G20, Klassenbewußtsein und soziale Filterblase

Wer in einer „gut funktionierenden, progressiven“ Gesellschaft lebt, findet natürlich alle verrückt, die das ganz anders sehen.

Umgekehrt natürlich auch: Wer erlebt, wie kaputt unsere Gesellschaft ist, findet Leute verrückt, die allen Ernstes behaupten, es liefe alles irgendwie gut – weil es in ihrem kleinen Leben so zu sein scheint und sie sich das Elend und die Not der anderen Leute höchstens mal abschätzig aus der Ferne betrachten.

Das Phänomen, dass ein Mensch die Welt regelhaft so sieht und erlebt, wie es dessen ökonomischer Position im System entspricht, nennt sich Klassenbewußtsein.

Wir leben alle in sozialen Filter-Blasen – was wir mitkriegen, hängt davon ab, wo und mit wem wir unterwegs sind.

Ist ja kein Zufall, dass die Bürgerlichen eine gute Gesellschaft sehen, die gefährdet ist, während die Deklassierten und Marginalisierten eine fiese Gesellschaft erleben, die sie mißhandelt und ausgrenzt.

Was du sagst, spricht Bände darüber, wo du gesellschaftlich stehst. Die Reichen haben schon immer nicht verstanden, was eigentlich das Problem der anderen ist – „kein Brot? Sollen sie eben Kuchen essen“.

Und wer noch nie versucht hat, gegen gesellschaftliche Mißstände sozialer Art durch politische Mittel von unten her was zu verändern, kann natürlich von der Realität der polizeilichen Repression (und deren Gewalttätigkeiten) nicht viel wissen.

Meiner Meinung nach hat Hamburg 2017 klar gezeigt, wie dysfunktional Staat und Bürgergesellschaft tatsächlich sind. Brutaler Polizeistaatsgipfel. Seit dem Schah-Besuch 1968 hat sich nicht wirklich was geändert – die Reichen, Mächtigen und dadurch per se Guten besuchen die Oper, hören sich „Freude schöner Götterfunke“ an und lassen es sich an reich gedeckten Tafeln gut gehen. Die anderen, also Linke und „Pöbel“, kriegen auf der Straße von der Polizei was drüber und sind generell die bösen Chaoten.

Nachher machen die dann einen Riot – das ist Wasser auf die Mühlen der Leute, die schon immer mehr Polizei und weniger Freiheit wollen. Die Sozialdemokratie war mal verboten und wurde exakt so verfolgt, wie es heute den Linksradikalen passiert. Die SPD hat sich des Problems entledigt, indem sie komplett ins bürgerliche Lager gewechselt ist und alles Linke in ihrer Politik gnadenlos entsorgt hat.

So erklärt sich auch, das Scholz eine Gewalttätigkeit der Polizei nicht erkennen kann, auch wenn es unendlich viele Videos gibt von Polizisten, die Leute treten, schlagen, Mauern rauf treiben etc. pp.

Gegen G20 zu sein – dem Machtzentrum der westlichen Welt die Legitimation abzusprechen und sie verantwortlich zu machen dafür, wie es heute weltweit zu geht – sie machen schließlich die Politik und sind daher verantwortlich – das war schon zu viel Demokratie.

Dass ein Irrer die USA regiert, kein Problem. Auch die anderen Machthaber sind – egal, was es für fiese Schweine sind – herzlich willkommen und dürfen hier (wie die Saudis) schöne Rüstungsdeals machen. Die Welt fährt ökologisch gegen eine Wand, aber auch das ist egal. Klimawandel ja sowieso nur eine Erfindung der Wissenschaftler. Wenig überraschend sind die Eliten der Welt der Auffassung, alles sollte irgendwie so weiter gehen wie schon immer – was sicher so nicht gehen wird.

Das Elend von Flucht, Armut, Hunger und Krieg – irrelevant. Hauptsache, „Deutschland“ – tatsächlich die Profiteure der Wirtschaftsentwicklung – machen gute Geschäfte.

Dass das ganze System durch und durch verrottet ist, wird niemand jemals zugeben von denen, die angeblich die Verantwortung tragen dafür, dass es allen gut geht.Und es wird sich auch nicht ändern, weil alle, die daran verdienen, gemeinsam dafür Sorge tragen, das das System der Pfründe verteidigt wird.

Während die anderen so beschäftigt, abgestresst, abhängig, klein gehalten und verdummt sind, dass es von dieser Seite her keinen nennenswerten Widerstand gegen Verschlechterungen der Lebensbedingungen gibt – die faktisch ständig passieren.

Kapitalismus ist ein irres System. Alles um das Geld herum zu organisieren ist irre effektiv, um mehr Geld zu verdienen – ja. Nur macht es ansonsten alles kaputt, und das in einer irren Geschwindigkeit – seit es viele Menschen gibt, haben sie den Planeten sehr stark umgestaltet und sich untereinander sehr vieles angetan, was wir nicht unbedingt wiederholen sollten – Weltkriege zum Beispiel.

Angeblich haben wir ja Demokratie und Menschenrechte. Frage – wie lange noch, und wie viel Substanz haben diese Rechte – stehen sie auf Papier und sind ansonsten egal, oder ist es gelebte Realität? Da ist zumindest mein Befund: Rechte hast du nur, wenn du sie durchsetzen kannst, und dafür brauchst du Geld, Zeit und Kraft. Daher nutzt der Apparat nur denen, die wohlständig und bürgerlich leben. Und regelhaft befördert er auch nur deren Interessen.

