PUBG – Urlaubsbilder

Abenteuerurlaub am PC. Schont das Budget und die Umwelt. Die PUBG-Karte Erangel ist wirklich schön, da kann man neben dem eigentlichen Spiel auch sich schön die Zeit vertreiben mit Rumfahren, dabei nette Orte ansehen, auch mal ein wenig entspannen und der Sonne zu schauen. Und dann wieder rein in die Action. So gefällt mir das.

Überhaupt, ein Urlaub, wo mal keine Erwartungen enttäuscht werden. Jedenfalls keine an den Service, sag ich mal. Ein übel kaputter Ort ohne jegliche Bewohner, die anderen Gäste mörderisch unfreundlich – und du metzelst sie nieder. Jedenfalls in der Theorie. Praktisch ist mein erster oder zweiter Feindkontakt nach wie vor mein Ende. Sind halt auch keine doofen Computer-Gegner, sondern Leute mit Geschick und Verstand und Übung. Hart, dagegen anzukommen. Manchmal sehr krasse Szenen.

Und dann wieder vieles, wo ich einfach schallend lachen muss. Ganz besonders zählen dazu rasante Auto-Kämpfe – da passiert einiges, was wirklich kaum zu glauben ist.

Manche Sachen sind nervig. Mit den enorm wirkungsvollen Schüssen aus weiter Entfernung komme ich noch gar nicht klar – da bin ich immer noch viel zu sehr mit Orientieren im Nahfeld beschäftigt, um sowas wie eine mentale Karte von dem Ort zu haben und aus den Geräuschen und den Gegebenheiten der Landschaft auf die Positionen der Schützen schließen zu können. Von Sehen brauche ich da nicht zu reden – die sind gerade mal pixelgroß, da sehe ich nichts von. Treffen dich aber mit Zielfernrohr ganz locker. Übel. Und die Kämpfe ganz am Anfang, mit Fäusten oder irgendwelchem Zeugs und unter totaler Hektik, da treffe ich auch nichts, wenn Leute hektisch rum rennen. Auflauern – auch so ein Ding. Wie oft bin ich schon einem genau vor die Flinte gesprintet. Autsch. Also, ich gebe zu, ich bin echt nicht so gut in dem Spiel. Aber ich liebe es.

Hab nix gemacht, nur Auto-Fahren 😉

Weil die Schwierigkeit so hoch ist, habe ich für mich einen Weg gefunden, einfach zunächst nur ein paar der vielen Dinge zu machen, die man können muss, um es zu beherrschen.

Einfach viele Absprünge machen und möglichst lange im Spiel bleiben – also sicher und gezielt landen können. Und dann ein Fahrzeug, und die Insel kennen lernen. Einfach rum fahren, sich die Gegend aneignen. Und die Steuerung der Fahrzeuge gut können.

Zwischendurch mal Nahkampf üben – da landen, wo viele landen, und mit der ersten geeigneten Waffe gleich auf Jagd gehen. Gar nicht erst mühsam 10 Zimmer looten, um dann vor dem Haus abgeknallt zu werden. Sondern sofort drauf, auch wenn du nix triffst. Die Lobby ist dein Freund – da kannst du immer mal ein wenig üben 😉

Natürlich gibt es dutzende Seiten zu PUBG mit Tipps und Videos. Wenn ich mir Mr Grimmz ansehe, bin ich natürlich fasziniert.

Und auch sonst ist das Spiel durchaus geeignet, es sich als Stream rein zu ziehen. Weniger geeignet als Counterstrike für E-Sports (aber da wollen sie hin).

Der Moment, wo du nicht drum rum kommst, es zu bemerken – das ist nicht das wirkliche Leben, nur ein Spiel … und du kannst es nun nicht nochmal spielen, weil sie die verfickten Server warten müssen 🙁
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Karl und Paul Follen

Um 1816 herum. Ein Stück Geschichte: Nationalismus, Burschenschaften. Und Auswanderer in die USA. Nur kurz notiert, weil ich es nachlesen mag später. Zwei Brüder, deswegen beide Stories hier. Einer mehr der Hippie, der andere mehr so Nazi. Platt gesagt. An ihren Werken sollt ihr sie messen.

Paul Follen gründet die Gießener Auswanderergesellschaft, macht sich ab nach USA und wird Siedler. Er ist bei den Republikanern und kämpft für die Sklavenbefreiung.

Wir müssen die Volksfreiheit erlangen durch jedes Mittel, welches nur immer sich uns bietet. Aufruhr, Tyrannenmord und alles, was man im gewöhnlichen Leben als Verbrechen bezeichnet und mit Recht straft, muss man einfach nur zu den Mitteln zählen, …zu den Waffen, welche gegen die Tyrannen allein uns übrig bleiben.

Karl Follen schwadroniert daher vom Tyrannenmord und dem Kampf mit allen Mitteln, weil: Glühender Nationalist. Gründet die Germania. Stiftet Karl Ludwig Sand an, den August von Kotzebue umzubringen. Geheimbund der Unbedingten. Der Burschenschaftler Sand begeht daraufhin eines der ersten ideologisch motivierten politischen Attentate in Deutschland. Und wird später geköpft dafür.

Als philosophischer Konstrukteur der Terror-Ideologie tritt Jakob Friedrich Fries auf. Der auch fordert, die Juden auszurotten. Und meint, Ahnungen seinen was Wichtiges (irgendwo zwischen Wissen und Glauben wächst die Überzeugung, dazu nehme man noch die richtige (bei Fries: rechte) Gesinnung, und schon ist der politische Akteur im Recht.

Wieso ist das interessant? Weil die extreme Rechte heute mit genau dem kocht, was auch die Nationalisten früher so in ihren Zutaten hatten. Eigentümlich, das immer so gerne vergessen wird, dass die Gewalt bei diesen Leuten immer einen zentralen Platz in der Vorstellung einnimmt – und das sie gerne mal terroristisch sind.

 

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Die Zerstörung des Himmels (was Verschwörungstheoretiker so erzählen – Part II)

Viel ist zu Chemtrails nicht zu sagen. Leute gucken sich den Himmel an, sehen Kondensstreifen und spinnen sich etwas zusammen.

Allerdings geht das nur, wenn im Kopf bereits eine gewisse Bereitschaft dazu vorhanden ist, sich eine Welt ganz grundlegend als riesige Verschwörung vorzustellen.

Niemand guckt an den Himmel, sieht Flugzeugstreifen und denkt „ein Angriff mit Nano-Partikeln“ – ohne den entsprechenden Kontext.

Sowas muß man sich erst mal ausdenken, und von „zweifelsfrei“ im Zusammenhang mit Wahrnehmung zu sprechen ist sicher auch generell sehr … sagen wir mal, naiv. Aber genau darum geht es – eine einfache Erklärung, die spektakulär anders ausfällt als die der Allgemeinheit. Eine aufregende Eigenwelt, in der man ein besonderes Wissen besitzt und einen besonderen Kampf kämpft – gegen den Rest der Welt. Man könnte auch sagen: Wahn.

Nicht anders als die Theorien der Flat Earth, Hohlwelt, Mondlandungsfake und ähnliches. Oder die UFO-Gläubigen. Und wie Klimawandelleugnung, Holocaustleugnung.

Ein Mensch muss schon bereit sein, die gesamte gesellschaftliche Umgebung als von einer gemeinsamen Täuschungsabsicht kontrolliert und durchdrungen sich vorzustellen. Sprich: Paranoide Persönlichkeitsstruktur. Feige, hinterhältige Manipulatoren überall.

