Systeme sozialer Anpassung

[Entwurf – draft version] Wissenschaftlich betrachtet haben wir Menschen im Rahmen der Evolution kortikale Systeme entwickelt, um mit sozialen Zusammenhängen umzugehen. Machiavellische Intelligenz, also die Fähigkeit, innere Zustände (was wir fühlen, denken, wollen) und äußeres Verhalten zu entkoppeln, ermöglicht uns, andere zu täuschen und gezielt ein falsches Bild von uns und unseren Absichten nach Außen zu vermitteln. Es wird postuliert, dass diese Facette unserer Mentalisierungsfähigkeit sich ausgebildet hat, um mit zunehmend großeren Gruppen und dadurch erhöhter Beziehungskomplexität umzugehen: Um sich innerhalb der sich bildenden sozialen Hierarchien in aussichtsreiche Position zu bringen, musste ein Individuum in der Lage sein, die Machtverhältnisse im Rudel richtig einzuschätzen und sich der Artgenossen als „soziale Werkzeuge“ zu bedienen, um den eigenen Interessen zum Durchbruch zu verhelfen. Im Gegenzug war natürlich auch erforderlich, Abwehrmechanismen gegen Täuschung durch andere zu entwickeln. Täuschen und getäuscht werden gehören zum sozialen Zusammenleben in großen Gruppen zwangsläufig dazu, sagt die Theorie. Der zugehörige Affekt Mißtrauen musste natürlich – individuell, vor allem aber über eine größere Zahl von Individuen hinweg – mit der Fähigkeit, Vertrauen (Bindung) aufzubauen, ausbalanciert werden. Entsprechende Anlagen bringen wir als Menschen in Form von offenen Systemen mit – also Systemen, die durch Erfahrung ausgestaltet werden im individuellen Lebenslauf. Menschen erlernen sowohl Vertrauen und Bindung als auch Mißtrauen und manipulative Kompetenzen wie Lügen und Täuschung. Logischerweise sind diese individuellen Lernerfahrungen eingebunden in systematische gesellschaftliche Bedingungen. Bekanntermaßen sind die Verhaltensvorschriften unserer Kultur in sich widersprüchlich: Zu lügen und zu betrügen ist explizit moralisch gesprochen stets falsch, zugleich wird genau dieses Verhalten implizit gelehrt und in sozialen Interaktionen systematisch erwartet – es ist sozial höchst angemessen und ein Zeichen von guter Anpassung sowie eine Grundbedinungung für jeden gesellschaftlichen Erfolg, wirksam und in gut dosierter Form stets genau diese manipulativen Kompetenzen gezielt einzusetzen. Schwierig ist vor allem die Regulation der Intensität – wann wie viel Mißtrauen angebracht ist, wann und wie sehr getäuscht wird – sowie der inneren Empfindungen, die Erwartungen und daraus folgende Enttäuschungen und Kränkungen, aber auch der Balanceakt zwischen der eigenen Selbstdarstellung nach Außen und der Kenntnis der eigenen wirklichen Bedürfnisse, Empfindungen und Intentionen. Um sich über eigene Zustände und auch über Gegebenheiten der äußeren Welt zu vergewissern, benötigen wir als Individuen soziale Prozesse, also die Verständigung mit anderen darüber, was der Fall ist und wie es zu bewerten sei. Allerdings ist bekannt, dass es diese objektive Welt so nicht gibt bzw. wir – jedes Wesen für sich – von ihr abgekapselt sind. Zugriff hat unser System nur auf jeweils unser Welt-Modell in unserem Kopf. Von dem, was um uns sein mag, nehmen wir Schallwellen, Druck (Berührung) und Lichtwellen wahr und stehen in materiellen Austauschprozessen (Atmung, Nahrung – damit einhergehend Geruchs- und Geschmackssinn). Logischerweise benutzt unser System die für diese Zwecke evolutionär optimierten Wahrnehmungs- und Bewertungssysteme auch für die höheren kognitiven Prozesse. Das führt allerdings nicht notwendig zu guten oder richtigen Entscheidungen bezogen auf Kriterien. Es erklärt aber einiges.

EDIT: Das hier ist work in progress, ein Anfang von einer längeren Abhandlung über die Thematik. Ausgangspunkt sind Überlegungen zu Fragen nach der Bestimmung von Angemessenheit bezogen auf individuelles menschliches Verhalten, insbesondere zu den als unakzeptabel betrachteten Abweichungen – Delinquenz, Krankheit, Sünde. Die obige Definition einer Ausgangsbasis folgender Überlegungen bezieht sich auf und nutzt wissenschaftliches Material zur Frage der Querulanz, insbesondere ein Lehrbuch aus dem Springer-Verlag zu diesem Thema.

Der Begriff des Querulanten stammt ursprünglich aus dem Rechtswesen, womit in abwertender Weise ein Mensch bezeichnet wurde, der sich immer gleich ins Unrecht gesetzt fühlt und mit einer Flut von Beschwerden und Klagen reagiert, wobei er sich von Niederlagen nicht abschrecken lässt, sondern vielmehr den aussichtslosen Kampf um „sein“ Recht mit verstärkter Vehemenz fortsetzt.

Mich interessieren zwei Fragen – persönlich finde ich die Frage „bin ich ein Querulant?“ ein wenig spannend, gesellschaftlich bin ich interessiert daran, wann wer mit welchen Auswirkungen über wen sagt, der oder die sei abweichend. Da geht es um Macht und Politik, um das, was richtig ist und an das alle zu glauben haben.

Was ist ein Abweichler, ein Dissident, ein Querulant, ein Ketzer etc. eigentlich?

