10. Januar 1970 10:32 Frankfurt am Main

Da kam ich auf diese Welt, soweit dem Geburtsprotokoll zu vertrauen ist. Eben dachte ich mir, ich wollte doch schon lange mal mein Horoskop selbst am PC angucken. Weil meine ‚irrationale Eso-Seite‘ solche Dinge interessant findet. Astrologisch ein Steinbock mit Ascendent Fisch – eine bescheuerte Kombination. Mein Horoskop ziert laut meinem Gedächtnis (kürzlich im Sommer bekam ich pasenderweise 23 Jahre nach meinem 23. Geburtstag noch mal mein Horoskop erklärt) ein fettes Quadrat, mit Kräften, die sich – so habe ich mir erklären lassen – gegenseitig in Schach halten und im Zusammenspiel dafür sorgen, dass ich schillernd-vielversprechend erscheine, aber nicht wirklich was gebacken kriege. Knapp daneben, auch vorbei. Was so etwa meinen Lebenserfahrungen entspricht … insofern nicht abwegig. Vorhin traf ich eine Kommilitonin aus meiner Studienzeit in Gießen – 20 Jahre her, ich war damals schwer verliebt, hab ich ihr auch direkt gesagt, darauf sie, dass sie sich daran nicht erinnert. Hm. War ich direkt grausam, nach Kindern gefragt – erwartungsgemäß keine, schmerzender Punkt getroffen, und ich noch hinterher, mit mir wäre das anders gelaufen. Hab aber auch gelitten damals, da ist so was wohltuend. Die fiese Spitze eingebettet in einem sehr netten Gespräch, mir ist es dann eher danach klar gewesen, und auch wie und wieso. Hatte direkt Lust, mich mit ihr zu treffen, mal reden. Heute ist mir scheinbar so egal, was vor 20 Jahren riesige Kummerberge zu sein schienen. Ich bin so gewachsen, es erscheint mir völlig lächerlich, wie ich mich angestellt habe. Und immer noch ein Idiot. Jetzt halt mit dem aktuellen Kummer (der in ein paar Jahren genau so lächerlich und albern erscheinen wird, aber sag dem das mal, das juckt den einfach nicht). Mag ich eine Frau tatsächlich wieder treffen, die ich vor Jahren mal heiß begehrt habe? Klar. Bloß, früher hatte ich Träume. Heute bin ich lediglich bekloppt, aber ansonsten ziemlich bodenständig. Große Dinge erwarte ich mir von nichts und niemand, mich selbst eingeschlossen. Gegen kleine Dinge allerdings nichts einzuwenden, egal welcher Natur sie sein mögen. Allein aus Gründen der Neugier. Mein Bruder sagte mir neulich mal wieder, er sei ja immer der Papst gewesen, und ich ein schlimmer Finger. So war das wohl. Finde allerdings bisher alles ganz ok, was meine Finger gemacht haben – ich meine, niemanden erschossen oder so. Gewalt, Prügeln, das habe ich in meinem Leben vielleicht fünf Mal erlebt, wobei ich drei Mal Opfer und zwei Mal Täter war. Übergriffig, belästigend, Grenzen verletzend, so dass sich eine Frau über mich beschwert oder mich wegen meiner Reden scheisse findet – das gab es, beschämende Sachen, wenn Alkohol den eingesperrten Affen raus gelassen hat. Schlimm, finde ich. Während den Finger rein stecken, wenn und wo es gefällt, da habe ich kein Problem damit, egal was irgendwelche Leute sagen. Sex ist was Tolles, und nicht schlimm oder schmutzig oder so was. Und Sünde schon gar nicht. Scheiß auf alle Päpste, die es jemals gab und geben wird. Zurück zum Horoskop – zwischen folgenden Polen spannt sich mein Leben auf – da ist ein intelligentes, klares Ding, was sprachlich und verstehend arbeitet. Da ist ein dunkles Ding, was Irrationalität einbringt, Chaos, Anarchie. Lilith. Saeva, wenn ich mich damit identifiziere. Und da ist eine Sexualität, die unterdrückt ist. Was mir schwer fällt – mich sexuell locker machen. Da steht der Saturn. Beides gehört zusammen. Nun fehlt noch ein Pol – den habe ich vergessen. Dank open source Software kein Problem, das sich nicht flott lösen ließe. Hinaus aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit, oder so. „Zodiac“. Kostet nichts, ist leicht zu verwenden. Hat mich jetzt 5 Minuten gekostet, das hier zu zaubern:

Jeder Mensch, der zu dieser Zeit auf die Welt kam - das sind sicher einige - teilt nach Ansicht der Astrologen ein Schicksal. Und eine Aufgabe.
Jeder Mensch, der zu dieser Zeit auf die Welt kam – das sind sicher einige – teilt nach Ansicht der Astrologen ein Schicksal. Und eine Aufgabe.