Mit solchen Dingen wie Wissenschaft hält man sich da besser nicht auf – oder es wird das, was Wissenschaft macht, in sein komplettes Gegenteil pervertiert. Also statt viele Studien auf ihre gemeinsame Aussage hin abzuklopfen (wissenschaftliches Vorgehen, Meta-Studien) werden einzelne Ideen oder lediglich Ausdrücke aus irgendeinem Papier von irgendwem irgendwo als „Beweis“ zitiert. Wie könnte man das nennen – Anti-Wissenschaftlichkeit? Pseudowissenschaftlichkeit, sagen viele. Aber das ist nur ein Teil davon – so tun als ob. Der schlimmere Teil ist der, Wissenschaft und Glauben in eins zu setzen. Krass. Da werden subjektive Annahmen und Anekdoten mit Ergebnissen von weltweiten Studien mal eben gleich gemacht. Klimawandel? Da glaube ich nicht daran. Aber zugleich: Chemtrails dienen angeblich der Steuerung des Wetters und stammen aus der geheimen Forschung zur Bekämpfung des Klimawandels. Ähm, ja. Also, der Verschwörungstheoretiker hat seine ganz eigenen Beweise, eben die alternativen Fakten. Davon dann möglichst viele.

Kontext ist immer irgendein Szenario eines Kampfes zwischen Gut und Böse, natürlich die entscheidende Endphase (also maximale Aufmerksamkeitshascherei und maximale Anhänger-Mobilisierung, und natürlich die Legitimation aller Mittel). Milleniarismus, sagen manche dazu. Letzte Zeiten. Die kommende Apocalypse, die letzte Schlaft, etc.

Mit einer Persönlichkeit, die sich offen gegenüber alternativen Fakten (komplettem Bullshit) zeigt, sammelt man allerdings schnell eine Menge solcher Müll-Ideen an. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der oder die nur einen einzelnen Strang von Verschwörungstheorien folgte – wenn, dann ist immer eine ganze Reihe davon vorhanden. Meistens in Kombination mit missionarischem Eifer. Immer auch mit einer Art von verquerer Religiosität gekoppelt -einem Glauben, der sich letztlich kaum artikulieren kann. Etwas starkem und unbegründbarem, was den Antrieb für die oberflächlich betrachtet lächerlichen Aktivitäten bildet. Vermutlich sind das sowohl Bindungsmotive als auch narzistische Bedürfnisse, die da rein spielen (was weiß denn ich). Selbstwerterhöhung und Gruppenbildung. Was halt Menschen so antreibt.

Woran ich schier verzweifle – die Frage, wieso diese Leute sich ausgerechnet an diese Idioten-Narrative binden. Es gibt Dinge, die mir bedeutsamer erscheinen. Beispielsweise die Tatsache, dass es Hunger in der Welt gibt, obwohl technisch die Menschheit diese furchtbare Plage locker besiegen kann. Oder dass überall Autos rum fahren und die Luft mit Stickoxiden vernebeln – was keine Phantasie ist. Die Autofahrer fahren auch viele Menschen tot. Und sehr viele Menschen töten sich selbst. Auch solche Scheußlichkeiten wie Krieg und Folter, da könnte man sich dagegen engagieren. Aber nein – es werden vollkommen bescheuerte Kämpfe gegen imaginäre Katastrophen ausgefochten. Soziale Fragen, Gerechtigkeit, Entwicklung? Alles nicht interessant, nur das eigene zählt (und da zeigt sich dann der zutiefst rechte Character dieser Narrative, eben im völkischen Denken).

Und das, was daran wirklich tragisch ist – diese alternativen Fakten sind über den Schleichweg der Esoterik-Welle in die aufklärerisch orientierten Szenen eingewandert, der rechte bis rechtsextreme Bullshit hat sich als neue Spiritualität ausgegeben.

Inklusive der rechtsoffenen Konzepte, die dabei mit transportiert wurden – etwa der prinzipiellen Ungleichwertigkeit von Menschen etc. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, auch die verbreitete (und komplett falsche) Konzeption von Karma als Prädestination und Sündenkonto mit der Schlußfolgerung, dass Solidarität Unsinn ist, weil ja jeder bekommt, was ihm zusteht und weil Kooperation mit Schwachen ein Nachteil im opportunistischen Kampf aller gegen alle ist (eine maximal rechte sozialdarwinistische Position) – diese Idioten-Narrative kommen alle aus der netten Hippie-Zeit des New Age. Da fing das an mit den alternativen Fakten. Und die linksalternativen Leute haben diese Trends befördert, vermeintlich verbunden mit der Idee von einem emanzipatorischen Wert.

Für die Chemtrails läßt sich ungefähr das Jahr 1996 als Ursprungsjahr der Verschwörungstheorie angeben – das ist also rein relativ neues und frisches Phänomen. Quellen: A brief history of „Chemtrails“. Und The origins of the chemtrail conspiracy.

Das finde ich spannend. Eine Verschwörungstheorie, die im Internetzeitalter selbst konstruiert wurde.

Also ein Fall, wo das Internet nicht eine abwegigen Idee aus alten Zeiten irgendwie wieder puscht oder dafür neu mobilisiert (so wie beispielsweise fundamentalistische Ausprägungen von traditionellen Glaubensrichtungen), sondern wo das Internet als Basis der Generierung und Verbreitung eines Memes dient. Das ist mit anderen Theorien des lunatic fringe anders.

UFO – das gibt es seit 1947. Und I want to believe ist glaube ich die beste jemals dazu abgegebene Erklärung. Das bringt es auf den Punkt. Noch so gründliche Widerlegung ändert nichts an den Überzeugungen von Gläubigen (oder weniger freundlich ausgedrückt – sektiererischen Fanatikern). Nebenbei: „UFO“ hat sich ja weiter entwickelt zu „Reptiloiden aus dem Weltraum beherrschen bereits heimlich unseren Planeten“ und dergleichen.

Mondlandung ist fake – das gibt es seit 1976. We Never Went to the Moon: America’s Thirty Billion Dollar Swindle, was self-published in 1976 by Bill Kaysing.

Die Klassiker – Flachwelttheorie (Mitte 19. Jahrhundert, Samuel Rowbotham), Hohlwelttheorie (im 17. Jarhundert eine wissenschaftliche Theorie, danach verworfen und nur noch von Verschwörungstheoretikern weiter gesponnen) bzw. genauer Innenweltkosmos (1870 von dem Amerikaner Cyrus Reed Teed (1839–1908) aufgestellt).

Antisemitismus – 1800. Illuminaten – 1776. Diese beiden Stränge sind natürlich wesentlich anders gestrickt als die bisher angesprochenen Verschwörungsnarrative.

Es geht nicht in erster Linie um eine paranoide Verarbeitung der Moderne und der Technik (heimlich, gefährlich, Regierung und Konzerne vs. der einfache Mann, wir werden belogen) – sondern um die Frage „Wer ist schuld an allem Übel?“ – bezogen auf politische und gesellschaftliche Umbrüche.

Der Nationalsozialismus hat mörderisch klar gemacht, wie Antisemitismus als Staatsziel sich auswirkt. Wobei Hitler in „Mein Kampf“ sehr deutlich den Antisemitismus als ein strategisches Mittel der Politik und Propaganda beschreibt, weniger als etwas irgendwie Faktisches (zumindest sind Fakten egal, es geht darum, alle diversen politischen Gegner propagandistisch unter einen Hut zu bringen, die Erklärung gegenüber den Massen möglichst einfach zu gestalten).

Noch mal zurück zu dem Aspekt vom Müll-Magnetismus im Zusammenhang mit Idioten-Narrativen. Wie gesagt, es finden sich selten reine Vertreter einer einzelnen Verschwörungsüberzeugung – wenn, dann sind praktisch immer viele solche Stränge vorhanden. Mich interessiert dann immer, welche Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gehen damit einher. Denn Rassismus, Sexismus, LGBT*-feindliche Einstellungen, Behindertenfeindlichkeit etc. mit den Idioten-Narrativen eng gekoppelt scheinen (meine Annahme, bisher habe ich dazu erst wenig gelesen).

Letztlich ist meine Vermutung – egal mit welchem Strang von alternativen Fakten man startet, letztlich sind das alles Einstiegspunkte in einen Sumpf voller giftiger Nebel. Man landet in einem rechtsextremen Weltbild. In der Alt-Right, würde man heute wohl sagen. Wobei ich mich frage, liegt das daran, dass diese Gruppierung ein Kulminationspunkt menschlicher Dummheit ist, oder daran, dass diese Leute sehr stark den lunatic fringe besetzt bzw. an ihre Tröge gelockt haben?