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G20 – Hamburg 2017

G20 – der Staat haut rein. Die Polizei hat die „Welcome to Hell“-Demo geplant in eine Falle gesetzt und den schwarzen Block auseinander genommen. Viele Menschen sind durch die Polizei verletzt worden.

Video, wie die Demo aufgemischt wird – beste Übersicht über das Geschehen:

Die Staatsgewalt hat eine brutal harte Linie gegen bis dahin friedlichen Protest gefahren. Dann hat sie die Zerstörungen im Schanzenviertel laufen lassen. Und schließlich ganz einen auf dicke Hose gemacht, mit SEK und allem Schnickschnack.

Quelle: Postillion

Mehr wie ein Manöver, eine Krisen-Übung als wie der verantwortungsvolle Umgang mit einer von Menschen bewohnten Stadt und mit von Menschen mit Leben gefüllter politischer Protestkultur.

Demokratie geht anders. Insbesondere auch der Umgang mit den Linken.

Durch das ritualisierte Verhauen der rebellischen Jugend wird niemand auch nur ein winziges bisschen weniger frustriert und abgefuckt sein – eher bestärkt dieses Vorgehen die Weltsicht von Menschen, die in der Polizei lediglich Kampfroboter sehen.

Wie man es auch dreht und wendet –  Hartmut Dudde als polizeilicher Einsatzleiter des G20-Gipfels in Hamburg hat auf ganzer Linie versagt.

Zweite Perspektive:

Dudde dazu: „Wir hatten ja die Hoffnung, dass wenn wir die an die Flutschutzmauer … also, dass die (…) das abgrenzt. Das die Mauer nicht hoch genug war, dass man da flüchten konnte, so sind sie uns weg gekommen – das war nicht geplant“.

Dritte Perspektive:

Danach gab es dann Krawall im Schanzenviertel.

Und natürlich ist Aufmerksamkeit, wo Gewalt ist. Die vielen friedlichen Bilder werden von den Medien sehr viel weniger transportiert, dabei sind sie die Masse dessen, was Protest ausmacht.

Zusammenschnitt aus Facebook: Diverse Protestgeschehnisse

Ein Bild finde ich drückt verdichtet sehr viel davon aus, was in Hamburg passiert ist. Da steht eine junge Frau auf einem Polizei-Fahrzeug, und sie wird von mehreren Beamten mit Pfefferspray beschossen.

Ich finde, das hat Meme-Qualitäten.

Festspiele der Demokratie. Einigkeit und Recht und Freiheit. Gleichheit und wie Geschwister leben. Oper für Staatsgäste, Polizeigewalt für die Opposition, gerade so wie 68 oder sonst wann in diesem Spektakel.
 
Menschenrechte. Nicht theoretisch, sondern alles für alle sofort. Ganz praktisch. Das ist die Idee der Revolution.
 
Was ist mit Gerechtigkeit? Und wer regiert die Welt zu wessen Gunsten? Wie gehen wir mit diesem Planeten und seiner Biosphäre um? Wieso Krieg und Gewalt, wieso Hunger?
 
Die alte Ordnung sagt: Muss so sein. Und siehst du das nicht ein, gibt es halt auf die Fresse. Sogenannter konservativer Standpunkt.
Nicht die Festung Hamburg, sondern die mittlerweile historische Gefangenensammelstelle von Paris namens Bastille.
 
Revolutionäre sagen: Uns egal, wir hauen das zu Klump und machen es so, wie es uns dann besser erscheint.
 
Angesichts der krassen Überlegenheit des staatlichen Gewaltapparates gegenüber den verrückten Individualisten, den sektiererischen Kleingruppen und losen Zusammenhängen und auch gegen größeren Scenes gibt es keine Chance, tatsächlich irgendwie die Ordnung auszuhebeln.
 
Was bleibt, sind Inszenierungen von Ablehnung. Unmut bekunden. Eine Haltung einnehmen. Und ein Stück Raum, für eine kurze ZeitUnd es gibt die langen Linien. Wesentliches ist nie aufhaltbar – sondern passiert immer trotzdem. Die Welt bleibt nicht stehen.

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Playerunknown’s Battlegrounds

PC-Spiel. Brutales Scenario. Multiplayer Ego-Shooter mit dem Spielziel, nach dem Absprung aus einem Transportflugzeug auf eine einsame Insel dort Ausrüstung aufzusammeln und alle anderen Mitspieler umzubringen.

Damit das Gemetzel auch passiert und sich nicht die Leute irgendwo in der open Wold verschanzen, zwingt ein sich immer weiter verengender Kreis alle Spieler, sich am gleichen Ort zum Showdown zu treffen – bis nur noch einer am Leben ist. Das Spiel entsprechend schwer, weil nur gegen echte Menschen und nicht gegen irgendwelche KI gekämpft wird.

Unterschiede am Anfang – wo man landet und wie man sich beim Aufsammeln anstellt bzw. wie schnell man damit ist, die anderen weg zu ballern, um danach in Ruhe zu plündern – sind entscheidend. Dann ist nützlich, sich ein Fahrzeug zu zu legen. Die stehen einfach so rum. Denn durch die ständige Verlagerung und Verkleinerung der aktiven Zone muss man sich auch dauernd bewegen.

Und wesentlich ist eine mentale Karte – wo sind die anderen Spieler gerade, welche Geräusche sind wo wahrnehmbar. Natürlich muss man die Bedienung lernen und einüben. Und einen Blick dafür entwickeln, welche Spielmöglichkeiten ein Terrain bietet. Taktisch sehr anspruchsvoll.

Ich habe es bisher überhaupt nicht drauf. Wurde immer recht flott abgeschlachtet.

 

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