Lebenswege (wie ein Mensch wird was er oder sie ist)

Was ich meine, wie die Welt ist, ist zwangsläufig das Ergebnis der eigenen Erfahrung. Kombiniert mit dem, was ich selbst-gesteuert dazu gelernt habe, seit ich Erwachsen bin.

Ich habe Psychologie studiert, lange und erfolgreich (was das Herausfinden von Dingen angeht), war danach Jahre lang weiter in Bildungsprozessen (Uni, Psychotherapeuten-Ausbildung, politische Arbeit) und bin ein eifriger Leser und Angelegenheiten-Recherchierer. Einfach, weil ich es wirklich wirklich wissen will. Das ist meine Passion. Wäre gerne ein Professor geworden.

Hier eine open source Zusammenfassung wesentlicher Erkenntnisse, hoffentlich nutzbar für andere und einigermaßen verständlich.

Es gibt keine Wahrnehmung von Dingen an sich, sondern unser Körper und insbesondere unsere Sinnes-Systeme machen aus einer Flut von Reizen in einem massiv parallelen Verarbeitungsprozess Muster höherer Ordnung – Abstraktionen.

Aus potentiell unendlich vielen Reizen filtern wir einen winzigen Teil heraus, der für uns Bedeutung trägt, weil er mit unseren Bedürfnissen zu tun hat. Das ist Lernen.

Diese bio-psycho-soziale Tatsache ist wesentlich, um zu verstehen, was Menschen sind. Durch Wissenschaft haben wir etwas darüber herausgefunden, wie wie Organismen funktionieren.

Wir wissen, dass das so und nicht anders ist, weil wir die Experimente, die es belegen, beliebig oft durchführen können – und immer kommt das gleiche dabei heraus. Was wissenschaftlich als Replizierbarkeit bezeichnet wird.

Natürlich sind alle menschlichen Tätigkeiten und Ergebnisse von Tätigkeiten, genau genommen alle Zustände – nicht mit Gewissheit dingfest zu machen, weil sie sich mir ja auch nur über die Sinneseindrücke vermitteln.

Mit diesen Fragen hat sich die Philosophie und die Psychologie auseinander gesetzt, solange es Menschen gibt. Bevor die wissenschaftliche Methode entwickelt wurde, war das das Feld der Religionen. Und natürlich sind alle menschlichen Dinge umkämpft, denn was für wahr oder für falsch zu halten ist, wird auf dem Feld bestimmt, was wir Gesellschaft und insbesondere auch Politik nennen.

Sehen ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Hören ist eine durch Lernen aufgebaute Fähigkeit. Sich bewegen, etwas tun, Sprechen, Denken, Lesen, Schreiben, soziale Interaktion – all das sind Fähigkeiten, die durch Lernen erst möglich sind. Und jedes Lernen setzt soziale Interaktion voraus. Es muss zwangsläufig ein Gegenüber da sein, damit Lernen passiert. Eine Situation, die eine Rückmeldung enthält.

Wir wissen dies, weil es bedauernswerte Fälle gab, wo Menschen depriviert wurden – eben kaum bis keine soziale Interaktion da war. Dann verzögert sich Entwicklung, oder sie findet nicht statt. Im Extremfall sterben Menschen, wenn sie keinen menschlichen Kontakt haben (Säuglinge, Babys, Kleinkinder).

Lernen ist im Kern folgendes: Auf einen wahrnehmbaren Reiz, der an und in unser System gelangt, folgt eine Zustandsänderung unseres Systems. Diese wird durch unser angeborenes Bewertungssystem – emotional und vegetativ – als positiv (Bedürfnisbefriedigung), neutral (macht weder etwas gutes noch etwas unangenehmes, daher irrelevant) oder schädigend (Schmerz, Hunger, Mangel, Not, unbefriedigtes Bedürfnis) eingestuft.

So lernen wir, was wir aufsuchen und was wir vermeiden. Quellen von Schädigung werden im Gedächtnis abgelegt, um diesen Schaden nicht noch einmal zu erleiden – begleitet von Angst, wenn etwas ähnliches uns wieder auf den Radar gerät. Quellen von Befriedigung werden gespeichert, damit wir sie aufsuchen und nutzen, falls sie in der Nähe sind. Interessant und bedeutsam sind natürlich auch Begleitumstände – wann, wo, wie riecht es, wie sieht es aus, wie hört es sich an, wie fühlt es sich an etc.

Wenn sich über viele Wiederholungen ein Muster einstellt – erst x, dann recht wahrscheinlich y – legen wir eine Verknüpfung an, eine Assoziation, eine Verbindung. Das passiert im Gehirn auf der Basis von Nervenzellen. Es ist ein psycho-biologischer Vorgang.

Während der frühen Kindheit ist alles verbunden. Da passiert zunächst mal folgendes: Verbindungen werden gestärkt, wo Muster gefunden werden, und sie werden abgebaut, wenn die Verbindungen keine Verstärkung bekommen. Ein Kinder-Gehirn hat das Potential, alles zu lernen – und reduziert das dann auf die Verbindungen, die benutzt werden. Sparsamkeit. Weil das so ist, gibt es Phasen, in denen Menschen sehr stark geprägt werden können. Daraus resultiert auch die enorme Empfindlichkeit und Verletzlichkeit von Kinder-Seelen und Kinder-Gehirnen, während später die Jugendlichen und Erwachsenen sehr viel weniger beeinflussbar sind.

Entwicklungspsychologie ist der Zweig der Psychologie, der sich mit den Fragen rund um die Ausformung der Psyche im Kindes- und Jugendalter beschäftigt. Da gibt es den Befund: Zu gewissen Zeiten werden bestimmte Aspekte der individuellen Persönlichkeit entwickelt in Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umgebung.

Dabei bauen Fähigkeiten und Entwicklungen aufeinander auf, so wie ein Tech Tree (Technik-Baum) in einem Computerspiel. Eines ist darin Voraussetzung für weiteres. Weil das so ist, dass Entwicklungen auf vorhergehenden Entwicklungen aufbauen, kann bei einer frühkindlichen Störung sehr viel von dem, was eigentlich folgen würde, nicht passieren – so entstehen massive psychische Störungen.

Grundlegend ist Bindung, gefolgt von Konflikten über Bindung vs. Autonomie. Sichere oder unsicher Bindung, das ist die erste und wichtigste Prägung im Leben. Werde ich geliebt, versorgt, beschützt? Was darf und muss ich für die Zukunft diesbezüglich erwarten?

Und dann: Darf ich ein eigenes Ich sein, darf ich etwas tun oder nicht, und was, und in welchen Grenzen? Wofür werde ich verstärkt (belohnt), wofür bestraft? Wann fällt etwas unangenehmes weg, wenn ich etwas bestimmtes tue (negative Verstärkung = Belohnung)? Die negative Verstärkung ist der wichtigste Mechanismus überhaupt.

Wenn alles ok ist, brauche ich gar nichts zu tun und bin zufrieden. Sobald Zeit vergeht, stellen sich Bedürfnisse ein. Es kommt Hunger und Durst, es kommt Kälte oder Hitze, es kommt Schmerz, es kommt Ausscheidungsbedürfnis. Dann wird es unangenehm, und ich bin veranlasst, etwas zu tun, was diesen unguten Zustand bessert, der als leidvoll empfunden wird. Wenn ich etwas tue und danach ist es besser, dann bekommt genau dieses Tun die Eigenschaft gut, bedeutsam, richtig. Es wird negativ verstärkt, verhaltenswissenschaftlich ausgedrückt. Nicht mit Bestrafung verwechseln – negative Verstärkung ist der Wegfall von etwas Unangenehmem.

Hunger/Durst, Kälte/Hitze, Schmerz – werde ich versorgt (gefüttert, gewärmt/gekühlt), wird Schmerz gelindert, werde ich getröstet? Bekommt überhaupt jemand mit, wie es mir hilflosem kleinen Wesen geht – und interessiert es jemanden? Das ist enorm wichtig, und hier werden Muster angelegt, die das ganze restliche Leben prägen.