Erster Erkenntnisgewinn – hier ist das Quadrat gar keins, auch Saturn steht anders – möglich, ich hab‘ es direkt falsch gemacht. Wäre mir zuzutrauen. Auch komisch – bis eben dachte ich, ich sei an einem Sonntag geboren. So erzählt das Mutter, und die hat immer recht. Andererseits sagt der Computer, es war ein Samstag. Nu‘, wen soll das stören? Auf der Welt bin ich nun mal, wann und wie, Samstag oder Sonntag, egal. Der ‚vergessene‘ Gegenpol liegt im Äußeren, im Skorpion. Die beiden Menschen, von denen ich die schwierigsten Lektionen bekommen habe, sind mein Bruder und mein Sohn. Um das mal so auszudrücken – es gibt Situationen, wo wir emotional ziemlich aneinander geraten. „Weil du deinen Schatten nicht siehst“, sagt meine Eso-Freundin. Hat sie recht – wie derbe egozentrisch ich bin, fällt mir erst auf, wenn es jemand hart kontert und ich dann unangemessen reagiere. Und wie verletzlich ich bin, fällt mir auf, wenn jemand meine Schwächen mit sichtlichem Lustgewinn ausnutzt. Ein gutes Maß für Härte und Barmherzigkeit, sicher wäre das genial. Ich bin entweder sehr hart (selten) oder sehr weich, und wechsele abrupt, wenn es nicht paßt. So ein Verhalten sei mit Kindern nicht gut, weil sie geduldig und konsequent Grenzen aufgezeigt bekommen wollen würden, sagt die Lehrmeinung der Mütter. Und es stimmt. Mein Sohn testet Grenzen. Es braucht Geduld, damit umzugehen. Vor allem ’sinnlose‘ Regeln sind meiner Meinung nach schlicht nicht aufrecht zu erhalten – und das sind die meisten. Dominanz und Unterordnung, was als Erziehung verkauft wird. Etwas Sadistisches. Völlig anders sehe ich die Geschichte mit den Konsequenzen – die soll es geben, klare und deutliche Reaktionen auf klar markierte Verhaltensweisen, damit Zusammenhänge lernbar sind. Was ich gut finde, was ich unakzeptabel finde, das sind Dinge, die mein Kind wissen will – ich muss ihn nicht zwingen. Er erkundigt sich von selbst. Anders mit Verhalten, was er ausführen soll, aber nicht mag – da sind Eltern angeblich ständig in der Pflicht, das Kind zu scheuchen – anziehen, Bahn kriegen, Ranzen packen — aber auch da finde ich, es ist bloß unsere Aufgabe, anzuleiten und Erwartungen zu äußern (wenn wir welche haben). Befehl und Gehorsam sind Strukturen für Soldaten, nicht für kleine Menschen. Andererseits mein Schatten – ich setze Zeit meines Lebens große Hoffnung auf gewinnbringende Partnerschaften, aber meine – mutmaßlich guten – Ideen beißen sich mit meiner asozialen Egozentrik und meinen dunklen Strebungen, was diese Unternehmung immer wieder wenig vorhersagbar torpediert. Andere Leute reagieren auf meine schrägen Seiten mit Ärger oder Rückzug, oder ich verliere plötzlich den Kontakt mit der Wirklichkeit anderer Leute. Ich mache letztlich dann kaputt, was mir am Herzen liegt, und werfe das den anderen vor. Ergebnis: Ein einsames Hundeleben, traurig bisweilen. Selbst dran schuld. Lerne ich halt, es besser zu machen. Offen damit umgehen. Schuld, Scham, Sünde. Ein Komplex. mea culpa, mea maxima culpa. Kann wirklich jemand die Menschen lieben? Früher hätte ich gesagt, nein, nur wer dumm ist und blind, kriegt das vielleicht hin. Heute finde ich es schwer, mir vorzustellen, wie wie jemand die Menschen nicht lieben kann. Klar, manche sind manchmal scheußlich, und ich mache auch mal Kurz-Urlaub in den Misanthropen, wenn mir danach ist – aber insgesamt sind Menschen toll, wie sie aus allem irgendwie was machen. Wie sie sich alle mühen und sorgen und machen und tun, und um ihre existentielle Not drum rum leben. Auch irgendwie drollig. Was nicht ausschließt, das die gleichen Leute brandgefährlich sein können, es sind ja Menschen, und das bedeutet – auch, nicht nur – gefährlichstes Raubtier des Planeten. Jeder von uns hat durch sein Gehirn alle Möglichkeiten, und diese Freiheit macht Menschen so besonders gegenüber den anderen Tieren. Das Hirn wirft aber auch diese Fragen auf, die Tiere möglicherweise so nicht stellen – wozu, weshalb, warum? Und auf dem Weg zur Klärung müssen Fehler gemacht werden. Das Scheitern gehört absolut dazu.