Zunächst mal ist das ein Mensch mit einer eigenen Meinung. Menschen, die einer Idee oder einem Prinzip eine höhere Wertigkeit zuweisen, als gemeinhin üblich, und die dann versuchen, andere zu missionieren, zu bekehren, zu korrigieren oder zu belehren, hat es immer gegeben. Zumeist sind diese Menschen lästig und störend für die Gruppe, die in der Kritik steht. Immer ist ein Aspekt von Auflehnung gegen Autorität im Spiel – denn jede Abweichung ist nur als solche bemerkbar, wenn eine Norm existiert, ein Kriterium für den richtigen Standpunkt. Je rigider die Norm, also je kleiner der Toleranzbereich um den sozialen Bezugspunkt herum gezogen wird, umso härter fällt die Verurteilung der Abweichung aus. Beispielsweise ist in einer Gesellschaft, die eine Staatsreligion aufweist, jede andere Form von Religiosität illegal. In einer pluralistischen Gesellschaft, die Rechtsstaat und Meinungsfreiheit aufweist, ist es dagegen gestattet, dass unterschiedliche Konfessionen existieren und dass sich Menschen auch als Nicht-Konfessionell oder Atheistisch definieren und verhalten. Während eine absolutistische Monarchie keinerlei Kritik am Staatsoberhaupt gestattet, darf in einer Demokratie um die richtige Art, das Gemeinwesen zu gestalten, gestritten werden. Totalitäre Systeme erlauben keine Abweichung von der offiziellen Partei-Linie und grenzen Dissidenten nicht nur rigoros als Feinde aus, sondern eliminieren diese auch psychisch und physisch. Historisch sind Staaten und Religionen stets mit Gewalt gegen Menschen vorgegangen, die Autorität in Frage stellen bzw. eigene Autorität beanspruchen. Freiheitsrechte wurden diesen Systemen abgerungen durch Kampf, und die Aufklärung – das Heraustreten des Menschen aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit – ist eine sehr neue Idee in der Weltgeschichte, wie auch der Individualismus. Dass ein Mensch einen Wert und eine Würde hat, einfach weil es ein Mensch ist – diese Idee ist nach wie vor provokant, und die Forderung nach der Gleichheit aller Menschen wird weltweit durchaus nicht von allen oder auch nur von vielen Menschen geteilt. Humanistische Ethik, die der goldenen Regel folgt – nicht anderen tun, was man nicht möchte, dass sie mit mir machen, oder positiv formuliert: Andere so behandeln, wie man es sich für sich selbst auch wünscht – ist eine Haltung, die schwierig zu praktizieren ist. Denn dazu muss ein Mensch beständig Verhaltensweisen bewußt reflektieren – und das ist mit emotionaler und kognitiver Anstrengung verbunden. Systeme von Befehl und Gehorsam sind einfacher, und sie sind vor allem effektiver darin, mit Gewalt ihre Ziele durchzusetzen. Aus diesem Grund haben sich diese Systeme auch weltweit durchgesetzt – friedlichere Zivilisationen wurden von kriegerischeren Zivilisationen ausgelöscht. Erst heute, wo die Grenzen der Gewalt sichtbar werden – ein Krieg zwischen mit Atomwaffen ausgerüsteten Staaten kann die Biosphäre so beschädigen, dass menschliches Leben auf diesem Planeten unmöglich wird – sind Menschen gezwungen, die Logik des Krieges zu verlassen und ein anderes Paradigma zu entwickeln. Oder eben als Menschheit kollektiv unterzugehen. Die Grenzen des Wachstums sind ebenfalls bekannt – wenn wir als Menschheit eine Zukunft haben wollen, müssen wir mit der Biosphäre pfleglich umgehen. Davon ist allerdings nichts zu sehen – der Raubbau an den natürlichen Ressourcen und die Vergiftung von Boden, Luft und Wasser eskalieren weiter. Immer mehr produzieren, das bedeutet immer mehr Müll. Die Menschen, die diese Tendenzen benannt haben und versuchten, dagegen etwas zu tun, wurden immer ausgegrenzt und verfolgt. Ihre Ideen wurden lächerlich gemacht, sie selbst persönlich diffamiert, und Versuche von Selbstorganisation wurden kriminalisiert. Da, wo Bewegungen über eine längere Zeit entgegen der herrschenden Meinung Bestand hatten, wurden diese gespalten in einen Teil, der integriert wurde ins System – einhergehend mit der Entkernung; alles an wesentlicher Kritik haben diese reformistischen Teile im Anpassungsprozess an das System entsorgt – und einen Teil, der ruiniert wurde. Die Mittel, um eine Bewegung zu zerstören, sind bekannt – es werden Angriffe auf allen erdenklichen Ebenen gefahren, vom politischen Mord an Führungspersönlichkeiten über Kriminalisierung, Denunziation, Psychiatrisierung, der Zersetzung durch eingeschleuste Agenten, den Drogen, dem Zerstören von Treffpunkten, der Schaffung von speziellen Gesetzen, die beliebige staatliche Maßnahmen gegen unliebsame Personen und Gruppierungen ermöglichen, der Aufrüstung der gegen Gruppen einsetzbaren Streitmacht aus Polizei und Militär, den Verwaltungsapparaten, die die Menschen arm und krank und vor allem schwach und unmündig halten. Der Staat und das Rechtssystem spielen die zentrale Rolle – ohne diesen Apparat ist ein System, wie wir es heute haben, unvorstellbar. Nur durch massive Gewalt kann ein System, in dem Macht und Güter extrem ungleich verteilt sind, sich selbst erhalten. Leibeigenschaft und Sklaverei sind keineswegs abgeschafft worden, im Gegenteil wurden die wesentlichen Aspekte dieser Herrschaftsverhältnisse totalitär ausgeweitet. Frei ist der Mensch, der nicht arbeiten muss – sagte Aristoteles. Diese freien Menschen der Antike, das sind diejenigen, deren Wohlstand von anderen – nämlich Sklav*innen – erarbeitet wird. Heute gilt es als selbstverständlich, dass jeder Mensch arbeiten muss – womit aber nicht gemeint ist sinnvoll tätig sein. Sondern sogenannte Lohnarbeit, also unter Zwang sich in ein Kollektiv einfügen und die eigene Kraft fremdbestimmt verwenden. Und genau das ist Sklaverei – die Energie und die Möglichkeiten des eigenen Körpers gehören mir nicht, sondern sie gehören dem Staat und der Wirtschaft. Pyramiden bauen, letztlich ist das nichts anderes. Subsistenzwirtschaft wurde global angegriffen und zerstört, weil sie keinen Profit anstrebt. Damit wurde Menschen die einzige Form, unabhängig von den sehr viel größeren und mächtigeren sozialen Gruppen – den Städten, den Staaten, den Konzernen – ihr Leben und Überleben zu gestalten, genommen. Die praktisch totale Abhängigkeit der modernen Menschen vom System ist nicht zufällig entstanden, sondern es wurden mit kriegerischen Mitteln alle Formen von Autarkie zerstört. Man möge sich nicht täuschen – ein Papierkrieg ist letztlich auch nichts anderes, denn am Ende der Bürokratie und des Rechtsstreites kommt immer noch der Trupp von Schlägertypen vorbei, der die Räumung vornimmt und das Privateigentum schützt. Und falls sich jemand wehrt, werden solche Leute geschickt, die mit Panzern und Gewehren die Lage bereinigen. Daran hat sich nie wirklich etwas geändert, nur die Fassade des Systems wird immer mal neu angemalt. Was sich allerdings geändert hat – die herrschende Klasse hat ihre Legitimationsbasis angepasst. Heute gilt es als vernünftig und rational, dass alle Menschen sich selbst als konkurrierende Unternehmen mit ökonomischer Ausrichtung betrachten – womit Solidarität natürlich als eine irrationale Verhaltensweise erscheint. In einer irrwitzigen Verdrehung aller Tatsachen wird jeder Begriff in sein Gegenteil gewendet, so daß es praktisch nicht mehr möglich ist, sich sprachlich klar auszudrücken. Beispielsweise heißt ein Arbeiter heute Arbeitnehmer – obwohl der Arbeiter arbeitet, also Kraft gibt und nicht nimmt. Ein Kapitalist – das sind Besitzer von Produktionsmitteln – nennt sich heute Arbeitgeber, was genau wieder eine Verkehrung von Tatsachen ist. Und die Menschen, die an der Spitze der Ausbeutungspyramide sich bewegen, nennen sich selbst Leistungsträger – während sie in Wirklichkeit den Reichtum davon tragen, den ihre Sklaven für sie durch Arbeit geschaffen haben. Heute las ich im Kölner Stadtanzeiger, wenn Güter gleich verteilt würden, wäre das ungerecht, weil es die Leistungsunterschiede der Menschen negieren würde. So absurd ist die Welt geworden – wahre Gerechtigkeit besteht heutzutage angeblich darin, dass einige wie die Maden im Speck leben, während andere verhungern. Unterschiede zum von Gott gegebenen Reichtum der Adligen sind bei diesem neoliberalen Geschwätz nicht erkennbar. Heute wie damals ist es die nackte physische Gewalt, die letztlich die Unterschiede in der Verteilung der Güter ermöglicht. Der Propaganda-Apparat, der die Gehirne der Menschen vernebelt, damit sie diese Zustände nicht als das wahrnehmen, was sie sind – nämlich himmelschreiendes Unrecht – der hat sich weiter entwickelt. Mehr aber auch nicht.