Die Reinlichkeitserziehung macht ebenfalls einen starken und sehr unterschiedlichen Abdruck in der Psyche von Menschen, je nachdem, wie es diesem Menschen ergeht. Hier wird ein wesentlicher Parameter eingestellt – wie stark kontrolliert muss ich sein, wie sehr muss ich Bedürfnisse zurück halten. Was passiert, wenn ich das nicht schaffe, wenn ich schwach werde, laufen lasse, wenn Scheiße passiert? Kommt dann Hilfe, Strafe, gar nichts? Werde ich zart oder hart behandelt? Wie sauber muss ich sein, und wann muss ich das können? Kriege ich es hin – oder bin ich überfordert und offenbar ein Menschenkind, was es nie richtig macht? Auch hier werden grundsätzliche Erwartungsmuster geprägt, die lebenslang wirken.

Mit 2-4 Jahren sind diese Basis-Geschichten (laufen und Sprache verstehen und reden als Basis für soziale Interaktionen) zumeist gelernt. Dann kommt das Soziale – der Umgang mit anderen, die nicht die Eltern sind. Gleichaltrige, insbesondere. Und Tiere. Alles wird erkundet, und es wird nach Sprache verlangt. Auf alles wird gezeigt – wie heißt das, was ist das? Alles wird ausprobiert.

Bereits jetzt ist Geschlecht und Gender programmiert. Kinder erfahren, für was sie angesehen werden, was sie zu sein haben und wie. Ein Junge weint nicht. Ein Mädchen macht sowas nicht. Je nach biologischem Geschlecht werden Kinder komplett verschieden behandelt, angezogen, angeregt, ermutigt oder entmutigt, mit verschiedenen Erwartungen konfrontiert, denen sie entsprechen müssen. Weil Bindung überlebensnotwendig für Kinder ist, tun Kinder alles, was sie näher an ihre Eltern bringen kann – und vermeiden alles, was sie einem Liebesentzug aussetzt. Kinder geben sich große Mühe, zu gefallen. Wie leicht oder schwer das gelingt (wenn überhaupt) – auch das prägt unser Leben.

Dann kommt in unserer Gesellschaft die faktische Trennung von den Eltern. Das ist ein großer Schritt – in eine Bezugsgruppe zu wechseln, die für lange Zeit (oft die meiste wache Zeit des Tages) um dich herum ist. Kindergarten, das bedeutet: Auf sich allein gestellt. Nirgends die – mehr oder weniger – vertrauten Personen. Neue Vertrauenspersonen müssen mental angelegt werden, mit denen umzugehen ist. Neue Regeln, neue Muster, neue Lernerfahrungen. Was mehr oder minder gut gelingt. Unsicher gebundene Kinder und Kinder, die eigentlich noch nicht reif und bereit dazu sind, empfinden enorme Angst unter diesen Bedingungen. Was weitere Entwicklung massiv behindert. Angst ist schlecht für Lernen. Sie macht das System zu.

Manche finden Anschluß, manche sind isoliert. Ablehnung passiert – Kinder sind nicht gehemmt darin, aus Unterschieden Gründe für Anfeindung zu machen (eine soziale Fertigkeit). Und Kinder sind erst dabei, Empathie zu lernen (ein mentales Modell davon, wie sich etwas bei einem anderen anfühlt).

Generell ist die Fähigkeit zu sozialer Interaktion etwas Gelerntes und sich kontinuierlich Entwickelndes – sie benötigt Mentalisierungsfähigkeiten, also das Aufbauen eines Bildes oder Modells oder einer Simulation davon, wie andere sind, was sie denken, fühlen, wollen, wie sie sich vermutlich verhalten).

Diese Tatsachen stecken hinter Kinder sagen die Wahrheit (sie wissen nichts über soziale Konventionen) und Kinder sind grausam (sie können noch nicht gut empathisch reagieren).

Soziale Lernerfahrungen in der Zeit zwischen 3 und 6 prägen wesentlich unseren Selbstwert – eine Eigenschaft, die den Status in sozialen Gruppen beschreibt. Beliebt, unbeliebt. Schön, häßlich. Stark, schwach. Überlegen, unterlegen. Was wir in dieser Zeit an Rückmeldungen bekommen, prägt ebenfalls lebenslang. Und es liegt überwiegend in der Hand von Kindergärtnerinnen. Danach – in der Grundschule – von Lehrerinnen. Und in der Dynamik, die aus der sozialen Gruppe resultiert, aus deren Zusammensetzung und Kultur. Welche Verhaltensweisen werden belohnt – Zusammenarbeit, Konkurrenz, laut sein, brav sein?

Mit sechs Jahren sind Kinder oft recht rigide, was Regeln angeht. Was sie als Gesetz erkannt haben, das sollen alle genau so machen. So wird das gemacht, und nicht anders. Abweichungstoleranz eher so null, und sie ärgern sich, weil sie merken, dass sich doch sehr viele an gar nichts halten (auch die Erwachsenen nicht).

Am Ende der Grundschulzeit sind Menschen charakterlich bereits weitgehend geprägt, und die Bildung von Interessen ist ebenfalls mit 12 Jahren abgeschlossen. Was nicht angeregt wurde, kommt auch nicht mehr (mit hoher Wahrscheinlichkeit – ausgeschlossen ist es nie, dass neue Wege gesucht und beschritten werden).

Es folgt die soziale Selektion. Welche Schule wird nun besucht? Leistung ist ein Kriterium. Selbststeuerungsfähigkeit (soziale Anpassung) ist ein weiteres Kriterium. Beide Variablen stehen in engstem Zusammenhang mit dem sozialen Status, den die Herkunftsfamilie hat – Bildung, Einkommen und Besitz.

Wie gut die Mutter die Landessprache spricht, ist entscheidend für die Sprechfertigkeit des Kindes. Wie viel Geld in der Familie ist, bestimmt die Qualität der folgenden Ausbildung. Wichtig ist auch, wie viel Zeit die Mutter (oder die Eltern, wenn auch ein Vater da ist) mit dem Kind bzw. den kindern verbracht hat, und mit welcher Beziehungsqualität und Anregungsdichte diese Zeit gestaltet wurde.

Nach der Grundschule ist für die allermeisten der Lebensweg entschieden. Die absolut überwiegende Mehrheit bleibt in der Klasse und Schicht, in der sie geboren wurde. Entgegen den wohlfeilen Sprüchen von der Durchlässigkeit der Gesellschaft leben wir tatsächlich in einem Kasten-System. Wer das bezweifelt, möge sich soziologische Studien dazu zu Rate ziehen.

Und es kommt die Pubertät – die Geschlechtsreife zieht herauf, alles ändert sich durch die hormonelle Umstellung im Körper. In dieser Phase können junge Menschen eigentlich nicht beschult werden, weil ihr gesamtes System umgestellt wird. Trotzdem – und in direktem Widerspruch zu allen pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen über diese Vorgänge – werden genau zu diesem Zeitpunkt die Leistungsanforderungen erhöht. Der resultierende Stress macht die jungen Menschen natürlich wütend, zugleich werden sie mit ihrer totalen Machtlosigkeit konfrontiert. Man zeigt ihnen, wo der Hammer hängt. Disziplin, Ordnung, Pünktlichkeit. Eine Zwangsjacke.

Die von Haus aus gehemmten Menschen kommen später als andere in die Pubertät – auch das ein interessantes Phänomen. Und insgesamt verlängert sich die Phase der Abhängigkeit und Nicht-Autonomie in westlichen Ländern – das ist ein weltweiter Trend. Längeres lernen, weil komplexere Fähigkeiten in der Arbeitswelt gebraucht werden.

Für einfache, ausgeprägt männliche Männer wird es nun sehr schwer.

Die Tätigkeiten, die vor allem auf Körperkraft und Fitness aufbauen, sind durch Maschinen weitgehend ersetzt – wo es LKW gibt, braucht es keine Träger. Wo es Kräne gibt, braucht es sehr viel weniger Bauarbeiter. Strom und Benzin haben die Muskelkraft entwertet. Und – wo es Staat und Staatengemeinschaft gibt, wo der Krieg eingehegt wurde – und damit innerer und äußerer Frieden herrscht, so wie in Europa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges – da braucht es auch den Mann als Krieger nicht. Eher füllen die starken Männer mit dem hohen Testosteron-Spiegel die Gefängnisse, weil sie soziale Regeln schlechter lernen (eine Funktion des Geschlechtshormons!) und weil sie die Regeln häufiger brechen (95% der Gefängnis-Population sind Männer).