Wissenschaft. Mond im Wassermann. Dinge sind nicht sicher, eher im Gegenteil ist einzig sicher, dass sie vorläufig sind. Wir wissen nichts, wir arbeiten dran und haben Hypothesen dazu, aus denen wir Theorien bauen, und wenn die gut sind, funktionieren ihre Anwendungen tatsächlich. Ist aber auch möglich, dass wir in einem Elfenbeinturm die dunklen Jahrhunderte überwintern wollen würden, ließe man uns denn. Und meine bewußteste ‚unbewußte‘ Strebung ist die meiner Seele nach der großen Verbindung. Mars in den Fischen, ein Pazifist. Das beißt sich mit meiner Überzeugung, dass ein Kampf nötig ist, um die Welt gerecht zu machen – seit ich denken kann, war ich dafür, dass es weniger militärische Gewalt in der Welt geben sollte (keinesfalls mehr). Und das Menschen töten falsch ist. Heute denke ich, es ist noch mal anders. Der andere bist du, daher ist ihn töten sicher für beide Seiten ein Verlust und völlig sinnlos. Ficken sehr viel besser, oder Faustkampf.

Es folgt eine Abschweifung. Diese ganze Geschichte mit den Fernwaffen ist doch ehrlos, zudem. Aber halt teuflisch wirksam. Wie widerlich überhaupt das ganze Spektakel rund um das Blutvergießen von Männern ist. Aber eben auch archaisch-attraktiv. Die Lobhudelei, die Verklärung, die mit den erfolgreichen Mördern früherer Zeit betrieben wird – Könige, Fürsten, Päpste – alles nette Leute, war da was? Auch das scheußlich geschichtsvergessen. Identifikation mit dem Aggressor, so wie die Nationalisten – schreien „wir sind das Volk“ und wollen „im Namen des Volkes“ die Todesstrafe wieder haben. „Gegen Kinderschänder und Drogendealer“. Die Obernazis dann selbst vermutlich mißbrauchte Kinder und auch selbst „Kinderficker“ und vorbestrafte Koks-Dealer, und auch sonst zumeist genau das, was sie angeblich ablehnen. „Volksverräter“ rufen und V-Mann sein. Überhaupt, die Probleme mit dem Mann-Sein, das wäre wohl ein eigenes Thema wert. Ende der Abschweifung.

Wer bis hierher gelesen hat und mir zu dem Horoskop was sagen kann, möge gerne einen Kommentar hinterlassen oder mich per facebook kontaktieren.

Steinböcke werden oft Politiker, zum Beispiel Peer Steinbrück hat am gleichen Tag (aber anderes Jahr) Geburtstag wie ich. Und andere Leute auch, darunter (Auflistung einer Chronik-Website):

POLITIKER (67), FUSSBALLSPIELER (57), SCHAUSPIELER (35), SCHRIFTSTELLER (13), EISHOCKEYSPIELER (10), MALER (9), SÄNGER (9), PHYSIKER (9), RADRENNFAHRER (7), KOMPONIST (6), LEICHTATHLET (6), JOURNALIST (6), FILMREGISSEUR (6), MUSIKER (5), REGISSEUR (5), AUTOR (5), DREHBUCHAUTOR (5), MATHEMATIKER (4), UNTERNEHMER (4), ARCHITEKT (3), ERFINDER (3), PRÄSIDENT (2), KÜNSTLER (1),KÖNIG (0), DIKTATOR (0), KRIEGSVERBRECHER (0)

Auch eine schöne Art, das aufzufächern. Gegen Könige, Diktatoren und Kriegsverbrecher hab‘ ich was. Sport nicht meins wegen Brille, eher Sprachen als Mathe. Statistik liebe ich, aber das ist nicht das Gleiche wie dieses Algebra-Zeugs, was ich nie kapiert habe. Angeblich hat Isaak Newton die Statistik betrieben, um damit die Astrologie zu überprüfen (so habe ich das mal gelesen). Ansonsten die Berufsliste, alle für mich Sachen, die mir gefallen. Ich würde gerne schauen, ob es eine gute Korrelation gibt zwischen dem, was Horoskope angeblich sagen, und solchen Daten über Leute und Berufe. Vermutlich landet eine solche Korrelation bei Zufallsniveau. Wieso prüft das nicht mal jemand – heutzutage mit big data wäre das doch easy zu machen, aber die Hautanwendung – das matching von Paaren, da beißt sich die entsprechende Dienstleistungsindustrie an passenden Algorithmen die Zähne aus. Wäre doch toll, wenn Astrologie stimmen täte. Dann könnte ein Programm geeignete Partner sofort identifizieren. Oder dir eben sagen: Du bist nicht der Typ für Partnerschaften. Nun. Heute eine Abhandlung von Futuristen gelesen, da ging es drum, wie Beziehungen gestaltet werden in einer fluiden Welt ohne die Zumutung von Bindungserwartungen, wie sie die Stammesgeschichte evolutionär angelegt hat (die transhumanistischen Futuristen sehen das als eine zu überwindende Barriere auf dem Weg zu einem anderen Leben). Und dachte sofort, na Alter, läuft nicht bei dir. Schön, wenn es anderen schlecht geht, und sie daraus etwas so Wunderbares erschaffen wie eine vorgestellte paradisische Zukunft. Da geht es mir doch gleich besser. Und ich sollte die Studienkollegin wirklich mal kontaktieren. Bei Gelegenheit. Seit der Lerngruppe fürs Vordiplom ist ja doch ein wenig Zeit vergangen. Wie einfach das war, sie anzusprechen, und wie schüchtern ich mal gewesen bin. Witzig.