 

[Fragment]

Wieso wird ohne wirkungsvollen Einspruch alles für „alternativlos“ erklärt, was die Eliten machen wollen? Wieso wird das von den „Experten“ abgenickt?
 
Antwort: Weil seit vielen Jahren nur noch Konformität produziert wird. Durchsetzungsfähige, angepaßte System-Menschen – das wird belohnt.
 
Es gibt praktisch keine kritischen Intellektuellen mehr, die widersprechen – weil die Schulen und Universitäten und Ausbildungsinstitutionen sich durch soziale Hürden gegen die unteren Schichten abschotten und rigoros *alle* aussortieren, die innerhalb dieser Institutionen auch nur ansatzweise eine eigene Denkweise artikulieren, die nicht den Klassenstandpunkt der Eliten bejaht.
 
Menschen, die dennoch durch kommen und dann etwas sagen und schreiben und tun, werden praktisch nicht öffentlich rezipiert.
 
Falls doch, werden ihre Aussagen so gefaßt, dass sie harmlos bleiben. Und alles, alles wird in sein Gegenteil gewendet, ganz nach Belieben.
 
So entsteht systematisch eine geistige Monokultur. Ein solches System hat mit pluralistischer Gesellschaft nichts mehr zu tun. Es ist vielmehr eine Gleichschaltung. In „Diskussionen“ im TV reden dann Menschen, die *alle* letztlich neoliberal sind.
 
Die Überschneidungen dieser Ideologie mit dem totalitären Faschismus sind übrigens größer als die Unterschiede: Milton Friedman, Margret Thatcher und Augusto Pinochet, das sind Vertreter einer gemeinsamen Idee.
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Außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses

Das Ausbildungsinstitut hat mir gegenüber die außerordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses ausgesprochen.

Ich hätte durch meine kritischen Blog-Beiträge – allgemein zur Geschäftspolitik und zur konkreten Umsetzung von Arbeitsbedingungen sowie konkret bezogen auf die Thematik Hypnotherapie als verpflichtender Teil der Ausbildung – ihren guten Ruf geschädigt und mich zudem extrem unangemessen verhalten in Seminaren. Außerdem vorher Vandalismus in der Praxis. In der Gesamtschau sei damit klar, dass eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses ihnen nicht zugemutet werden könne.

Ich habe also meinen Praxis-Schlüssel abgegeben und meine Arbeit als Psychotherapeut in Ausbildung beendet.

Wie habe ich das aufgenommen?

Interessanterweise habe ich mich darüber nicht aufgeregt, sondern eher gedacht, wenn ich bloß als verrückter Hooligan angesehen werde und meine Kritik als Spinnerei abgetan wird, kann ich es mir sparen, meine Lebensenergie in die Veränderung von Strukturen zu investieren. Verstehen kann ich das natürlich – ich bin denen unangenehm, und sie wollen weiter machen ohne mich. Wäre ich nicht ich, ich würde es genau so sehen.

Seit 2010 bin ich in Köln, und habe also nun bald 7 Jahre meines Lebens darauf verwendet, diese dreijährige bis fünfjährige Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. Es waren anstrengende und unangenehme Jahre.

Hätte klappen können. Bei den anderen Leuten, mit denen ich angefangen habe, hat es funktioniert. Einige sind zwischendurch verzweifelt und haben sich verabschiedet, für die meisten Ausbildungsteilnehmer*innen hat es aber wohl funktioniert. Die strampeln sich jetzt in neuen, ebenfalls recht schwierigen Verhältnissen ab. Einige werden halt aussortiert, bei denen es nicht paßt – und ich bin so einer.

Ähnliche Muster habe ich früher schon gesehen.

An der Uni war es so, da haben auch die allermeisten Leute, die das Grundstudium hinter sich gebracht hatten, letztlich das Diplom geschafft. Nämlich die, die finanziell gut unterstützt waren. Aufgegeben haben zumeist die, die eben keinen finanzstarken bürgerlichen Hintergrund hatten. Oder die irgendwann gemerkt haben, das ist mir hier zu doof, ich mache etwas, was mir wirklich gefällt.

Bei der Promotion – habe ich auch versucht, bin aber auf 2/3 des Weges gegen die Wand gefahren – da war es ähnlich. Die gut angepaßten und leistungsstarken Leute haben ihren Weg gemacht, haben sich den Titel unter hohen persönlichen Opfern hart erarbeitet. Teil davon immer die Bereitschaft, sich in Hierarchien gefällig ein zu ordnen. Ich wollte gerne ein Professor werden, das ging aber nicht. Schade – hatte mir das gut vorgestellt, so mit Ansehen und Einkommen und einer intellektuellen Tätigkeit. Illusionen, die halt irgendwann sich als solche heraus stellen.

Davor – am Gymnasium – war es ähnlich. Fast alle hatten irgendwann Abitur, die weiß und wohlhabend und deutsch gestartet sind – raus geflogen waren zuvor allerdings andere Menschen, die typischerweise migrantisch oder arm waren oder wo es zusätzliche Schwierigkeiten gab. Wer sich auffällig zeigte, wurde entfernt, aussortiert.