Für Frauen wird es ebenfalls sehr schwer. Einerseits ist biologisch die richtige Zeit, Kinder zu bekommen, zwischen 14 und 21 (ich bin nicht für Sex mit Kindern oder minderjährige Schwangerschaften!). Andererseits ist gesellschaftlich die Kindheit und die Jugend verlängert, es gibt mehr und länger zu lernen, und zudem eine Erwartung an die Frauen, dass sie sich selbst durch Lohnarbeit erhalten, statt dass die frühere Arbeitsteilung – sie kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, er um die Lohnarbeit – oder die noch frühere gemeinsame Feld- und Hausarbeit mehrerer Generationen auf gepachtetem oder eigenem Land noch möglich wäre.

Also verschieben Frauen, die aus der Mittel- oder Oberschicht stammen, das Kinderkriegen bis an oder über die Grenze von 30 Jahren. Biologisch ist das Bockmist, denn das erste Kind bekommen sollte vor 30 erfolgen, weil danach die Fertilität (wenn noch keines geboren wurde) steil abnimmt.

Unterschicht- und untere Mittelschicht-Frauen machen Kinder, aber haben dafür in der Regel einen Partner aus der gleichen Schicht, was bedeutet: Geringe Chance, ein gutes Einkommen zu erzielen, auch wenn beide Partner arbeiten. Dafür wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mann diese Konstellation verlassen – wie generell die Ehe durch eine Überlastung mit Anforderungen heute praktisch nicht mehr machbar ist. So kommen diese vielen, vielen allein erziehenden armen Frauen zustande. Die das biologisch richtige tun – und dafür gesellschaftlich abgestraft werden. Was dann die Kinder ausbaden dürfen.

Hier liegt der Grund, wieso sehr viele ganz normale Männer und Frauen heute arg unzufrieden sind – sie arbeiten sich den Arsch ab, erreichen dabei nichts, besitzen nichts und leben mit dem Gefühl, dass die Gesellschaft auf sie rein gar nichts gibt.

Betrachten wir die Einkommens- und Vermögensverteilung, dann liegen die Gründe dafür auf der Hand. Ich bin kein Soziologe, aber ich kann mit Lego-Steinen was basteln. und genau das habe ich getan.

Es gibt Statistiken, wer wie viel besitzt, und wie hoch das netto-Einkommen für bestimmte Bevölkerungssegmente ist. Diese Statistiken sind frei zugänglich. Sie tauchen in der einen oder anderen Form immer mal in der Zeitung oder im TV (was ich praktisch nicht nutze, lieber lese ich oder sitze am PC) auf, und das statistische Bundesamt macht es möglich, sich vieles anhand der offiziellen Zahlen anzusehen.

Interessant an den Statistiken ist vor allem eines: Sie werden immer komplett unanschaulich präsentiert. Das wollte ich für mich selbst ändern – daher das Experiment, die Gesellschaft bezogen auf Einkommen mal nach zu bauen – als Lego-Modell. Hier das Ergebnis:

Brutal vereinfacht: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten. Wem gehört Deutschland?

Die mittlere Säule – das sind Menschen. Wie viele in welcher Höhe Einkommen erzielen, ist durch das Volumen der Säule und die jeweilige Höhe angenähert. Es geht immer um das Einkommen einzelner Personen. Unter 1420€ netto liegen braun (Einkommen knapp über Harz 4) und schwarz (Harz 4). Das ist ein Drittel der Bevölkerung. Darüber die Mittelschicht (rot) mit einem Einkommen von 1420€ bis 2660€ netto. Das ist die Hälfte der Bevölkerung. Hier werden die Wahlen entschieden. Zusammen machen diese Schichten 80% der Bevölkerung aus.

Neben der zentralen Säule sind die Vermögen abgebildet. Ich habe leider gerade die Prozentwerte nicht mehr parat – es gibt aber einen separaten Blog-Eintrag (nämlich, als ich das Ding gebastelt habe), wo es genau drin steht, was wie wieso warum wie viel.

Hier nur der Hinweis: Die Schwarzen besitzen ein Legosteinchen, die Braunen 2. Erst ab der Mittelschicht (rot) gibt es was zu verlieren – sie haben etwa 16%. Besitz – wie Häuser oder Fabriken – findet sich dagegen zumeist bei den Top-20% der Bevölkerung, die 80% des Vermögens besitzen.

Das sind die Leute aus der oberen Mittelschicht (grün, Bildungsbürgertum – die Leute, die es gut meinen und die nicht wissen, wie gut und privilegiert sie es eigentlich haben) und aus der Oberschicht (gelb, hellgrün – die Liberalen-Wähler, Leistungsträger etc.).

Hier wird die Gesellschaft zum Turm – tatsächlich ist er sehr viel höher und spitzer, nur ist das mit Lego nicht machbar gewesen. Die Millionäre sind hier viel mehr (ihre Anzahl ist kleiner als ein Klötzchen) und viel näher am Rest dran, als es tatsächlich der Fall wäre bei einem besseren (genaueren) Modell.

Ich vereinfache mal brutal: 80% Sklaven, 10% Lakeien, 10% Kapitalisten, darunter 1% Weltbesitzer.

Und gerade wurde in NRW wieder mal die Reaktion (CDU/FDP) gewählt – da wird Sozialabbau und Privatisierung und Studiengebühren gemacht, wodurch die Geschichte sicher weiter schlimmer werden wird.

 

 

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Macht, Gewalt und Schmerz (Erziehung)

Viele Leute haben ein gespaltenes Verhältnis zu Gewalt. Ich auch. Macht und Gewalt, das ist letztlich das Gleiche.

Die beste Definition, die mir bisher unterkam: Macht ist die Fähigkeit, Schmerz zuzufügen. Findet sich bei Orwell im visionären Buch 1984 (was absolut alle Menschen gelesen haben sollten – denn es beschreibt exakt das, was gerade weltweit passiert). Die Definition von Macht als Fähigkeit, Schmerz zuzufügen, findet sich im Rahmen der Handlung dort, wo der Protagonist des Buches in der Folterkammer mißhandelt wird – namentlich dem Raum 101, wo alle Menschen auf das treffen, was sie am meisten fürchten.

Ziel von offener Gewalt ist es zumeist, sich überflüssig zu machen durch eine schmerzhafte Lernerfahrung. Danach hat das Gewaltopfer gelernt – ich kriege auf die Fresse, wenn ich mich nicht unterordne.

Diese Form von Gewalt – regelhaft praktiziert vom Gewaltmonopolisten – finden wir gleichzeitig schlecht und bejahen sie als Notwendigkeit.

Gewöhnlich werden wir uns der Widersprüche in uns selbst (nicht nur bezogen auf Gewalt) kaum bis gar nicht bewußt, weil unser Gehirn nach dem Prinzip arbeitet, Widersprüchlichkeit und daraus resultierende unangenehme Spannungszustände zu vermeiden und zu reduzieren. Angestrebt wird eine Balance, ein ausgeglichener Zustand, ein positives Selbstbild.

Wir wären gerne gut, und weil wir es nicht sind, schieben wir die unguten Anteile weg und verschieben sie auf andere – auf ein böses Außen, auf Fremde, auf Feinde etc.

Dieses Prinzip wurde unter vielen Namen in der Psychologie ausgeleuchtet.

Die unangenehme Spannung heißt zum Beispiel in der wissenschaftlichen Psychologie kognitive Dissonanz. Gut belegt – das Hirn will diese Dissonanz reduzieren. Wenn das gelingt, stellt sich eine Erleichterung ein, die als belohnend und angenehm erlebt wird. Deswegen ist es eine Entlastung, wenn ein Feindbild angenommen wird. Die Bösen sind die anderen.

Nun bleibt es nicht aus, dass im Leben Situationen der Konkurrenz und der Feindschaft auftreten. „Mein Schäufelchen – nein, meins!“.