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Deutschland 2016 – Einkommen und Besitz

Wie es aussieht, sagen uns Statistiken. Einkommensverteilung. Wie viele verdienen wie viel, eigentlich? Kapiert niemand. Zahlen sind nicht anschaulich. Wie es aussieht, sieht man nicht aus Zahlen, sondern aus Körpern.

Lego-Modell - Einkommens- und Besitzverteilung BRD 2016
Lego-Modell – Einkommens- und Besitzverteilung BRD 2016

Lego ist anschaulich. Also hier ein Modell aus Lego. Blau ist die Gesellschaft mit ihren Institutionen, die Farben sind Schichten. Zwei blaue Figuren links und rechts, das sind die Arbeiter. Die tragen das System. Der links hat Arbeit, der andere nicht oder nur prekär. In der Mitte ragt ein Turm aus farbigen Steinen nach oben – das ist die Bevölkerung, in die Länge gezogen nach erzieltem Netto-Einkommen. Die Höhe im Turm entspricht einem gewissen Einkommen in Euro. Die blaue Säule unten – das Fundament der Säule – das ist Harz-4 als nominelle Einkommens-Untergrenze. Drunter kann mensch aufstocken, wenn mensch deutsch ist. Die Armutsgrenze, das ist die blaue Mittelachse. Drüber liegt die mittlere Mittelklasse (rot), deutlich darüber die obere Mittelklasse (grün), gefolgt von den Reichen und den extrem Reichen. Die Zahlen und Volumina (als Abbildung von prozentualen Bevölkerungsanteilen) hab ich mir nicht ausgedacht, das ist nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, mit Zahlen aus der ZEIT und von wirtschaftsfreundlichen Zahlenliferanten. So sieht das aus: Besitz ist codiert als Steine, die neben der Mitte plaziert sind. Die unteren Schichten haben ein Einkommen unter der Armutsgrenze (schwarz, braun) und besitzen praktisch nichts (1-3%).  Dann kommt die mittlere Mitte. In dieser Gruppe sind 50% der arbeitenden Bevölkerung – die besitzen immerhin 20% … während die gehobenen Lakaien (grün, ab 2660€ netto/Single, immerhin 10% der Bevölkerung) ebenfalls 20% besitzen. Die reichen Weltbesitzer (gelb, 6,5%) und die winzige Gruppe von wirklich richtig reichen Leuten (hellgrüner Stein) sind natürlich in einem feineren Modell eine sehr viel höhere Spitze – die extrem Reichen sind in keiner Statistik gut erfaßbar.

ach, mach ich erstmal einen repost von FB, habe es da schon mal zusammen geschrieben … Vielleicht komme ich mal *irgendwann* dazu, das hier enthaltene visuelle Argument noch etwas auszubauen. So von wegen Klassengesellschaft.

Einkommens-Säule BRD 2016 Lego
Einkommens-Säule BRD 2016 Lego

Statistik in Lego: BRD – Einkommenspyramide und Vermögen.

Höhe: 1 Lego = 150€. Mittig die Zahl der Leute, die ein solches Netto-Einkommen beziehen – ausgedrückt als Volumen der Säule.

Die Bewertung bezieht sich auf das Einkommen von Singles.

Arme (schwarz) und untere Mittelschicht (braun) jeweils ca. 15%, mittlere (rot, knapp 50%) und obere Mittelschicht (10%) sowie die Oberschicht (restliche 10%).

Links daneben das Vermögen. 20% besitzen 80%. Und 80% besitzen 20% – wobei hier eine mittlere Mittelschicht mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 50% die Besitzer sind.  30% ganz unten besitzen praktisch nichts (1%).

Zahlen aus Spiegel, Zeit, FAZ, Armutsbericht. Alles ziemlich pi mal Daumen maßstabsgenau.

Und wie schön es paßt, entlang der Wirtschaft die Politik erklärend – das Wählerpotential der extremen Rechten liegt bei 15%, das wären hier die braunen Steine. Es gibt eine rot-braune Grenzzone. Schwarz wären die Nicht-Wähler. Vermutlich verschieben sich diese Übergänge nach oben. Rot ist die Mitte, in den Schattierungen grellrot, mäßig rot und mäßig schwarzrot zu haben, aufgeteilt 20-20-10, dazu 8 gutverdienende grüne und 4,5 liberale, das sind dann die ~62% gültige abgegebene Stimmen, so kommen die Volksparteien auf ihre Zahlen (die Nichtwähler fallen raus, und das könnten ja genau die unteren 40% sein). Das Modell erklärt gut 1) wieso und wo es sozialen Brennstoff durch Zuwanderung gibt – nämlich da, wo die Habenichtse a) auf die kleinen Leute am unteren Rand treffen – in direkter Konkurrenz um Jobs und Wohnungen und b) die Kleinbürgerlichen ihr Errungenes bedroht sehen sowie c) die wirklich Reichen sich zunehmend unsicher fühlen und logischerweise – so funktioniert jede Politik – Gruppen gegeneinander ausspielen.

Das Eigeninteresse der oberen 20% am Erhalt der bestehenden Ordnung dürfte beträchtlich sein – und das sind die Leute, die auch dafür sorgen, das alles so bleibt, wie es ist: Sinkende Löhne, steigende Profite. Bis alles nach oben verteilt ist. Was passiert eigentlich dann?

