yuga. Kali Yuga will be full of extreme hardships for people with ideals and values. Zivilisation? Aufklärung war gestern, politisch Durchmarsch der extremen Rechten und eine globale Verbreitung der Argumente für das Töten durch den religiös-fundamentalistischen Todeskult daesch – jetzt kommen perspektivisch Krieg sowie Galgen, Scheiterhaufen und religiöse Gerichte etc. nach 60 Jahren Frieden auch im Westen wieder. Oder sehe ich nur gerade total schwarz? Frage ich mich, werde ich jetzt zynisch, besorgt oder bitter – oder ist bloß alles wie immer. Apathie, Resignation, Flucht ins Private wäre weiter möglich bis sie uns abholen kommen für eine Sonderbehandlung (Angst, gesteigert zur paranoiden Reaktion — andererseits hat es in Deutschland 1933 auch den großen Trend zur Selbsttäuschung gegeben, wird schon alles nicht so schlimm werden, wo es lebensrettend richtig war, schnell ab zu hauen), aber … letztlich ist es so, es kommt nicht drauf an, es zu interpretieren, sondern darauf was wir machen, und das von dem her zu steuern, was wir wollen und für richtig halten, Ziele und Werte. Ganz egal, was draußen vor sich geht. Der Hinweis auf Kali Yuga, ein Zeitalter im vedischen System, wir sind da schon eine Weile drin unterwegs. Kampf des Guten gegen das Böse, Kali gegen Kalki.

Kama. Desire, wish, passion, longing, pleasure of the senses, the aesthetic enjoyment of life, affection, or love, with or without sexual connotations
Kama. Any desire, wish, passion, longing, pleasure of the senses, the aesthetic enjoyment of life, affection, or love, with or without sexual connotations

Kurz das vedische System, Kama ist die sinnliche Seite des Lebens, Konsum und Sex, Haben-Wollen. Im Kali-Yuga kontrolliert sie die Menschen absolut.

Kama is one of the four goals of human life in Hindu traditions. It is considered an essential and healthy goal of human life when pursued without sacrificing the other three goals: Dharma (virtuous, proper, moral life), Artha (material prosperity, income security, means of life) and Moksha (liberation, release, self-actualization). Together, these four aims of life are called Puruṣārtha.

Aus Wikipedia

Liste der Eigenschaften des Kali Yuga – Zeitalters:

  1. Rulers will become unreasonable: they will levy taxes unfairly.
  2. Rulers will no longer see it as their duty to promote spirituality,
    or to protect their subjects: they will become a danger to the world.
  3. People will start migrating, seeking countries where wheat and barley form the staple food source.
  4. Avarice and wrath will be common. Humans will openly display animosity towards each other.
  5. Ignorance of dharma will occur.
  6. People will have thoughts of murder with no justification and will see nothing wrong in that.
  7. Lust will be viewed as socially acceptable and sexual intercourse will be seen as the central requirement of life.
  8. Sin will increase exponentially, while virtue will fade and cease to flourish.
  9. People will take vows and break them soon after.
    People will become addicted to intoxicating drinks and drugs.
  10. Gurus will no longer be respected and their students will attempt to injure them.
  11. Their teachings will be insulted, and followers of Kama will wrest control of the mind from all human beings.
  12. Brahmans will not be learned or honored, Kshatriyas will not be brave, Vaishyas will not be just in their dealings.

Diese Eigenschaften sind alle schon eine Weile gegeben, würd‘ ich sagen. So dass die Veden doch eher als ein Märchenbuch erscheinen könnten, was von anderen Zeiten erzählt – es war mal besser – und guten Leuten, die es mal gab, und die wieder kommen und helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wenn endgültig alles verloren scheint.

Der Typ mit dem Schwert ist Kali
Der Typ mit dem Schwert ist Kali, ein Dämon, Gegenspieler der guten Götter und Herrscher des aktuellen Sünden-Zeitalters „Kali-Yuga“.

Kali, der Herrscher des Zeitalters, ist übrigens nicht die Göttin Kali, sondern ein Dämon. Quelle allen Bösen. Konnotiert mit:

gambling places, taverns, prostitution, slaughter and gold

Klingt nach Hells Angels, no offence meant. Sein Gegenspieler Kalki, der Zerstörer des Schmutzes, kommt übrigens am Ende der Zeit auf einem Weißen Pferd geritten, um mit seinem leuchtenden Schwert allen Schmutz zu vernichten, woraufhin ein neues goldenes Zeitalter der Wahrheit anbricht.

humanity is governed by gods, and every manifestation or work is close to the purest ideal and humanity will allow intrinsic goodness to rule supreme

Um ein wenig Ärger und Irritation zu erreichen, kurz dieses: Schopenhauer fand ja die Veden gut und hat den Quran als Religion der geistig Armen gedisst; er habe da nix Nützliches drin finden können. Selbst dran schuld, Doofie! Sag ich mal. Narzistische Selbstaufwertung, eine leichte Übung. Für ihn, für mich, für alle. Gurus will no longer be respected and their students will attempt to injure them. Da haben wir es wieder.