Weil ich es wissenschaftlich mag, werde ich demnächst mal Barkun lesen (habe das jedenfalls vor).

Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun spricht von „conspiracy beliefs“ („Verschwörungsüberzeugungen“) bzw. einer „conspiracist worldview“ („konspirationistischen Weltsicht“), die durch die Annahme gekennzeichnet sei, eine Organisation agiere böswillig und im Verborgenen. Typisch für dieses Denken sei der Ausschluss von Zufällen – alles Geschehen werde auf die absichtsvollen Handlungen der Verschwörer zurückgeführt –, der Zweifel an allem Offensichtlichen – nichts sei, wie es scheine, es gelte immer, eine geheime Wahrheit zu entdecken – und die Annahme, alles sei miteinander verbunden – nur die Aufdeckung „geheimer Muster“ liefere eine Erklärung für die Geschehnisse.

Quelle: Wikipedia

Barkung stellt auch auf das paranoide Element ab: Alles ist böse Absicht verborgener Mächte. Im Kern die verweltlichte Form von Teufelsglaube (eine böse Kraft arbeitet gegen uns). Kein Wunder, das diese Idioten-Narrative für fundamentalistische „Christen“ attraktiv sind, denke ich mir gerade.

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Behold a Pale Horse (was erzählen eigentlich die Verschwörungstheoretiker, und wieso)

[EDIT] War ursprünglich ein FB-Post, nur wurde der Text dann zu lang. Nicht wirklich koherent werden mehrere Stränge von Nachdenken weiter entwickelt.

Kurzlink: http://wp.me/p8aGl5-Be

Als ein 386er noch ein Argument war: Habe eine „Bibel der Verschwörungstheoretiker“ (William Cooper, Behold a Pale Horse) mal angesehen – ein wilder Ritt durch die Alt-Right-Geschichtsinterpretationen, ziemlich verrücktes Zeugs.

Hier kann man Cooper im Video sehen.

Ein Prototyp. Cooper hat die Truther quasi erfunden. Ganser tritt ganz ähnlich auf.

Massig Details und Andeutungen, und immer wieder Geheimnisse in Geheimnissen etc. Und alles ist immer „absolut wahr“. Dieser Habitus erscheint ganz wesentlich zu sein. Gut zu sehen auch in diesem Video. Ziel dieser Form der Mitteilung scheint zu sein, den Leser durch scheinbare „Fakten“ zu erschlagen. Nicht Inhalte werden vermittelt, sondern es wird ein Sammelsurium alternativer Fakten herunter gebetet. Offenbar weiß der Autor sehr viel, und man muß ihm glauben, allein schon, weil das Volumen der angebrachten „Beweise“ völlig unüberprüfbar wäre.

So lesen sich auch andere angeblich aufklärende Publikationen der Rechten – es wird vermutet und gemunkelt und konstruiert, und dahinter stecken natürlich die Juden. Antisemitismus, letztlich ist das immer die verbindende Gemeinsamkeit extrem rechter Ideologien.

Dabei auf diese Stelle gestoßen, wo Cooper die Bevölkerungsexplosion bespricht und nebenbei anmerkt, er habe das privat nachgerechnet auf seinem 386er-PC. Köstlich.

Paranoide Weltkonstruktion ist natürlich immer ein Eigenbau – wenn alles, was die anderen sagen, gezielt unwahre Aussagen sind, dann kann ja eine eigene Welterklärung nur auf dem aufbauen, was man selbst herausgefunden hat oder für gegeben hält. Letztlich würde so eine Welterklärung für andere unverständlich ausfallen ohne geteilte Erzählstränge, vermute ich.

Und wie immer, die Anhänger solcher Weltmodelle tauschen sich dann aus und identifizieren gemeinsame Themen. Darunter UFOs, Chemtrails, FEMA, FED, Bilderberger etc.

Charlottesville (unite the right) war so eine Art Klassentreffen für Rechtsextremisten.

Fields mit seinen Kumpels (der in der Mitte)
Rechtsterrorist Fields rast mit seinem Auto in die Menschenmenge

Wenig verwunderlich, dass sich diese Leute aufführen, wie sie es tun – auf der Basis dieser „Ideologie„. Hate Groups gibt es natürlich ziemlich viele. White supremacy ist ein wesentliches verbindendes Element dieser teilweise ideologisch disparaten Gruppierungen.

Praktisch relevant wären gesellschaftlich wirkungsvolle Gegenmaßnahmen gegen solche gefährlichen Spinner wie die „Militia Movements“. Und das sie gefährlich sind, ist nicht erst seit dem Oklahoma City Bombing bekannt. In ihreren eigenen Fantasy-Büchern schwärmen sie von ihren Schußwaffen und träumen davon, die anderen halt endlich über den Haufen zu schießen. Und ein Cooper erreicht irgendwann einen aus seiner Fan-Base, der wirklich aus diesem Murks einen Impuls zu einer terroristischen Tat entwickelt. Wie Timothy McVeigh, beispielsweise.

[Quelle] A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America By Michael Barkun
Als Psychologe interessiert mich natürlich auch, welche Wege gibt es, um aus einem solchen Wahnsystem auszusteigen. Also ein therapeutischer Ansatz. Da wäre die Frage, wozu dient das Verhalten auf individueller psychologischer Ebene, welche sozialen Konsequenzen hat es, wie sind die aufrecht erhaltenden Bedingungen?

So habe ich gearbeitet – ich nehme mir das Weltbild der Person, mit der ich arbeite, versetze mich da hinein, und schaue dann dort – wo ist die „neue Tür“, wie kann dieses System modifiziert werden, damit jemand nicht gezwungen ist, den bisher ausschließlich verfolgten Mustern weiter zu folgen.

Im Fall von Wahn natürlich in erster Linie, wie kann eine Art von Realitätsprüfung angeboten werden, ein Austesten der zusammen gesponnenen Hypothesen, logischerweise mit der Möglichkeit, einschränkende Glaubenssätze möglicherweise zu hinterfragen und deren ungünstige Wirkungen auf das eigene Sozialverhalten zu verändern.

Oft dient natürlich ein Wahnsystem dazu, fehlende Befriedigung von psycho-physiologischen Grundbedürfnissen über einen Umweg doch zu erreichen.

Wer nicht versteht, was die Welt ist und wie sie funktioniert, ist in einer demütigen und schwachen Position. Sich eine Illusion der Kontrolle und des Wissens zuzulegen, hebt das Gefühl der Selbstwirksamkeit – ein sinnvoller Rahmen wird gesetzt, typischerweise „wir gegen die“. Und schon können Handlungen in Hinblick auf das Ziel als mehr oder weniger sinnvoll bewertet werden. Viele Verrücktheiten können ganz gut nachvollziehbar gemacht werden, wenn man nur das Bedürfnis nach einer grundlegenden Orientierung annimmt und die persönliche Ideologie danach abklopft, wie sie biographisch zusammen gebaut worden ist.

Nun könnten wir vermuten, alle diese Versuche einer „starken Ideologie“ wären lediglich Ausdruck einer starken Verunsicherung, und die wiederum eine direkte Folge der Dekonstruktion von ritualisierten gesellschaftlichen Wahrheiten. Das scheint mir in der Tat der beste Ansatz zu sein, um die frustrierten und wütenden (ängstlichen) weißen Männer zu verstehen, die letztlich den Kern der rechtsextremen Bewegungen bilden.

Anekdotisch ein kleiner Schwenk, mir ist da mal folgendes passiert. In einer Kneipe, ein Idiot fängt an mit rassistischen Sprüchen, und ich werde wütend auf den. Statt das wir vor der Tür uns geschlagen haben, gab es dann ein Gespräch mit viel Alkohol bis morgens um fünf. Am Ende war der „Nazi“ ein trauriger Typ, der auf schwarze Frauen steht, aber ökonomisch so mies dasteht, dass es für ihn wenig Hoffnung auf irgendeine Beziehung gibt.