Mir ist klar, dass das Modell komplex ist, darum noch mal der Aufbau …

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Einkommensverteilung – wer verdient wie viel, wie viele Leute verdienen zwischen X und Y. Die Säule zeigt das an – Höhe = Nettoeinkommen, Dicke = wie viele Leute bewegen sich in dem Bereich (Bevölkerungsanteil). Form = künstlerische Freiheit, es soll/muss halt säulenartig geformt sein.

Und als zweite Information, wer besitzt wie viel?

Die Lego-Klumpen entsprechen dem prozentualen Anteil am Volksvermögen, die Farben sind der Einkommens-Säule zugeordnet.

Links: Besitz. Rechts: Netto-Einkommen. Farben = Schichten

Links: Besitz. Rechts: Netto-Einkommen. Farben = Schichten. Unterschicht/Schwarz (geht bis zum Boden runter, schlecht zu sehen, typisch, die im Dunklen sieht man nicht), dann untere Mittelschicht/braun. Besitz dieser Gruppen – zusammen 30% der Bevölkerung sind 1% des Volksvermögens (die ich hier nicht auf dem Bild habe).

Meine Interpretation steckt in den Farben:

Das sind einmal die 15-30% Deutschen, die gerade im braunen Sumpf unterwegs sind – 15% über (noch rot) und 15% unter (bereits braun) der 1420€ netto/Single-Armutsgrenze. Annahme: Die noch weiter unten – schwarz – gehen nicht wählen.

Ich finde ja, es gehört was geändert, es sind zu viele arm. So geht das nicht. Und es wird schlimmer, daher Aufstand. Maximal wären für eine Revolution von Unten gegen den Staat diese entrechteten, besitzlosen Schichten mobilisierbar, quasi Gangster-Ghetto-Aufstand. Erfolgschance: Null. Linke Parteien wählen ist auch eher mau in Deutschland. Die christlich-soziale Demokratie hat keine andere Idee für die Zukunft als das Durchwurschteln. Während das System weiter nach oben umverteilt, bis alle Sozialsysteme auf dem niedrigsten kontrollierbaren Stand angekommen sind und alles privatisiert ist. Daran wird sich absehbar wenig ändern durch ein Einsehen im Inneren des Systems. Der Staat löst nicht mal eben die Probleme. Sondern, der Staat garantiert, das alles in etwa so weiter läuft. Abweichung und Protest werden eingespeist und zu Waren konvertiert. Systemveränderung als Aktie? Kommt vielleicht mal.

Propaganda-Institute als private Medienkonzerne, das gibt es. Eine populistische Partei mit der Absicht, einschneidende Veränderungen vorzunehmen, würde den Staat nicht reformieren wollen (oder können), sondern übernehmen und anschließend zerstören – was die Nazis ja erfolgreich gemacht haben. Mittel der Wahl wären Ressentiments und Lügen. Demagogie. Und Medien-Kontrolle. Wenn das nicht da ist, dann indirekte Medienkontrolle über Provokation und Spektakel. Populismus mischt bekannte Versatzstücke zu einem klebrigen Schleim, und damit pappen sie ihre Visagen auf Youtube als neue Führer und Propheten, so wird das gemacht.

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Absichtlich gemacht

Welche Absicht dahinter steht, Absichten zu definieren, dürfte klar sein – es geht regelmäßig nicht um Lob, sondern um angemessenes Bestrafen. Eingehegte, legitime Rache. Eine Demonstration von Macht und Grenzen des Erlaubten. Schmerz, der zugefügt wird. Einst königliches Privileg, heute im Rechtsstaat in vernüftigen Grenzen öffentlich zugänglich – die Strafanzeige macht es möglich. Aber ob zivilisiert oder weniger zivilisiert, Strafe bedeutet Schmerz zufügen. Lerntheorie sagt, es wird nichts Sinnvolles gelernt aus Bestrafung. Also geht es nicht um etwas anderes als Machtausübung zur Befriedigung einer inneren Motivation des Strafenden. Und dafür braucht es Gründe, insbesondere für die gerechte Vergeltung einer bösen Tat. Da muß Absicht berücksichtigt werden. Absicht ist ein gerichteter Wille, eine Form von Vorsatz. ‚Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung im Bewusstsein der Rechtswidrigkeit‘, darum geht es den Juristen. Getan, um zu. So wird das formuliert.

Wenn etwas nicht gewollt war, kein Plan dahinter steckte, man etwas Schlechtes ohne böse Absicht getan hat, trifft einen auch weniger Schuld oder umgekehrt ist es schlimmer, etwas absichtlich (bewußt, gezielt, geplant, rational, kaltblütig, heimtückisch, unter Ausnutzung von erkennbaren Schwächen, mit Täuschungsabsicht) getan zu haben. Also Versehen, Irrtum, Fahrlässigkeit, Unkenntnis, heftige Emotion, Vollsuff und dann passiert was, das ist was anderes als genau so getan wie gewollt.