In der verhaltenstherapeutischen Psychotherapie-Ausbildung findet sich eine spezielle soziale Auslese – fast ausnahmslos weiße junge Frauen aus der oberen Mittelschicht und Oberschicht. Alle, die so nicht sind, haben es schwer, diese Ausbildung zu absolvieren, denn sie kostet viel privates Geld und wird nicht durch den Staat und die Gesellschaft getragen, zusätzlich enthält sie einen langen unbezahlten Arbeitsabschnitt von 12 bis 18 Monaten, der regelhaft nicht vergütet wird.

Weil die Aussichten, danach gut zu verdienen, auch nicht rosig sind, gibt es einen starken Effekt von Selbst-Selektion – Männer gehen nicht in diesen Frauen-Beruf, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und Menschen, deren Familie sie nicht durchgehend finanzieren kann, gehen nicht in diesen Beruf. Auch da gibt es natürlich Ausnahmen, aber wenige.

Es mag bei anderen Psychotherapie-Schulen anders aussehen. Vermutlich ist es dort aber eher schlimmer, was die soziale Auswahl angeht – die Ausbildung als Psychoanalytiker*in kostet erheblich mehr als Verhaltenstherapie, und soweit ich weiß liegt die tiefenpsychologisch orientierte Ausbildung irgendwo dazwischen.

Ich bin immer privilegiert gewesen – deutsch, weiß, männlich, wohlhabend, heterosexuell, intelligent, keine wesentlichen Beeinträchtigungen durch körperliche Handicaps. Dadurch war es für mich praktisch kaum möglich, die Welt um mich herum zu verstehen, wo solche tollen Bedingungen eben zumeist nicht vorhanden sind. Glücklicherweise bin ich durch eine Lebensphase, die ich außerhalb von Deutschland verbracht habe, wesentlich geprägt worden. Aus der massiven Irritation, die der Versuch mit sich brachte, sich hier zu integrieren nach fünf noch mal mehr privilegierten Jahren in Istanbul, konnte ich dann viel lernen. Wenn Dinge in tausend Teile gehen, die für selbstverständlich gehalten wurden, und es danach nie wieder gut wird, dann ist das ein steter Quell von Erkenntnis und auch von Selbstkorrektur.

Gelernt habe ich – für die anderen ist die Welt viel härter. Und sie ist brutal, es ist schockierend und verletzend, wie ungleich und wie ungerecht die Verhältnisse historisch auf diesem Planeten gestaltet wurden und gestaltet werden – mit einer mörderischen Gewalt. So kam das, dass ich ein starkes Interesse an politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten entwickelt habe, und auch meine Positionierung als Mensch, der sich klar dafür einsetzt und engagiert, dass diese zerstörerischen Kräfte, die millionenfach Leben kaputt machen, durch irgend eine Form von positiver Kraft vielleicht eingehegt werden würden. Die Vorstellung, dass diese Welt immer so weiter laufen würde, war mir stets unerträglich – weswegen ich glauben wollte, das es dazu Alternativen geben könnte, die auch gesellschaftlich irgendwann zum Tragen kommen würden.

Natürlich sind die Ergebnisse aller Versuche, an denen ich mich beteiligt habe, konkrete Utopien mit Leben zu füllen, immer wieder kaputt gegangen, wohl deswegen, weil uns ein System umgibt, was Rahmenbedingungen setzt, die eine ökonomische Basis für solche utopistischen Ansätze nicht ermöglicht.

Den Schritt, das System zu bejahen und mich schlicht brav darin einzufügen, konnte ich nicht tun – warum, ist mir selbst nicht klar, aber es ging nicht, und wenn ich es versucht habe, ging es mir darin schlecht und elend. Ich ecke immer wieder an, und das ist nicht zufällig so. Es hat mit meinen wesentlichen Eigenschaften zu tun, vor allem damit, dass ich für mich festgestellt habe, dass Erkenntnisse zwingend sind. Was ich einmal für mich erkannt habe, dahinter kann ich nicht zurück. Und die Versuche, mich zur Annahme einer anderen Position zu bewegen, haben ihren Anteil an meiner Beharrlichkeit – wenn man mich bedroht oder angreift oder zu zwingen versucht, dann verfestigt sich bei mir die Wahrnehmung, dass ein systematisches Unrecht passiert.

Nun bin ich also mal wieder ausgegrenzt worden, weil mein Verhalten Anstoß und Ärger erregt. Gut. Vorher waren sehr viele Widersprüche da, die sich durch mich hindurch zogen – es war verwirrend unklar, wie ich mich sinnvoll und konstruktiv positionieren könnte. Viele Leute haben mir auch gesagt, dass sie nicht nachvollziehen können, wie jemand, der so anders und anti-konventionell fühlt und denkt und handelt, in einem Beruf arbeiten könnte, der ja vor allem daraus besteht, Menschen wieder passend zu machen für eine Arbeitswelt, die zutiefst nicht auf menschliche Bedürfnisse, sondern auf finanzielle Vorteile für die Chefs ausgerichtet ist. Wieso ich das gemacht habe, habe ich dann immer geduldig erklärt – Therapie ist nicht lediglich das Abtrainieren von störenden Eigenschaften und der Aufbau von sozial angepaßtem Verhalten, da steckt viel Wissen und Erfahrung drin, die für Menschen generell nützlich ist. Zum Beispiel wissen wir durch Forschung so einiges darüber, wie Menschen eigentlich funktionieren, und es gibt Methoden, die vieles bewußt beeinflußbar machen, was sonst als schicksalhaftes Leiden an die nächsten Generationen weiter gegeben wird. Im Rahmen von therapeutischen Prozessen sind Veränderungen im Leben von Menschen erreichbar, die sonst kaum vorstellbar wären. Leiden kann reduziert werden, es ist möglich, Gutes zu bewirken. Diese Motive waren stets tragend.

Aber nicht die einzigen – es gibt auch weniger altruistische Motive, namentlich Macht (als Therapeut*in hast du die Top-Position in einer dyadischen Beziehung automatisch, du steuerst einen Prozess) und Neugier (als Therapeut*in hast du Zugang zu einem enormen Informationspool, der unmöglich anderswo erschließbar wäre – so viele Lebensgeschichten, so viele Beispiele für Mechanismen, die menschliche Existenz prägen) und vielleicht auch Faulheit (als Therapeut*in hast du emotional schwer zu tragen, was mir zunächst nicht so klar war, aber körperlich ist es eher eine lockere Sache, und wenn du einmal kapiert hast, wie die grundlegende Arbeit – Identifikation und Modifikation von Verhaltensbedingungen – funktioniert, kannst du immer genau damit arbeiten) sowie Nicht-Langweiligkeit (als Therapeut*in hast du immer die Möglichkeit, es interessant zu machen, Variation einzubringen, zu gestalten – die Abläufe sind nie reine Routine, sondern immer herausfordernd).