Für beide Individuen ist natürlich das eigene Fühlen und Denken zugänglich, dass der anderen Person dagegen wird im Kopf simuliert auf der Basis von Vermutungen und Erwartungen. Es folgt eine Abwägung – kann ich mich hier durchsetzen? Was wird passieren? Und es passieren frühe Lernerfahrungen, die das ganze Leben prägen. Bin ich stark oder schwach? Bin ich im Recht oder im Unrecht? Bin ich geschützt – jemand hilft, wenn meine Rechte verletzt werden – oder bin ich hilflos ausgeliefert? Aus diesen Mustern, die sich in der Kindheit etablieren, kommen wir später nie wieder wirklich raus, jedenfalls nicht, was die Gefühle angeht.

Niemand ist gerne Opfer, wenn es um Gewalt geht. Macht erfolgreich ausüben – das ist schön. Aber es wird auch bestraft (sanktioniert), wenn die Gewalt gegen die Regeln ist.

Hier beginnt die Zerrissenheit. Kindern wird im Kindergarten gesagt: Du darfst nicht schlagen. Das ist eine Regel, und die wird mit Macht durchgesetzt. Bloß – was sie auch lernen MÜSSEN – wenn du dich nicht mit Gewalt behauptest, bist du verloren, denn die Erwachsenen sind nicht immer da als Schutz und Sicherheit, und andere Kinder sind zum Beispiel vom Temperament her sehr viel weniger regel-konform, nutzen Schläge also freimütig. Also wird vom kind erwartet, zu lernen, wann es mit wie viel oder wie wenig Gewalt wie gut durch kommt.

Und der Aspekt, den wir gerne nicht sehen wollen: Die Erzieherinnen verwenden andauernd Gewalt, sie strafen psychisch und physisch – was gerne abgeleugnet wird, aber mein Sohn hat es mir berichtet – zwicken, boxen, schmerzhaft fest greifen, herumziehen, einsperren, anschreien, beschämen, ausgrenzen, schikanieren, gezielt nicht helfen bei Situationen der Hilfsbedürftigkeit wie dem Klo-Gang etc. Vorschule, Schule, da ist es ähnlich.

Und natürlich verwenden Eltern viele Formen von Gewalt und Machtausübung. Erziehung ist leider nicht nur Lernen am Model (gutes Vorbild bzw. schlechtes Vorbild), sondern regelhaft ist sie gewaltförmig.

Wie sollte das auch anders sein? Einem Kind kannst du nicht argumentativ begründen, warum es besser sein soll, in die Kita zu gehen, als zuhause zu spielen. Wenn es nicht will, aber du zur Arbeit musst – dann zwingst du dein Kind, eben weil du selbst auch unter Zwang (Zeitdruck, Arbeitszwang, sogenannte Verantwortung) stehst.

Während ich das schreibe, höre ich eine Nachbarin im Treppenhaus, wie sie ihr Kind anschreit und zurechtweist. Es tut mir weh, und das Kind und die Mutter tun mir leid.

Eltern können nur sehr bedingt etwas dafür. Sie machen das ja nicht gerne. Sage ich was dazu, wenn ich so etwas sehe wie Mutter schlägt Kind, dann gibt es eine zornige aggressive Abwehr, die klar das zugrunde liegende Schuldgefühl offenbart.

Ein häufig vorgebrachtes Pseudo-Argument in diesem Zusammenhang: Ich schlage nicht. Also erziehe ich gewaltfrei. Damit fühlen sich Mittelklasse-Eltern den Proleten aus der Unterschicht moralisch überlegen. Leider stimmt das nicht.

Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass die FORM der Gewalt keine Rolle spielt für ein Gehirn. Der Schmerz – und damit die bleibende Programmierung, der psychische Schaden, das Trauma – ist genau gleich, egal ob psychisch, physisch oder beide Formen der Gewalt eingesetzt werden. Wer schreit, schimpft, psychisch Machtmittel benutzt, ist nicht gewaltfrei.

Möglicherweise – aber das wird sicher mißverstanden, trotzdem schreibe ich den Gedanken auf – ist eine Bestrafung physisch besser, denn sie ist ein körperlicher Kontakt von kurzer Dauer. Hintergrund: Strafe nutzt nur, wenn sie unmittelbar dem zu strafenden Verhalten zeitlich folgt. Sie muss eindeutig sein – weil sonst das Gehirn alle Verhaltensweisen hemmt, die rund um die Bestrafung aufgetreten sind. Strafe darf auch nur selten erfolgen, sonst passiert Gewöhnung, und die Strafe wird wirkungslos. Deswegen ist Schimpfen oft so dermaßen ohne Effekt. Auch wichtig zu wissen: Ein Teil der Menschen reagiert ÜBERHAUPT NICHT auf Bestrafung, egal wie hart. Und alle Menschen lernen nur dann wirklich etwas, wenn es Belohnung gibt – nur dadurch wird aktives Verhalten langfristig und beständig geprägt. Passivität (Angst, letztlich Depression) dagegen wird durch psychische Mißhandlungen gebahnt.

Nach diesem Ausflug in die Grundlagen der Psychologie kurz rekapituliert: Die Standardeinstellungen – was Leute sagen, dass sie für richtig halten. Es geht jeweils um Macht und Gewalt.

  1. Gewalt – definiert als verletzen, schlagen, töten – ist moralisch falsch.
  2. Kinder müssen Regeln lernen durch Erziehung. Man mus sie zwingen.
  3. Man darf und muss sich selbst behaupten. Das müssen Kinder lernen. Sie dürfen sich aber nur gegen andere auf gleicher oder niederer Hierarchie-Ebene durchsetzen – nicht etwa gegen Erwachsene.
  4. Ohne Staat und Polizei könnte eine Gesellschaft nicht existieren. Sie schützen die Institutionen Familie, Schule, Arbeitsplatz, Privateigentum etc.

Und noch mal der Hinweis – bei den meisten Konflikten geht es um wem gehört was und wer darf bestimmen.

Das ist deswegen wichtig, weil es die gesellschaftliche Dimension aufzeigt. Eigentum und Machtverhältnisse sind in unserer Gesellschaft ja weder zufällig noch durch eine gemeinsame Übereinkunft (Konsens) bestimmt. Sondern es haben welche Besitz, weil sie aus einer Familie mit Besitz kommen. Kinder haben, was Eltern ihnen geben (können). Und es haben welche Macht, weil sie in sozialen Rollen sind, die letztlich die vorher Mächtigen (der Staat und die Besitzenden) definiert und als Posten an von ihnen ausgewählte Personen vergeben haben.

Nun der Kernpunkt meiner Ausführung: Überall ist Gewalt. Die von oben nach unten wird für legitim erklärt, die von unten nach oben wird bestraft und kriminalisiert. Alle sind Opfer von Gewalt, und alle sind Täter. Was jeden Tag passiert, verletzt uns alle. Die Kinder heute tun es morgen ihren Kumpels und in der Zukunft den eigenen Kindern an. Und wir sind die Kinder von neulich, denen Gewalt angetan wurde.

Wofür das alles? Weil wir nicht frei sind, sondern arbeiten und profitabel sein müssen. Nennt sich Kapitalismus. Die Zurichtung von Menschen auf diesen Zweck bedingt die enorme verdeckte Gewalt in der Gesellschaft. Je mehr Konkurrenz, umso härter die Zurichtung. Das Spiel Alle gegen Alle ist kein Spiel, sondern es macht uns alle kaputt.

 

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Alle Menschen san ma zwider

Von wegen, es gäbe dieses Gefühl von Menschenverachtung und Menschenhass nur im Black Metal. Hier ein Zufallsfund.

Europa-Hymne mal anders. Paßt sehr gut zu der sich überall zeigenden Ausbrüche der Aggression, die unter dem dünnen Firnis der Zivilisation sich aufgestaut hat angesichts dessen, was das kapitalistische System aus uns gemacht hat. Hass und Selbsthass, das sind Elemente, die notwendig entstehen aus einem sinnentleerten Leben, aus der Entfremdung, aus der uns alle bindenden Sklaverei. Die Widersprüche gehen mitten durch uns durch, wir reproduzieren die Scheisse, die wir bekämpfen, und kommen da nicht raus.