Manche können sowieso niemals nichts dafür, weil sie nichts kapieren oder einsehen können. Das wäre dann Unzurechnungsfähigkeit. Alles darüber von Georg Kreisler: Der „Onkel Joschi„. Dieser nette feine alte Herr. Hat es freilich auch gut, dass man ihn in Ruhe ließ, jedenfalls bis zum blutigen Ende. Ach, herrliches Lied.

Zurück zur Schuld. Wenn – wie das fast immer der Fall ist, wenn Menschen was fraglich legales machen und nachher streiten, was da passiert ist und wer es verbockt hat – es um einen nicht gewollten, aber in Kauf genommenen Schaden geht, dann reicht statt Absicht auch der Eventualvorsatz:

Oft trifft man aber auf die Konstellation, dass ein Täter den Erfolg eigentlich gar nicht will, ihn aber als – möglicherweise sogar unerwünschte – Nebenwirkung seiner Handlung in Kauf nimmt. Dieses Inkaufnehmen der Verwirklichung des tatbestandlichen Erfolges wird Eventualvorsatz genannt. Allgemein herrscht Einigkeit, dass für die Strafbarkeit einer Tat Eventualvorsatz genügt.

Gegen wirtschaftliches Handeln ist erstmal ja nix zu sagen. Gewinnmaximierung ist logisch. Sie zu wollen also für den rationalen Unternehmer Pflicht.

Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.
Ein Mechanismus, sie alle zu knechten. Gewinnmaximierung.

Was die vielen Menschen angeht, die durch den Hunger, die Armut und die Gewalt zu schaden kommen als Nebenwirkung von billigen Konsumgütern …

Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.
Urwaldbewohner-Schlumpf im örtlichen Regenwald. Wirkt entspannt, hat aber eine Pike dabei.

z.B. die „Wilden“, die mal die Gegend bewohnt haben, bevor der Wald jemandem gehörte … ist ja keine böse Absicht, wenn hier Leute vertrieben werden — bloß die Maximierung des Gewinns.

Hm, nachdenk, warte mal – Nebenwirkung und Inkaufnahme reichen aus für Strafbarkeit. Wie wir produzieren lassen in anderen Ländern, dürfte bekannt sein. Ist nun der Unternehmer schuld, der Staat, der Konsument, der Söldner – alle, keiner, manche, wenige? Sind es die Multis? Ist es das System der Finanzierung? Wer ist schuld an den kriminellen Mißständen?

Ist es kompliziert – oder in Wahrheit ganz einfach?

Die perfekte Vereinfachung – es sind die Anderen schuld, idealerweise eine kleine abgegrenzte Gruppe, die überall für anders definiert werden kann – führt bei Welterklärungen der völkisch-populistischen Art stets zum Ressentiment, auf das sich alle Nicht-Juden einigen können: Schuld sind die Juden, das raffende Kapital, ein paar kranke Bösewichter in einer an sich gesunden Wirtschaft, teuflische Widersacher.

Hitler hat das Potential dieser fiesen Form von Exkulpierung voll erkannt und mörderisch ausgeschöpft. In Nazi-Kreisen ist logischerweise auch der Jude schuld am Weltkrieg, war ja alles nur Notwehr gegen die Polen etc.

Canalterror – Maximierung des Gewinns

Tote Fische, Gift im Boden, Luft verpesten, Wälder roden
Babynahrung, Killerwaffen, raffen raffen raffen raffen
Düngemittel und Kanonen, konzentrierte Produktion
Leben für den Zinseszins zur Maximierung des Gewinns
(Ref.)
Die Multinationalen haben die Welt in ihrer Hand
Die Multinationalen sind die Herren in diesem Land
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
kalkulieren, subtrahieren, produzieren, ausradieren
Zur Maximierung des Gewinns, zur Maximierung des Gewinns
Strategie der Unterdrückung und der Manipulation
Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, alle Werte blanker Hohn
Was sie tun hat nur ein Ziel, Mitleid zählt da nicht mehr viel
Menschenopfer für den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.
Lebensqualität erhöhen haben die Multis nicht im Sinn
das Primärziel ihrer Wirtschaft lautet nur Bilanzgewinn
Nur ein Wort kann sie erheitern, das heißt ‚Kapital erweitern‘
und wir alle zahlen den Zins zur Maximierung des Gewinns
Ref.

Aber auch der linke Protestsong als Genre bedient sich gerne der rechts-offenen Klischées – böse Multis sind die mitleidslosen Herren der Welt und vergiften die Welt mit Dreck, Gift und Lügen, dahinter stecken wenige, und die gehören abgeschafft. Statt den Klassenfeind mal genauer zu analysieren, produziert sich so der linke gerade wie der rechte Judenfeind – der sich gegen Vorwürfe wehren wird, die ihn als Antisemit markieren – als mutiger Aufklärer gegen den Zinseszins und die Konzerne.

Noch mal zum Mitschreiben: ‚Weltverschwörung‘ ist KEINE Analyse von irgendwas. Es ist eine bekannte Propaganda ‚rechter‘ wie ‚linker‘ populistischer Menschenfeinde, die zu Gewaltexzessen führt. The soil of Treblinka is rich in your guilt. Der Ausrottung von Juden folgt kein Paradies, sondern die Ausbeutung geht ungerührt weiter, weil. Egal, wie viele Menschen sterben, das System wird davon nicht berührt.