Geld verdienen – dieses Motiv ist stets ein Proxy, dahinter steht immer etwas anderes, also Sicherheit, Macht, Bindung (Steigerung von sozialer Attraktivität, von Lebenschancen) etc. So ungeheuerlich das klingt, ich hatte immer genug Geld, außer ich habe mich ganz bewußt völlig abseitig bewegt (auch das habe ich für mich probiert, und festgestellt, es geht, aber es ist sehr sehr hart). Zugleich hatte ich immer das Gefühl, ich verdiene das nicht, dass es mir so gut geht, ich bin schuldig und irgendwie schlecht. Irgendwie müßte ich etwas tun, um mich als wertvoll zu beweisen – idealerweise etwas, was andere auch bejahen können.

Die Welt besser machen.

Wenn ich auf mein Leben zurück schaue, ist das offenbar ein uneingelöster Anspruch. Gut möglich, dass dies mit arg ungeeigneten Kriterien zusammen hängt. Die Welt ist groß, darin bin ich ein kleines Ding, und es ist völlig überheblich, individuelle Bedeutsamkeit zu behaupten. Besser, was soll das sein? Wenn etwas für mache besser wird, finden andere, es werde für sie schlechter. Auch das ist kaum geeignet, um zu sagen, ob ich das geschafft habe.

Was ich allerdings geschafft habe – Irritation auslösen, Anstöße geben, Veränderungsprozesse begleiten und auch teilweise aus Ideen mit anderen zusammen Projekte zu entwickeln, die über den Moment hinaus Bestand hatten. Ich kann ganz gut gegen etwas sein, und es ist leicht für mich, sprachlich harte Angriffe zu fahren. Wenn ich sozial geschickter wäre, könnte sich daraus was basteln lassen.

Ein System verlassen, was sich nicht reformieren mag, ist glaube ich gesund für Leute, die Veränderung und Lebendigkeit hoch schätzen.

Nun bin ich de facto kein Therapeut mehr, und auch kein Harz-4-Aufstocker mehr, sondern irgendwie draußen vor der Tür.

Auf das, was ich gelernt habe, kann ich sicher bauen, und nun steht es mir frei, neue und andere Ziele zu setzen. Viele spannungsreiche Kompromisse entfallen nun. Bin gespannt, was sich daraus machen läßt.

 

 

 

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Dark Country

The Devil Makes Three – Working Man’s Blues

They say times are gettin‘ hard on a workin‘ man
Well they say times are gettin‘ hard on a workin‘ man
I don’t care what time it is
I want what’s mine and not what’s his
I wanna pull my wagon with my own two hands
 
They say there’s not near enough here to go around
They say there’s not near enough here to go around
I don’t mind sharin‘ bread and supper
But when it comes to tobacco it’s each man’s own
And if you brought your own bottle,
Come on and sit right down
 
Sometimes it seems like everybody wants to bring you down
Yeah sometimes it seems like everybody wants to bring you down
Don’t go home and slash your wrists
Come out fightin‘ with both your fists
I know you don’t believe me,
But things sure could turn around
 
Seems like I’ve been down this lonesome road before
Seems like I’ve been down this lonesome road before
Sometimes I get to movin‘ and I fall down flat
You know you I took a beatin‘ but I ain’t dyin‘ yet
Something keeps me gettin‘ up and coming back for more
 
Well they say times are gettin‘ hard on a workin‘ man
Yeah they say times are gettin‘ hard on a workin‘ man
I don’t care what time it is
I want what’s mine and not what’s his
I wanna pull my wagon with my own two hands
I wanna pull my wagon with my own two hands

Those Poor Bastards – Satan is watching (full album)

Goddamn Gallows – Y’all Motherfuckers Need Jesus

Ya’ll motherfuckers need jesus
better end your wicked ways
well you know that he’s comin‘
and you’re gonna be runnin‘
when we’re at the end of days
ya’ll motherfuckers need jesus
put you deep down in the hole
the father, the son, and the holy ghost!
ya’ll motherfuckers need jesus
I see satan in your eyes
well I see you standin‘ there
in your fancy clothes
don’t you know that you’re gonna die
ya’ll motherfuckers need jesus
but the devil’s in your soul
the father, the son, and the holy ghost!
ya’ll motherfuckers need jesus
whether if you’re rich or poor
well you know he’s gonna spite you
cuz you’re such a motherfucker
and he don’t like you no more
ya’ll motherfuckers need jesus
but you keep your bible closed
the father, the son, and the holy ghost!
ya’ll motherfuckers need jesus
would he ever lie to me
well he don’t like evil
and he don’t like sinnin‘
and he don’t like sodomy
ya’ll motherfuckers need jesus
but you keep your bible closed
the father, the son, and the holy ghost!
ya’ll motherfuckers need jesus
would he ever lie to me
well he don’t like evil
and he don’t like sinnin‘
and he don’t like sodomy
ya’ll motherfuckers need jesus
but the devil’s in your soul
the father, the son, and the holy ghost!

Blues Saraceno – Dogs of War

Hear the devil callin, hear the devil callin
When I hear the devil callin‘ God will pay him for what he’s do
I can’t stop the Dogs of War, I can’t stop the Dogs of War
See the fields burnin, see the fields burnin‘
When I see the fields burnin cause
hell is coming through
I can’t stop the Dogs of War, I can’t stop the dogs of war
Feel the river risin, feel the river risin
When I feel the river risin devil coming up from you
I can’t stop the Dogs of war

The Goddamn Gallows – 7 Devils

Old Mr. Shadow, Old Mr. Rain
7 devils callin‘, Whispering my name
Old Mr. Shallow, Old Mr. Vain
Tryin‘ to outrun you, On a graveyard train
He laughs as he leads you astray
In Satan’s arms he told me that he stays
He has a blackened heart
As he wallows in the dark
And forever he’ll be searchin‘ for the day
Old Mr. Shadow, Old Mr. Rain
7 devils callin‘, Whispering my name
Old Mr. Shallow, Old Mr. Vain
Tryin‘ to outrun you, On a graveyard train
Them blue skies are turning into grey
A boxcar full of souls is on its way
We’ll ride the rails til dawn
And your soul will now belong
To the devil, well I guess you should have prayed
Old Mr. Shadow, Old Mr. Rain
7 devils callin‘, Whispering my name
Old Mr. Shallow, Old Mr. Vain
Tryin‘ to outrun you, On a graveyard train
If you cross the gates while sleeping on the floor
Leavin‘ all your worries at the door
God left you all alone
I see the devil on his throne
 Now these dirty worn out roads, they are my home
 Old Mr. Shadow, Old Mr. Rain
7 devils callin‘, Whispering my name
Old Mr. Shallow, Old Mr. Vain
Tryin‘ to outrun you, On a graveyard train
He laughs as he leads you astray
In Satan’s arms he told me that he stays
He has a blackened heart
As he wallows in the dark
And forever he’ll be searchin‘ for the day