Kurt Sowinetz (1972) – Alle Menschen Samma Z’wider

(sung to the melody of Beethoven’s 9th symphony, „An die Freude“)

(gesprochen, sinnierend)
Alle Menschen werden Brüder.
Olle?
Menschen wer’n Brüder?
Ah, WERDEN Brüder!
Alle Menschen werden Brüder.
 
(Chor:)
Na, wir wer’n kan Richter brauchen, weu wir ham a golden’s Herz,
Mir wer’n ollas übertauchen, und dann fohr‘ ma himmelwärts.
Mir san olle guate Lotsch’n, und d’rum homma uns so gern.
Do bei uns streckt kana d‘ Potsch’n, ohne daß die Erb’n rehrn.
 
(gesprochen:)
Ruhe! Ruhe!
Ich wer‘ Euch des jetzt übersetz’n, ohne Genierer, wiar i bi!
I winsch‘ Eich oll’n an Hauf’n Gretz’n, an Zeck im Ohr, und den gwi gwi.
 
(gesungen:)
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
Mir san olle Menschen z’wida, in de Gosch’n mecht‘ i’s hau’n.
Vota, Muata, Schwester, Bruada, und de gonze Packelrass‘.
Olle Menschen samma z’wida, wann i Leit‘ sich, geh’r i haß.
 
Wos, Ia’s kennt’s mi a net leid’n, und i sogt’s, I bin net g’scheid?
Oba mit so blede Leit‘ wer‘ i mi no long net streit’n.
 
(gesprochen:)
I bin, sogn’s, a Z’widerwurz’n. Sie sog’n, es is‘ nur der Neid.
I sog: Motschka’n kennt’s, wos tuat’s’n donn groß mit der
G’miatlichkeit?
Is‘ doch eh leicht zum G’neißen, schmiert’s Eich d‘ Gmiatlichkeit in
d’Hoor!
Bei mir werdt’s es ka Leiberl reißen, weg’n den feuln s‘ auf mi, is‘
klor.
 
Ollen Menschen bin i z’wida, se woll’n mi in d‘ Gosch’n hau’n.
I bin oll’n Menschen z’wida, in de Gosch’n woll’n s‘ mi hau’n.
Vota, Muata, Schwester, Bruada,
(gesungen:)
und de gonze Pack’lrass‘,
Ollen Menschen bin i z’wida, wann mi d‘ Leit‘ seg’n, gengan’s haß.
 
(gesprochen:)
Dabei bin i ma söba z’wida, dabei mog i mi söba net.
Jetzt denkt’s Euch: „Gö, da legst‘ di nieda!“ Jetzt hoit’s mi scho für
urndlich bled!
 
Locht’s nur ruhig, ias Safensiada! Eich wird’s Loch’n scho vergeh‘!
Bei der Bledheit samma Briada, des werdts hoffentlich versteh‘!
 
(gesungen:)
Und d’rum hoit i Eich scho wieder vur an Spiagel, an‘ genau’n:
 
(gesprochen:)
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
Mir san olle Menschen z’wida, in de Gosch’n mecht‘ i’s hau’n.
(gesungen:)
Vota, Muata, Schwester, Bruada, und de gonze Packelrass‘.
Olle Menschen samma z’wida, i mecht’s in de Gosch’n hau’n.
die Gosch’n hau’n, die Gosch’n hau’n, die Gosch’n
(gesprochen:)
Hau’n.
Der Kurt Sowinetz – ich finde, das ist ein Bruder im Geiste, den mag ich gerne. Ein Denkmal setzen ist schwer, aber einen Blog-Post schreiben ist leicht.
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Liberalisierung (Privatisierung) von Wasser

Ein lebenswichtiges Grundgut zum privaten Eigentum zu wandeln – das ist schon mit Land, Pflanzen, Tieren, uns Menschen, mit Häusern und Wohnungen etc. passiert. Das Ergebnis immer: Hast du nichts, kriegst du nichts. Es gibt Landlose und Wohnungslose, Hungernde, es gibt die grausame Realität der Tierfabriken, die abgeholzten Wälder.

Nun also Wasser. So sterben die Armen schneller aus – nur drei Tage, dann sind sie tot.

Zynisch, aber so sieht es aus. Wer meint, das sei so nicht – heute verhungern sehr sehr viele Menschen, während die Discounter Nahrung wegwerfen und Leute strafrechtlich belangen, die sich was aus dem Müll fischen.

Natürlich kommt dieser Aspekt – wenn Wasser privat ist, kann der Preis des Wassers leicht das überschreiten, was sich Menschen leisten können, die wenig oder kein Geld haben – in der Diskussion nicht vor, wenn mensch sich die Überlegungen des Umweltbundesamtes ansieht. Auch die Frage – was passiert in den Gegenden, wo es sich nicht mehr lohnt, die Versorgung anzubieten, wird nicht gestellt.

2000, Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1/dokumente/1888.pdf

Bei der Eisenbahn haben wir es gesehen, bei der Telekommunikation auch: Es gibt automatisch abgehängte Gebiete.

Da gibt es dann in Zukunft halt kein Trinkwasser mehr? Wer privates Grundwasser anbohrt, ist ein Dieb? So wie früher, als das Wild im Wald auf einmal nicht mehr allen, sondern dem Fürsten gehörte – wodurch ein neuer Typ von Kriminellem geschaffen war – der Wilderer.

Hier ein Beitrag vom Deutschlandfunk zur Liberalisierung des Wassers. Mehr dazu, wenn ich mehr recherchiert habe (falls ich dazu komme).

Im Grundsatz – wo kommt das private Eigentum eigentlich überhaupt her? Es gab in der längsten Zeit der Menschheitsgeschichte wenig, was als Eigentum angesehen wurde. Das, was du an dir getragen hat, vielleicht eine Kiste voll. Vielleicht ein Pferd. Aber nicht 30% von New Jersey.

Dann kam ein Prozess, der sich durch die Geschichte zieht, und den Rosa Luxemburg beschreibt als ursprüngliche Akkumulation – das Allgemeingut (die Allmende) wurde zunehmend zum Privateigentum. Immer durch Gewalt und mit Macht gegen Widerstand durchgesetzt. Das kann bei Marx nachgelesen werden.

Historisch betrachtet trifft genau zu, was Proudhon gesagt hat: Eigentum ist Diebstahl.

Es findet sich ebenso in der Bibel: In den Häusern der Reichen liegt das geraubte Gut der Armen – das sagt der Prophet Jesaja.

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Allen Kindern beide Eltern (Demo Köln 10. Juni 2017)

Zum dritten Mal veranstaltet der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. die Demo „Allen Kindern beide Eltern„.

Getreu dem Kölschen Grundgesetz „Einmal ist keinmal, was zweimal geschieht, ist Tradition; was dreimal geschieht, ist Brauchtum“ schaffen wir damit ein Brauchtum, also eine Veranstaltung, die ständig wiederkehren soll.

Väter fordern das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht ab Geburt, gleichberechtigter Ansprechpartner in Erziehungsfragen zu sein – und mehr Zeit mit den Kindern.

Dafür gehen wir auf die Straße und kämpfen für unsere Rechte, denn Väterrechte sind Kinderrechte!

Allen Kindern BEIDE Eltern!

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Spendenkonto:
VafK Köln e.V.
Sparkasse KölnBonn
BIC COLSDE33 – IBAN DE 95 370 501 98 19 318 812 60
Verwendungszweck: Demo 2017

Väter haben es satt, als Unterhaltspreller und Rabenväter dargestellt zu werden. Die perverse Aktion von Sigmar Gabriel, Heiko Maas und Manuela Schwesig hat nicht der SPD geholfen, sondern uns.

Zeigt der Öffentlichkeit, dass wir ein starkes Team sind, kommt alle – und wer kann, bringt Flyer, Plakate, Infomaterial und alles mit, was auffällt.

Unsere Demo der gesamten Väterbewegung am 10.06.2017 soll bunt und laut werden!

https://www.youtube.com/watch?v=eBoJ7InMD5M

Veranstalter:
VAfK Kreisverein Köln
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Chrome Browser History nutzen – bloss wie?