Die Welt wird politisch, sozial, kulturell, militärisch, wirtschaftlich etc. kontrolliert von einer Interaktion von Machtzentren unterschiedlicher Größe, die sich auseinander setzen und zusammen tun, und darin sind chaotische Prozesse auf vielen Ebenen wirksam, die niemand steuern kann.

Prozesse sind nicht zu 100% kontrollierbar. Es reicht ein wenig Komplexität, um die Dinge unvorhersagbar zu machen. Und Menschen, ihre Absichten und Pläne und Strebungen, das IST komplex. Viele davon, die untereinander sich balgen um Status und Vorteile, sprich Politik.

Ganz zu Schweigen von Emergenz, wenn Systeme höherer Komplexität entstehen. Sprich: Kein Mensch kann alles kontrollieren, auch kein Gott oder Computer. Diese werden immer durch eine logisch größere Klammer gerahmt, so wie in ‚einer der bekannteren Götter auf dem Planeten Erde im Anthopozän war xyz‚, als Randnotiz in „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Und Geld ist wirkungslos ohne den Rahmen, dem wir ihm geben – Geld regiert nicht die Welt, sondern Menschen, und genug Geld bedeutet ja auch nur Leben können, also scheissen sammeln jagen kochen essen werken trinken ficken schlafen. Wer mehr will als das Nötigste (also praktisch jeder außer dem Heiligen Martin, der Eremit ist) steuert mit am System von Kontrolle und ist logischerweise gefangen im Netz der Sünde – Konsum, her damit, was wollen wir noch? Und das Zeugs muss ja irgendwoher geholt werden und von irgendwem gemacht und so, und es muss was dafür geben, dass ich es kriege. Irgendwer hat dafür geblutet. Oder auch nur geschwitzt … oder es wurde lediglich Strom verbraucht. Idealerweise lediglich Licht einverleibt. Photosynthese macht vieles einfacher, moralisch gesehen. Als Mensch auch nicht so das Problem, von Pflanzen zu leben (weil sie anders bluten als wir). Und irgendwann bauen Nano-Maschinen aus Sonnenlicht und Irgendwas alles andere nach Belieben, dann ist die Erde im creative mode angekommen. Moralische Probleme beim Konsum, wieso überhaupt? Je näher der Konsum der Selbstverzehrung rückt, um so tabuisierter – nicht die eigenen Leute vergewaltigen, umbringen und aufessen – doch nicht solche, die sind wie ich. Das wir alle kapitalistische Menschenfresser sind, dog eat dog, das sollte und müßte so nicht sein. Möglich ist es, weil wir uns und die anderen als getrennt betrachten. Die Idee von Menschenrechten – alle Leute sind ‚die eigenen Leute‘, unverletzlich wie man selbst, egal wer und wie sie sind – bedeutet genau das Gegenteil. Alle sind eins. Was du anderen tust, tust du dir. Letztlich christlich. Jesus. Oder mystisch. Oder Buddha. Oder Atheisten mit Goldener Regel. Empathie und Respekt. Sich nicht teilen lassen. Ich bin du. Du bist ich. Alle sind letztlich eins, darin besteht ultimativ die Realität. Licht, Schwingungen. Und wer das anders sieht, der kriegt ein paar auf die Ohren. Bevor das hier zu Hippie-mäßig wird.

ORPHANED LAND – All Is One

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Körper, Geist und Seele

Dynamische Gleichgewichte, die sich immer wieder neu austarieren. Das ist Leben. Für was ist der Mensch haben wir Systeme abgegrenzt anhand ihrer Irritationen – eine Systemgrenze ist da, wo es nicht geteilte Parameter gibt, die in Konflikt geraten – und Teile benannt. Irgendwie sind ‚Denken‘, ‚Fühlen‘ und ‚Wissen/Spüren/Erfahren‘ getrennte Systeme, die miteinander in Widerspruch sein können. Und die zugleich sich bedingen und untrennbar sind. Mein Erfahren wird geprägt von meinem Denken und Fühlen, die Bewegungen sind Ausdruck des Inneren, und was ich sehe, verstehe ich nur anhand meiner eigenen Konstruktionen. Zugleich kann ich anderes Denken ausprobieren und andere Dinge ausprobieren, dann ändern sich Gefühle und Erfahrungsräume. Oder ich gehe in ein anderes Gefühl, höre eine andere Schwingung, verändere die Musik und Beleuchtung, dann denke und erlebe ich anders. Manchmal passt etwas oder passt gerade nicht, auch da sind es wohl Irritationen, die als Erfahrung mit den bekannten Mustern und dem aktuellen Prozess verglichen und nach Nützlichkeit bewertet werden. Wir suchen Leute, Dinge die uns weiter bringen. Wo ist vorne, weiter, besser? Da kommen dann wieder andere Modelle ins Spiel.