The Devil makes Three – The Bullet

Well he opened up this shop at the age of nineteen
Stealing anything the eye could see
Said gather ‚round you people, anything you need
Keep my name on your lips
And put the word out on the street
 And I will rob ‚til my fingers they are down to the bone
Wander ‚til I can’t remember my own home
Drink ‚til I don’t know the meaning of alone
‚Til that bullet flies to carry me home
‚Til that bullet flies that bullet flies that bullet flies
That bullet flies that bullet flies to carry me home
‚Til that bullet flies that bullet flies that bullet flies
That bullet flies that bullet flies to carry me home
 
Well he never ever smiled
But he always seemed pleased
Said I’ll never live down upon my bended knees
I see the game and the game it sees me
We will dance until they bury me
 
I will rise like the ashes from a building as it burns
Screaming all my enemies you’ll all have your turn
The more pain I feel, the less that it hurts
The more I move on the more I am sure
That I will rob ‚til my fingers they are down to the bone
Wander ‚til I can’t remember my own home
Drink ‚til I don’t know the meaning of alone
‚Til that bullet flies to carry me home
‚Til that bullet flies that bullet flies that bullet flies
That bullet flies that bullet flies to carry me home
‚Til that bullet flies that bullet flies that bullet flies
That bullet flies that bullet flies to carry me home

Highlonesome – Devil at my door

Well all around my bedside spirits like vultures wait well all inside, inside my mind mass graves of all hope sleeps mass graves of all hope sleeps And the devil is at my door can’t stall him, stay clear no oh oh by his side now, I’ve been running round‘ yes it just goes to show god, no he’ll never settle down settle down Well all around my tired eyes galivants in your poison words as the slither of a serpent

he’s a snake in the grass coming on and moving fast

coming on and moving fast And the devil is at my door can’t stall him, stay away no oh oh by his side now, I’ve been running round‘ yes it just goes to show god, no he’ll never settle down settle down Well all around these muddy streets skeletons and safety sun goes down, it’s sinning time moving down that old crooked line moving down that old crooked line And the devil is at my door can’t stall him, stay away no oh oh by his side now, I’ve been running round‘ yes it just goes to show god, no he’ll never settle down settle down

Sons of Perdition – Blood In The Valley

The sick of the fold turn their backs on the flock
To wander the wasteland so grim.
They pray to false idols of wood, gold and rock
When they ought to raise voices to Him.
The blood in the valley is Thine Lord, not mine,
So guide my hook and hand as I reap from the vine.
The faithful up front and the sinners behind
O Lord, let Thy glory shine.
They poison the wells with their venomous lies.
The crops in the fields turn to coal.
Like a gangrenous limb on the body of Christ,
Their stain brings Hell on the whole.
The blood in the valley is Thine Lord, not mine,
So guide my hook and hand as I reap from the vine.
The faithful up front and the sinners behind
O Lord, let Thy glory shine.
(Screaming angry crazy preacher voice: “Satan is among us tonight, friends! Can you see the fire? Can you see the brimstone? Get down on your knees! Get down on your knees and crawl like the filthy beasts you have become! Back into the pits! Back into the caves! Put the bible to your head and pull the trigger! The Lord requests, and so he shall receive! Glory! Yeah! This valley will flood with your hypocrite blood! This valley will flood with your hypocrite blood! Fuck you, Satan. Fuck you, Satan!”)
The moon of the harvest is steeped in red hue,
And from the mouth of the valley, no sound.
The dregs on the ground pay the Devil his due
As he lights on that pale sunken mound.
The blood in the valley is Thine Lord, not mine,
So guide my hook and hand as I reap from the vine.
The faithful up front and the sinners behind
O Lord, let Thy glory shine.
O Lord, let Thy glory shine.
O Lord, let Thy glory shine.
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Garten der Mutter

Bilder aus Frankfurt. Wenn du Natur vor dem Haus hast, das ist schon sehr genial. Einfach dermaßen schön und vital, dieses Grünzeugs.

 

Um ein Bild groß zu bekommen, kannst du es per Rechtsklick mit in neuem Tab öffnen als Einzelbild laden – und dann genießen. Alle Bilder sind HD.

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Fotografie

Mehr als mit bloßem Auge erkennbar ist, findet sich auf den Bildern. Schon der Vorgang, sich Zeit zu nehmen, um einen Ausschnitt zu wählen, bringt einen veränderten Blick auf die Umgebung mit sich.

 

Technisch ein Fortschritt – Dia-Show auf meinem Blog. Da freu ich mich drüber.

Sofort aber auch die Idee – ich hätte gerne Links von den Bildern zu weiter führenden Texten, und die Möglichkeit, auf einzelne Bilder gezielt zu verlinken. Frage natürlich – wie mache ich das?

Zunächst mal noch mehr Bilder – kleine Dinge in der Umgebung, zumeist. Random Images. Ich fotografiere gerne Aufkleber und Graffiti.

 

Mülheimer Brücke (Südseite), Berliner Straße – und zwei Bilder vom Bauwagendorf Wem gehört die Welt

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Simulationen und Spiele

Computer sind zum Spielen da.

Kniffeliges Retro-Game: Tiny Heist

EXKURS

An der Uni habe ich mich sehr für Simulationen und Spiele interessiert. Ich habe dann mein Diplom in Pädagogischer Psychologie gemacht, weil da eine Nähe zu Computern da war. Und danach eine Promotion zu dem Thema Mediennutzung gemacht, angefangen wohl eher – die ist leider nie fertig geworden.

Damals habe ich mich interessiert dafür:

Was machen Menschen mit Spielen und Spiele mit Menschen – welche Trainingseffekte gibt es, welche Wechselwirkungen, was heißt überhaupt spielen?

Machen Spiele schlau, dumm, aggressiv, selbst-kontrolliert?

Wirkungsforschung gab es mal, war Quatsch. Es ist eine Interaktion von Art der Nutzung und Art der Medien und Art der Nutzer – wer wie was wie lange nutzt, macht die Unterschiede, nicht eine einzelne Variable. Wenn überhaupt, dann ist zu viel Zeit am TV mit zu wenig Bewegung verbunden. 