Von dem ganzen ideologischen Überbau war nichts mehr übrig, nur das psychosoziale Elend ist letztlich konstatierbar gewesen. Gewalt als stummer Schrei nach Liebe. Der Rassenkrieger, ein ungeficktes Arschloch. Wäre das so, dann könnte jeder da rein rutschen und auch so sein, und natürlich käme auch jeder da wieder raus durch funktionierendere soziale Beziehungen. Entsprechende Zusammenhänge wurden ja bereits für andere Extremistengruppen ausgemacht, insbesondere die „Gotteskrieger“ (eine Variante des gleichen Phänomens).

Wie viel ist dran an solchen psychologisierenden Erklärungsversuchen? Wissenschaftlich betrachtet ist das eine kniffelige Angelegenheit – es gibt viel mehr Faktoren, als prüfbar wären. Eigentlich immer so in der Soziologie. Ob etwas davon stimmt, ließe sich in praktischer therapeutischer Arbeit mit solchen Leuten prüfen. Wäre den Versuch wert, vielleicht. Wird aber meines Wissens nach nicht gemacht.

Deshalb sehe ich auch eher die Möglichkeit, psychologische Hypothesen als eine mögliche Konstruktion des „Wieso?“ neben anderen zu verwenden. Hinweise finden sich, dass die Gegner der aktuell dominierenden Weltmodelle solche Leute sind, denen es gerade entweder nicht gut geht oder die sich in Gefahr sehen, sich zu verschlechtern. Umgekehrt natürlich ist nur ein verschwindend kleiner Teil der Leute, denen es relativ gesehen weniger gut geht, kritisch gegen die Umstände. Mieser sozioökonomischer Status oder ungünstige ökonomische Perspektiven bedingen noch nicht eine bestimmte Sicht auf die Welt – da ist immer ein Element von Haltung bzw. Bewußtsein, eine Entscheidung, was man denn glauben mag. Die natürlich subjektiv und an das eigene Fühlen zurück gebunden ist.

Woraus wird das Weltmodell gebaut, das erklärt ja auch viel. Bauteile werden benutzt, die verfügbar sind, also das elterliche Modell wird kopiert und variiert, danach modifiziert durch eigene Bildung und durch das, was wir gemeinhin Lebenserfahrung nennen – es passieren Dinge, und wir sortieren die für uns und bauen sie irgendwie in unsere sinnstiftende Erzählung ein.

Bau dir ein Bild/so wie es dir paßt/sonst ist an der Spitze/für dich kein Platz – Fehlfarben, Monarchie und Alltag

Die Bauteile sind womöglich archaisch. Jedenfalls gibt es eine Reihe von Metaphern und Archetypen, die immer wieder und unweigerlich verwendet werden, vermutlich, weil sie unserer Struktur eingebaut sind. Wie viel davon als Folge der Evolution in uns auf der Ebene von grundlegenden Mechanismen bereits fest eingebaut ist, darüber läßt sich trefflich streiten. Damit das nicht zu schwammig bleibt – als Beispiel der starke Führer. Vermutlich sind es evolutionäre Anlagen, die Männerhorden dazu bringen, einen starken Führer zu suchen.

Wer brüllt am Lautesten, das würde solche Phänomene wie den aktuellen US-Präsidenten vielleicht bereits erklären. Weil die soziale Durchsetzungsfähigkeit eher prüfbar ist als die sonstigen Fähigkeiten einer Person (und womöglich auch, weil eine hierarchische Gruppe nicht mit einem Beta-Männchen an der Spitze funktionieren kann), würde sich stets ein lauter und aggressiver Affe gegen eine leisen und klugen durchsetzen – wenn, ja wenn es nicht die „Verschwörungen“ (Absprachen, den Anführer gemeinsam zu stürzen) bereits im Tierreich geben würde (was beobachtet worden ist).

Soweit erstmal die Analyse und das Erklären. Letztlich egal. Was mich interessiert sind immer die originellen Beiträge – also die individuelle Leistung darin, sich etwas Kommendes vorzustellen, die kreativen Anteile.

Ich sammele solche spinnerten Versuche, aus der Normalität möglichst weit auszuwandern, unter anderem weil ich ein Buch schreibe, das eine möglichst große Bandbreite von abgedrehten Utopien in eine Art von Fantasy- bzw. SciFi-Zukunft hinein weiter phantasiert. Keine Ahnung, ob die bisherigen Fragmente tatsächlich so ein Buch werden irgendwann in meiner Lebenszeit. Möglich auch, es wird mir gehen wie anderen Autoren, die nie über den Teil der Materialsammlung hinaus gekommen sind.

Einem guten Teil meiner inneren Beweger ist es egal, ob Produkte entstehen aus meiner Beschäftigung mit der Welt, ob ich mich irgendwie in Teilspekten verdinglichen kann und Warenförmigkeit erreiche. Wäre ein Spaß, aber auch eine Quälerei, und letztlich bin ich faul und auch irgendwie von der Idee eingenommen, es gäbe ohnehin nichts Neues unter der Sonne.

Ganz anders Cooper. Wie alle Prediger tritt er auf mit der spektakulären neuen Wahrheit (wie anders sollte man sich eine Anhängerschaft gewinnen, als die ollen Kamellen zu etwas großartigem und nie dagewesenen aufzublasen, sich im Habitus des Enthüllers der wahren Prophezeiung zu gebärden.

Böse neue Weltordnung, totale Kontrolle durch Elektronik und Chemie, Staatsreligion, dystopischer Zusammenbruch der Zivilisation (außer in Wohlstandsinseln der Reichen). Soweit wenig neu oder originell.

UFOs und der verschwiegene Erstkontakt (sie sind bereits unter uns).

Nixon wollte uns die Wahrheit über die UFOs sagen (sehr kurios, gerade der Typ ist nun wirklich nicht für seine Gradlinigkeit und Wahrheitsliebe bekannt gewesen).

Natürlich wußte der Papst Bescheid. Merke: keine gute Verschwörungstheorie kommt um den Vatikan drum herum. Ebenso Templer und Jesuiten. Und die Offenbarung des Johannes.

Das ist ein offenbar frei erfundenes Zitat. Es wird einem Kapitel vorangestellt, wo es darum geht, das der Planet bereits von Außerirdischen kontaktiert wurde und von ihnen infiltriert wird. Dumm nur, dass dieser Papst 1935 nicht gelebt hat. Pope John XXII war Papst vom 7. August 1316 bis zu seinem Tod im Jahre 1334.

Die NSA macht in Wirklichkeit auch die Auswertung außerirdischer Kommunikation – das ist mal eine Enthüllung.

Letztlich ist es aber nicht die Art, irgendwelche Bauteile zu verwursten, sondern das Zusammenspinnen von wirrem Zeugs mit dem Versprechen, dahinter läge irgendwo die Wahrheit.

Beispiel für eine solche Passage:

Ob Jesus ein Außerirdischer ist oder nicht? Vielleicht ist ja alles nur ein kosmischer Scherz. Nachdem Cooper eine Fülle von zu seiner Zeit kursierenden verschwurbelten Ideen zusammen geschmissen hat, gibt er zu, dass er damit selbst nicht wirklich was anfangen kann.

Die Besiedlung des Mars ist bereits erfolgt, aber natürlich streng geheim. Auch das irgendwie ein wenig abwegig, aber wieso nicht. Auch der Mond ist bewohnt, nur sagt uns das keiner.

Ok, soweit ein paar Samples aus dem Buch. Es dürfte klar sein, dass es sich um vollkommen irres Zeugs handelt.

Zurück zum Ausgangspunkt – eine verrückte Welterklärung macht etwas mit den betroffenen Individuen. Und sie erfüllen Zwecke für die Person.

Wer von sich glaubt, er oder sie wisse wirklich Bescheid, wird natürlich im Selbstwert angehoben. Diese Funktion der narzisstischen Aufwertung – „ich bin wichtig, wissend, bedeutend“ – ist vermutlich der Kick bei den Alt-Reality-Leuten. Bzw. es fällt etwas weg – nämlich das nagende Gefühl der eigenen Bedeutungslosigkeit. Um sowas stabil zu halten, sind sicher ein paar Anhänger gut – und es lassen sich immer welche finden, die so einen Welterklärer auf einen Schild heben. Egal, wie schräg irgendwas daher kommt.