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Zukunft des Ressentiments

Die Heimatlosigkeit im Universum und der bedrohende eigene Tod sind unangenehme Fakten, denen mit einer irrationalen Wendung zu begegnen – ‚den Glauben finden‘ – wohl alternativlos ist (für die Bequemen).

Die Trends zur Auflösung des Selbst in einer beliebigen Masse bzw. die Fusion mit einer Idee von Gott, Nation, Bewegung, etwas Größerem als uns selbst, was ist das sonst als der Versuch, die existentielle Verzweiflung in etwas Gemeinschaftlichem aufzulösen – der Stamm, die Sippe, die Kultur, die Religion, der Staat etc. sind Konstruktionen, die die Einzelnen in ein Projekt und einen Mythos einbinden. Möglicherweise brauchen wir Menschen das zur Orientierung, es ist aber auch Quelle der zerstörerischen Dinge. Wer ist Freund und wer Feind – ein solches Bezugssystem geht ja nicht ohne Ideologie und basiert letztlich auf dem sinnstiftenden Element des Kampfes gegen die Anderen und dem Schutz der Eigenen – mit wechselnden Koalitionen, das macht es so spannend und vielseitig. Und halt mörderisch. Das Bindungshormon Oxitocyn steuert solche Verhalten, es scheint so zu sein, dass Babys das ausdünsten und es beim Kuscheln entsteht, und es macht ganz weich und sanft und zugewand – evolutionär sinnvoll, sonst würden solche kleinen wehrlosen Wesen kaum durch kommen – und macht zugleich extrem bereit zu Aggression gegen (vermeintliche und echte) Bedrohungen. Steile These nun, genau darum geht es beim geteilten Ressentiment: Gemütlichkeit herstellen, ein ‚Wir‘ – das geht nur als Abspaltung von negativen Emotionen, die gegen Dritte neu gerichtet werden; unter einander Einigkeit und Liebe, das bedeutet immer ‚das Böse ist nur da draußen bei den Anderen‘.

Bewegungen, die sich mit dem größeren Körper identifizieren, von dem sie ein Teil waren und weiter sein wollen – Mama, Papa – bzw. das übertragen auf idealisierte Personen – Politiker und religiöse Führer – sind genau über dieses Bindungsangebot interessant für Menschen. Regression, kindliche Verarbeitungsmechanismen, das setzt ein, wenn bei Menschen die höheren Systeme überfordert sind – und dann kommen Papas wie Putin, Trump, Erdogan, Hitler … jedenfalls Heilsbringer-Inszenierungen, die die wesentlichen Dinge sagen – du bist ein geliebtes Kind, du bist nicht allein, ich bin stark und schütze dich, wir halten zusammen, die kriegen uns nicht klein … vermutlich kann kein Mensch einem solchen Angebot von Trost widerstehen, auch wenn es gelogen ist. Nationalismus, damit beschäftige ich mich, weil es um mich rum so dumpf tönt. „Wir sind die geborenen Guten“, eine Super-Sache — das ermöglicht auch eine Entsorgung von Zweifel (‚gut‘ ist relativ und letztlich willkürliche Definitionssache) und lästiger Moral (wo ‚gut‘ nur Handlungen im Hier und Jetzt sein können).

Gleichzeitig ganz logisch und sehr unheimlich ist die totale Ermächtigung. Wir dürfen alles. Wir sind im Recht und werden siegen. Gott mit uns. Wenn Einzelne so drauf kommen, werden sie mit Recht für gefährliche Verrückte befunden. Anders bei großen verrückten Gruppen, wo es möglich ist, dass sich viele Leute gegenseitig bestätigen, dass alles im grünen Bereich ist. Was dem folgt, sind in der Regel die Kriege (Abschlachten der Zivilisten). Muss das sein, muss man das jetzt wieder akzeptieren, ist es halt so? Ich weigere mich, das als gegeben zu nehmen. Mitmachen, weil das normal ist? Und wenn die verrückte Gruppe groß genug ist, dann definiert sie die Normalität. Aber eben nicht ganz – sie braucht ja den Gegenpol zur Definition, und dann ist es Ying-Yang und wieder alles in Bewegung.

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Bauanleitungen für den Heimwerker ohne Vorstellungskraft

Selber machen ist spannend und zeitraubend zugleich. Manche mögen den Prozess mehr als die Ergebnisse, so ich. Wenn ich was mache, dann weiß ich, ich verwerfe es auch wieder, es ist immer nur provisorisch. Andere wollen lieber effizient sein, etwas fertig stellen, und unterwegs wissen, was sie tun, idealerweise alles schon durchgeplant und dann ruck-zuck und Schritt-für-Schritt und wie ein Algorithmus, denn nur so geht das. Bauanleitungen. Die Kreativität und auch den Planungsprozess aus dem Bauprojekt raus nehmen. Nu, jedes Ding hat drei Seiten. Sonst wäre es kein physikalisches Objekt, vulgo „Ding“, 3D und so. Aber auch Dialektik, Dreieck, Buddhismus, Konstruktivismus. Es hat schon Sinn, wieso die nach Erkenntnis strebenden Menschen die Werkzeuge und die Tätigkeit, die selbstbestimmt ausgeübt wird, schätzen.

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