Weil ich „Welt als Wille und Vorstellung“ für mit Abstand das Beste zum Thema Philosophie halte – alle anderen Konzepte lassen sich darin subsummieren – stört mich natürlich diese dumme Platitüde ein wenig, ähnlich wie Adorno mit seinem Geschwätz zum Thema Jazz, aber hey, sind nicht alle Menschen mal peinlich unwissend aufgefallen? Quasi der RTL-2-Moment für Leute, die wie ich sich für schlau halten; und es nagt an ihnen, das sie oft so dumm sind – guck, der Typ, was ein fail … Womit klar wäre – Selbstaufwertung durch Herabsetzung anderer, nix was nur die bösen Anderen machen. #schwacherTrost.

Kurz die Synthese. Welt, das ist einmal unser Modell im Kopf, unsere Simulation, die Vorstellung, ein sich wandelndes Konstrukt, gebildet aus sinnlicher Erfahrung – sowie zweitens unsere Aktionen, gebildet aus der Auswertung unserer Simulation, die unsere letztlich unser Motivationssystem (Wille) umsetzen. schopenhauer in a nutshell. Zwingend ergibt sich aus der Interaktion solcher Systeme – es brauchen keine Menschen zu sein, ein Roboter hat das auch, wetware ist keine Voraussetzung dafür – das, was Luhmann beschrieben hat, also übergeordnete Systeme mit eigenen Regeln, wie Kultur, Religion, letztlich geteilte parameter. Eine menschliche Zivilisation, die auch humanistisch ist, ergibt sich aber nicht von alleine, sondern ist Ergebnis gemeinsamer Anstrengung. „Kampf, Erstarren, Flucht“. Evolutionär die grundsätzliche Auswahl, wenn Konfrontation ist. Weil dauernde Konkurrenz ziemlich anstrengend ist, lohnt sich Kooperation und die Bildung von Verbänden, wodurch Sozialverhalten zunehmender Komplexität entsteht. Weil alle höheren Systeme immer auch ausfallen können, ist das Überleben eines niedriger angesiedelten Systems davon weitgehend unabhängig. Systemwechsel sind vielmehr notwendig, damit neue globale Parameter gesetzt werden können. Weil Menschen lebenslang selbst programmierend bzw. selbstlernend sind, können sie auch intern globale Parameter ändern, was von anderen je nach wahrgenommener Intensität (Differenz, Ausprägung der Abweichung von der Normalität) verschieden bewertet wird. Was Trump so bedrohlich macht, ist die Verringerung des sicheren Korridors – wie anders darf Mensch sein – auf gefühlt Null. Falsche Farbe, falsche Religion? Ausweisen, Mauer bauen, alles Barbaren. Kein Kumpel von Trump? Verschissen. Nicht nützlich? Kein deal. Bürgerrechte und Menschenrechte, forget that crap, denn was nützt mir das. Es gibt nur „die USA“ und die anderen. Die Welt besteht aus Leuten, die für Trump arbeiten und seine Taschen füllen, Kumpels die in seinen Luxus-Hotels absteigen – und denen, gegen die er was hat. Andererseits ist das vielleicht ehrlicher, wenn Führer dazu stehen, dass sie populistische Kleptokraten sind. Soweit ich das kapiert habe, waren die Sultane da beispielsweise völlig ungeniert und – kurz nachgedacht, die Idee, das alles in letzter Instanz dem Chef gehört, weil er es sich ja jederzeit nehmen könnte – vermutlich auch logisch. Plus, ich merke, wie sehr ein Spektakel meine Aufmerksamkeit gefangen hält. Auswechselung einer Führungsperson, Atomwaffen und Gorilla, was ist neu daran, das Affen an den Knöpfen zur Auslöschung der Menschheit sitzen? Geh ich doch mal dran, mich um wichtigere Dinge kümmern.

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„Aleppo – what is Aleppo“?

aleppo
Damaged buildings in the rebel-held Ansari district of the northern Syrian city of Aleppo, 24 November, 2014 BARAA AL-HALABI/AFP/Getty Images

Als Einstieg Le Monde, dann Society of Geeks. Und der Independent. Jeweils über die Situation in Syrien und insbesondere Aleppo.

Natürlich sind die enthaltenen Darstellungen recht unvollständig. Zitiere ich mal einen Kommentator:

no mention of the saudi and qatar pouring money arms and fighters into syria, no mention of american evolvement in libya where hillary clinton together with obama bombed gaddafi government forces and backed radical islamist groups with money and weapons, also no mention of Turkey involvement as supply route for weapons into Syria and stolen oil from the syrian people sold in Turkey

Salon über USA, Saudi-Arabien, Quatar und den IS. Was aus den geleakten Mails von Hillary Clinton so zu erfahren ist.