Ein schönes, weil minimales Beispiel: Dr. Axel Stoll über Arier, Reichsflugscheiben und die Haare von Frauen

Stoll ist amüsant, vor allem seine Redeweise ist herrlich. „Muss man wissen!“.

Ökonomisch betrachtet leben viele dieser „Missionare“ davon, ihren selbstgebrauten Zaubertrank „Welterklärung“ unter das Volk zu bringen. Wer beispielsweise den Kopp-Verlag darauf hin untersucht, welche Alt-Reality-Themen sich anbieten und welche sich offenbar gut verkaufen, kann ganz gut nachvollziehen, welche Leute sich auf die Befriedigung entsprechender Enthüllungsbedürfnisse spezialisiert haben. Und die Seriosität der Angebote prüfen 😉

Wundermittel gegen Haarausfall, Krebs – und die „Wahrheit“ über die Politik, die UFOs etc.

 

Wer Lust hat, sich mit Quellen auseinander zu setzen: Originaltext William Cooper – Behold a Pale Horse

Was mich angeregt hat, mich damit zu beschäftigen: Verschwörungstheorien sind alt wie die Menschheit

Weiterführend: Why I read the most controversial books. Es geht neben Behold a Pale Horse um die Turner Diaries und White Man’s Bible, also um drei Basisbücher der White Suppremacy-Leute mit der gemeinsamen Message: The white race, facing extinction, needs to fight back.

Noch ein Satz zur Relevanz: Die Verschwörungstheorien sind nicht mehr randständige Phänomene. Bis vor wenigen Tagen war Steve Bannon als Chefstratege im Weißen Haus unterwegs. Und der ist ein Protagonist der Alt-Right, die eben aus vielen solchen schrägen Theorien ihre Legitimation schöpft.

Und wie würde diese Fraktion in meinem Buch (was ich vielleicht ja doch mal schreibe) beschaffen sein? Nun, natürlich hätten sie ihre Stadt gebaut, die Citadel. Diese als prototypisch angedachte rechtsextremistische Utopia-Stadt wurde ja bereits entworfen (rund um eine Waffen-Fabrik, logischerweise). Wer es nicht kennt, hier der Link.

Eine dystopische Welt, die in kleine Fraktionen zerfallen ist (ähnlich wie Metro 2033 oder sowas) würde natürlich möglich machen, verschiedene Utopien einfach mal als „läuft irgendwo“ hin zu setzen und dann zu gucken, wie würde es da wohl abgehen. Hier eine Siedlung, dort eine andere, und sowas wie ein Krieg der Stadtstaaten wie irgendwann in Griechenland oder Italien oder sonstwo, bevor es größere Nationalstaaten gab. So hatte ich mir das Grundgerüst der Story vorgestellt. Dazu ein paar SciFi-Geschichten, und ein wenig seltsame Psi-Phänomene (wie in Stalker). Und natürlich Zombies und Mutanten, einfach weil ich Fantasy mag. Weil es aber hier gerade nicht Thema ist, ein andermal mehr dazu.

Noch ein Aspekt, den ich spannend finde – und bei Gelegenheit mal ausarbeiten mag: Wie fundamentalistische Gruppen im christlich besetzen Deutungsraum unterwegs sind, und wie das mit den wirren rechten Spinnereien und der Esoterik eine Verbindung bildet. Barkun (A culture of conspiracy) dürfte ein Startpunkt auch dafür sein.

A Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America By Michael Barkun

Along with the Internet playing a key role in introducing individuals to beliefs once consigned to the outermost fringe of American political and religious life, Barkun points to the convergence of two phenomena that influences contemporary American conspiracism:

  1. The rise of „improvisational millennialism“ — a belief in an imminent destruction of the world and the creation of a new world as a result of the triumph of good over evil, which is independent from any single religious or secular tradition (e.g., Christian premillennial dispensationalism, etc.) and indiscriminately syncretizes ideas from different traditions (e.g., Western esotericismEastern religionsNew Age movement, fringe scienceradical politics, etc.).
  2. The popularity of „stigmatized knowledge“ — claims to the truth that the claimants regard as verified (e.g., climate change deniallocation hypotheses of Atlantisastrologyalchemyfolk medicinealien abductionextraterrestrial hypothesis for UFOssuppressed cancer cures, etc.), despite the marginalization of those claims by the authoritative institutions that conventionally distinguish between knowledge and error (e.g., academiascientific community, etc.).

Unbedingt müßten auch solche Gruppierungen in einer ausgedachten Spielwelt präsent sein – als Kulte und Geheimgesellschaften. Einfach, weil es so unterhaltsam ist.

Militia Immaculatæ

Ok. Genug nutzloses Zeugs geschrieben für heute 🙂

Final ein Video, was zeigt, wie aus Trash Kult gemacht werden kann. Wieder Cooper, diesmal über den satanischen Plan, wie Gott zu werden.

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[PUBG] PlayerUnknown’s Battlegrounds

Über PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) habe ich ja schon mal was geschrieben, hier der Link zum ersten PUBG-Artikel.

Seit ich First Person Shooter (FPS) spiele, habe ich immer gedacht, was daran stört, ist die sehr schlechte Taktik der Computergegner. Künstliche Intelligenz (KI) ist halt schwierig, gerade weil das wesentlichste fehlt – stabil flexible Pläne. Menschen können das gut – sie haben ein Ziel (überleben) und unheimlich viele kreative Wege, das zu erreichen, egal welche Hindernisse auftreten.

Dagegen KI ist in der Regel nicht mehr als eine Sammlung von simplen Wenn-Dann-Entscheidungsregeln (Heuristiken), oder auch nur ein Bewegungsmuster. In vielen Spielen sind die Gegner komplett in ihrem Verhalten fest gelegt (gescriptet) und du kannst bzw. mußt sie also auswendig lernen. Langweilig. Wenn eine Herausforderung da ist, dann jedenfalls nur, weil die Gegner enorm viel mehr Ressourcen am Start haben – aber weder strategisch noch taktisch.

Multiplayer hat alles verändert. Seit Starcraft sind Netzwerkspiele möglich, und seit die Technik die Geschwindigkeit dafür her gibt, sind auch Shooter als Multiplayer am Start.

Bekannt vor allem Counterstrike, wo genau das halt zu sehen war, was wir uns gewünscht haben – heiße Action, null langweilige Vorhersehbarkeit und viel Abwechselung.

PUBG spielt auf einer verlassenen Insel, so eine russische Militär-Basis. Der blaue Kreis wird sich als nächstes im Spiel verengen auf den inneren weißen Kreis – und wer außerhalb der Zone ist, bekommt ständig HP abgezogen.

PUBG ist größer von der Map her, und durch den Spielmechanismus – nach und nach sich immer weiter verengende Zonen, wo gekämpft wird, bis einer übrig bleibt – ist dafür gesorgt, das Camper (Spieler, die nur an einem Ort bleiben und lauern) kein Problem sind.

Im Grunde war eine solche „Alle-Gegen-Alle“-Arena das letzte Mal bei Unreal Tournament für mich interessant – das war in der Wohngemeinschaft ein schöner Zeitvertreib.

Unreal Tournament. Bunt und fetzig. Die Unreal-Engine war 1999 eine echte Offenbarung für die Zocker-Gemeinde.

Danach habe ich lange und gezwungenermaßen die Hände von solchen Zocks gelassen – weil der PC einfach gnadenlos veraltet war. Entsprechend wenig habe ich von der realen Entwicklung des Genres mit bekommen – zwar drüber in der ct gelesen, aber selbst nichts angefaßt davon. ARMA zum Beispiel, bisher nie gespielt, obwohl es mich sehr reizt.

Operation Flashpoint war eine Zäsur – das hat alles vorherige in den Schatten gestellt.