Google Chrome zeichnet jeden Zugriff auf URLs auf (natürlich auch auf lokale URLs, was mir witzigerweise so nicht klar war). Wenn du die History im Chrome-Browser ansiehst, ist sie eine lange, lange Liste aufgerufener URLs. Könnte total praktisch sein. Ich meine, für den Benutzer selbst – mich, dich, uns. Nicht nur für Geheimdienste, die uns ausspionieren, oder für Datenverarbeitungsriesen wie Google und Facebook selbst. Und praktisch wäre, wenn es möglich wäre, die Daten zu drucken, zu speichern, in anderen Programmen weiter zu nutzen. Allerdings wird die Seite mit AJAX dynamisch generiert. Das bedeutet, die Liste ist nicht insgesamt ausdruckbar oder speicherbar. Für viele Zwecke ist sie komplett nutzlos, denn du kannst sie nicht kopieren – was ich machen wollte, um sie in mein Wiki einzupflegen.

So schön und brauchbar sieht die History in Chrome aus. Leider ist sie nicht speicherbar und nicht übertragbar auf ein Wiki, oder in einem anderen Browser (Firefox) nutzbar.

Nach entsprechenden Extensions gesucht – da gibt es erstmal so nichts, was funktioniert. Weil sich Chrome ständig entwickelt, werden Extensions von Dritt-Anbietern dadurch immer wieder zerschossen – ältere Extensions machen dann nicht, was sie behaupten zu tun. Zum Beispiel funktioniert der Export in JSON nicht.

Die History ist zwar (auch) lokal abgelegt, aber nicht in einem Format, was ich irgendwie nutzbar machen konnte.

Was ein Stück weit geht und die prinzipiellen Möglichkeiten demonstriert: Ein Tool, was ich auf NirSoft.net gefunden habe. Heißt ChromeHistoryView v1.30

Description

ChromeHistoryView is a small utility that reads the history data file of Google Chrome Web browser, and displays the list of all visited Web pages in the last days. For each visited Web page, the following information is displayed: URL, Title, Visit Date/Time, Number of visits, number of times that the user typed this address (Typed Count), Referrer, and Visit ID. You can select one or more history items, and them export them into html/xml/csv/text file, or copy the information to the clipboard and paste it into Excel.

Das Programm funktioniert.

Du hast da die Möglichkeit, nach Zeit oder anderen Spalten zu sortieren, und Daten rauszupicken. Zum Beispiel habe ich eine einzelne URL mal rauskopiert. Sieht dann so aus:

URL Title Visited On Visit Count Typed Count Referrer Visit ID Profile URL Length Transition Type Transition Qualifiers
http://www.prenzlauerberg-nachrichten.de/politik/_/autofreie-stadt-hermann-knoflacher-interview-172351.html „Autos haben in Städten keinen Platz“ – Prenzlauer Berg Nachrichten 08.06.2017 01:08:00 1 0 157928 Default 107 Reload Chain Start

ChromeHistoryView kann auch einen HTML-Report generieren.

ChromeHistoryView kann auf die History zugreifen und damit etwas machen. Man hat danach eine HTML-Version.

Diese Ausgabe als Report ist aber auch eher nicht so das, was ich wollte. Es gibt Kommandozeilen-Befehle dazu, das ist mir gerade aber alles zu sehr Low-Level.

Wenn ich das Programm selbst nutze, um Daten per Copy-Paste auszuwählen und zu übertragen, sieht es so aus:

http://www.nirsoft.net/utils/chrome_history_view.html ChromeHistoryView – View the browsing history of Chrome Web browser 08.06.2017 01:49:13 1 0 157972 Default 53 Link Chain Start,Chain End
https://en.wikipedia.org/wiki/JSON JSON – Wikipedia 08.06.2017 01:43:35 1 0 https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=15&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjnj_vi9KzUAhVIB8AKHaSIDZYQFghsMA4&url=https%3A%2F%2Fen.wikipedia.org%2Fwiki%2FJSON&usg=AFQjCNHqKP-WyHjEf1_yTMBMxENgj2QeNw&sig2=BPBibDo2ExMLc9I8uI4EuA 157971 Default 34 Link Chain End,Client Redirect
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=15&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjnj_vi9KzUAhVIB8AKHaSIDZYQFghsMA4&url=https%3A%2F%2Fen.wikipedia.org%2Fwiki%2FJSON&usg=AFQjCNHqKP-WyHjEf1_yTMBMxENgj2QeNw&sig2=BPBibDo2ExMLc9I8uI4EuA 08.06.2017 01:43:35 1 0 157970 Default 239 Link Chain Start,Chain End
http://www.json.org/ JSON 08.06.2017 01:43:33 1 0 https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=14&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjnj_vi9KzUAhVIB8AKHaSIDZYQFghlMA0&url=http%3A%2F%2Fwww.json.org%2F&usg=AFQjCNEzAKsPX13LBmYrggE8ipoZ31-Uag&sig2=xgKI4H7rIY-uv22lQ8g4_w 157969 Default 20 Link Chain End,Client Redirect
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=14&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjnj_vi9KzUAhVIB8AKHaSIDZYQFghlMA0&url=http%3A%2F%2Fwww.json.org%2F&usg=AFQjCNEzAKsPX13LBmYrggE8ipoZ31-Uag&sig2=xgKI4H7rIY-uv22lQ8g4_w 08.06.2017 01:43:33 1 0 157968 Default 223 Link Chain Start,Chain End
http://www.google.de/search?q=json&rlz=1I7GPEA_deDE291 json – Google Search 08.06.2017 01:43:07 1 0 157966 Default 54 Generated Chain Start
https://www.google.de/search?q=json&rlz=1I7GPEA_deDE291&gws_rd=ssl json – Google Search 08.06.2017 01:43:07 1 0 http://www.google.de/search?q=json&rlz=1I7GPEA_deDE291 157967 Default 66 Generated Chain End,Server Redirect
https://sourceforge.net/directory/os:windows/?q=json+converter json converter free download – SourceForge 08.06.2017 01:42:32 1 0 https://sourceforge.net/directory/os:windows/?q=json+xls+converter 157965 Default 62 Form Submit Chain Start,Chain End
https://sourceforge.net/directory/?q=json+xls+converter json xls converter free download – SourceForge 08.06.2017 01:42:15 1 0 https://sourceforge.net/ 157963 Default 55 Form Submit Chain Start
https://sourceforge.net/directory/os:windows/?q=json+xls+converter json xls converter free download – SourceForge 08.06.2017 01:42:15 1 0 https://sourceforge.net/directory/?q=json+xls+converter 157964 Default 66 Form Submit Chain End,Server Redirect
https://sourceforge.net/

Ich wollte als ziemlich beschäftigter und sehr bequemer Viel-Computer-Nutzer natürlich simples Copy-Paste und die Möglichkeit, Daten, die ich ja vor Augen habe, auch längerfristig und anderweitig nutzen zu können – sind schließlich MEINE Daten über MEIN Surf-Verhalten. Natürlich hätte ich sie gerne genau so schön aufbereitet, wie das Google in Chrome macht (deswegen nutze ich ja diesen Browser). Tja. Weil die Google History-Seite eben nicht einfach HTML ist, geht es nicht. Jedenfalls nicht mal so eben.

Wer eine hilfreiche Idee dazu hat, bitte gerne kommentieren. Danke.

 

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Antifaschistische Klassiker

„Die Klassiker lebten in den finstersten und blutigsten Zeiten. Sie waren die heitersten und zuversichtlichsten Menschen.“ Bertolt Brecht, „Me-Ti/Buch der Wendungen“, 1939.

Fortschrittliche Kulturschaffende und Intellektuelle wendeten sich in den Krisenzeiten von 1929 gegen nationalistische Hetze und Verhältnisse, die dem Menschen nicht würdig sind. Sie gaben den Erniedrigten eine Stimme, der Wut über die herrschende Ungerechtigkeit eine aufgeklärte und weltoffene Richtung, entlarvten mit wachem Blick den zunehmenden und von Justiz und Beamtentum tolerierten Nazi-Terror und wirkten für eine anteilnehmende und solidarische Gesellschaft.