Spannend finde ich heute eher solche Fragen:

  1. Wie können Spiele und generell Programme menschliches Wissen befördern, Dinge lernbar und letztlich machbar machen?
  2. Was können wir durch Simulationen lernen und lehren?
  3. Wie können Spiele als Datenquelle für Experimente und Simulationen verwendet werden?

Meine andere Spezialisierung – was ich im Diplom gemacht habe – nennt sich Usability.

Aufgabe war es, durch eine Art von systematischen Verhaltensbeobachtungen die Stellen zu finden, wo es zu Nicht-Passung von Mensch und Maschine-Interface kommt.

Klingt kompliziert.

Einfacher gesagt, wo hapert es mit der Bedienungslogik und der Interface-Gestaltung, und vor allem – wie finde ich das heraus, wie setze ich Testnutzer effizient ein, was kann ich aus welcher Art der Analyse über meine Software und mein System sowie meine Kunden lernen?

Passung, das heißt Benutzer – System – Aufgabe, das muss zusammen spielen ohne viel Reibung, es soll nicht Zeit, Energie, Datenqualität unnötig verloren gehen, idealerweise ist das Ding gut zu bedienen, leicht zu erlernen und dabei trotzdem unglaublich mächtig. Wer unsere IT aus der Nähe kennt, weiß: Alles schöner Wunschtraum. Nichts passt einfach so, alles muss immer erst passend gemacht werden.

So reifen dann Hardware und Software wie gehabt beim Benutzer nach. Die Idee, generell Benutzbarkeit und insbesondere Benutzerfreundlichkeit systematisch vorher zu testen, hat sich in der rauen Wirklichkeit leider nicht durch gesetzt.

Beide Bereiche verbinden sich, wenn ich Leuten bei der Arbeit oder beim Spiel am Computer zu sehe (oder mit mache). Am liebsten mit meinem Sohn, da sehe und erlebe ich, wie er lernt, und was ihm Spaß macht, und freue mich mit.

Die einfachen Flash-Spiele sind, was Edutainment und Usability angeht, oft erstaunlich gut. Leicht lernbar, hoher Spiel-Anreiz, interessante Mechanismen, die zu beherrschen einen kognitiven Aufwand erfordert.

Es folgt eine lose Sammlung von Spielen, die gut sind.

Utopian Mining

Gemütliches Spiel mit beruhigender Musik. Ein Roboter gräbt in der Erde nach Bodenschätzen und dringt dabei, während er für Leute aus der Stadt eine Reihe von Aufträgen zu erfüllen hat, immer tiefer in die Erde vor.

 

Phage Wars und Phage Wars II.

Ausbreitung in einer Win-Loose-Situation (gegenseitiger Vernichtungskrieg). Schnell und komplex. Das Spiel bietet Feedback – nicht jede Taktik klappt. Oft ist es schwer.

Species von Phagen

Beide Spiele haben Species von Phagen, die um Wirtsorganismen in drei Größen konkurrieren und die sich dabei in ihrer Stärke im Kampf, ihrer Art der Ausbreitung (Geschwindigkeit und Geschick) sowie ihrer Reproduktion unterscheiden. Je nach dem, welche Species oder welche Eigenschaftenbündel du gerade am Start hast, sind verschiedene Strategien und Taktiken zielführend.

Phage Wars II – Ansicht des Labortisches

In Phage Wars II ist zusätzlich das Labor interessant, wo die Genome zusammen gebastelt werden können. Schön gemacht, und spannend. Hier kannst du entscheiden, welche Eigenschaften du einbauen willst, und es kommen neue Gen-Abschnitte hinzu, die du dann wieder anders zusammen bauen kannst. Einfach, und bringt die grundlegenden Ideen – was ist Bio-Tech? – ganz fein rüber.

Symbiosis

Anders, als es der Name nahe legen würde, auch hier ein Vernichtungskrieg – gute Pflanzen gegen böse Kristalle. Ein pfiffiger, schneller Spielmechanismus macht das Spiel kurzweilig und durchaus intellektuell stark fordernd. Blitzschach, nur einfacher und mit Effekten.

Symbiosis – Greenland

Zweiter Teil des Klassikers. Wieder Pflanzen gegen Kristalle.

 

Axon

Hektisches Spiel, bei dem du ein Neuron möglichst lange wachsen lassen willst.

 

 

Civilisation Wars

Civilisation Wars ist eine Serie von Simulationen von Auseinandersetzungen zwischen Stämmen – mit Ausbreitung, Kampf und Reproduktion von Populationen mit Basen unterschiedlicher Größe (Ertragskraft) und Bodenschätzen, die für magische Sondermaßnahmen ausgegeben werden können, sowie Fähigkeiten deines Stammes (die sich verbessern lassen).

Sehr schöne und eigenwillige Spielgestaltung. Grafik und Sound sind unique. Gibt dem Spiel eine besondere Note.

Civilisation Wars

Civilisation Wars 2

Civilisation Wars 3

Civilisation Wars 4

Pre-Civilisation-Serie

Eine andere Nummer als die bisherigen Spiele. Hier geht es darum, deinen Stamm als Ganzes zu erhalten und zu entwickeln, wobei Nahrung und Wachstum eng verzahnt sind mit kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritten, die in Zusammenhang mit Produktionsbedingungen stehen. Immer wird unter Risiko gearbeitet und Komplexität gesteuert, wobei stets Knappheit herrscht.

Pre-Civilisation – Stone Age

Schon am Interface erkennbar – hier ist Komplexität drin. In der Siedlung sind die Leute. Es gibt Betätigungen, die etwas produzieren, und Wache halten (was das Risiko, Opfer eines Überfalls zu werden, senkt – also Sicherheit produziert).

Der Tech Tree sieht das Programm vor, was erforscht werden kann und sollte. Wie viel erforscht werden kann, hängt von der Kultur ab. Und das Technik-Niveau bestimmt dann seinerseits die Produktion, und die wieder die Reproduktion. Gute Simulation von Wirtschaft, was die Auflösung angeht.

Pflanzen, Werkzeug, Fleisch, Feuer. Und von da an weiter. Irgendwann man Monolithen und einen König.

Pre-Civilisation – Broze Age

Mehr Beschäftigungen als im ersten Teil. Und der Tech Tree ist anders. Kultur spielt eine noch wichtigere Rolle, weil man irre viele Forschungspunkte braucht für diese Pyramide. Schon im ersten Teil geht es um die Monarchie, hier um das Pharaonen-Tum als Spielziel. Irgendwie un-anarchistisch. Geht historisch einher mit massiver Population, diese Bildung einer auf Führung spezialisierten Kaste. Kleine Gruppen brauchen es nicht, große anscheinend schon. Parallel dazu bilden sich andere Spezialisierungen, die vorher so nicht auftraten.