Operation Flashpoint war mein letztes Spiel, wo es einen Versuch von Realismus im Zusammenhang mit FPS gab. Auch die anderen fetten Multiplayer-Shooter sind mir alle zwischendurch zwar bekannt gemacht worden, aber ich habe nicht mit gespielt. Hatte freilich viel anderes zu tun. Nun steige ich mal wieder ein wenig in virtuelle Welten und genieße das sehr.

PUBG camping. Keine gute Idee – vor allem nicht, wenn du nur eine Shotgun dabei hast 😉

Wobei Genießen vielleicht bei PUBG der falsche Ausdruck ist – das Spiel ist für mich extrem schwer, praktisch immer ist der erste Kontakt mit Mitspielern (spätestens aber der zweite) für mich tödlich.

Allem Ärger aus dem Weg zu gehen kann einen sogar in die Top-10 bringen. Nur: Irgendwann kriegen sie dich. Jedenfalls in diesem Game.

Ganz anders als die meisten Videospiele schaukelt dir PUBG nicht die Eier und stattet dich für Mausklicks peu a peu mit göttlicher Pseudo-Macht aus, ohne dass du dafür groß was tun mußt. Um auch nur einen Fuß auf den Boden zu kriegen in dem Spiel brauche ich eine ganze Weile sehr viel Geduld. Nicht gerade das klassische Narzissten-Futter.

Eher ziemlich maso. Man kriegt dauernd einen vor den Latz geknallt. Aber halt auch dauernd hoch spannend – ständige Lebensgefahr, ständige Bewegung und dauernd an sich überfordernd (was wohl daran liegt, dass ich sehr ungeübt in der Steuerung bin). Und der Nervenkitzel ist schon mehr als ein Kitzel – das Spiel ist schweißtreibend.

Wieso finden Menschen Nervenkitzel gut? Hormonausschüttung. Woher? Amygdala. Die macht Action erst spannend. Da gehen die Botenstoffe ab. Schweiß – das ist Adrenalin. Und dann gibt es Dopamin als Belohnung, wenn mal was geklappt hat.

Lage der Amygdala (Mandelkern; eine Doppelstruktur) im ZNS

Eine Zukunft, in der Menschen ihre Nervenkitzel mehr virtuell als physisch suchen, wird es vielleicht erwägenswert finden, den Videospielen einen gebührenden Ehrenplatz einzuräumen, statt sie für Zeitverschwendung und Unsinn oder gar schädlich zu halten. Videospiele sind Kultur, vermutlich mehr als nur ein bisschen. Sowieso das Spielen eine sehr unterschätzte Art, sich mit Dingen auseinander zu setzen.

Grimmmz erwischt den Typen, den ich nicht mal gesehen hätte, sofort. Er weiß einfach genau, was und wer wo sich bewegen wird, wie der Stand des Spiels gerade genau ist. Voll drin in dem Game, der Mensch.

Aber natürlich sind Spiele auch eine Anderwelt zum sich drin austoben, wo Sachen laufen können, die in der wirklichen Welt unerwünscht sind – wie zum Beispiel ein Kampf aller gegen alle bis auf den Tod. Bevor mir wer sagt – aber das ist doch schrecklich. Nee, es sind nur Pixel. Auch Schach ist Krieg, und auch da ist die Idee, wir haben einen Krieg, aber keine Schmerzen, weil er nur ein Spiel auf einem Brett ist. Bei den FPS ist halt das Brett dreidimensional und wenig abstrakt. Bloß – das täuscht gewaltig. Es sind enorme kognitive Anstrengungen nötig, um das Spielgeschehen in seinen relevanten Aspekten teilnehmend nachzuvollziehen und mental zu modellieren.

Wer PUBG spielt, wie es gespielt gehört: MrGrimmmz.

Wenn ich sehe, wie leicht da alles aussieht, wenn Brian PUBG spielt, gehe ich auf dem Zahnfleisch. Praktisch ein Gott auf dem Schlachtfeld. Weit bessere Spieler als ich sind da auch nur noch eines – Kanonenfutter. Und wieso? Weil er zu jedem Zeitpunkt weiß, was er da tut und wie es geht, und einen Überblick über das Gesamtgeschehen sich bildet aus den relevanten Aspekten. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht, vor allem nicht unter dem Level von Stress, den das Spiel automatisch erzeugt.

 

 

 

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Fragen meiner Jugend

Als ich anfing, über die Welt nach zu denken.

Was passiert da? Wie ist das zu erklären, wie funktioniert es? Wieso ist das so? Muß das so sein? Welche Alternativen gibt es, da wo Dinge nicht so gut sind?

Der Umgang der Menschen untereinander und mit den anderen Dingen und Wesen um sie herum – da ist sehr viel sehr brutal und widerwärtig. Weltkriege, Sklaverei, Genozide, Armut, Obdachlosigkeit, Gewaltherrschaft, Folter, die Ausbeutung der Ressourcen gegen jede ökologische Vernunft. Der Umgang mit Nutztieren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der gemeinsame Nenner dieser Themen: Politik und Wirtschaft. Und was den Akteur „Mensch“ angeht: Psychologie.

Eine mögliche Lösung schienen die alternativen politischen Theorien zu bieten – Sozialismus, Anarchismus. Ganz offensichtlich politische Ideologien, die sich aus einem mit dem Christentum geteilten Strang von Werten – Gewaltlosigkeit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit – heraus entwickelt haben.

Könnten wir nicht alle respektvoll und egalitär miteinander umgehen?

Tun wir aber nicht. Treffen sich zwei Menschen, sortieren sie sich nach hierarchischen Kriterien. Zum Beispiel verhalten sie sich unterschiedlich zueinander, wenn sie sich als ungleich einstufen – sich als Mann und Frau, arm oder reich oder als weiß und schwarz klassifizieren etc. Welche Unterschiede von welchen Kriterien eine Rolle spielen, hängt dabei an einem sozialen System einer geteilten Weltanschauung.

Beispielsweise trifft eine geniale Bauersfrau einen dummen adligen Mann, es ist aber Mittelalter – dann hat die Frau verschissen. Heute wäre die Frau möglicherweise eine Mathematik-Professorin und der Mann ein Trinker am Kiosk. Der Unterschied von Geschlecht war im Mittelalter sehr sozial relevant, der von Intelligenz nicht – und vielleicht ist es heute anders und auch besser. Was natürlich daran liegt, dass ich Intelligenz für wichtiger und wesentlicher halte als biologisches Geschlecht.

Die Organisation von Menschen in Gruppen, das ist ein Thema, was mich immer wieder fasziniert hat. Wie macht man das, und wann kriegt man welche Resultate?

Leider sind die Ergebnisse ernüchternd: Was so einfach zu sein schien – es anders machen – erweist sich beim Ausprobieren als dermaßen schwierig, dass es für Leute, die trotzig an dieser Mission festhalten, praktisch nur eine Geschichte von gescheiterten Versuchen geben kann. Ist auch möglich, dass ich mich nur besonders bescheuert angestellt habe, na klar. Allerdings sehe ich um mich herum auch wenig, was dafür spricht, dass diese Ansätze tatsächlich funktionieren. Und die Leute, die ich für meine Helden halte, sind oft recht miserabel geendet.

Darunter Künstler, Philosophen, Heilige, Spinner, Wissenschaftler, Liebende. Was die spirituelle Seite angeht, mag ich nicht urteilen. Viele haben aber offenbar ihr Leben lang gesucht und gekämpft und sich eben einer einfachen Lösung der inneren Widersprüche entzogen, sondern bewußt es sich schwer gemacht. Vielleicht, weil sie nicht anders konnten. Wer weiß das schon so genau – den Unterschied von können und Wollen hat ja auch noch nie wer wirklich dingfest machen können.

Ich bilde mir nicht ein, ich wäre wichtig. Auch wenn ich mir das wie vermutlich jeder mal sehr gewünscht habe. In einem kleinen Rahmen jemanden etwas bedeuten, das ist schon fein. Aber selbst wenn nicht – bereits die eigene emotionale Beziehung zu irgendwem oder zu irgendwas reicht aus, sich selbst zu erhalten.