Ihr Schaffen war aufrichtender Bezugspunkt und Ermutigung zu widerständigem und solidarischem Handeln gegen den aufkommenden Faschismus. Die Nazis mussten diese Kulturschaffenden und die Wahrheiten, die sie aussprachen, bekämpfen. Denn sie stellten der feigen sozialdarwinistischen Hetze, der dumpfen antiintellektuellen Romantisierung des „Ariertums“ und des soldatischen Gehorsams eine wissenschaftliche Weltanschauung, die Befürwortung des Lebens und die Überzeugung der gleichen Rechte aller Menschen entgegen.

Wenige Monate nach der Machtübertragung an die Faschisten, am 10. Mai 1933, brannten an den meisten deutschen Hochschulen die Bücher von jüdischen, bürgerlich humanistischen, pazifistischen und marxistischen Autorinnen und Autoren. Am 17. Mai auch an der Universität Köln. Nicht auf Befehl der NSDAP, sondern auf Initiative der Studierendenschaften unter Regie der völkisch-militaristisch gesinnten Burschenschaften und unter dem Wohlwollen breiter Teile der Professorenschaft.

Verbrannt und verboten wurden Werke von Heinrich Heine, Erich Kästner, Nelly Sachs, Irmgard Keun, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Heinrich Mann, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Karl Marx und vielen anderen. Ihre Verfasser wurden verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder gingen ins Exil, wo etliche den Widerstand gegen den Faschismus als Geflüchtete fortsetzten.

Der Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis hat über 60 Millionen Tote gefordert, sechs Millionen Menschen wurden in den Konzentrationslagern ermordet.

Und doch konnten die Nazis das „andere Deutschland“ nicht zum Schweigen bringen, haben Menschen widerstanden und konnte deshalb die Alternative einer menschenwürdigen Gesellschaftsentwicklung nicht vernichtet werden.

Das größenwahnsinnige „Tausendjährige Reich“ ist nach zwölf Jahren besiegt worden, der „Griff nach der Weltmacht“ endete mit der Kapitulation und vollkommenen Niederlage Nazideutschlands.

Text: Stammt vom AK Zivilklausel an der Universität zu Köln

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WordPress-Post per Mail – ein Versuch

Merkwürdige Dinge, die passieren: Leute, die ich kenne, gehen vor mir weg, als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Sie sehen, dass ich verletzt bin – und entziehen sich der Situation. Sagen nicht Hallo oder Tschüß. Vermutlich erwarten sie ein unangenehmes oder anstrengendes Gespräch, wenn sie mich fragen würden, was passiert ist. Das finde ich seltsam.

Würde ich einen treffen, dem was passiert wäre – ich wäre garantiert einer, der fragt, was los war. So haben die, die meine Freunde sind, auch reagiert.

Nicht aber die lose Bekannten. Von denen, die ich nicht kenne, kommen abschätzige, verschreckte oder auch verachtungsvolle Blicke.

Interessant auch dies: Um sich psychisch möglichst weit davon zu distanzieren – genauer: Die Idee, dass das jedem und jeder zu jedem Zeitpunkt auch passieren kann, abzuwehren – wird immer gerne konstruiert, dass das ja meine Schuld ist. Andere wären geschickter, schlauer, nicht so unvorsichtig, und daher in Sicherheit.

Bloodied, but unbowed. Nach dem Fahrrad-Unfall. Blut noch rot, das ist nun alles schwarzer Grind. Die härteren Bilder – die mit offenem Mund – erspare ich euch gerne.

Out of the night which covers me,
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeoning of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find me, unafraid.

It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate:
I am the captain of my soul.

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Black March – Praeludium Exterminii

The Black March. Ein autobiographisches Buch heißt so, es ist von einem SS-Mann geschrieben und ist mutmaßlich authentisch. Wurde 1956 erstmals in Frankreich veröffentlicht.

Kannte das nicht, hatte nur die Band gegoogelt: Nämlich, eine Black Metal Band heißt „Black March“ (Link auf Facebook), die sind mir eben unter gekommen – das sind Franzosen aus den Pyrenäen. Gründung 2011. Black und Trash, gute Mischung.

Logo von Black March. Bild = Link auf Encyclopaedia Metallum aka „the metal archives“
Ziemlich talentierte Leute (sag ich als Metal-DJ). Ihr erstes (und aktuelles) Album heißt „Praeludium Exterminii“, Vorspiel der Ausrottung.
 

Dazu ein paar Gedanken.

Metal ist als Musikrichtung ja oft mit Themen beschäftigt, um die andere Genres gerne einen weiten Bogen machen – Verzweiflung, Angst, Hass, Rache, Terror, Tod, Gewalt, Zerstörung, Untergang, totale Vernichtung, das Böse, die Negation aller Werte – um einige davon zu nennen.

Natürlich liegt da die Beschäftigung mit Nazis, Massenmördern, Weltkrieg, Holocaust etc. recht nahe.

Seit „Reign in Blood“ von Slayer – mit dem legendären Lied „Angel of Death“ über den KZ-Arzt Josef Mengele (geschrieben aus der skandalösen Ich-Perspektive) gab und gibt es viele künstlerische Annäherungen an den Horror, den Menschen einander antun.
 
Besonders gilt das natürlich für Black Metal (BM).
 

Wobei wohlgemerkt Bands, die explizit sich selbst als Nazis sehen und aufführen (NSBM) die peinliche und unrühmliche Ausnahme sind.

Ein Sonderfall ist Burzum. Einerseits ein Meilenstein des BM – meiner Meinung nach ein unverzichtbares Meisterwerk – andererseits steckt da ein völlig dummer kranker Flachwichser namens Varg Vikernes dahinter, der explizit Nazi ist (und ein unspielbares rassistisches Rollenspiel mit dem totalsten Regelfetischismus ever geschrieben hat, um seinem Sohn seine Weltsicht näher zu bringen) und der vor allem einen Menschen ermordet hat, vermutlich aus Homophobie.

Varg behauptet bis heute, man habe ihn umbringen wollen, er habe in Notwehr gehandelt – woran nichts wahr ist. Es hat aber die Szene sehr verändert, siehe NargarothThe Day Burzum Killed Mayhem.

Ich bekam immer zu hören, du kannst doch nichts von Burzum spielen auf ’nem Metal-Abend
Doch, na klar. Wer sowas sagt, gehört definitiv nicht auf einen Metal-Abend. Metal ist nicht und war nie und wird nie sein: Ausgerichtet danach, was eine Mehrheit denkt und was sie vorschreibt, wie es sich gehört. Metal ist auch keine Musik für Nazis – denn das sind beschissene Konformisten.
Zwischen den politischen Ansichten und dem, was Burzum musikalisch gemacht hat, trenne ich klar. So wie bei Eagles of Death Metal auch, denn die vertreten teilweise sehr blödes Zeugs – und mal ehrlich, bis auf Sepultura und Twisted Sisters (Dee Snider ist seit Kindertagen mein absoluter Held!) kenne ich keine Metal-Band, deren politics ich wirklich 100% gut finde. Selbst System of a Down nicht, die ja explizit politisch singen und viel Gutes dabei vorbringen.
Und ich teile auch nicht die politischen Ansichten von Beethoven, was allerdings auch nie wer verlangen würde. Der war Fan von Napoleon, also unspielbar für Demokraten ?!? Nee – so geht es eben nicht, Künstler ist nicht gleich Werk ist nicht gleich Künstler-Weltsicht. 
 
Aus der Sicht von BM ist Politik etwas für arme Wichte. BM ist krassester Individualismus. 
 
Menschenverachtung, das haben BM-Bands natürlich alle gemeinsam – genauer:
 
Verachtet wird der Mensch als schwaches Wesen, dass nur in und durch die dumme Masse klar kommt, sich auf Götter oder Ideologien stützen muss oder sich zu deren Sklaven macht.
Alles Soziale ist letztlich Lüge – es gibt nur den Einzelnen.
 

Religion wird immer angegriffen als ein Unterdrückungssystem, was die wahre Natur der Menschen vergiftet durch Moral und Dogmen, sie impotent und dumm macht.

Während Politik angegriffen wird, weil sie immer eine konforme Masse schaffen und beherrschen will. Wenn Politik doch mal als etwas Gewolltes vorkommt, dann, um in einer sadistischen Bestrafungsphantasie die verhasste Mehrheitsgesellschaft gnadenlos zu unterwerfen (was natürlich sehr faschistisch ist).