 

Menschen im Spätkapitalismus

Simulation einer Firma.

Corporation Inc

Spart das komplette Studium der Betriebswissenschaften.
Alles muss man selber machen. Büro bauen, Leute, Geschäft aufbauen.

 

Hektische RTS-Strategie-Spiele

Control Craft 2

A fast thinking RTS game, with tactic capabilities and graphics in unique style.

Take over the enemy colonies to battle your way through challenging levels that call for your skill and wit. Upgrade your troop, pimp up your super weapons and smash enemies to save your Planet.

Spiele mit anspruchsvoller Steuerung

Circular Tank. Gesteuert wird mit WASD oder Cursor-Tasten, dazu Zielen und Feuern mit der Maus. Kann daher auch zu zweit arbeitsteilig gespielt werden, wenn du mit Kindern spielst zum Beispiel.

Explizit politische Spiele (nicht für Kinder!)

WarLight

Harte Geo-Politik im Risiko-Stil. Ausgesprochen schwer; an der European Challenge hänge ich & komme nicht mehr weiter.

Deep State

Es geht darum, durch Politik im Hintergrund die Menschen sowohl produktiv zu halten durch ausreichende Kontrolle als auch ausreichend Angst zu erzeugen, damit in der Bevölkerung Akzeptanz da ist, um durch immer schärfere Gesetze und immer mehr Kontrolle schließlich das Spielziel Aufhebung der Demokratie erreichbar werden zu lassen.

Deep State is an incremental/idle game in which you are appointed director of the new National Security Bureau in the troubled Central Iverian Republic. Your job is to pacify the civilian populace and abolish democratic rule in favor of your own.
Purchase ENFORCEMENT to raise PACIFICATION and generate INCOME.
Purchase LEGISLATIONS with FEAR and MONEY to unlock more ENFORCEMENT and OPERATIONS.
Run OPERATIONS to generate FEAR and INCOME.
FEAR reduces PACIFICATION.
Mouse only.

 

Zombie-Apocalypse (nicht für Kinder)

Herrliches Thema, um daraus ein Überlebensspiel zu machen. Rebuild und Rebuild 2 sind die Kult-Spiele in dem Bereich.

Eine Stadt aufbauen, Überlebende und Nahrung sowie Werkzeuge zu plündern, Landwirtschaft, Verteidigung, schließlich eigene Feldzüge und womöglich ein Weg hier raus. Sehr gruselig von dem Spiel-Gefühl her, eher nichts für schwache Nerven.

Shattered Colony – The Survivors (auch nicht für Kinder)

Gleiche Thematik – die Stadt wird von Zombies überrannt. Ganz anders die Herangehensweise.

Alles ist ganz kleinteilig und genau gesteuert – wer, wohin, wie viele Leute. Welche Häuser durchsuchen, welche Objekte bauen? In Kampfpausen wird geplündert und Material heran geschafft, es werden Überlebende gesucht und Barrikaden und Türme gebaut. Aber immer drängt die Zeit.

Alle 02:30 Minuten gibt es Alarm, eine Horde kommt dann über die Brücke und es wird wild gekämpft. Zwischendurch daher erforderlich: Sich ran arbeiten und Brücken sprengen, damit weniger Verstärkung kommen kann.

 

Nicht schaffbare Spiele

Give Up und Give Up 2 nehmen ein Spielprinzip und übertreiben es extremst. Sehr blutig, aber nur Strichmännchen. Und Blutspuren, überall.

 

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Bessere Menschen kommen (und ihr müsst hier weg)

Rund um mich herum sind Baustellen, alles wird mehr und schöner, das Alte weg und schnell neu. Es kommen bessere Menschen her. Wirtschaftlich gesprochen.

17. 6. 2017 – Demonstration

An den Ziel-Mieten der neuen Objekte läßt sich ablesen, dass diese Menschen ungefähr doppelt so gut sind wie die, die aktuell hier leben.

Richtige Leistungsträger können sich eben auch mehr leisten.

Mir gefällt das nicht, die Leute um mich rum zucken bloß mit den Schultern und machen weiter.

Wieso machen die das alle so brav mit?

Sie sind gezwungen, konditioniert, eingebunden, tragen Verantwortung, werden erpresst, sind Gefangene. Vielleicht ist das so.

Was ich sehe und erlebe:

Keine Kraft, keine Zeit, keine Lust, kein Bewußtsein für den Wandel, kein Gefühl dafür, dass es auch sie betrifft und vor allem sie auch etwas darin sein können, die Geschichte beeinflussen könnten.

Daraus könnte der Schluß gezogen werden, es müsse eben so sein oder es gehöre so, wie es ist. Diese Modelle werden vertreten – weil sie so bequem sind.

Fatalistische oder faschistische Modelle – wo entweder zwar die Bedingungen schlecht, aber eben auch unveränderbar sind oder im zweiten Fall alles erlaubt ist, was der Macht dient und die Welt immer in die Über- und die übrigen Menschen (neudeutsch Opfer) auseinander fällt; im Grunde die Mentalität und Moralität einer brutalen Verbrecherbande.

Beide Sichten auf die Welt erlauben es, die Empathie zu ignorieren, da wo sie die Effizienz mindert.

Ich kann das nicht. Wenn ich erlebe, was vor mir ist – da schläft ein alter Mann in einem Hauseingang auf dem Boden. Im Freien schläft der auf der Straße. Überall drum herum ist beheizter Raum, alles leer, aber beleuchtet. Und abgeschlossen.

Würde einer aufsperren, wäre der Alte nicht mehr der eisigen Witterung ausgesetzt. Ist doch scheußlich, so da zu liegen. Das will doch wirklich niemand.

Und es ist so verrückt. Ein Mensch friert auf der Straße – daneben ein leeres Haus, beheizt und beleuchtet und mit Klos und Wasser und Kaffeemaschine. Ein unnötiger Mangel, offensichtlicher kann es kaum sein.

In Steinzeit übersetzt:

Eine beheizte Höhle steht leer, drinnen brennt das Feuer – ein Alter sitzt davor im Freien in eisiger Kälte.

Wie könnte das passieren, das macht gar keinen Sinn?

Menschlich wäre, zu sagen komm rein alter Mann, du holst dir in der Kälte noch den Tod. Und wenn niemand da ist, würde man halt ans Feuer gehen, schon damit es nicht etwa aus geht. Muss ja jemand danach schauen.

Aber heute ist es normal: Dem einen gehört die Höhle, der andere hat daher mit Rücksicht auf die nun mal geltenden Regeln draußen zu frieren.

 

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