Auf meinem Blog schreibe ich über Themen, die mich beschäftigen – nicht für andere, sondern weil es mir selbst etwas bedeutet, diese Aspekte meines Denkens zu verschriftlichen. Und seit mein Zettelberg mir über den Kopf gewachsen ist, finde ich es sehr erstrebenswert, lieber mehr digialen Formen der Speicherung von Fragmenten meinen Hirnschmalz anzuvertrauen.

Tatsächlich habe ich mir gedacht, wie wäre es, wenn ich parallel zur Entrümpelung meiner Papierhalde eine Reihe von kurzen Beiträgen jeweils zu den Themen mache. Vielleicht mal dies und das einscanne. So habe ich ein wenig eine Essenz gebildet, falls das klappt.

Man soll sein Herz nicht an Dinge hängen. Wenn das mal so einfach wäre. Meine Beobachtung dazu – ich habe mit Dingen eine längere Beziehung als mit Menschen, und mehr Freude an Dingen als an Menschen. Vermutlich, weil Dinge eine Erweiterung meiner Möglichkeiten sind – Machtmotiv; etwas tun können.

Während Menschen regelhaft zwei Aspekte mit bringen, die ich nicht so geil finde.

  1. Sie machen nicht, was ich will, und sie behindern mich in meinem Willen
  2. Sie machen was, was ich nicht will, und behindern mich damit in meinem Wohlfühlen

Was natürlich dafür spricht, dass ich ein Problem mit sozialer Interaktion habe. Und ein komischer Egoist bin, der nicht gelernt hat, sich einzufügen. Die logische Konsequenz – sich irgendwohin zurück ziehen – geht nicht.

Denn zugleich habe ich ein sehr starkes Verlangen danach, mich mit Menschen auszutauschen, was mich immer wieder dahin zieht, wo was los ist. Das habe ich über mich gelernt, als ich in den Bergen in Südfrankreich war. Ab und zu auf den Markt und unter Leute kommen, schon sehr wichtig.

Was mir sehr fehlt – Leute, die ähnliche Sachen wie ich bearbeiten. Kann sein, ich bin da einen eigenen Weg so lange gegangen, dass es in der – bildlich gesprochen – Gegend, wo ich nun bin, niemanden sonst gibt, der da auch wandert. Das stimmt aber nur sehr partiell. Natürlich sind es eher Schichten. Tiefer drin bewegen mich die genau gleichen Dinge wie alle anderen Menschen, was die grundsätzlichen Fragen angeht. „Wie kann ich weiter machen?“ – die zentrale Frage des individuellen Lebewesens. „Wer hat mich lieb, wer schützt und tröstet mich?“: Weil wir kollektive Wesen sind, die Bindungsbedürfnisse haben. Und: „Was ist zu tun?“ – weil ein Apparat da ist, der etwas machen mag und dafür Orientierung benötigt. Ganz grundsätzliche menschliche Angelegenheiten, aus denen sich – falls man irgendwo ankoppelt – alles andere eigentlich auch „von selbst“ ergeben könnte.

 

 

 

 

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Sehnsucht nach dem sinnstiftenden Mythos

Menschen können vermutlich nicht anders, als ihrem Bedürfnis nach einem großen sinnstiftenden Rahmen ihrer Existenz irgend eine Form zu geben. Ohne den Glauben an *irgendwas* geht es offenbar nicht. Man nehme folgende Zutaten:

  1. ein epischer Kampf von zwei Seiten, in dem du zur Gruppe der Guten gehörst
  2. eine Handvoll Leute, die das genau so sehen

und fertig ist die Laube.

Eine Form von eingebauter Gruppendynamik organisiert dann den Rest – es gibt eine Hierarchie, und jemanden, der die Inhalte weiter entwickelt, den Kult ausbaut.

Wird eine solche Gruppe größer, sprengt sie sich automatisch selbst in Splittergruppen auf.

Lustigerweise ist diese Geschichte bis heute nicht gelöst – in allen größeren Organisationen gibt es diese ausgeprägte Sinn-Leere, das „Unpersönliche“ – die wird dann wieder aufgefangen durch die Bildung von Kleingruppen mit hoher gefühlter Sinnhaftigkeit, die dann allerdings gegeneinander arbeiten.

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Die „Deutsche Mitte“

Die DM ist eine nationalistische Partei, die die Grenzen zu machen will und rechtsutopistische Ideen wie die Rückkehr der D-Mark und „volle Souveränität“ verfolgt.

Ihr Programm wimmelt von populären Forderungen. Dahinter steht die Fiktion, die Politik könne ganz anders laufen, als sie es derzeit tut, allerdings wie stets bei Populisten keinerlei Hinweis darauf, wie es möglich werden könnte, dass sich die Politik vollkommen umstellt. Mehr als nur ein bisschen Esoterik steckt auch im Programm. Und Reichsbürger.

Insgesamt mehr ein Wunschzettel des Populismus, dieses „Kurzprogramm“. Alles, was irgendwie von vielen Leuten auf Facebook abgelehnt wird, taucht auf – nur nicht der Kapitalismus. Was das angeht, ist die Parteilinie, einzelne Superreiche oder wenigstens vermögende Menschen gewinnen zu können. 

Vermutlich ist die DM eine sektenartige Struktur, die ihre Anhänger ausnutzt und deren Gründer sich lediglich bereichern – das wäre meine Vermutung. Eine richtige Partei ist es jedenfalls nicht. Mehr so die esoterisch-anthroposophische NPD.

Schön die Abgrenzung zu den „Reichsbürgern“ – nämlich keine:

Der private Erwerb eines sog. „Gelben Scheins“ durch DM-Mitglieder wird in der Deutschen Mitte geduldet, die Verbreitung damit in Zusammenhang stehender und weitergehender Gedankengebäude hingegen nicht. Der wichtigste Grund dafür ist, dass der Bevölkerung nicht nur bei diesem Thema umfassende und tatsachengerechte vertrauenswürdige Aufklärung verweigert wird.

Wir werden also über die Illegitimität der BRD nicht hinreichen aufgeklärt, aha. Dazu noch die Chemtrails, und fertig ist die Spinner-Partei.

Und natürlich stecken hinter dem Geo-Engineering die bösen USA. Antisemit will man aber nicht genannt werden. Lösung des Nahost-Konfliktes? Eine Einstaaten-Lösung unter palästinensischer Leitung, es wird der Vergleich mit Südafrika bemüht. Und natürlich wird BDS unterstützt, und auch die lassen sich nur ungern so nennen. Die DM wäre nicht die DM, wenn sie nicht auch noch den „was Semiten eigentlich sind“-Pseudodiskurs aufwerfen würden – aber das nur nebenbei.

Wer mir die Analyse nicht glaubt oder selbst mehr wissen will, möge sich mit dem Programm vertraut machen. Ich verlinke hier nichts davon.

[EDIT] Nach dem Post gab es sofort Action auf Facebook. Ich wurde mit weiterführenden Beweisen konfrontiert, und so was. Außerdem bin ich offenbar ein Handlanger der Konzernfaschisten, ein Versager etc. Und was ich so schreibe ist übles Geschwurbel. Dankeschön! Sehe ich auch so 😉

Eine Welt für sich – die BRD ein Konstrukt der Besatzungsmächte, die Welt beherrscht von Konzernfaschisten („Kartellen“). Auch von der Sprache her ist die DM keine normale Partei, sondern eine Glaubensgemeinschaft mit messianischen Weltrettungsphantasien sowie paranoider Bedrohungswahrnehmung.

EDIT 2: Interessanterweise sind DM-Leute tatsächlich bereit, sich mit dem Geschwurbel auf Facebook zu befassen, wenn es dabei um sie geht. Zugegebenermaßen ist jeder Verriss besser als gar keine Besprechung, zumal man sich ja als Rebell definiert und entsprechend besser fährt mit Gegenwind …

Link zum FB-Post:

 

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Vernetzte Systeme bedeuten Kontrolle

Etwas unsortiert, einige Gedanken aus der letzten Zeit.