Beispiel dafür: Pitch Black von Vreid. Das ist eine Band, die stark mit Nazi-Optik kokettiert. Musikalisch Black’n’Roll, finde ich recht gelungen. Ist aber eine Ausnahme, würde ich sagen. 

Politik, Religion – prinzipiell beides totale Scheiße aus der Sicht von totalen Non-Konformisten (wie sich BM-ler gerne selbst sehen, insbesondere die, die sich als dem satanischen Prinzip – Rebellion gegen alle Dogmen – verbunden begreifen).

Sicher keine Philosophie, der sich viele Menschen anschließen würden.

Vielleicht wäre noch der Hinweis angebracht, dass generell Metaller sicher (mit) die friedlichsten Leute sind, die du auf diesem Planeten finden kannst – sie machen den inneren Krieg mit sich selbst aus. Und in der Musik. Alles blutige findet in der Kunst statt – und wird eben nicht ausagiert, wie es andere musikalische Subkulturen mit „brutaler“ Musik gerne mal tun.

Jedenfalls, eine Empfehlung: Black March
https://www.youtube.com/watch?v=TVF41GSPsFY
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Verluste, Schmerzen, Lektionen

Glück und Gesundheit sind sehr verletzliche Dinge. Ich spüre, dass ich lebe – weil alles weh tut.

Gestern ein schwerer Unfall mit dem Rad, in der Nacht wurden in der Notaufnahme des Universitäts-Klinikums die Zahnsplitter operativ entfernt, mir sind eine Reihe Zähne des Oberkiefers ausgeschlagen worden bei dem Sturz, nachdem ich mit Wucht ein Eisengitter gerammt hatte.

Heute wollte ich dafür sorgen, dass mein Nihola in die Werkstatt gelangt, damit der Rad- und Achsenbruch repariert werden könnte – aber es war schlicht und einfach weg, als ich am Unfallort am Rhein ankam. Da es nicht zu bewegen war, zudem angeschlossen (aber leider nicht am Geländer, weil die Kette dafür nicht gereicht hatte), gehe ich davon aus, dass es nun bei den Fischen auf dem Grund des Rheins gelandet ist. Muss eine Gruppe von Leuten getan haben, einer alleine kann das Ding nicht heben oder gar über eine Brüstung stemmen. Alles, was noch da war, waren einige zerstörte Teile meines Inventars und meine Iso-Matte sowie der Rest von der Hupe.

Meine Digitalkamera war mir zuvor an dem Tag bereits gestohlen worden und ich hatte mich geärgert über dieses Elend, nicht ahnend, wie knüppeldick es noch kommen würde.

In der Nacht war ich mit fragwürdigen Gestalten unterwegs, dabei trafen wir auch auf eine Gruppe von vier Nazis, die uns angreifen wollten – glücklicherweise war uns da die rechtzeitige Flucht gerade so gelungen. Der Chef von denen hat zwei Lebensrunen auf dem Unterarm tätowiert, kommt aus der Urkaine … ich sprach kurz mit ihm, bevor die anderen aus meiner Gruppe alarmierend weg wollten. Besser so; hätte auch da schon keine Zähne mehr haben können. Nun denke ich natürlich, die Nazis sind es auch gewesen, die mein Rad versenkt haben, weil ihnen die offensichtlichen linken Aufkleber darauf – Kein Mensch ist illegal, Antifaschismus bleibt Anti-Sexistisch und dergleichen – nicht gefallen haben. Wäre nahe liegend, denn diese Gruppe ist – nachdem wir nachts auf der Buchheimer Straße auf sie getroffen waren – auch nachmittags am Rheinufer Streife gegangen. Haben am Mäuerchen aber nichts gemacht, weil tagsüber da zu viele Leute sind. Können aber natürlich auch andere getan haben, so aus Jux und Dollerei und weil es so geil ist, andere zu schädigen. Allerdings, wie gesagt, zwei, drei durchschnittliche Jugendliche heben ein Nihola Lastenrad nicht hoch, da braucht es schon eine Menge Kraft.

Die Möglichkeit eines Diebstahls ist dagegen sehr gering bis ausgeschlossen – dafür wäre ein ziemlicher Aufwand nötig gewesen für einen Transporter und Leute zum Verladen und eine anschließende Reparatur des krassen Schadens am Lenk- und Fahrwerk. Ohne eine Werkstatt, die diese Teile beziehen kann, nicht gut machbar.

Nun – mein über alles geliebtes Lastenrad ist nicht mehr. Wir waren jeden Tag unterwegs zusammen, nun ist es weg. RIP.

Ich selbst stehe unter Schock, kann nicht mal trauern, so unwirklich ist dieses Hereinbrechen von Scheiße in mein Leben.  Hatte Angst, dass sowas passiert, vorher. Aber als ich es gesehen habe, da war in mir eine totale ruhige stille Leere, mehr nicht.

Habe auch einen so dermaßen geprellten Oberschenkel, konnte kaum laufen heute, die Anti-Schmerz-Mittel haben wenig genutzt.

Trotzdem meinen Sohn getroffen im Park, und wir hatten eine gute Zeit mit Star Realms spielen, Spirou-Comic lesen, herumvagabundieren und auf dem Spielplatz. Das beste mögliche Gute aus der Situation gemacht, auch wenn ich aussehe wie ein kaputt geschlagener Penner und mich völlig zerstört fühle.

Bekannte treffen auch komisch, so als wandelndes memento mori. Ein wenig Trost (Danke!), ein paar Plattitüden (was willste dazu auch sagen), und dann nichts wie weg und schnell was weniger Scheußliches ansehen.

Die mir nicht bekannten Leute, da gab es krasse Blicke – Angst, viel Verachtung, Ekel, teilweise gab es Vorsicht und Zweifel und danach ein wenig Empathie, natürlich weil ich mit Lukas unterwegs war und es mindestens für Eltern offensichtlich ist, dass da jemand ein lieber Papa ist.

Auf dem Spielplatz waren die Kinder-Reaktionen auf meine zerstörte Visage spannend – die fragen einfach nach und gehen damit ganz unbefangen um. Was ist passiert, tut es sehr weh, wachsen Zähne nach, solche Fragen gab es. Und toll, wie locker sich Lukas mit anderen Kindern anfreundet, sofort haben sie zusammen was gemacht und waren ganz beschäftigt.

Während ich zuschaute, vergeblich versuchte über Eltern-Inkompetenz diverser Art hinweg zu sehen und irgendwie auch dabei war, mir einen Reim auf dieses Schlamassel zu machen. War das nun Zufall – ein Pech, ein Unglück? Oder ein Fluch – gar der Fluch der bösen Tat oder so? Habe ich das verdient, ist es Karma? Ungünstige planetare Konstellation, Eso, Astro? Schicksal? Ein Fingerzeig Gottes, eine Prüfung?

Lukas fragte sich sowas auch. Natürlich habe ich nicht mit ihm über meine Sinnsuche geredet – sondern er erzählte mir davon, wie er bestohlen worden ist im offenen Ganztag der Schule – da sind ihm teure und seltene Pokemon-Karten aus dem vorschriftsmäßig unverschlossen zu haltenden Spind gezockt worden, und er weiß recht sicher, welches Kind das war (dessen Behauptungen, wie er plötzlich an einen Berg Karten und an diese recht besonderen Spezial-Karten gekommen ist, können schlicht nicht zutreffen).

Aber die OGS macht nichts, auch wenn da ein Wert von 50€ und ein komplettes Jahr kindlicher taschengeldgespeister Sammler-Tätigkeit gestohlen wurde. Keineswegs harmlos und Kleinkram, sondern gravierend. Einem anderen Kind sind nun auch Karten gezockt worden.

Und Lukas meint, er glaubt nun nicht mehr, das Gott uns eine Freude machen mag und wir dankbar sein sollen (was den Kindern auf seiner katholischen Schule als Tischgebet hinein doktriniert wird).

Sprach ich mit ihm also über Dankbarkeit und freien Willen und solche Sachen. Und auch darüber, ob es nicht einen Weg geben könnte, sich Revanche zu verschaffen.

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