Huffington Post über die Verbindung von IS und Türkei. Eine Sammlung von einzelnen Ereignissen und Quellen. Es geht um die Durchreise von Jihadisten über Hatay nach Syrien, um Waffenlieferungen, Aufenthalt und Training, Krankenhaus-Behandlungen, den Kauf von IS-Öl und andere Verwicklungen.

Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey
Map issued by Russian military showing ISIS oil sales routes from Iraq to Turkey

Die Türkei bestreitet die von Russland erhobenen Vorwürfe, die USA weisen darauf hin, dass zwar IS-Öl geschmuggelt wird, es aber im Wesentlichen an Assad geht.

Die Sicht der türkischen Regierung – nachlesbar bei Yenisafak (auf Englisch) – ist etwa so: Die USA und die EU haben „den 15. Juli“ inszeniert, um die Türkei zu zerstören. Und weil das nicht geklappt hat, wollen sie nun mithilfe der PKK/YPD (Kurden) die Türkei von Süden her einschließen, eine große Terrorzone schaffen und letztlich die Türkei auseinander zu nehmen. Daher habe man die Pflicht, diese „Belagerung“ zu brechen und nach Mossul vorzudringen. Alles eine große Verschwörung gegen die Türkei:

Just as they made a partnership with Fetullah Gülen and his terrorists on July 15 for this purpose, there is a trap they have set up against Turkey – in the guise of fighting Daesh – through partnership with terrorist organizations like the PKK/PYD in Syria. They are now in efforts to achieve what they failed to do within the country through the Gezi Park events, the Dec. 17 and Dec. 25, 2013 coup attempt, the Demirtaş project and the bloody July 15 attack, through these organizations from the outside. [Quelle: Yenisafak]

Na klar, die USA und die EU wollen die Türkei zerstören. Und die arme Türkei kann sich nur noch retten, indem sie nach Irak marschiert – reine Notwehr. Sagt der Irre vom Bosporus.

Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.
Türkische südliche Grenze zu Syrien und Irak.

Die Panzer stehen schon in Silopi. Dort ist der einzige türkische Grenzübergang zum Irak. Ziele sind Tal Afar, Mossul, Erbil, Kirkuk. Stadte, die die Kurden als ‚ihre‘ Region bzw. als Teil Kurdistans sehen. Während die AKP von den glorreichen Zeiten des Groß-Osmanischen Reiches schwadroniert …

Osmanisches Reich, früher mal (lange her)
Osmanisches Reich, Expansion

Während im Land selbst Nazi-Methoden an den Start gebracht werden, wie es der Außenminister von Luxemburg genannt hat. Der Sanktionen fordert. Was wirkungsvoll wäre, denn 50% der Exporte der Türkei gingen in die Europäische Union. Anders als bei den unwirksamen Russland-Sanktionen, wo es nur 2% Prozent seien, habe man damit ein wirksames Werkzeug in der Hand. Dazu komme, dass 60% Prozent der Investitionen in die Türkei aus der EU kämen.

Ulusi Akar und Joe Dunford beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil
Die Top-Militärs Ulusi Akar (Türkei) und Joe Dunford (USA) beim Krisentreffen in Ankara. Bild: jcs.mil

Telepolis zur Offensive auf Raqqa (die Hauptstadt von IS/daesh) und dem Krisentreffen von Spitzenmilitärs der USA und der Türkei.

Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State
Rojda Felat, the Commander leading the fight against Islamic State

Der Independent über die kurdische Befehlshaberin Rojda Felat und den Vorstoß auf Raqqa.

Frauen spielen bei der PKK und der SDF eine wichtige Rolle :

Female fighters are a key part of the offensive against Isis and there are understood to be more than 10,000 women fighting in both all-female and mixed Kurdish battalions.

Ob es daran liegt, dass so viele kurdische Männer bereits tot sind? Das ist jedenfalls meine Vermutung – im Krieg dürfen Frauen gleich- oder jedenfalls weniger ungleich berechtigt sein, weil eben neue Kämpfer gebraucht werden. Das war selbst im reaktionär-patriarchalen Nazi-Deutschland so, als die Soldaten-Männer ausgingen – später kamen dann die „Heim und Herd“-50er Jahre, wo das wieder zurück gedreht wurde.

Guardian zum Thema, wieso die Türkei es vorzieht, gegen die Kurden und eben nicht gegen den IS zu kämpfen.

Times dazu, wieso die USA wie gehabt zugleich Kurden unterstützen und der Türkei den Krieg gegen die Kurden gestatten.

Der Standard zur Situation und Gefühlslage. Wieso sich die Kurden mal wieder verraten fühlen.

Geo-Politik ist halt so, sagt Henry Kissinger (der diese Form, Politik zu machen, personifiziert): Ein ständiges Taktieren ohne dauerhafte Allianzen, wobei alle Seiten offen oder verdeckt unterstützt werden, wo es den eigenen Interessen gerade nützt. Er erklärt auch, wieso das seiner Ansicht nach nötig ist für eine neue Weltordnung.

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