Intro – ein Zitat aus Battlestar Galactica

Adama: It’s an integrated computer network, and I will not have it aboard this ship.

Roslin: I heard you’re one of those people. You’re actually afraid of computers.

Adama: No, there are many computers on this ship. But they’re not networked.

Roslin: A computerized network would simply make it faster and easier for the teachers to be able to teach-

Adama: Let me explain something to you. Many good men and women lost their lives aboard this ship because someone wanted a faster computer to make life easier. I’m sorry that I’m inconveniencing you or the teachers, but I will not allow a networked computerized system to be placed on this ship while I’m in command. Is that clear?

Roslin: Yes, sir.

Vernetzte Systeme sind praktisch. Was wir Internet nennen, ist letztlich der Beginn gewesen. Computer vernetzen ermöglicht tolle Dinge, es ist verführerisch. Computer überall – im Haus, im Auto, im Telefon, in der Kamera der Video-Überwachung, in den Bahnen und Bussen etc. Aber der Nachteil ist die Verschiebung der Kontrolle vom Individuum auf das System bzw. diejenigen, die das System kontrollieren. In „Battlestar Galactica“ sind das die Cylonen, in der Realität unserer Zeit ist eher unklar, wer genau was kontrolliert. Aber klar ist: Es wird Zugriff geben, wenn das möglich ist.

Wie wird das sein? Mal ein paar Ideen dazu. Bekannt ist ja das Verschwinden der Privatheit – nicht gesehen zu werden, sich unbeobachtet zu verhalten. Weniger durchdacht die Frage der Aufenthalts- und Mobilitätskontrolle. Der Aspekt „wer ist wo“ – also Funkzellen-Ortung und stille SMS etc. – wird diskutiert.

Was ich bisher nicht gesehen habe: Wie ist das, wenn dein Auto selbst fährt – und es sich weigert, sich für dich zu bewegen? Die Autos aktuell hindern dich durch penetrante akustische Signale daran, ohne Gurt zu fahren. Autos der Zukunft könnten natürlich so programmiert sein, das sie die StVO automatisch einhalten. Diese Autos würden nie im Parkverbot parken. Allerdings könnte dein Auto auch angewiesen werden, dich einzuschließen – und dann darfst du nicht mehr aussteigen und die Türen sind blockiert. Oder es fährt dich eigeninitiativ irgendwo hin. Weil es halt einen Bug hat oder gehackt worden ist, oder Big Brother hat beschlossen, dich verschwinden zu lassen. Dann könnte so ein Auto auch mit 180 Km/h gegen einen Brückenpfeiler fahren, ganz ohne dein Zutun. Solche technisch verursachten „Unfälle“ wären natürlich bei nur teilweise computerisierten Autos eher unauffällig als bei komplett autonomen Fahrzeugen.

Wohnungen – da wäre es ähnlich: Wer ist wo mit wem, was reden und machen die … wenn überall in den Hosentaschen die Mikrophone und Ortungsgeräte stecken, ist eine Überwachung natürlich wirklich leicht. Eine computerisierte Wohnung kann natürlich auch eine Tür öffnen oder verschlossen halten, wenn ich das gar nicht will.

Interessant auch der „Rück-Kanal“. Da meine ich etwas wie bei Orwell, wo der Televisor (Fernseher mit Überwachungsfunktion) auch mit dir sprechen und dir Anweisungen geben kann. Die Adressierbarkeit eines Menschen über seine technischen Geräte. Erdogan hat über die Mobilfunknetze per SMS Anweisungen an „sein Volk“ gegeben. Aktuell haben wir diese Kommunikator-Funktion, das „Handy“, noch nicht aber die unmittelbare persönliche Zuordnung zum Benutzer. Genauer gesagt – es gibt das und die Polizei nutzt es, nicht aber die Behörden insgesamt. Bei Orwell ist BIG BROTHER ja überall, da gibt es nicht dieses Wirrwar der Systeme. Weiter gedacht: Es wäre ja eine Zukunft möglich, wo dich dein Kommunikator darauf hinweist, wo du hin gehen darfst und wo nicht, dir deine Zonen auf- und zu schließt etc. Und wer keinen hat, kann nichts tun. Vielleicht gibt es dann bei Übertretung einer Regel auch den Anruf einer freundlichen Computerstimme, die dich darauf hinweist, dass du nun verhaftet bist … und dich zum „Korrekturzentrum“ geleitet. Oder die Drohnen kommen dich holen.

Natürlich sind das Spinnereien darüber, was möglich wäre. Ein Teil davon und noch vieles anderes wird kommen, passiert gerade und wird ausprobiert. Ich finde es sehr spannend, die Trends der Gegenwart darauf hin abzuklopfen, wie sich das entwickeln ließe. Zwischen der Besten aller Welten und der Dystopie der totalitären Überwachungsgesellschaft sind ja viele Zwischentöne denkbar.

In einer fiktiven Zukunft, wo wirklich alles immer aufgezeichnet und „gesehen“ wird, wo es immer Zeugen und Beweise und Nachvollziehbarkeit geben wird – da wären große Teile der aktuell geschehenden und nicht aufgedeckten Regelübertretungen unmöglich. Kombiniert mit totaler Transparenz – jeder Mensch könnte sich die Aufzeichungen ansehen – wäre eine ganz andere From der Bearbeitung von zwischenmenschlichen Konflikten normal. Wie menschliches Verhalten unter diesen Bedingungen aussehen würde? Wir wissen es nicht. Das wird sich entwickeln. Und vermutlich wird Sapiens einen Weg finden, mit diesen neuen Möglichkeiten ganz archaische Prozesse weiter zu treiben. Es wären aber auch Sprünge denkbar, also dass es etwas völlig Neues geben könnte.

Dazu Beispiele.

Das Glücksproblem. Evolutionär ist es gut, angetrieben durch Unzufriedenheit das eigene Überleben zu sichern. Wenn wir allerdings durch Technik den Überlebenskampf gewonnen haben, könnten wir auch den ganzen Tag lang glücklich und zufrieden sein. Indem beispielsweise wie ein Herzschrittmacher eine Art Glücksspender in Menschen eingebaut wäre. Dopamin, Serotonin. In Kombination mit Netzwerken wäre so ein Dope Dispenser die Grundlage einer perfekten Verhaltenskontrolle.

Das Armutsproblem. Geld ist eine Zahl auf einem Konto. So gesehen könnte man allen Menschen ein Konto und einen Betrag geben, zum Beispiel allen genau das Gleiche. Das globale Wirtschaftsprodukt würde immer sofort und gleich unter allen Menschen geteilt durch eine digitale Infrastruktur.

Das Demokratieproblem. Durch vernetzte Systeme wäre es möglich, die Ansicht von jedem einzelnen Menschen zu einem Thema zu erfragen. Und jeder könnte sich eine Meinung dazu bilden. Wäre das gewollt, wäre es sicher möglich, ein Weltverwaltungssystem zu bauen, was wirklich demokratisch ist. Falls es durch den oben beschriebenen Dope Dispenser nicht ohnehin so ist, das es den Leuten egal ist, wer sie regiert. Oder siehe nächster Punkt.

Das Verwaltungssystem. Planwirtschaft ist gescheitert. Allerdings in Zeiten, wo es nirgends vernünftige Zahlen über die Prozesse gab und keinerlei effiziente Steuerung – eine heutige ultra-technologische Wirtschaft mutiert zu einer großen Maschine, die durchaus in eine von automatisierten Systemen gesteuerte globale Planwirtschaft münden könnte. Ob es wirklich immer so sein wird wie jetzt, dass wir unsere Entwicklung in die Hände der reichen Eliten legen? Auch möglich, dass sich die Zusammensetzung der Eliten grundlegend verändern könnte, wenn die Priviligierung der Reichen vorbei wäre. Ich vermute, es sind sehr viele Genies auf dem Planeten, die aufgrund von Armut keine Bildung und keinen Zugang zu Wissenschaft haben – während absolute Vollpfosten aus reichen Familien in einem Ausmaß das Weltgeschehen prägen, der eher als ungünstig einzuschätzen ist.

 

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